Achtunddreißigstes Kapitel

[271] Was sich zwischen Mr. und Mrs. Bumble und Mr. Monks bei ihrer nächtlichen Zusammenkunft begab.


Es war ein schwüler Sommerabend. Den ganzen Tag über hatte es zu regnen gedroht, und die Wolken lagerten sich in dichten Massen, aus denen bereits dicke Regentropfen herabfielen. Es schien ein heftiges Gewitter im Anzug zu sein, als Mr. und Mrs. Bumble aus einer der Hauptstraßen der Stadt zu einer kleinen zerstreut liegenden Kolonie baufälliger Häuser sich wandten, an denen sich das sumpfige Flußufer entlang zog.

Sie waren beide in schäbige Mäntel gehüllt, teils, um sich vor dem Wetter zu schützen, teils, um unbemerkt zu bleiben. Mr. Bumble trug eine Laterne, in der kein Licht brannte, und ging ein paar Schritte voraus, wie um seiner Gattin die Bequemlichkeit zu bieten, in seine breiten Fußtapfen zu treten. So schritten sie in tiefem Stillschweigen dahin. Nur bisweilen sah sich Mr. Bumble um, ob seine Gattin ihm auch folge; dann beschleunigte er jedesmal seine Schritte.

Der Ort hatte einen ziemlich eindeutigen Charakter und war allgemein als verrufen bekannt, da dort ein lichtscheues Gesindel, das vor Raub und Mord nie mals zurückscheute, zu wohnen pflegte. Er bestand aus einer Gruppe baufälliger Baracken, die teils aus losen Ziegeln gebaut, teils aus morschen Schiffstrümmern errichtet waren. Ein paar untaugliche Schiffe waren aus dem Schlamm herausgezogen und an einer kleinen Mauer befestigt und hier und da lagen ein paar Ruder herum oder Tauwerk, das darauf schließen ließ, daß die Bewohner dieser Gegend irgendein Gewerbe trieben, das sich auf den Fluß bezog. Dicht an den Fluß hingebaut, stand ein großes Gebäude, das ehemals ein Fabrikhaus gewesen sein konnte, aber längst eine Ruine geworden war. Ratten, Fäulnis und Nässe hatten die Pfeiler,[271] auf denen es ruhte, zermürbt, und ein Teil der Mauern war bereits ins Wasser versunken, und der über dem finstern Strom schwankende, überhängende Rest schien nur auf eine günstige Gelegenheit zu warten, ebenfalls hinabzustürzen. Hier angelangt, blieb das Ehepaar stehen. In der Ferne grollte bereits der Donner.

»Hier ungefähr muß es sein,« sagte Mr. Bumble und zog den Zettel zu Rate.

»Holla! Wer ist hier?« schrie eine Stimme von oben herunter.

Mr. Bumble hob das Haupt und erblickte einen Mann, der aus einer ihm bis zur Brust reichenden Türe im zweiten Stock herunterblickte.

»Warten Sie, ich komme gleich,« rief die Stimme, dann verschwand der Kopf, und die Türe schloß sich.

»Ist das der Mann?« fragte Mrs. Bumble.

Der Kirchspieldiener nickte.

»Dann schreib dir hinter die Ohren, was ich dir sage,« flüsterte die Alte. »Rede so wenig wie möglich, sonst geht die Sache schief.«

Mr. Bumble musterte die Ruine mit mißtrauischem Blick und wollte gerade seine Zweifel laut werden lassen, ob es auch rätlich sei, sich weiter in das Abenteuer einzulassen, da öffnete der Mann eine kleine Türe neben ihnen und winkte.

»So kommt doch herein!« rief er ungeduldig und stampfte mit dem Fuß auf den Boden. »Ihr haltet mich ja auf.«

Mutig trat Mrs. Bumble ein.

Ihrem Gatten war sehr unbehaglich, und von jener Würde, die er sonst zur Schau zu tragen pflegte, war nichts mehr an ihm zu sehen.

»Teufel nochmal, warum stehen Sie denn da draußen in der Nässe herum?« murrte Monks.

»Wir – wir wollten uns nur ein bißchen abkühlen,« stotterte Bumble furchtsam.

»Abkühlen,« höhnte Monks. »Na, ich danke. Ist das die Frau, was?« fragte er abgerissen.

»Hm – ja – das ist die Frau,« stotterte Mr. Bumble, eingedenk des ihm von seiner Frau eingeschärften Rates.[272]

»Sie meinen wahrscheinlich, eine Frau kann ein Geheimnis nicht bei sich behalten?« fragte Mrs. Bumble spitz und sah Monks scharf ins Gesicht.

»Nun ja, sie hütens so lange, bis es eben an den Tag kommt,« sagte Monks.

»Was meinen Sie damit?« fragte Mrs. Bumble keck.

»Eine Frau verschweigt vielleicht den Verlust ihres guten Namens. Aber andrerseits fürchte ich nicht, daß eine Frau ein Geheimnis verschweigt, wenn ihr der Galgen oder die Deportation droht. Verstehen Sie, was ich meine?«

»Nein,« versetzte die Armenhausmutter und verfärbte sich.

»Natürlich nicht,« höhnte Monks. Dann winkte er den beiden, ging ihnen voran durch die große, aber äußerst niedrige Stube und wollte eben eine steile Wendeltreppe in die Höhe steigen, als ein heller Blitzstrahl, dem ein furchtbarer Donner folgte, die Ruine bis in ihre Grundfugen erschütterte.

»Verflucht,« rief er und prallte zurück. »Wie das rollt und grollt. Man möchte sich fast verkriechen. Ich hasse den Donner.« Ein paar Sekunden blieb er stumm stehen, und die beiden sahen, daß sein Gesicht gräßlich verzerrt und totenblaß war.

»Dieser Zustand überkommt mich zuweilen,« entschuldigte sich Monks, als er es bemerkte, »gewöhnlich bei Donner und Blitz. Aber lassen Sie sich nicht anfechten dadurch, es ist schon wieder vorüber.« Mit diesen Worten stieg er die Treppe empor, schloß eilig die Fensterladen in dem Raum, in den er sie führte, und holte eine Laterne herunter, die an einem Flaschenzug von dem mächtigen Deckenbalken herabhing und trübes Licht auf einen alten gebrechlichen Tisch und drei lahme Stühle warf.

»So,« sagte Monks, als sie sich niedergesetzt hatten, »je früher wir unser Geschäft erledigen, um so besser für uns alle. Also die Frau weiß, worum es sich handelt, nicht wahr?«

Die Frage war an Mr. Bumble gerichtet, aber dessen Gattin kam ihm mit der Antwort zuvor, indem sie bejahte.[273]

»Bumble hat doch wohl recht gehabt, als er sagte, Sie seien damals nachts bei der alten Hexe gewesen, als sie ins Gras biß? Stimmt es ferner, daß sie Ihnen etwas erzählt hat –«

»Von der Mutter des Knaben, den Sie genannt haben,« unterbrach ihn die Armenmutter. »Jawohl.«

»Meine Frage ist: worauf bezog sich ihre Mitteilung,« fragte Monks.

»Das kommt in zweiter Linie,« bemerkte Mrs. Bumble kühl. »Zuerst handelt es sich darum: was ist Ihnen das Geheimnis wert?«

»Zum Teufel, wie kann ich das sagen, wenn ich nicht weiß, worum es sich handelt?« war Monks Gegenfrage.

»Sie werden es schon wissen,« sagte Mrs. Bumble, der es an Mutterwitz nicht mangelte, wie ihr Mann zur Genüge wußte.

»Hm,« brummte Monks mit einem begierigen lauernden Blick. »Kann man Geld herausschlagen dabei?«

»Vielleicht.«

»Es ist ihr etwas abgenommen worden,« begann Monks. »Sie hat es am Leib getragen.«

»Und das Ding hätten Sie gern, was? Nun, also bieten Sie!« unterbrach ihn Mrs. Bumble. »Nachdem, was ich gehört habe, weiß ich zur Genüge, daß Sie der Mann sind, den die Angelegenheit angeht.«

»Kann sein.«

»Also, was ist Ihnen die Sache wert?« fragte die Armenmutter geradeaus.

»Vielleicht nichts, vielleicht zwanzig Pfund,« erwiderte Monks. »Sagen Sie mir doch, was Sie haben wollen.«

»Legen Sie noch fünf Pfund dazu; fünfundzwanzig Pfund in Gold. Und dann erzähle ich Ihnen alles, was ich weiß; früher nicht.«

»Fünfundzwanzig Pfund,« rief Monks und fuhr zurück.

»Habe ich nicht deutlich genug gesprochen,« höhnte Mrs. Bumble. »Das ist doch wahrhaftig nicht zuviel.«

»Nicht viel,« grollte Monks ungeduldig. »Für ein Geheimnis, das zwölf Jahre zurück liegt und lange begraben ist.«

»Ein guter Wein wird auch immer besser, je länger[274] er liegt,« antwortete Mrs. Bumble, ohne aus der Ruhe zu kommen. »Es liegt so manches tot und begraben, das noch zwölftausend oder Millionen Jahre schlummern wird, und kommt schließlich doch noch zu seinem Wert und Ansehn; Sie wissen das so gut wie ich.«

»Und wenn ich die Summe für etwas bezahle, was keinen Wert für mich hat?« fragte Monks zögernd.

»Sie können das Geld ja dann leicht wieder an sich nehmen,« versetzte die Frau. »Ich bin doch bloß ein Weib und allein hier und ohne Schutz.«

»Du bist nicht allein hier und noch weniger ohne Schutz, liebe Frau,« wagte Mr. Bumble einzuwenden, allerdings mit einer Stimme, aus der die Furcht deutlich hervorklang. »Ich bin doch hier, liebe Frau. Und dann,« setzte Mr. Bumble hinzu und bemühte sich, sein Zähneklappern zu verbergen, »ist Mr. Monks doch viel zu viel Gentleman, um gegen arme Leute gewalttätig vorzugehen. Mr. Monks weiß ja, daß ich kein Jüngling mehr bin, wenn es mir auch an Entschlossenheit nicht mangelt und ich, wie allbekannt, über eine ungewöhnliche Muskelkraft verfüge, besonders, wenn ich erst einmal in die Hitze komme.«

Der ängstliche Ausdruck in seinen Mienen zeigte mehr als nötig, wie sehr er log.

»Du bist ein Esel,« sagte Mrs. Bumble als Antwort. »Halte den Mund, das ist gescheiter.«

»Es wäre gescheiter, er risse sich die Zunge aus, wenn er schon nicht leise reden kann,« brummte Monks grimmig. »Also, Mr. Bumble ist Ihr Mann, so so.«

»Der und mein Mann? – Lächerlich,« spöttelte die Alte, der Antwort ausweichend.

»Hab mir gleich so etwas gedacht, als Sie eintraten,« sagte Monks, den verdrießlichen Blick, den die Frau bei allem, was sie sagte, auf ihren Mann warf, wohl bemerkend. »Gut so. Mit zwei Personen unterhandelt es sich immer leichter. – Übrigens, da schaun Sie her.«

Er holte aus seiner Tasche einen Leinwandbeutel, zählte fünfundzwanzig Guinees auf den Tisch und schob sie der Armenmutter zu. »Da,« sagte er, »stecken Sie das ein. Und wenn das verfluchte Gewitter vorüber[275] ist, das mir schon lange in den Gliedern liegt und gleich loskrachen wird, dann erzählen Sie mir, was Sie mir zu erzählen haben.«

Als der Donner ausgetobt hatte, richtete sich Monks auf und beugte sich vor, um kein Wort zu verlieren. Die drei steckten die Köpfe dicht zusammen, und die Frau redete, wenn auch im Flüsterton, so eindringlich, wie sie konnte. Die unsichern schwankenden Strahlen der an dem Flaschenzug herabhängenden Laterne fielen auf ihre Gesichter und erhöhten ihren Ausdruck der Angst, so daß sie sich in der nächtlichen Dämmerung wie Gespenster ausnahmen.

»Als die Frau, die wir die alte Sally nannten, im Sterben lag,« fing Mrs. Bumble an, »war ich allein bei ihr.«

»Wirklich niemand sonst?« fragte Monks heiser. »Keine Kranke oder Irrsinnige in einem andern Bett? Kein Mensch, der zuhören oder zusehen konnte?«

»Wir waren ganz allein,« versicherte Mrs. Bumble. »Nur ich stand an ihrem Bett, und sie sprach zu mir von einer jungen Frauensperson, die einige Jahre vorher ein Kind geboren hätte, und zwar im selben Zimmer und im selben Bett.«

»Tod und Teufel,« fluchte Monks mit bebenden Lippen und blickte scheu über seine Schulter. »Unheimlich, wie sich das Blatt doch wenden kann.«

»Es war dasselbe Kind, das du dem Herrn gestern abend genannt hast,« fuhr die Alte fort und nickte ihrem Manne gleichgültig zu. »Und die alte Sally hat die Frauensperson bestohlen.«

»Bei ihren Lebzeiten?«

»Nein, als sie tot war,« erklärte Mrs. Bumble und konnte sich eines Schauers nicht erwehren. »Sie hat die Leiche bestohlen, und das, was sie ihr nahm, war eben das Ding, das die sterbende Mutter sie gebeten hatte, um des Kindes willen aufzubewahren.«

»Hat sie es verkauft?« unterbrach Monks gespannt. »Hat sie es verkauft? Wo? Wann? An wen – vor wie langer Zeit?«

»Als mir die alte Sally alles gesagt hatte, fiel sie zurück und starb.«[276]

»Weiter hat sie nichts gesagt?« rief Monks mit einer Stimme, aus der die verhaltene Wut deutlich hervorklang. »Das ist eine Lüge. Ich lasse mich nicht von Euch hinters Licht führen. Sie hat mehr gesagt, – ich schlag euch beide tot, wenn ich nicht Näheres erfahre.«

»Sie hat kein Sterbenswörtchen mehr gesagt,« versicherte Mrs. Bumble, im Gegensatz zu ihrem Mann, der totenblaß geworden war, nicht im mindesten erschreckt. »Sie faßte krampfhaft nach meinem Kleid, und als ich ihre Hand von der meinen losmachte, fand ich einen schmutzigen Papierstreifen darin.«

»Was stand darauf?« fragte Monks atemlos.

»Nichts. Es war ein Schein von einem Pfandverleiher.«

»Worüber?«

»Das werde ich Ihnen später schon sagen. Vermutlich hat sie das Schmuckstück lange aufbewahrt. Dann zahlte sie offenbar dem Pfandverleiher jedes Jahr die Zinsen, um es später wieder einlösen zu können, falls es etwa zu irgendeiner für sie wichtigen Entdeckung führen sollte. Dazu kams aber nicht, und sie starb mit dem Schein in der Hand, der einige Tage später verfallen sein würde. Ich löste aber das Schmuckstück ein in der Annahme, es dereinst später mit Nutzen verkaufen zu können.«

»Wo haben Sie es?«

»Hier,« erwiderte Mrs. Bumble und warf hastig, so, als sei sie froh, es endlich los zu werden, einen kleinen ledernen Beutel auf den Tisch, den Monks sofort mit zitternden Händen öffnete. Es war ein kleines goldenes Medaillon darin, in dem zwei Haarlocken und ein einfacher goldener Trauring lagen.

»Auf der Innenseite ist der Name Agnes eingraviert,« erklärte Mrs. Bumble. »Und dann Datum und Jahreszahl, die mehrere Monate vor die Geburt des Kindes fallen, wie ich in Erfahrung gebracht habe.«

»Und das ist alles?« fragte Monks und untersuchte den kleinen Beutel genau.

»Ja,« antwortete Mrs. Bumble, und ihr Gatte atmete tief auf, froh, daß alles vorüber war, ohne daß Monks die fünfundzwanzig Pfund zurückforderte. Er[277] wischte sich den Schweiß ab, faßte Mut und machte ein entschlossenes Gesicht.

»Ich weiß nichts weiter von der Geschichte und konnte auch nichts in Erfahrung bringen,« fing Mrs. Bumble nach einer kurzen Pause wieder an. »Ich will auch nichts mehr damit zu tun haben. Unbefangenheit scheint mir in diesem Fall das beste zu sein. Aber ich möchte Ihnen eine Frage stellen.«

»Fragen können Sie, soviel Sie wollen,« sagte Monks verwundert, »ob ich aber antworten werde, ist eine andre Sache.«

»Haben Sie das bekommen, was Sie erwartet haben?«

»Jawohl. Haben Sie sonst noch eine Frage?«

»Was wollen Sie damit tun? Werden Sie etwas gegen mich unternehmen?«

»Gegen Sie ebensowenig,« erwiderte Monks, »wie gegen mich selbst. Aber jetzt stehen geblieben, wenn Ihnen Ihr Leben lieb ist.«

Damit schob er plötzlich den Tisch weg, packte einen in den Fußboden eingelassenen Ring und öffnete eine breite Falltüre, die sich dicht vor Mr. Bumbles Füßen auftat. »Blicken Sie da hinunter,« sagte er und leuchtete mit der Laterne in die Tiefe. »Fürchten Sie sich nicht. Ich hätte Sie ja vorhin schon mühelos da hinunter spedieren können, denn Sie saßen gerade darüber.«

Diese Worte beruhigten die Armenmutter und sogar Mr. Bumble so weit, daß sie sich an den Rand des Abgrundes begaben und neugierig hinunterspähten. Wo das Haus stand, war ehemals eine Mühle gewesen, und die Überreste des Pfahlwerkes staken noch in dem reißenden Gewässer des Flusses.

»Wenn man hier einen Menschen hinunterwürfe, wo würde man die Leiche morgen finden?« fragte Monks und schwang die Laterne in dem dunklen Loch hin und her.

»Zwölf Meilen weiter unten, stromab, und überdies in Stücke gerissen,« erwiderte Bumble, bei dem bloßen Gedanken schaudernd.

Monks nahm den kleinen Beutel, band ein daliegendes Bleigewicht daran und warf ihn ins Wasser[278] hinab. Man hörte ihn aufklatschen. Dann verschloß Monks die Falltüre.

»So,« sagte er, »wenn das Meer seine Toten jemals zurückgibt, wie es in dummen Büchern steht, so wird das Wasser doch das Gold und Silber und all den Plunder da für sich behalten. Wir sind jetzt fertig und können einander Lebewohl sagen.«

»Sehr richtig, sehr richtig,« bemerkte Mr. Bumble eifrig.

»Sie werden aber doch reinen Mund halten?« fragte Monks mit drohendem Blick. »Ihrer Frau wegen habe ich keine Sorge.«

»Sie können sich auf mich verlassen, junger Herr,« antwortete Bumble und näherte sich unter fortwährenden Bücklingen der Wendeltreppe. »Seien Sie unbesorgt, Mr. Monks.«

»Diese Worte freuen mich Ihretwillen,« höhnte Monks. »Zünden Sie jetzt ihre Laterne an und schauen Sie, daß Sie so rasch wie möglich hinauskommen.«

Zum Glück nahm die Unterredung mit diesen Worten ein Ende, sonst wäre Mr. Bumble rücklings unfehlbar die Wendeltreppe hinabgestürzt. Rasch zündete er seine Laterne an der andern an, die Monks von dem Flaschenzug losgemacht hatte und in der Hand hielt. Dann kletterte er, gefolgt von seiner Gattin, schweigend hinab. Monks bildete den Schluß, nachdem er eine Weile gelauscht hatte, ob kein andrer Ton sich hören ließ als der prasselnde Regen und das rauschende Wasser unten.

Langsam und vorsichtig durchschritten sie das untere Zimmer, und Monks schrak bei jedem Schatten, den er erblickte, zusammen. Mißtrauisch, ob nicht noch andre Falltüren vorhanden seien, tastete sich Bumble vorwärts. Monks öffnete leise das Tor. Ein stummer Gruß, – dann schritt das Ehepaar in die Finsternis hinaus.

Sie waren kaum fort, da rief Monks, der einen unbezwinglichen Widerwillen vor dem Orte zu haben schien, einen Jungen, der irgendwo versteckt gewesen sein mußte. Er befahl ihm, mit der Laterne vorauszugehen, und kehrte wieder in das obere Gemach zu rück.[279]

Quelle:
Dickens, Charles: Oliver Twist. München 1914, S. 271-280.
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