Das Bohnenlied

Wer gar was Dummes hört und sieht,

Spricht oft nicht viel gescheidter:

»Das geht noch übers Bohnenlied« –

Und denkt dabei nicht weiter.


Chor:


Doch Gründlichkeit und Liebe sieht

Sich um nach einem Bohnenlied.


Wer aber hat in aller Welt

Das Bohnenlied vernommen,

Das so verrücktes Zeug enthält,

Daß Hirsche niederkommen,


Chor:


Daß jeder Unsinn, welcher blüht,

Vernunft wird vor dem Bohnenlied?


Was man vom Bohnenlied sonst gar

Anrüchiges will wissen,

Das ist Verläumdung offenbar

Und nur als Witz gerissen –


[127] Chor:


Vielleicht vom Harung-al-Raschid

Schon aufgebracht als Bohnenlied.


Das Bohnenlied, ach wenn's bestand,

Ist wahrlich längst verschollen;

Doch Menschen ist es keine Schand,

Die's wieder haben wollen.


Chor:


Es ist kein großer Unterschied –

Da haben wir das Bohnenlied:


Die Schote plazt, die Pfote krazt

Und Lachen macht das Kitzeln,

Ihr Urtheil sich die Note schwazt,

Wenn Drachen Bohnen schnitzeln.


Chor:


Hört was im Mond bei Tag geschieht

Und schweigt und singt das Bohnenlied!


Die Sonne scheint, die Nonne greint,

Und Kleider machen Gecken,

Doch Klugheit ist der Wonne feind,

Wenn Schneider Bohnen stecken.


Chor:


Hört, was der Has' am Hunde flieht

Und schweigt und singt das Bohnenlied!


Die Rose thaut, die Hose blaut,

Und Narren macht das Toben,

Die Wittwe weint um's bloße Kraut,

Wenn Pfarrer Bohnen loben.


[128] Chor:


Hört, was den Ochsen kuhwärts zieht,

Und schweigt und singt das Bohnenlied!


Der Teufel hinkt, der Zweifel dünkt,

Und höher macht das Bauen,

Doch Niemand auf der Eifel trinkt,

Wenn Schwäher Bohnen kauen.


Chor:


Hört, was im Wanzenauge glüht,

Und schweigt und singt das Bohnenlied!


Das Hündlein bellt, das Stündlein schellt,

Und unschön macht das Schielen,

Doch manche Gans das Mündlein hält,

Wenn Menschen Bohnen spielen.


Chor:


Hört, was da träumt das Gras im Ried,

Und schweigt und singt das Bohnenlied!


Die Blume wächst, die Muhme hext,

Und trunken macht das Zechen,

Denn schlimm, so Du nach Rume schmeckst,

Wenn Unken Bohnen brechen,


Chor:


Hört, was da wurmt ein Schafsgemüth,

Und schweigt und singt ein Bohnenlied!


Der Eber grunzt, der Weber hunzt,

Und Schwindel macht das Walzen,

Denn groß ist die Gastgeberkunst,

Wenn Mündel Bohnen salzen.


[129] Chor:


Hört, was schon Habakuk mißrieth,

Und schweigt und singt das Bohnenlied!


Die Nase schneuzt, die Base geizt,

Und Meier macht in Linnen,

Doch weiß man, was im Glase beizt,

Wenn Eier Bohnen minnen.


Chor:


Hört, was verschmäht der Invalid,

Und schweigt und singt das Bohnenlied!


Der Jäger jagt, der Neger nagt,

Und Würgen macht der Knochen,

Doch nur ein Armenpfleger klagt,

Wenn Türken Bohnen kochen.


Chor:


Hört, was den Mann vom Weibe schied,

Und schweigt und singt das Bohnenlied!


Die Hyder sticht, das Mieder bricht,

Und saub'rer macht das Waschen,

Doch Manches wird verliederlicht,

Wenn Zaubrer Bohnen haschen.


Chor:


Hört, was verboten im Gebiet,

Und schweigt und singt das Bohnenlied!


Der Köter knurrt, der Schröter surrt,

Und Zappeln macht das Wählen,

Doch selten ein Verräther murrt,

Wenn Pappeln Bohnen quälen.


[130] Chor:


Hört, was vordem der Kutscher mied,

Und schweigt und singt das Bohnenlied!


Der Pfaffe rügt, der Laffe lügt,

Und weise macht das Tasten,

Vielleicht auch der Schlaraffe pflügt,

Wenn Greise Bohnen fasten.


Chor:


Hört, was der Klausner sich entzieht,

Und schweigt und singt das Bohnenlied!


Der Paster schwellt, der Knaster knellt,

Und Morgen macht ein Gestern,

Doch trostlos ist die Lasterwelt,

Wenn Gurken Bohnen lästern.


Chor:


Hört, was der Hahn kikerikieht,

Und schweigt und singt das Bohnenlied!


Das Böcklein stutzt, das Flecklein schmutzt,

Und klüger macht das Niesen,

Doch Redlichkeit ihr Röcklein putzt,

Wenn Krieger Bohnen schießen.


Chor:


Hört, was der Hauptmann spricht im Glied,

Und schweigt und singt das Bohnenlied!


Der Kragen starrt, der Wagen knarrt,

Und röther macht das Eisen,

Doch ist der Tod noch schragenhart,

Wenn Götter Bohnen speisen.
[131]

Chor:


Hört, was erfand ein Fahnenschmied,

Und schweigt und singt ein Bohnenlied!


Dies, Freunde, ist das Bohnenlied.

Wer's besser weiß zu singen,

Der trete vor, ich bin es müd',

Mehr Unsinn aufzubringen.


Chor:


Hört auf, beruhigt Euch damit:

Es geht nichts über's Bohnenlied![132]

Quelle:
Ludwig Eichrodt: Lyrischer Kehraus. Lahr 1869, S. 113-114,127-133.
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