Zwölftes Kapitel.

[144] Jetzt befand ich mich auf der Höhe dessen, was man Glück nennt, und mir fehlte nichts, als das sichere Gefühl, eine rechtmäßige Gattin zu sein. Da dies aber nicht sein konnte, rettete ich bei jeder Gelegenheit, was sich nur beiseite bringen ließ, für spätere, knappere Zeiten. Ich wußte ja nur zu gut, daß solcher Wohlstand nicht lange andauert, und daß Männer, die sich Geliebte halten, diese oft wechseln, sei es, daß sie ihrer überdrüssig werden, oder daß sie ihre Eifersucht erregt haben. Denn zuweilen sind ja auch die, welche sonst gut behandelt werden, nicht genug darauf bedacht, durch kluges Benehmen die Achtung vor ihrer Person stets aufrecht zu erhalten, oder den hübschen Artikel, den man Treue nennt, stets unverletzt bei sich zu verwahren – und werden dann ganz gerechterweise mit Verachtung hinweggeworfen.

Freilich von mir galt das letztere nicht. Denn wie ich keine Neigung zum wechseln hatte, so fehlte mir auch jede Bekanntschaft, und damit jede Versuchung, mich nach anderen Männern umzusehen; ich hatte keinen Verkehr, als den der Familie, bei der ich wohnte, und der Frau eines Pfarrers; so daß ich, wenn mein Geliebter nicht da war, niemanden[145] besuchte, auch fand er mich nie irgendwo anders als in meinem Wohnzimmer, wann er auch zu mir kommen mochte. Und aus ging ich nicht anders, als mit ihm.

Das Leben, das ich so mit ihm und er mit mir führte, war ganz gewiß das harmloseste von der Welt. Er beteuerte mir oft, daß er vom ersten Tage an, da er mit mir bekannt geworden, bis zu der Nacht, da wir zuerst unser Verhältnis zu einander geändert, nie im geringsten daran gedacht habe, mit mir zu schlafen; daß er stets eine aufrichtige Zuneigung zu mir, doch nie die mindeste Begierde empfunden, das zu tun, was er dann getan ...

Ich sagte ihm wohl auch, daß ich nie von ihm dergleichen gedacht; denn wenn dies der Fall gewesen, würde ich ihm keineswegs die Freiheiten gestattet haben, die jenes Ereignis vorbereiteten. Es sei nur eine Überraschung gewesen, ein Streich, den uns eben die Harmlosigkeit, mit der wir uns unserer Zuneigung überlassen, gespielt.

Und ich habe in der Tat sehr oft bemerkt und teile es als Vorsichtsmaßregel für die Leser dieses Buches mit, daß es sehr gefährlich ist, seine harmlose Zuneigung zu jemandem in leichtfertigen Freiheiten zu äußern, denn am Ende fehlt es dann oft der Tugend an Kraft und Willen, wenn ihr Eingreifen gerade am nötigsten wäre.

Die Wahrheit ist allerdings die, daß ich von der ersten Stunde an, da ich mit ihm verkehrte, beschlossen hatte, ihn bei mir schlafen zu lassen, wenn er es wollte; doch nur, weil ich seine Hilfe brauchte, und nicht wußte, wie ich ihn mir sonst sichern sollte. Als wir jedoch in jener Nacht zusammen waren, bemerkte ich selbst mit Verwunderung meine Schwäche, und daß ich nicht mehr hätte widerstehen können, selbst wenn ich es noch gewollt hätte, nein, ich bot mich ihm sogar an, noch ehe er mich gefragt.

Er war jedoch so gütig, daß er diesen Umstand nie erwähnte, und niemals gab er dem geringsten Mißvergnügen über mein Benehmen bei irgend[146] einer Gelegenheit Ausdruck, sondern beteuerte nur immer, meine Nähe erfreue ihn so, wie am ersten Tage unserer Bekanntschaft.

Er hatte ja nun keine Frau, das heißt, keine, die ihm wirklich eine Gattin war; doch reißen die Mahnungen des Gewissens einen Mann von Gefühl auch aus anderen Anlässen aus den Armen seiner Geliebten, wie es denn zum Schluß auch bei uns der Fall war.

Anderseits blieb auch ich nicht von geheimen Gewissensbedenken verschont, und selbst auf der Höhe meines Wohlergehens schreckte mich sehr oft die furchtbare Aussicht auf künftige Armut und Hunger, die wie ein Gespenst hinter mir standen. Doch wie mich die Armut in dies Leben gebracht, hielt sie mich auch darin fest; häufig nahm ich mir vor, so bald ich Geld genug auf die Seite gebracht hätte, diese Lebensweise daran zu geben. Doch verflogen diese Gedanken sofort, wenn er bei mir war; denn seine Gegenwart war mir immer so erfreulich, daß kein Ernst mehr aufkommen konnte. Die trüben Betrachtungen entstammten nur den Stunden, in denen ich allein war.

Ich lebte sechs Jahre in dieser glücklichen und doch unglückseligen Lage und brachte ihm in dieser Zeit drei Kinder zur Welt, doch nur das erste blieb am Leben; und obwohl ich in den sechs Jahrenzweimal umzog, kam ich im sechsten Jahre wieder in meine alte Wohnung nach Hammersmith zurück; und hier war es, wo ich eines morgens durch einen liebenswürdigen doch traurigen Brief meines Freundes überrascht wurde, in dem er mir mitteilte, daß er sehr krank sei und neue Anfälle fürchten müsse. Die Verwandten seiner Frau seien in seinem Hause und es sei nicht angängig, daß ich komme, um ihn zu pflegen. Er sei sehr traurig darüber und hoffe, es werde sich dennoch eine Gelegenheit finden lassen, daß ich ihn aufsuche und ihn pflege.

Diese Nachricht bekümmerte mich sehr, und ich wartete mit Ungeduld und Sorge auf weitere Botschaft. Vierzehn Tage lang hörte ich jedoch nichts,[147] was mich sehr überraschte und meine Ungeduld steigerte; ja, die folgenden vierzehn Tage glaubte ich oft vor Kummer den Verstand zu verlieren. Mir war jede Nachforschung sehr erschwert, denn ich wußte nicht einmal genau, wo er lag; zuerst hatte ich angenommen, er sei in der Wohnung der Mutter seiner Frau. Ich begab mich selbst in die Stadt und fand dort heraus, daß er in einem Hause zu Bloomsbury krank liege, wohin er mit seiner ganzen Familie verzogen war. Seine Gattin und deren Mutter wohnten im selben Hause, obwohl die erstere nicht wissen durfte, daß sie mit ihm unter einem Dache lebte.

Ich hörte hier auch, daß er wohl sterben werde, und diese Nachricht genügte, um zu einem Entschluß zu kommen. Die Angst trieb mich. Und an einem der nächsten Abende wagte ich es, mich als Dienstmädchen zu verkleiden ... ich zog einen runden Kragen und einen Strohhut an, tat, als sei ich von einer Dame aus der Nachbarschaft, bei der ich einmal gewohnt, geschickt worden, um nachzufragen, wie es dem Herrn gehe, und wie er die Nacht verbracht habe. Auf diese Weise hatte ich Gelegenheit, mit einer der Mägde des Hauses zu sprechen, hielt einen langen Schwatz mit ihr und erkundigte mich nach allen Einzelheiten seiner Krankheit, die wohl eine Lungenentzündung sein mußte. Sie erzählte mir auch, wie es seiner Frau gehe, und daß die Familie glaube, sie komme vielleicht wieder zu Verstande; daß für den Herrn jedoch, wie die Ärztesagten, wenig Hoffnung sei – daß man schon am Morgen gedacht, er könne jeden Augenblick sterben, daß jedoch jetzt niemand erwarte, er werde die Nacht überleben.

Dies waren allerdings böse Neuigkeiten für mich; ich sah das Ende meiner Wohlfahrt kommen und konnte nur froh sein, daß ich die vernünftige Hausfrau gespielt und mir, während er lebte, etwas zurückgelegt hatte; denn ich wußte sonst nicht, wie ich auch nur meinen nächsten Lebensunterhalt selbst bestreiten sollte.[148]

Es bedrückte mich auch sehr, daß ich für das Kind zu sorgen hatte, für meinen hübschen fünfjährigen Sohn, der nun nach dem Tode seines Vaters unversorgt zurückblieb. Mit solchen Gedanken und einem traurigen Herzen begab ich mich an jenem Abend nach Hause und begann zu überlegen, wie ich nun mein Leben einrichten und meinen Unterhalt gewinnen sollte.

Sie können sich denken, daß ich sehr bald wieder neue Erkundigungen nach seinem Befinden einzog. Da ich jedoch nicht mehr wagte, selbst zu gehen, schickte ich mehrere Boten, bis ich endlich nach ungefähr vierzehn Tagen erfuhr, daß man doch Hoffnung haben könne, er werde am Leben erhalten bleiben, obwohl er jetzt noch sehr krank sei; darauf stellte ich meine Nachforschungen ein und erfuhr einige Zeit später in der Nachbarschaft, daß er das Haus schon einmal verlassen habe, und dann, daß er wieder ziemlich wohlauf sei.

Ich zweifelte nun nicht, daß ich bald wieder von ihm hören werde, und tröstete mich, weil ich glaubte, ich könne meine Verhältnisse wieder als gesichert ansehen. Ich wartete eine Woche, zwei Wochen, und mit immer steigender Verwunderung fast zwei Monate lang und hörte nichts von ihm, als daß er nach seiner Genesung aufs Land gegangen sei, um eine Luftveränderung zu haben. Dann vergingen wieder zwei Monate, bis ich erfuhr, daß er wieder in sein Haus in der Stadt zurückgekehrt sei, von ihm selbst aber hörte ich noch immer kein Wort.

Ich hatte ihm auf unserem gewöhnlichen Wege mehrere Briefe geschrieben, fand jedoch, daß nur zwei oder drei abgeholt worden waren, die übrigen lagen noch da. Ich schrieb ihm noch einmal und zwar dringender, als ich je getan, und ließ ihn wissen, daß ich mit größter Besorgnis auf ihn zu warten gezwungen sei, stellte ihm meine Verhältnisse vor, daß die Miete fällig, daß das Kind gänzlich unversorgt sei, und daß ich mich selbst in der schlimmsten Lage befinde, aller Mittel beraubt, trotz seiner feierlichen[149] Versprechungen, für mich zu sorgen. Von diesem Briefe machte ich eine Abschrift, und als ich sah, daß er schon einen Monat an seinem bestimmten Orte lag, ohne abgeholt worden zu sein, machte ich es möglich, ihm die Kopie in einem Kaffeehause, das er jetzt öfter aufsuchte, zustecken zu lassen.

Auf diesen Brief war eine Antwort unausbleiblich, und obwohl die Antwort, als sie kam, mir zu Bewußtsein brachte, daß ich von ihm verlassen worden war, erfuhr ich doch aus ihr, daß er mir schon vor einiger Zeit einen Brief geschrieben, in dem er den Wunsch ausdrückte, ich möge mich wieder nach Bath begeben. Auf den weiteren Inhalt des Briefes komme ich noch zurück.

Nun ist das Krankenbett der richtige Ort, von dem aus man Beziehungen wie die unsrigen mit anderen Augen ansieht als vorher. Mein Liebhaber hatte dicht vor den Toren des Todes und am Rande der Ewigkeit gestanden und war offenbar von gerechten Gewissensbissen und trüben Betrachtungen über sein vergangenes, leichtfertiges und oberflächliches Leben ergriffen worden; und seine sündhaften Beziehungen zu mir, die im Grunde nichts anderes bedeuteten, als ein Leben fortgesetzten Ehebruches, hatten sich seinem Auge dargestellt als das, was sie wirklich waren, und nicht mehr so, wie er sie sich und mir selbst früher geschildert, und er sah jetzt mit gerechtem Abscheu darauf zurück.

Ich kann nicht umhin, die Bemerkung zu machen und meine Geschlechtsgenossinnen ganz besonders auf dieselbe hinzuweisen, daß, wenn in solchen Dingen des Genusses jemals wahre Reue auf die Tat folgt, diese stets von einer Abneigung gegen den Schuldgenossen begleitet ist; und zwar steht dieser Haß immer im gleichen Verhältnis zu der Größe der Zuneigung vorher. Das wird stets der Fall sein, und ist auch gar nicht anders möglich. Denn eine wahre und aufrichtige Abneigung vor der Sünde ist nicht denkbar, wenn die Liebe Gegenstand derselben bleibt. Mit dem Abscheu vor der Sünde[150] geht der Abscheu vor dem Schuldgenossen Hand in Hand; anders ist es auch gar nicht zu erwarten.

So war es auch hier, wenngleich gute Manieren und Gerechtigkeit meinen früheren Liebhaber davon abhielten, bis zum äußersten zu gehen; und die kurze Geschichte seines Verhaltens in dieser Sache war die folgende: Er ersah aus meinem letzten Briefe und den andern, die er sich dann holen ließ, daß ich nicht nach Bath verzogen, und daß sein erster Brief nicht in meine Hände gelangt war. Darauf schrieb er mir nun folgendes:


Madam,

es setzt mich in Verwunderung, daß mein Brief vom 8. vorigen Monats nicht in Ihre Hände gelangt ist. Ich gebe Ihnen mein Wort, daß er in Ihrem Hause Ihrer Magd übergeben worden ist.

Es ist überflüssig, Sie von den Umständen, unter denen ich vor einiger Zeit gelebt, in Kenntnis zu setzen und Ihnen zu erzählen, wie ich, schon am Rand des Grabes stehend, durch die unerwartete und unverdiente Güte des Himmels dem Leben wiedergegeben wurde. Es wird Ihnen auch nicht seltsam erscheinen, wenn ich Ihnen sage, daß in dieser verzweifelten Lage die unglückseligen Beziehungen zu Ihnen die schwerste Bürde gewesen sind, die mein Gewissen bedrückte. Ich brauche wohl nicht mehr zu sagen: die Dinge, die man bereuen muß, muß man auch wieder gut machen.

Ich wünschte, Sie dächten daran, wieder nach Bath zurückzukehren. Ich lege eine Banknote von 50 Pfund ein, damit Sie Ihren Mietziens entrichten und umziehen können, und hoffe, es wird Sie nicht zu sehr überraschen, wenn ich hinzufüge, daß ich Sie, nur um meines Gewissens und nicht irgend eines Verschuldens Ihrerseits willen, nicht mehr sehen kann. Für das Kind werde ich sorgen. Lassen Sie den Knaben, wo er ist, oder nehmen Sie ihn mit sich, wenn es Ihnen lieber ist. Ich wünsche Ihnen, daß Sie die Dinge mit denselben Augen ansehen und daß Ihnen diese Betrachtungen nutzbringend sein möchten. Ich bin usw. usw.[151]

Sie können sich denken, wie der Brief mich traf. Mein Gewissen machte auch mir Vorwürfe – schlimmere, als ich sagen kann, denn ich stand meinen Verfehlungen nicht blind gegenüber und ich sagte mir, daß ich einst mit weniger Schuld das Zusammenleben mit meinem Bruder hätte fortsetzen können, weil unsere Heirat ja doch kein Verbrechen war, da keiner von uns die Wahrheit gewußt.

Nicht ein einziges Mal kam mir allerdings der Gedanke, daß ich doch in beiden Fällen eine schon verheiratete Frau war, die Gattin des Leinwandhändlers, der, wenn er mich auch verlassen, doch nicht die Gewalt hatte, mich von dem Ehekontrakt zu entbinden oder mir nach Gesetz und Recht die Freiheit zu geben, mich wieder zu verheiraten; so daß ich während der ganzen Zeit nichts weiter als eine Dirne und Ehebrecherin abgegeben hatte. Dann fiel es mir auch schwer auf die Seele, daß ich es gewesen, die meinen Herrn verführt und daß ich daher die größere Übeltäterin sei; während er noch glücklich dem Pfuhl entrann, in dem ich, als habe mich der Himmel ganz verlassen, in all meiner Verderbtheit nun bleiben zu müssen schien.

Unter solchen Gedanken verbrachte ich einen traurigen nachdenklichen Monat. Nach Bath ging ich nicht, da ich keine Lust hatte, mit der Frau, bei der ich früher gewohnt, wieder zusammen zu kommen, und auch vermeiden wollte, daß sie mich wieder zu dem verworfenen Leben verleite, wie sie es schon einmal getan hatte; überdies war es mir sehr unangenehm, sie wissen zu lassen, daß mein Freund mich verlassen habe. Die größte Sorge verursachte mir mein kleiner Sohn, der Gedanke, mich von ihm zu trennen, war mir schlimmer als der Tod. Als ich mir aber sagte, daß vielleicht bald die Zeit kommen könne, in der es mir unmöglich war, ihn zu ernähren, beschloß ich, in die Trennung einzuwilligen. Doch wollte ich unter allen Umständen in seiner Nähe bleiben, um ihn sehen zu können auch ohne für ihn sorgen zu müssen. Meinem Herrn schickte ich einen kurzen Brief, in dem ich ihm mitteilte,[152] daß ich allen seinen Befehlen gehorcht habe, daß ich aber nicht nach Bath zurückgehen könne, daß die Trennung von ihm für mich einen Schmerz bedeute, den ich nie verwinden werde, daß ich aber einsehe, wie richtig und gerecht all seine Gründe seien und mich der Besserung seines Gemütes nicht einen Augenblick widersetzen wolle.

Dann stellte ich ihm meine Verhältnisse mit den ergreifendsten Ausdrücken dar und sagte ihm, daß die unglückseligen Verhältnisse, die ihn zuerst zu seiner freigebigen Freundschaft zu mir bestimmt, ihn hoffentlich auch jetzt zu einiger Rücksicht auf mich bestimmen würden, wenn auch der schlimmere Teil unserer Beziehungen ein für allemal abgebrochen sein müßte; daß mich eine Reue erfülle, die gewiß ebenso aufrichtig sei wie die seine, daß ich ihn aber von Herzen bitte, mich doch in eine Lage zu versetzen, in der ich nicht den schrecklichen Versuchungen der Armut und des Elendes preisgegeben wäre. Wenn er jedoch im geringsten fürchte, ich werde ihm lästig, so bitte ich ihn, mir die Rückreise zu meiner Mutter nach Virginia zu ermöglichen. Damit sei doch all seinen Befürchtungen ein Ende gesetzt. Ich schloß damit, wenn er mir noch einmal 50 Pfund schicken wolle, werde ich ihm eine Quittung darüber einsenden und ihm in ihr versprechen, ihn nie wieder zu belästigen, als höchstens mit Nachfragen nach dem Befinden des Kindes, das ich, wenn ich meine Mutter noch am Leben und meine Verhältnisse erträglich vorfände, sobald wie möglich herüberkommen lassen würde, um ihm auch diese Last noch abzunehmen.

Dies war nun in der Tat nichts, als eine große Unwahrheit, denn ich hatte nicht im geringsten vor, nach Virginia zu gehen, wie sich ein jeder, der die Erzählung meiner dortigen Erlebnisse gelesen hat, wohl denken kann. Es handelte sich für mich jetzt blos darum, von ihm noch einmal 50 Pfd., wenn eben möglich, zu bekommen, da ich mir sagte, es sei gewiß das letzte Geld, das ich zu erwarten habe.[153]

Das Versprechen, ihm eine allgemeine Quittung zu geben und ihn nie wieder zu belästigen, mußte wohl Eindruck auf ihn gemacht haben, denn er schickte mir eine Anweisung auf das Geld, und zwar durch eine Person, die die Quittung, die ich zu unterzeichnen hatte, gleich mitbrachte. Ich tat es, und so endigte unser Verhältnis, gänzlich wider meinen Willen.

Quelle:
Daniel De Foe: Glück und Unglück der berühmten Moll Flanders. Berlin [1903]., S. 144-154.
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