692. An Hermann Nöldeke

[285] 692. An Hermann Nöldeke


Wiedensahl 10. Mai 87.


Lieber Hermann!

Mutter hat deinen Brief erhalten und wird Ende der Woche antworten. Deinen Brief von gestern habe ich eben gekriegt und werde heut Nachmittag fünfzig Mk. durch Postanweisung an dich abschicken. – Kannst du die Zeit deiner Abreise von Bergen vorher genau wißen, so schreibst du mir's wohl. Ich könnte dich dann vielleicht von Hannover abholen.

Sonntag war Deike hier. Er meinte, du würdest wohl am Sonntag deiner Einführung nicht zu predigen haben. Das wäre ja günstig, weil du dich dann in der nächsten Packwoche nicht zu überstürzen brauchtest.

Morgen erwarten wir Fr. Mühlmeister und Sophichen. Hoffentlich finden sie Meister Heine so, wie sie ihn wünschen. Er soll, wie ich höre, letzther sehr mobil geworden sein, besonders auch, seit vor einigen Tagen die Geheimräthin Barkhausen persönlich bei ihm erschienen ist.

Unser Wetter ist herrlich. Alles wächst unglaublich schnell. Auch die bedenklichen Rosenaugen scheinen zu kommen. Der Wind nordelt zuweilen; aber Nachtfrost haben wir nicht gehabt. Alle laßen dich

grüßen, auch

dein getr. Onkel Wilhelm.

Quelle:
Busch, Wilhelm: Sämtliche Briefe. Band I: Briefe 1841 bis 1892, Hannover 1968, S. 285.
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