Der .VI. bundtsgnoß.

Erasmus von rothero dam ein fürst aller gelerten zů vnseren zytē, schreibt j i bůch genāt Encomion morias, vom predigen der bättel münch.


Ein jeden ich hie früntlich bit,

Das er mich läß vnd lach nit.


V * S[55]


Ich bin auch einer vß den .xv. bundtsgnossen, vnd jetz gebürt mir sächßten miner pflicht gnůg ze thůn, so bedunckt mich gůt sein, der bättel münch abwyß, so sie im predigen füren, vnd in selbs thorlich dar inn wol gefallen, fürhalten vß herr erasmo, der also dar von schreibt. Welcher die hummel genant bättel münch raytzet, an dem rächen sy sich dar nach in offnem predigen vnd zeigen an iren find, so mit verborgen worten, das jederman verstat wen sy meinen, vnd hören nit vff wider solichen bellen, biß man yn ein suppen in mund würfft. Ay welcher spylman oder driackers krämer ist so schimpfflich zů sähen als die bättel münch, so sie sich stellen in iren predigen, als weren sy wol bericht, ordenlichs künstlichs redens, vnd wie wol ir weiß spötlich ist vnd vngleich den leren der bewerten rhetoren, doch meinen sy, es gefall den zůhörern wol, do durch dann me lachen entspringt by den wysen, dann aigens gfallen ist lächerlich an den narren. O got wie erbrächen sie sich in gebärden, wie änderen sy die stimm, wie singen sy vff der kantzel, wie loben sie sich selbs, wie entstellen sie ire angesicht, wie füllen sie die gantz kirchen mit ochßsen geschray. Vnd solich ir predig wyeß halten sy in grosser heimlicheit, leren sie kain frembden, aber allein ein münch den andern. Doch ist man vber jr solich predig weiß kummen vnd sie inen ab gelernet, das man ire thorheit do mit sie vff dem predig stůl vmb gond dem gemeinen volck entdecke.

Anfencklich so bätten sie, das haben sy den poeten ab gelernet, die ire musas anfäncklich anrüffen. Aber weder Augustinus noch Hieronymus noch andere haben solich gebät lassen thůn in der predig, dann man vermeint, das volck sy vor hin bereit dar zů. Dar nach legen sie für ein inleitung der predig, welche doch gar nit vff die matery dienet, dann so sie sagen wellen von der liebe, ziehen[56] sie ire inlaitung vom Nylo dem Egyptischen wasser, oder so die predig soll sein vom hailgen crütz, machen sie die inlaitung von dracken in Babilone Bel genant, oder sie sagen wöllen vom fasten, fahen sie an zů reden von den .xij. zaichen des hymmels, als ob das fasten billich im glentz oder mertzen sy geordnet von wegen der geschicklicheit der inflüß des himmels zů der selben zeit, das doch eytel thorheit ist, oder so die predig gon soll vff die matery des gloubens, ist ir inleitung von der viereckung des circul. Ich hab selb ein gehört predigen, der hoch närrisch, ich solt sagen, hochgelert was, do er wolt predigen von der heimlicheit der helgen dryheit, wolt er sin narheit oder kunst erzaigen, vnd fieng an zů reden vom .a.b.c vnd von silben vnd von gantzer oration, auch wie nomen vnd verbum nach ordnung der grammatica zůsamen reguliert solten werden, auch von ordnung deß adiectiui vnd substantiui, dar ab sich ettlich sines glichen wunderten, als ab eim hohen ding, vnd sagten heimlich die wort horatij, wo wöllen die red hin auß, zů lest richt er die predig do hin, das er wolt anzaigen die heimlicheit göttlicher dryheit, auch in der kind grammatica, also klar als kein Mathematicus immer die dryheit im stoub möchte ryssen. Vnd in obgemelter gantzen theologischen predig zů studieren hätte er wol acht gantzer monat verzert, mit solichem fleiß vnd ernst, dann er auch noch minder gesicht dann ein muwärff, dann den gantzen spitz der augen hat er hin in gezogen vff den spieß des verstandts. Doch rewt yn sein verloren gesicht nicht, allein das er (als er thorecht wont) die eer von seiner kostlichen predig eriagt hab.

Meer hab ich ein achtzigiärigen gekant, der so ein grosser Scotist was, als ob er der ander Scotus wäre, diser wolt predigen von dem lob deß nammen Jesu, vnd zaigt gar thörlich, ich sprich gar subtilich, das alles das in dem nammen Jesus wer verborgen, was man immer do von möchte sagen, vnd sagt das der nam Jesus in der grammatica hette allein dry casus, zů anzaigen göttliche dreyheit, dar nach, so der erst casus vff ein .s. vß gadt, der ander vff ein .m. der drit vff ein .v. (dann man decliniert es also Jesus jesum jesu) zaigten die dry bůchstaben[57] .s.m.v. das er der höchste mittelst vnd der letzste wär.

Noch zeigte er an ein grosse verborgenheit im namen Jhesus, es bedeüte etwas groß das ein .s. stünde im mittel des namen. Dar zů sagt er den bůchstaben .s. nennen die iuden syn, vnd syn sy als vil im Schottenland als sünd, dar vß offentlich bedeüt wurd das Jesus hinnem die sünd der wält. Do diß horten die theologi seins glichen verwunderten sie sich dar ab so fast, das sie schier zů eim stein wurden wie Niobe, vnd ist auch nit ab weg, dann wann hat Demosthenes vnd Cicero ein solich einleitung gesetzt in sinen reden. Die alten kostlichen meister des wol redens leren, es stand vbel, wann die vorred nit vff die vermeinte matery diene, eben als ob nit auch die schwinhirten also vngeschickt ire red satzten vß angebung der natur.

Aber die bättelmünch meinen, ir vorred sy dann gantz kunstlich, so es gar kein fůg hab mit der vermeinten matery, also das sich auch dar ab der zůhörer verwundret vnd gedenckt wo will die vorred hinauß. So sie das sunder gebät anfencklich gesprochen haben mit allem volck, dar nach vnfügliche vorred gesagt, zum dritten an stat der vermeinten fürhaltung sagen sie ein stuck vß dem ewangely, aber behend oben hin, so man doch nicht anders solt sagen dann das ewangelium. Zum vierden so erbrächen sie sich hoch vnd halten für ein hohe frag, als sie meinen, vß den grossen lerern, die doch so gar nüt nützer dem volck, das sie geacht wirt, sie berür weder himmel noch erden, doch meinen sy, es sy wol also vßgericht. Do erzeigen sie ein theologisten ernst, vnd allegieren träffenlich lerer, subtil lerer, subtilist lerer, änglisch lerer, vnd der glichen brachtlich titel halten sy für. Auch machen sie vff der Cantzel syllogismos, schlußred, corrolaria, vßzug oder nachvolg, puncten, artickel, ja itel schůl thandt halten sie dem schleckten volck für. Zum fünfften vnd letsten vnderstond sie sich eins meister stücks vnd bringen här ein thorechte fabel vß eim[58] exempel bůch, vnd legen sy dar nach gaistlich auß. Mit solicher weiß beschliessen sie ire vnformliche predig, welche so vngeschickt ist, das man sy kaum gnůgsam kan beschriben. Aber das ist schimpfflich an inen zů mercken. Sie haben neischman ein gehört, der anfang einer red oder predig sol nit mit grossem geschrey sin, sunder mit mitler stimm. So verstond sy es so widersins, das ir anfang in der predig ist so heimlich das sie sich selbs kum hören, vnd ist der anfang nicht dann ein brummen, eben als ob man also reden sol, das es nieman vermercken kan.

Sie haben etwan geläsen, es nütze zů bewegung etlich härtzigung, das man sich etwan gebrauch einer erhebung der stimm. So thůnd sy im also, so sie ein weil still gebrummet haben, behend dar vff fahen sy an, schryen als weren sy vnsinnig, so es doch schon keines schryen bedarff an dem oder jhenem ort der matery. Du meintest, es wer im nieß wurtz not, Eben als ob nicht dar an gelegen sy, wo man schrey in der predig. Sie haben auch gehört die predig im fürgang soll hitzig werden, so fächten auch sy also in der predig, das sy am end möchten schier omächtig werden.

Zum leisten haben sy geläsen, wie die meister deß wolredens geschriben haben, ein schimpfflich red ziere wol ein materi, wann man den schimpff recht vnd zů bequemer zeit braucht, Darumb so wöllen die bättel münch auch schimpff in ir predig ziehen, aber ire schimpff sind als vnfüglich vff ir materi, als der esel zů der lyren.

Etwan stellen sie sich, als ob sie ernstlich weren in straff grosser laster, aber ir ernst stüpfft meer dann er verwundet, vnd sie sind in warheit nümmer grösser schmaichler, dann so sie gesähen wellen sein im grösten ernst. Kurtz alle ir predig ist also gesetzt, das du schwärest, sie hetten ir predig kunst gelernet von den triackers krämer, wie wol die doch vber jhene sind, doch ist ir beider red also gestelt, das du wol magst mercken, das einer von dem anderen gelernet hat. Vnd wie thorlich ding sie predigen, doch finden sie leüt denen es wol gefalt, als ob sie Demosthenem oder Julium horten predigen. Aber besunderlich gefalt ir[59] leer den kauffleüten vnd den fröwlein, vnd die bättel münch richten ir sach dar vff das sy frawen vnd kouffleüten gefallen. Dann kauffleüt mittailen in etwas von irem roub, so sie vff iren gefallen predigen, vnd die wiber sind darumb so günstig den bättel münchen, dann allen iren vnwillen, so sy zů iren eemannen tragen, schütten sie den münchen in bůsen. Auch mit solcher apostützlery vnd thorechten predigen wöllen sie alle menschen meisteren.

Das obgemält edel gestein vß den geschrifften Erasmi gezogen söllen allen layen inbilden, vnd wann sie einen prediger hören vff solicher lyren machen, thůnd sie got ein dienst, daß sy all vß der kirchen gond vnd solich wiß verspotten. Es ist ein arm ding, das so grosse eslische vnwissenheit regiert in den klösteren, das auch nit kinden ein halb blat der bůchstaben halb künstlich schriben nach der orthography, vnd das jetz kleine kind wissen, können alte männer in klösteren nit, so doch etwan grosse kunst in der kutten was, lieber kanst ein wenig latin, besich eim käß jäger sein kartünfflin, das er mit im tregt, dar auß er sein thorheit lyset, die er dem einfältigen volck fürhelt, so findest im schriben kein orthography, kein künstlichen puncten, auß dem vrtheil was verstandts sie vom vberigen haben, im läsen oder außsprechen wissen sie nit rechten accent auch gemeiner wort. Also das dein kind, das zwei jar ist in die schůl gangen, merckt iren vnuerstand vnd lachet ir, vnd solt dein kind vor anderen in der schůl also schriben vnd läsen, man schlüge in mit růten, vnd so ein sollicher esel solliche vnwissenheit begadt in der mäß vnd predig, so lonet man im mit käß vnd schmaltz.

Ir layen wissen, das ir schuldig sind an aller vnwissenheit der bättel münch (von den anderen will ich jetz nit reden) dann ir geben yn üwer allmůsen on allen vnderscheid, so ein esel zů eüch kumpt, geben ir im als vil, als wer er Erasmus oder Luther, do mit stercken ir iren faulen vollen bättel vnd leren nicht, geben sich vff geilen vnd streiffen. Das mercken ire oberen vnd haben gelert leüt nit in eren, es kan kein geschickt man by in werden, wirt einer gelert, so kan er vor den anderen eslen nit für kummen[60] vnd můß seiner kunst engelten, deren er geniessen solt. Vnd so ire oberen vngelert sind, so vndertrucken sie gelert leüt, denen sy vngeleich sind, vnd ob schon ein oberer gelert ist, will er allein gesähen sein, vnd mag kein neben im lassen bliben, so merckt er do by, das vngelert als wol das land vßstreiffen als die gelerten, vnd thůnd es gern, vnd schemen sich nit mit liegen vnnd triegen den armen iren schweiß vß sugen, do mit der ober sein kloster spyßt vnd ist er allein gnod herr. By solichem wesen verderben vyl geschickter ingenia, das es zů erbarmen ist, vnd alle menschen solten raten vnd helffen, das geschickten leüten in klösteren geholffen wurd vß dem lyden, das sy von oberen vnd vnderen lyden, aber thůnd eweren sack vnd kasten zů vor den eslen in klösteren, sie müssen bald ewer lied singen vnd gelert leüt lon für gon by yn.

Sprichst du aber, ich bin ein einfältiger ley, ich verstand nit, wann einer gelert ist oder nit, wol an ich will dirs sagen.

Du hast jetz vß Erasmo gehört, wo by du erkennen solt ein bloderer, ein märlin prediger, wann sie vngestüme gebärd brauchen vff der kantzel, vyl fabel oder exempel sagen, die nit in der Bibel geschriben stond, wann sie vyl geistlich vnd wältlich recht allegieren, wann sy offt Aristotelem, Schotum, Thoman, Bonauenturam, lyram, Hugonem etc. nennen. Wann sy vyl jauffthäding oder spötwort brauchen, dar ab man lachen soll. Wann sie sunderlich vil stächen vff oberkeit vnd priesterschafft, das gefalt dem gemeinen man wol, aber es ist gyfft, hüt dich. Wann sie thorechte ding straffend, als gäl schleier, vßgeschnitten schuch, solich vnd solich farb der klaider. Wann sy vil vom ablaß sagen, vil von heiligen ires ordens, vil von dem gůten, das in irem orden geschicht. Wann sie vil von gmeinem fasten sagen, von sunderen gebätlein, als rosen kräntz, vnser frawen psalter, kron gebät, Wann sie mit vil worten verkünden, das man geben soll almůsen, so sie samlen.

Wann du solichs an eim merckst, so wiß, das er ein[61] vnnützer prediger ist. Er kan nicht, er sůcht eer oder nutz oder ergötzlikeit seins selbs, gib im nicht, gang vß der kirchen, du thůst got ein dienst.

Wann aber einer vil sagt vß dem ewangeli, offt nent sant Lucas, sant Marcus, sant Mattheus, Sant Joannes, sant Paulus, sant Petrus, sant Jacobus, Esaias, Hieremias, Psalter Dauid etc. jetz ist er vff dem rechten wäg, dann diß ist das gots wort. Wann er vyl sagt von göttlicher vnd brüderlicher liebe, von verachtung der zergäncklichen wält, vnd von begird der ewigen säligkeit.

Wann er fürdert hauß vnd leüt vnd die krancken.

Wann er sagt vom glouben vnd hoffnung zů got.

Wann er sagt von verachtung sein selbs.

Wann er predigt wider nachred vnd eer abschniden.

Wann er predigt wider falsch vrthail, wider hoffnung vnd gůt schynend wärck, vnd all sein lere gründet in das heilig ewangeli vnd in sant Paulus epistel, vnd in die heilig Bibel, der ist vff dem rechten wäg.

Item so einer by den leyen sitzt vnd vyl von seiner vnd der seinen heiligkeit sagt, ander örden veracht, priesterschafft vor den leyen veracht, vnd den adel vor den bauren, der alweg lůgt, das er red was den leüten gefalt, der ist ein glyßner, ist falsch, ein verfürer, sich ich hab dir in angezaigt, laß dich nit verfüren.

Item so sie sagen von hohem nutz der mässen, als drysigst vnd guldin mäß, von styfftung der jarzyt, von brůderschafften mit inschribung etc. do thů den seckel zů.

Item so sie sagen von lob der klöster, also das sie das läben der wältlichen für nicht halten, hüt dich vor yn.

Das halt vor allen dingen in deim almůsen, gyb fürderlich den armen in deiner pfarr, dar nach gib frembden bätlern, es sy ley oder münch, wer dich anders leret der irret.

Wann dir die münch sagen von grosser fryheit irer örden, hüt dich.[62]

Kurtz wann dich ein prediger wyset vff das heilig ewangeli, vff brüderlich lieb, vff gründtliche demůt, vnd meer fürderet andre annen dann sich, oder als vil als sich vnd die sinen, do halt vff, sunst hüt dich.

Du einfältiger ley biß gewarnt vor den bättel München, dann offt kummen sy in schaffkleider vnd sind heimlich zuckent wölff vnd offt ist es, ye geistlicher schein ye flaischlicher sin.

Es were schier wäger, man ließ kein frembden münch oder pfaffen vff die kantzel, er were dann vom landts byschoff fleissiglich vberhöret vnd zů gelassen. Es bedarff etwan gelück mit eignen pfarrern, ich geschweig der frembden.

Aber der lay ist so närrisch, das er meint, was im frembd vnd vnbekant ist, sy vil geschickter vnd besser dann das do bekant ist.

Du einfeltiger ley solt meer flyß haben, wie dir gůte haylsame lere zů tail werde, dann vmb brot vnd wein, dann on heilsame lere ist alle dein arbeit vmb sunst, darumb bitten got trewlich all tag vmb heilsam prediger vnd lere, vnd glouben nit glich was einer sagt, ob er schon ein heilig schinet, vrthailen sein lere vff mein obgemelte vnderweisung, das ir nit irren. Wann die münch kummen allein vnd predigen, so sie samlen wöllen, oder so man wol soll leben, so geben yn nicht, dann sie sind schuldig offt eüch zů predigen vnd das vmb gots willen. Es ist wol war, man hat vor jaren vyl vff der bettel münch predig gehalten, sie sind vor jaren auch ander leüt gesin, aber jetz ist es ein sorglich mißlich ding vmb ire predig, man soll sie fleissiger vberhören vnd erfragen dann andere, ee man sie predigen ließ.

Wann die bättel münch vff der kantzel kriegen vnd haderen, wöllen ire fryheit, ire örden mit anlachen des volcks bestriten, ist falsch.

Die barfůsser wellen iren Franciscum so groß vnd so hoch machen, das ein vernünfftig or nit hören mag, das[63] sie nit dem helgen zů eren thůnd, sunder sie wöllen für groß geacht sein vor dem volck von ires helgen willen, weren sy die můtig leüt als ire titel auß wisen, so wüsten sie, das sy grösseren dienst dem demütigen Francisco thäten, so sie mässiglich von im predigten.

So man Christum vnd Mariam lobt, mag man in nit zů vil lob zů legen, aber in anderen heiligen mag man sich lichtlich vbernemen. Wiltu aber ye helgen hoch loben, so lob Paulum, lob Petrum, lob Augustinum, Hieronymum, lob Johannem den ewangelisten, den töüffer(,) Chrisostomum etc. vß deren leben vnd leren gründtlich christum erkennest im helgen ewangelio. Laß dein Franciscum sein der er ist, so doch ir barfůsser vil ding für märlin selbs halten, das andere für groß ding haben beschriben, doch lassens ir vnder das volck vß gon, so groß ist ewer eer gyt. Ewer orden ist nit besser dann ander örden, ist auch kein sunder hoch ding, wer eüch für andere sunders thůt, ir söllen auch sölichs nit meer für halten dem volck, oder man wirt eüch vnder die nasen faren. Die prediger wellent allein gelert sein vnd beschirmer des glaubens, jre lerer allein lassen beliben, do durch sy zů solicher thorheit kummen, das jederman ir spottet mit iren lerern. Ire lerer sind nichts sunders hoch, sy haben vyl gůts geschriben, auch vyl arges, man weist wol was ir tůch für faden hat. Die Carmeliten liegen vnd triegen so vyl mit sant Annen brůderschafft in erzelung ires geschlechtes, das schier Christus ir lügen wirt an tag bringen, dann sie kein grund haben im ewangelio. Wo hastu geläsen das sant Anna dry töchteren gehabt hab, das Joannes vnd Jacobus seyen ir töchter süne, vnd der glychen vyl, aber hetten ir das gält vom volck, ir liessen das ander wol beliben. Dar zů wollen ir etwas sunders sein für ander orden, so ir vnser frawen brüder genant sind. O ir hoffertigen hat vnser fraw so gytig, vnzüchtig, vnkeüsch, hochfertig brüder. Ich mein, all fromme christen seien ir brüder vnd schwester, auch ires sunes, ia ire kind, vnd mein meinung hat ein grund im ewangelio, aber üwer fabel ist wasser vnd lufft. Also merck in anderen stücken, do mit die münch vmb gond, vnd die Cantzel do mit beschissen, vnd das volck am reinen ewangelischen[64] leren hinderen, dem volck iren blütigen schweiß vnd arbeit abnemen, anderen armen schaden thůn, das wird got nit lang mögen erliden. Aber ir einfältigen layen sind gewarnet, es ist auch zů besorgen, das sy offt meer auß den bychten der menschen predigen vnd schriben, dann vß der Bibel, aber ich laß jetz do von weiter zů schriben, mein tag ist auß, lassen eüch mein trüwe meinung zů gůtem dienen.


Der Pawr wirt witzig.

Quelle:
Johann Eberlin von Günzburg: Sämtliche Schriften, 3 Bände, Band 1, Halle a. S. 1896–1902, S. 53-65.
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