Überirdisch

[261] Ich weiß es naturgemäß nicht, ob alle diese »Berühmten« und »Anerkannten« wirklich außerhalb unseres gewöhnlichen Denkens und Empfindens stehen (Graphologen usw. usw.), und es ist vielleicht möglich, daß hie und da irgendeiner richtig aus den Linien unserer zarten uns unbekannten Hand unser Schicksal merkwürdig voraussagt! Noch richtiger aber ist es, daß alle diese überirdischen,[261] rätselvollen, undurchdringlichen, genialen Spielereien eines einzelnen besonders Begnadeten unsere an Tag und Stunde und das ewig unenträtselte Leben gebundene Gehirne und Seelen schwächen, ja in unnötige Melancholien und vergebliches Nachdenken über uns selbst und unsere armselige undurchdringliche Bestimmung, von Geist und Seele aus (mit dem Leib kann man sich noch eine Zeitlang wenigstens mit den richtigen Erkenntnissen der Hygiene und Diätetik gegen die tägliche, stündliche Vergiftung unserer Lebens-Elastizitäten wehren) schwächen, stören, ja, zerstören! Selbst ganz anerkannte außergewöhnliche Dinge haben sich nutzbringend, nicht zerstörend-aufregend in den allgemeinen, wenn auch bisher kindisch-falschen Kreislauf des allgemeinen Lebens der Menschen nutzbringend-erwartungsvoll einzufügen und auf ihre heilige Erlösungsstunde im dummen Gehirne der Menschheit zu warten! Meidet das Unausdenkbare!

Quelle:
Altenberg, Peter: Mein Lebensabend. Berlin 1–81919, S. 261-262.
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Mein Lebensabend: [Reprint der Originalausgabe von 1919]