Siebente Scene.

[409] Königin Juliane, Guldberg, Damen, die Vorigen.


JULIANE.

Ich wiederhol' es eurer Majestät,

Es war nicht wohlgethan, zu diesem Fest

Mich zu entbieten. Solche Lust mag wohl

Mit Recht ein jugendliches Herz erfreu'n;

Mir ziemt, wie ich's befolg', ein still Gebet

Und ein paar Stunden Schlaf vor Mitternacht.[409]

MATHILDE.

Ich fühle, Majestät, was es euch kostet,

In unsrer Mitte heute zu erscheinen.

Doch nun ihr freundlich meinem Wunsch Gehör

Gelieh'n, wollt nicht bereu'n, daß ihr's gethan.

Ihr seid es, die dem Fest erst Glanz verleiht.

JULIANE.

Nicht doch, – nicht doch, – ihr seid die Königin

Des Festes, – wie des Landes. – Aller Glanz

Strömt aus von euch.


Indem sie die Blicke auf Mathilde wirft, sie scharf betrachtend.


Und in der That,

Ich seh' euch schöner, blühender vor mir,

Als ich euch je geseh'n, – und seltsam, seltsam,

Ich komme von dem König, meinem Sohne,

Und fand ihn bleich und elend. Seltsam, sag' ich,

Hier, – Fülle der Gesundheit, blüh'nde Lust, –

Dort Todesblässe und ein Blick voll Jammer.

MATHILDE Nach den ersten Worten der Königin Juliane haben sich die Hofleute in den Hintergrund gezogen. Beide Königinnen sprechen mit gedämpfter Stimme.

Der Blick kann euer Herz nicht tiefer rühren,

Als er das meine traf. Doch kann ich nicht

Dem Gram gebieten, in dem Leichenkleid

Der Welt auf meinen Wangen sich zu zeigen.

Noch kämpft er dort mit meiner rüst'gen Jugend,

Und glaubt mir, währt der Kampf noch kurze Zeit,[410]

Wird meinen Feinden bald die Freude werden,

Mich bleich zu sehen und der Gruft verfallen.

JULIANE als hätte sie die letzte Rede der Königin nicht beachtet.

Ja, ja, der arme König muß wohl Manches

Gelitten haben in der letzten Zeit.

MATHILDE kaum ihres Zornes mächtig.

Nicht in der letzten Zeit, sein sieches Herz

Klagt seiner Kindheit früh'ste Tage an.

JULIANE.

Wie meint ihr das?

MATHILDE.

Die Sage geht im Land',

Er habe Gift als Kind – –

JULIANE.

Still! Ammenmährchen.

MATHILDE.

Wohl Ammenmährchen, – denn die Amme war es,

Die ausgesagt, wer in der Arzenei

Ihm Gift gereicht. – –

JULIANE.

Gelüstet's euch so sehr,

Verruchtes Zeugniß von gedung'nen Knechten

Zu hören, so erwartet – –


[411] Sich fassend.


Doch wir stören

Durch ernst Gespräch die Freude dieses Festes;

Es fordert seine Königin, und – ich –

Ich hab' euch noch nicht an mein Herz gedrückt.

Vergönnt mir –


Während Mathilde ihr zu der Umarmung mit wankenden Schritten entgegengeht, für sich.


Das Gift vergelt' ich dir.


Sie küßt Mathilde auf die Stirn.


MATHILDE.

Mir bricht das Herz!

GRAF BRANDT zur Königin, aus dem Saal kommend.

Der zweite Tanz beginnt,

Wenn eure Majestät – –

JULIANE.

Beliebt es euch?

MATHILDE zur Gräfin Uhlfeld mit erzwungener Fassung.

Ich werde mit des Prinzen Hoheit tanzen.


Die Gräfin geht ab.


JULIANE.

Die Freude gönnet ihr dem Mutterherzen,

Daß, ich gesteh', ihr wählt den würd'gen Tänzer.


Für sich.


Sie hört mich nicht, – ich habe doch den Pfeil

Nicht schon zu tief ins Herz gedrückt?[412]

GRÄFIN UHLFELD.

Der Prinz.

JULIANE.

Mein Sohn erwartet euch.

MATHILDE aus ihrem Erstarren aufschreckend, für sich.

O welche Qual!


Zu Juliane.


Wenn's euch beliebt, so geh'n wir in den Saal.


Alle ab bis auf.


Quelle:
Michael Beer: Sämmtliche Werke. Leipzig 1835, S. 409-413.
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