III. Forschung.

[17] Ein Astrolog erscheinet im wallenden Talar;

Rund um ihn stehn vereinet Gestalten, wunderbar.

Sie stehn in Götterhoheit, ein schöner Bilderkranz,

Und Kronen auf den Häuptern, darüber Sternenglanz.


Lichtglänzend eine Jungfrau mit silbernem Gewand,

Und eine Fackel haltend in ihrer zarten Hand.

Mit Ernst gepaarter Liebreiz in ihren Zügen thront;

Auf ihrem Haupte leuchtet glanzhell der Sichelmond.


Ein Jüngling, zart und freundlich, mit Stab und Flügelhut,

In Azurblau gekleidet, auf Silberwolken ruht.

So freundlich wie der Schimmer des heitern Angesichts

Strahlt über seinem Haupthaar ein Sternlein sanften Lichts.[17]


Ein Götterweib, umflossen von zartem Rosenschein,

Scheint in dem Kranz der Bilder die Rose selbst zu sein.

Ein sel'ges Lächeln wohnet in ihren Zügen klar;

Wie Demant blitzt und funkelt der Stern in ihrem Haar.


Ein Mann in Jünglingsschönheit; auf seinem Königshaupt

Flammt eine Strahlenkrone vom Lorbeerkranz umlaubt.

Sein Kleid ist golddurchwoben, sein Mantel Purpurpracht,

Den säumt mit dunkeln Kanten und Sternengold die Nacht.


Ein Held im Eisenharnisch, ein Held mit Schild und Speer,

Voll Ernst im Mannesantlitz, und stark wie seine Wehr.

Der Stern ob seinem Haupte strahlt heil und blutigroth,

Gleich einem Feuerzeichen verkündend Weh und Noth.


Ein König, hocherhaben auf lichtumglänztem Sitz;

In zorngehobner Rechte flammt der gezackte Blitz.

Wie Donnerwolken wallet sein Mantel, schwer und grau,

Doch drüber strahlet herrlich sein Stern im Aetherblau.


Auf einer Sense lehnend steht noch ein Königgreis;

Sein Auge blicket trübe, sein Haar ist silberweiss.

Sein Kleid ist fahl und farblos, sein Stern ist matt und bleich;

Sein Scepter ist Vernichtung, und Zeit sein Königreich.


Ringsum die Königsbilder ist noch ein Kreis zu sehn,

Darin gebaut aus Sternen zwölf Himmelszeichen stehn.

Und mitten in die Kreise der Könige der Welt

Hat sich voll tiefen Ernstes der Astrolog gestellt.[18]


»Ihr mächtigen Gewalten, von Eurem Sternenthron

Bezeichnet ihr die Laufbahn des Staubes schwachem Sohn,

Einst Götter, hochgepriesen von grosser Völker Mund!

Noch heute thut sich göttlich das hohe Welten kund!«


»Ihr seid es, die bestimmen der Menschenkinder Loos,

Durchblickend hellen Auges der Zukunft dunkeln Schoos!

So lasst auch mich erkunden, wem ich mich soll vertraun,

Und lasst mich durch die Schleier der Wahrheit Bildniss schaun!«


Und schwarze Bücher hebt nun der Astrolog empor;

Da huscht es an den Wänden, wie schattendunkler Flor.

Und in den Büchern flammen glührothe Zeichen hell,

Und bleiche Lichtlein schweben umher, und schwinden schnell.


»Gegrüsst, ihr leisen Boten aus düstrem Schattenland!

Seid Ihr als Glückverkünder mir endlich hergesandt?

So hat mich nicht betrogen der Sternenstand zur Nacht,

Und freundlich mir gewogen zeigt sich die dunkle Macht?«


»Und soll ich noch erjagen, was ich so heiss erfleht?

Und soll mir endlich tagen, was nie mein Blick erspäht?

O Zauberbaum, wie neigst Du der glühenden Blüthen Zier!

O goldner Traum, wie zeigst Du so reiche Kränze mir!«


Die Zeichen flammen heller, es tönt ein Zauberbann;

Die Lichtlein tanzen schneller um den gewaltgen Mann,

Wie Flügelschlag von Raben fühlt er sein Haupt umrauscht,

Mit Stimmen hell von Knaben umflüstert, wenn er lauscht.[19]


Ein wunderbares Regen durchschwirret das Gemach,

Darinnen sich bewegen viel Schatten tausendfach.

Die Königsbilder brennen roth', feuergelb und grün,

Es scheint, wie Blitz des Todes, ihr Blick umher zu sprühn.


Der Astrolog erscheinet im wallenden Talar,

Rund um ihn stehn vereinet Gestalten, wunderbar.

Sie stehn um ihn und lodern, ein Feuerflammenkranz,

Da streckt er kühn die Hand aus nach ihrer Kronen Glanz.[20]


Quelle:
Bechstein, Ludwig: Faustus. Ein Gedicht, Leipzig 1833, S. 17-21.
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