An die nacht.

[143] 1.


Komm schwartze nacht! umhülle mich mit schatten

Dein flor beziehe meines purpurs glantz /

Weil sich mit mir will eine sonne gatten /

Vor deren licht erbleicht der sternen krantz /

Laß deinen teppicht meine brust bedecken /

Und meinen sieg in dein gezelt verstecken.


[144] 2.


Verbirg in dir den raub geheimer liebe /

Dein dunckel-seyn umschliesse meine brust;

Ihr wolcken! eilt und macht den himmel trübe /

Befördert mir doch meine himmels-lust /

Umbstricket mich geliebte finsternissen

Daß nichts von mir des hofes Augen wissen.


3.


Komm Engelsbild! komm laß dich bald umbfangen /

Dein lippen-Julep kühle meinen brand /

Mein hertze lechst mit feurigem verlangen /

Biß deine kühlung ihm wird zugesand;

Komm zeuge; daß entzünden und selbst brennen

Des himmels wahrer vorschmack sey zu nennen.

Quelle:
Herrn von Hoffmannswaldau und andrer Deutschen auserlesener und bißher noch nie zusammen-gedruckter Gedichte Vierdter Theil. Glückstadt 1704, S. 122-123,143-144.
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