Abdankung.

[365] Diese bestand in einer Danksagung an alle hier versammelte Hochzeitgäst für die Ehr', daß sie sich auch eingestellt haben, sagt, daß dieselben vorzüglich zu essen und zu trinken erhalten werden beim Herrn Adlerwirt Felder und schließt etwa mit einem Spaß auf die Braut, indem er von Kinderwiegen u. dgl. spricht.

Von der Abdankung aber haben die ledigen Buben meist kein Wort gehört; sie hatten Anderes zu denken. Sie hatten nämlich aufzupassen auf den Augenblick, wenn der Feldwaibel endete. Welcher nun sogleich die Braut am Arme faßte, der hatte das Recht, den »Brauttanz zu thun.«

Ebenso paßte ein jeder Bursche auf ein Mädchen, in dessen Nähe er sich gestellt hatte. Konnte er sie vor einem Andern am Arme erwischen, so durfte er sie hinaufnehmen und sie war für diesen Vormittag seine erklärte Tänzerin. »Wer z'erst kommt, mählt z'erst.«

Hie und da kommt es dann auch vor, daß ein Mädle nicht mitgeht, weil sie's vielleicht schon einem Andern versprochen hat; dies ist aber dann eine große Beleidigung, die manchmal blutig gerächt wird.

Beim Brauttanz schließen alle Gäste einen Kreis und sehen zu, wie »schön die Braut tanzen kann.« Meist kommt Wein auf den Platz, den man auf's Wolsein der Brautleute trinkt. Der »Brauttänzer« bekommt ein seidenes Halstuch oder ein seidenes Leible.

Um 12 Uhr geht's auseinander, denn länger zu bleiben wär' für ein »reputirliches Mädle« eine Schande.

Kurze Zeit darauf kommen die »Måhlleut«, d.h. diejenigen, welche »in's Måhl sitzet« (zur Mahlzeit gehen).[366]

Die Braut sizt immer in's Tischeck, ober ihr hängt das Cruzifix. Dort ist ein Seil »aufgemacht«, an welches die Geschenke, die den Brautleuten dargebracht werden, gehängt werden. Da gibt's nun alle möglichen Sachen, besonders aber »Kleinigkeiten«: Kindskittelein, Schühlein, zwei Zoll lang, Lämmelein154, Schlozer u.s.w. Vor der Braut ist auch eine zinnerne Schüssel, mit einem Zinnteller bedeckt, gestellt, in welches sie das »Schenkegeld« legt.

Der Bräutigam muß sich der Sitte gemäß bequemen, oft zwei, drei Tische weit von der Braut entfernt sich zu setzen. Er kommt nur zu ihr, um ihr etwa zu sagen, daß wieder Gäste angekommen, die man begrüßen müsse, oder auch, um sie zum Tanze abzuholen.

Mit der Braut tanzen zu dürfen, gilt übrigens als die größte Ehre, manchmal traut sich ein blöder Vetter nicht, heute um diese Gunst zu bitten.

Haben sich die »Måhlgäste« gesezt, so geht das Essen an. Dasselbe geht aber sehr langsam vor sich, denn zwischenhinein wird getanzt. Meistens dauert dasselbe bis gegen 6 Uhr Abends.

Dasselbe besteht allemal aus Suppe, sauren Kutteln, dann Rindfleisch und geschnittenen Nudeln, auch etliches Zugemüse (dem man aber nicht weh thut); hernach Blut- und Leberwürsten; Schweinefleisch und Sauerkraut, Schweine- und Kalbsbraten. Dann zulezt kommen »Dôte« (Torten).

Wenn »'s Bråtes« (der Braten) aufgetragen wird, kommen die Musikanten in das Speisezimmer und spielen vor jedem Tisch ein Stück, meist eine Minuette. Dafür erhalten[367] sie dann von jedem Hochzeitsgaste eine kleine Silbermünze. Dies wird »bråtisgeige« geheißen.

Auch die Köchin kommt jezt und präsentirt ihren Schaumlöffel auf jedem Tisch; man legt auch ihr ein kleines Trinkgeld in den Löffel, und meist lobt man sie wegen »dem guten Essen«.

Etwas darf hier nicht vergessen werden, nämlich das Reis. Obgleich jeder weibliche Hochzeitgast einen »Grätten« bei sich stehen hat, worein sie die Speisen legt, die »sie nicht zwingt«, und meist recht zu tragen hat, so ist es doch Brauch, den Verwandten ein Reis heimzuschicken. Es ist dies Reisbrei mit Zucker, Weinbeerlein und Zimmt überstreut, und kostete immer ein Teller voll 6 Kreuzer.

»Dẽerf î it au ëbbes hõimtrage?« so fragen eine Menge Kinder, die des Verbots ihres Lehrers ungeachtet doch hier sind. Diese dürfen dann für ihre Mühe »trinken« und bekommen wohl auch ein halbes Wecklein. Daß Alle von diesen den Braten, den sie heimtragen, auf der Stiege abschlecken, ist gerade nicht wahr.

Da Nachmittags viele »Schenkeleut«, also meist Weibsbilder, da sind, so sind in der Regel einige Schenketänzer bestellt, welchen zur Pflicht gemacht ist, mit allen Mädchen und Weibern zu tanzen. Sie sind zechfrei und erhalten noch Lohn.

Kommt ein Kind oder eine Magd zum »Schenken«, so läßt die Braut sie (vom Wein) »trinken«, gibt ihnen einen Wecken, deren viele schon in einem »großmächtigen« Korbe bereit stehen, und sezt sie dann an einen besondern Tisch, wo sie zum Tanze abgeholt werden. – Etwa um diese Zeit geht das Brautpaar in den Pfarrhof, wo sie dem Pfarrer ein Schnupftuch und eine Halbe Wein verehren.[368]

Bisher war nichts von ledigen Leuten zu sehen; aber so gegen 3 Uhr Nachmittags rücken sie alle heran, Buben und Mädlen. Beim Ausritte haben wir sie schon gesehen, hier können wir sie aber näher betrachten.

Die Buben mit ihrer Pelzkappe von Fischotter im Scharlachleible mit den helmartigen silbernen Knöpfen, mit den schwarzen kurzen Hosen von aufgeriebenem Leder angethan, in schneeweißen Zwickelstrümpfen, in Schnallenschuhen oder kurzen Halbstiefeln waren gar stattlich anzusehen. War's Sommer, so hatte jeder Bub den Janker (Kittel ohne Schöße) auf der Achsel, der allemal von »Mansäster« war, denn so war's der Brauch. Von der lumpigen Cigarre wußte man dort noch nichts. Hier hatte Jeder seine silberbeschlagene Pfeife, ächten Ulmerkopf mit schweren silbernen Ketten daran. Das »schwarzbraune Nägele und der Rosmarin« hatte jeder rechte Bursch auf der Kappe. Ja, das war prächtig.

Aber die Mädlen standen ihnen nicht nach. Der hellrote oder grasgrüne kurze Rock von Kamelot in viele Falten gelegt; das knappe Miederchen mit den großen Haken, welches oben halb vom Goller155 bedeckt war, stand ihnen gar lieblich; ebenso der weiße Schurz.

Das Haar hatten sie rückwärts gestrichen, in zwei Zöpfe geflochten und mit schönen hellroten Bändern geziert, die sie entweder hintenunter hingen oder ein Nest machten und die Haarnadel hindurchsteckten, die meist von Silber, selten aus Messing und versilbert war.[369]

Der Rock ließ auch gut die schneeweißen Strümpfe sehen, welche meist tüchtige Waden verbargen.

An den Füßen trugen sie Schlupfschuhe (Schuhe mit kurzem Rande), welche mit seidenen Bändern, in kleine Fältchen gelegt, gar niedlich kleideten.

Daß auch hier das »schwarzbraune Nägele und der Rosmarin« an der Brust nicht fehlte, versteht sich von selbst.

Auch die Mädlen gingen in ganz kurzen Hemdärmeln, von schneeweißem Baumwollentuch gefertigt, und trugen das Wammes (Wamms) am Arme.

Anfangs ging's gar sittiglich her. Besonders die Mädlen schwazten nicht laut, und haben nur so in einander neẽdûsemlet.

Das wurde aber bald anders; denn kamen die Musikanten und sagten: Grüeß Gott ihr Herren! – dann ging's los.

Aber etwas muß ich auch noch erwähnen: früher ist man mit der Musik nicht so »håikl ‰ gwëe«; und hundertmal hat der alt Bettemann, der zwei Stücklein hat geigen können, und der alt Ziehler, der baßgeiget hat, die Hochzeitleut fast närrisch gemacht. Auch das Tanzen wurde anders betrieben als jezt. Zuerst nahm jeder Tänzer sein Mädle an der Hand und führte sie auf den Tanzplatz, d.h. die »Laube«156, wie es auch jezt noch gebräuchlich ist in einigen Wirtshäusern. Spielten nun die Musikanten auf, so führte er seine Tänzerin wol zwei, drei Mal laufend auf dem Tanzplatze[370] herum. So kamen Alle hintereinander, vorn aber allemal der »Vortänzer«, einer der gewiegtesten Bursche und gewiß allemal ein guter Tänzer. Dabei stampften die Tänzer den Takt mit den Füßen aus Leibeskräften dazu, und das »Juxen« war stets dabei die Hauptsache. Nun begann der Vortänzer den Vortanz (einen 3/4 Takt), aber ganz langsam. – Er führte seine Tänzerin mit aufgehobenem Arme, oder was noch öfter vorkam, er reichte ihr von oben herab nur den Zeigefinger der rechten Hand, welchen sie zwischen Daumen und Zeigefinger der linken so hielt, daß sie sich wie eine Spindel im Kreis herum drehen konnte. Oder er tanzte mit ihr einen »Ringelrum« (im Ring herum, 3/4 Takt-Walzer).

Dies dauerte aber nur kurze Zeit, kaum ein Vaterunser lang, und die Musikanten hörten auf.

Nun fing der Vorsänger an, ohne Begleitung der Musik zu singen:


Und wenn nur mein Schäzele ein Rosenkranz wär,

Dann thät ich ihn herabbeten, wenn er noch so lang wär157.


Nun macht sogleich die Musik die Fortsetzung, während Alles tanzt. Aber auch dies ist in kurzer Zeit wieder zu Ende, während so viele Paare tanzen, als immer nur da sind.

Ein Zweiter fängt nun an, nach der gleichen Melo die zu singen, während alle Tänzer stehen bleiben; nur der Sänger begleitet sein Lied mit den entsprechenden Bewegungen des Körpers, welches aber mehr ein Wiegen des Leibes genannt werden kann.
[371]

Und wenn nur mein Schäzele ein Feigenbaum wär,

Dann thät ich hinuffglimmen, wenn er noch so hoch wär.


Nun wieder Musik und so fort. Ueberhaupt besteht ein solcher Tanz (eine Tour) aus 12-20 Tänzen, wie hier gezeigt.

Alle diese Lieder haben ihren Schluß in der Terz. Will ein Bub recht den Großen spielen, so singt er die zweite Stimme des Liedes um eine Octave höher, aber allein. Hie und da fallen auch je beim zweiten Theil der Strofe alle Sänger im Chor ein, so daß die erste Hälfte des Verses allein, die zweite im Chor, aber zweistimmig gesungen wird.

Die Sangweise wiederholt sich fort und fort und ich hörte nie eine andere158.[372]

Waren nun so etliche 10-15, auch wol mehr Liedlein abgesungen und abgetanzt, so ließ sich manchmal ein Musikant hören: So ier hërre iez iş gnûe, lẽnd iss au drenke! Nix då, de Schottische! war aber die Antwort. Denn wolgemerkt, der »Schottische« mußte jedesmal aufgespielt werden, bevor man seine Tänzerin zuerst »an's Buben Platz« führte, wo sie »Bschaid thun« mußte und sie dann an ihren Platz brachte. Håşt dî wol g.halte, Uschelẽ! das war ungefähr der Dank selbesmal.

Zum »Schottischen« stellten sich nun alle Paare zugleich auf; aber nicht wie beim »Ringelrum«, sondern jedes Paar schaute sich in's Gesicht, so daß die Bewegung nur seitwärts vor sich ging. Die Hände waren kreuzweis ineinander gelegt, und bei diesem Tanze war es schicklich, daß die Tänzerin die Augen züchtig zu Boden schlug.

Aber auch hier, wie vorhin, war Gesang und Tanz verbunden.

Ebenso wurden wieder Abtheilungen gemacht, und wie beim vorigen Tanze spielten die Musikanten die Melodie ganz kurze Zeit, worauf der Vortänzer wieder anfing:


Schäzlẽ må bişt géştig gwëse?

Z'Bibere uff der Gautsche,

Heõ meim Schälzẽ d'hôse gfiikt,

Jez kã-n-ers wider brouche.


Dies wird dann mit der Musik zwei-, dreimal wiederholt,[373] meist auch eine kleine Version angehängt, worauf wieder gesungen wird:


Hätt meẽ geõs deẽ geõs itt bisse,

Hett deẽ geõs de flüg.l nô;

Hettişt itt in d'hôse gsch.

Hettişt sauberẽ hôse nô.


Drui mål nudle, drui mål nudle

Und e mål enn Stopfer,

's geit kõẽ schöner's Mädlẽ hie

Ass 's Uhremachers dôchter.


Der »Schottische« dauerte jedoch nicht lange und bildete jedesmal den Schluß des Tanzes.

Wollen die Verheirateten tanzen, so geschieht dies immer ohne die ledigen Leute. Es wird dann schon vorher denselben von einem Musikanten ein »Vortanz« oder auch »drei Tänz und ein Hopper« ausgerufen.

»Geschenkt« erhalten die Brautleute sehr viel. Nicht nur Geld bekommen sie, auch Küchengeräte, Gläser, Kaffeekannen u. dgl.

Gegen Mitternacht gehen die Brautleute nach Hause. Die Musikanten versammeln sich am Hochzeitstische, es wird noch gesungen und auf's Wohlsein der jungen Eheleute angestoßen. Sie werden mit der Musik bis unter das Wirtshaus begleitet, wo dann noch einmal von den Eltern Abschied genommen wird.

In der Heimath wartet man schon auf sie; dort waren nämlich einige Weibsleute aus der Freundschaft aufgestellt, welche den Tag durch immer beschäftigt waren, den Hochzeitleuten ihr »Zuig« beschauen und bewundern zu lassen.

Man trinkt dann noch einen »Siedigen« (Kaffee). Bevor[374] die jungen Eheleute aber zu Bette gehen, visitirt man genau Bettstatt, Hemder u.s.w.; denn schelmische Freunde unternehmen es meist, ihnen einen Schabernack zu spielen, indem sie die Latten unten an der Bettstatt absägen, die Hemdärmel des Brauthemds zunähen, oder gar in's Nachtgeschirr ein Loch bohren etc.

Den andern Tag erscheinen die jungen Eheleute jedesmal in der Kirche. Nachher geht man zum Pfarrer, nach der Schuldigkeit zu fragen, ebenso die Hochzeitszeche im Wirthshause zu bereinigen.

154

Ein Lämmele ist ein Glas, oben mit einem Röhrchen versehen, woraus die Wiegenkinder trinken.

155

Goller ist eine Chemisette, welche Brust und Schulter bedeckt, aber keinen Kragen hat; war meist von durchsichtigem Zeug, hin und wieder mit Goldstoff durchwirkt (s. Braut), oder von Seidenzeug. In Wurmlingen sagt man smîslẽ, g.şmîs.

156

»Laube« ist ursprünglich der vom Laub umgebene Raum, Laubhütte; dem Worte muß ein goth. laubjo und ahd. lauba oder laubja zu Grunde liegen; in weiterer Bedeutung ist Laube jeder bedeckte Gang, z.B. Hausflur, Vorsaal, Brodlaube, Kornlaube, Fleischlaube; endlich heißt der Abtritt Laüble, weil er am Ende des Laubenganges an den Häusern sich befindet. Von laubja kommt das roman. loggia, woher wieder losement, logement, losiren etc.

157

Die kurzen Lieder heißen in der Wurmlinger Gegend nur »Tänze«, weil sie fast nur zum Tanzen gesungen wurden. »Rappendizlen« heißen sie in der Tuttlinger Gegend (Weilheim).

158

Die gewöhnlichsten Boureliedle waren folgende:

3. Oepfinge, Dischinge, Doneriedô –

O hätt î meĩ Schäzele, wie wett î's liebô.

4. Und Oepfinge, Dischinge, Bappelau zue,

Wie danzet die Boure, wie glöpfet die Schue.

5. Mei Schäzele ist nätt und ei wenn î's nõ hätt,

Nåch gieng î viel tausedmål lieber ins Bett.

6. e Ringle am Fingerle, e Löchle derdur,

Då sieh-n-î meim Schäzle seĩ falscha Natur.

7. Und du deest wohl so guke mit deine Augô,

Und î hau dî nie mêge, du desch mer's glaubô.

8. Und wenn î nô näher bei meim Schäzle wär,

Nåch wär mir mei Heezle it halba so schwär.

9. Und du deest jå nu näher zu deim Schäzle gau,

Nåch deest du it älleweil – so e Gschiß haũ.

10. Drei Rose im Gâte, drei Ilge im Wald,

Im Sommer isch lieble, im Winter isch kalt.

11. Und druimål um d'Scheiterbeug, druimål ums Hous,

Und druimål en Pfiff gethan, Schwâze guk rous.

12. Nõ langsam, nõ langsam und it so gar gschwind –

Mei Dänzere ist schwanger, sie gåt mit em Kind.

13. Dôt obe ufem Bergele dort ståt e Kapell,

Då danzet drei Schneider um d'Wasserbutell.

14. Und 's Braubier ist bitter, und 's Weißbier ist süeß,

Jez leg î meim tausege Schaz d'Händ unter d'Füeß.

Quelle:
Birlinger, Anton: Sitten und Gebräuche. Freiburg im Breisgau 1862, S. 365-375.
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