Der .XIIII. bundtgnoß.

Herr erasmus vō Rotherodam im bůch Encomion Morias, zaigt an dē spötlichen dienst so wir jetz bewysen den hailigen.[153]


Ob mir. xiiij. bundtsgnossen schwär ist zů schriben nach miner verflicht ist kain wunder, dann so vyl hoch verstendiger meine gesellen vor mir iren steiß dar gethon haben, doch das ich wol mög beston, würd ich für wenden für meinen theil den loblichen spruch, so Erasmus von Roterodam schreibt in dem bůch Encomion Morias von thorlichen hailigen dienst. Nit das der hochberümpt lerer Erasmus widerig sy dem gots vnd hailgen dienst, den er auch fürderlich lobt. Aber im mißfalt so grosse abwiß, sine wort sind dyse, vnd nim sy alle für mißfallige ding an.

Deren ist ein grosse zal, die der gotsgebärerinn kertzlein vffstecken, auch vmb mittag, do man keins liechtes bedarff, aber wenig sind die sich fleissen ir nach volgen in keüschem läben, in demut, in liebe himmlischer ding, so doch solichs rechter dienst ist vnd den helgen am angenämsten.

Welche menschen ein gefallen haben zů sagen oder hören grosse erdichte wunderzaichen von helgen, sind vberauß thorecht, sie lassen sich nit benügen in sollichen fablen, die sy erdencken, von erschinen geysten, seelen, teüfflen von der hell, vnd derley tausent miracul, die man auch für so vyl gloubhafftiger halt, wie vyl sie vnmässiger erdacht sindt. Solich fabulisch miracul sind nit allein) kurtzwilig zů hören, sie bringen auch nutz den pfaffen vnd prediger.


Listrius.


In den worten verwürfft Erasmus nit ware mirackel, aber erdichte, vnd die zů aignem, nutz erdicht sind, do mit man meer gält auß truck von den wiberen, alten vnd bald gelöübigen, dann welcher dem helgen ewangelio wol gloubt, der achtet nit fast solicher erdichter mirackel, vnd wir sähen, welche solichen fablen fast glouben, die achten nit vyl der ewangelischen warheit. Erasmus wirt auch geachtet, er rede hie wider das nochgültig volck der questionierer, die der helgen[154] heltumb vmbfüren vnd on alle scham predigen sie grosse lugenhafftige mirackel dem volck, der sie darnach bim win selbs spotten.


Erasmus.


Es sind etlich, die sich selbs thörlich vberreden, wann einer ein mol im tag ansehe erdicht grossen christophorum gemalt oder sein hültzin bild, dem kum den selben tag kein schad zů handen. Oder welcher eim bild sant Barbara all tag etliche bätlin spräch, der werd gesund auß dem krieg wider kummen. Oder welcher sant Erasmum mit sonderen gebätlin, kertzlin, vff sundere tag vereret, der werd bald rich werden. Auch hat man einen haidnischen Herculem erfunden an sant Jörgen. Item ein Haydnischen Hypolitum, deß pfärd sy mit köstlichem gezierd vmbhencken vnd thůnd im grosse eer an in der kirchen, bringen im sundere opffer vnd ist ein künglicher schwur, so einer by sant sorgen isen hut schwert. Aber was soll ich sagen von denen, die in selbs schmaichlen mit erdichtem ablaß, vnd mässen auß die lenge des fägfewrs mit sand vren, vnd zelen ab jar, monat, tag, stund, caren, quadragen, als hetten sie es an einer tafel gezaichnet, haben auch kein zwyfel dar an, es sy recht ab gerechnet. Etlich haben ein groß gefallen ab den zauberischen gebätlin, von den leütbeschisser erdacht vmb kurtzwil oder vmb nutz, deren gebätlein etlich brauchen vmb rychtumb, etlich vmb eer, etlich vmb lust, etlich vmb narung, etlich vmb gesund tag, etlich vmb ein krefftig alter. Ettlich verhoffen durch solich gebätlin am hohen sitz by christo im himmel, do hin sy doch nit begeren bald zů kummen, sunder erst dann, so sie müd werden zytlicher lüst, wöllen sy dar vff annemen hymmlische fröid. Durch den ablaß vnderstat ein kouffman oder kriegsman oder ein richter, mit eim pfennig, den er in stock würfft, ablegen vff ein mol allen hauffen der sünd seins läbens, so vyl falsch schwür, vnkeüscheit, füllery, zanck vnd hader, mord, betrügnüß, mainaid, verrätery, eben als het er ein geding mit got durch den ablaß gemacht vnd also die schuld abgelegt gantz vnd gar, das er vff ein news[155] mag ansahen den vorigen raien, was ist aber thorechter, ia was ist säliger dann die inen selbs verheissen die höchst säligkeit, so sy all tag die. viij. verß vß dem psalter sprechen vnd dise verß hat ein tüfel offenbart, als sie sagen sant Bernhart. Solichen thorlichen dingen gelouben auch ordens leüt, nit allein einfeltige christen.

Ist nit das auch ein thorheit, das jetliches land hat ein sunderen helgen vnd jetlichem helgen geben sie zů sundere hilff vnd sundere eer, ainer soll hälffen im zan we, ettlich in kindes banden, ettlich so jemandt etwas verloren hat, ettliche im schyffbruch, ettliche söllen des vychs oder schoff hüten vnd der glichen anders, dann ich kan nit alle ding erzelen. Aber was bit man anders von den helgen dann thorecht ding? Syhe an alle zaichen, die man henckt an gewelb vnnd wende der kirchen, der bild oder zaichen zaigt kaines an, das einer der thorheit sy entladen worden, oder vmb ein har witziger sey worden dann vor. Aber sie zaigen an, das einer außgeschwummen sey auß gefärlichet deß wassers, etlichen hab ein stich nit geschat am leben. Ettliche sind entrunnen vß dem krieg, haben andere lassen fächten. Etliche hat man an galgen gehenckt, aber auß hilff eins heiligen ist der strick gebrochen vnd der dieb entrunnen, das er me mocht rouben. Ettliche haben auß dem thurn gebrochen. Etliche sind gesund worden vom fieber wider deß artzet willen. Etlich haben gyfft truncken vnd hat inen nit geschat, das doch iren frawen nit ist lieb gesin. Ettliche haben den wagen vmb geworffen, aber die pfärd sind gesund heim kummen. Etlich sind gefallen vnd hat yn neüt geschadt. Einer ist by eins anderen weib ergryffen worden vnd ist dem eeman entgangen. Aber keiner danckt den helgen, das er siner narrheit sey ab kummen, dann man nit begärt von inen wißheit. Also ein süß ding ist vmb thorheit, das wir ee manglen aller ding on der narrheit. Vnd solicher thorechter mirackel ist kein zal, doch lassen die pfaffen sy also bliben, dann es inen zů nutz dienet. Wolt aber ein wyser man vffston vnnd sagen die warheit, also sprechendt, dann würdst du wol sterben, wann du recht lebest. Du legst ab die sünd, wann du zů dem pfennig legst rew vnnd leid der[156] vergangnen sünd, auch träher, wachen, gebät, fasten, vnd so du din gantz leben besserst, dann ist dir ein heilig günstig, so du seim leben nach volgest, nit allein so du ablatz kouffst, oder dem helgen ein liechtlin oder ein bildlin opfferst. Solt ainer das vnd der glichen, das doch die warheit ist, predigen, so wurd ein grosser murmul wider in, deßhalb daß er die leüt wolt von der thorheit zů wißheit ziehen.

Zů den obgemelten thorheiten gehören auch die, welche by irem läben ordnen, wie man mit irem todten schelmen ein gebrach soll by dem grab haben, wie vyl kertzen, wie vyl schwartze klag kleider söllen tragen, wie vil singer, wie vil weiner oder klager, eben als ob die selen in jhener wält befunden, was solicher thorheit in nach geschicht, oder als ob sich die gaist müsten beschämen, wo in solich er nit vff erd nach geschäch.


Listrius.


So ein fürst stirbt, fürt man ein pfärd in die kirch mit schwartzem gezieret, vnd bindet dem pfärd den hals vnden an des roß füß, eben als ob das pfärd den kopff hencket nider vß clag vnd thrauren. O thorheit.


Ein zůsatz.


Obgemelte wort Erasmi vnd listrij söllen wir also annemen, nit das sy vnß abfüren wellen von der waren eerung gots vnd der helgen. Aber darumb, das wir sähen, wie mit närrischen sachen wir vmbgondt auch im gotzs vnnd hailigen dienst. So blind ist die wält das sie kain ding, wie vngeschickt es ist, ersůcht vnd vrtheilt, ob es schad oder nutz sy, gůt oder böß, solichs sähen dann gytzig pfaffen vnd münch vnd brauchen zů eignem nutz die menschliche thorheit. Ist es nit ein merckliche grobe trügery, das die leüt glouben, durch ablaß werde abgeleit so gewißlich die pein des fägfewrs, das man auch darff tag vnd iar setzen[157] in die ablaß bullen, vnd sie versiglen mit bischoff sigel, vnd offenlich vor gelert vnd vngelert in der kirchen läsen, möcht doch ein wyser gedencken, got ließ solich falsch münch vnd pfaffen nit wissen die warheit seiner heimlichen vrtheil. Das ist ein grosse blintheit, so man als thorliche zaichen an schribt by der helgen bild, die offt meer lachen bringen dann andacht, vnd meer dienet zů spot der helgen dann zů lob.

Die prediger sagen, got hab irem Thoma geoffenbaret, sein vßlegung der geschrifft sy unfälig vnd ein vngelerter pabst hab im zeücknüß dar zů geben, so doch kundtlich ist, das ij. hundert iar lang sein leer verworffen ist gesin, auch von sinen glichirrigen schul gesellen, vnd am tag ligt, das die ler Thome ein verfürung ist der christenheit, meer mit dem endtchrist vnd mit dem Aristotele ist, dann mit christo vnd mit den apostlen, vnd ouch in nieman mag on zwyfel für ein helgen halten.

Die barfuser machen schier so vil auß irem Francisco als auß christo, dar ab auch der heilig Franciscus groß mißfallen hat, vnd ich in für kein helgen hielt, wo er nit gantz vnd gar verworffen hette der bättel münch stand vnd wäsen, wie sy jetz mit vmbgond, vnd sünderlich das glyßnerisch betrüglich läben, das jetz sine barfusser obseruantzer halten, von dem sie selbs sagen, got vnd Franciscus mög es inen nit lang vertragen. Sich was sie von irem Francisco sagen, wer dem barfusser orden gutz günnet, der stirbt keins vnsäligen todts. Wer dem barfusser orden widerig ist, stirbt keins gůten todts, ist nit das thorheit, so auch alle helgen marterer arbeitsäliglich gestorben sind. Franciscus nimpt alle iar auß dem fägfewr alle, die auß sinen dry örden dar inn sind. Do Franciscus gestorben ist, hat er das fägfewr gantz vß gelert. Sein orden werde ston biß an iüngsten tag, vnd ist doch allen wisen kundtlich, das barfusser orden wider vernunfft vnd geschrifft strebet, vnd es sy dann das Franciscus hab alle frumme volkomne christen für sein brüder gehalten, deren alweg etlich sein werden biß an iüngsten tag, so mag solich prophecy meer ein fabel sin erdicht von den betrüglichen münchen dann von dem heiligen vatter, vnd noch meer, ob[158] schon Franciscus solichen verstand gehabt hette, ist doch es verdachtlich, das er wolt sich zelt haben vnder die. volkomnen christen, so man doch so grosse demu von im sagt. Item welcher nit gůten willen hab, mög nit verharren in sim orden, sin orden wärff yn auß, wie das mör die todten. Eben als ob nit hundert tausent bößwilliger, vnkeüscher, schamperer, hoffertiger, eer abschindender, rachsäliger vnd vilfaltig bübisch in seim orden sind, vnd do inn bliben yn eer vnd růw vor denen erber, frumm, gelert, geschickt nit möge bliben.

Item ob nit leüt weren, die barfusser orden erfatzten, wolt got sie lassen do zů erst geboren werden. Vnd der ding vyl sagen sy von irem Francisco, do by geschwigen sy gar deß lobs Christi vnd siner helgen ewangelischen lere, sagen meer von irer päbstischen, thorechten regel dann von sant pauls epistel. Gedenken weder gots noch seiner muter, dann als vil es dienet zů ires Franciscus lob, ja durch franciscum wöllen sy hoch vnd gehalten sin, vnd vnder deß heiligen eer suchen sie eer vnd nutz. Sie sagen selbs, wir haben nit grösser eer, dann so wir vnß arm stellen in klaideren vnd andechtig in geberden, man gibt vnß auch vyl meer, vnd was einer kostlichs oder hübsch hat sol er nit lassen sehen vor den leüten, Sie haben ein helgen genant Ludowicus, der wirt hüt ein barfusser vnd morn ein ertzbischoff, do mit im sein orden leichter were, vnd hat im recht gethon, dann villicht wer er im bättler stand verdorben. Von disem geben sy auß, er vermöge, das ein vnberhaffte fraw ein kind vberkumm (das verstond also. Wann ein iunger starcker barfusser vor hin dry tag nach einander der frawen allein ettliche gebätlin vorspräch, so es nieman säch oder höret etc.) vnnd so einer frawen möchte mißlingen zů der geburt, hälff ir der lieb heilig (so verr das sie das kind keim barfusser gebe, ob er schon ein wirdiger vatter ist.)

Sie haben ein helgen genant Anthonius, wer in anrüfft, der findt verloren löffel vnd mässer vnd schlüssel, ouch verloren nadlen vnd häfftlein. Mit sollicher narrheit[159] gond sy vmb vnder dem aintfeltigen volck, do mit neren sie sich mit grossem schaden christlichs wäsens vnd gemeines nutz.

Die prediger münch erdencken siben guldin mäß, die darumb guldin haissen, dann man můß in ein guldin do von zů läsen geben. Auch rosenkrantz vnd vnserfrawen mantel vnd dar zů vyl bruderschafften, wer do inn wil sin, můß ein krützer geben in zů schriben, vnd als offt man lißt den namen jarlich, můß man ein pfennig geben. Sie machen ein helgen auß irem Dominico vnd ich halt in darumb für hailig, dann er verflůcht alle prediger münch (dann zů gelouben ist, das er im geist erkant hab all ir boßheit, die sy getriben hand biß här. Als von der empfencknüß Marie vnd zů Bärn mit dem brůder etc.) dann sy biß vff dyse zyt von im verflůcht sind gewesen dann an seim letzsten end verflůcht er alle, die ligend gůt in sein orden brächten oder annemen, das stodt in siner legend.

Liß new getruckte bücher, die vß sind gangen von der barfusser statut, regel, historien, vnd auch von der prediger fabel in vilen irer selbs dichten, würdst du spötlich. lugenhafftig ding finden, vnd so einer vnder inen ist, dem solich vnchristglöübige ding mißfallen, můß er entrinnen oder aber langwerende marter lyden.

Der Carmeliten gemahelschafft vnd gefatterschafft mit Maria, ist inen ein schirm, ob sie schon weder in küscheit, noch armůt, noch demut, noch welt verachtung nach volgen Marie, sagen sy doch, Maria vnd sy sind geschwisterige kindt.

Die land beschisser genant stationierer, haben byschofflichen gewalt zů aller bübary.

Die Valentiner geben für sant Valentin, der im hornung geeret wirt, vnd ist erlogen, man such der historien nach, dann ir Valentin ist ein byschoff gewesen, wie sie sagen, vnd jhener nit, vnd schad ist das man inen ein haller gon Rufach gibt.

Sants Bernhart botschafft laßt die leüt am glouben, es sy sant Bernhart der groß lerer, den man nent den[160] honigflüssigen, do von Bernharder orden kumpt, vnd ist nit war.

Die heylig gaister vnd Anthonier, samlen an die spytal der armen, denen doch kaum ein strow zů thail wirt, do vff sy mit růw schlaffen in grossem hunger.

Solicher trügery ist die wält vol, vnd wirt kein vffhören do sein, biß das die pawren ein mol erhencken vnd ertrencken böß vnd gůt miteinander, so ist dar nach der trügery gelonet. Ich gloub, alle die fürderung thůnd den bättel örden vnd den questionierern zů unseren zyten, thůnd grösser sünd, dann ob man stälen vnd hůry fürderet, das wirt vßfündig, so vff baide syten war genummen wirt der verfürlich schad dar vß entspringendt.


M W V


Ich warn dich mit trüwen.

Quelle:
Johann Eberlin von Günzburg: Sämtliche Schriften, 3 Bände, Band 1, Halle a. S. 1896–1902, S. 151-161.
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