Biographie

Louise Aston (Lithographie, um 1848)
Louise Aston (Lithographie, um 1848)

1814

26. November: Louise Franziska Hoche wird in Gröningen bei Halberstadt als jüngstes von mindestens vier Kindern des Konsistorialrats Johann Gottfried Hoche und seiner Ehefrau Louise, geb. Berning, geboren.

1835

Gegen ihren Willen muß sie eine Konvenienzehe mit dem in Magdeburg lebenden englischen Fabrikanten Samuel Aston eingehen, der vor seiner Heirat bereits von drei Frauen vier uneheliche Kinder hat, die er alle adoptiert. Aus der Ehe gehen drei Töchter hervor.

Louise Aston führt ein extravagantes Leben und provoziert in Magdeburg und Göttingen, wo sie sich zeitweilig aufhält, wiederholt Skandale.

1836

2. Mai: Tod des Vaters.

1839

Auf Betreiben von Samuel Aston wird die Ehe geschieden. Der Versöhnung folgt eine zweite Heirat.

1844

Louise Aston läßt sich scheiden und erhält das Sorgerecht für ihre Tochter Jenny Louise sowie eine bescheidene Rente zugesprochen. Sie siedelt zunächst zu ihrer Schwester nach Züllichau, dann nach Berlin über, wo sie zeitweilig mit Rudolf Gottschall zusammenlebt, der ihr seine die freie Liebe propagierenden Gedichte »Madonna« und »Magdalena« (1845) widmet. Freundschaftlicher Verkehr mit Otto von Corvin, Max Schasler, dem Herausgeber des »Volksblatts« Friedrich Wilhelm Held, zu dem sie ebenfalls eine kurzzeitige Liebesbeziehung unterhält, sowie mit Bruno und Edgar Bauer und Max Stirner, die sich regelmäßig in ihrem literarischen Salon versammeln.

1845

Beginn der polizeilichen Überwachung wegen »unsittlicher Lebensweise«.

1846

»Wilde Rosen« (Gedichte).

März: Aufgrund ihres Nonkonformismus – sie trägt wie George Sand Männerkleidung und raucht auf der Straße – und ihrer unverhohlenen Verneinung jeder Form von organisierter Religiosität wird sie als »staatsgefährliche Person« ausgewiesen.

Sie macht ihren Fall in der Streitschrift »Meine Emancipation, Verweisung und Rechtfertigung« (1846) öffentlich.

Louise Aston siedelt nach Köpenick bei Berlin über.

1847

Louise Aston lebt zeitweilig in der Schweiz. Ihr stark autobiographisch geprägter Roman »Aus dem Leben einer Frau« erscheint bei Hoffmann und Campe in Hamburg.

1848

»Lydia« (Roman).

Teilnahme an den Unruhen in Schleswig-Holstein gegen Dänemark, wo sie Verwundete pflegt.

Juni: Rückkehr nach Berlin.

1. November: Louise Aston gibt in Berlin die politische Wochenzeitschrift »Der Freischärler. Für Kunst und sociales Leben« im Verlag von Leopold Lassar heraus.

10. Dezember: Louise Aston erhält die vom 24. November datierte Ausweisung aus Berlin. Am 16. Dezember erscheint die letzte Ausgabe des »Freischärlers«. Nach erfolglosem Widerspruch gegen die Ausweisung muß sie Berlin am 23. Dezember verlassen.

1849

Anfang: Übersiedlung nach Hamburg, von wo sie ebenfalls ausgewiesen wird. Bis Ende 1850 führt sie ein unstetes Wanderleben in Rendsburg, Berlin (wo sie sich im März 1849 unter falschem Namen aufhält), München, Zürich, Bremen, Görlitz, Breslau, Züllichau, Minden und Paris. An den revolutionären Bewegungen nimmt sie nicht mehr teil.

»Revolution und Contrerevolution« (Roman).

Ende Juni: Als letzte Veröffentlichung erscheint die Gedichtsammlung »Freischärler-Reminiscenzen« bei Emil Ottocar Weller in Leipzig (vordatiert auf 1850). Die radikalen Gedichte tragen ihr heftige Kritik aus den Reihen der Frauenbewegung (u.a. von Louise Otto) ein.

1850

25. November: Louise Aston heiratet in Braunschweig den Bremer Arzt Dr. med. Daniel Eduard Meier, den sie zwei Jahre zuvor im Schleswig-Holsteinischen Krieg kennengelernt hatte. Übersiedlung nach Bremen, wo sie trotz ihres zurückgezogenen Lebens permanent von der Polizei überwacht wird.

Sie führt einen lebhaften Briefwechsel und nimmt an den Aktivitäten des Demokratischen Vereins teil. Freundschaft mit dessen geistigem Führer, dem Pastor Rudolf Dulon. Kontakte zum Central-Comité für europäische Demokratie in London, dem Zentrum der deutschen Emigranten in England.

1854

Reise nach Genf und Italien im Interesse der Demokraten.

1855

1. Mai: Daniel Eduard Meier verliert seine Anstellung als Arzt in Bremen. Gemeinsam mit seiner Frau geht er nach Berlin und siedelt im Mai nach Rußland über. Während des Krimkrieges arbeitet er als Militärarzt in Odessa.

Die folgenden Jahre verbringen sie an Meiers wechselnden Dienstorten in Charkow (bis Sommer 1857), Sephi Sent Gyorgy (bis Frühjahr 1858), Kronstadt (bis 1862), Unterwaltersdorf bei Wien (bis 1864), Klagenfurth und Laibach (bis 1871).

1871

Rückkehr nach Deutschland. Das Ehepaar läßt sich zunächst in Bad Liebenzell im Schwarzwald nieder und übersiedelt im Herbst nach Wangen im Allgäu.

21. Dezember: Louise Meier stirbt verarmt und politisch resigniert im Alter von 57 Jahren in Wangen im Allgäu an Brustwassersucht.

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