Wer auff gnad dienet / dem lonet man mit barmhertzigkeyt.

Nemo benemerito bouem immolauit, præter Pyrrhiam.

[137] Wereim andern dienet / der dencke nit dz man jm dancken werde. Der danck ist so seltzam bei denen so gůt that empfahen / dz die Heyden in jrem sprichwort nit mehr dann von eim wissen / der seinem gůtthäter danckbar gewesen / So war auch nit mehr dann ein aussetziger / der vnder zehen von Christo reyn gmacht / kame / vnd Christo danck sagt / Sonder es gehet also zů / daß die bitt hitzig seind / spricht Franciscue Petrarcha / aber die dācksagung kalt. Derhalben wer eim andern dienet / der denck nit daß man jm dancken werde / Dann der mensch hat den brauch / So iemand einn gen Rom trüge / vnnd jhn nur vnsanfft nider setzt / so wer es alles verschüttet. Man pflegt allen gůtthaten mit dem Teufel zudancken. Derhalb wer wol thůn wil / můß nit auff die wirdigkeyt vnd güte der menschen sehen (Dann wo weren wir bliben / wann Christus dahin gsehen hette) sonder bloß auff Got vnd der menschen not. Du můst dich lauter erbarmen / daß der mensch so ein arm verkert arbeytselig verruckt gemächt ist / vnnd bloß / vnangsehen sein not / vmb Gottes willen vnd gebot / jm gůts / liebe vnd trew beweisen / vnd / wie Gott / dein gůte nit gegen dem gůten / sonder allermeyst gegem bösen / üben vnn lassen walten / dann das ist der liebe gegenwurff / übung / vnd gesicht / Nemlich des geliebten not / armut /sünd / mangel / vnd Gottes willen vnd art / der auch die liebe selbs / biß an vns also bewisen / vnd die er noch täglich an vns erzeygt / dz er seinn feinden gůts thůt / sein gnad an vnsern sündē / sein güte an vnser boß heyt beweiset / vnd seine Sonne laßt scheinen vnd regnen beide über gůt vnd böß / Matt. 5. Seind wir nun seiner art / vnd rhümen vns Gottes / soll auch dise art in vns gespürt werden. Der wegen wil Paulus nit / dz die knecht auff jre herrn sehen / ob sie gůt oder böß seien / sonder auff jr ampt / auff Gottes willen / gebott / vnd die liebe / dz sie jn nit augen dienen / sonder von hertzen / als Got selbs / wissende /[137] daß wir von jm den lon werden entpfahen / Vnd wil nit /daß wir lonsüchtig sehen / wo vnser gůtt hat also angelegt werde / daß sie mit wůcher vergolten / wider kere / sonder leihen / vnd iederman gůts thůn / vnn nicht darfür hoffen. Man soll alles vmb Gottes willen thůn / Gott zu ehr vnd gefallen / on eynig falsch aug des eygen nutzes / der widergeltung / rhům / vnd nicht im werck sůchen vnd vor jm haben / dann Gottes willen vnd gebott / vnd des nächsten not. Also gehorcht auch ein frommer knecht eim argen harten herrn / der nit weniger dann des knechts liebe vnd trewen dienst erkennet im herren / vnd thůt jm von des wegen gůts. Summa / gůts soll man thůn / vnd nicht ansehen dann das höchste gůt / das also wil vnnd gebeut / auch selbs der art ist / dem wir als kinder gleich wie er /vollkommen werden sollen. Seyen wir mit eim schalcksaug auff den lon / die widergeltũg / ehr /eygen nutz / rům / forcht / oder was das ist / das nit Gott selbs ist / so haben wir vnsern danck vnd lon vor Gott schon hin. Es darff nit vil wort / Sol ein werck gůt sein / so můß es Gots werck in vns sein. Die liebe so sich selbs in nichten sůcht / sihet nit vff sich selbs /sonder auff die mängel / not / vnd armut des geliebten / dz es helff / wende / were / zůspringe / rathe / heyle /gebe / vnd sich niessen laß / nit dz sie empfahe / voll werde / neme. Darumb kan die liebe das reich / groß /hoch / voll / heilig / etc. nit liebē / vrsach: Sie hat kein vrsach / vnd kan nicht von sich geben / oder thůn /weil die jr nit bedörffen / noch jr werck vnd hülff begeren / Darũb nimpt sich Gott die lieb selbs / nur des nidern armen / dürfftigen / blinden etc. an / daß er sich den armen mittheylen / vnd sein liebe gegen den sündern üben mag / dahin kan die liebe mit jhrem werck vnnd gůtthat / vnnd nicht in das voll / hoch /etc. von den stehet geschriben: Die hungerigen hat er erfüllet mit güte / vnnd die reichen lehr hin gelassen.

Eben darumb thů den armen blinden vndanckbaren tropffen wol / daß du gůt / vnnd sie nicht besser seind / Vbe deine güte an des nächsten boßheyt / wetz dein liebe vnnd gnad an des nechsten sünd vnd vntugent. Dein reichthumb laß nit der höhe dienen / dann also pflegt die welt auff widergeltung vmb gwinn zuhandeln / vnnd sůcht sich hierinn selbs / sonder laß deinn überfluß des nächsten armůt dienen / on hoffnung eyniger widergeltung / so sihet mann daß du nach art der liebe / Gott dienest / vnd meynest nit dich selbs /Sorg nur vmb den danck vnd lohn nit / wart auch keins vonn menschen / sonder sihe auff Gott / der wirt nit darmit außbleiben / warte nur mit gedult / biß zur Ernd. So du also die augen in Gott häfftest / vnn bloß von seinet wegen gibst / angesehen die not der armen vndanckbaren tropffen / die nit so gescheid / oder so gůt seind / daß dir dancken / vnnd thů ihn gůts vmb[138] des grossen gůts willen / das dir Gott auff dise weise /weil du noch ferr vnnd feind warest / bewisen hat /vnd sich ja dein angenommen / nit da du es verdient vnd fromb warest / sonder ferr vnd fein. Die liebe flicket sich in aller not / vnnd sihet auff keinen nutz /dann sie kan nicht empfahen / sonder nur von sich geben / Das arme vnd lehr kan empfahen / da geuß dich auß / vnd erzeyge dein güte an der boßheyt /Dein gnad an deines nächsten sünde. / Dein liebe an des selbigen gebrechen vnnd armůt.

Der můtter liebe reget sich am aller meysten so jr kind kranck / im vnflat ligt / hungerig nach pappen weynet / da laufft sie vnd ist vor liebe vnmüssig. Es hat die liebe mehr sorg / müh / vnnd angst / vmb ein verloren schaaff in der wüste / dann vmb neun vnnd neuntzig gefundene im pferrich. Dise liebe so sich selbs nit sůcht / sonder dienet iederman / gůts thůt vmb des willen / der die liebe selbs ist / ist allein göttlich / die sihet nit eygennützig auff lon / gewinn /widergeltung / wirdigkeyt / güte / sonder sůcht wo sie diene / sich außgieß vnd anlege / Sie wil dienen / nit daß jr gedient / Gebē / nit daß jr geben werde / drumb sůcht vnd sihet sie allein vff das nider / arm nachgültig / todtkranck / etc. wie diß alles in Christo dem muster / nach der füll erscheinet / Luce 9. 12. 18. 21. Joan. 12. 13.

Aber die teufelisch eygennützig liebe diser welt /sůcht in allem sich selbs / henckt sich nur an das reich / hoch / wie kat ans rad / dz sie gůt that empfahe / vnd der höher theylhafftig werde. Sie thůt niemand icht vergebens / sonder sihet schalckhafftig allein auff den danck / lon / widergeltung / gibt so wenig als sie mag / vnn nit dann in der hoffnung sie werds mit gwinn wider empfahen. All jr gůtthat ist drauff gericht vnd angesehen / dz sies wöll doppel geniessen / vnd ist gerad das widerspil der vorigen lieb / Das ist aber nit die liebe Gots / sonder diser welt / vnn des Gots diser welt / 2. Cor. 4. vnd vor Gott ein rechter haß. Dann so ich niemand gebe / liebe / oder gůts thů / dann vmb lons willen / daß ichs doppel wider einneme / sonst sehe ichs nit an / so beger ich ie meinn nächsten mit meinen gaben zubescheissen / das sein mit eim falschen handel abzuleychen / vnd thů eben wie der angler der einn fisch bescheißt / stecket jm ein klein köder ann angel / damit er jn in sein reußlin ziehe /vmb leib vnd leben bringe. Also fahet man die meuß /das heyßt ein speck lin auff die fallen legen. Also lieben die hůrn jr aller liebsten / biß sies vmb hauß /hoff / ehr / vnd gefier bringen / das ist ein feine lieb /Lieb den teufel also / Heyßt nit das vil billicher / wie es dann im grund ist / ein tödtlicher haß / also wie ein Syren vnd Crocodil / mit lieb vnd freundt schafft / ja mit zähern eim nach dē lebē stellen.

Sihet die welt kein widergeltung / sie gibt nicht /Drūmb ist sie auch sampt jrem fürsten /[139] gaben / wercken / liebe / gebett / vnd allem was sie auch im schein gůts thůt / mit jhrer frombkeyt / vnd weißheyt /so wol gericht als von wegen jrer sünd. Darumb wann dir die welt etwas gibt / anlachet / oder etwas gůts thůt / so sihe auff / sie begert dich vmb das dein zuleychen / sie sehe dich sonst liebloß nit durch einn zaun an. Aber die rechte gemeynnützge liebe Gottes /so Gott selbs ist / kan nicht dann wie Gott / gůt sein /vnd lieb haben von hertzen / on eynig eygen gesůch /Sie liebt auch disen erstgemelten wůst der welt / flickt sich wie Christus mitten in jr verderben / vnn kan nicht dann on vnderscheyd der person iedermā wolthůn: Daß aber das reich / voll / gesundt / heylig / etc. jr nit teylhafftig wirt / ist nit der liebe schuld / sonder jr selbs / daß sie jhren dienst außschlagen / vnd gsund / jr artznei / reich / jr hülff / vol / jr gůtthat / heylig / jr frombkeyt / nit empfahen mögen. Die liebe kan nit zu bergfliessen / sie ist Gott selbst / vnnd kan nit übersich oder nebensich / dann sie hat niemand ob jr oder neben jr / Nur gen thal den berg ab fleußt Gott / die liebe / mit seiner gab vnd hab.

Weil nun die liebe Gots sich selbs nit sůchet / noch sůchen kan / sonder jr werck / lust vnn ůbūg / im geringen / armen / nidern / krancken / etc. hat / da sie sich auß giessen / vnd jhr gůtthat entladen kan / so sihe auff niemandts dancke / wirde / widergeltūg / lon / oder etwas des deinē / sonder thů iederman / wie Christus / gůts / auß lauter gnad vnd liebe / vmb Gottes willen / vnd sorg nur nit / der danck vnd lohn wirt nit außbleiben / wo nit bei den menschen / da ist er verspilt (dann wer dient auff gnad / dem lonet man mit barmhertzigkeyt) so sei doch gewiß bei Gott / der aller liebe lohn / vnnd aller gůtthat rechter widergelter ist.

Quelle:
Egenolff, Christian: Sprichwörter / Schöne / Weise Klugredenn. Darinnen Teutscher vnd anderer Spraach-en Höfflichkeit [...] In Etliche Tausent zusamen bracht, Frankfurt/Main 1552. [Nachdruck Berlin 1968], S. 137-140.
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