Mangouste

[692] Mangouste.

Mangouste oder Mangouse, ist ein indianisches vierfüßiges Tier, welches an Gestalt unsern Wieseln ähnlich ist, nur daß sein Leib in etwas länger und viel dünner; die Schnautze ist auch dünner und die Schenckel sind viel kürtzer. Der Kopf sieht einem Eichhörnleins Kopfe nicht ungleich, ist mit starckem Haar bedecket, das wie geschoren sieht. Die Augen sind dick und trefflich lebhaft: die Ohren sind kurtz und oben rund: der Schwantz ist mit allerhand farbigen Haaren besetzet, und nach Proportion etwan so lang als wie ein Rattenschwantz. Dieses Thier ist von dem Kopfe an zu rechnen bis an des Schwantzes Spitze ungefehr drittehalben Fuß lang: die Farbe ist gar schön. Die Haut ist voller langer Haare, welche bunt sind, und an jedem Härlein spielet zwar schwartz und weiß vor, doch zwischen diesen Farben findet sich auch eine rothe, welche gleichsam zur Schattirung dienet, damit die Vermischung desto lieblicher heraus kommen möge Es fällt gegen China und Siam zu, im Königreiche Calecut. Es ist behende, lustig und lässet sich gerne zähmen. Mit den Leuten spielet und schertzet es so artig, wie die kleinen Hunde; alleine, wann es frist, dann ist es tückisch; es murrt und gruntzet, und fällt, die ihm alsdann zu nahe kommen, grimmig an. Die Schlangen weiß es listiglich zu fangen: es jaget auch die Papageyen auf und frisset sie. Die Ratzen fällt es, als wie eine Katze an: und ist ein rechter Schrecken dem Chameleon, dann der entsetzt sich sehr vor ihm, daß er platt niederfällt, wann ihm nur eins entgegen kommt; und von seinem blossen Anblicke wird er insgemeine gantz ohnmächtig, da er sich zu anderer Zeit gegen viel grössere Thiere, wider Hunde und Katzen behertzt zu schützen, sie auch wol selbst bisweilen anzufallen pfleget.

Die Indianer schreiben den Theilen des Mangouste allerhand Kraft und Tugend zu: dann sie gläuben, seine Leber sey gut wider die schwere Noth; sein Fleisch zu Pulver gestossen und auf die Bisse von vergiften Thieren geleget, heile dieselben: seine Galle sey gut wider die Augengebrechen: und sein Fett sey ein vortrefflich Mittel wider die kalten und andere Flüsse, auch wider die Schmertzen des Zipferleins.

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Lemery, Nicholas: Vollständiges Materialien-Lexicon. Leipzig, 1721., Sp. 692.
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