[21] O wonniges Weben
In Höhen und Tiefen
Des wallenden Aethers!
Wie selige Geister
Grüßen die Sterne,
Die duftumflorten;
Weihend waltet
Die ewige Liebe.
Ich träume und träume ...
Und wieder weckt
Eine Welt von Empfindung
Der Mondnacht Zauber
Im Busen mir.
Tiefe Wehmuth füllt
Mein einsames Herz.
Lang', lang' ist's her ...
Tief schwamm der Mond
Im Dämmer-Blau,
Ein blasses Traumgesicht;
Im nahen Korne nur
Zirpten die Grillen;
Wie von Geisterhänden
Magisch berührt
Erzitterten leise
Des wilden Weins
Phantastisch sich rankende
Blätter und Blüthen ...
Heiße Worte der Sehnsucht
Entrangen sich zögernd
Dem tiefsten Grunde
Meiner traumbeklomm'nen[21]
In heiligen Schauern
Erbebenden Brust.
Köstlichstumme
Selige Erwiderung
Ward mir von deinen
Duftkeuschen Lippen,
Du süße Frauenseele
An meiner Seite.
Eine Heilige, eine Madonna
Andachtumflossen
In lichter Glorie
Neigtest du lächelnd
Dein liebliches Haupt
Und im Innersten traf mich
Der Liebe Strahl
Aus dem zarten
Durchgeisteten Kinderantlitz.
Berauscht bis in's Mark
Von deiner Engelsmilde
Und frau'nhaften Weiche,
O Anna,
Sank ich in's Knie
Und küßte inbrünstig
Immer wieder und wieder
Deine feinen, weißen, duftigen Hände ...
Von der Blumen Balsam
Lindkosend umflutet
Verschwisterten sich
In brünstiger Umarmung
In der Mainacht Gluthauch
Die unsterblichen Seelen
Zum ewigen Bunde ...
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Im Jahre 1758 kämpft die Nonne Marguerite Delamarre in einem aufsehenerregenden Prozeß um die Aufhebung ihres Gelübdes. Diderot und sein Freund Friedrich Melchior Grimm sind von dem Vorgang fasziniert und fingieren einen Brief der vermeintlich geflohenen Nonne an ihren gemeinsamen Freund, den Marquis de Croismare, in dem sie ihn um Hilfe bittet. Aus dem makaberen Scherz entsteht 1760 Diderots Roman "La religieuse", den er zu Lebzeiten allerdings nicht veröffentlicht. Erst nach einer 1792 anonym erschienenen Übersetzung ins Deutsche erscheint 1796 der Text im französischen Original, zwölf Jahre nach Diderots Tod. Die zeitgenössische Rezeption war erwartungsgemäß turbulent. Noch in Meyers Konversations-Lexikon von 1906 wird der "Naturalismus" des Romans als "empörend" empfunden. Die Aufführung der weitgehend werkgetreuen Verfilmung von 1966 wurde zunächst verboten.
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