Der Empfindsame

[199] Herr Mops, der um das dritte Wort

Empfindsamkeit im Munde führet,

Und wenn ein Grashalm ihm verdorrt,

Gleich einen Thränenstrom verlieret,

Mops grüßt', als ein Romanenschmidt,

Das Autorhandwerk, mich denn mit.

Mit meinem Weibchen that er schier

Gleich so bekannt, wie ein Franzose.

All' Augenblicke bot er ihr

Tobak aus eines Bettlers Dose,

Mit dem, am Zaun' im tiefen Schlaf',

Er einen Tausch, wie Yorik, traf.[200]

Der Unempfindsamkeit zum Hohn'

Hielt er auf eine Mück' im Glase

Beweglich einen Leichsermon.

Purrt' eine Flieg' ihm an der Nase,

Macht' er das Fenster auf, und sprach:

Zieh Oheim Toby's Fliege nach!

Durch Mops ist wahrlich meine Magd

Nicht mehr bei Trost, nicht mehr bei Sinnen,

So sehr hat ihr sein Lob behagt,

Daß sie empfindsam allen Spinnen

In meinem Hause, frank und frei

Verstattet ihre Weberei.

Er trat mein Hündchen auf das Bein:

Hilf Himmel! Welch ein Lamentiren!

Es hätte mögen einen Stein

Der Straße, zum Erbarmen rühren.

Auch wedelt' ihm in einem Nu

Das Hündchen schon Vergebung zu.[201]

Ach! Hündchen, du beschämst mich sehr!

Denn daß mir Mops von meinem Leben

Drei Stunden stahl: wie schwer, wie schwer

Wird's halten, das ihm zu vergeben.

Denn Spinnen werden oben ein

Wohl gar noch meine Mörder seyn.

Quelle:
Leopold Friedrich Günther von Goeckingk: Gedichte. Teil 1–4, Teil 4, Frankfurt a.M. 1821, S. 199-202.
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