Die 66. Histori sagt, wie Ulenspiegel einem Pfüffentreiger zu Lüneburgk ein groß Schalckheit thet.

[189] Zu Lünenburg wont ein Pfeiffentreier und der waz ein Lantfarer gewesen und was mit dem Lotterholtz umbgeloffen. Da saß er zu Bier, und Ulenspiegel kam in daz Gelach und het vil Geselschafft da. Da lud diser Pfeiffentreier Ulenspiegeln zu Gast in diser Weiß, daz er ihn äffen wolt, und sagt zu ihm: »Kum morgen zu Mittag und iß mit mir, ob du kanst.« Ulenspiegel sagt ja und verstund des Wort[190] so balde nit, und kam des andern Tags und wolt zu dem Pfeiffenmacher ze Gast gon. Als er nun für die Thür kam, da was die Thür oben und unden zugeschlagen und alle Fenster waren zu. Ulenspiegel gieng vor der Thür hin und har, zwei- oder dreimal, so lang, daz es Nachmittag ward. Das Huß bleib stets zu. Da gdacht er wol, daz er bschissen was. Da ließ er darvon und schweige stil bis des andern Tags. Da kam Ulenspiegel zu dem Pfeiffenmacher uff den Marckt und sprach zu ihm: »Sich, frum Man, pflegen Ihr das ze thun, wann Ihr Gäst laden und gon selber uß und thun die Thür unden und oben zu?« Der Pfeiffenmacher sprach: »Hortest du nit, wie ich dich bat? Ich sagt, kum morgen zu Mittag und iß etwaz mit mir, ob du kanst. So findest du die Thür zügeschlagen, da künst du nit hineinkumen.« Ulenspiegel sprach: »Des haben Danck, das wißt ich noch nit, ich lern noch alle Tag.« Der Pfeiffenmacher lacht und sagt: »Ich wil dich nit umbtreiben, gang nun hin, mein Thür stot offen. Du findest Gesottens und Gebratens bei dem Feuer. Gang für hin, ich wil dir nachkummen, du sollest allein sein, ich wil kein Gast mer haben dan dich.« Ulenspiegel gedacht, daz würt gut, und gat endlichen zu des Pfeiffenmachers Huß und finde daz, als er ihm gesagt het. Die Magt wendet Braten, und die Fraw gat darumher und richtet zu. Und Ulenspiegel kummet ins Huß und sagt zu der Frawen, daz sie endlichen solt kummen mit ihrer Magt, ihrem Hußwirt wär geschenckt ein grosser Fisch, ein Stör, daz sie ihm den hülff heimtragen; er wolt den Braten so lang wenden. Die Fraw sagt: »Ja, lieber Ulenspiegel, ich wil gon mit der Magt und behend widerkumen.« Er sagt: »Gon endliche!«

Die Fraw und Magt giengen zu Marckt, und der Pfeiffentreier kam underwegen und sprach zu ihn, waz sie ze lauffen hätten. Sie sprachen, Ulenspiegel wär in daz Huß kummen und hät gesprochen, wie daz ihm ein grosser Stör wär[191] geschenckt, den solten sie helffen heimtragen. Der Pfeiffenmacher ward zornig und sagt zu der Frawen: »Kunst du nit im Huß bleiben! Er hat das umbsunst nit gethon, da ist ein Schalckheit under.« Und dieweil het Ulenspiegel daz Huß unden und oben zubeschlossen. Also da der Pfeiffenmacher und sein Fraw mit der Maget für sein Huß kamen, da funden sie die Thür zu. Da sprach er zu seiner Frawen: »Nun sichst du wol, waz du für ein Stör holen sollest!«, und sie klopften an die Thür. Ulenspiegel gieng für die Thür und sagt: »Lassen Euwer Klopffen, ich laß niemans ein. Diser Wirt hat mir befolhen und zugesagt, ich sol allein hin sein, er wöl kein Gast mer haben dann mich. Gon nur hin und kumen nach Essen harwider.« Der Pfeiffenmacher sprach: »Das ist war, ich sagt also, aber ich meint es nit also. Nun lassen ihn essen, ich wil ihm wider ein Schalckheit darumb thun«, gieng mit der Frawen und Magt in des Nachburen Huß und beiten so lang, daz Ulenspiegel ledig waz. Und Ulenspiegel bereit die Kost gar und setzt sie uff den Tisch und aß sich fol und satzte sie wider zu, solang es ihn gut dunckt. Da thet er die Tür uff und ließ sie offen ston, und der Pfeiffentreier kam und sprach: »Daz pflegen kein frume Lüt ze thun, als du gethon hast, Ulenspiegel.« Da sprach Ulenspiegel: »Solt ich daz thun selbander, daz ich allein thun solt? Und würd zu Gast gebeten und wolte niemans mer halten dann mich allein, und ich brächt ihm dann mer Gäst, daz wolt dem Wirt nit gefallen«, und gat mit den Worten uß dem Huß. Der Pfeiffenmacher sah ihm nach. »Nun, ich bezal dich wider, wie schalckecht du bist!« Ulenspiegel sprach: »Wer daz Best kan, der sei Meister.«

Da gienge der Pfeiffenmacher von Stund zum Schelmenschinder und sagt, in der Herberg sei ein frum Man, der heißt Ulenspiegel. Dem sei ein Pferd gestorben, das solte er außfüren, und zeigt ihm das Huß. Der Schelmenschinder sah wol, das es der Pfeiffenmacher waz, und saget ja, er[192] wolte das thun, und fur mit dem Schinderkarch für die Herberg, als ihm der Pfeiffenmacher gezeuget hett, und fragt nach Ulenspiegeln. Ulenspiegel, der kumpt für die Thür und fragt, waz er haben wolt. Der Schelmenschinder sprach, der Pfeiffenmacher wäre bei ihm gewesen unnd hät ihm gesaget, das ihm sein Pferd wäre gestorben. Das solt er ußfüren. Und ob er Ulenspiegel hiesse und ob das also wär? Ulenspiegel, der kort sich umb und zoch die Bruch ab und zert den Arß uff: »Sich hie! und sag dem Pfeiffenmacher, ist Ulenspiegel in diser Gassen nit gesessen, so weiß ich nit, in waz Strassen er sitzt!« Der Schinder, der ward zornig und fur mit dem Schinderkarch für des Pfeiffenmachers Huß und ließ den Karch da ston und verclagt ihn, so das der Pfeiffenmacher dem Schelmenschinder 10 Guldin geben must. Und Ulenspiegel satlet sein Pferd und reit uß der Stat.

Quelle:
Ein kurtzweilig Lesen von Dil Ulenspiegel. Stuttgart 1978, S. 189-193.
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