CCXIIII.

[272] 1. Es ist mir ein kleines waldvögelein

geflogen aus meiner hand,

es ist mir also fern entflogen,

ach Gott wem sol ichs klagen,

es fleuget dahin,

es fleuget dahin,

steht jm sein sinn,

in grünen wald nach speise.


2. Und da es ein klein wenig fürbas kam,

wol auff ein dürren ast,

da sassen der kleinen waldvögelein viel,

sie trugen groß neid und haß,

je lenger je baß,

je lenger je mehr,

trawr nit so sehr,

von grund aus meinem hertzen.[272]


3. Und da es ein wenig fürbas kam,

wol auff ein grünen wald,

da hört er sein feins lieb lauten schlagen,

die seiten waren jr zersprungen,

es trawret so sehr,

es trawret so sehr,

je lenger je mehr,

von grund aus jrem hertzen.


4. Und da es ein wenig fürbas kam,

wol für jhr schlaffkämmerlein,

es klopffet also leise daran,

mit seinem goldschnebelein,

es klopffet daran,

es klopffet daran,

jhm ward nit auffgethan,

es ward nit eingelassen.


5. Und wenn ich dich eingelassen hett,

das wer mir jmmer ein schand,

wenn ander jungfrewlein kräntzlein tragen,

ein schleyerlein müst ich haben,

ich schemet mich sehr,

ich schemet mich sehr,

je lenger je mehr,

von grund aus meinem hertzen.


6. Was zeicht sich denn ein junger gesell

mit seinem geraden leib,

das er wil verzehren sein junge tag

mit einem alten weib,

das alte weib ist alt,

das alte weib ist alt,

ist ubel gestalt,

tregt neid und haß im hertzen.


7. Was zeicht sich denn ein junge magd

mit einem alten man,

das sie wil verzehren ihr junge tag

mit einem alten greiß,[273]

der alt greiß ist alt,

der alt greiß ist alt,

ist ubel gestalt,

kann nimmer freundlich schertzen.


8. Wer ist nun der uns das liedlein sang,

so frey gesungen hat,

das hat gethan ein junger gesell,

zu Pamberg in der stadt,

so frey gesungen hat,

er hats gemacht,

gantz wohl betracht,

so frey hat ers gesungen,

er hats gemacht, etc.

Quelle:
[Anonym]: Das Ambraser Liederbuch vom Jahre 1582. Stuttgart 1845, S. 272-274.
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