An den Leser

[6] Wenn die Menschenliebe diesem Gedichte so viel Werth beyleget, daß die Absicht, wozu es gedruckt ist, erfüllet wird; so sind dasmal alle Erwartungen des Verfassers befriediget, dem sonst das Urtheil der Kenner sehr wichtig ist. Es ist zwar nicht für die Gelegenheit gemacht, und hat daher mit derselben, ausser einer ganz zufälligen Verwandschaft seines Inhalts, nichts gemein: aber grosmüthige Seelen bedürfen auch nur Veranlassungen, um wohlzuthun, und es ist ihnen genug, wenn ein unverdächtiger Fürsprecher das Wort nimmt, und ihrer Wohlthätigkeit würdige Gegenstände anweiset.[7]

Wie der Verfasser sich nicht erlauben darf, durch Anführung mehrerer Umstände eine unglückliche Familie, für welche er ohne ihr Wissen redet, auszuzeichnen; so kann auch nur wenigen daran gelegen seyn, sie zu erfahren. Bloße Neubegierde zu befriedigen, würde er nicht zu verantworten wissen: sollten aber andere in der Absicht, ihre Wohlthätigkeit auf eine vorzügliche Art auszuüben, wenn sie von der Würdigkeit der Gegenstände selbst urtheilen könnten, genauer unterrichtet zu werden wünschen; so wird er, weil er sich von solchen aller Discretion versichert halten kann, kein Bedenken tragen, Ihre Fragen zu beantworten, so bald sie durch das Kayserl. privil. Addreßcomtoir, oder durch irgend einen andern Weg an ihn gelangen. Auch werden in Hamburg der Herr Dr. und Professor Schütze, und der Herr Licentiat Alssen, wie in Altona der Stadtphysikus Herr Dr. Heusler, und Herr Dr. Bong gleiche Nachrichten zu ertheilen die Güte haben.

Viele Hände heben durch Anwendung einer geringen Kraft eine sehr schwere Last: und obgleich bloß der Abgang der gedruckten Exemplare zu dem gewöhnlichen Preise schon einige Unterstützung ausmachen könnte; so nöthigen mich doch die Umstände, einen etwas größern Betrag zu wünschen: daher ich es der Wohlthätigkeit eines jeden Käufers überlasse, den Preiß seines Exemplars selbst zu bestimmen.

Quelle:
Johann Jakob Dusch: Sympathie, Altona 1774, S. 6-8.
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