Perstet amicitiæ semper venerabile Fædus!

[66] Vor 1640.


1.

Der Mensch hat nichts so eigen,

So wol steht jhm nichts an,

Als daß Er Trew erzeigen

Vnd Freundschafft halten kan;

Wann er mit seines gleichen

Soll treten in ein Band,

Verspricht sich nicht zu weichen

Mit Hertzen, Mund vnd Hand.


2.

Die Red' ist vns gegeben,

Damit wir nicht allein

Vor vns nur sollen leben

Vnd fern von Leuten seyn;

Wir sollen vns befragen

Vnd sehn auff guten Raht,

Das Leid einander klagen

So vns betretten hat.
[66]

3.

Was kan die Frewde machen,

Die Einsamkeit verheelt?

Das gibt ein duppelt Lachen,

Was Freunden wird erzehlt;

Der kan sein Leid vergessen,

Der es von Hertzen sagt;

Der muß sich selbst aufffressen,

Der in geheim sich nagt.


4.

Gott stehet mir vor allen,

Die meine Seele liebt;

Dann soll mir auch gefallen,

Der mir sich hertzlich giebt;

Mit diesem Bunds-Gesellen

Verlach' ich Pein vnd Noht,

Geh' auff dem Grund der Hellen

Vnd breche durch den Tod.


5.

Ich hab', ich habe Hertzen

So trewe, wie gebührt,

Die Heucheley vnd Schertzen

Nie wissendlich berührt;

Ich bin auch jhnen wieder

Von grund der Seelen hold,

Ich lieb' euch mehr, jhr Brüder,

Als aller Erden Gold.

Quelle:
Simon Dach: Gedichte, Band 1, Halle a.d.S. 1936, S. 66-67.
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