Seladon

[69] Auf diesem Rasen, den die Liebe

So reizend schön für Liebende gemacht,

Saß Seladon in grüner Zweige Nacht

Voll zärtlicher Empfindungen und Triebe:

Und schnitt in einen Baum mit mattverliebter Hand

Die Verse, die sein Hertz erfand.

O seelig! würde mir gegeben

In diesem Thal, das Fried und Ruh umgibt,

Mit Iris, stets in sie verliebt,

Und stets von ihr geliebt, zu leben!

Wie gern wollt ich, mein Vaterland,

Von dir verbannt,

Unter zarten Linden, unter stillen Buchen

Meine Ruh, mein Glück,

Nur in ihrem Blick,

Und an ihrem Busen suchen.

Bis wir einstens alle zween,

Lebenssatt, nicht Liebensmüde,

Unsre Hirtenstäb in Friede[69]

In das Thal Elysien

Zu den frommen Schaaren drehn;

Da in amaranthnen Schatten

Uns vollkommener zu gatten;

Uns nicht mehr getrennt zu sehn.

Quelle:
Johann Nikolaus Götz: Gedichte. Stuttgart 1893, S. 69-70.
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