Vierter Auftritt.

[42] Anna allein.


ANNA sitzt ein Weilchen, die Hände im Schoße, vor sich hinsehend; dann seufzt sie tief auf. Ach! Was hilft all mein Sinnen, es[42] wird doch nicht anders. Sie steht auf. Ach, Konrad! Warum denke ich nur immer an ihn? Wer weiß, ob er sich um mich bekümmert? Und wenn auch – es ist ja doch nicht mehr zu ändern, in drei Tagen ist meine Hochzeit. – Ach! Sie geht ein paar Schritte, bleibt hinter dem Tisch stehn, auf dem das Zauberbuch liegt. Was das für ein gewaltig großes Buch ist! Und so fest mit Klammern verschlossen. Sie versucht, sie zu öffnen. Sieh da, sie springen auf! Gewiß sind schöne bunte Heil'genbilder drin, die seh' ich gar zu gern. Sie schlägt das Buch auf.

Nr. 2. Terzett.


Ha, welche Zeichen!

So glänzend und schön!

Wie sie nahen und weichen,

Wie ich's nie gesehn!

Wirre Gestalten

Treiben und walten,

Schwellen


Sie blättert.


Wie Wellen.

Wie sie sich verschlingen,

Mächtig auf mich dringen!


Die Blätter schlagen sich von selbst um, schnell und immer schneller, sodaß Anna dabei schwindelnd wird und sich am Stuhl hinter dem Tisch festhält.


Immer mehr! Immer mehr!

Sie schwindeln und drehn,

Die Sinne mir vergehn!

Entsetzlich! Entsetzlich, was hab' ich gesehn!


Hans Heiling kommt von links in Barett und Überwurf mit Gertrud, die durchs Zimmer nach rechts vorn eilt.


Quelle:
Heinrich Marschner: Hans Heiling. Leipzig [1895], S. 42-43.
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