Der Mensch

[248] Empfangen und genähret

Vom Weibe wunderbar

Kömmt er und sieht und höret,

Und nimmt des Trugs nicht wahr;

Gelüstet und begehret,

Und bringt sein Tränlein dar;

Verachtet, und verehret;

Hat Freude, und Gefahr;

Glaubt, zweifelt, wähnt und lehret,

Hält nichts, und alles wahr;

Erbauet, und zerstöret;

Und quält sich immerdar;

Schläft, wachet, wächst, und zehret;

Trägt braun und graues Haar etc.

Und alles dieses währet,

Wenn's hoch kommt, achtzig Jahr.

Denn legt er sich zu seinen Vätern nieder,

Und er kömmt nimmer wieder.

Quelle:
Matthias Claudius: Werke in einem Band. München [1976], S. 248.
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