Vitriolum

[1194] Vitriolum.

Vitriolum, Calcanthum.

frantzösisch, Vitriol oder Couperose.

teutsch, Vitriol, Kupferwasser.

Ist ein mineralisches Saltz, welches, wie der Salpeter, aus einer Gattung Marcasit, Pyrites oder Quis genannt, davon behöriges Orts ist gehandelt worden, durch waschen, filtriren, ausdämpfen und crystallisiren bereitet wird. Diese Marcasit findet sich in den Ertzgebürgen, an vielen Orten in Europa,[1194] z.E. in Italien und in Teutschland. Wir bekommen deren auch manchmahl zu sehen, die aus dem Letten um Paris herum gezogen worden.

Es giebet vier Hauptsorten Vitriol: weissen, grünen, blauen und rothen.

Der weisse Vitriol, lateinisch, Vitriolum album, frantzösisch, Vitriol blanc, wird aus dem Brunnenwasser, welches abzudämpfen ist, bereitet: oder, er wird von dem grünen gemacht, welcher überm Feuer trocken zu machen, bis er gantz weiß geworden, hernach wird er im Wasser zerlassen, durchgegossen und abgedämpfet. Dieser ist unter allen Arten des Vitriols der gelindeste.

Man soll ihn nehmen, wann es feine weisse, rein und saubere Stücken sind, auf Art der Zuckerbrode, von lieblichen, anhaltenden Geschmack, mit etwas Schärffe untermischet. Er führet viel phlegma und saueres Saltz, ein wenig Schwefels, dem gemeinen Schwefel gleich, und Erde.

Dieser Vitriol wird zu der Gilla vitrioli und deren Bereitung gebrauchet, welche in meinem Cursu chymico beschrieben stehet. Er purgiret und führet ab, von oben und von unten, wann man zwölff Gran bis auf zwey Scrupel davon will einnehmen: und eröffnet, treibt auch den Harn, wann man zwölff Gran in vier Pfund schlechten Wasser fliessen läst und solches braucht, wie ein ander mineralisch Wasser. Er wird äusserlich zu den Collyriis und Augenartzneyen wider die Augengebrechen gebrauchet.

Des grünen Vitriols, lateinisch, Vitriolum viride, frantzösisch, Vitriol verd, giebts etliche Sorten, teutschen, englischen, und römischen.

Der teutsche Vitriol, Vitriolum Germanicum, frantzösisch, Vitriol d'Allemagne, ist in blaulicht grünen Crystallen, die einen anziehenden, scharffen Geschmack haben. Er hat etwas von Kupfer an sich; und wird zur Bereitung des Scheidewassers gebrauchet.

Man soll ihn nehmen, wann es feine dicke, reine und trockene Crystallen sind, welche das Eisen roth anfärben, wann man es damit streichet. Er führt viel scharffes, saures Saltz und phlegma, Schwefel und Erde bey sich. Der saure Geist aus diesem Vitriol riecht einiger massen nach Kupfer.

Der englische Vitriol, Vitriolum Anglicum, frantzösisch, Vitriol d'Angleterre, ist in braungrünen Crystallen und hat einen linden, anziehenden Geschmack, fast wie der weisse. Er hat etwas von Eisenart an sich, verändert auch desselben Farbe nicht. Wann ihm dagegen die Leute, welche damit umzugehen haben, wollen eine schöne grüne Farbe geben, so legen sie in das Wasser, darinne er enthalten ist, einige Stücken Eisen, so dissolviret sich ein Theil davon, hernach nehmen sie den Rest heraus und lassen das Saltz zu Crystallen anschiessen: ohne dieses Stücklein würde er gar bleich verbleiben.

Man soll ihn nehmen, wann er rein und trocken ist, in grossen Crystallen: er führet über die Helffte phlegma, viel saures Saltz, Schwefel und Erde. Aus diesem Vitriol wird ein trefflich guter Vitriolspiritus gezogen, wie ich in meinem Buch von der Chymie gezeiget habe.

Der römische Vitriol, Vitriolum romanum, frantzösisch, Vitriol Roman, ist in ziemlich grossen Stücken, welche schier so grün, als wie der englische[1195] Vitriol aussehen, einen linden, anziehenden Geschmack haben: er hat etwas von Eisenart an sich. Welcher sauber ist, den soll man nehmen.

Diese drey Arten des grünen Vitriols werden äusserlich zur Blutstillung gebraucht: es wird davon das sympathetische Pulver bereitet, von dem in meiner Chymie nachzusehen. Sie werden auch zur Dinte und zum schwartzfärben gebrauchet.

Der blaue Vitriol, lateinisch, Vitriolum Cypreum, Vitriolum Hungaricum, frantzösisch, Vitriol de Chypre, Vitriol de Hongrie, teutsch, cyprischer und hungarischer Vitriol genannt, dieweil er uns aus diesen Landen zugeführet wird: er ist in überaus schönen himmelblauen Crystallen. Wie und auf was Weise er zubereitet wird, davon kan man noch nichts gewisses sagen. Viele vermeinen, er werde aus einem blauen Wasser, das in den Kupferbergen zu befinden und evaporiret und crystallisiret werden muß, bereitet. Andere wollen haben, es sey dieses gar eine künstliche operation, und die bestehe aus einer solutione cupri, in nicht gar starcken Vitriolgeist aufgelöstem Kupfer, so hernachmahls zu evaporiren und zu crystallisiren. Ihm sey wie ihm wolle, er hat sehr viel von Kupferart bey sich, und daher auch die blaue Farbe überkommen: er ist scharff und etwas caustisch oder etzend. Man bekommt ihn in grossen und kleinen Stücken zu sehen; die kleinen sehen aus als wie geschliffene Diamanten. Er führet viel scharffes Saltz bey sich, oder ein corrosivisches acidum, Schwefel, und nicht so vieles phlegma und Erde, als wie die andern Vitriole.

Man soll ihn nehmen, wann es feine schöne, rein und saubere, gläntzende Crystallen sind, die eine hohe Farbe haben.

Er wird zu Wegbringung des wilden Fleisches gebrauchet, wie auch die kleinen Geschwürlein in dem Munde, die Schwämmlein, wegzunehmen: er wird ingleichen zu den Augenartzneyen wider den Staar genommen: er ist sehr anziehend.

Der rothe Vitriol, Vitriol rouge, sonst Colcothar, lateinisch und frantzösisch genannt, ist Vitriol, der entweder von Natur in der Grube, durch das unterirdische Feuer, oder aber künstlicher Weise, im gemeinen Feuer ist calciniret worden.

Der von Natur in der Grube calcinirte Vitriol wird Chalcitis genannt: und dieses kommet von Χαλχὸς, æs, Ertz; dieweil er aus den Kupfergruben gezogen wird. Er ist ein röthlicht brauner Stein, wird zu uns aus Schweden und Teutschland gebracht; ist aber gar rar und schwerlich zu den dispensationibus des Theriacs, dazu er kommen soll, zu finden.

Den soll man wehlen, welcher in schönen braunrothen Stücken ist, die gar vitriolisch schmecken, und im Wasser leicht zergehen.

Der im Feuer calcinirte Colcothar sieht insgemeine gar schön roth: der beste ist, der nach der Destillation des Vitriolspiritus und Oels in der Retorte zurücke bleibet.

Beyde führen viel Saltz und eine metallische Erde.

Sie halten an, sind gut zu Wunden und dienlich zum Blutstillen, wann sie äusserlich gebrauchet werden.

Der in Colcothar verwandelte Vitriol kan durch[1196] ein Schmeltzfeuer in rechtes Eisen; das Eisen hingegen durchs auflösen gäntzlich in Vitriol verwandelt werden.

Vitriolum kommt von Vitrum, Glas, dieweil der wol gereinigte und crystallisirte Vitriol einige Gleichheit mit dem Glase hat.

Etliche Alchymisten meinen, Vitriolum sey ein Geheimnüß-volles Wort, und daß die Buchstaben, daraus es bestünde, die Anfangsbuchstaben nachfolgender Worte wären: Visitabis Interiora Terræ, Rectificando Invenies Optimum Lapidem Veram Medicinam.

Quelle:
Lemery, Nicholas: Vollständiges Materialien-Lexicon. Leipzig, 1721., Sp. 1194-1197.
Lizenz:
Faksimiles:
1194 | 1195 | 1196 | 1197
Kategorien:
Ähnliche Einträge in anderen Lexika

Buchempfehlung

Anonym

Tai I Gin Hua Dsung Dschi. Das Geheimnis der Goldenen Blüte

Tai I Gin Hua Dsung Dschi. Das Geheimnis der Goldenen Blüte

Das chinesische Lebensbuch über das Geheimnis der Goldenen Blüte wird seit dem achten Jahrhundert mündlich überliefert. Diese Ausgabe folgt der Übersetzung von Richard Wilhelm.

50 Seiten, 3.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon