Die Geschichte vom Tamerlan

[54] (Ein akademischer Unsinn.)


Es war gerad in Asien,

Wo der geboren ward,

Der da das Stift St. Blasien

Gar nicht gestiftet hat.


Im Gegentheil, er hätte

Es grausamlich zerstört,

Und jede faule Mette

Hätt' elend aufgehört.


Von dem ich heute spreche,

Das war der Tamerlan,

War eingehüllt in Bleche

Vom Zeh bis an den Zahn.


Sein Vater war Tscheptschaptschin,

Und Graf der Mongolei,

Sein' Mater war Tartarin,

Sein Kater hieß Gei Gei.


Als er geboren wurde,

Da ward der Himmel roth,

Drum sprach ein alter Kurde:

Der schlenkert Alles todt.


So ist es auch gewesen,

Ein Kerl, wie eine Schlacht,

Und manches schöne Wesen

Hat er in's Unglück 'bracht.
[55]

Das war in seiner Jugend,

Doch als er älter war,

Bekam er die Untugend

Der Trunksucht schauderbar.


Dann that in seinem Rausche

Umbringen er die Welt,

Er hat die Köpf' im Bausche

Und Bogen nur gezählt.


In Isp'han bei den Mädel

Macht er elend Furor;

Aus drei Millionen Schädel

Richt' er ein Saul empor.


Das Morden macht ihn schläfrig,

Den Sultan Bajazet

Stellt er in einem Käfig

Zum Spasse vor sein Bett.


Am End, wie sich's gehöret,

Hat er sich umgebracht;

Weil Niemand mir es wehret,

Hab' ich dieß Lied gemacht.


Quelle:
Ludwig Eichrodt: Lyrischer Kehraus. Lahr 1869, S. 54-56.
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