407. An Franz Lenbach

[184] 407. An Franz Lenbach


Wiedensahl Febr. 78.


Liebster Freund!

Die Briefschuldenmacher werden wohl auch so sein, wie die Collegen vom Finanzfache: Schlechte Zahler, aber sonst ganz nette Leute, welche die besten Absichten haben. – Schweigen wir davon! – Was ich treibe? Ja, dies und das und jenes. Das ist eben die Geschichte. Bald muß ich mich aber doch wohl entschließen eine von den Schosen fertig zu machen u. wegzugeben.

Mitlerweile hab ich die demnächstige Verwandtschaft noch immer nicht aufgesucht. Dies Bremervörde ist nur durch eine nächtliche Postkutschenfahrt zu erreichen. Meinen Bruder sah ich neulich in Ülzen; er trug mir für dich und deine Schwestern die freundlichsten Grüße auf.

Meinen lieben Freund Bachmann, Müller und Bauermeister in Ebergötzen, hab ich auch auf ein paar Tage besucht. Er ist in sehr trüber Stimmung und hat Grund dazu. Seine Frau ist gestern oder wird heute in Göttingen operirt. (Kaiserschnitt.) Meine Schwester kränkelt seit einiger Zeit. Ihre Kinder und die meines Bruders hier und in Bückeburg haben Keuchhusten und sonstige Halsübel.

Ein gewißer Galgenhumor stellt sich ein, geht aber hoffentlich bald wieder hin, wo er hergekommen.[184]

Was Du thust, lieber Lenbach, brauch ich nicht zu fragen. Ich weiß: Du thust Was, und ich freue mich drauf, es zu sehen, wenn ich wiederkomme. Schreib mir bald mal, wie's unsern lieben Bekannten in München geht. Empfiehl mich allen; und besonders grüß mir deine Schwestern und Nichten auf's Herzlichste. Leb recht wohl, liebster Freund!

Stets Dein getreuster

Wilh. Busch.

Quelle:
Busch, Wilhelm: Sämtliche Briefe. Band I: Briefe 1841 bis 1892, Hannover 1968, S. 184-185.
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