Biographie

Charlotte Birch-Pfeiffer am Schreibtisch in ihrer Berliner Wohnung (Fotografie von Heinrich Graf, um 1850)
Charlotte Birch-Pfeiffer am Schreibtisch in ihrer Berliner Wohnung (Fotografie von Heinrich Graf, um 1850)

1800

23. Juni: Charlotte Pfeiffer wird in Stuttgart als Tochter des Beamten Friedrich Ferdinand Pfeiffer und seiner Ehefrau Johanna geboren.


1805

Wegen seiner »deutschen Gesinnung« wird der Vater vom württembergischen Herzog Karl Eugen zu einer mehrjährigen Haftstrafe auf dem Hohenasperg verurteilt. Die Familie lebt in drückender Armut.


1806

Der bayerische König Maximilian kauft Friedrich Ferdinand Pfeiffer frei und nimmt ihn als Oberkriegsrat in seine Dienste auf.

Die Familie siedelt nach München über.

Wenig später erblindet der Vater. Als Vorleserin ihres Vaters wird Charlotte Pfeiffer an die Lektüre der großen klassischen Dramen herangeführt.


1812

Gegen den anfänglichen Widerstand der Eltern nimmt sie Schauspielunterricht bei Franz Anton Zuccarini.


1813

13. Juni: Erster Bühnenauftritt in dem Melodrama »Moses Errettung« am Königlichen Theater am Isartor in München.

In ihrem ersten Bühnenjahr tritt sie in 34 Rollen auf.

Bekanntschaft mit dem Schauspieler und Regisseur Karl Carl.


1814

Erste Gastspielreisen an die Theater der näheren Umgebung von München.


1815

Mit der Rolle der Jungfrau von Orleans erobert sie sich das Fach der tragischen Liebhaberin. Bis 1816 tritt sie auch in den Rollen der Medea, Sappho und Maria Stuart auf.


1817

Erste Auslandsreise nach Prag (erneut 1818).


1819

Nach der Rückkehr von der zweiten Prag-Reise erhält sie ihr erstes Engagement am Münchner Hoftheater im Fach der tragischen Liebhaberin und jugendlichen Anstandsdame.

In den folgenden Jahren unternimmt sie zahlreiche Gastspielreisen in Deutschland, Holland, Österreich, der Schweiz und Russland.


1821

Januar: Erstes Gastspiel in Wien am Hofburgtheater.


1823

Während eines Gastspiels in Hamburg lernt sie den dänischen Schriftsteller Dr. Christian Andreas Birch kennen, dem sie im folgenden Jahr eine Anstellung am Münchner Hoftheater verschafft.


1825

Heirat mit Christian Andreas Birch.


1826

Aufgrund ihrer zahlreichen auswärtigen Gastspiele wird ihr Vertrag am Münchner Hoftheater nicht verlängert.


1828

März: Zweites Gastspiel am Wiener Hofburgtheater.

1. Juli: Engagement am Theater an der Wien in Wien (bis 30. Juni 1830) unter der Direktion von Karl Carl.

Beginn der schriftstellerischen Tätigkeit mit »Herma oder Die Söhne der Rache. Romantisches Gemälde der Vorzeit in fünf Acten« (nach dem Roman »Der böhmische Mägdekrieg« von Karl Franz van der Velde, Uraufführung in Wien am 8. Oktober 1828). In den folgenden vier Jahrzehnten produziert sie mehr als 90 Theaterstücke, mit denen sie bis zu ihrem Tod die deutschsprachigen Spielpläne in einzigartiger Weise beherrscht.


1929

»Pfeffer-Rösel oder Die Frankfurter Messe im Jahr 1297. Schauspiel in fünf Acten« (nach dem Roman »Sonnenberg« von Wilhelm Asmus Döring, Uraufführung in Wien am 16. September 1829).


1830

»Die Walpurgisnacht. Dramatisches Volksmärchen in vier Acten« (Uraufführung in Wien am 6. März 1830).

Juli: Nach dem Ende des Engagements am Theater an der Wien verlässt Charlotte Birch-Pfeiffer Wien. Die folgenden sieben Jahre verbringt sie als Wanderschauspielerin mit Gastspielen in zahlreichen deutschen Städten.


1831

Christian Andreas Birch übernimmt die Redaktion der Zeitschrift »Flora« in München (bis 1833).

Beginn der Freundschaft mit Karl Gutzkow.


1834

»Johannes Guttenberg. Original-Schauspiel in zwei Abtheilungen und fünf Acten« (Uraufführung in Berlin am 26. Januar 1835).

Beginn der Zusammenarbeit mit Giacomo Meyerbeer, für den sie bis 1860 die Texte mehrerer Opern zu erfolgreichen deutschsprachigen Bühnenfassungen umarbeitet.

November: Längeres Gastspiel am Königsstädtischen Theater in Berlin (bis April 1835).


1835

März: Charlotte Birch-Pfeiffer inszeniert erstmals eines ihrer Stücke selbst (»Der Glöckner von Notre-Dame« nach dem Roman von Victor Hugo, entstanden 1830) und entdeckt ihr Talent als Regisseurin.


1836

»Rubens in Madrid. Original-Schauspiel in fünf Acten« (erste Aufführung in Wien am 3. Februar 1838).

11. März: Geburt der Tochter Wilhelmine.


1837

Frühjahr: Gastspiel in St. Gallen.

April: Gastspiel in Zürich.

Mai: Charlotte Birch-Pfeiffer übernimmt die Leitung des Stadttheaters in Zürich (bis 1843), das unter ihr seine Glanzzeit erlebt. Sie arbeitet zugleich als Theaterleiterin, Schauspielerin, Dramatikerin, Bearbeiterin fremder Texte, Regisseurin und Sängerin.


1838

Januar: Zwischen Charlotte Birch-Pfeiffer und ihrem Mann kommt es zu einer unüberwindbaren Entfremdung. Sie wirft ihm mangelnden Arbeitswillen, Trunk- und Verschwendungssucht vor. Christian Andreas Birch verbringt die nächsten 17 Jahre in Paris, dann in Stuttgart, schließlich in München. Wirtschaftlich bleibt er stets von seiner Frau abhängig.


1843

1. Oktober: Charlotte Birch-Pfeiffer legt die Leitung des Zürcher Stadttheaters nieder.

Winter zu 1844: Gastspiel am Hoftheater in Berlin.


1844

1. Oktober: Beginn des Engagements am Berliner Hoftheater unter dem Generalintendanten Karl Theodor von Küstner, ab 1851 unter dem Generalintendanten Botho von Hülsen. Das Engagement dauert bis zu ihrer Pensionierung 1865.

Karl Gutzkow wird zu einem ihrer entschiedensten Gegner und bekämpft sie und Küstner als »Usurpatoren« der Berliner Bühne.


1845

Charlotte Birch-Pfeiffer verfasst das Libretto zu Giacomo Meyerbeers Oper »Die Brautfahrt«.


1847

»Dorf und Stadt. Schauspiel in zwei Abtheilungen und fünf Acten« (nach Berthold Auerbachs Dorfgeschichte »Die Frau Professorin«, erste Aufführung in Wien am 18. November 1847).


1853

»Die Waise aus Lowood. Schauspiel in zwei Abtheilungen und vier Acten« (nach Charlotte Brontës Roman »Jane Eyre«, erste Aufführung in Berlin am 5. November 1853).


1855

Christian Andreas Birch kehrt zu seiner Frau zurück.


1856

»Die Grille. Ländliches Charakterbild in fünf Acten« (nach George Sands Roman »La petite Fadette«, Uraufführung in Berlin am 22. Dezember 1856).


1863

13. Juni: Charlotte Birch-Pfeiffer feiert ihr fünfzigjähriges Bühnenjubiläum.

Im Verlag von Philipp Reclam jun. in Leipzig erscheinen die ersten Bände ihrer »Gesammelten dramatischen Werke« (23 Bände, bis 1865).


1865

»In der Heimat. Original-Schauspiel in fünf Acten« (Uraufführung in Berlin am 4. Februar 1865).

Mit der Persionierung endet ihr Engagement am Königlichen Schauspielhaus in Berlin.


1868

25. August: Charlotte Birch-Pfeiffer stirbt, vermutlich an einem Schlaganfall, im Alter von 68 Jahren in Berlin. Nur vier Tage später verstirbt auch ihr Mann. Posthum findet am 10. Oktober 1868 in Berlin die Uraufführung ihres letzten Stückes »Wer ist sie? Original-Schauspiel in vier Acten« statt.

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