Der Parkteich

[32] Ein stiller Teich träumt im verlassnen Park,

Von sonnendunklem Laub dicht überschattet.

Nur manchmal, wenn der Wind heftiger rauscht,

Huscht ein verlorner Lichtstrahl übers Wasser,

Und zittert ein erschrockenes Wellchen auf

Und hastet ängstlich in das Uferkraut.


Einsamer Weg führt um den stillen Teich,

Gleich ihm von hängenden Zweigen überdämmert.

Halbausgelöschte Spuren sind im Weg

Vom Regen halb verwaschen und vom Wind

Sacht überstäubt. Von wem erzählen sie?


Mir ist, als müßte diese große Stille

Ein Mädchenlachen plötzlich unterbrechen,

Aus ihrem grünen Traum aufstören. Wenn der Wind

Das Laub ein wenig hebt, und in dem Spiegel

Des dunklen Teichs ein Licht aufblitzt, gedenk ich

Eines tieflieben, jungen Augenpaares,

Das ich aus einem stillen Mädchentraum

Manchmal aufleuchten sehe, und ich meine,

Es hätte hier wohl einmal vor dem Bild

Parkstillen Friedens lieblich sich erhellt.


Ein sanftes Wellchen hebt sich an das Ufer.

Will es den Platz mir zeigen, wo sie stand?

Wo sie gesessen? Leise rauscht das Laub.

Es ist ein Flüstern. Ach, was flüsterts doch?[32]

Nichts. Nur ein Laub im Wind. Doch in mir wacht

Ein Holdes auf und sucht nach Worten, findet

Nur einen lieben Namen, und der schwebt,

Leise dem Wind vertraut, über den Teich.


Bewahr den Namen, märchentiefe Stille,

Bewahre ihn, daß er, ein süßer Laut

Der lieblichen Natur, hier Heimat hat.

Und kehrt sie wieder, wandelt einmal noch

Durch diesen Frieden, der nun doppelt heilig,

Mag sie, wie ich heut, lauschend stehn und fragen:

Was flüstert doch das Laub? Und mag erröten

Und lächeln, meint sie, übern Teich her ruft

Ein andrer sie mit Namen.


Leise rauscht

Das sommerdunkle Laub rings um den Teich.

Ein Sonnenlächeln zittert auf dem Spiegel.

Und horch! Ein Mädchenlachen? Nein, Herz, nein.

Traumstille Einsamkeit nur atmete

Einmal aus ihrem Frieden selig auf.


Quelle:
Gustav Falke: Ausgewählte Gedichte. Hamburg 1908, S. 32-33.
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