Dreyzehnter Auftritt.

[28] Die Fränzl, der Johann und die Vorigen.

Die Fränzl bringt den Koffee. Johann ordnet die Sesseln, alle setzen sich, und nehmen[28] das Frühstück. Herr von Wolf bedienet die Frau und die Fräule mit Koffee, und Herr von Bär reicht ihnen das Butterbrod.


HERR VON WOLF. Euer Gnaden belieben die Menge des Koffee und der Milch zu bestimmen.

Beide bestimmen alles nach ihrem Geschmack.


FRAU VON HABICHT. Wissen Sie Herr von Wolf! ich habe heute schon gesungen, und auch singen gehört.

FRÄULE. Mein scharmanter Bär! – auch ich habe gesungen.

HERR VON BÄR. Vermuthlich die gedruckten Lieder. Wie gefallen sie?

FRÄULE. Sie find voll Ausdruck und Schönheit, nur Schade das sie deutsch sind.

HERR VON WOLF. Sie würden vielleicht in der französischen Sprache besser gefallen.

FRAU VON HABICHT. Diese Sprache ist für das Gesang eben so abgeschmackt wie die Deutsche. – Italienisch! italienisch sollen sie seyn, das ist die Sprache, welche die Musik belebt, und im Gesang verständlich wird.

HERR VON WOLF. Um Vergeben! das ist nicht der Fehler der Sprache, sondern der Aussprache, welche die meisten deutschen Singspieler bis zur Aergerniß vernachläßigen. Alleine hier Auf beede Damen zeigend. leidet es eine Ausnahme.

HERR VON BÄR. Richtig! beede Gnädige üb ertrefen in der Aussprache und im Gesange jeden welschen Sänger.[29]

FRAU VON HABICHT. Den doch nicht, den ich heute gehört habe.

HERR VON BÄR. Der müßte ein Weltwunder seyn.

FRAU VON HABICHT UND FRÄULE. Ja! ja! das ist er.

Aria.

Des Herrn von Bär.


Bey meiner Seel, dies wäre viel,

Kein Sänger singt all's, was er will;

Er hat sein Ziel.


In dem lobt man nur,

Passagen, Bravour,

Im tönenden Gesang,

Hat jener den Rang;

Der zwickt den Falset,

Und wird sehr erhebt.

Man staunt bey dem Mann,

Die Tiefe des Ton.

Wo bleibt das Crescendo?

Wie klingt das Calando?

Die schmelzende Bindung,

Die schmachtende Schwindung?

Wie sind die Gruppetten,

Tenuten, Falseten?

Das Liscio Staccato?

Das Tempo rubbato,

Dann das Sincopiren,

Und andre Manieren?

Kurz: das Portament;

Das Trillern am End?[30]

Bey meiner Seel, das wäre viel!

Kein Sänger singt all's was er wil,

Er hat sein Ziel.

FRAU VON HABICHT. Geduld! Johann! ruft den Volpin aus dem Kamin.

JOHANN geht zum Kamin, und ruft. Volpino! – Volpino!

VOLPIN aus den Kamin. Was giebts?

JOHANN. Er soll gleich zur gnädigen Frau kommen.


Quelle:
Antonio Salieri: Der Rauchfangkehrer. Wien 1781, S. 28-31.
Lizenz:
Kategorien:

Buchempfehlung

Neukirch, Benjamin

Gedichte und Satiren

Gedichte und Satiren

»Es giebet viel Leute/ welche die deutsche poesie so hoch erheben/ als ob sie nach allen stücken vollkommen wäre; Hingegen hat es auch andere/ welche sie gantz erniedrigen/ und nichts geschmacktes daran finden/ als die reimen. Beyde sind von ihren vorurtheilen sehr eingenommen. Denn wie sich die ersten um nichts bekümmern/ als was auff ihrem eignen miste gewachsen: Also verachten die andern alles/ was nicht seinen ursprung aus Franckreich hat. Summa: es gehet ihnen/ wie den kleidernarren/ deren etliche alles alte/die andern alles neue für zierlich halten; ungeachtet sie selbst nicht wissen/ was in einem oder dem andern gutes stecket.« B.N.

162 Seiten, 8.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon