Der .XI. būdtgnoß.

Ein newe ordnūg weltlich stādts das Psitacus anzeigt hat in Wolfaria beschriben.[121]


Ich elffter bundts gnoß will eüch fürhalten was Psitacus sagt, das die regenten betracht haben in Wolfaria ein ordnung zů machen in weltlichem stand, wie wol sie solichs noch nit beschlossen haben, alein aber angeschlagen, dann sie bedörffen nit im selben land kein ordnung machen für gemeine stat vnd dorff, man sol vorhin solich ordnung vmbfüren in alle vogtyen vnd das volck fragen ob es im gefall, dannocht will ich eüch iren anschlag nit verhalten.


Anfang.


Käin eerlichere arbeit oder narung soll sein dann ackerbaw. Aller adel soll sich neren vom ackerbaw.

Ein jetlich dörfflein soll haben ein edelman, der sol als vil ackerfeld haben, als vyl zwen pflüg mögen buwen, der selb sol schultheiß im dörfflein sein. So vyl dörfflein das sie zwey hundert hoffstet machen, söllen ein ritter zů eim vogt haben. Der selbig vogt soll alle monat berüffen alle schultheiß vnd auß jetlichem dörfflin ein ratsman von der burschafft, vnd mit inen recht sprechen vber noturfftig klag der vnderthon.

Jetliche vogty soll ir selbs aigne recht, die in nutz sind, ordnen vnd sölich recht söllen ir bestätigung nemen von allem volck der vogty, so man sy vorhin darum personlich erfragt hat.

Jetliche stat soll ob gemelter vogtien zehen vnder ir haben, wo sie die selben nit haben mag, soll sy ein castell genant sin vnd kein stat.

Die Castell söllen haben ein oberen man, der ein fryherr sol sein.

Einer stat oberhandt soll ein graff sein.

Zehen stett sůllen ein houptman haben, der soll ein hertzog sein oder ein fürst.

Kein oberhand soll gewalt haben etwas zů thůn on hylff vnd rat deren, so vom hauffen der vnderthon dar zů gesatzt oder geordnet sind.[122]

Jetlich castel, stet, fürstenthům, soll für sich selbs nützlich gebot vnd recht machen vnd do by bliben.

Vnder allen fürsten sol einer vß in genant werden küng, der auch nicht vermög on rat vnd hylff der fürsten.

Kam schultheiß, vogt, fryherr, graff, fürst, künig, sol etwas sunders haben vom ampt, aber allen seinen dienst sol er thůn zů trost vnd hilff auch fürdernüß ains gmeinen nutz. Doch soll man sie von eim gemeinen nutz besolden, nach grösse ir arbeit.

Kain obgemelter amptman soll sunderen hoff halten von ampts wegen, dann als vyl er zů seim aigen hußhalten bedarff.

So ein amptman byltt bedarff für gemeinen nutz, söllen die vnderthonen zů im setzen lyb vnnd gůt, also das er allzyt der erst vornen dar an sey.

In allen räten söllen als vyl edelleüt als baurßleüt sitzen.


Vom eelichen stand.


Wir ordnen, all offenlich eebrächer söllen getödt werden.

Kain obgemelt ampt sol geerbt werden, aber wirt von allen vnderthonen ein fründ oder sun vff sine fründ oder vatter erwelt, mag man es liden.


Vom zů trincken.


Alle offentliche zů trincker söllen ertrenckt werden.


Gotslesterer.


Welcher anderst schwert dann warlich oder by got, sol offentlich mit růten geschlagen werden.


Nachreder.


Welcher den anderen schmächt oder an sein eer redt, soll offentlich geschmächt werden.


[123] Vom spyl.


Allen iungen soll verbotten werden alle karten vnd würffel spyl vmb gält oder gälts wärt. allein soll in das brätspyl zů eier kurtz weil erloubt sein.

Die alten mögen spilen zů zimlichen zyten, doch vber ein krützer in ein schantz nit halten.

Kain spil soll geschähen dann an eim ort, do man die spiler mag sehen, do man für gadt.


Vom thantzen.


Alle wochen soll ein tag sin, dar an man nach mittag dry stund mög thantzen an eim offentlichen ort, man vnd fraw miteinander, wer do will sein.

Kein eeman soll thantzen dann mit siner angebornen basen, oder mit seim eewyb. Also sag ich auch mit den eefrawen.

In geberden vnd springen vnd lieder oder pfyffen soll erberkeit gehalten werden on alle schamperkeit, das meer kurtz weil dann lychtfertigkeit do gesůcht, werde.

Vber dry stund soll solich fröid nit wären.


Zů der Ee gryffen.


Alle menschen mögen zů der ee gryffen mit einander on alle hindernüß, welche im gesatz moysi früntschafft oder gesybschafft halb nit verhindert sind.

Die pfaffen söllen eintweders ee wiber haben, oder aber kein wiber.


Vom rat oder gericht.


In ainer stat söllen .xxx. man in rat gon, der graff soll sin an stat des burger meisters.

In eim castell sollen .xv. man zů rat gan, vnd der fryherr soll ir burgermeister sein.


Kauffmanschatz.


Alle fuckery soll ab gethon werden.

In keiner geschellschafft söllen meer dann dry sein.[124]

Kein wein der in vnserem land nit wechßt, soll härin gefürt werden.

Kam tůch das in vnserem land nit gemacht wirt, soll härin gefürt werden.

Kam frucht die in vnserem land nit wechßt, soll härin gefürt werden, man müß es dann zů grosser lybs not haben.


Spyß vnd tranck.


Allerley spyß vnd tranck soll allen menschen erloubt sin zů aller zyt, kain münch noch pfaff soll für hin ein intrag machen. Doch mit der fasten soll sein, wie im geistlichen regiment.


Vom Alment.


Gewild, vögel vnd vysch soll jederman gemein sin für sin not zů fahen wer es vermag.

Holtz soll jederman gemein sein zů hawen, doch nützlich.


Brot vnd wein.


So vyl brot soll man vmb ein helblin geben, als vil ein starck man vff ein imbiß mag essen.

Ein moß wein soll vmb ein kreützer gekoufft werden.

Ein maß soll so groß sein, das zwey menschen vff ein jmbiß gnug haben, die vernünfftig trincken wellen.


Bätler.


Kain bättler sol in vnserem land sein, aber für arme leüt soll all fyrtag in gemeiner kirchen geben werden was got jetlichs vermanet, das vberig soll von gemeinem seckel der stat ersetzt werden.

Ein vogt vnd gericht vnd alle obern söllen grossen fliß für die armen haben.

Man soll solichs nit befälhen den pfaffen, dann sie den armen vntrew sind, vnd lůgen wie das gůt inen werd, do här kumpt alle richtumb, die biß här der münch vnd pfaffen ist gesin, dann man hat sie erstlich den armen geben, der schafner solten sy sin gewäsen.

Allen armen, die das almůsen niessen, söllen merckliche zaichen tragen.


[125] Von handtwercken.


Vor allen dingen soll man weren, das kein vnütz handtwärck in vnserem land sy.

Man soll verhüten, das auch nütze handtwärck nit vbersetzt werden, das nit meer meister dann knecht syen.

Kain eerlichere narung soll gehalten werden dann fäld buwen vnd ysenschmid handtwerck.


Vom krieg.


Kein krieg soll gefürt werden on rot aller fürsten vnsers landts.

Kain büchßse soll für hin gehabt werden.

Im krieg söllen die edelleüt vornen dar an sein, vnd houptleüt im fäld sein.

Im krieg soll man schonen aller frawen, kind vnd krancken.

Im krieg soll man den ackerbaw nit hinderen.

Alle ackerleüt vnd pfaffen söllen fry sein.

Wann man kriegen will, soll ein jetliche vogty ein priester mit inen füren, vnd so man schlagen will, söllen alle priester neben auß tretten vnd nider fallen vff die knew vnd got vmb ein gnedigen friden bitten.

Man soll kein krieg füren vmb witerung oder außspreitung vnsers landts.

Im krieg sol man nit brennen.

Man sol kein gotshauß schedigen oder berouben by verlierung des lybs.


Von den bärg schlossen.


Kain paur oder vnedler soll fürhin vff eim bärg schloß sitzen, alain die edlen.

Kein bärg schloß soll für hin zerstört werden.

Kain new bärg schloß soll gebuwen werden, doch soll man die alten ernüweren.


Von den heüseren vnd gebüwen.


In allen stetten söllen jetliche handtwärck sundere gassen haben.[126]

Kain vbermässig kostlich hauß soll gebuwen werden, außgenummen gemeine hüser, als das radthauß, kouffhaus, badhauß, schůl, kurtzweil hüser etc.

Weit gassen söllen in stetten sein.


Vom badhauß.


Alle mann vnd knäblein söllen haben ein sunder bad hauß.

Alle frawen vnd mägdlein söllen haben ein sunder bad hauß.

In jetlichem bad hauß soll sein ein schweiß bad vnd wasser bad, wieß ein jetlichs haben wil.


Vom bart.


Alle mann söllen by grosser pein lang bärt tragen, kainer soll sein angesicht glat haben wie ein wyb.

Es soll ein schmach sein kain bart tragen.

Alle man söllen kurtz vngepflantzt hor tragen.


Von kinden.


Alle kind, mägdlin vnd knäblin, soll man im dritten jar irs alters zů schůl thůn, biß sie acht iar alt werden.

Den schůlen soll vom gemeinen seckel versehung geschehen.

In den schůlen soll man kind leren das christlich gsatz auß dem ewangeli vnd auß Paulo.

In den schůlen soll man die kind leren latein vnd teütsch gemein glich verston, von griechisch vnd hebraisch oben hin ein wenig läsen vnd verston.

So ein kind acht jar alt ist, mag man es zů eim handtwärck thůn oder aber lenger lassen studieren,


Vom gsatz vnd landtrecht.


In jetlicher vogty soll man kain lassen ein hußhäbigen burger sein, er wiß dann ire gmeine breüch vnd recht.

Alle alte kayserliche vnd pfaffen recht thůnd wir ab.

Jetlicher soll gemeine recht wissen, vnd das jetlicher wiß sin billichs vnd vnbillichs.[127]

Kain jurist, kain fürspräch soll fürhin me sein, welcher im selbst nit kan reden, der näm den nächsten mitburger.


Vom bann.


Nieman soll in ban gethon werden vmb schuld, alein vmb offentlich vnvffhörlich vberträttung der gebot gots söllen die pfaffen ain bannen.


Vom ablaß.


Wer fürhin ablaß verkindt oder leset, soll offentlich gestrafft werden.

Das soll grosser ablaß sein, gůts thůn sim nächsten menschen vnd verzyhen dem sind.


Von der müntz.


In allem rych soll sein einerley müntz, das ist ein schlag vnd einer werschafft.


Von pfaffen.


Kain pfaff soll zů radt gon, weder der fürsten noch der stet noch der vogtyen.


Von vntrew.


Welcher eim nit halt ein zůsagen in ernst gethon on aid oder schwůr, soll offentlich geschmächt werden.

Welcher eim andern gelyhen ding ergert, sol es im vff vorige war zalen.

Welcher seim nachpauren nit wil fürsetzen in nöten, der es wol hat, soll offentlich gestrafft werden.

Welcher gab vmb lyhen nimpt, soll mit růten geschlagen werden.

Welcher nit zalt vff gsetzte zyt, soll offentlich gstrafft werden.


Von dieben.


Ein dieb soll ein jar ein gemeiner knecht sein zů aller bossel arbeit der stat, vnd soll ein kettin geschmidet tragen an baiden füssen.


[128] Mörder.


Ain mörder soll man mörden.

Am strassenröüber soll man ein ewigen knecht der gemein machen, wie von dieben gesagt ist.


Vom zeren.


Welcher gemerckt wirt, das er vberflüssiger zert, dann sein vermögen geacht wirt, soll bim aid anzeigt werden den obern.

Der vnmässigen zerhafftigkeit soll man bald entgegen kummen, do mit nit vil armer můtwilliger leüt werden.


Von Gehalten.


Kaim eehalten soll man wein geben trincken, er sy dann .xxx. jar alt.

Kaim eehalten zimpt auß seim dienst zů gon, dann vmb vnfrid willen.

Kain meisterschafft soll eim eehalten flůchen oder schlahen, noch härwiderumb.

Kaim eehalten soll die meisterschafft den lon vor dem zyl geben.

Uff das zyl soll ein jetlicher eehalt bar bezalt werden.

Ain krancken eehalten soll die meisterschafft zwen monat vmb sunst halten vnd sein pflägen.


Uon klaidern.


Alle farb allerlay klaidung soll jederman gemein sein, doch das vnder fraw vnd man ein vnderschayd sy.

Die klaider söllen fraw vnd man eerlich bedecken.

Die frawen söllen zierlich aber doch erlich bekleidt sein.


Von kurtzweil.


Alle monat soll man ein sundere früntliche erberliche offentliche gemaine kurtzwil haben, dar zů söllen fleiß haben die oberen jetlicher fläcken.

Kain kurtzweil soll vber ein halben tag weren.

Kain kurtzweil soll vyl zerung hinnemen.[129]

Alle kind soll man leren zimliche sayten spil.

Alle kind soll man leren die kunst detz mässens, rächnen vnd stärnen kennen.

Alle kind soll man leren gemeine krüter kennen vnd gemeine artzny wider gemeine kranckheit.

Sunder wol berümpt artzet söllen von eim gemeinen seckel bestelt werden vnd jederman willig sein on sunderen sold.


Von peinlichen straffen.


Kein pinlich statut soll fürhin angenomen werden, das nit im gsatz Moysi vßtruckt ist, dann der mensch soll nit harter straffen wann got.


Von den Bilgeren.


So jemandt gezwungen wirt vber fäld gon, vnd vrsach zaigt in geschrifft von seiner oberkeit, soll er von jederman wol gehalten werden, hat er nit zerung, soll man im barmhertzigkeit erbieten in gemeinen spitalen, es wöll dann ein burger auß sunderem andacht im ein lieb bewisen.


Von müssig gon.


By grosser straff soll niemand gar oder vyl müssig gon, jederman soll zů bequemlicher arbeit gehalten werden. Müssig gon soll ein öffentliche schand sein gehalten.


Gemeine regel.


Welcher für hin gybt gelt zů mäßlesen, bicht gält, grab gelt, Item wer lobet die syben tag zyt, wer allmůsen gibt eim bättel münch, er thü dann sein kleid ab vnd gang wie ain ander mensch. Welcher ein pfaffen höher eret dann ein vogt oder rats herr, soll offentlich gestrafft werden.

Welcher ein pfaffen schedigt, soll gestrafft werden als der ein vogt schedigt.


Von juden vnd haiden.


Ob mißglöübig wellen vnder vnß wonen, soll man inen nicht laidts thůn, sunder früntlich halten wie vnsere[130] burger, doch soll man sie zů keiner bürgerlichen eer brauchen oder ampt, sie söllen auch vnsere gesatz vnd glouben nit schmähen.


Von den kätzern.


Kainer soll für ein kätzer geacht werden, welcher by gemeinem gsatz des ewangely blibt nach gemeinem verstand vnsers landts.

Schůler, pfaffen vnd landtleüt, auch richter, söllen mit einander vrtheilen in sachen beträffen vnser ewangelisch leer vnd gsatz.


Von schatzung in ein gemeinen stat seckel.


Welcher burger vnder hundert guldin wärt hat, darff nicht geben, aber hundert gibt all wochen ein häller, den soll man all wochen vorderen.


Solich obgemelt ordnung haben wir von Wollfaria für genummen, ist vnser meinung, wir wöllen sie fürhalten allem volck in allen vogtyen, so wir dann dar vber vnser vnderthon verwilligen oder vrthail hören, so söllen dar nach die gsatz ein krafft haben nach bestätigung vnser landtschafft, by straff der vngehorsamen vnd belonung der gehorsamen. Datum in vnser houpt stat Wolffeck, im Monat genant Gůtwyle, jm jar do man den bättel münchen die kutten staubt.


M W V H


Ach mich verlangt.

Quelle:
Johann Eberlin von Günzburg: Sämtliche Schriften, 3 Bände, Band 1, Halle a. S. 1896–1902, S. 119-131.
Lizenz:
Kategorien:

Buchempfehlung

Hoffmann, E. T. A.

Fantasiestücke in Callots Manier

Fantasiestücke in Callots Manier

Als E.T.A. Hoffmann 1813 in Bamberg Arbeiten des französischen Kupferstechers Jacques Callot sieht, fühlt er sich unmittelbar hingezogen zu diesen »sonderbaren, fantastischen Blättern« und widmet ihrem Schöpfer die einleitende Hommage seiner ersten Buchveröffentlichung, mit der ihm 1814 der Durchbruch als Dichter gelingt. Enthalten sind u.a. diese Erzählungen: Ritter Gluck, Don Juan, Nachricht von den neuesten Schicksalen des Hundes Berganza, Der Magnetiseur, Der goldne Topf, Die Abenteuer der Silvester-Nacht

282 Seiten, 13.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Große Erzählungen der Frühromantik

Große Erzählungen der Frühromantik

1799 schreibt Novalis seinen Heinrich von Ofterdingen und schafft mit der blauen Blume, nach der der Jüngling sich sehnt, das Symbol einer der wirkungsmächtigsten Epochen unseres Kulturkreises. Ricarda Huch wird dazu viel später bemerken: »Die blaue Blume ist aber das, was jeder sucht, ohne es selbst zu wissen, nenne man es nun Gott, Ewigkeit oder Liebe.« Diese und fünf weitere große Erzählungen der Frühromantik hat Michael Holzinger für diese Leseausgabe ausgewählt.

396 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon