Achte Scene.

[63] Tiefer, glänzend dekorirter Saal. Perlluster. Argantische Lampen, alles kostbar verziert. Die hintere Wand eine Glasdekoration, durch welche man in einen Vorsaal sehen kann, wo Domestiquen in brillanten Livreen auf und ab eilen, mit Erfrischungen die Gäste zu bedienen. Große Tafel. Mit Aufsätzen und Kronleuchtern reich garnirt. Rechts eine grüne Spieltafel, worauf mehrere Pakete Karten liegen. Überall Pracht und Schönheit.

Rundgesang. – Brillante Melodie.

Winter, Fledermaus, mehrere Gäste. Herrn und Damen im schönsten Putze. Zachariesel hat eine ganz neue Livree an: Orangengelb mit einem

blauen und weißen Kragen, schwarzen

Beinkleidern und Strümpfen,

einen weit vom Kopfe stehenden Haarbeutel. Winter bleibt in Uniform. Fledermaus hat den Schlafrock mit einem modernen Karikatur-Anzuge

verwechselt.

Er hat lichtgrüne Beinkleider an, mit rothen Kamaschen, nach Art der Englischen hoch über das Knie. Einen sehr gespitzt-zugeschnittenen Frack, und einen weißen Spenzer drüber, einen ungeheuren Kakadu, den Hals mit einer dicken Binde verhüllt,

Lorgnette etc.


ALLGEMEINER CHOR.

Dieses Glas dem Weinerfinder,

Aller Sorgenüberwinder,

Freunde stoßet an;[63]

Wollt ihr eure Grillen brechen,

Laßt uns küssen, laßt uns zechen!

Freunde, stoßet an!

FLEDERMAUS.

Auf! und füllt die Gläser wieder,

Trinkt noch mehr ihr wackern Brüder,

Bringts dem Herrn vom Haus –

Laßt ihn tausend Jahre leben.

Er soll Wein in Strömen geben

Und Ihr trinkt ihn aus.

CHOR.

Tausend Jahre soll er leben,

Wein in Strömen soll er geben!

Hoch der Herr vom Haus!

FLEDERMAUS.

Heuer weil der Wein gediegen,

Laßt uns trinken bis wir liegen!

Trinkt und füllt den Schlauch!

Bloß zur froher Trinker Fachsen,

Ist der Wein von Siebzehn g'wachsen.

Und der Eilfer auch!

CHOR.

Ja zur froher Trinker Fachsen,

Ist der Wein von Siebzehn g'wachsen,

Und der Elfer auch!


Allgemeines Jubelgeschrey. Vivatrufen.


WINTER steht auf und wirft die Serviette hin. Die Tafel ist aufgehoben, Allons, wer Lust hat, geht zum[64] Spiele! Würfel oder Karten, ich wags mit Euch! Öffnet eine große Schatulle und schüttet Gold auf die Tafel. Parfaite Egalitée Messieurs, allons faites votre jeu! Die Spieler drängen sich an den Tisch und besprechen sich untereinander.

WINTER. Ihr Herren, ich hab euch anzuzeigen, daß ich weder falsche Würfel, noch markirte Karten bey mir führe. Ich will euch dadurch nicht zu nahe treten – aber ihr habt mich grausam behandelt. Ohne Rock mußte ich von euch, so arm, daß ich kaum vor die Thüre konnte, aber Fortuna hat sich meiner nicht geschämt; und nun ich wieder reich bin, seyd selbst ihr so gut, euch meiner nicht zu schämen.


Die Spieler entschuldigen sich durch Gebärden.


ERSTER SPIELER. Wie es nun schon geht! Zum Glück, daß ich nicht –

WINTER böse. Gerade du warst es, der mich am meisten plünderte; du, du, allein zogst mir Emiliens Ring vom Finger, jetzt liegt mir freylich wenig an diesem Tand! doch damahls – Besinnt sich. zum Spiel ihr Herren! Muth! Muth! Wenn sich das Blättchen heute wenden, wenn ihr alles verlieren sollt, so bleibt euch doch ein Trost, – um den Strick könnt ihr noch immer spielen!

FLEDERMAUS der bis zu dieser Stelle bey der Tafel saß, steht schnell auf, und sagt nach dieser Rede. Wünsch allerseits, daß es wohl anschlägt.

EIN SPIELER. Ha, Übermüthiger! Das ist[65] zu viel! Wohlan, noch ein Mahl das große Spiel. Alles oder nichts! Aber jetzt halte ich die Bank! Reißt einen ungeheuren Geldsack auf den Tisch. Hier sind hundert Louis'dor. Hier zwey Mahl so viel in Bankopapieren. Hier sind Perlen und Schmuck; unten am Hause meine prächtige Equipage mit vier stolzen Pferden. Wer tritt mit mir in die Schranken? Freunde, Karten her, meine Karten! Er nimmt die Karten vom Tisch und schleudert sie weg. Vertraut auf mich, ihr Brüder, und wir werden gewinnen!

WINTER. Auf das trink' ich! He da, ein Glas Champagner! Treuhold bring' mir's zu! Du magst indeß dich mit den Übrigen unterhalten. Geht nur hinüber in den Tanzsaal; wir wollens mit der Frau Fortuna hier versuchen.

TREUHOLD schenkt ihm ein. Stoß an Bruder Sommer, in diesem Leben wird's nimmer Winter! Vivat! das Glück soll leben, und alle Mädeln, die mich lieb haben!


Sechs nett gekleidete Mädchen treten vor.


DIE MÄDCHEN. Hoch! süßer Schmetterling, Es gilt!

TREUHOLD. Musik voraus! Spielt einen zierlichen Marsch; wir gehen zum Tanz. Du, Zachariesel, oder mit deinem neuen Nahmen Chretien bleibst als Oberstbedienter hier.


Marsch. Die Harmonie und Musik spielt einen kurzen Marsch; Fledermaus mit den Mädchen ab.
[66]


Quelle:
Bäuerle, Adolf: Doctor Faust's Mantel. Ein Zauberspiel mit Gesang in zwey Acten. Wien 1819, S. 63-67.
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