959. An Letty Keßler

[28] 959. An Letty Keßler


Wiedensahl 3. Mai 94.


Im Wald von Niedersachsen

Ein alter Heuschreck saß,

Der aß, was da gewachsen,

Bloß Laub und grünes Gras


Zum Glück kennt er ein Grillchen,

Wohlwollend von Gemüth,

Das fern von ihm ganz stillchen

Die schönsten Spargel zieht.


Zwei Sorten, sehr erquicklich,

Sind's, die man dorten sticht,

Die eine ist verschicklich,

Die andre aber nicht.


Der Heuschreck, der voll Freude

Von beiden was bekam,

Fand, daß sie alle beide

Gleich gut und lobesam.
[28]

Die eine schmeckt er gerne,

Wie üblich, mit dem Gaum,

Die andre nur von ferne

Gar lieblich, wie im Traum.


So ist in seiner Wildniß

Er doppelt sehr vergnügt.

Dies zeigt ja schon sein Bildniß,

Was unten beigefügt.


Sei freundlich gegrüßt, liebe Letty, vom Onkel

Wilhelm.


959. An Letty Keßler: Faksimile: Vorletze und letzte Strophe
959. An Letty Keßler: Faksimile: Vorletze und letzte Strophe
Quelle:
Busch, Wilhelm: Sämtliche Briefe. Band II: Briefe 1893 bis 1908, Hannover 1969, S. 28-29.
Lizenz:

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