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[165] 1. Warumb die mönch in holzschuch gehn,
Das findst in jren regeln stehn,
Darffst mich davon nit fragen,
So du aber wilt wissen recht,
Waraus man sie zu machen pflegt,
So wil ich dir es sagen.
2. Ein thewer hochgeborner fürst,
Den allzeit sehr nach ehren dürst,
Und het lieb Gottes worte,
Mit einem doctor in der schrifft,
Den er darumb zu sich berüfft,
Dissputieren man horte.
3. Wie sie von sachen redten so,
Begab sichs ungefehr aldo,
Zwen mönch sah er her traben,[165]
Die hetten beide holzschuch an,
Daher der fürst ein ursach nam,
Den doctor auch zu fragen.
4. Er fragt jn geschwindt und spricht mein herr,
Was dünckt euch, sagt mir ungefehr,
Von solcher schuhen geschlechte,
Wist jrs, was für holz darbey sey,
Daraus man pflegt zu machen frey,
so berichtet mich das rechte.
5. Der doctor war des nicht bericht,
Kund auch kein antwort geben nicht,
Es war ein seltzam fragen,
Der fürst spricht, meister in Israel,
Habt jhr studiert, so lange weil,
Und künd mir das nit sagen.
6. Es ist das holtz vom feigenbaum,
Zu dem der herre Christus kam,
Als jhn hungert so sehre,
Da er kein frucht nicht auff jm fund,
Verflucht er jn zur selben stund,
Kein frucht tregt nimmermehre.
7. Sie gleissen schon von aussen her,
Die frucht aber ist von jhn fern,
Ihr lehr die ist verfluchet,
Ihr leben ist nur heucheley,
Und bringet nur abgötterey,
Ein christ kein frucht da suchet.
8. Das ist mein meinung lieber herr,
Sagt mir nun ewer meinung besser,
Ich wils gar gerne hören,
Der doctor fiel dem fürsten bey,
Und sagt es gewißlich also sey,
Und danckt jm seiner lehren.
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