Das Eilfft Capitel.
Von des Gargantua lustiger Kleidung, und deren bescheidung.

[160] Als nun das jung Hosenscheisserlin inn das alter kommen, daß er seinen treckgespickten, geherteten, Pruntzgebeitzten, ärmelerleuchteten, katgebordeten, Mistpretextirten, mit Baurenpurpur umporphirirten und Carmesinirten Levitenbeltz, unnd Türckentalar solte außziehen: und in ein Latzgehorntes vernestelt geses, für die weiß Purentogam der Römer schlifen, pflegt sein Vatter grosses bedenckens darüber, dann er wust die Kante verßlin. Im faulen veste, nimand tractatur honestè, kleidung ist der Mann, wer sie hat zulegen an. Wiewol inn vestimentis nicht ist Sapientia mentis: So mäsigt er es, so viel ihm möglich, Kleidet ihn nach seinem stand, und fürnemlich inn seine Farb, welche weiß und plau war, fein auff den neuen schlag.

Und auß den alten Pontarchen und schrifftlichen Gedenckwürdigkeiten, welche inn der Rentkammer zu Ingelheim unnd Montsoreal vorhanden gewesen, hab ich folgends von seiner Kleidung verstanden.

Erstlich worden zu seinem Hembd aufgenommen bei den Brabäntischen Näderin fünffthalb hundert Ballen Ochssen Pruckisch Leinwates: und so viel auch krespelinen zu Castelleralt bei den Pictavern: und zu Reims inn Franckreich: Deßgleichen zwey hundert des schmalen Sindais von Spinal und Kölln, zu underfuter oben am hals, wie Bombesin: gar subtil als man unter die Sättel fütert. Dann es war nicht gekröset: noch geruntzelet: gekräuselet: gekrisamet: gefältelet: gevolschleget: gerissen oder gewunden. Sintemal diß Krößzinnenwerck und die Beckerfürthuch umb den hals noch nicht erfunden warn, biß hernach da den Näderin die spitz an der Nadel abgeprochen, haben angefangen mit der faust, darauff sie sitzen, den Löchelstich zuarbeiten, unnd als die Bauchwäscherin mit dem Seyffenreiben wolten zu faul werden: oder zu alt, daß sie das gesäß nicht mehr so hurtig und fertig rhüren und coloriren wolten, da must man ihnen ein hitz darein zupringen, diß Eychenlaub umb den Hals zubauchen, zu pläuweln, zuschlegeln: zureiben: außzuwinden: zustärcken[161] und auffzuziehen erdencken. Ja nach dem man inn Ungarn gezogen, da haben sie für die Läuß kein besseren fund können erdencken, als den Irrgarten umb den hals, daß sie also darinn verirreten, unnd sie zu friden lisen. Darumb verzäunt man heut diese kraußbüsch doppelfach, wie die Edelfrau, von deren im Flohatz steht: welche zwen Beltz anthat, unnd von beiden das rauch zusamen kehrt, auff daß sie darinn verschantzt keinen außgang wüßten.

Aber unserem Sönlin macht man das Hembd außgeschnitten, wie die alte Schweitzerische Goller, deren noch etlich in Pemond auff den Aeckern umbfligen, oder vor kurtzer zeit umbgeflogen sind. Dann es waren auch damals die hohen Krägen noch nit, biß hernach da die Bäder ab und die heilige Frantzosen auff kamen, daß man den schmutzglitzenden und Purpelschwitzigen nacken und hals mußt vor den Leuten decken: fürnemlich wan er so starensteiff vom holtzligen war worden, wie der Hofleut ungrußbare obeneinsteigende contracte hend: Darumb secht ihr wie ungern sie sich umbwenden, auff daß sie das Schlangenwindig Hals oder Kalbskröß von urochssen, daran ein Junger Wolff Neun Tag zufressen het, oder die Krößleist, unnd das gespannt Kragerems nicht verrücken. Wiewol sie es heut gebessert haben, wie hie der zäher dort der träher: Dann jetzund muß es ihnen spannen lang auff den achsseln liegen: Das können die Studenten zu Pariß dem Hoffgesind mit Papir so fein nachmachen, dz man sie in die Kefich schließt.

Zu seinem Wammest nam man hundert acht dreitzehen Saumballen weisen Satins: macht den Leib eng, unnd die Aermel weit, anzuzeigen daß ein Kriegßman dem Bauch nicht so vil raums als den Armen soll geben: Weil die arm ungesperrt für den Bauch sich müssen regen, unnd der Bauch den Füssen nicht zu schwer und unträglich werden, ihn hernach zuhotzeln. Sonst was ist ein grosser ausgeblasener Schnauffender Schmerbauch: er schickt sich auch hinder den Tisch nicht wol, dann der neben ihm sitzt, muß sich schämen, und hat dest weiter zur Blatten, und wird ihm heiß vom schnaufen. Zu seinen Nesteln hat er fünfftzehen hundert neun Häut, und dieselben zu eim theyl hünden, vil mehr als Dido, da sie das Cartagisch Birßland mit Nestelrimen umbzog.[162]

Damals fieng die Welt an die Hosen an die Wammest zuknipffen, unnd nicht die Wämster an die Hosen, dann es ist gar wider die Natur, wie solch Okam über die Explonible außplanirung des M. Hochpruchii weitläuffig außfüret. Unnd hett noch so vil müssen haben, wan man damals, wie heut, die Wämster mit anderem gelümp hett durchspicket, oder dem latz so ein schandlichen abpruch gethan, daß man das naßthuch nit meh darein, sonder in den Kappenzipffel und Lecksack am Aermel stecket, unnd dem Kuchenlumpen zu leid den Teller damit feget, unnd die Büchsenhulffter vor regen damit decket, unnd wann sie mit der einen hand in die Platt langen, mit der andern den Ermel halten? O ihr verletzer Lecherlicher würdigkeit: wie wol was hab ich die Naß drein zumischen, man möcht mir sonst das maul wischen, Es ist dannoch ein schöner Ermel Hippocratis, darin man haußhalten kan, wie die Gasconier inn ihren Garageskenhosen, und Diogenes im Faß, und die Tartarer im Karren und der Finckenritter in der Lauten, unnd jener ungebachen jung Schlüngel im Böltzpletz im Hüllhafen, unnd du im Narrenkleyd.

Zu seinen Hosen wurden außgenommen, elffhundert, fünff ballen und ein drittheil weissen stammet, darauß macht man ihm ein Lacinirt Schlangenwendig Plitzsträmig unnd geflemmet Kleyd, welchs dahinden zerschnitten war zerseget, unnd durchfeihelet auff die weiß der Crenelirten, gewässerleten, berechenzänelten, krenirten, gelaubwirckten, und durchsichtigen seulen: Auff daß die Niren des Hosendegens alzeit im Kůlwasser stůnden, und nit erstickten noch erstincketen: Gleich wie sie heut schwartzwäldisch danzapffen, Säueycheln, Engelländer Rossen, Frantzosen Lilgen, Schweitzerkreutz drein schneiden. Auch must es Pfausecht, bauschecht sein zwischen den schnitten, daß der Plau Damast und Taffat herauß boschete: Doch etwas mässiger als des unflats mit 99 elen, auch etwas artlicher als die Spanische Hörpaucken, und der Schweitzer Hemdfänlin, das hinden allein außhenckt: Es solt fornen fligen, nicht hinden ligen, so möcht man sigen, und nit erligen und flihen: Wiewol es kommen mehr Leut hernach, die sehen müssen, wo die Latern auff dem Berg leucht, dahin man dem ungewitter entfleucht.[163]

Mächtig Adelich war er beschinbeint, alle stümpff lagen ihm glat an, fein wie es die Jungfrauen gern sehen, wol bewadet, darüber keiner hett abscheissen mögen: Und sonst von allen vieren auß Mutter Leib gerad unnd wol geproportzet, wie Roßdiebold, ohn das er ein Gelschuß an den Fersen hett.

Zu dem Latz nam man auß sechtzehen ballen ein virteyl, reichlich gerechenet, eben vom selben thuch, dessen form ward fein gemodelet nach gestalt eines gespanten bogens, wie er zu Roan in der Kirchen hangt, war nicht so Hundsfiselig gespitzet, wie der Spanier Geißreuter, noch so WanckelLätzig, der im gehn von einer seiten zur andern rucket als wolt er Pfäl einstossen oder außziehen. Sondern, weil viel daran gelegen, ward er nicht eingestefftet, sonder wol angehefftet, Lustig mit zwen starcken eingelöten Hacken von Glockenspeiß gegossen, an deren jedem ein grosser Smaragd in der grösse eins Pomerantzenapffels versetzt war, dann diser Stein hat, wie Orpheus von den Steinen, unnd Plini im letzten Buch meldet, errecktiff unnd confortatifische krafft. Sonst war sein vorschuß und vorschupff, wie ein lang Ror oder Feld Geschütz, auch fein zerschniten wie die Hosen, unnd durchgezogen mit Ploem Damast, auff das allerzirlichst.

Aber wann ihr von stuck zu stuck gesehen hetten das schön gepräm, die Fransen, Karsaminpasament, segment, Bendeln, gestepp, gebord, die stöß daran, und wie es alles gepleiget, gefademet, durchstrickt, unnd durchstickt war: deßgleichen die lustig eingemengt, eingelegt, eingestickt, eingeflickt, eingepickt, eingewunden, eingeflochten, eingeschenckt, undermischt und eingelatzt Goldarbeit von goldstrimen, Purpurrimen, gulden Schnieren, vergarnirt unnd verkernet: mit guten Edelen Diamanten, wolfärbigen Rubinen, hellen Türckis, klaren Smaragden, unnd Persischen Perlin. So würden ihr gefragt haben ob König Ortwin und Ortnitt im Graal inn aller ihre herrlichkeit herrlicher gewesen seien, Und wirden gewiß es verglichen haben dem schönen, überhaufften, plumgezierten, fruchtgespickten, trauben behenckten, opsreichen horn der Geyß Amalthee, der Honigspinnen Melisse Schwester, oder dem Geschmuckten Plumenkrug der Göttin Ceres. Dann gleich wie solch horn unnd krug allzeit fruchtbar, plumreich, frisch und voll aller erquickung und freud war,[164] also auch dieser unser Latz, nit auff den schein: Dann so lang weit und preit er war, so wol war er von innen proviandirt: Er trug ihn nicht zum vorwort, wie manche schlump das Fischsäcklin ins Bad, wie die Schwäbin den Korb, und wie die Schweitzermeidlin den eymer wann sie Seyff kauffen. Oho, er dorfft nicht wie jener Baurenhebel ein Gänßkrag drein stecken, gleich wie die Baßlerkacheln lumpen für dütten. In summa es war kein auffgeplaßner Hipocritischer, heuchlerischer scheinlatz, wie denselbigen etliche Nascher zu mercklichem nachtheyl und Interesse des Weiblichen geschlechts anmassen. Ihr solt mirs glauben, ihr fromme Mägd, er war nopperteurig lustig zusehen. Aber ich gedenck es euch besser außzulegen inn eim besondern büchlin, das ich von Würdigkeit der Lätz hab zugerichtet. Dan man muß solch ding den Leuten beschreiben, weil sie so grose kurtzweil mit treiben, zusehen ob mans kan erleiden und vertreiben: Dann waran kan man heut besser die Völcker unterscheyden, als an Lätzen: die Teutschen machen Ochsenköpff, die Welschen Hundsfidelbögen. Die Türeken, Ungarn, Polen unnd Reusen (welchs noch das best ist) gar keine, sonder bedeckens mit langer kleidung, Die Schlesier thun Beckerfürthuch von taffat darfür, die Gasconier machen einen weiberschlitz darfür, und damit es nicht die Zan pleck, wie ein Wammest mit Hafften, so wirds geköllert mit knöpflin, etliche haben glatte, andere rauhe, etlich außgezogene, andere eingezogene, etlich gehörnte, andere Schneckenhäußlin etc. Darumb hat unser gnediger Herr Grandkälier die Nationen, nicht auff des Türckischen Keysers Solimans weiß inn seinen Sal mit eins jden Hosen unnd Wammest, Hut und Mantel, Färb und bart lassen malen, sonder nur die Art der Lätz bey eim jeden Volck Präuchlich inn Leymen, Wachß, Steyn, Marmor unnd Metall bossiren, unnd visiern, unnd also zur gedechtnuß auffstellen lassen. Dann zu unsers Kälgrosen zeit war der brauch, wann einer ein Eyd schwur, küßt er zwen Finger, und legt sie auff den Latz, und schwur beim Inhalt: wie die Weiber unnd Geistlichen bey Lehen Verleihungen die hand auff die brust legen: Darvon hats jener Burgunder gelehrnt, welcher im Fünfften Collegio zu Freiburg nur zur Losung ein Kron auff die Latzspitz legt unnd fragt, Schweste si fu Pletz.[165]

Zu seinen Bundschuhen worden auffgepracht vierhundert sechs Ballen gedruckten sammat auff Leder Musiert, unnd so viel Plauen Bruckischen Atlas nach dem Antorff er zettel zum underlegen, welche fein artlich zerfetzelt, zerschnitten, und zerstochen waren, auch mit Paralelischen gleichweitstehenden Linien, unnd einformlichen Cylindern unnd rollen zusammen gehenckt. O es dantzet sich mechtig wol daruff, besser als inn den Baslerischen Roten und Schwäbischen weissen Stifeln, oder uff den Barfüserischen Ungarischen und Lotringischen Plochschuhen: Ist es nit war ihr Meydlin mit den weisen orten, unnd schmalen rimen, so macht mir ein knoff an den?

Zu den schuhsolen worden gepraucht eilf hundert Prauner kühäut zu Mastrich und Weisenburg bereit, unterfůtert, undersetzt und durch gezogen mit Ochsensennen unnd stockfischschwentzen, das helt besser als Gebicht seylistratorum Ledere Leystis, und verprent Leder, oder Schuhnegel: Was hilffts das man Solen Leder feil hat, und es hoch an den stangen daher tregt: Sessen sie daheim auff dem Loch beim wein, so prechen sie kein Schuch unnd zerstiessen kein Bein.

Zu seinem Leibrock nam man achtzehen hundert ballen Genuesischen Kremmesinsammat nach Palmen wol gemessen, sampt der grösten überleng, wol inn grän gedunckt, umbher fein gebordirt mit Schönen gefeihelten Zünglein und Laubwerck, wie man etwan umb den Harnischkragen Rittergürtel pflegt zutragen, unnd noch heut umb die Wapen, Schilt unnd Helm malet. Ein fein Wapenröcklin, daran Silbere Schellelein unnd Flinderlein zum Thurniren unnd Schlittenfahrn an Kettlein hingen. Dann solchs war damals der brauch, daß man mit eim klingenden gepräng und prangenden gekläng, als wann der HohePriester ins Heyligthumb gieng, auff den Platz erschien: Seither aber die Thurnier, das ist, die Adels Probir, sind abgangen, haben die Fuhrleut ihren Gäulen die Schellen angehengt. Ist dannoch besser als wann mans den SaumEseln, MüllerEseln, und Colmarischen Misteseln anhengt, dann man kent sie ohn das, und sie einander noch baß. Auch über Rucken, Arm unnd Prust wars mit Güldenen Passamenten eingefasset, unnd mit Perlin bestickt, fein Knap unnd Bund wie des Papstes Maulesel, der einmal ein Auffrhur zu Rom auff Fronleichnamstag macht, unnd schwerlich[166] ist absolviert worden. Mit disem geschmuck allem anzuzeigen, daß er etwann ein feiner Han, und ein feins Feistinseidele unnd Fartzflasch werden solt. Die gefaltene und eingeschnierete Reutröck wie die Kocherspergische Falten Juppen waren noch nit auffkommen. Dann was soll diß ruckenspannen, und sorgfeltig einfalten, einstechen, und einwinden der Weiberröck? kurtzumb wann man die Stifel nicht meh wachtelt, so müssen die Kleider gewachtelpfeiffelet werden: Wolan so secht wol zu, das es nicht auß den falten komm, der Bub müßt es sonst gethan haben, macht eh eigene Wachtelhöltzer dazu, wie zu den Hembdkrösen: Aber was gehn mich euere Faltzenschindelen an, ich mag euch die falten nicht weiter verrucken: gürtet darfür den Degen auffs Miltz, Hosenbendel geben auch gut Feldzeychen. Dann die Amiralischen Hemder zu Montgontour haß ich. Ihr habt doch jetzund feine glate behafftete und befransete mutzen mit runden Schößlin oder dreien zipffelen, wie man etwann die Ledere Koller machet, die man zwischen den Beinen zusamen band, als man noch die lange weichen unnd Mastbeuch zog. Ha wie schöne Pavianröcklin, wann die Ermel entzwey geschnitten sind, daß die Lackeyen daher fügen, und die Seiten voll Nestelen hencken, deren keiner zu ist, als hetten ihnen die Hund auß der seiten gessen. Es steht wol wie die knöpflin an den Röcken, auff allen ecken, ihre Knöpffigkeit auffzudecken. Aber quæstio: Welchs ist Närrischer oder nötiger, daß der Mantel den Latz deck, oder das gesäß. Ist wunder, das weil sie fornen die Mäntel auff beiden seiten schlitzen, damit das Latzgesperr raum hab, warumb sie nicht so mehr Mentel machen, wie die Niderländischen Mäntel, fornen kürtzer als hinden, wie den Schwangern Frauen. Oder ich frag, sind die Rock erdacht zur deck, oder für Regensäck: Ich halt nicht allein für Kält unnd Regen (sonst trüg man sie nicht inn Stätten, über Tisch, zum Dantz, zu Hof unnd im Sommer) sonder zur deck der hindern und fordern Scham, wie Adams zweizipffeliger Beltz außweißt, dann er het im selben heissen Land sonst keinen bedörfft, er hab dann glaubt, was gut sey für hitz, sey auch gut für Frost, wie die Bronnen, wie der Weber dunckkeller, wie der Weiber Brautbeltz, und der Männer Wolffsbeltz. Darumb haben die Männer erstlich[167] nur Mäntel getragen, daher auch der namen ist: Hosen und Wammes ist inn Kriegen von Kürissen entstanden, und ist der letzt Närrisch fund: Aber man sicht, daß die Alte lange Kleydung der Türcken, die kurtzen Hosenwämmstler gar nah verstecket.

Sein Gürtel war von vierthalb hundert gepäck Arbruische Aluzossa seiden von Karamanta, Salmantinergewichts unnd fünffthalb hundert Karten Organtziner seiden von Bolongia mit untzen und Quarti abgewogen on außschlag eins dunckel Tenet, das ander Turginfarb, vil sittich Grün, unnd das überig halb Weiß, halb Flau, es fall mir dann nicht recht ein. Dann er trug es auff die Handzweien art, wie es die Türcken tragen, nicht so dünn auff Barfusserseylerisch, wie es den Frauen Paternostersweiß hinab muß lappen. Sintemal der Gürtel ein zeychen der Ritterschafft bei den alten war, wie auch noch bei den Engelländern, wiewol dasselb ist ein Hosenbendel: Darumb mußten die Macedonische Knecht halfftem für Gürtel tragen. Aber Keyser Augustus trug für den Donner ein Gürtel von einer Mörkalbshaut, auff daß ihn als ein Keyser nicht der Stral erschlüg, wie den ersten König Romulum. Was nutzt ihn dan sein Adler, welchen kein Donnerstral treffen soll?

Sein Wehr war nicht von Valentz, noch ein Passauer kling, noch sein Tolchen von Sarragossen auß Spanien, dann sein Vatter hasset alle diese Indalgoß und Maranisirte hudler, buratschen und Geyßreuter, wie die leibhaffte Teuffei, Sonder er hett für sein Alter ein schön Schwerd von Holtz, und den Tolchen von eingesottenem Leder, auch fein gemalet, damascenirt unnd verguldet, wie mans nur wünschen wolt. Dann er bedorfft noch nicht des Achillis Peliasspieß, den niemand als er schwingen kont, noch des Rolands Durandal, des Artus Kaliburn, des Ogiers Kurtein, des Keysers Großkarle Oriflambe, des Renalds Flamberge, und solche Flammklingen und Wurmstecher. Noch Rogiers Balisard, noch Scanderbecks Schwer Scharsachfochtel, noch Pompei Löwen Schwerd, noch des Conestabel Aplanos, noch des Königs Rogiers Apulus unnd Calaber, noch Bruti unnd Cassii Lotringisch Hutdölchlin, noch des Meydlins Johanna Poucelle inn Franckreich Verrost Catarinen Schwerdt, damit sie die Engelländer[168] vertriben, und noch zu S. Dionys ist gepliben: noch Königs Etzels auß Ungarn hochgeadelt unglückschwerd, dessen genealogy unnd Uräne die Manßfeldisch Chronic beschreibt, biß auff Graf Lupold, dem es, als er im Schlaf reutend vom Gaul fül, das sächlin machet: und welches zu unserer zeit der Duc Dalba nach der Schlacht bei Mülberg selsam soll außgegraben haben: und niemand weiß wo er mit hinkommen? Ja, unser Steckenreuter unnd blindstreichiger Tuseckenfechter kont der Felsässer klingen, Meiländisch Froschstecher, Türckischen Sebel, Pantzertrenner, Reuterböck, Ruting, Stosdegen, Ruckenlemer, Fischplötzer, Malchusdäglin, Schlavonescen, Reißwart, Pfrömbrecher, Beiderseiter, Schweitzerfochteln, Schlachtschwerd, Dolchen die von einander springen, wann mans bei dem hefft truckt, zwey Rapir inn einer Scheiden, Halbhauer, Krommort, Poniart, Weydner, Hessen, Mortpfrimen, Jacobsstecken, Palster, Dollen, Schwertpfrimen, und andere dergleichen Gottslästerer, Murren schwingen und Platschen, damals noch nicht mächtig werden, er ließ sie seim Vatter in der Rüstkammer.

Sein Seckel war von eins Oriflans und Libischen Urochsens hoden, welchen ihm Monsier Pracontal der Statthalter inn Libien verehret, der etwann auch den Fortunatusseckel zumachen angabe, denselben band man ihm an, wie den Kindern die Rotzglocken und Glockenthüchlein, und an die springend Pronnen die Wasserpfannen, unnd inn den Wirtshäusern die Messer unnd Anziher: welchen löblichen Prauch die Schwaben mit den roten Seckeln noch löblich erhalten: solten sie ihn gelb tragen, man möcht sie von Judas geschlecht sagen, weil sie on das gelb Füß haben.

Für seinen Rock nam man auß neun tausend sechs Hundert Pack minder drei drittheil Ploen Sammat von Messina, der ward auch wie das ander schön durchgoldfademet mit goldnähets unnd gantzen goldstrangen auff Paragandisch, auch gesteppet in einer zwercheckigen geschrenckten Diagonalischen figur, welches nach gerechter Perspectif ein ungewisse unnd unamhaffte farb gab gleich wie ihr am Turteltaubenhals und Raupen sehen, oder dem Pfauen in der Sonnen, wan er sich aufschwäntzet unnd spigelet. Welches mächtig Lustig Crabatisch sahe, vil besser als der sein Mantel mit[169] Stro verprämet. Es war auch fein kurtz auff den neuen schlag Spanekappisch, war kein traur oder Leidmantel, kont nicht darauff sitzen, er zög ihn dann auß: Daß man fein den Arßbacken binden zitteren, und fornen den Krummen Latz, wie ein Pfal im Wasser wäferen sah: Dann inn Curte tunica saltat Saxo quasi pica. Im kurtzen Rock springt der Sox wie ein Bock. Sihe Sehe: wie fliegt der daher, wie der Pfaff auß dem Federfaß.

Zu seinem Hütlin worden genommen drey hundert zwey Pfund Jenueser gewicht à la grossa, thun in Venedig subtili 86 Pf. Taffet, dann wie wok ein Huter eim jeden Narren ein rechten Hut auffsetzen: Derhalben ließ ers ihm inn die Form giesen nach seinem runden Schedel: Der war wol bestulpet, berondelet, bewolltzottet und überhängig wie die Altdickitetische tächer zu Ach, Cöln unnd Metz, und die Fürmännische rotte Schweitzer Paret, das es eim auff der Achssel lag und den Regen abtrag, unnd darauß sah wie ein Schiltkrott auß der Schalen. Dan sein Vatter sagt, daß die heutige Hütlein auff Marabesisch, unnd die Zigeinerschlappen, auch die Mastrichische groe und rusige Hüt, und die Braunschweigische glattwollige gebichte Beckelhauben, darmit man die Hüner uff dem garten tod wirfft, und die wie ein Pastetensatz gestaltet, etwan einmal ihrer beschorenen wollen werden übel lohnen: dann ich mein lebenlang nichts närrischers gesehen, als elenlange und klaffterpreyte Hafften auff dem Hut. Was sollen hafften auff dem Hut, setz sie darfür wie unser Pantagruhel an den Latz, dann er ist heut wol so wild und unrichtig.

Für seinen Federposch trüg er ein schöne lange hohe Ploe Feder von eim Onocrotalischen Grottomolinarische Kropffvogel oder Fürstenaug, Ocello del duca, auß wilden Hindern Hircanien, da man die Vögel mit eytel Feigen speiset, weil ein jede Feig sechtzig Scheffel tregt. Diser Firlefans lappet ihm lustig über das recht Or herab, wie den Zimmerleuten die Hanenfedern, dann er dorffts den Schweitzern zu lieb nicht für sich tragen, so waren die Reutterdollen noch nicht auffkomrnen. Zu einem Federhalter, Medeibild und Hutzeychen, auch zu einem Schaupfenning unnd Göttelgelt, Hett er ein gantze guldene Platten, wie die zu Lunenburg von 68[170] Marcken, ein schöne Medei: darauff von angebrenten Farben ein Figur gebossiret, die hat ein zweiköpffig Bild, welchs die Taubenschnebel stracks gegen einander kehrt, mit vir armen, vier Füsen, unnd zwen ärsen, doch eim Bauch, wie Plato inn seim Sammenpausen oder Symposi meld, dz im Geheimnussamen Anfang die menschlich Natur einleibig gewesen sey: Und was darumb mit Jonischen Budistaben, da man das Teutsch noch Griechisch zur zeit Caroli Machni geschriben, gegossen.


ATAII HOYZH TEI TA EY THZ.


Sein Ketten die er am hals trug, wog 25000 sechtzig drei Marck lötig Golds, wie es der Fiscal in der Kammer jedesmal empfengt. Unnd waren die gleich wie Hagenbutten, Jacobsmuscheln unnd Perlemuter geformiret, zwischen welche an statt der Corallenbollen und Eychelnstollen grosse grüne Jaspiß einvertheilet waren, und mit des Wolffditerichs Lindwürmen und Trachen ergraben und erhaben, auch rings herumb mit Diamantischen spitzen als flammen Funckelend und zwitzerend besetzt. Sonst fein mit einer Perlinschnur, oder Margariten Paternosterlin eingefaßt. Wie es etwann der Jaspenkönig Nechepsos solcher gestalt getragen. Sie hieng ihm auch zimblich lang hinab biß zum überbauch, unnd gab ihm, wie die Griechische Artzet wol wissen, grosse krafft, besser als der Suppenhofleut und Spornloß Jungkherrn, von Eisen und GoldParticipirte Ketten.

Zu seinen Händschuhen worden verschnitten sechtzehen Luchssenheut, Unzenfell, und Trollengefüll, auch drey heut von Wehrwölffen, Pilosen, Geißmänlin, Dusen, Trutten, Garauß und Bitebauen: die man rings darumb verprämet, durch einen neuen Händschuchkünstler zu Löwen. Unnd worden von solchen zeug zugericht auß angeben der Cabalistischen Künstler zu Sainlovald und Dölpolsinlingen auß dem Heckelberg, die solches für dz unsichtbare gespänst im Ofen gut wußten, wann einer nackend im Kachelofen stünd, daß man ihn in der Stub nicht sah. Da hingegen die Hündine, Schäfne, wullene, hertzpfeilgemalte, peltzene, Geissene, Wölfine, Füchssen, Carmasinen, auch die thüchene Langzipflige Reuterhändschuch nichts vermögen, dann die Hand und Finger dicker, oder länger zumachen. Die Leut machen heut die[171] Kleyder stäts weiter, dann die Glider, da billicher wer, die Glider weren grösser dann die Kleider, zu dem wie sie den Teuffel heut anstellen. Aber, billich, ist ein Hund: solt ich die heutig Welt lehren? die mit dem Teuflel inn die Schul ist gangen? O nein, sie kan on mich einer Milben ein par Reutstiffel anmachen.

Sein Vatter wolt auch daß er Ring trüg, zu einer widerstattung und frischergäntzung des lang wolhergebrachten alten zeichens des Adels unnd warer Rittermäsigkeit, wie solchs die Historien und Juristen de Iure aureorum Annulorum beweisen. Und Plini Lib. 33 cap. 1 darthut. Ließ ihm derhalben an den Lincken Zeigfinger einen Carfunckel, so groß als ein strausenai, wie dern einer der Hertzog Ernst mit dem Schwert auß dem Strudelberg auff der Thonau erhiew, einfassen, fein schraf mit Seraphgold von Ophir und Saba.

Am Artztfinger oder Hertzfinger hette er einen Ring von vier metallen für den Hertzkrampff im Beutel, auff die wunderlichst weiß, die einem je zu gesicht kommen mag, zugericht, dann der Stahel verzeret, schwechet unnd schändet nicht das Gold, noch das Silber das Kupffer: der Mars nicht die Sonn, noch Venus den Mon. Dann es ward alles auß Lulli Ars gemacht durch den Iliastischen erfahrenen Hauptman Chappuis Kappenhobelkopp, und den Biervogt Alcofribras seinen künstlichen Meister.

Am Prangfinger oder (verzeicht mir) am arsfinger der rechten hand, hett er ein Ring, Spiral oder Pretschetweiß, wie die Seiler, Schiffleut unnd Bronnentrögler die Seil zusamen legen, gemacht, unnd darein versetzt ein außbündige Besenbalach, sampt eim außgespitzten Diamant, und überauß schützigen Smaragd vom Paradisischen fluß Physon, oder auff Junitremelisch Pischon. Dann Hans Carvel, Oberster Jubilirer unnd Gestein händeler des Königs von Melinde schätzt sie auff den werd der sechtzig tausend million flämmischer Hämmel der grösten Woll, sampt neun tausent Englischer Rosen Nobel, acht Hundert Gulden Real, und 94 Portugalischer Ducaten vom Güldenen Ritter, unnd 18 Wilhelms Schild. Die Fuckart von Augspurg schätztens nicht geringer nach specie bestimpter ablosung, als 900 tausent schurckens, 60 tausent Phillippisch Klinghart unverruffen,[172] 50000 Peter von Löven. 40000 Arnolds Gulden. 30000 Borbonisch Postulatz, sampt Säcken voll Grivan, vier Eiser, Johannes Brast Pfenning, Königsteiner Batzen und Saltzburger gröschlein. Ein gering gelt für einen der keins hat: O die Steyn hatten grosse krafft, wann er auff dem Banck lag, empfand er kein Feder: Unnd ful nur allzeit auff den ars, wie die Katzen und Herren auff die Füß: Unnd wann er auff den Arß ful, so schads ihm nichts am Kopff: das macht die Kinderpauschen waren wol gestopfft.

Quelle:
Johann Fischart: Geschichtklitterung (Gargantua). Düsseldorf 1963, S. 160-173.
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