Die 37. Histori sagt, wie der Pfarer von Hohen Egelßheim Ulenspiegel ein Wurst fraß, die ihm darnach nit wol bekam.

[108] Zu Hildesheim waz Ulenspiegel und koufft ein gut rote Wurst under der Metzig und gieng von danen gen Egelßheim. Da waz er wol bekant mit dem Pfarer und es waz uff einen Sontag zu Morgen. Als er dar kam, da hielt der Pfarer die Fronmes, umb daz er zeitlich essen wolt. Also gieng Ulenspiegel in die Pfar und bat die Kellerin, daz sie ihm die roten Wurst braten wolt. Die Kellerin sprach ja.[109] Da gieng Ulenspiegel in die Kirchen. Da waz die Fronmeß uß und ein anderer Priester hub die Hohe Meß an. Die hort Ulenspiegel uß. Dieweil waz der Pfarer zu Huß gangen und sprach zu der Magt: »Ist nüt gar gekocht, daz ich ein Bissen essen möcht?« Die Kellerin sprach: »Hie ist noch nit gkocht dan ein rote Wurst, die Ulenspiegel gebracht hat, die ist gar. Die wolt er essen, wan er uß der Kirchen käm.« Der Pfarer sprach: »Lang her mir die Wurst, ich wil ein Bissen davon essen.« Die Magt langtt ihm die Wurst. Dem Pfarer schmeckt die Wurst also wol, daz er sie gantz fraß, und sprach zu ihm selber: »Gesegen mir es Got, es hat mir wol geschmeckt. Die Wurst ist gut gewesen.« Unnd sagt der Magt: »Gib Ulenspiegel Speck und Kol zu essen, als sein Art ist. Daz bekumpt vil baß.«

Und nach dem Ampt, als es uß waz, da gieng Ulenspiegel wider in den Pfarhoff und wolt von seiner Wurst esseß. Und hieß ihn der Pfarer wilkum sein unnd danckt ihm für die Wurst und sagt, wie sie ihm so wol geschmeckt hät, und satzt ihm Speck und Kolkrut für. Ulenspiegel schweig stil und aß, waz da gekocht waz, und gieng am Montag wider hinweg. Der Pfarer rafft Ulenspiegeln nach: »Hörst du, wann du nun herwiderkumest, so bring zwo Würst mit dir, ein für mich und ein für dich. Was du darumb gibst, daz wil ich dir widerumb geben. Und so wöllen wir redlich schlemmen, daz uns die Müler schmutzig werden.« Ulenspiegel sprach: »Ja, Her, es sol geschehen, ich wil Euwer wol gedencken mit den Würsten«, und gieng da wider geen Hildeßheim. Und es gieng nach seinem Willen, daz die Schinder ein todte Suw fürten uff die Schelmengrub. Da bat Ulenspiegel den Schinder, das er wolt Gelt nemen und wolt ihm da zwo rote Würst machen von der Suw, und zalt ihm dar etliche silberin Pfening. Der Schinder thet daz und macht ihm zwo schone Würst. Da nam sie Ulenspiegel und sode die halber gar, als man Würst pfleget zu thun, und gat des andern Sontags wider geen Egelßheim und traff, daz[110] der Pfarrer die Fronmeß aber hielt. Da gieng er uff den Pfarrhoff und bracht die Wurst der Kellerin und bat sie, daz sie die Wurst solt braten uff den Imbis. Der Pfarrer solt die eine haben und er die ander und gieng da in die Kirchen.

Also thet die Magt die Würst zu dem Feuer und briet sie. Da die Meß uß waz, da ward der Pfarrer Ulenspiegels gewar und von Stund gieng er uß der Kirchen in den Pfarhoff und sprach: »Ulenspiegel ist hie, hat er auch die Würst bracht?« Sie sprach: »Ja, 2 schöner Wurst, als ich kum gsehen hab. Und sein bald alle beid gebraten.« Und sie gieng und nam die ein von der Glut, und sie ward der Wurst auch lüstig, als wol als der Pfarrer. Und sie setzten sich nider, beide zusamen, und dieweil, als sie so begirig die Wurst assen, so begunden ihn die Müler schmutzen. Daz sah und hort ein ander Man, daz der Pfarrer sprach zu der Magt: »Ach, liebe Magt, sich wie schumpt dir der Mund.« Also sprach die Magt zu dem Pfarrer hinwider: »Ach, lieber Herre, gleich ist Euwer Mund auch also.« Und gleich so kummet Ulenspiegel eingangen von der Kirchen. Da sprach ihn der Pfarrer an: »Sich, waz hast du für Würst bracht? Sich, wie mir und meiner Kellerin die Münder schmutzen!« Ulenspiegel lacht. »Got gesegens Euch«, sprach er, »Euch beschicht nach Euwerm Begern. Als Ihr mir da rufften, ich solt zwo Wirst bringen, davon wolten Ihr essen, daz Uch der Mund müst schmutzen. Aber des Schmutzes acht ich nit, wa nit daz Spüwen hernach kumpt. Ich versich mich wol, es werd bald kumen. Wann, davon die 2 Wirst gemacht seind, daz waz ein todte Suw, darumb müst ich daz Fleisch suffer seiffen, und davon kumpt Euch daz Geschmutz.« Die Kellerin hub an zu balgen und spüwet uber den Tisch ein, desgleichen der Pfarrer auch und sprach: »Gang bald uß meinem Huß, du Schalck!« und ergriff ein Knütel und wolt ihn schlahen. Ulenspiegel sprach: »Daz stot einem frumen Man nit wol an. Ihr hießen mich doch die Wirst bringen[111] und hon sie beid gessen und wolt mich jetz schlahen. Bezaln mir doch vorersten die Würst, ich geschweig der dritten.« Der Pfarrer was zornig unnd dobet fast unnd sprach, er solt fürter seine faulen Wirst, die er von der Schelmengruben gemachet hätt, selber essen unnd solte sie ihm in sein Hauß nicht mer bringen. Ulenspiegel, der sprach: »Ich hab sie doch Euch on Euweren Danck nicht in Leib gesteckt, auch so möchte ich dise Wirst nicht. Aber die ersten, die hätt ich wol gemöcht, die hond Ihr mir on mein Danck geessen. Hond Ihr nun die guten unnd die ersten Würst gefressen, also essent die bößen auch hindennach!« Und sprach: »Alde, gut Nacht!«

Quelle:
Ein kurtzweilig Lesen von Dil Ulenspiegel. Stuttgart 1978, S. 108-112.
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