Der .X. būdtgnoß.

New statutē

die Psitacus gebracht hat vß dem lād Wolfaria welche beträffendt reformierung geystlichen stand.


Wa man annäm diß reformatz,

So gschweigt man manche kloster katz,

Die vornen läckt vnd hin den kratzt.
[107]


Ich zähender bundtsgnotz will eüch allen ze gůt fürhalten das erlich regiment zů wolfaria das also lutet. Wir houptleüt vnd ringk männer des landts wolfaria thůnd kund aller menglich, so diß vnser statut, satzung vnd ordnung läsen oder hören läsen werden, das dyse stück alle von vnß verordnet sind worden auß wolbedachtem gemüt zů nutz vnserm land, stat, dörffer, fläcken, zů den wir euch alle verbinden by straff deß schmach worts eines vngeordneten vngotzsamen burgers.

So vnß das gesatz vnd vernunfft leret, man soll einen waren got fürderlich eren, in yn alle zůversicht erstlich setzen, wöllen wir haben pfaffen, die vnß vermanen zů gots dienst nach vßweisung siner gebot. Darumb auch jetliche pfarr soll zwen pfaffen haben, ein Pfarrer vnd ein Caplon, die gliche prebend söllen haben, doch der Caplon soll dem pfarrer nach geben. Alle sontag soll der pfarrer ein ewangelische leer thůn von namhafftigen stücken vnsers gsatz vnder der mäß. Vnder der Vesper, soll der Caplon ein kurtze vermanung thůn den kinden, sy zů leren christenlich zucht.


Von den Fyrtagen.


Wir wöllen allein haben nachgend fyrtag. Alle Sontag, Christtag vnd dry nachgond fyrtag. Des newen jars tag. Der heyligen dry küng tag. Den grünen dornstag. Karfrytag. Oster abent. Den Oster tag. Die Vffart. Den Pfingst tag, vnsers Hergots tag. Vnser frawen verkündung. An vnser frawen hymmelfart tag. An vnser frawen Liechtmäß. Sant Peter vnd Paulus tag, die in Europa sunderlich geprediget haben. Sant Johans deß töüffers tag, der so redlich vmb der warheit willen gefochten hat. Aller Engel tag vff Michaelis. Aller heyligen tag.

Jetliche kirch soll halten ein fäst von irem Pfarr patron. Sant Agnes. Sant Cecilia. Sant Anastasia etc.

Alle andere Fyrtag legen wir ab, als vnnütze schädliche[108] ding, dann got vyl erzürnet wirt vnder solichem gůten schein.


Von den Fast tagen.


Dry tag vor Osteren soll jederman Fasten, wers vermag.

Aller andern fyrtag abent sol man fasten, on der sontag abent.

Die Quadragesima vor ostern soll im fasten vnd gsangen gehalten werden, wie man jetz den aduent haltet, wär wöll der faste, niemandt ist zů zwingen.

Kain bychtvatter soll eim fasten ze bůß geben. Alle fasttag soll man also halten, nit meer dann zwey mol soll man im tag essen, allso das man morgens äß vmb .x. vr, vnd zů nacht vmb .v. vr.

Alle spyß sind erloubt am fast tag on flaisch, tysch vnd vßländiger wein.

By hoher pein soll man kein fast tag meer vff setzen, vnd alle andere fast tag ab thůn.


Wie man die fyrtag soll halten.


By vnser vngnad, soll jederman vnd besunderlich gestanden leüt all fyrtag morgen jn die kirch kommen, so man mäß soll halten.

In der kirchen sol man nit orglen noch pfeiffen noch yn figuris singen, aber allein ein ernstlich gesang gemeiner mäß vnd vesper.

Vnder der mäß soll der pfarrer predigen, wie oben gesagt ist.

Nach dem segen soll jederman heim gon zů tisch, vff den jmbiß soll man nit lassen predigen, dann es dem lyb schadt vnd dem gmüt nit nützt.

Nach essen mag ein byderman zů dem anderen in früntschafft gon, oder aber sunst spacieren.

Das jung volck mag keglen, schiessen, barr louffen oder kurtzwilig comedias fürhalten dem volck, wir heissen es oster spyl, doch das allein erberkeit dar inn gehalten werd on ergernüß. Die jünckfrawen mögen am reien singen mit[109] einander on man, die ballen werffen, meister lieder in erberkeit singen.

Kein tantz soll am fyrtag gehalten werden, aber sunst in der wochen schlagen wir es nit ab, darumb setzen wir so wenig fyrtag, das man sy söll wol halten.

Mit karten oder würffel, oder schach soll am fyrtag kein spyl geschähen vber ein pfennig.

So es .iij. vr ist nach mittag, soll man wider in die kirch gon, vnder welcher soll die predig sin, do by alle kind und iungen leüt söllen sein, vnd solichs soll geschähen zwischen dem capittel vnd dem hymnus, also das man vff die predig sing den hymnus.

All fyrtag abent soll jederman kummen zů der kirchen, do sol man nit singen, aber in der gemein für die todten bätten was jetlichs got vermant, vnd soll jetlichs heimsůchen siner elter begrebnüß, dar vß grosser nutz entspringt, do von söllen die pfaffen sagen.

In der mäß nach der predig sol iederman zů dem altar tragen, was er geben wil armen leüten an stat eines opffers, oder ein zettel bringen, dar an geschriben, was man wiß by im zů finden. Solichs allmůsen sol mit wisem rat vnder arme lüt die wuchen getailt werden.

By grosser straff söllen yn allem land abgethon werden die syben tag zeit, als ein gyfft rechtes gots dienst.


Von Pfaffen.


Ein Pfarr soll zwen pfaffen haben vnd nit meer. Sie söllen ee wyber haben, einer wöll dann williglich keüsch sin. Ire weiber söllen sein geboren auß dem fläcken, dar inn sie pfrůnden haben. Die pfaffen söllen geboren sein auß dem ort, do sie pfrůnden haben oder nit weit dar von.

Zwaintzig pfarrer söllen ein han vnder yn, den sy halten für ein byschoff, der soll all geistlich sachen vßrichten mit rat ir aller. Alle monat soll er alle pfaffen berüffen vnd inen gots gsatz inbilden. Jetlicher Pfaff soll järlich vom gemeinen seckel deß flecken haben .cc. guldin vnd nit meer.[110]

Der byschoff soll allwägen .xv. guldin minder haben dann andere pfaffen.

By grosser straff soll man keim pfaffen etwas in sunderheit geben für sin arbeit, weder opffer, bycht gält noch seel gerädt.

Jetliche Pfarr soll haben ein Diacon, der soll meßner sin, dem soll man geben järlich hundert gulden, vnd ist er willig vnd geschickt, soll im der pfrůnd eine werden, so sy ledig wirt.

Kein pfaff soll sin pfrůnd verwächßlen, in trieb dann lybs not.

Mann soll nümmer kein pfaffen wyhen haben, aber so ein pfaff oder diacon stirbt oder ab godt, söllen die pfarr lüt am selben ort mit iren pfaffen einen anderen welen, den soll der vogt vnd gericht am selben ort mit dem byschoff intronisieren.

Als offt eim pfaffen ein wyb stirbt, mag er ein andre nämen.

Man soll den pfaffen kein zähenden geben.

Die pfaffen söllen erberlich gekleidet sein, wie eim anderen erber man zů stadt.

Kein blatten söllen sy tragen.

Send auch kein fryheit für andere burger haben, doch sol man inen eer bewysen als einem obern.

Der vogt im fläcken vnd der radt soll gewalt haben vber pfaffen wie vber ander leüt.

Welcher pfaff sich vnerlich halt yn siner leer oder yn offentlicher vberträttung der gots gebot, so soll man yn on alle hindernüß vor allem volck vervrteilen als ein anderen offentlichen schädlichen vbelthäter.

Wann einer kein pfaff me will sein, mag er das ampt vffgeben vnd wider ein ley sein, wann man yn wider erwelt mag er wider ein pfaff sein.

Alle eerliche arbeit vnd handtwerck ist den pfaffen erloubt.

Kein pfaff soll sein ein kouffman, vogt, Wirt oder ratsherr.

Sie söllen studieren vnd bätten vnd ire hüser wol regieren.[111]

Keiner soll pfaff werden, er sy denn vber sine .xxx. jar, by hoher straff.

Die pfaffen mögen vmb iren sold kouffen ligende güter vnd sy von huß vß buwen wie ander leüt.


Von münchen.


Wir gebieten allen unseren vögten yn dorff vnd stetten, das sie in angesicht vnsers befälchs mit gewalt triben alle münch vnd nunnen dar zů, das sie abthůen ir kleid, die sie biß här gewonet haben, dann solich sundere kleid machen große vnglicheit.

Welche här vß wöllen, mögen es thůn, es wöll dann eins williglich dar inn beliben.

Klosterleüt söllen tragen gemeine kleidung wie ander erber leüt vsserhalb deß closters.

Man soll yn kein kloster zů lassen, das man sich verbind dar inn zů bliben, es sei dann eins .xxx. jar alt, vnd sol yn keim kloster vber .x. person sein, die do inn wöllen allwäg bliben.

Alle klöster söllen nicht sin dann schůlen der iungen, also das man knaben, frawen vnd mägdtlein lere christliche gebot vnd zucht.

Wo in einer stat oder fläcken me sind dann zwey mann kloster vnd zwei frawen kloster, soll man sie abthůn vnd spitel der armen dar vß machen.

Also das man etliche verordne für alt arm herren, die einer stat in legation oder in ämpter lang gedient haben, oder iren krancken kinden. Solich spital soll man eerlich begaben vnd lustlich buwen. Ettliche söllen sein für die bilgeren. Ettliche für gemein arm inwoner. Aller anderen klöster richtůmb, die man nit bedarff zů schůlen vnd spital, soll man in ein gemeinen stat seckel legen zů gemeinem gebew vnd besoldung der stat.


Von bättel münchen.


Alle bättel münch soll man gar ab thůn by verlust deß läben.

Vß iren klöstern soll man machen gemeine wonungen, die ein stat hyn lyhe vmb ein jar zinß denen burgeren,[112] die kein eygen huß haben, vyl huß gesind mögen jn eim kloster wonen.

Wär on obgemälte ordnung well münch oder nun sein, der thü es jn seim huß, on sundere kleidung oder wyß, vnd rychte kein gemeine ordnung vff.


Vom bychten.


Wir wellen, das jetlich mensch järlich ein mal sich erzeig den pfarrern oder irn Caplon, also, darff es rat oder sunder vnderwysung, mag es den pfaffen darumb bitten, oder ist es so einfeltig, mag es der pfaff im selbs sagen.

Wir wöllen nit das jemandt schuldig sy sein heimlicheit den pfaffen sagen, er wöll dann das gern thůn, vnd das gebot soll man alle iar ein mol am offnen märckt vßrüffen.

Welches aber will, mag sunst zum pfaffen gon im jar als offt es will vmb lere, vmb trost der gewissen etc. nach dem vnd es bedarff.


Uon der Ee.


Als bald ein mägtlein ist .xv. jar alt, vnd ein knab .xviij. sol man sie zamen geben zů der ee, es wöll dann eins williglich keüsch sein. Wann ein ee durch todt getränt wirt, soll das ander innerhalb .x. wochen wider zů der ee gryffen, es wöll dann williglich küsch beliben. Wann grosse hindernüß an eim ee menschen ist der eelichen wärck, mag man sie scheiden vnd jeglichs wider sich lassen versähen mit eim gemahel. Solichs sag ich von grosser vneinigkeit wegen. Niemand sol sich schämen zů bitten vnd ein eelichen gemahel.

Welche heimlich zů der ee gryffen on gezeügnüß vnd rat erberer leüt, soll man ertrencken.

Kein hindernüß soll an der Ee sein von wegen der gevatterschafft, was im gsatz moysi nit hindert die ee, soll by vnß ouch nit hindern. Geschwisterig kinder mögen wol in ein ee kummen.

Die ee soll by vnß kein göttlich sacrament geacht sein.

Kein gemeine fraw soll im gemeinen hauß sein.[113]

Die firmung soll by vnß kein eygentlich sacrament sein, noch auch ölung, noch pfaffen wyhe.

In der kirchen söllen die man sunder ston, vnd die frowen sunder, die kind jetlichs by sines geschlächts glichen.


Von der Mäß.


Man soll kein mäß läsen dann am fyrtag, dann sollen alle menschen by der mäß sein vnd do ein gmein gebät zů got thůn.


Vom kirchoff.


Es sol kein kirchoff by den klösteren sein noch innerhalb der dörffer oder stat sein, er soll by den pfarr kirchen sein, vnd soll by jedem kirchoff ein kirch oder huß sein, do inn man am fyrabent zůsamen kum vnd für die todten bit. Auch mögen vyl kirchöff sein, aber nit meer dann ein pfarr kirch.


Uom sterben.


So eins sterben wil, ist nit not, das ein pfaff zů eim kum, es wöll dann sunderlich rat oder trost by un sůchen, ist nit not, das es bychte, wie man jetz bychtet, es mag wol die offen schuld sagen, vnd soll die leüt so es erzürnet hat bitten vmb verzyhung.

Eim krancken soll ein pfaff oder diacon reichen das heylig sacrament deß lychnam christi, es söllen auch eim krancken zů louffen die nachburen vnd got für in bitten vnd in trösten vnd im vorläsen ewangelische gsatz.


Vom testament.


Ein jetlich mensch, das ein zeitlich narung hat, sol von der zyt an, do es verstendig wirt, vffrichten ein testament vnd ordnung siner hab, solich testament mag er andern, als offt er will, wo er aber also stirbt, so soll es sein wie ers am nästen gemacht hat.

On wissen vnd willen des vogts soll nüt testiert werden für gmeine ding, es sei schůl, kirch oder spital, do mit sie[114] nit zů rich werden, vnd vnglück dar vß entspring, wie me beschehen.


Von todten.


Wann jemandts gstorben ist, söllen die nächsten fründ vnd nachburen den todten zů dem kirchoff mit irem gebät füren, vnd am sontag in der wochen soll man die todten verkünden vnd ein gemein gbät für sy thůn, kein klag kleid für sy tragen vber .vij. tag by grosser bůß, man soll in nüt sunders nach thůn dann allmůsen vnd gebät. All fyrtag soll man vermanen in allen predigen das volck, das man gern stärb, vnd welcher nit williglich stirbt, sol man nit begraben zů andren christen.


Von sacrament empfahen.


Alle fyrtag soll der pfaff haben bereit consecrierte hostien vnd kelch, wer wöll mag das sacrament empfahen. Es ist nit not sundere beicht dem pfaffen do vor ze thůn. Keim offenlichen sünder, der in ergerlichem wäsen läbt, sol man das sacrament geben, allen andern soll man es geben vnd nit nach ir bycht fragen.

Welcher zů dem sacrament will gon, soll es thůn in gewisser hoffnung der barmhärtzigheit gots vber sein sünd, vnd das er wöll erlangen hilff gots zů eim christenlichen läben. Vnd dise schickung ist gnüg do zů. Man sol allein halten fünff sacrament, Den touff vnd den lyb vnd blůt christi, absolutz, gebät, fleissig betrachtung des wort gottes. Man soll allen verstendigen menschen das sacrament deß altars geben, es sy jung oder alt, vnd alein den verstendigen. Allen menschen soll man geben vnder beiden gestalten, vnd lege man ein rörlin yn den kelch, dar durch man das blůt christi trinck. Es soll ouch jederman frey sein, das er empfach das sacrament des altars, ob er wöll.

Die kind soll man touffen so bald sy geboren werden.


Ein gemeine ordnung von der alten münch zal.


So das geschmeiß vnd vngeseüfer der pfaffen, münch vnd nunnen, die on zal sind worden, füglich abgang, ist vnser verbot, man söll fürhin gar kein münch vnd nunnen[115] lassen werden in zehen iaren, do mit die zal abnem, ouch kein pfaffen hie zwischen, lůg jeglichs vmb ein stand. Nach zähen jaren soll man inen allen die prafant abkünden, vß genummen oben gemelte ordnung. Die alten oder krancken münch vnd nunnen soll man in gemälte erliche spital thůn biß an ir end, also auch den pfaffen. Mit disem gebot entwichen wir allen pfaffen vnd machen sy wider leyen, vßgenomen zwen in jetlicher pfarr.

Wo ettlich edle nunnen in klöstern sind, sol man sie zůsamen samlen al weg fünffzig in ein kloster, vnd söllen fry frawen stand halten biß sie absterben, oder man nemen. Also auch sol man die richen spital pfründ geben den edlen pfaffen.

Wir ordnen yn eim jetlichen bistům ein Collegium für mannlich person begobt mit gůter narung für der achtburger oder leüt kind, die arm oder kranck sind, man soll eim ein jar .xx vnd hundert guldin zů narung geben. Sie söllen fry sin on alle gsang vnd regel. Ein jetlicher habe sein besunder gemach vnd knecht, vnd einer auß in soll der hußvatter sein.

Ein solich Collegium ordnen wir auch für edle junckfrawen oder witwin, für achtburgern, einer soll man järlich geben hundert guldin, jetliche soll haben innerhalb der maur des Collegium ein sunder heüßlin, eine soll hußmůter sein vber die anderen, sie mögen man nämen.


Von den dorff Pfarren.


Kein dorff soll ein Pfarrer haben, es hab dann fünffhundert verstendig personen. So vil dörffer söllen in ein pfarr kirchen pfarren, biß sie machen ein zall fünffhundert verstendiger personen. So .iiij. oder .v. fläcken in ein pfarr gehören, sol doch jetlichs dörfflin ein capell haben, do inn man soll all fyrtag (so sie nit mögen in die pfarr kummen von wegen mercklicher hindernüß) inen vorläsen das .v. vj. vij. Capittel des ewangeli Matthei, vnd das also. Welche vß mercklicher hindernüß nit mögen in die pfarr gon, söllen in ir Capell zůsamen kummen vnd do[116] bätten am fyrtag am morgen, vnd dann sol der meßner vff ston vnd die obgemelten Capittel offentlich läsen, dann in dysen drien capitlen ist begriffen alle ewangelische gesatz. Auch soll jetlichs dörfflein ein Diacon haben an stat eines meßners, der sol auch den krancken das sacrament bringen, so man den pfaffen nit haben mag.

Jetlichs dörfflein soll für sich sälbs ein eigen kirchoff haben.

Man soll vermanen die schůlherren, das sy etwan am fyrtag gangen yn ein arm dörfflin vnd den pawren etwas gůts von got sagen.


Hie merck


Obgemälte ordnung beträffend die zal jar, dar inn wir lassen absterben die münch, begreifft nit die bättell örden, dan die selben wöllen wir vff disen tag ab thůn.


Vom gebät.


Wir verbieten by kopff abhowen, das man das volck kein ander gebät lere dann das heilig pater noster.

Man soll es auch nit meer dann den gemeinen glouben leren, so man gewonet hat zů bätten.

Auch soll in der kirchen weder symbolum Athanasij noch Nicenum gesungen werden, allein Apostolorum.

Alle psalterlin, kron gebät, rosenkräntz, hortulus anime, paradisus anime vnd solich bätbüchlin, alle pfaffen breuier soll man ab thůn vff disen tag.


Von helgen bilden.


Kein gegossen, geschnitzt, gehowen bild soll yn der kirchen sein. Alle bild söllen flach gemalt sein. Kein helgen bild sol sein yn der kirchen dann deren helgen, von denen meldung geschicht in biblischen bücheren.

Kein kostlich bild oder gemäld soll sein in der kirchen.


Von kirchen gezierd.


Man soll weit kirchen buwen vnd starck, alle sundere kostlichen soll von der kirchen ab sein.[117]

On den kelch vnd das rörlein im kelch vnd paten soll kein silber noch gold in der kirchen sein.

Kein edel gestein, kein mäß gewand, dann allein für zwen pfaffen, soll gmein tůch gebraucht werden zů mäß gewand, doch mag man die farw änderen.

Es ist nit zimlich, das man kostlich ding yn der kirchen christi bruche, do man leret solichs verachten.

Man soll in der kirchen nit läsen, singen, leren, dann das yn den Biblischen büchern geschriben ist.

Wir verbieten, das kein nunn noch andere frawen für hin offentlich singen vnd läsen yn der kirchen.


Uon Walferten.


Keiner soll zů den helgen gon mit dem bättel. Keiner soll auch on den bättel zů den helgen gon, er soll vor vrloub haben von seim pfarrer vnd vogt in geschrifft. Ist er rych, soll er vmb ein vrloub geben .x. gulden. Ist er arm soll er eim gemeinen fläcken .x. tag alein vmb die spyß arbeiten vmb ein vrloub.


Vom Römschen stůl.


Keiner soll me vß vnserem land gen Rom gon, weder vß nutz noch vß andacht, do mit nit vnser volck Endchristisch werde vnd erger dann Sodoma vnd Gomorra.

Keiner soll den Römischen byschoff für vnseren ordenlichen oberen halten noch nennen.

Alle byschoff vnsers landes füllen järlich zůsamen kummen ein mol vnd do von christlichem regiment tractieren, vnd der byschoff inn deß bistůmb die samlung ist, soll die erst stat haben. Solich samlung soll nit allwegen an einem ort sein, sunder vmb gon.


Von schůlen.


Kein Scolasticus doctor soll für hin geläsen werden dann allein zů verachtung.

Alle pfaffen gsatz oder decretal söllen offentlich verbrant werden.

Kein Philosophy soll gelesen werden, dann allein wie[118] Didimus fauentinus gelert hat in siner oration wider Thomam placentinum.

Latin, Grecum, Hebraicum soll in allen schůlen gelert werden, all tag soll man zwo letzgen haben in ewangelischem gesatz.


Ein beschluß.


Solich vnser satzung wöllen wir ernstlich gehalten werden by straff anfencklich gemäldet, do zů söllen ir eüch all schicken. Datum in vnserer stat Baldeck vff den .xxxv. tag vbelis. jm jar als Ostern vff den Montag gsiel.


O christen mensch das nun zů härtz,

Laß dirs nit sein ein faßnacht schärtz.

Dann soll der recht gloub wider kon,

So můß deß mißbrauchs vyl ab gon,

Vnd ouch die münch allsand vertriben,

Dann mag der gloub yn syr krafft bliben:


Zeit bringt rößlin.


*

Quelle:
Johann Eberlin von Günzburg: Sämtliche Schriften, 3 Bände, Band 1, Halle a. S. 1896–1902, S. 105-119.
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