Vierte Scene

[12] Vorige. Junker von Sonnenberg.


SONNENBERG tritt zu Beatens Bude. Was lacht Ihr mich so freundlich an, rothwangigte Frau! es zieht mich her zu Eurem Stand, und ich denke von Euch zu feilschen. Was habt Ihr wohl, das für mich paßt?

BEATA sittig vor sich niederblickend. Gar Manches, das einen edlen Ritter zieren mag.

SONNENBERG. Da ist es nicht für mich. Ihr seht, die goldnen Sporen fehlen mir noch, und bis zum Ritterschlag hat's wohl noch Zeit.

BEATA schelmisch. Ei, Ihr seid jung, und Euere Stirne und adeliges Wesen sagt gar deutlich, daß es im deutschen Reich wohl wenig Ritter geben mag, die dieß prächtige Wehrgehänge[12] von meines Mannes Arbeit besser zu tragen verdienten, als Ihr, Herr Junker!


Sie nimmt es von der Höhe, und betrachtet es wohlgefällig.


SONNENBERG. Nun, Frauchen, das gesteh' ich, anmuthiger hörte ich noch keine Verkäuferin schmeicheln; und wäre die prächtige Silberkette auch nicht von so kunstreicher Hand gefertiget, ich kaufte sie dennoch, um von Euch ein Andenken zu besitzen. Was verlangt Ihr dafür?

BEATA. Zu fünfzig Goldgulden steht sie im Preise.


Sonnenberg nimmt einen Säckel vom Gürtel, und zählt das Geld auf.


RÖSEL sieht mit gierigen Blicken das Geld an, dreht sich auf dem Stuhle hin und her, und sagt endlich traurig. Es scheint, der hat auch zu meinen Pfefferkuchen keinen Appetit.

SONNENBERG. Hier, Frau Auffenthalerin, fünfzig Goldgulden, wohlgezählt. Nun macht mir die Freude, schnallt mit Euren zierlichen Händen mir das Wehrgehänge um.

BEATA. Herzlich gern.


Sie beugt sich über den Ladentisch und hängt ihm die Kette über.
[13]

RÖSEL halblaut. Fünfzig Goldgulden – o eitle Hoffart der Reichen! mit dem zehnten Theile wäre meiner armen Mutter geholfen. Sie stützt traurig den Kopf auf beide Arme.

SONNENBERG der ihre letzten Worte vernahm, beugt nachlässig den Kopf nach ihr hin, und fragt hingeworfen. Wie theuer Deine Pfefferkuchen, Kleine?

RÖSEL starrt ihn mit großen Augen an. Was meint Ihr, Herr!

SONNENBERG verneigt sich leicht vor Beaten, und tritt vor Röschen hin. Nun – wie theuer Dein ganzer Kram?

RÖSEL wie versteinert. Ja – wollt Ihr denn – Wie ist mir doch? meinen ganzen Pfefferkuchen-Kram wollt Ihr auf einmal schmausen, mit Kaiser Karl und all den Potentaten?

SONNENBERG. Dafür bewahre mich der Himmel! Da hast Du zehn Goldgulden; bring sie der armen Mutter, und Deinen Kram magst Du obendrein behalten. Er legt ihr das Geld in den Schoos, und will weggehen.[14]

RÖSEL springt auf, faßt das Gold mit beiden Händen, sieht es halb lachend, halb weinend an, und ruft mit lauter froher Stimme. Ach, du lieber gütiger Himmel, das viele Geld mein – Alles mein? Ach das ist ja weit mehr, als alle meine Pfefferkuchen werth sind; da ist uns ja mit einmal geholfen; ich kann den geizigen Doctor zahlen, und die Mutter wird gesund! Ach, lieber Herr Junker! oder Ritter, oder was Ihr sonst seyn mögt, ich danke Euch, ja, so – so – ach ich kann's gar nicht recht sagen, aber aus vollem Herzen – seht nur her, der armen Pfeffer-Rösel laufen ja die hellen Freudenthränen über die Backen. Sie ergreift seine Hand, und bedeckt sie mit Küssen.

SONNENBERG. Ei, Du närrischer kleiner Schwarzkopf, mach nicht so viel Aufhebens, und laß mich los.

RÖSEL eifrig. Aber die Pfefferkuchen gehören Euch – meinen ganzen Kram, den ich zur Messe brachte, sollt Ihr haben. – Meine Kuchen kann der Kaiser alle Tage essen, so süß und würzig sind sie – Ihr dürft sie nicht verschmähen.

SONNENBERG macht sich los und dreht sich nach der Bude des Bandini. Schon gut, Pfeffer-Rösel, Du magst sie mir bringen in's Wirthshaus zur Reichskrone.[15]

RÖSEL vergnügt. Ja, lieber Herr, und das noch heute. Der Junker begegnet Amalgundis Blicken, welche die ganze Scene über unverwandt auf ihn hinsah, indeß Jutta mit Bandini sprach, er sieht sie aufmerksam an.

SONNENBERG. Sagt, liebe Frau, sprecht, wer ist das schöne Frauenbild, das dort am Laden des Italieners steht?

BEATA. Ich kenne sie nicht, muß aber was Großes seyn, weil der Bandini so höflich thut – ist sonst des ernsten Mannes Sache nicht.

SONNENBERG. Sie handeln um einen Falken, wie es scheint.


Bandini hält den Falken auf der Hand.


Adieu! freundliches Frauchen, will mir die Schönheit ein Bischen in der Nähe betrachten.

BEATA. Thut das, mein Junker, und laßt mich zu fernerer Kundschaft empfohlen seyn. Sie setzt sich wieder in ihren Laden hinein, der Junker tritt an Bandini's Bude.

RÖSEL die indeß Alles zusammenpackte, sieht ihm mit einem seltsamen Blicke nach. Der feine Junker findet, wie mir scheint, mehr Gefallen an hübschen Jungfrauen, denn an süßen Pfefferkuchen.[16] Na – thut nichts – er soll die meinen doch haben. So, nun bin ich fertig. Gehab Dich wohl, Beatchen, ich mache mich auf zur Mutter.


Quelle:
Charlotte Birch-Pfeiffer: Pfeffer-Rösel oder Die Frankfurter Messe im Jahr 1297. Wien 1833, S. 12-17.
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