1166. An Nanda Keßler

[116] 1166. An Nanda Keßler


Wiedensahl 22. Dec. 1897.


Meine liebe Nanda!

Sei herzlich bedankt für dein freundliches Gedenken – und für den Topf. Ist es doch ein feiner Topf, ein ehrsamer Topf, der sich nicht zu verstecken braucht, wie manche Töpfe, sondern sich sehen laßen kann von außen und innen. Das, was er enthält, hab ich bereits in Angriff genommen, ganz nach Vorschrift der edelen Geberin, zu meiner höchsten Zufriedenheit. Denn wenn ich auch, im gewöhnlichen Laufe der Tage, schlichtweg zu eßen liebe, bin ich doch nicht so hartmäulig, um ungewöhnlich Gutes nicht schätzen zu können, oder so bescheiden, daß ich mich für das Beste nicht gut genug hielte. Aber oft dergleichen, wär mir zuwider, wenn ich's auch haben könnte, ohne mir Mühe zu geben. Wer dagegen täglich gern schlecken mag, kann sich auf die Autorität des berühmten Dr. Johnson berufen, der meinte, daß Einer, der nicht immer ordentlich seinen belly verpflege, auch sonst nicht gewißenhaft sei.

Leb wohl, liebe Nanda! Der Weihnachtsabend ist nahe. Ich sehe die Lichter bei euch, ich sehe euch Alle, und, wo mir recht ist, sieht Jeder zufrieden aus.

Schon kommt auch ein neues Jahr herangeschlichen. Mög es für dich und die Deinen erfreulich sein!

Mit den herzlichsten Grüßen Dein alter

Onkel Wilhelm.

Quelle:
Busch, Wilhelm: Sämtliche Briefe. Band II: Briefe 1893 bis 1908, Hannover 1969, S. 116.
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