Dritter Akt.

[48] Hof mit Geschützen besetzten Wällen und Mauern des freiherrlichen Schlosses.


MARIA.

»Jetzt ist er hinaus in die weite Welt,

Hat keinen Abschied genommen,

Du frischer Spielmann in Wald und Feld,

Du Sonne, die meinen Tag erhellt,

Wann wirst du mir wieder kommen?


Kaum dass ich ihm recht in die Augen geschaut,

So ist der Traum schon beendet; –

O Liebe, was führst du die Menschen zusamm',

O Liebe, was schürst du die süsse Flamm',

Wenn so bald und traurig sich's wendet?


Wo zieht er hin? Die Welt ist so gross,

Hat der Tücken so viel und Gefahren; –

Er wird wohl gar in das Welschland geh'n,

Und die Frauen sind dort so falsch und schön!

O mög' ihn der Himmel bewahren!«

FREIHERR.

Schnell, ihr Knechte, schließt das Thor!

Zur Platteforme mit den Karthaunen!

Nehmt die Bauern scharf aufs Rohr; –

Zieht die Zugbrück' auf! zu schirmen

Gilt's das Schloß jetzt vor den Bauern!

GRÄFIN.

Helft, Herr Schwager! Aus dem Schwarzwald

Kommen sie in hellen Haufen,

Hellebarden, Pickelhauben –[48]

FREIHERR UND GRAF VON WILDENSTEIN.

Laßt sie kommen! Mögt uns glauben:

Sollen all' im Rhein ersaufen;

Nicht so bald

Kehr' ein Bauer heim zum Wald!

DAMIAN.

Ach! ich glaube gar, sie schießen!

GRÄFIN UND MARIA.

Ist das Euch so unbequem?

DAMIAN.

Schießen ist mir wohl genehm,

Aber nicht das Blutvergießen,

Das so leicht damit verbunden,

Da die Kugeln oft verwunden.

GRÄFIN UND MARIA.

Ha, seht doch diesen Feigling an,

Das wär' mir just der rechte Mann!

FREIHERR.

Hört! näher rücken sie schon an;

Ihr Frauen, geht ins Schloß hinan!

GRAF VON WILDENSTEIN.

Horch! näher rücken sie schon an;

Jetzt zeig' als Held dich, Damian!

DAMIAN.

Ja, mein Vater.

MARIA.

Laß uns bleiben! Nicht ins Schloß,

Denn ich fürchte kein Geschoß! –

FREIHERR.

Hört, es verlangt die Bauernrotte,

Daß wir das Schloß ihr übergeben.

GRAF VON WILDENSTEIN UND CHOR DER LANDSKNECHTE.

Erkaufe sie's mit ihrem Leben!

FREIHERR.

Nimm das zur Antwort, freche Rotte![49]

GRAF VON WILDENSTEIN.

Mein tapf'rer Sohn soll ihnen zeigen,

Wie schwer die Mauern zu ersteigen.

DAMIAN.

Ja, Vater.

FREIHERR.

Junker Damian,

Der ist dazu der rechte Mann!

DAMIAN.

Ja wohl, Herr Oberst.

FREIHERR.

Schnallt, Junker, meinen Pallasch an

Und werft Euch in den Büffelkoller:

Ihr hört, der Sturm vor'm Thor begann.

DAMIAN.

Ach ja, sie schießen immer toller.

FREIHERR.

Ihr sollt die Bauern so verjagen,

Daß sie den Spaß nie wieder wagen.

DAMIAN.

Ach, dürft' ich es ihm doch nur sagen:

Ich kann das Schießen nicht vertragen.

FREIHERR, GRAF UND CHOR DER LANDSKNECHTE.

Wohlauf denn zur Schlacht! die Lanzen erhoben!

Dem Feinde geboten die tapfere Brust;

Sie sollen nicht länger die Mauern umtoben,

Zu siegen, zu sterben ist krieg'rische Lust!

Wohlauf denn zur Schlacht!

FREIHERR.

Hört an, wie sich der Bauer wehrt!

GRAF VON WILDENSTEIN.

Gebt Acht! vor meines Sohnes Schwert

Macht ihre Schaar bald rechtsum kehrt.

FREIHERR.

Ei freilich! würd' es anders sein,

Wär' er kein Graf von Wildenstein.[50]

DAMIAN.

Macht auf! – macht auf und laßt mich ein!

FREIHERR.

Hört Ihr es, Graf? – So laßt ihn ein!

DAMIAN.

Zu Hilfe, Vater! dies gemeine Volk

Versteht nicht einmal regelrecht zu fechten,

Hat mir den Helm zerhau'n, das Wamms zerfetzt

Und schlug mir selbst den Pallasch aus der Rechten!

FREIHERR.

Vorwärts! besser ehrlich fallen,

Als von solchem Volk gefangen!

DIE LANDSKNECHTE.

Vorwärts! besser ehrlich fallen,

Als von solchem Volk gefangen!

FREIHERR, GRAF VON WILDENSTEIN, GRÄFIN UND CHOR DER LANDSKNECHTE.

Heil dem Tapfern! Heil dem Sieger!

Der des Feindes Hand

Uns entwand; –

Heil und Dank euch, tapf're Krieger!

MARIA.

Du hier, mein geliebter Werner?

Welches Glück! Ich fass' es kaum!

WERNER.

O Maria, du mein Leben!

O Maria, du mein Traum!

CONRADIN.

Landknechts Treu' hat sich bekundet;

Dankt dies Glück des heimathlosen

Treuen Landsknechts Heldenmuth!

MARIA.

Heil'ger Gott, er ist verwundet! –

Seht nur, seht, wie junge Rosen,

Quillt aus seinem Arm das Blut.[51]

CONRADIN.

Doch was muß ich hier entdecken?

Gräfin – seht! Ein Mal am Arme,

Just wie Eures –

GRÄFIN.

Freude! Schrecken!

Helft mir! daß sich Gott erbarme!

Ach, mein Sohn – verwundet – –

FREIHERR

Und Maria wird dein Lohn;

Denn den feigen Damian

Nehm' ich nie zum Eidam an!

DAMIAN.

Kommt, Herr Vater! – Ich packe ein

Und reite zurück nach Wildenstein.

GRAF UND GRÄFIN VON WILDENSTEIN.

In Gottes Namen! doch Wildenstein

Wird nun dem rechten Erben sein.

GRÄFIN UND MARIA.

Ach, wie mein Herz voll Freude bebt,

Als fühlt's sein Glück erwachen.

CONRADIN.

»O Rheineskinder, man erlebt

Doch sonderbarliche Sachen!«

FREIHERR.

Recht! so wird's wieder Sonnenschein

Auf Schönau und auf Wildenstein.

CHOR DER BÜRGER UND BÜRGERINNEN.

Seht, da ist er – unser Retter,

Der die Stadt vom Feind befreit

Und die Bauern in die Flucht trieb,

Dank und Preis sei ihm geweiht![52]

WERNER.

»Jung Werner ist der glückseligste Mann

Im römischen Reich geworden;

Doch wer sein Glück ihm angethan,

Das sagt er nicht mit Worten –

Das sagt er nur mit Hei Juchhei! –

Wie wunderschön ist doch der Mai,

Feinslieb ich thu dich grüssen!

MARIA UND WERNER.

»Feinslieb, ich thu dich grüssen!«

So unendlich heiß zu lieben,

Lieben und geliebt zu sein.

So mit ganzer Seele lieben,

Das ist Seligkeit allein!

ALLGEMEINER SCHLUßCHOR.

»Liebe und Trompetenblasen

Nützen viel zu guten Dingen,

Liebe und Trompetenblasen

Selbst ein adlig Weib erringen;

Liebe und Trompetenblasen,

Mög' es Jedem so gelingen

Wie dem Herrn Trompeter Werner

An dem Rheine zu Säkkingen!«

Ende der Oper.
[53]

Quelle:
Viktor Nessler: Der Trompeter von Säckingen. Leipzig [o. J.], S. 48-54.
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