Biographie

Gustave Flaubert
Gustave Flaubert

1821

12. Dezember: Der französische Romancier Gustave Flaubert wird als Sohn eines angesehenen Chirurgen in Rouen geboren.

Seine Mutter Caroline Fleuriot entstammt ebenfalls einer wohlhabenden Arztfamilie. Mit seinen zwei Geschwistern beobachtet Flaubert heimlich Autopsien, die ihr Vater im Anatomiesaal durchführt.


1830

Schon mit neun Jahren verfasst Flaubert Theaterstücke, die im Billardzimmer der Wohnung aufgeführt werden.

Auf dem Gymnasium in Rouen gilt er als schweigsamer, aber hochintelligenter Schüler. Er schreibt – meist romantisch überspannte – Geschichtsdramen wie »La Mort de Marguerite de Bourgogne« und Novellen (»Deux mains sur une couronne«, »Bibliomanie«) und sein erstes Schauspiel in fünf Akten, »Louis XI.«; zudem übersetzt er Stücke aus dem Lateinischen.


1836

»Un parfum à sentir« entsteht (erstmals erschienen 1910).


1837

»Quidquid volueris« entsteht (erstmals erschienen 1910).

»Novembre« (posthum 1910 erschienen).


1840

Seine Prüfungsarbeit am Ende der Schulzeit hat den Rang einer damaligen Dissertation.


1840–1843

Flaubert studiert nach dem Abitur in Paris Jura, muss das Studium jedoch wegen einer Nervenkrankheit abbrechen.

»Mémoires d'un fou« (posthum 1901, »Erinnerungen eines Verrückten«).

Die erste Fassung der »Éducation sentimentale« erscheint auch in diesen Jahren.


1841

Er bereist die Pyrenäen und Korsika. Er entgeht per Losverfahren dem Militärdienst.


1844

Seine seit der Kindheit bestehende Überempfindlichkeit verstärkt sich mehr und mehr und führt nach dem ersten nervösen Anfall (einer Art epileptischen Bewußtlosigkeit) dazu, dass er sein Studium aufgibt. Seitdem lebt er in ständiger Angst vor dem nächsten Anfall und isoliert sich von seiner Umgebung.


1846

In der Folgezeit lebt er sehr zurückgezogen auf seinem Landgut in Croisset bei Rouen, und widmet sich fast ausschließlich der Schriftstellerei.

Er lernt seine mehrjährige Geliebte Louise Colet (1810–1876) kennen, seinerzeit eine angesehene Literatin.


1849–1851

Er bereist mit seinem Freund Maxime du Camp Ägypten, den Nahen Osten und Griechenland.


1851

Nach kurzem Aufenthalt in Paris und Reisen nach Italien, Griechenland, Nordafrika und in den Vorderen Orient, beginnt er seinen großen Roman »Madame Bovary«.


1856

Nach mehr als vier Jahren intensivster Arbeit beendet Flaubert den Roman.


1857

»Madame Bovary. Mœrs de province« (»Madame Bovary. Ein Sittenbild aus der Provinz«) schildert das Eheleben der jungen Protagonistin Emma Bovary und ihre Versuche, dem kleinbürgerlichen Leben auf dem Land und ihrem immer mehr verhassten Mann zu entfliehen.

Der Roman löst nach seiner Veröffentlichung einen Skandal aus. Es kommt zu einem Gerichtsprozess, in dem der Autor der Immoralität angeklagt wird, da der dargestellte Ehebruch in dem Roman nicht verurteilt wird. Flaubert wird freigesprochen, doch überschattet der Skandal die Aufnahme des Romans, und es dauert einige Zeit, bis er Anerkennung als eines der Meisterwerke der französischen Literatur findet.

Ende der fünfziger Jahre des 19. Jahrhunderts unternimmt Flaubert eine Reise nach Tunesien, um Eindrücke für seinen Roman Salammbô zu sammeln.


1862

Sein historischer Roman »Salammbô« erscheint.


1869

Der unter anderen von Marcel Proust, Georg Lukács und Walter Benjamin hochgelobte Roman »L'éducation sentimentale« (»Lehrjahre des Gefühls«, »Erziehung des Herzens«) beschreibt die Desillusionierung des jungen Frédéric Moreau.


1872

Er beginnt nach umfangreichen Studien auf verschiedenen wissenschaftlichen Gebieten mit der Arbeit an dem in vielerlei Hinsicht einzigartigen und ungewöhnlichen Roman »Bouvard et Pécuchet« (1881 erschienen).


1874

»La tentation de Saint-Antoine« (»Die Versuchung des heiligen Antonius«) erscheint, die Überarbeitung eines bereits 1849 entstandenen Werkes, eine Bearbeitung der Antonius-Legende.

»Le Candidat«, (»Der Kandidat«).


1877

Seine »Drei Erzählungen« werden von der Kritik als Meisterwerke gelobt.


1880

8. Mai: Gustave Flaubert, der in seinem letzten Lebensjahrzehnt voller Verachtung und Hass gegen die bürgerliche Gesellschaft zurückgezogen in Croisset lebt, stirb dort.

Seine als »Correspondance« (4 Bände, 1887–1893) veröffentlichten Briefe erscheinen posthum, sowie der unvollendet gebliebene Roman »Bouvard et Pécuchet« (1881, »Bouvard und Pécuchet«).

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