Das Zwei und zwantzigst Capitel.
Des Meysters Janoti von Pragamado Red an Gargantua, umb erlangung der grossen Glocken, unnd ein neuw par Socken.

[221] Ehen, hen, Hem, Mnadies Gnadherr Bnadies. Und vobis anderen Gnadjunckern. Ehen. Warlich per Deum es wer gar gut, das E. Würde uns unsere Tintina Tintina Tintinabelische bellende, billende, bollende, Kirchposaunen, oder, ohn figur zureden, unsere klangende klingende glungende glodri Glocken sampt dem einhangenden schwede schwengel widerumb zustellten, dann sie thun uns leiden wol von nöten. Hen, Chen, Hasch, Chratasch. Ihr solt wissen, wir haben wol etwann gut gelt, welchs uns die von Londen im Cahorland darfür anbotten, abgeschlagen: So hetten wir auch wol ein statliches mögen haben von den von Burdeo im Brierland, welche sie kauffen wolten vonwegen der substantificklichen[221] qualitet der Elementarischen Complexion, welche inn die terrestritet unnd irdigkeit ihrer quidditativische Natur intronificirt ist, die widerwitterig wolckenfeuchtigung und Lufftgespänstige turbines und hagelung von unsern lieben Labsäligen Reben zu extranesiren unnd außzubanächtigen: aber gleichwol inn der warheit nicht unser Reben, jedoch hie nahe bei inn der nehe: wir behelffen uns mit den Nachbarn. E. Weißheyt weiß wol, mit den Nachbarn soll man Heuser auffführen, wie man bei den Klöstern Kinder auffzilet. Nun bona fide, certè sic, die gedachten Reben, können propter Rhithmum kreutz guten Wein geben, wer schad daß sie erfrüren, man solt ihnen ehe Hosen und doppel Socken anziehen: Doch cum protestatione für meine. Warlich verlieren wir das Weinmuß, so verlieren wir alles, mut und gut. Wann ihr uns aber die Heylig Thurnschellen sampt den einverfügten Crepitaculschwentzen (dann ohn dieselbigen wern wir doch Leut ohn geläut) wider zustellet, so können wir mit zertrennung und erschütterung des schreckenden hagelrasselden Gewülcks unsere Rebenselige vor ungemach fristen: Und ich, der ich hie steh, Vester steiffer Jungherr gewinn mit meim reden oder Harangiren sechs Häringsstangen mit Würst, dern mir jede dreymal umb das Maul gehn soll, und ein gut par Schuh, und ein neu par Hosen, die mir warlich wol an meinen Füssen bekommen werden, oder die Hudler so mich hergeschickt, werden mir ihr verheissen nicht halten. Ho bei Gott Domine Jungherr, ein gut par Schu und neu Hosen von zopfigem Nollenthuch stehn nicht zuverachten, & vir sapiens non abhorrebit eam, sagt in illo passu Ecclesiastes (wann ihr ihn habt, ich laß ihn erst gester) dort in puncto medicinæ. Ha, ha, es wer kein gut par Schu, ders nit wolt: gewiß der sie begert, der mangelt ihr: man soll die alte Schu nicht hinwerffen, man hab dann neue: daß weiß ich wol an mir, wo mir der treck in die Schu tringt. Secht Signor Monsieur Gentilman, es sind achtzehen tag, daß ich an diser mühlichen red hab metagrabulisirt, und gekauet, und geraspelt ritzigs unnd reudigs. Mach ich nichts guts, so ists dern schuld, die keinen geschicktern außgeschickt haben: Imputent sibi: ihr werd meiner wolmeinenden Ignorantz zugeben: damit ich mit dem Apostel sagen mög, lgnorans feci, propter[222] quod Misericordiam consecutus sum. Aber ad Rhombum: Mein, ich bitt, das wir unser Glocken sampt ihrn Klipffeln haben möchten. Reddite quæ sunt Cæsaris, Cæsari, & ea quæ sunt Dei, Deo, Ibi iacet lepus in pipere, da ißt man den Teuffel im rauch am geilen Montag, unnd gibt pinguem propinam. Auff mein treu sampt disen drey Fingern, damit ich manchen Kelch gesegnet hab, Herr Domine, wann ihr bei mir zu nacht essen wolt inn camera, bei dem Sackertauffkrisam, charitatis, nos faciemus bonum Cherubin & geschirrium. Ego occidi unum Porcum, & ego habet bonum Vino & tria Oves. Aber von gutem Wein, kan man nicht reden böß Latein, & ego solvam Zecham. Videte, Wolan de parte Dei, bei Gott umb Gotts willen, date nobis glockas nostras, nostra Tiatina, Tiatina. Sie seind unser Kirchtrommeten, darmit unser Herr Gott zu Hof blaßt, wie mein Daubengrauer Præceptor Dubalt darvon redt, daß sie an statt der Schallhörner, so die Juden auffs Hallposaunenfest brauchten, kommen weren, ut scribit Reverendus Knapfellus in Manipolo florum claustralium, nicht furum: Wie es der Ketzer Nickels Ruß außlegt im Büchlein de Triplici funiculo vehiculi Ecclesiæ. O thet ihm einer das trifach gesail und gestrick umb sein rusigen halß, er wirds fühlen wie starck es wer, obs ein solch Feldglock ertragen möcht. Unnd ist dannoch schier war, daß die Posaun am Jüngsten tag werd ein grosse Glock sein, daran alle Engel sturm läuten werden, und das Sail daran wird sein von eitel Barfüsser Corden, so wie die Jacobs Leiter sich inn Himmel erstrecken wird: Authore Mulocollo in Cribratorio Alcorani. Secht da ich schenck unnd übergeb euch von der Facultet, ein Sermones de Utino, das Utinam ihr uns unsere Glocken wider gebet. Vultis etiam Pardonos & Ablaß? Per Diem apud DEUM vos habebitis, & nihil payabitis noch Zaletis. O Herr Domine, Glocke donna minor nobis, Botz verden Plut, est bonum Urbis. Ziert es wie ein Esel den Roßmarck. Die gantz Welt behilfft sich darmit. Aber wir ziehen die Khů, ihr eßt die Milch. Jedoch ist besser ihr eßt die Milch als die Khů, dann essen ihr die Reben, so träncken wir nie: Besser ein Lauß im Kraut, als gar kein Fleisch. Ja ad nostras res, zu unsern räsen Käsen, besser ein klein geläut denn kein geläut. Ich hörs doch lieber groß, das macht mein[223] heysserigkeit inn Orn: doch weiß ich nicht, wie ich das groß geläut hörn werd, wann ich stirb: wiewol ich als ein Catholischer nicht gern ohn geläut stirb: doch daß sie mich nicht schrecken unnd wecken. Jedoch ich scheu nicht mehr dann die Teuffelischen Bechtoldischen Büchssen, welche Canon heissen, dann seidher sie auffkommen, entsteht ein grosse Glockenverfolgung, man schmeltzt sie zu Maurprechern, Ja zu prechern unserer Canonischen Recht unnd aller Glockenfreyheit. Non diu vadet benè, wann es also wattet. Dann wie Speculator im grossen Buch Ceremoniale Ecclesiæ schreibt (ich suchts erst gester im Repertorio) so seind die Glocken der Pfaffen Büttel und Stattbotten, die den Leuten zum Opffer gebieten: Und wer sie angreifft, begeht toppeln Kirchenraub: Unum mit dem, daß er geweichte Büttel angreifft, secundum illud Nolite tangere etc. Fürs ander, quia in loco sacro, thut ers am geweichten ort. Sed tamen, si vales, bene est, wann sich euer Jument und Leibhengst (He, hen, daß ihm das Glockfeur in Leib schlag: Chasch, hen) wol befind, deßgleichen thut auch unser Ehrwürdig Scherubinisch Facultet, quæ comparata est iumentis insipientibus, & similis facta est eis: Psalmo, nescio quo, weiß nit wo: sonst steht es wol auf meim concepirten Papirat daheim begriffen, darauff beruff ich mich, & est unum bonum. Aschilles, Frosch im Bach, öpffel in der asch, Hen, hen, ehen, hasch, die Memory will mir schier in caducas gehn: Chen, Pfui der flüß, sie wollen mich ersticken. Platsch: Iuvenalis tritts auß: Nun es kompt mir. Ich wills euch stattlich bewären, daß ihrs uns geben solt: Ego sic argumentor Jungherr Respondens: Omnis glocka glockabilis in glockerio glockando glockans glockativè, glockare facit glockabiliter glockantes. Parisius habet glockas. Ergo gluck. Ha, ha, ha, das heißt Narriert, das heißt gered, das heiß Parlirt. Es ist inn tertio primæ im Darii oder anderswo. Ich könts auch auß Canonischem Rechten Probirn, aber die Allegationes sind mir auß geschwitzt, Canon non cano, kans nit mehr. Auff mein elende Seel, ich hab gesehen, daß ich den Teuffel anstellt mit arguiren und disputiren: Aber itzund kan ich nichts als aberwitzen und guckgucken unnd in den schnattergallen glückglucken, und den leuffigen Sessel zum Tisch rucken, unnd den fünfften zipffel am Sack suchen. Jetzund[224] bekompt mir nichts bessers, als gut Wein, gut Bett, den Rucken am Ofen, den Bauch beim Tisch, den Schemel unter den Füssen, unnd ein tieffe Schüssel. Dann ihr wißt, es geht noch wol, wann schon ein gantz Dorff verprent, unnd nur des Pfaffen Hauß auffrecht bleibt: und mancher verdäut den Hafen, mancher kaum das Muß. Doch besser im Suppenrauch, als im todenrauch. Besser die händ zittern eim vom trincken als vom Hencken. Ein guten Schäfer geb ich, ich läne mich wol an, aber ich müßt auch ein guten Hund haben. Nun, nun, zum text, zum text. Mein Maior ist gehört, folgt Minor cum Conclusione, Hey Domine, ich bitt E. Multificentz in nomine Patris & Filii & Spiritus sancti: Amen, Das E. Gratiositet unnd gnaden uns die Superimpendentz unsers Tempels wider zuweißt, dann ohn dise überhangsamkeit hieß sonst unser keiner Superintendens: die lieben Kirchthurn Cimbaln halten für uns Wacht und Superintendiren, wir verschlieffens sonst offt: nun ist auch billich, daß wir zu dieser not einmal fůr sie Superintendiren, wachen und acht haben: Zun opffern sind sie unser Fürsprechen, wir müssen einmal auch ihre Fürsprechen unnd Oratores sein. So gebt uns nun unsere Glockenformliche Wächter, unnd Superinten tint tint tint tent (Hei, kan ich auß dem tinnenden, tönenden Veitzdäntzlingischem langententlingischen Namen nicht kommen) Super in tent dentliche vorsprechen: unsere fromme Kirchenbüttel, sampt ihren einhangenden oder impendentierten Zungen: dann ohn dieselben schiß ich den Fürsprechen ins Maul (vor E. Reverentz mit Reverentz zugedencken) Ist dannoch besser, wir haben Glocken, als das wir auff Türckisch auff die runden Moßquekirchen müßten steigen, unnd die finger in die Oren stecken, und daß Maul auffrecken, unnd den Leuten zur Kirchen ruffen, das uns der halß kracht. O Nein, ad patibulum cum illis: Wir begeren unsere Glocken: Und diß ist aller unser nachklang, Glock, Glock, Und Gott behüt euch und unser liebe Frau vor gesundheit, Commendier euch hiemit aller ApostelPrintzen, meim lieben Herrn S. Johan, dem Theologo: Qui vivit & regnat per omnia sæcula sæculorum. Amen. Heu, haschehsach krach gzrenhen hasch: Botz Longins spieß, die Muck will nicht herauß.

Nunc probo: Veruntamen, enim verò, quandoquidem,[225] dubio procul, ædepol, quoniam, ita, certè, medius fidius, eine Statt ohn Glocken, ist wie ein Plinder ohn ein Stecken, ein Esel ohn ein Saumsattel, ein Khu ohn ein Schelle, ein Lazarit und Leproß ohn ein Maltzenschlätterle? Derhalben wollen wir nicht, biß ihr uns unser geläut unnd Glockenbüttlichkeit wider gebet, nachlassen euch nachzulauffen und nachzuschreien, wie ein Plinder der seinen Stecken verloren hat, uns zuschüttelen wie ein Esel der kein Saum hat, zu muen wie ein Khu on ein Schafschell, zubettelen wie ein Aussätziger ohn ein Feldsiechklapper.

Videte mysterium. Die Griechen, wann sie ihre Pferd wolten gewänen, daß sie zukünfftig des wesens und getümmels inn Kriegen wern gewont, so Schällten unnd Lütten sie ihnen mit grossen Cimbaln und Glocken für den Orn: also auch wir, will man uns willig haben zum Chorprellen, so muß man uns darzu vor Schellen. Heut gewänt man die Pferd mit dem Geschütz, vertreibt auch (wie ich hör, dann zuerfahrn war nie mein beger) das Wetter darmit: O meiner Kirchen nicht, mein Hauß steht gleich darneben: sie vertreiben das Wetter, daß die Kirchen weder bescheint noch beregnet werden. Ein sonderer Latinisirer oder Lantinisator, bei dem Spital wonhafft, sagt einmal, und beruffet sich auff ein Taponnus, ich irr, ich irr, es war der Pontanus, ein Weltlicher Secular Poet, er möcht wünschen das alle Glocken Federn weren, und der Schwengel Fuchsschwäntzen, weil sie ihm das Metzisch Geschütz im eingeweid des Hirns verursachten, und gar Stül und Bänck darinn verruckten, wann er seine Carminiformliche Vers solt schmiden. Aber Pfui, Pfai, pi auß scheissack, dann er ward zu eim Ketzer erkant kurtzumb: Pfi, ich hab das Maul mit ihm beschissen, Hen, chrasch. Wir prauchen ihn wie das Wachs: Wie die alten Juden die entlehnten gefäß der Egyptier, sonst diabolus teneret lucem, wann mans wolt inn Leymen trucken, Ja inn den Mist von Kauburg, welchen man zu ehrn praucht, und an Schuhen inn die schönsten Gemach tregt, und am Sontag auffpflantzt, wie ein Braut von Schwollen. Dann es ist ein grosse Walfahrt auff Sanct Lamprechts Mist, da die Kü zum Heyligthumb Scheuen, ibi est bonum pro caseis ire, & In simul bibere bonam positionem ex flasconibus. Dann es thut den Pferden[226] wol, wann man ihnen darzu pfeifft: Also wann man einem darzu läut und klingt unnd singt, der König trinckt, so machts, daß man noch so wol schlingt. Hey wolauff, den Tisch auff. Chrasch hembasch. Hab ichs nicht wol getroffen, so langt mir zu trincken. Hiemit setzt sich der gesand deposant nider, und räuspert sich noch neun unnd zwentzig mal darzu, sprechend, valete & plaudite, Calepinus recensui: Ist daß spil schön und gut, so reuspert euch hell und lut: Mein Koderigkeit hat sich schon gesetzt: vestræ Reverentiæ wollen gleichsfals gedeckt sein, burfuß haupts fallen die flüß: Chen Chach, Chasch Chrasch, Prasch, Platsch, Hisch, hisch, zisch.

Quelle:
Johann Fischart: Geschichtklitterung (Gargantua). Düsseldorf 1963, S. 221-227.
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