[67] Frau von Habicht., die Fräule, Johann der Bediente, und Fränzl die Stubenmagd.
FRÄNZL sie kömmt eilfertig aus dem Zimmer der Fräule, lauft auf die Eintrittthüre zu, und hält selbe offen. Meine Herrschaft kömmt! – meine Herschaft kömmt! – und der allerliebste Pauxl, mein Hänsel kömmt auch mit.
Beede Frauen prächtig angezogen, treten ein, und Johann folgt.
FRÄNZL. Soll ich Euer Gnaden auskleiden?
FRAU VON HABICHT mürrisch. Mich nicht.
FRÄULE bißig. Mich auch nicht.
FRAU VON HABICHT zum Bedienten. Bey mir wird ausser den Volpino Niemand gemeldet.
FRÄULE zum Bedienten. Ich bin für Niemand zu Hause, nur für den Volpino alleine. Beide gehen in ihr Zimmer ab.
FRÄNZL zum Bedienten. Sie sind ja einander böse?
JOHANN. Ein wenig stark. – Und dies, wegen dem schwarzen H dertumpe, dem Rauchfangkehrer.[67] – Sag mir, für wen bist denn du zu Hause?
FRÄNZL. Für Niemand. – Nur für dich allein liebster Johann!
Gesang in Zweyen.
FRÄNZL.
Ich gedachte stäts an dich
Liebster Hänsel!
JOHANN.
Du warst allezeit um mich
Liebste Fränzel!
FRÄNZL.
Wie ich Bett und Zimmer machte,
JOHANN.
Und ich was zur Tafel brachte,
FRÄNZL.
So oft ich eine Nadel strickte,
JOHANN.
Und ich eine Schüssel rückte,
FRÄNZL.
Bey ein jeden Haspelsschneller,
JOHANN.
Bey ein jeden Wechselteller,[68]
BEEDE zusammen.
Warst du stäts um mich,
Liebster Hänsel!
War ich stäts um dich,
Liebste Fränzel!
FRÄNZL.
Bey Nähekissen,
JOHANN.
Bey Leckerbissen,
FRÄNZL.
Beym Kästenwichsen,
JOHANN.
Beym Weinausbüchsen,
BEEDE zusammen.
Kurz; bey all und jeden Sachen,
Die schon muß ein Dienstboth machen,
Warst du stäts um mich mein Hänsel,
War ich stäts um dich mein Fränzel.
JOHANN. Itzt will ich einen Seitensprung machen, um beyden Herren von meinen Frauen Nachricht zu geben, wie sie sich gegeneinander bey der Tafel aufgeführt haben.
FRÄNZL. Das must du thun.
JOHANN. Ganz gewiß.[69]
FRÄNZL. Still! die Thüre geht! Johann läuft ab.
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