CXLVIII.

[192] 1. Ich reit einmal zu Braunschweig aus,

da sah ein megdlein zum fenster raus,

mit jhren äuglein klare,

ein solchs brauns megdlein mus ich haben,

es kost gleich was es wölle.


2. Sie sah mich uber ein achsel an,

sie sprach du bist kein edelman,

du bist nit meines gleichen,

ein edelman den mus ich han,

ein hübschen und ein reichen.


3. Brauns megdlein las mich unverschmecht,

ich bin meins guts ein armer knecht,[192]

und bin wol deines gleichen,

ein reicher kauffman kan werden arm,

ein armer reuter reiche.


4. Gut gesell du solt mich recht verstan,

und wie du mich wilt so soltu mich han,

in einen rosengarten,

da wil ich sein die liebste dein,

und deiner wil ich warten.


5. Sie giengen in ein schlaffkemmerlein,

sie wand sich aus und wand sich ein,

dennoch waren sie darinnen,

und in demselben schlaffkemmerlein,

geschach jhr beyder willen.


6. Schwing aus, schwing aus dein gelbes haar,

du tregst ein kindlein das ist war,

es bleibt nit lenger verschwiegen,

und warumb du mich nechten bats,

das hastu heint gekriegen.


7. Und hat dich denn das hündlein gebissen,

es hat dich noch nicht gar gefressen,

es hat dich lassen leben,

und wenn das kindlein geboren ist,

dem vater wollen wirs geben.


8. Was gab er dem megdlein für sein ehr,

fünff hundert gülden und noch viel mehr,

die waren von rotem golde,

und wenn ich wider aus Frankreich kom,

wil ich dich megdlein behalten.


9. Und wenn die kleine waldvögelein singen,

die blümlein aus der erden springen,

so frewen sich alle die leute,

so mus ich armes reuterlein,

wol über die heyd ausreiten.


10. Und der uns dieses liedlein sang,

ein freyer hoffman ist er genandt,[193]

und hats gar wol gesungen,

er trincket viel lieber den külen wein,

denn wasser aus dem brunnen.

Quelle:
[Anonym]: Das Ambraser Liederbuch vom Jahre 1582. Stuttgart 1845, S. 192-194.
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