Erstes Kapitel.

[125] Also ist sie vorher bei meiner Schwester gewesen? sagte Frau von D. zu einem artigen wohlgekleideten Frauenzimmerchen, die sich wegen eines Dienstes bei ihr meldete.

Das Frauenzimmer: Zu Ihro Gnaden Befehl! Da aber die selige gnädige Frau gestorben ist, so bin ich gezwungen, mir einen andern Dienst zu suchen, wie der Brief des gnädigen Herrn auch des mehrern besagt.

Frau v. D. Ja, ja, ich hab' es schon gelesen. Kann sie gut arbeiten, liebes Kind?

Das Frauenzimmer: Was und wie es Ihro Gnaden befehlen. Ich bin in Allem geübt.

Frau v. D. (heimlich zu ihrem Mann): Eh bien, mon cher!

Herr v. D. Nun, ich dächte – Meine Erlaubniß haben Sie; sie gefällt mir.

[125] Frau v. D. (laut zu dem Frauenzimmer): Gut, mein Kind! Wenn sie hier bleiben will, ich will sie nehmen. Sie bekommt jährlich dreissig Thaler; Weihnachten, Messen, und freie Station. Ist sie damit zufrieden?

Das Frauenzimmer (ihr die Hand küssend): Vollkommen, meine beste gnädige Frau! Ich wünsche mir keine bessere Herrschaft.

Quelle:
Christian Althing: Dosenstücke, Rom; Paris; London [o.J.], S. 125-126.
Lizenz:
Kategorien: