Das Zehend Capitel.
Mit was gelegenheit dem Gurgellantua, der Nam war gegeben: Und wie er mit Treubelmüselen unnd Börenmůffelen zubracht sein leben.

[151] Der gute Mann Großgisier, als er unter dem ernstlichen Glaßraumen unnd possenreissen, das schrecklich Geschrey vernam, welchs sein Sohn, als bald er an das Liecht der Welt kam außliesse, da er so daub unnd tobend zusaupen, zusaupen rüffet. Sprach er gleich, Wie hast so gar ein groß, supple, das ist zuverstehn, Gorgelstrosen. Darauff schloß gleich der gantz umbstand unnd umbsitz einhellig, daß dieser durstig[151] Schreiling darumb müßt den Nam Gorgellantua oder Gurgelstrozza tragen, weil diß das erst wort seines Vaters zu seiner Geburt gewesen, gleich wie dem König Xutho sein erster Sohn alsbald vom Gohn mußt Jon heissen, weil der Oraculisch geist, den er umb Erben fragt, durch oraculi ihn gehn hieß, hui annen: daher darnach das gantz Land Jonien genannt worden. Dann also auff die weiß haben die alten Hebreer ihren Kindern Namen angeeigenet, und dieselbige nach gestalt der sach auff ihre Sprach gegeben. Derhalben hielt Großkälier diesen des Weinverzuckten Völcklins gemeinen raht für ein gut zeichen, das ließ ihr auch die Mutter nit mißfallen. Dann die Müter haben das Recht den Kindern Namen zugeben, unnd mißfallt unsern Gnaden auch nicht, daß man von eim sonderen unversehenem fall eim Kind den Namen auffsetze.

Unangesehen was Jörg Witzel hie von witzelet, welcher meynt man soll die Kinder all Latinisch auff ein us und sus nennen, gleich wie man sie Latin tauffet: Ja auff Welsch Ceco und Beco, Malatesta, Malespina, Malestroit, Sansvin. Hei warumb nicht auff Türckisch und Sclavisch Baiazet, Zisca und Rockenzan, sie sind je auch frembd. Aber er meint Henckel, Hubelt, Del, Gele, Metz, Leis, lauten schrecklich inn seinen Sirenischen Oren, und machen einen bei den Leuten nicht angenem. Wie dann? thut es ihm so wol inn seinen Priscianischen Witzoren, wann man die Susnamen so schön vergorgelet, verjörgelet, verjoeelet unnd verhundstutzet, Hen, Trebes, Debes, Kres, Gruner, Sar, Sechel, Craz, Nys, Gilg, Ciliox, Fester, Bestel, Lentz, Bläß, Veitz, Lips, Brosi, Tönge, Bentz, Jost, Luz, Trin, Zilg, Plön, Gret, Kön, Len, Seicken, Nes, Dörle, Zoff etc. Sollen dise gemarterte wörter einen angenem machen, da sie doch keiner versteht: ja wann ein jeder Odenwälder einen Witzel bei sich hett, ders ihm außwitzeliger weiß außführlich außleget.

Solt ein Kabißbauer in seim Kabiskopff nit besser verstehn, wann ich ihne nennt Wolffharte, Hildebrand, Sigfrid, Friderich, Gottfrid, Winrich, Hartman, Gebart, Burckhart, Richart, Bernhart, Vischart, Volckart, Reinrat, Kunrad, Reinhold, Richwin, Winhold, Bruder Birhold, Waltherr, Landbrecht, Lautbrecht, Volckmeier, Eberhart und Degenhart.[152]

Was? solt ich bei Mannlidien Leuten nicht angenemer werden, wann ich ein solchen Knebelbartfressigen Namen hette, der von gethön unnd hall den Leuten außzusprechen ein lust gibt, als Eisenbart, Kerle, Hörebrand, Hartdegen, Schartdegen, Degenwerd, Wildhelm, Helmschrot, Voland, Grimmwald, Grimmhild, Kibhelm, Künhelm, Fastkün, Eisenarm, Hörwart, Marckwart, Girfalck, Sattelbog, Starkwin, Schlag inn hauffen, Rauchschnabel, Wolffskäl, Fuchsmagen, Pickhart, Raumland, Hagelwild, Hartmut, Manswerd, Manwurg, Muckensturm, Manrich, Hochschritt, Werruch, Wischgul, Hörschirm, Hardknot, Wolsporn, Wolfhekn, Stich den Teuffel, Trag den Knaben, Brech den Busch, etc.

Sind dann Stillfridsame und sittsame Leut, so kan ich ihnen das Muß audi süß einstreichen, kan mich auff Philosophisch Richfrid, Gottfrid, Fridger, Sigstab, Lantfrid, Schirmfrid nennen: Welchen wolt es nicht gefallen, wann einer heißt Gottliebe, Gottshunger, Gottwach, Gottwald, Jesuwalt, Trostwehr, Wollob, Goldacker, Vollrhat, Christman, Gothart, Gebrich, etc. Oder wann eine heißt Rosenmund, wie unsers Gargantoa Mutter Honiggurgelin, und Schmandkälchen: oder Gottshulda, Trugarta, Wisarta, Liebwarta, Fridburgin, Adelinda, Adeltrud, Adelgunt, Machthilda, Gerntrud, Ehrentrut, Engeltrut, etc. die Namen solten eim die Weiber schier einschwetzen: wie können sie dann so grell inn Oren unnd unangenem sein? Der gut Herr acht seinen Griechischen Baurennamen hoch, und veracht seinen Teutschen ererbten Namen, der je nicht Latin ist: er wöll dann das Kälblin Vitellus werden. Verschmecht also seine Vorfahren, die denselbigen Namen besonder allein gebraucht haben: dann unsere vornamen sind nicht eher auffkommen, als da wir Christen worden, on daß die Wolgeborene ihren sitz unnd Herrschafft gemeynlich, doch nicht allzeit, darzu setzten. Sonst waren unsere jetzige zunamen zugleich der alten vor und nachnamen. Darumb lauts den Mallen und Bottenflemming, und den plumpen Holländern so widersinnisch, daß einer soll Diebold Angelgert oder Lentz Ochsenfuß heissen, meynen ein Hochteutscher hab drumb zwen Vätter, aber Wilhelm Wilhelms Son, Erich Erichsson ist ihrs Verstands.[153]

Jedoch den Nam Witzel belangend, ist ihm vielleicht der Nam auch zu klein, das verschmecht ihn villeicht, wie die Hetzhundischen Kleinwitz: Garwisus und Trostwitz, das weren Namen. Was darf man sich nach den Juden nennen, die sich doch nit nach uns nennen, sie werden dann im Tauff degradirt von ihren Namen.

Unser sprach ist auch ein sprach, unnd kan so wol ein Sack nennen, als die Latiner saccus. Ich glaube, man meint unsere Vorfahren haben stäts geschlaffen, und nit eben mit so grossem bedacht gewußt ihren lieben Kindern Namen zugeben, als die Griechen und Latiner. Wir haben jetz das frey Regiment, was dörffen wir uns nach den Sclavischen Römern nennen, die Herren nach den Knechten? Welche Rümling doch, da sie das Keysertumb einhatten, so trotzig gewesen, daß sie uns zur schmach ihre Knecht Getas unnd Dacos genannt haben. Wie solt es sich reimen, wann die Griechen ihre Kinder Xerxes und Mardonios, die Römer die ihren Perses und Stichos, die Sirier Dama, die Frigier Midas genant hetten, die Siger nach den Überwundenen?

Und war des Pomposians Knecht darumb köstlicher und grösser, weil er Hannibal heißt, und der Hund, wie du? Solt ein kurtzer Zacheischer Feigenbaumsteiger darumb lenger sein, wann er Langbrecht heisset. O viel lieber kurtz Arm dann lang Arm. Solten die Trogloditen darumb kein rechte Namen haben, weil sie ihre Kinder nach den Küen, Schafen unnd Geissen, die sie saugen, nennen? oder die alten Nortmannen und Gothen in Nordwegen die sich nach den Fischen benanten? oder die in Riobella plata Land, die nach den Papageien und Vögeln Wassu heissen? So müßt Keiser Cyrus nit dem Hund Kyrr, den er gesogen, nachheissen (der ihm gleichwol hindersich lesend ein Rieh verkündet het) die Keyserin Semiramis nach den Tauben, die sie ernehrt: des Herculis Sohn Telephus oder Eilenfuß von dem Räch: noch der Held Ursus dem Bären, und Ritter Leo dem Löwen nach. So müßten sich auch die Römer nit von den Bonen, Linsen, Lattich und Zisererbsen, noch dem Sarcerischen Geistlichen Kräuterbuch, oder des Lewini Lemnii Biblischen gleichnussen von Erdgewächssen nennen.

Unnd daß wir widerumb auff unsere Teutsche kommen,[154] wann ihre Namen so unchristlich lauteten, wie Witzel meint, warumb sieht man inn allen Bischoffs Catalogen und Abt Registern, daß die ersten auß ihnen Teutsche Namen haben: sollen sie drumb im Glauben Barbarisch sein gewesen, weil etlich heissen Erbargast zu Straßburg, Mallo zu Pariß, Hartin zu Speir, Berwolff oder Wehrwolff zu Augspurg, Pflegbarwis zu Saltzburg, Ehrenbrecht zu Frisingen, S. Burghart zu Wirtzburg, Richhulff zu Mentz, Magnerich und S. Lutwin zu Trier, S. Ewerwiß zu Trecht, Willigbrot zu Utrecht, S. Künbrecht zu Cöllen, S. Meinrat zun Einsideln, S. Otmeyer zu S. Gallen, Geitzo zu Basel. Sind solche Namen an den Christgetaufften darumb noch Heydnisch, weil sie von Heyden herkommen? Sind nicht die heutige Latinische Tauffnamen von Heyden? Solt Judas Jacobs Sohn, unnd Judas Machabe darumb des ärger sein, dieweil der Verräter Judas also heißt?

Wolt darumb der König inn Franckreich all Eseltreiber hencken, weil sie den Eseln Herri ruffen, unnd die Teutsche Seuhirten all ertrencken, weil sie die Seu Heyntzlin heissen, und die Gärtner dem Teuffel schencken, weil sie das Kraut Guten Heynrich nennen, und seine Artzet alle versencken, weil sie dem grossen Arsdarrn Lang Heri sagen? Ey das müßt eim doch gar ein heissen Scheiß einjagen.

Wolt ich darumb nicht wöllen Herman oder German heissen, weil man dem Bock, Hermanstoß nicht, sagt? (welchs doch ein Antiquitet von den Hörkriegischen stossenden Teutschen, und Noachs oder Bachi Bock ist) Oder weil man die Gäuch, Herman gut Schaf, nennt? Deßgleichen wolt ein Jud darumb nit Moses heissen, weil wir die Böck also heissen? Wolt einer drumb nicht mehr der alt Peter und Paule sein, weil die Wettermacherischen Glocken zu Cölin also getaufft seind? Wolt ein Königin drumb nicht Isabella heissen, von wegen einer Jesabel? und eine nicht Elisabet, der Wolffdietherischen Rauch Elsen halben?

Wolst darumb nicht Kuntz heissen, weil man inn Sachssen den Schweinen also locket, unnd die Gauckler Kuntz hinderm Ofen ruffen, unnd bei den Frantzosen unfletig ein beschorene Mauß Conras heisset? Wolt ich darumb nicht Hans inn allen Gassen sein, weil man im Niderland die Graßmuckenkönig[155] Jan schilt? Noch Siman, weil man meinen Simischen schafnäsigen Delphinen unnd den Mörschwein Näsigen Schafen, und den Weiberbeherschten Gaucheyerbrütlern also raffet? Noch Stöffel, weil alle Seulgötzen, unnd die Heustöffel, unnd das Lied O Stöffel lieber Göffel Löffel also klingt? Noch Nicht Claus von wegen des Papiren fensters? Noch Vilhelmus des Strosacks halben. Noch nicht casius von wegen des Kütrecks? Noch Mangold, daß er besorgt er werd arm? Noch Barthel von wegen des Trockenen Bartscherers Meister Barthels? Noch Märtin, weil der Gauckeler seinem Affen Meister Märtin, unnd die Müller ihren Eselen unnd die Churwalen den Bären also ruffen? Noch Jungfrau Län, von wegen einer faulen Länen? Noch Marckhulff von wegen des Salomonischen Marcolphi (welcher Nam demselben Marcolffdichter auch Grell in den Ohren gethan) Noch Margret von wegen Murrgret: Noch Morolff vonwegen Bruder Morolffs des Holtzvogels, aber von wegen des guten Weins: Gleich wie etwann die Römisch Manlier wolten keinen Marx unter ihnen wissen, weil ein Marx ihr Geschlecht schelmisch hat beschissen, und die Claudier keinen Luci oder Lauxen.

Was? es sind nit all Latiner die Gabeluszinkus können. Solt Kasrom darumb ein Römer sein, weil man ihm Kasramus schreibt, So müßt Lentulus ein Baier sein, weil er Liendel laut.

Man soll nach dem geburtsfall und zufälligen geschienten die Kinder nennen, wie hie unser Gurgelzipfflin auff Spanisch und Nabalisch Gargantomänlin: Was schad es, wann sie schon Nasichi heyssen, oder Nasonen, Capitonen, Lefftzen, Flachohren, Lappi, Kalbe, Plauti, Zäntati, Memmule, Lecke, kreummaul Cote, diebisch Masse, fressig lamie, Lefftzenwartzige Verrucosi, Badstüblin auff der Nasen, schöns haar Cesar, ja Cesar von des Frantz Rousset partu Cesareo oder Nachgeburtscherung: Cincinnat, Asine, Säuhuren, Scrofe, Gurgellantische Gurges, Maultaschin, Guldenmund, Antigonisch Großknie, Diotinisch trechter, Xenarchisch Metretes, schind den Buben, Mange diable, friß dahinden, etc. Oder von den Landen Alloprochisch, Cautzisch, Turagaramantisch, etc.

Das ist der alt brauch, und der allererst, wie Gorop beweiset,[156] daß auch Adam und Eva Niderländische namen Hatdamm und Ehevat haben gehabt, wie sehr es auch den jungen Leytertrager Joseph inn seim Castigierten Festo verdreußt: was soll dann dise Latinische Tirannei mit us und Esels ja?

Schöne Namen reitzen auch zu schönen thaten, darumb muß es Gurgelstrossisch auff den glückfall außerlesen sein, nicht daß alle Schlesier Furmans claus, Lubecker Till, Nörnberger Sebald, Augspurger Urli, die Weber Galle, die Kůh Barthel, Holländer Florentz, Schotten Andres, Spanier Ferrnant, Portugaler Jacob, Engellender Richart und Edwart, Behmen Wentzel, Polen Stengel, Ungern Stephan, Pommern Ott, Preussen Allbrecht, Lotringer Claudy, Flemming Baldwin, Francken Kilian, Westfalen Gisbart, Märcker Jochen, oder Ochen, oder Chim (dann nach dem einer reich ist, gibt man ihm silben zu) etc. heissen. Sonder eim jeden ein sondern Helm auffgesetzt, so kent man die Mummer undereinander.

Also habt ihr den fall, dardurch dem Gurgullantula sein Nam entstanden, vernommen, auch sein durstig anligen verstanden, welches er der Göttin Potina klaget, Darumb opffert ihm wacker und tapffer Gläser voll Wein, steckets ihm aber nit wie dem Priapo an das Latzstümpfflein und stoßdegen, sonder hanckt ihm die Gutteruff umb den halß, wie der Zanbrecherischen S. Apolonien die Zän, und das Angsterlied, von Legelnoten, So trincken wir alle etc. die Sackpfeiflein, KrausenKelchlin, und Würffelfugen aneinander hencket. Badet das arm Kindlin auf Spartanisch im Wein ab, nicht wie die Teutschen auff eim tieffen Schilt im kalten Rein, Wein, Wein, das kan ein Bad sein: und es zustillen, bitt ich euch gebt ihm auß dem Zihdenrimen zutrincken, darnach trags zur Tauff, wie ihr könt.

Aber diß geht euch Gevattern an: secht daß ihrs hoch genug auffhebt, daß es auch hoch wachß, ziehet Händschuch an, daß es kein Copronymischer Tauffscheisser werd. Hebts ihr lieben Paten, wie die frommen Cheiben die Eydgnossen ihren lieben Pfetterman König Heinrich, welcher wol hat ein grosser Haine müssen werden, und neben der Plusultischen Sonnen, sein der Mon der Erden, weil ein gantz Land an ihm gehebt hat, ja ein Land von grossen hohen Bergen, unnd[157] langen schmalen Leuten. Aber botz Chüwunden, es kost diß Göttelkindlein manchen feinen Abbezeller chnaben, unnd manch weydlichen Pfettern: so gehts wann Bauren der Edelleut gevattern wollen sein. Es kartet sich selsam, der ein hebt ihn auß dem Tauff, der ander zu danck ins Grab. Ich muß erzehlen wie Plutarchisch er geseuget sey worden: zu demselben warden geordnet tausent sibenzehen, treizehen Küh auß dem Kühland unnd freyen Bergen unnd Ungerischen Weyden, dieselbige seugeten es fein ordenlich nach der Tabulatur ein Tag umb den andern. Dann es war unmöglich genug vermögliche Säugammen für ihn außzutreten: inn betrachtung der grossen quantitet Milch, so zu seiner narung auffgieng. Was auch etliche vom Helden Olgier schreiben, er hab seiner corpulentitet halben vier Milchflaschen gebraucht, das ist zwo Säugammen, also das man ihm, wann er die ein außgelährt, flugs ein par andere dargeworffen hat: ist Kinderwerck. Doch wöllen etliche Scotisten Doctor er hab sein leibliche Muter gesutzelet, unnd auß ihren Brüsten viertzehen hundert zwen Reingäuisch Viertheyl unnd neun Maß für jedes mal außzepffen können. Aber es scheint der warheit nicht änlich, und ist auch solche meynung als Übermamalelelich scandelos, Äffensiff unnd ärgerlich den frommen andächtigen unschuldigen Ohren, und für anstössig und stolperig den reinen heuschen Hertzen und unreinen füssen, und als von alter Hereseu stinckend declariert worden. Dann es lassen auch meine Juristen nicht zu, daß ein Edel Weib ein Kind seug. Doct. in l. alimenta. C. De neg: gest.

Nun in solchem seugenden stand ist er gestanden biß auff ein Jar unnd zehen Monat: nicht lenger hat er den Brüstlichen safft, ziehender und lullender weiß ersogen: dann die Artzet rhieten nach verscheinung der zeit, daß man alsbald das Kind anfangen solt zu tragen, zuhotzelen, zublotzelen, zuketschen und zusetzen, dann das macht wol däuen. Auch damit es bald gehen lernet, macht man ihm durch künstliche Invention des M. Johan Demalts auß Westerich (der etwann auch die Kuchin auff die Kotschen, unnd die Windspferdsmül, auß des Herons Zygiis sampt dem Nebelschiff angeben hatte) ein Kolwagenkärchlin, daran vier Ochssen hetten mögen ziehen. Inn demselbigen führt man den jungen Printzen[158] und Infant von Nullubiquingen, und Delphin auff Nienenburg, ab, auff unnd nider, hin und wider. Und war nicht unholdselig zu sehen, ohn wann er mit dem Wagen besteckt, da schri er ketzerjammer unnd wol so sehr als die Nörlingischen Fuhrleut Elementisch fluchen, und wann es nicht gehn wolt, macht er flugs ein solch Wasser, das ein Mül getriben hett, geschweig das Kindskärchlin. Von ihm haben es darnach die Bömische Pascaler, wie Bonfin schreibet, gelehrnet, da sie das Wibende wabende Wasser (wie sie das Mör nanten) inn Fläschlin heim getragen, unnd wann die Wägen nicht gehn wollen, darunder geschütt haben, auff daß es die Kärch wie die grosen Schiff fortstieß: Ja hetten sie den Arslochigen Aeolischen stinckenden Sack auffknipfft, unnd Windmäsig drein geblasen, oder fürtzlicher weiß gehustet, da wers gangen, wie ein alt Weib am stecken.

Nun, unser Hänlin ließ sich wol an, hat schon viel Eyer verderbt, het schon schier zehen Kin, und schrey nicht als nur ein wenig, aber beschiß sich schir alle stund, so gar treckfegmatisch von Lederem gesäß war er, zum theyl auß natürlicher Complexion, zum theyl auß zufälliger disposition, die inn ihm das zu viel einnemmen der geschölten Reben Pillulen und des Herbstrames verursachet. Dann wie er kein tropffen on ursach einsurfelet: also spei er keinen on ursach. On ursach aber tranck er nit. Dann wann es sich begab, das er zornig, rasend, hirnprünstig, treckauffstösig: Unsinnig: grimmig: schreiend: weinend: wütend: und Teuffelisch ward: daß er anfieng vor rachgiriger boßheit zu Veitsdäntzelen: zuhupffelen: schupffelen: zabelen: strabelen: zitteren: witteren: Zänknarspelen: Toben: dauben: Strampelen: arschritschelen, kreuschen und fallendsüchtig werden: Da must was hand und fuß hat lauffen, unnd ihm pringen zu sauffen, das war die Losung, also kont man die gut art ein weil stillen, biß daß er wider Atham holet, da gieng das Lied auff ein neues an, da mußt man ihm etwann zum drittenmal auß dem zwölffmäsigen Säugammenkennlin zuschlucken geben und dahinden wol auff heben: dann die guten Kindlin haben grossen durst, die milch ist gesaltzen, das macht das graß so die Müter assen, war nit ungesaltzen: so haben sie groß Hitz vom Zanwee, ehe sie außzanen, so muß man dann den kalck mit Wein[159] leschen, das madit die Pillerlein steiff. Darumb verfaulen den Teutschen Todtenköpffen die Zän am letzten, von wegen des Weins weihe: wers nicht glaubt, versuchs.

Es hat mir seiner Warterin eine gesagt, die ihm den zipffel offt im maul gehabt, unnd auff mein tru geschworen, das Gargelzimplin hab so gar dise weiß an ihm gehabt, daß er nur vom gethön unnd klang der flaschen und kannen in ein solche abgründige, tiflose, sinnlose verzudcung sey gefallen, als ob er wie Machomet unnd die Propheten von Mönster die Paradißfreud empfünd: Het es allerdings reden können, es het euch auff Delphisch Reimenweiß die warheit gesagt. Derhalben als sie solche Heylige Complexion und art an ihm vermerckt, haben sie täglich an statt der Kindschlätterlin, unnd Malzenplättelin solch Cibelisch kübelklopffen, Faßfingerlen, gläserklingelen, unnd flaschendäntzelen vor gehabt: auch so bald er auffstund, und noch Leilachgieng und Federstibig gewesen, musten sie an allen echen mit den ketten und Schrauben an den Flaschen rasselen, unnd mit dem deckel auff der Kandel klöpffelen, daß er den Kopff umbwarff, wie ein Tauber vor dem Schlag, und vor Freuden gleich erhupffte, erlupffte, erschupffte: ermunderte: erschulterte: erschüttelte: unnd wagete: wigete sich selber: didelinend mit dem Ditelkopf, monochordisend und instrumentisend, und quenckelingend mit den fingern, und baritonirend, Lullepipend und grubenklimmend mit dem hindern. Und ist solchs heut eben so wenig fremd, als das ein Welt under uns sey, welche die Füß gegen uns kehrn. Dann Bellonius schreibet in Creta lassen sich die weinenden Kinder nit stillen, man zeig ihnen dann Bogen unnd Köcher, und geb ihnen ein Pfeil inn die Hand: gleich wie man keiner Schwäbin Kind bald schweigt, man zeyg ihm dann ein Löffel, oder ein Küchlein.

Quelle:
Johann Fischart: Geschichtklitterung (Gargantua). Düsseldorf 1963, S. 151-160.
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