Die Personen in diß Spil.

Ludolff, der Fürst in Littau.


Sidea, sein Tochter.


Leudegast, der Fürst in der Wiltau.


Franciscus,

Elemaus, seine zwen Rähte.


Engelbrecht, deß Fürsten Sohn.


Famulus, sein Jung.


Julia, deß Fürsten in der Wilten fremmde Jungkfrau.


Jahn Molitor, der Müller.


Rollus, der Baur.


Dieterich, der Schuster.


Finelia, sein Weib.


Agnes, deß Schusters Tochter.


Ela, deß Baurn Tochter.


Ruprecht, der Postbott.


Runcifall, der Teuffel.
[2224]


RUPRECHT, DER POSTPOTT geht ein, tregt ein Brieff in einer klappen vnd sagt.

Schweigt still vnd hört mir ein weng zu!

Ein absagBrieff ich bringen thu

Von Leudegast, dem großmechtigen Fürsten.

Der wil Ludolffen, den gedürsten,

Vberziehen mit grosem Heer,

Sehen, das er sein hochmuth wehr,

Vnd will auch nicht ehr lassen ab,

Biß er jhn gar vertrieben hab,

Weil jhm so übel ist mit fridt,

Helt kein Vertrag vnd Bündnuß nit.

Darumb wil ich euch allen rathen,

Wo jhr nicht kommen wolt zu schaden,

So seh ein jeder zu dem sein!

Sie zihen schon vom Berg herein.

Darumb muß ich eylendt Postirn

Vnd disen Brieff balt Präsentirn.


Er geht ab. Kompt Rollus, der Baur, schlegt in die hend vnd sagt.


Ja, der Dieb hat zu vil gemützt.

Ich hab das Meel geknetten jetzt.

Es gehn mir ja schir zwen Läib ab![2177]

So weng ich lang nicht bachen hab.

Vnd wenn ich jetzt den Dieb ergriff,

Ich jhn mit Fäusten alsbalt anlieff,

Wolt jhm das Meel vom Halß rab schlagen.

JAHN MOLITOR geht ein in gestallt eines Müllners vnd sagt.

Sich, Rolle mein! ich muß dich fragen:

Wer ist, der dort so eylend Reit?

Vnd sag mir auch, was es bedeut!

Er führt ein Brieff in einer kluppen.

ROLLUS sagt.

Du Dieb! das dich ankumb die schnuppen!

Was hab ich nach dem Reuter zu fragen?

Hör, Müller, thu mir das vor sagen!

Warumb stahlstu mir von meim Meel?

JAHN MOLITOR sagt.

Ich habs nit than, bey meiner Seel.

ROLLUS sagt.

So hats abr dein Weib than, die Hur.

JAHN MOLITOR sagt gar ernstlich.

Ey nein; mein Metz die nim ich nur

Auß deinem Sack von deinem Korn

Vnd was das selbig mehr ist worn;

Aber vom Meel nim ich kein staub.

ROLLUS sagt.

Ja, dasselb ich auch gar wol glaub.

Stihlstu vil Korn auß dem Sack rauß,

So wird dest weniger Meel darauß,

Deß ich bin heut wol worn innen,

Hab kaum zehen Läib bachen künnen,

Der jhr doch solten zwölff worden sein.

JAHN MOLITOR sagt.

Hör! wenn du die Läib machest klein,

So kanstu jhr wol achtzehen bachen.

ROLLUS sagt.[2178]

Kom her vnd lern mich Haußläib machen

Vnd spott mich wol noch auß darzu!

Ein rechter arger Dieb bistu.

Von dem kombt niemand vnbetrogen.

JAHN MOLITOR sagt.

Ey, das ist auff mein Seel erlogen.

Ich bin nicht alzeit in der Mühl:

Wie könt ich dann stehts nemen zu vil?

So hab ich lauter gar from Knecht,

Die thun den Bauren nit vnrecht,

Zu mahl wann sie jhn was verehrn.

Drumb mag ich dir nit mehr zuhörn.

Es möcht sich zu weit reissen ein.


Ietzt drommet man.


ROLLUS sagt.

Hör! hör! frembt Leut im Lande sein.

Ich wil gehn zu den meinen sehen,

Das mir kein schaden thu gschehen.


Sie gehn ab.


LUDOLFF geht ein mit Sidea, seiner Tochter, in Heidnischen kleidern mit zweyen Trabanten, setzt sich vnd sagt zornig.

Sidea, liebe Tochter mein,

Ietzund wir Bottschafft gwertig sein,

Was der Fürst in Littau wird sagen,

Dem wir sein Gsanden habn erschlagen,

Dem vnser gmüht nit gfelt gar wol,

Dann vnser hertz steckt zorens vol,

Vnd so balt wir es künnen fügen,

So wöll wir jhn mit gwalt bekriegen

Vnd treiben von sein Leut vnd Landen.

SIDEA sagt.

Herr Vatter, nichts guts thut mich anden.

Wir haben vns wol fürzuschauen,

Dann keinem Feind ist nicht zu trauen;

Darzu ist vnser Feind auch starck,

Ist darzu sehr listig vnd arck,[2179]

Dörfft vns mit gegenwehr begegen,

Darzu alles vnglück anlegen,

So hett wir den schimpff allezeit

Von wegen der vermessenheit,

Die wir bißher haben begangen.

Doch mag eur Lieb auch raht empfangen

Von jhren wol verstendigen Rähten,

Die solch sach baß erfahren theten,

Als ich arme junge Jungfrau.

LUDOLFF sagt.

Trabant, balt zu der Pforten schau!

Seind Leut drauß, die für vns begern:

Laß sie nur rein, das wir sie hörn!


Ein Trabant geht hin, thut auff; so kompt Ruprecht, der PostBott, tregt ein Brief in einer klappen, neigt sich vor dem Fürsten vnd sagt.


Durchleuchtiger Fürst, ich bin ein Bott,

Gefreyt vor aller gfahr vnd noht.

Gleich wol so bitt ich vmb genad.

Hertzog Leudegast mich her gschickt hat

Im zorn mit diesem absagBrieff.

Was der inhalt, gibt sein begrieff.

FÜRST LUDOLFF nimbt den Brieff mit zorn auß der kluppen, liest den vnd sagt zornig.

Dein Fürst der ist vns leiden gut.

Sag, wenn er hab eins Helden muth

Vnd will vns lernen kennen baß,

Thu er, was er sich glüsten laß!

Wir wölln alhie seiner warten,

In der maß schlagen auff die schwarten,

Das er sol sein hochmuth verstehn.

Vnd du magst deins wegs wol fort gehn

Oder wir wölln dir füß machen.


Ruprecht, der Bott, neigt sich vnd geht ab.


DER FÜRST sagt weiter.

Nun müß wir auch thun zu den sachen[2180]

Vnd ein gewaltigs Heer bestelln,

Dem Fürstn sein hochmuth dempffn wölln.

SIDEA sagt kleglich.

Ach, jhr Götter, last euch erbarmen!

Es ist zu thun nur vmb mich armen.

Ach thuts nicht, lieber Herr Vatter mein!

LUDOLFF, DER FÜRST sagt.

Halt nur das maul! es muß doch sein.


Abgang jhr aller. Kompt Leudegast, der Fürst in der Wiltau, mit Francisco vnnd Elemaus, sein zweyen Rähten, gerüst vnd sagt.


Weil der zenckisch Hertzog Leupolt

Den Krieg vnd zanck hat also holt,

Das er vns fordert in sein Land,

So seit nur behertzt allesand!

Last vns erlangen Gut vnd Ehr!

Kein Fried treff wir mit jhm nicht mehr,

So lang wir vnd er thut leben.

Wir haben vns darein ergeben,

Das die Feindschafft so lang soll bleiben,

Biß einer den andern thu vertreiben

Von seinem Fürstenthumb vnd Land.

FRANCISCUS sagt.

Darzu sind wir gerüst alsand

Vnd haben vns schon drein ergeben,

Daran zu setzen Leib vnd Leben

Vnd alles, was von nöten thut.

ELEMAUS sagt.

Ja, das Lehn, den Leib, auch das Gut

Vnd alles das, so wir vermügen,

Wenden wir als an zu bekriegen

Den stoltzen Fürsten in Littau.

FRANCISCUS sagt.

Wenn einer sieht von ferrn gar gnau,

So geht im Felt dort auff ein staub.[2181]

Das ist der Feind, wie ich gelaub.

Drumb habt acht! es wird kappen geben.

LEUDEGAST sagt.

Ja, wir sehen die Fähnlein schweben.

Darumb seit keck vnd auch bereit!

Es wird geben ein kampff vnd streit.

Die Feind greiffen vns hinden an.

Drumb wehret euch nur! dran, dran, dran!


Lauffen Hertzog Ludolffs gesind ein, kempffen lang miteinander vnd werden Ludolffs Leut alle erschlagen.


LUDOLFF fellt zu faß vnd sagt.

Ach vnglück ist auff meiner seiten.

Allein kan ich kein Heer bestreiten.

Drumb bitt ich vmb genad vnd hult.

HERTZOG LEUDEGAST sagt.

Das vnglück ist allein dein schuld

Vnd ich hett gut vrsach vnd recht,

Das ich dich also balt vmbrecht

Mit eim grausamen bösen todt.

Doch wil ich dich zu schand vnd spot

Lebendig jagen auß dem Land.

Balt glob vnd schwer mit Mund vnd Hand,

Das du vns das Land raumen wolst

Vnd darein nicht mehr kommen solst.

Allein so viel sey dir vergünt,

Was du vnd auch dein Tochter künd

Beide mit euch von hinnen tragen

Vngeführt auff Karn vnd Wagen,

Dasselbig mügt behalten jhr.

Wiltu das thun, so glob es mir!

LUDOLFF, DER HERTZOG sagt kleglich.

Ach, ich hab mir zu vil vertraut,

Zu sehr auff meinen gwalt gebaut.

Drumb die Grub, die ich graben hab,

Darin fall den halß ich selbst ab.


[2182] Er globt an vnd geht traurig ab.


HERTZOG LEUDEGAST sagt.

Ir lieben Kriegsleut, kompt herein!

Last vns die Stadt auch nemen ein!

Nun hab wir gwunnen Ehr vnd Gut,

Zerstört des Fürsten vbermuht.

Darfür thun wir euch vil dancks sagen,

Das jhr thet leib vnd leben wagen,

Vnd wölln vnder euch jetzunder

Außtheiln in der Stadt den blunder.


Sie gehn alle ab. Kompt Ludolff mit Sidea, tregt einen weisen Silbern stab in der hand vnd sagt.


Ach wie thut mir die spot vnd schand

Vber die maß so weh vnd and!

Es möcht mir wol mein hertz zerbrechen,

Das ich mich dißmal nit kan rechen,

Hab verloren mein Fürstenthum,

Mein Reichtum, Wolfahrt, Ehr vnd Ruhm!

Vnd ob ich schon kein Land mehr hab,

Will ich jedoch nit lasen ab,

Gebrauchen alle renck vnd tück,

Biß mir widerumb scheint das glück

Vnd ich sey an meim Feind gerochen.

SIDEA sagt.

Herr Vatter, ich hab die gantze Wochen

In meinem hertzen gehabt groß pein,

Hab kein stund künnen frölich sein;

Dann es hat wol mein hertz geand.

Ach weh des jammers, spot vnd schand!

Kein wunder wer, das mir vor schmertz

In tausent stücken zerspreng mein hertz.

Vor lebt ich in Fürstlichem Stand;

Ietzt hab ich weder Leut noch Land.

Vor nennt man mich Fürstlichs Fräulein;

Ietzund muß ich ein Bettlerin sein.

Vor hett ichs als vol auff vngmessen;

Ietzt wers noht, das ich graß thet essen.[2183]

Vor hett ich viel, die vmb mich worben;

Ietzt muß es sein einsam gestorben

Vnd weiß nicht, wie es nimbt ein end.

LUDOLFF ist zornig, zuckt den stab vnd sagt.

Halts maul! das dich Jupiter schend!

Vnd hab ein zeit gedult mit mir!

Ietzt will ich bringen mein Geist herfür,

Der muß mir sagen, wies vns auff Erd

Biß zu dem todt ergehn noch werd.


Er macht ein kreiß mit dem stab vnnd etliche Caracteres darein.


SIDEA sagt.

Ach, wolt jhr den Geist thun beschwern,

Last mich zuvor von hinnen kehrn!

Dann er ist gar zu forchtsam mir.

LUDOLFF sagt.

Schweig still! er ist vnschedlich dir.


Er macht den Kreiß auß vnd klopfft mit dem Stäblein auff das loch; so springt der Teuffel herauß, speit

Feur auß, geht in Kreiß vnd sagt zornig.


Ludolff, du bist ein böser Mann.

Vor dir ich nirgent bleiben kan.

So balt dir nur was schlechts feilt ein,

Meinstu, ich muß schlechts bey dir sein.

Nun magstu wissen, vnd das ich

Noch mehr beschwerer hab, als dich,

Vnd kan dir nicht so gschwind auffhupffen,

Obs dir schon thut in d'nasen schnupffen.

Drumb sag mir balt! was wiltu mein?

LUDOLFF sagt.

Du Schelm, wann du so stoltz wilt sein,

So sag mich ledig meiner glüeb

Oder mir alsbalt antwort gib,

Warumb ich dich jetzund thu fragen!

RUNCIFAL, DER TEUFFEL sagt.

Was wiltu dann? so thu mir sagen![2184]

Wiltus nit sagen, so ziech ich hin

Meins wegs, wo ich herkommen bin.

Du hörsts, das ich muß weiters fort,

LUDOLFF sagt.

So sag mir balt mit einem wort,

Ob ich mich kan an meim Feind rechen!

RUNCIFAL sagt.

In warheit thu ich dir versprechen,

Es wird geschehen nicht nach langen,

Wirstu deins Feindes Sohne fangen

Vnd der wird dir lang Dienstbar sein

Vnd nach lang außgestandner pein

Wird er von dir ledig durchauß,

Kompt wider seim Vatter zu Hauß.

Als dann wirstn wider zu ehrn

Vnd wider guts glück zu dir kehrn.

Ein mehrers kan ich dir nicht sagen.


Runcifal, der Teuffel, fehrt ab.


LUDOLFF sagt.

So du im Walt hörst jemand Jagen,

So zeig mirs an! als balt will ich

Auff das best wol fürsehen mich,

Das ich auch etwas thu erlangen.

Könd ich den Jungen Fürsten fangen

Vnd das ich mich köndt an jhm rechen,

So will ich dir hiemit versprechen,

Das er muß bleiben mein Leibeygen,

Wolt jhm auch alles böß erzeigen,

Wie vns sein Vatter hat gethan.

Nun laß vns in die Hütten gahn,

Weil wirs doch jetzt nit besser han!


Abgang.


Quelle:
Jakob Ayrer: Dramen. Band 4, Stuttgart 1865, S. 2177-2185,2224-2225.
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