[246] 5/1376.
Mit dem ersten langsamen Scheine des Tages sag ich dir einen Willkomm in's neue Jahr, du weisst mit welcher Zufriedenheit ich es anfange, und daß ich nur Einen Wunsch habe dir recht danckbaar seyn zu können, da ich dir alles schuldig bin. Es ist mir als wenn mich nun kein Übel berühren könnte, die schönsten Aussichten liegen vor mir. Mein Vorsatz zu Hause zu mahlen ist schwanckend, und doch mögt ich gleich zu Anfange etwas über mich gewinnen. Sage mir liebste wie du geschlafen hast. Ich schicke ein kleines Gerichte. Leb wohl! Leb wohl! d. 1. Jan. 82.
G.
Schicke mir die Everdingens und Dietrichs. Beykommendes bitte als ein Geheimniß zu verwahren, es ist ein lächerliches Werck, und besser ausgeführt als gedacht.
[247] 5/1377.
Gotha den 1. Januar.
Wiewohl Sie mir schon eine abschlägliche antwort gegeben haben wage ich es doch Sie nochmals auf den Donnerstag zur redoutte zu bitten, niemand weis hier ein wort von dieser invitation als die Frau von Seckendorf, wenn Sie wollen recht artig seyn so Kommen Sie Donnerstag mittag, weil wir da beym Prinz August speisen leben Sie bis dahin wohl und Kommen Sie und zwar bald.
Charlotte.
Diese Briefe erhalt ich eben Liebe Lotte durch eine Staffette. Was das für eine Unruhe in den Fürstlichen Gliedern ist. Sie können weder stille sizzen noch andre lassen. Wenn es noch eine französche Chaussee wäre, lies ichs gelten, aber ein Zug wie durchs rothe Meer nach des ungenannten Beschreibung. Es geht ein Thauwind, und was schlimmer als alles ist, ich mag nicht. Sag du mir auch daß ich nicht soll damit ich meiner Sache recht gewiß bin. Ich will ihr einen artigen Brief schreiben, das mag ihr gnügen. Vor Frühjahr kriegt mich niemand zum Spas aus dem Neste.
Schicke mir doch meine Bücher. Die Kupfer behalte.
Der Wind verdirbt mir eine Eis Parthie ich wollte draus essen. Und hoffte dich, vor oder nach Tisch[248] auch auf dem glatten Elemente zu bewillkommen. Adieu Liebste. Sag mir ein Wort.
Unsre Herrschafften kommen also kaum zur Redoute, wenigstens Marode. Adieu. Willst du hinauf gehn?
d. 2. Jan. 82.
G.
5/1378.
Lege, meine Liebe, diese Bogen zu der übrigen Abschrifft, was noch fehlt wird bald nachkommen, alsdenn lass ich dir's binden.
Sage mir wieviel deine Mutter Geld braucht und wie bald sie es erstatten will, wenn es nicht auf zu lange ist kann ich es ihr selbst geben, es ist mir eingefallen wie ich es machen kann.
Sag mir was ich so gern höre. Das entsetzliche Wetter macht mir keine Freude, es ist doch immer schöner wenn die Sonne scheint, es mag innwendig aussehn wie es will.
Ich bleibe zu Hause und bin fleisig. Was beginnst du?
Wie wohl ist mir daß ich nicht unterweegs zum Diné bin. d. 3. Jan. 82.
G.
[17] 5/1378a.
Hochwohlgebohrner
Insonders hochgeehrtester
Herr Geheimderath,
Die gütige Zuschrifft womit Sie mich bey dem eingetretnen Jahreswechsel beehrt, war mir ein neuer Beweis von dem Freundschafftlichen Andencken dem ich [18] mich so sehr empfohlen wünsche. Angern habe ich neulich Eisenach zu einer Zeit verlassen, wo ich Ihrer gefälligen Einladung noch erst recht hätte geniesen sollen.
Behalten Sie mir Ihre schätzbaare Freundschafft und glauben daß ich an Ihrer Gesundheit, an allem was Sie angehen mag, besonders an dem Wohl der lieben Ihrigen den lebhafftesten Antheil nehme, mit welchen Gesinnungen und der vollkommensten Hochachtung ich mich unterzeichne
Ew Hochwohlgeb.
gehorsamsten
Diener
Weimar d. 3 Jan. 82.
Goethe.
[249] 5/1379.
Wie du die Augen aufthust mögt ich dir einen guten Morgen sagen, und hören wie du geschlafen hast. Ich schreibe dies Zettelgen, schon ganz frühe und muss es liegen lassen bis es Tag wird. Indess antworte ich mir selber und sage mir in deinem Nahmen das beste. Ich freue mich auf ein süses Wort von dir im Masken Getümmel, freue mich aber nicht auf das Getümmel, was heute unser schönes ruhiges Zusammenseyn unterbrechen wird. d. 4. Jan. 82.
G.
5/1380.
Noch eine Nachschrifft zu diesem Blättgen. Erlaube mir daß ich mit dir esse und nach Tisch den Schirm, wie du es gestern verlangtest, mahle. Hier schick ich auch die Farben und hoffe sie werden gut seyn. Sie kommen von hohen blonden Händen.
d. 4. Jan. 82.
G.
5/1381.
Da ich dir ieden Tag etwas geben mögte, und doch nicht ieder Tag reich ist; so ist mir's lieb daß [250] die Abschrifft in einzelnen Bogen kommt. Lege diese auch zu den übrigen, die letzten werden bald fertig seyn.
Meinen besten Grus zum schönen kalten Morgen, bald sehn wir uns auf dem Eise. Heute bleib ich zu hause und bin fleisig. d. 5. Jan. 82.
G.
5/1382.
Du kommst mir mit deinem Zettelgen zuvor, schon den ganzen Morgen geh ich um dir zu schreiben, und konnte mich durch die vielen Papiere nicht zu dir durchwinden.
Diesen Mittag bin ich zu Hause, nach Tische seh ich dich, um 4 Uhr ist Probe.
Hier schick ich den Rahmen nimm dich des Werckes an.
Dein Siegel sieht heute so freundlich aus als wenn du mich recht lieb hättest.
Lebe wohl und möge dir meine Liebe seyn was mir deine ist und bleibt.
d. 10. Jan. 82.
G.
5/1383.
Mich verlangt ein Wort von dir zu sehen, zu hören wie du dich befindest. Ich bin an des Herzogs Aufzug und werde auch noch Balletmeister. Gegen [251] zwölfe will ich aufs Eis wenns geht. Adieu beste gehst du an Hof.
d. 13. Jan. 82.
G.
5/1384.
Endlich wird das Weynachtsgeschencke ganz. Ich will dir's nun einbinden lassen, damit es dir immer bleibe.
Eh ich zur Probe gehe frag ich bey dir an. Die viele Zerstreuung und das Vertrödeln der Zeit ist mir unangenehm, und doch seh ich daß es höchst nothwendig ist, mich mit diesen Sachen abzugeben, und daß man Gelegenheit gewinnt das Gute zu thun indem man zu scherzen scheint.
d. 14. Jan. 82.
G.
5/1385.
Wenn ich hören kann daß du wohl geschlafen hast, und besser bist werde ich sehr glücklich seyn. Der Herzog von Gotha hat mir einen Abguss der wahren Büste des Vatikanischen Apolls geschickt, gegen den der unsre ein würcklicher Bauerbube ist, du wirst grose Freude haben ihn zu sehen und zu zeichnen. Nur ein Wort. d. 16. Jan. 82.
G.
[252] 5/1386.
In Hoffnung daß du gut geschlafen hast, hab ich meine Götter freundlich gegrüst. Sag mir wie du dich befindest, und daß du mir gewogen bist.
d. 17. Jan. 82.
G.
5/1387.
Die versprochenen Birn schick ich dir mit einem Morgengruse, und bitte um Nachricht wie du geschlafen hast. Ich frage bald selbst. d. 18. Jan. 82.
G.
5/1388.
Sag mir Liebe daß du wohl geschlafen hast und wohl bist, damit mir auch wieder wohl werde.
d. 19. Jan. 82.
G.
5/1389.
[19. Januar.]
Wie freut es mich von dir zu hören daß du besser bist. Das ist besser als alle Redouten. Unsre Possen sind gut gegangen und haben gefallen. Ich komme bald hinüber. Adieu.
G.
[253] 5/1390.
Wie befindet sich meine beste? Wie hat sie geschlafen? Was wird sie vornehmen?
Ich habe den Kopf voll Ideen und Sorgen. Keine für mich denn mir bläst das Glück in den Nacken, desto mehr für andre, für viele. Für sich kan man wohl noch den rechten Weeg finden, für andre und mit andren scheint es fast unmöglich. Solang mich deine Liebe und mein guter Muth nicht verlässt mag es gehn wie's will. d. 20 Jan. 82
G.
5/1391.
Gerne mögt ich dir etwas schicken und habe nichts als das Tiefurter Journal. sage mir ein freundlich Wort zum freundlichen Wetter. Ich gehe aufs Eis gegen Mittag und sehe dich vorher. Wir sollen uns scheint es auf der glatten Fläche dies Jahr nicht begrüsen. Adieu.
d. 22. Jan. 82.
G.
5/1392.
Hier sind die Lieder, und gute Aepfel. Sie haben zwar Flecken, werden aber doch noch hoff ich geniesbaar [254] seyn. Beym Aufstehen war ich so glücklich mein Lied, bis auf eine einzige Stelle gänzlich zu reinigen. Adieu beste. d. 24. Jan. 82.
G.
5/1393.
[24. Januar.]
Der Herzog hat uns zu seiner Frau Mutter geladen, weil des Königsgeburtstag ist. Ich habe nicht einen Augenblick abkommen können dirs zu sagen. Hier schick ich das Lied in seiner heutigen Gestalt.
G.
5/1394.
Liebe Lotte schick mir den Schirm, wenn's möglich ist so mach ich ihn fertig.
Heute früh eh es Tag wurde wacht ich auf und rekapitulirte mein ganzes Leben, es ist sonderbar genug und sehr glücklich da es mich zu dir geführt hat. Lebe wohl! Ich dencke heute nicht auszugehen.
Schick mir auch Hausblase mit.
d. 27. Jan. 82.
G.
5/1395.
Nach überstandner Tageslast eilt ich zu dir. Da erschröckten mich Geibels erleuchtete Fenster. Doch[255] konnt ich noch hoffen dich zu hause zu finden und ging nur geschwinder. Ich fand dich nicht, und murrte einen Augenblick! dann ging ich in dem schönen Mondschein heraus und fand dein liebliches Wort wofür ich dir dancke. Psyche war nicht stumm. du Liebe! Gute Nacht! Wenn du gewusst hättest wie ich eines Blickes von dir bedarf, du wärst zu Hause geblieben. Ich will kein Kind seyn. Adieu.
d. 29. Jan. 82.
G.
5/1396.
[Anfang Februar.]
Wie nothwendig mir gestern Abend als ich nach Hause kam deine Gegenwart gewesen wäre kann ich dir mit Worten nicht ausdrücken, ich unterhielt mich lange im Geist mit dir. Habe tausend Danck für dein Briefgen ich komme noch vor Tische kann aber wegen einer dringenden Arbeit vor 12 Uhr nicht ausgehn. Diesen Abend sind wir zusammen und so immer fort. Lebe wohl. liebe mich es ist mein gröstes Bedürfniß.
G.
Wegen der Maske will ich Friedrichen den Auftrag thun. Du hast die übrigen französchen bon mots hier noch einige dazu.
[256] 5/1397.
[Anfang Februar.]
Hier ein Brief an Knebeln. Meine Geliebte meine Vertraute. Wenn du meinst will ich ihn der Schardt zu lesen geben so etwas thut manchmal gut.
G.
5/1398.
Wieder einmal ein Wort aus dem Lärm in deine Einsamkeit.
Der Herzog von Gotha und Prinz August sind seit gestern hier, und seit Anfang des Jahres hat es viel Treibens zur Comödie und Redouten gegeben, da ich denn freylich meine Hand den Kräusel zu treiben habe hergeben müssen, die von andern Expeditionen offt schon herzlich müde ist.
Hierbey liegt die Scizze eines Redouten Aufzugs der sich gut ausgenommen hat.
Am 30. haben wir ein Ballet meist von Kindern gegeben, das ich dir auch abschreiben lasse. Ein Amor brachte, am Schluß, der Herzoginn beyliegendes Band.
Auf der letzten Redoute erschien ein Aufzug der weiblichen Tugenden, die in einem Reihen, nachdem iede es zu thun abgelehnt hatte, durch die Bescheidenheit der Herzoginn Kränze überreichen liesen, die mit dem auch beyliegenden Band geflochten waren.
[257] Graf Werther führte einen Aufzug der vier Jahrszeiten auf, die französche Verse sind von ihm.
Ich unterhalte dich von nichts als Lust. Innwendig siehts viel anders aus, welches niemand besser als wir andern Leib und Hofmedizi wissen können.
Doch ist meine Tenazität unüberwindlich, und da es mir gelingt mich täglich mehr einzurichten und zu schicken; so werd ich auch täglich zufriedener in mir selbst. Ich dancke Gott daß er mich bey meiner Natur in eine so eng-weite Situation gesezt hat, wo die manigfaltigen Fasern meiner Existenz alle durchgebeizt werden können und müssen. Die Stein hält mich wie ein Korckwamms über dem Wasser, dass ich mich auch mit Willen nicht ersäufen könnte. Die Schardt ist ein gutes treffliches Wesen. Sie hat neulich in meinem Stück das beste Wort das drinne war, aus dem Munde eines schlechten Ackteurs gleichwie aus der Luft geschossen, das den andern allen entgangen war. Die Werthern gewinnt nichts durch deine Abwesenheit. Ihre Natur die du ausgetrieben oder in die Enge getrieben hattest, kehrt in ihre alten Rechte zurück. Ich seh ihr so im Stillen zu, sie will mir gar nicht gefallen. Vielleicht sollt ich dir so was nicht sagen, aber warum auch immer schweigen.
Händel hats in Curia auch wieder gegeben. Stein, Werther und Seckendorf, haben sich gezanckt ohne sich die Hälse zu brechen. Wir haben an Schardt und Staff zwey Cammer-, an Luck einen Hofjuncker. Die[258] Herzoginnen sind wie es scheint zufrieden und leidlich mit sich und andern, das Prinzessgen wächst in seiner Prinzessheit. Mit dem Herzog hab ich gute Stunden gehabt. Leb wohl und schreibe mir bald.
d. 3. Febr. 82.
G.
Arlekin Burgemeister hat von seinem Bruder dem Milchtopf nichts. Es ist ein elend Pasquill.
5/1399.
Bis ietzo hab ich immer gehofft du würdest mir die Iphigenie schicken und mir ein holdes Wort sagen. Hier folgt ein süses Näpfgen, und die Versichrung daß ich, wenn meine Narren Rolle heut Abend gespielt seyn wird, ich mit Sehnsucht zu den Wohnungen der Weisheit und Güte zurückkehren werde.
d. 6. Febr. 82.
G.
5/1400.
Zum frühen Tag möcht ich ein gutes Wort von lieber Hand sehen, hören wie du geschlafen hast, ob du wohl bist und daß du mich gerne heute wieder empfängst wie du mich gestern entlassen hast.
d. 7. Febr. 82.
G.
[259] 5/1401.
Diesen Nachmittag hat ich mich stille gehalten und bin immer um dich geblieben. Schubert spielt noch da ich dies schreibe aus der Violine. Ich habe die Touren zu dem Aufzug der Herzoginnen componirt, er soll hoff ich artig werden und auch zu einem künftigen Ballet die Grundlage geben. Adieu. Indem ich schliefe überfällt mich das Verlangen dich noch zu sehn ich will mich enthalten! Lebe wohl! morgen früh Ackten lesen, und den Tag der Eitelkeit geben die sehr solid wird, da ich dich an der Hand habe. Adieu beste. Und schicke mir es sey was es wolle. d. 7. Febr. 82.
G.
5/1402.
Wie meine beste sich befindet mögt ich gerne wissen, es war recht schade daß du gestern nicht beym Thee und Abendessen warst, es ging alles recht gut. Herder sagte Wielanden einmal etwas unartiges und dieser erwiederte was grobes. Ich will nur erleben wenn Wieland älter wird, wie es mit seinem Radotage werden kann, denn er schwätzt alle Tage ärger in den Tag hinein. Der Herzog schmiss die schöne Vestale um und es sprang ein Finger ab, die Herzoginn betrug sich gar himmlisch schön dabey. Übrigens war [260] man vergnügt und gut, mir raunte Mephistopheles einige Anmerckungen Leise zu, und ich lies mir den Punsch schmecken. Adieu Beste sag mir wo du heut bist, ich bleibe bis gegen Abend zu Hause meiner zu warten und aufzuräumen. d. 10. Febr. 82.
G.
5/1403.
Sag mir Lotte ein Wort. Es ist mir in deiner Liebe als wenn ich nicht mehr in Zelten und Hütten wohnte als wenn ich ein wohlgegründetes Haus zum Geschenck erhalten hätte. drinne zu leben und zu sterben, und alle meine Besitzthümer drinne zu bewahren. Vor zehen Uhr seh ich dich einen Augenblick. Ich kann dir nicht Lebe wohl sagen denn ich verlasse dich nicht. d. 11. Febr. 82.
G.
5/1404.
Dein Liebes Pfand bring ich dir heute früh zurück eh ich in die Probe gehe.
Noch nie hab ich den Schluss des Carnavals so sehnlich gewünscht als diesmal. Von Morgen an zähl ich eine neue Epoche. Und muß und werde ein neues Leben anfangen. Wie ists gestern Abend noch gegangen? Ich wäre gern geblieben. Adieu. Wir [261] waren gar vergnügt. Ich war der fünfte zu 4 Fürstlichkeiten. Sie waren alle recht gut unter einander, und der Prinz munter und unterhaltend. Lebe wohl. Du weist was ich mit iedem Erwachen wiederhohle. d. 12ten Febr. 82.
G.
5/1405.
Der Entschluss zu Hause zu bleiben wird mit dem frühen Morgen schwanckend, was wäre ein Tag ohne dich zu sehen. Ich möchte mir die Haare abschneiden und sie dir als so viel Worte der Liebe schicken. Sag mir wie du heute deinen Tag zubringen wirst, und wo ich dich den Abend finde? Lebwohl und sag mir ein Wort.
d. 16. Febr. 82.
G.
5/1406.
Beykommendes Zettelgen war schon geschrieben und eben auf dem Weege.
Ich dancke für deinen Grus, werde wohl zu Hause bleiben und dich heut Abend wenn du aus dem Conzert kommst begrüsen. d. 16. Febr. 82.
Es ist mir recht wohl.
G.
[262] 5/1407.
Meine l. L. erhält hier die verlangten Lieder, ich wünsche daß sie ihr viel Freude im Stillen machen: Zugleich auch einen rothen Bleystifft, zeichne das Landschäfftgen was noch fehlt, das letzte will ich machen. Adieu beste und sag mir ein Wort. d. 17ten Febr. 82.
G.
5/1408.
Seit meinem Erwachen bin ich mit dir beschäfftigt und muß dir einige Zeilen schreiben damit ich zu etwas andrem geschickt werde. Ich will heute einnehmen. Sag mir ob du in die Gesellschafft gehst.
Und dann Lotte, ich habe eine Sorge auf dem Herzen eine Grille die mich plagt, und schon lange ängstigt du must mir erlauben daß ich dir sie sage, du must mich aufrichten. Mit Schmerzen erwart' ich die Stunde da ich dich wiedersehe. Du must mir verzeihen. Es sind Vorstellungen die aus meiner Liebe aufsteigen, Gespenster die mir furchtbaar sind, und die nur du zerstreuen kannst. d. 18. Febr. 82.
G.
[18] 5/1408a.
Hochwohlgebohrner Herr,
Hochgeehrtester Herr Geheimer Rath!
Euer Excellenz haben mir durch Herrn von Seckendorf im vorigen Jahre einen Riß mit einigen Anfragen zugeschickt, und ich muß um Verzeihung bitten, daß ich so viel Zeit verstreichen lassen, ohne die verlangten Gedanken zu überschreiben. Indessen bin ich nicht so ganz nachlässig gewesen, als es scheinen mögte, ich habe sowohl über Platz als Anlage selbst als über die anzubringenden Monumente und Inschriften nachgedacht und ich habe meinen alten Freund und Lehrer, Oeser, als ich neulich in Leipzig war, um[19] Rath gefragt. Es gehet auf das Frühjahr zu, und die Hoffnung dieser angenehmen Zeit, wo man sich gerne in Wälder und Büschen etwas zu schaffen macht, bringt auch diese Sache bey mir wieder in Bewegung.
Ich war eben im Begriff, einen kleinen Riß zu verfertigen, als ich für nöthig hielt, bey Euer Excellenz anzufragen, ob Sie nicht seit der Zeit Ihre Gesinnungen vielleicht verändert oder schon etwas bestellt und sonst eingerichtet hätten.
Die mir übersendete Zeichnung, woran ich noch ein Blatt angeheftet habe, lege ich hier bey, und bitte um Nachricht wie das terrain um den Platz, den ich mit H. bezeichne, beschaffen sey, weil, wie ich voraussagen kann, mein Vorschlag dahin gehen wird, den Eingang vom Schlosse her durch den Weg I. zu machen und in H. ein Monument zu setzen, das sogleich in die Augen falle, und die beyden anderen in A. und C. verbinde und erläutere.
Sobald ich Antwort von Euer Excellenz erhalte, wobey ich mir den Riß zugleich wieder ausbitte, will ich sogleich Risse, Zeichnungen und Modelle überschicken, und durch Ausführlichkeit das bisherige Versäumniß wieder gut zu machen suchen.
Die Frau Gemahlin empfehle ich mich aufs beste und unterzeichne mich mit der vollkommensten Hochachtung
Euer Excellenz
gehorsamster Diener
Weimar den 18. Febr. 1782.
Goethe.
[263] 5/1409.
Der Herzog hat das Conseil aufsagen lassen weil er von seinem Nachtritt ermüdet ist. Im vorbeygehn hofft ich dich zu sehen, und wollte dich um einen Bissen zu Mittage bitten. Nunmehr will ich zu Hause bleiben und den ganzen Tag fleisig seyn. Sag mir wann du diesen Abend nach Hause zu kommen denckst. Schicke mir den Band von Rousseau. und ein Zeichen deiner Gunst. d. 19. Febr. 82.
G.
5/1410.
Ew. Exzell. übersende das erste Exemplar der Illmenauer Karte, indem ich das zweyte gern zu behalten wünschte.
Ich finde nichts weiter zu erinnern als daß No 76, welche ich roth unterstrichen, vergessen worden. Herr Zinck wird auch diese zu suppliren die Güte haben und sodann für die Abdrücke sorgen. Eine Anzahl derselben wünschte ich auf geringer Papier, welches er wohl leicht wird verschaffen können, damit man mit den Guten räthlicher umgehen könne. Vielleicht wäre es nicht übel gethan man druckte erst 300 gute und eben so viel geringe, sähe wie weit man reichte, und könnte nachher immer mehrere haben.
[264] Ew. Exzell. gütiger Vorsorge empfehle ich dieses Geschäffte das sich seiner Reife zu nähern scheint, und mich zu fortdaurendem Wohlwollen.
Weimar d. 19 Febr. 1782.
Goethe.
5/1411.
Die Antwort, die ich so lange verzögert habe, konnte nur eine Generalrevision meiner Briefschulden in Bewegung bringen, die ich heute, bey Gelegenheit einer Reise, die mir bevorstehet, wohl mit einiger Scham und Widerwillen unternehme. Doch entschuldiget mich einigermassen gegen Sie die Materie, die wir zu traktiren haben, die sich mündlich so schweer und in Schriften fast gar nicht abhandeln lässet.
Die Unzufriedenheit mit Ihrem Zustande, die Sie mir zu erkennen geben, scheint mir so sehr aus dem Verhältniß Ihres Innersten Ihrer Talente, Begriffe und Wünsche, zu dem Zustande unserer bürgerlichen Verfaßung, zu liegen, daß ich nicht glaube, es werde Sie die Veränderung des Ortes, außer einem geringen Mehr oder Weniger, iemals befriedigen können. Es ist in unserm ganzen Lande keine einzige Justizbeamtenstelle davon nicht der Besizer an eben den Übeln krank läge, über die Sie Sich beklagen. Keine subalterne Stelle ist weder für einen denkenden Menschen, was wir gewöhnlich so nennen, noch dazu eingerichtet, das [265] Leben in einem seinern Sinne, zu geniessen. Tüchtige Kinder dieser eingeschränkten Erde, denen im Schweiß ihres Angesichtes ihr Brod schmeken kann, sind allein gebaut, sich darinn leiblich zu befinden, und nach ihren Fähigkeiten und Tugenden das Gute und Ordentliche zu wirken. Jede höhere Stelle ist nach ihrem Maase unruhiger, mühseeliger und weniger wünschenswerth. Für Sie, habe ich immer gedacht, müßte eine akademische Stelle weit die beste seyn. Ihr bestimmter Geschmak für die Wißenschaften, Ihre schönen Kenntniße, die Sie, mit weniger Mühe gar leicht zwekmäßig erweitern, und nach einem Ziele hinleiten könnten, machen Sie von dieser Seite gewiß vorzüglich dazu geschikt. Wie wenig müßte es Ihnen schweer fallen, als Profeßor der Philosophie, die menschlichen Dinge in einer schönen Ordnung und Vollständigkeit vorzutragen und Sich, indem Sie Sich einem reizenden Studio widmeten, andern nüzlich zu machen. Und wie viel Zierde würden Sie den trokensten Sachen durch Geschmak und durch das richtige Gefühl geben, das Sie immer begleitet. Ihr Nahme selbst der Ihnen iezo beschweerlich wird, müßte alsdann zu Ihrem und Ihres Geschäftes Vortheil gereichen. Diese angenehme Aussicht habe ich mir Zeither mehr als einmal und in weit größerm Detail vorgespiegelt; aber mir ist auch die andere Seite nicht verborgen geblieben. Alle unsere Akademien haben noch barbarische Formen in die man sich finden muß, und der Partheygeist der [266] meistens Collegen trennt, macht dem Friedfertigsten das Leben am sauersten und füllt die Lustörter der Wißenschaften mit Hader und Zank. Prüfen Sie Sich mein lieber Bürger, denken Sie nach vielleicht findet sich etwa in der Nähe eine Gelegenheit, sagen Sie mir Ihre Gedanken, sagen Sie mir, was Ihnen indeßen geschehen ist und überzeugen Sich von dem Antheil, den ich bißher auch stillschweigend an Ihrem Schiksaale genommen.
Weimar den 20. Febr. 1782.
Goethe.
5/1412.
Auf Ihr gefälliges Schreiben, dem Sie eine Probe der Überzeugung meines Werthers beyfügten, und welches schon eine ganze Zeit bey mir liegt, hätte ich früher antworten sollen. Vergeben Sie diesen Aufschub meiner Laage, die mich oft hindert, das gegen Auswärtige zu thun, was ich mir sonst für Pflicht achte.
Ihre Übersetzung habe ich mit Vergnügen gelesen und daraus gar leicht gesehen, daß Sie meine kleine Schrift und ihre Absicht wohl verstanden haben, und ich glaube Ihnen meine Dankbarkeit für Ihre Bemühung nicht besser bezeigen zu können, als wenn ich mich erbiete Ihr Manuskript durchzugehen, über einzelne Stellen meine Gedanken zu sagen und Ihnen [267] zu überlaßen was Sie alsdann davon brauchen wollen. Solches zu thun, würde ich mich, bey meiner wenigen Kenntniß der italiänischen Sprache, nicht wagen, wenn ich nicht einen Gelehrten um mich hätte, der selbst in Italien lange gewesen, der, nach seiner Rückkunft, sich das Studium der Sprache jederzeit angelegen seyn lassen, und der selbst den Werther zu übersezen einen Versuch gemacht. Wenn Sie selbst gegen wärtig wären, so brauchte es vielleicht dieses dritten Mannes nicht, ohne den ich aber in der Entfernung Ihnen nicht nüzlich seyn zu können glaube. Sobald ich Ihre Übersezung erhalte, will ich einige freye Stunden, deren mich der nächste Sommer hoffen läßt, solange dazu widmen biß ich diesem Versprechen, soviel möglich Genüge thue.
Die Vorliebe die ich für Ihre Sprache habe, macht mir es wünschenswerth, diejenigen Gedanken und Empfindungen, die ich im deutlichen auszudrücken und zu verbinden gesucht in ihr, in einer für mich neuen und überraschenden Gestalt wieder zu erblicken. Leben Sie wohl und behalten Sie lange in allen Ihren Geschäften die Munterkeit und den Muth, die nöthig waren, eine Schrift zu übersezen, der ich einen so großen Werth wünschte, als Schwierigkeiten bei dieser Arbeit sind. Weimar d. 20. Febr. 1782.
Goethe.
[268] 5/1413.
Sie werden es dem Vertrauen, das ich zu Ihrer Güte habe, zuschreiben, wenn ich mich in einer kleinen litterarischen Angelegenheit an Sie wende.
Im Jahre 1752 ward eine Ausgabe des Reineke Fuchs bey Ihnen gedrukt. In derselbigen sind Kupfer, um die es mir eigentlich gegenwärtig zu thun ist. Da sie sehr ausgedrukt, und an einigen Stellen aufgestochen sind, so läßt sich vermuthen, daß sie schon zu einer oder mehrern ältern Ausgaben gedient haben. Die älteste nun von diesen zu erfahren und, wo möglich, zu besizen, wünschte ich gar sehr, indem ich auf die Werke des Albert van Everdingen, der sie verfertiget, einen großen Werth lege. An wen könnte ich mich mit beßerer Hoffnung wenden, als an Sie, und bin wenigstens gewiß, daß ich einige sichere Nachricht durch Ihre Güte werde erhalten können. Sie verzeihen aus alter Neigung und Freundschaft der Freyheit, deren ich gebrauche, beehren mich mit einer baldigen Antwort und halten Sich versichert, daß ich Ihnen iederzeit mit vorzüglicher Hochachtung ergeben bleibe.
Weimar den 20. Febr. 1782.
Goethe.
[269] 5/1414.
Da ich dencke du bist in der Zeichenschule, schick ich erst ietzo meinen Morgengrus mit den lange versprochnen Blumen. Ich bitte um die Schachtel zurück.
Auch das Portrait soll bald gebracht werden. Sag mir wo du heute bist und ob du nicht spazieren fahren magst.
Lebe wohl und sag mir ein liebes Wort.
d. 21. Febr. 82.
G.
5/1415.
Sage mir ein gutes Wort l. L. in meine Einsamkeit. Ich gehe still in meinem Wesen fort bin fleisig und sehe einige ruhige Tage vor mir. Heut Abend ist großer Thee bey dem Grafen. Du bist wohl schweerlich geladen. Sage mir den Plan deines Lebens, in den ich doch auch gewiss mit gehöre. Adieu vielgeliebte.
d. 22. Febr. 82.
G.
5/1416.
Mir ists gut L. Lotte. Daß keine Cour ist freut mich nur halb. Ich nahm mir vor die Herzoginn Mutter zu besuchen, und habe schon deswegen geschrieben. Eh die Antwort kommt bleibt mein Schicksal [270] unentschieden. Die Kreppel schmeckten fürtrefflich. Hier ist das unvollendete Portefeuil. Adieu liebste ich sehe dich Nach Mittag d. 24. Febr. 82.
G.
5/1417.
Guten Morgen liebe Lotte! Nur daß ich erfahre was du vor hast, daß ich die Züge deiner Hand sehe. Ich habe viel zu thun und sehe immer queer durch nach dir. Adieu Beste.
d. 25. Febr. 82.
G.
5/1418.
Der Herzog hat mir noch nichts sagen lassen vielleicht schickt er noch.
Mir ists ganz wohl ich bin schon auf meinen Hügeln gewesen.
Hier schick ich alles. Auch eine Reisfeder. Adieu liebste ich sehe dich auf alle Fälle.
d. 25. Febr. 82.
G.
5/1419.
[Ende Februar.]
Sie haben bester Herr, Schumannen aufgetragen den Aufzug zu mahlen, er verlangt von mir die Liste.
[271] Erlauben Sie daß ich einige Remonstrationen vorbringe.
Diese Feyerlichkeit war an sich ein gewagter Scherz, ist glücklich abgelaufen, hat gute Würckung gethan und Freude gemacht, und wird iedem der Zuschauer als eine abenteuerliche und angenehme, vorübergegangene Erscheinung zeitlebens vor Augen schweben.
Bey hellem Tage mit nüchternem Muthe muß man so was nicht betrachten. Sollte es daher wohlgethan seyn mit Schumannischen Figuren aufs Papier zu heften, was nur als Traum vorbeyziehen sollte und was weder gemahlt noch beschrieben werden kann.
Ich wünschte sogar daß Sie verböten etwas davon in's Wochenblat zu setzen. Lassen Sie die Zuschauer sich untereinander davon unterhalten und es Fremden, es künftig ihren Kindern erzählen, der grösste Reiz wird bey aller Überlieferung das unaussprechliche bleiben, die Imagination wird arbeiten und Sie Ihres Zwecks nicht verfehlen, statt daß Schumanns Handwercks Faust diese Schmetterlinge sicherlich, und ieden schönen Effeckt ihres faltternden Lebens, ermordet.
s. m.
G.
5/1420.
Gestern ist ein Kästgen an den Herzog, woraus ich für mich die Amazonenkönigin erhalten habe, angekommen, [272] und es werden heute von dem an Frau von Stein geschikten Mehl Waffeln gebaken.
Ich beneide dich um die Ruhe deines Zustandes und um die Nachbarschaft der Raphaels. Neuerlich lese ich die Schriften des verstorbenen Mengs und da lernt man sich bescheiden, daß eigentlich Niemand als ein solcher Künstler über die Kunst reden sollte. Sie sind in allem Betracht vortreflich und gereichen mir zu rechtem Trost, da ich so vieles, was bisher bey mir nur Stükwerk war, verbinden, und meine Erkenntniß der vortreflichen Sachen immer mehr schärffen kann.
Du hast recht wohl gethan, deinem lezten Brief iene lange Rechtfertigung einzurüken. Es ist immer gut, wenn man vergleichen Gegenstände unter sich abhandelt, denn gewöhnlich sezt man sich etwas in den Kopf und ie länger es treibt und Wurzel schlägt, desto schweerer ist es auszurotten.
Unser Carnaval ist zu meinem großen Vergnügen endlich auch vorbey. Ich habe viel ausgestanden, da ich mich, aus alten und neuen Ursachen, dienstfertig erwieß und verschiedene Aufzüge erfand und besorgte. Ich lege dir den Entwurf und die Verse des lezten bey, welchen die beyden Herzoginnen aufführten.
Das Theaterstük zu der Herzogin Geburtstag laß ich dir auch abschreiben. Da es meist Pantomime und Tanz war, so ist freylich nicht viel dran zu lesen. So viel von der glänzenden Schaale unsers Daseyns, [273] das Innere ist im Alten, nur daß mit einem immerwährenden Wechsel, sich das eine Capitel verschlimmert, indem sich das andere verbeßert. Das alberne Geschäft der Auslesung iunger Leute zum Militare, sezt mich in die Nothwendigkeit nächstens vier Wochen im Lande herum zu reiten. Ich denke mir die Reise angenehm und auf alle Weise nüzlich zu machen. Es giebt gar vielerley Weisen die Welt anzusehen und Vortheil von ihr zu ziehen. Mein Gedicht auf Mietings Tod sollst du haben, so bald es fertig ist. Es hat in seiner unvollendeten Gestalt schon einen Beyfall erhalten, der mich vergnügen muß.
Übrigens ist, wie sich es versteht, in dieser Jahreszeit niemand wohl.
Es wäre mir angenehm, wenn Prestel aus seinem Werke dieienigen Kupfer, die nach Raphaelen sind um einen leidlichen Preiß einzeln verlaßen wollte.
Lebe wohl. Nächstens, vielleicht noch vor meiner Reise, die ich den 14. Merz antrete, ein mehreres.
Weimar den 26. Febr. 1782.
G.
5/1421.
Was macht der Fus? denn ich wünschte heut mit dir in dem schönen Wetter zu spaziren. Wie hat meine liebe geschlafen? Was hat sie heute vor? Vielleicht[274] könnte man sich heute bey mir versammeln. Lebe wohl. d. 28. Febr. 82.
G.
5/1422.
Mit was für Gedancken ich aufstehe das weist du. Sag mir wie du geschlafen hast? Hier schick ich das französche deutsche Theater. Vous y trouveres une tragedie d'un Mr. Goethe, qui s'est acquis une grande Renommee par ses ecrits et qui naquit en 1749 pour Vous aimer en 1782 et toute sa vie.
Hast du ein Heft des Tiefurter Journals bey dir, so schick es mir. Prinz August verlangt darnach.
d. 2. Märtz 82.
G.
5/1423.
In der Hoffnung meine Liebe heute bey mir zu sehen fang ich den Tag an, schicke ihr eine schöne Rose und wünsche daß ihr meine Neigung immer so schön vorkommen möge als diese Blume aussieht.
d. 3. März 82.
G.
5/1424.
Sag mir liebste wie du geschlafen hast? Hier die versprochnen Blumen, da noch die Welt dürr und[275] rauh ist. Was ihnen an Wahrheit abgeht, gewinnen sie an Schönheit der Nachahmung und an Dauer. Beyliegende Verse sende doch ia zur rechten Zeit, mit einem Porzellanteller voll Hafer an die Jöchhausen wenn der Thee beysammen ist. Daß es aber ia recht bestellt wird. Adieu. An diesem Abendleuchten mir keine schöne Sterne.
d. 4. März 82
G.
5/1425.
Ihr Brief meine Beste hat mich beschämt, und mich meine Nachlässigkeit verwünschen gemacht.
Zu Anfang des Jahrs redete ich mit der kleinen Schardt ab, Ihnen ein Portefeuille zu mahlen und es zum Geburtstag zu schicken. Es stand lange gestickt in meiner Stube und ich konnte nicht dazu kommen, daß endlich der 15te verstrich. Wäre es fertig geworden so hätten Sie es den Tag drauf als Ihr Brief abgegangen war erhalten. Nun hat es Frau v. Stein gemahlt, ist aber auch nicht glücklich gewesen der Atlas floss, er war zu dünne, es ist eben kein Glück und Segen dabey.
Behalten Sie mich lieb, grüsen Sie die Brüder! alles Glück dem neuen Paare! Ich bin wohl und noch immer in meinem Thale. Geniesen Sie des Lebens.
Weimar den 4. März 82.
Goethe.
[276] 5/1426.
Sie sind gütig mir oft ein Zeichen Ihres Andenkens zu geben.
Danken Sie Ihrer fürtrefflichen Fürstinn für den Anteil den sie an meinem Daseyn nehmen will, sehr lieb wäre es mir mich durch sie besser kennen zu lernen, sagen Sie ihr: Sie könne versichert seyn daß ich mir's in der Welt sauer werden lasse.
Das Leben Prinz Bernhards von Weimar, das ich zu schreiben unternommen hatte, liegt, mit vielen andern Anschlägen, auf der Seite. Vielleicht kann ich einen geschickten Mann, den wir jetzt in der Nähe haben, veranlassen es nach meinem Plane zu schreiben.
Herrn v. H. grüsen Sie. Es ist mir immer erfreulich wenn ich sehe, daß die Unarten meiner vorigen Zeiten keinen so übeln Eindruck bey den Menschen zurückgelassen haben als ich wohl verdient hätte.
Ihrem Herrn Vater schick ich ehstens von meinen Sachen. Ein Verzeichniß davon bin ich selbst nicht wohl im Stande zu fertigen, es sind so viele Kleinigkeiten.
Leben Sie wohl, und vergessen das versprochene Bild nicht.
Weimar, d. 4. März 1782.
Goethe.
[277] 5/1427.
Hier l. Lotte ist ein Brief von Knebeln, mit einem guten Morgen, ich sehe dich balde, dich
α/ω
d. 7. März 82.
G.
5/1428.
Ich wünschte gar sehr zu wissen wie meine beste geschlafen hat? Wie sie sich befindet? und was sie heute vorhat? Sodann erwart ich das Portefeuille mit Freuden. d. 9. März 82.
G.
5/1429.
Hier von Lieben und Guten einige Töne in deine Einsamkeit. Dabey das Ballet zum 30. Januar. Die Artigkeit der Kinder, die in alte Weibchen und Gnomen verkleidet waren, und das Saubere der Ausführung bey einer gefälligen Musik gab dem Stücke den Werth.
Lebe wohl und bete für mich!
G.
[278] d. 9. März 82.
5/1430.
Mein erstes Verlangen beym Aufwachen geht wieder zu dir, und es will gar nicht mit der Nothwendigkeit übereinstimmen mich bald zu entfernen. Lebe wohl. Mein ganzes Wesen wird dir immer fester verbunden. Du weisst es, aber fühl es auch und sey glücklich wie du mich glücklich machst. Leb wohl! ich kan so wenig von diesem Papier als von deiner Gegenwart mit Willen scheiden.
d. 14. März 1782.
G.
5/1431.
Der Kutscher soll diesen Grus überbringender bald zurückfährt. Ich bin schnell und bequem herüber gekommen, dancke dem Herzog dafür. Da das Wetter so übel ist fürcht ich für Dornburg, deswegen thu ich einen andern Vorschlag wenn ienes nicht möglich würde. Den 19ten frühe kämt ihr nach Osmannstädt wo ich auch zeitig seyn wollte, und Abends gingen wir auseinander. Davon müsst ich die Nachricht d. 18ten in Apolda haben. Lebe wohl. Allein in Osmannnstädt müsstet ihr etwas mitbringen dort kan ich für nichts sorgen. Adieu ich schwebe um deine Schultern.
Jena d. 14. März 82.
[279] 5/1432.
Wie es Nacht wurde wollt es schon nicht recht mit mir fort, und nun schlagen sie den Zapfen Streich den ich sonst an deiner Seite zu hören gewohnt bin, und mein Verlangen dich zu sehen wird schmerzlich.
Wie wird es werden wenn das Wetter dich Sonnabends wie ich fürchte hindert.
Es geht mir wohl hier, weil manches wohl geht. Ach Lotte was kann der Mensch! Und was könnte der Mensch.
Lebe wohl, ich bin auf alle Weise dein. Und muss dir's sagen, und kann mich nicht bey einzelnen Vorfällen aufhalten.
Ich freue mich auf's neue unsere Naturlustige Gesellschafft künftigen Winter zu bewirthen, die Einrichtung wird gewiss artig, wenn nicht der böse Dämon der Plattheit, der mir so manches verderbt hat, auch dieses zerstört.
Adieu. Meine Gedancken eilen zu dir und freuen sich dich auf halbem Weeg anzutreffen.
Jena d. 14. März 82.
G.
NB. Zum Glück werd ich gewahr daß ich heute früh durch ein Versehen falsche Datums geschrieben habe. Ich kann d. 19ten in Osmannstädt seyn und [280] den Tag da zubringen, wenn ich d. 18ten davon in Apolda Nachricht erhalte. also dies zur Beherzigung wenn der Ausfall auf Dornburg misglückte.
5/1433.
Dornburg d. 16ten März 82.
Abends um 6
Als ich heute früh erwachte und die schöne Sonne sah, hofft ich du würdest kommen und so bracht ich meinen ganzen Tag zu. Jetzt da es Nacht wird sinckt mein Vertrauen nach und nach, und die Resignation tritt ein.
Der Herzog wird in einer Stunde hier seyn und der bringt mir hoff ich einige Worte von dir.
Auf den Dienstag wirds vielleicht eher, ich darf mir nicht dencken daß der auch vorbey gehn soll ohne daß ich dich sehe, und soll dir so nah seyn.
Du denckst dir nicht mein Erwarten und Sehnsucht, um drey, vier Uhr wo mir ieder Augenblick dich bringen konnte.
Mein Mieting ist fertig, ich hofft ihn dir vorzulesen, und euch einen guten Abend zu machen. Mir scheint das Ende des Anfangs nicht unwerth und das ganze zusammenpassend.
Nun will ich über den Egmont und hoff ihn endlich zu zwingwen.
[281] Noch betrügen mich Stimmen und die Erwartung bald denck ich den Schach zu hören, Bald als käm eine Kutsche und es wird immer dunckler, und gewisser du kommst nicht.
d. 17ten Sonntags. früh.
Gestern kam der Herzog und brachte mir deine Beyden Briefe die er in Jena aufgefangen hatte, ich war herzlich vergnügt deine Hand zu sehn und was ich von deinen Lippen zu hören hoffte, in dem Briefe zu finden.
Heut und Morgen will ich recht vergnügt zubringen da mir den Dienstag das Glück dich zu sehn bevorsteht. Jetzt ist mir's lieber daß du nicht gekommen bist. Der halbgeschmolzne Schnee zwischen den schwarzen Bergen und Feldern, giebt der Gegend ein leidig Ansehn. Du sollst sie im Sommer zum erstenmal besuchen.
Der Herzog ist vergnügt, doch macht ihn die Liebe nicht glücklich sein armer Schatz ist gar zu übel dran, an den leidigsten Narren geschmiedet, kranck, und für dies Leben verlohren.
Lebe wohl meine beste, du immer gleiche. Möcht ich dein Glück machen wie du meins. Adieu. ich bin immer um dich, und du hast mich noch nicht einen Augenblick verlassen.
Dienstags um zehn erwart ich dein in Osmannstädt.
G.
[282] 5/1434.
Dornburg. Sonntag [17. März] Abends.
Der Tag ist stille hingegangen. Wir haben geschwäzt und gelesen, sind ein wenig gegangen pp Ich bin ganz leise fleisig, ich möchte nun Egmont so gar gerne endigen, Und seh es möglich.
Es geht morgen ganz früh ein reitender Bote nach Weimar, so kannst du dies zum guten Tag haben.
Meinen Montag bring ich in Hoffnung des Dienstags zu. Wenn du nur gesund bleibst! Ich bin in Sorge denn es macht mir gar grose Freude, und alsdenn vergehn acht Tage eh ich dir näher komme.
Mein Gedicht hat der Herzog sehr gut aufgenommen, ich bin auf sein weitres Schicksaal verlangend. Ich habe der Schrötern zu ehren zwölf Verse drinne, die du hoff ich schön finden und in allem Sinne damit zufrieden seyn sollst.
Tobler hat noch drey Stücke des Aeschylus geschickt, und ein Paketgen aus der Griechischen Anthologie für dich, die Werthern und die Kleine.
Lebe wohl. ich bin dein. Meine Seele schliest sich in sich selbst zusammen wenn mir dein Anblick fehlt. Diesmal wird mir Osmannstädt wohl unterhalten und meublirt vorkommen. Adieu meine liebste. Sey fleisig am Apoll.
G.
[283] 5/1435.
Das Wetter ist so wenig einladend und die Welt auch nicht, und ich soll wieder aus deiner Nachbarschafft. O wenn ich dich nur noch einen Augenblick sehen und dir ein Abschieds Wort sagen könnte mein Herz rastet nicht dich zu lieben, ich komme nicht weg von dir. Werde nicht müd immer dasselbe zu hören. Mein Egmont ist die einzige frohe Aussicht auf die Acht Tage das einzige was ich zwischen mein Verlangen zu dir einschieben kann daß es mir nicht schmerzlich wird. Adieu Grüse den Herzog und danck ihm. Dir kann ich nicht dancken als mit meinem ganzen selbst. Hier sind Briefe die dir gefallen werden. Wie hoff ich in Alstädt ein Wort von dir an zu treffen. Sey fein fleisig am Apollo, so bald ich wiederkomme bestell ich dir den Gitterrahm. Adieu. Der Wagen hält und ich stehe so ungern von dieser Schrifft auf. Tausendmal Adieu. d. 20. März 82.
G.
5/1436.
Buttstädt d. 20. März.
Mein Verlangen zu dir meine Geliebte läßt mich dir fast nicht schreiben, wenn ich ihm folgte, so setzte ich mich auf und ritte hinein, denn der Zeit nach wär[284] ich doch Morgen zur rechten Stunde wo ich seyn soll. Wäre es lieblich Wetter so geschäh es auch, nun hält mich der Sturm, und der entsetzliche Weeg von dir ab.
Beym Mittagsessen erzählten die Stadtvögte, und besonders Castrop, alte Geschichten wie sie sich im Kriege aus allerley Verlegenheit geholfen. Es ist mir auch im Kleinen interessant zu sehen wie der Mensch sich wendet und dreht und sein Geschick gelten macht.
Die Unstrut ist ausgetreten, ich werde umreiten müssen, und Morgen Nacht wohl in Kalbsrieth beym würdigen Curius schlafen der auch Rüben brädt, aber nicht in der Asche.
Nun will ich mich hinsetzen und einen alten Geschichtschreiber durchlesen damit Egmont endlich lebendig werde, oder auch wenn du willst daß er zu Grabe komme. Heute früh hab ich auch an Wilhelm Meistern gedacht gebe der Himmel daß Garvens Weissagung eintreffe, denn wenn nichts zu thun ist hab ich nichts was ich zwischen mein Verlangen zu dir legen kan als die liebe Kunst die auch mir armen in der bösen Zeit bey steht.
Abends.
Ich habe gelesen, ausgezogen und geschrieben. Den ersten Tag daß ich von dir weg bin will es nie recht gehn, mich reisst iedes Fäsergen meines Wesens zu dir. Heute war mir's fast unerträglich daß ich dich erst in acht Tagen wiedersehen sollte. Was für wunderbare [285] ich mag wohl sagen thörige Bewegungen in mir vorgehen darf ich dir nicht erzählen.
Zum Egmont habe ich Hoffnung, doch wirds langsamer gehn als ich dachte. Es ist ein wunderbaares Stück. Wenn ich's noch zu schreiben hätte schrieb ich es anders, und vielleicht gar nicht. Da es nun aber da steht so mag es stehen, ich will nur das allzuaufgeknöpfte, Studentenhaffte der Manier zu tilgen suchen, das der Würde des Gegenstands widerspricht.
Diesen Brief erhälst du durch einen Boten der Morgen frühe weg soll.
O du beste! Ich habe mein ganzes Leben einen idealischen Wunsch gehabt wie ich geliebt seyn mögte, und habe die Erfüllung immer im Traume des Wahns vergebens gesucht, nun da mir die Welt täglich klärer wird, find ichs endlich in dir auf eine Weise daß ich's nie verlieren kann. Lebe tausendmal wohl.
G.
d. 21ten früh.
Noch einen guten Morgen eh ich Buttstädt verlasse. Heut Abend werd ich in Kalbsrieth seyn. Morgen find ich einen Brief von dir das ist mein sehnlichster Wunsch. Wenn ich von dir weg bin werd ich nicht eh beruhigt bis ich wieder ein Paar Zeilen von dir sehe.
Was macht dein Hals? Wie befindest du dich. Lebe wohl. Von Alstädt schick ich dir den Mieting wenn Gelegenheit ist ich lasse dir ihn abschreiben.
[286] Der Tag ist heute besser als gestern doch wird immer etwas zu leiden seyn. Leb wohl du liebste Aussicht meines Ganzen Lebens. Leb wohl du einzige in die ich nichts zu legen brauche um alles in dir zu finden.
G.
5/1437.
Kalbsrieth. d. 22. März 1782.
Gestern kam ich schon zeitig hierher, und hörte mit grosem Vergnügen daß die Seckendorf und Caroline kommen würden. Ich wusste daß der Präsident auf dem Weege war, und zwischen Vater und Sohn, gegen die mein innerstes zugeschlossen ist, dachte ich mir ein Paar betrübte Tage. Solange als die kleinen Gäste erwartet wurden hatte ich nicht den Verstand zu hoffen daß meine Liebste mir mit dieser Gelegenheit schreiben würde, so fest hatte ich mir in den Kopf gesetzt daß ich durch Reviglio in Alstädt einen Brief haben sollte. Wie fröhlich war ich als mir Carolingen ein Papier gab, ich danckte deiner Sorgfalt tausendmal, und alle Besorgnisse waren mir verschwunden, als ich wieder von deiner Hand die Versichrung deiner Liebe las. Wir waren munter und vergnügt. Ich erzählte ihnen ein Mährgen, worüber viel gelacht wurde, indem sich aus einer weitläufigen Geschichte der Ursprung eines grosen Löffels den der Stadtrath zu Rastenberg aufbewahrt, und des [287] graziosen Lächlens einer bekannten Standsperson offenbaarte.
Mit diesem schicke ich dir die Abschrifft von Mie tings Trauergedicht durch einen Expressen. Lass mich Sonntag Abends in Grosrudstädt etwas von dir finden.
Montags Abend bin ich schon wieder bey dir, länger möcht es nicht auswärts gehn, besonders da ich zu Ende der Woche wieder fort muß.
Ich komme aber Montags späte, dies schreib ich dir nur damit du mir zu liebe zu Hause bleibest und ich dich gewiss antreffe.
Im Strada der den alten Niederländischen Krieg geschrieben hat, finden sich gar treffliche Schilderungen von Personen die ich dir übersetzen will. Wenn ich nach hause komme will ich die Stelle Quintilians nach der du fragst aufschlagen und sie mit dir lesen.
Lebe wohl liebes Leben. Wenn du mir nur schreibst daß du gut geschlafen hast, giebt mir's neue Kräffte auf den ganzen Tag. Gott erhalte dich. Seit ich in deiner Liebe ein Ruhen und Bleiben habe ist mir die Welt so klar und so lieb. Unter den Menschen nenne ich deinen Nahmen still für mich, und lebe auch entfernt von dir nur um deintwillen. Ich habe dir viel artiges zu erzählen.
Gegenüber schreib ich, was ich dir von Briefen seit Mittwochs geschickt habe, mercke dir auch was du mir schreibst. damit nicht ein Billet verlohren gehe.
[288] Mittwochs d. 20ten früh.
In Weimar ein Billet mit einem Briefe von der Jöchhausen und Oesern.
Von Buttstädt ein Billet durch den Kutscher frühe, das hast du d. 20ten Nachts um 10 Uhr noch nicht gehabt.
Von Buttstädt durch einen Boten einen Brief d. 21. frühe.
Dieses von Kalbsrieth. d. 22ten. früh.
G.
Adieu! grüse den Herzog.
NB. heute bleib ich hier.
Morgen d. 23. auf Alstädt. Abends wieder Kalbsrieth.
Sonntags d. 24. auf Grosrudstädt.
Montag Abend nach Weimar.
Wenn du dem Boten heute Abend ein Paar Zeilen mitgiebst, so find ich sie Morgen Abend hier, wen ich von Alstädt wieder zurückkomme.
Schreibe mir doch ia von der Gräfinn Brühl daß ich etwas für die Weibgen habe.
5/1438.
Vergnügt und beruhigt geh ich zu Bette weil ich weis morgen schlaf ich nicht ein ohne meiner Geliebten [289] gute Nacht gesagt zu haben. Wir haben heute eine kalte Reise gehabt, wäre es Stöperwetter wie gestern gewesen, würde es uns noch härter gedäucht haben. Ich bin merck ich müde und auch verdrüslich über eine kalte und raucherige Stube. Also nur diese Zeilen als Vorboten daß ich komme. Hier einen Brief von der Gräfinn der dir wird Lachen erregen, er hat recht gute Stellen. Danck sey dir tausendmal für alles gute was du an mir zeither gethan hast.
Wir sind im eigentlichen Sinne nicht von einander entfernt gewesen. Ich habe dir vielerley zu erzählen.
Mir graut vor Eisenach wo ich lange von dir nichts hören werde. Doch wird die erfindungsreiche Liebe auch wohl da ihr Recht behaupten. Gute Nacht. Ich gebe dir alles in Gedancken zurück um es von dir wieder zu empfangen.
Grosrudstädt d. 24. März 82.
G.
[19] 5/1438a.
[kurz vor 25. März 1782.]
Lassen Sie sich um vier Uhr durch einen kleinen Herder an die sogenannte gothische Kirche in des Herzogs Garten führen; ich will so bald als möglich da seyn und freue mich herzlich Sie zu sehn.
G.
[289] 5/1439.
Es dringt so vielerley auf mich zu Liebe Lotte daß ich mir nicht kan so wohl seyn lassen dir ein gut Wort zu schreiben. Nur also diesen Grus, und die Hoffnung dich vor Tisch zu sehn.
d. 26. März. 82.
G.
[290] 5/1440.
Gern möcht ich dir ieden Morgen eine Blume schicken, von rechtswegen müssten auch schon Veilgen da seyn wenn der Schnee nicht das Land bedeckte. Hier hast du eine Aurickel,
von Mädgen Hand geschickt hervorgebracht.
Du weisst daß ich dir immer einen schönen Kranz binde. Lebe wohl. d. 27. M. 82.
G.
5/1441.
Leider ist heute wieder der letzte Tag den ich in deiner Nähe zubringe, und werde nicht einmal viel bey dir seyn können. Diesen Morgen seh ich dich einen Augenblick, und freue mich auch auf diesen. Lebe wohl und schicke mir die Rolle, und – es war sonst noch etwas das ich vergessen habe.
Adieu du immer gleiche unvergleichliche.
d. 28. März 82.
G.
5/1442.
Erfurt d. 29. März.
Dieses zum Zeichen daß die Fluthen bey Linderbach mich nicht verschlungen haben, und eine Bitte.
[291] Besser ist es für den Reisenden an das zu dencken was ihm bevorsteht als an das was er zurück lässt. Darüber hab ich meinen Mantel vergessen. Zum Glück ist es noch trocken Wetter.
Schicke ihn an den Kriegs Kanzellisten Seeger der kann ihn mitnehmen er geht den zweyten Feyertag weg und kann mir auch von dir etwas bringen.
Lebe wohl mir thun die Arme noch von der Gewalt weh, die ich anwenden musste, den stärcksten aller Knoten zu zerreissen.
G.
5/1443.
Die liebe süse Ordnung meiner Tage und Stunden ist ganz aufgehoben und in dem Zirckel eines neuen Lebens mit fortgerissen, fühl ich mich mir selbst fremde. Man ist wie immer sehr freundlich und auf alle Weise gefällig gegen mich, und ich thue das Meinige dagegen. Dein Brief liebste Lotte rief mich wieder ganz zu dir hinüber, ich lebe nur bey dir und durch dich. Die Herzoginn sitzt schon vielleicht sechs Wochen, lässt sich tragen, und niemand glaubt ihre Kranckheit, man hält es für Verstellung und niemand kann doch sagen warum oder wozu. Der Herzog ist auch nicht recht, er macht sich starck, und kann es nicht ganz verläugnen. Der Prinz ist gar gut, er hat recht viel Kenntnisse und Verstand, mit ihm ist angenehm leben. [292] Die Oberhofmeisterinn find' ich wenig verändert, wir haben schon wieder redlich geschwäzt. Von der Diede hab ich eine Abneigung die ich nicht überwinden kan, ich weis nicht warum, es kan sich legen, genug iezt wenn sie da ist kan ich nicht den Mund aufthun, es sey denn von gleichgültigen Sachen. Der Mensch ist eine wunderliche Zusammensetzung. Adieu Liebste. Sehnlich erwart ich mehr von dir durch Seeger. Es ist spät. Adieu. Sonnabends d. 30. März. Gotha.
G.
5/1444.
[Gotha] Sonntag [31. März]
Nachts halb zwölfe.
So verkehrt ist die Ordnung meiner Stunden daß ich dir zu dieser Zeit schreibe. Liebste Lotte mich wundert nicht daß die Reichen so kranck und elend sind, mich wundert daß sie nur leben. Ich bin vergnügt weil ich mitten durch die vielerley fremde Menschen, mich an dem Faden der Liebe zu dir, sachte und sicher winde. Wie die Muscheln schwimmen wenn sie ihren Körper aus der Schaale entfalten, so lern ich leben indem ich das in mir verschlossne sacht auseinander lege. Ich versuche alles was wir zuletzt über Betragen, Lebensart, Anstand und Vornehmigkeit abgehandelt haben, lasse mich gehen, und bin mir immer bewusst. Und ich kan dir versichern daß alle[293] die ich beobachte, weit mehr ihre eigne Rolle spielen als ich die meine. Wie angenehm wird mir dies Spiel da ich keine Absichten habe, und keinen Wunsch als den, dir zu gefallen und dir immer willkommen zu seyn. Wenn ich wiederkomme sollst du meiner ganzen Erndte theilhafftig werden. Gute Nacht! Vergebens sinn ich drauf dich diese vierzehn Tage einmal zu sehen, ich komme nur immer weiter von dir weg.
Dienstag d. 2ten Aprill. Es ist ein Husar da der dir diesen Brief bringen soll.
Nach Tafel geh ich auf Eisenach und rücke immer weiter von dem Ziel meines Lebens. Hier ist mir's wohlgegangen und ich glaube man wird mit mir zufrieden seyn. Wenn unsre Begriffe sich zu berichtigen anfangen dann gehts mit Macht. Zu Diedens hat sich auch das rechte Verhältniss gefunden und so hoff ich solls immer fort gehn. Wenn man in Liebe und Freundschafft glücklich ist, daß unser Herz in der Weiten Weit nichts zu suchen braucht so hat man mit den Menschen einen guten Stand, und man kann sich der Wahrheit gemäs mit ihnen betragen, eben als wenn man nichts politisch von ihnen haben will.
Tausend und aber tausend Danck für deine Liebe, du schreibst mir noch einmal auf Eisenach, dann auf Meinungen. Inzwischen sollst du auch immer von mir etwas erfahren. Mit der Gräfinn Brühl nimmts ein böses Ende. Gib acht sie prostituirt sich am offnen[294] Tage, daß kein Mensch einen Zweifel über ihre Hirnlosigkeit behält. Der Obermarschall ist nicht besser. Grüse die Freundinnen. und Steinen. Witzleben hat seinen Luzerne.
G.
Eisenach den 2ten Aprill.
Von Gotha wo es mir so weich wie einem Schooskinde ergangen, komm ich hierher wo mich die Sorgen wie hungrige Löwen anfallen. Hätte ich die Angelegenheit unsres Fürstenthums, auf so einem guten Fus als meine eigne, so könnten wir von Glück sagen, und wäre alsdenn das Glück uns so treu und hold als du mir bist, würde man uns vor dem Todte seelig preisen können.
Liebste Lotte daß doch der Mensch so viel für sich thun kan und so wenig für andre. Daß es doch ein fast nie befriedigter Wunsch ist Mensch zu nutzen. Das meiste dessen ich persönlich fähig war hab ich auf den Gipfel des Glücks gebracht, oder sehe vor mir es wird werden. Für andre arbeit ich mich ab und erlange nichts, für mich mag ich kaum einen Finger rühren und es wird mir alles auf einem Küssen überreicht.
Der Weise Mambres nährt sich von Gedancken, du sollst alles hören wenn mich die guten Stunden zu dir führen.
Ich habe viel vom Sturm ausgestanden auf meinem Weege, doch es freut mich daß ich gegen alle [295] Unbequemlichkeit völlig gleichgültig bin so bald es seyn muß, und das Unternehmen einen Zweck hat, das zwecklose macht mich rasend und ich hab ihm eine ewige Feindschafft angekündigt.
Ein köstlich illuminirt Kupfer nach Raphael hab ich bey dem Herzog gesehn. Durch diese obgleich immer sehr unvollkommne Nachbildung sind mir wieder ganz neue Gedancken aufgeschlossen worden. Wenn du es nur sehen könntest.
Gute Nacht meine liebe! Wie freu ich mich daß ich zur rechten Zeit und ohngegessen zur Ruhe gehn kann.
Eisenach d. 3ten Abends. Der Brief muß fort, nur noch von heute einen Grus.
Hierbey ein Muster hiesigen Styls.
Bey Bechstolsheim hab ich viel gegessen denn mich hungerte und es war gut, nun seh ich für den Abend einem peinlichen Nachtmal bey Herden entgegen. Adieu liebste. Hier schick ich dir die ersten Blumen die ich sah, und über die ich recht herfiel.
Es ist hier unter den Menschen ein mehr geniesender Geist als bey uns, die Verdammniß daß wir des Landes Marck verzehren lässt keinen Seegen der Behaglichkeit grünen.
Adieu. Sey die Gunst des Himmels bey dir wie meine Liebe.
G.
[296] 5/1445.
Creutzburg d. 5ten Aprill.
Deinen Brief l. Lotte hat mir der Herzog mitgebracht, ich hoffte drauf, denn nun hör ich schweerlich vor Meinungen etwas von dir.
Ich führe dich immer in dem feinsten Herzen mit herum und habe mir etwas ausgedacht das dir einen vergnügten Augenblick machen soll. Die Welt ist eng, und nicht ieder Boden trägt ieden Baum, der Menschen Wesen ist kümmerlich, und man ist beschämt wie man vor so vielen tausenden begünstigt ist. Man hört immer sagen wie arm ein Land ist, und ärmer wird, theils denckt man sich es nicht richtig, theils schlägt man es sich aus dem Sinn, wenn man denn einmal die Sache mit offnen Augen sieht, und sieht das unheilbaare, und wie doch immer gepfuscht wird!! –
Ich habe dir vieles, und menschliches zu erzählen, und hoffe du sollst sehn daß sich meine Augen auch in die Nähe gewöhnen. Adieu Liebste. Schreibe mir ia viel. Nach Meiningen und Illmenau. Wenn ich von dem letzten Ort zurückkomme, und man begegnete mir halbweegs, würde es noch schöner seyn als das vorigemal.
Adieu tausendmal.
G.
[297] 5/1446.
Gerstungen Abends d. 5. Aprill 82.
Als wir von Creutzburg weggiengen erhielt ich deinen lieben Brief vom zweyten. Deine Worte kommen mir mit den Frühlingslüfften gar zu lieblich entgegen, und rufen mich zu dir hinüber. Manchmal fühl ich recht mit Ungeduld daß ich dich noch so lange entbehren muß. Bewahre mir deine Liebe in der Stille und gieb mir auf einmal was mir die Entfernung versagt.
Der Herzog ist gar gut, und verständig – und ich mercke daß ich so durchaus müde bin daß ich nicht weiter schreiben kann. Hier ein Brief von Knebeln.
d. 6ten früh.
Der Herzog ist weggeritten wir treffen uns zu Mittage wieder in Bercka. Das Wetter ist gar zu schön, und ich hoffe es soll bleiben, da ich denn Morgen einen Spaziergang auf den Craynberg machen und vielleicht etwas zeichnen will.
Möge dir die Sonne so freundlich scheinen wie mir, und du so wohl seyn als ich's wünsche.
Am Egmont ist nichts geschrieben die Zerstreuung lässts nicht zu.
Hier ist ein Bogen von Lavaters Pilatus. Ich kan nichts drüber sagen. Die Geschichte des guten [298] Jesus hab ich nun so satt, daß ich sie von keinem als allenfalls von ihm selbst hören mögte.
Lebe wohl. Dieses geb ich dem Herzog mit. Und schreibe dir bald wieder. Adieu. O daß doch schon die vielen Berge überstiegen wären die mich von dir trennen.
G.
Donnerstags d. 18ten Geh ich von Illmenau auf Weimar, wenn mir doch da etwas freundliches halbweegs begegnen könnte.
5/1447.
Tiefenort d. 6. Sonnabends Abend.
Hier liebe Lotte geht das alte Lied wieder an, daß nach einem verlebten Tage, nach verändertem Aufenthalt ich dir noch einige Worte zuschicke dich zu versichern daß dir Gedancken zu tausenden zugeflogen sind.
Der Herzog ist auf Barchfeld, ich ziehe einen einsamen Sonntag hier einem gesellschaftlichen dorten vor. Die Prinzen und Prinzessinnen haben sich immer etwas zu sagen, uns andern wird die Unterhaltung bey gewissen Umständen schweer. Dies zeugt nicht von der sichersten Lebensart, doch mag ich's vor der Hand nicht ändern.
Mit Batty hab ich mich diesen Abend vom Detail der Landwirthschafft unterhalten. Wie richtig und[299] sicher der Mensch ist! In Beurtheilung des Bodens und der Landsart nehme ich immer zu. Besonders da ich mir nicht einbilde etwas zu wissen, noch mir einfällt darinne ie zu pfuschen.
Morgen will ich auf den Craynberg wo eine schöne Aussicht ist, und ein alt Schloss, das ich vielleicht zeichne, nur um dir etwas mitzubringen.
Noch zwölf Lange Tage eh ich dich wiedersehe! Ich muß recht leise auftreten daß mir der Gedancke an dich nicht zu lebhafft wird, sonst ist mir's unerträglich.
Noch ein Wort vom Pilatus! Wenn unser einer seine Eigenheiten und Albernheiten einem Helden aufflickt, und nennt ihn Werther, Egmont, Tasso wie du willst, giebt es aber am Ende für nichts als was es ist, so gehts hin und das Publikum nimmt insofern Anteil dran als die Existenz des Verfassers reich oder arm, merckwürdig oder schaal ist, und das Mährgen bleibt auf sich beruhen. Nun findet Hans Caspar diese Methode des dramatisirens (wie sies nennen) allerliebst, und flickt seinem Cristus auch so einen Küttel zusammen und knüpft aller Menschen Geburt und Grab, A und O, und Heil und Seeligkeit dran, da wirds abgeschmackt dünckt mich und unerträglich. Überhaupt bin ich überzeugt daß er es viel zu ernstlich meynt um iemals ein gutes Werck in der Art zu schreiben. In allen solchen Compositionen muß der Verfasser wissen was er will aber nirgends dogmatisiren, [300] er muß in tausend versteckten GestaIten, (niemals grade zu,) andeuten, und mercken lassen wo es hinaussoll.
Noch ist ein böses dabey. Er bildet sich ein, ein besserer Kriste als Klopstock zu seyn, und doch klopstöckelt er allen Augenblick.
Die leidigen Exklamationen, Trümpfe, Zerfleischungen gar nicht mit gerechnet.
Vielleicht bin ich ungerecht, wir wollen warten biß das Ganze kommt und andre hören.
Wenn ein Groser Mensch ein dunckel Eck hat dann ists recht dunckel! Ihm hat die Geschichte Cristi, so den Kopf verrückt daß er eben nicht los kommen kann. Mich wunderts nicht, freylich ists Tausenden so gegangen. Aber auch Wie? Wann? Wo? Wem?
Er kommt mir vor wie ein Mensch der mir weitläufigen erklärte die Erde sey keine akkurate Kugel, vielmehr an beyden Polen eingedruckt, bewiese das auf's bündigste, und überzeugte mich daß er die neusten ausführlichsten richtigsten Begriffe von Astronomie und Weltbau habe; was würden wir nun sagen wenn solch ein Mann endigte: schlieslich muß ich noch der Hauptsache erwähnen, nämlich daß diese Welt deren Gestalt wir aufs genauste dargethan, auf dem Rücken einer Schildkröte ruht sonst sie in Abgrund versincken würde.
Verzeih mir das Gleichniss, in meinen Augen knüpft sich bey Lavatern der höchste Menschenverstand, [301] und der grasseste Aberglauben durch das feinste und unauflöslichste Band zusammen.
Verzeih meine Invecktiven, so offt er seine Anfälle auf unser Reich erneuert, so offt müssen wir uns wenigstens protestando verwahren.
Gute Nacht Lotte. Leb wohl du liebe Gewissheit, du liebster Traum meines Lebens.
Sonntags d. 7. früh.
Ein Husar nimmt dies mit auf Eisenach. Vielleicht erhältst du es eher als den Brief den der Herzog mitbringt. Die Crokus, Leberblümgen, und das Grün der Stachelbeeren machen sehr freundliche Gesichter. Wie wirds erst den 18ten seyn! Bitte! bitte!
G.
5/1448.
Deinen Brief vom vierten und fünften erbrach ich auf dem Craynberg wohin mir ihn der Husar brachte bey schönem Sonnenschein. Ich habe gefürchtet du möchtest kranck seyn und der Brief giebt mir die traurige Gewissheit. Die Hoffnung die uns immer gütig täuscht, sagt mir vor daß du ietzt schon wieder wohl seyst.
Nicht wahr liebste du weist doch immer daß ich nie von dir weiche. Wäre ich nur bey dir daß ich dich warten und pflegen könnte.
[302] Daß es mit Brühls so gehn würde hab ich vorausgesehn, da der Herzog sich entfernt, und sie den heimlich tückischen Hofleuten überläßt. Nimm dich ihrer an daß sie nur mit Ehren durchkommen. Sie zu defrayiren mögte angehn, wenn man es sehr artig machte sonst sieht es aus als tracktiere man sie völlig wie Virtuosen. Es ist der gröste Unverstand von ihr daß sie nicht spielt, wenn sie klug wäre, würde sie alles thun um sich andern gleich zu stellen.
Übrigens aber weh dem der sich von groser Herrn Gunst in's freye locken läßt, ohne sich den Rücken gedeckt zu haben. Adieu l. Lotte. Der Bote eilt. Mögt ich bald hören daß du wohl bist. Ach schweerlich, schweerlich vor Meinungen, doch wer weis. Tausendmal Adieu. Du tausendfach Geliebte.
d. 7. Abends Tiefenort.
G.
5/1449.
Kaltennordheim d. 9ten Apr. 82.
Ich habe dir lange nicht geschrieben, nun bin ich hier angekommen und schreibe dir in eben der Stube wo wir dir vor anderthalb Jahren die Verse mit den Ochsen abfertigten, wie anders seh ich alles seit der Zeit, da ich weis welch eine Liebe drüben über den Bergen meiner wartet.
Über dein leztes Blat sind mir viel traurige Gedancken [303] aufgestiegen, ich habe in einer Nacht recht bitterlich geweint da ich mir vorstellte daß ich dich verlieren könnte. Gegen alles was mir wahrscheinlich begegnen kann, hab ich ein Gleichgewicht in mir selbst, gegen das einzige nicht. Die Hoffnung hilft uns leben, nun denck ich wieder du bist wohl und wirst wohl seyn wenn du dies Blatt erhälst.
Die ersten Veilgen und ein Stück altes Moos leg ich zwischen dies Papier, die ersten sind nicht weit von den Ruinen gepflückt die ich gezeichnet mitbringe. Es ist alles vergebens ich bringe nichts vor mich im Zeichnen, ietzo seh ich täglich mehr wie eine anhaltende mechanische Übung endlich uns das geistige auszudrucken fähig macht, und wo iene nicht ist, bleibt es eine hohle Begierde dieses im Flug schiesen zu wollen.
In Barchfeld fand ich die guten Ehleute recht wacker und gefällig. Sie fragte nach dir, klagte daß sie lang keinen Brief von dir habe, und sagte du schriebst nicht gern, worüber ich mich heimlich freute, denn ich hatte deine lezten in der Tasche.
Von Barchfeld ritt ich auf die Probstey Zelle wo ich mich hatte beym Probst anmelden lassen, um einmal fremde Menschen zu sehen, und von fremden Verhältnissen reden zu hören.
Er ist iung, erst ein Jahr an diesem Platz, ein Herr v. Warnsdorf, gefällig, offen, unbefangen und unverfänglich wie einer der reich gebohren ist. Einen [304] katolischen national und familienschnitt. Seine Mutter eine behägliche verständige Frau. Unsre Diskurse führten uns nach Fulda, Würzburg, Bamberg, Maynz. Die Verfassung dieser Provinzen bildet ganz andre Menschen als die unsrige, und ich erreichte meinen Zweck.
Ich habe zwar nichts auserordentliches doch vielerley Betrachtungen gesammelt die ich gerne mit dir theilen will. Wenn ich vor mir allein bin, erzähl ich mir was ich gesehn habe als wenn ich dir's erzählen sollte und es berichtigt sich alles. Liebste was bin ich dir nicht schuldig. wenn du mich auch nicht so vorzüglich liebtest, wenn du mich nur neben andern duldetest, so wär ich dir doch mein ganzes Daseyn zu wiedmen verbunden. Denn hätt ich wohl ohne dich ie meinen Lieblingsirrthümern entsagen mögen. Doch könnt ich auch wohl die Welt so rein sehn, so glücklich mich drinne betragen, als seitdem ich nichts mehr drinne zu suchen habe.
Ostheim d. 10ten. Endlich am weitsten Punckt [darüber: Aphelio] meiner Reise, so nah meinem Vaterlande als dir, und doch von ienem hundert Meilen in Gedancken entfernt und dir so nah als wenn Hand zu Hand reichte.
Morgen ist mir ein lieber Tag denn ich werde jagen können: in acht Tagen werd ich sie wiedersehn. Bis dahin werd ich noch manchmal Berg auf und [305] ab müssen. Morgen auf Meinungen wo die zwey Herzoge allein sind, dann (und will's Gott bald) nach Barchfeld wo die Prinzessinnen sich aufhalten. Über den Türinger Wald hernach auf Illmenau und dann meiner Geliebten entgegen. In dieser Erwarwtung will ich recht artig seyn, denn da du dich nun einmal meiner angenommen hast, so mögt ich daß iedes, wie unsre Gräfinn, dir zulispelte: pour celui la, on Vous le pardonne.
Ich schäme mich dir zu wiederhohlen, wie und wie immer ich an dich dencke. Du bist mir in alle Gegenstände transsubstanziirt, ich seh alles recht gut und sehe dich doch überall, ich bin weder abwesend noch zerstreut und doch immer bey dir und immer mit dir beschäfftigt.
Heute unterweegs hielt ich eine Philippikam gegen den Pontius Pilatus, stille vor mich hin. Das beste davon will ich dir aufbewahren. Wenn nur der May schön wird daß wir glückliche Spaziergänge machen können.
Ostheim d. 11ten endlich ist der erwünschte Donnerstag gekommen, der nächste wird noch erwünschter seyn. Ich gehe auf Meiningen und hoffe dort Briefe von dir zu treffen. Es graut mir vor dem Anblick zweyer iunger erst freygelassner Prinzen, und noch dazu solcher. Die Hofmeister iunger Fürsten die ich kenne vergleiche ich Leuten denen der Lauf eines Bachs [306] in einem Thal anvertraut wäre, es ist ihnen nur drum zu thun daß in dem Raum den sie zu verantworten haben alles fein stille zugehe, sie ziehen Dämme queer vor und stemmen das Wasser zurück, zu einem seinen Teiche, wird der Knabe Majorenn erklärt, so giebts einen Durchbruch und das Wasser schiest mit Gewalt und Schaden seinen Weeg weiter und führt Steine und Schlamm mit fort. Man sollte Wunder dencken was es für ein Strom wäre, bis zulezt der Vorrath ausfliest und ein ieder zum Bache wird, gros oder klein, hell oder trüb wie ihn die Natur hat wer den lassen, und er seines gemeinen Weeges fortfliest. Verzeih mir das lange Gleichniß. Gilt es doch auch von der strengen Privaterziehung. Adieu liebste. Grüse Steinen, Fritzen, die Waldner, Carolingen. Ernsten.
Empfiel mich dem Herzoge und der Herzoginn.
Dieser Brief wird erst spät zu dir kommen von hier aus gehen die Posten nicht sehr regelmäsig. Grüse die kleine Schwägerinn.
G.
5/1450.
Meiningen d. 12ten Apr.
Dein lieber Brief den ich hier fand hat mir einen freundlichen Willkommen gegeben. Ich logire bey Bibra, und meine Sachen gehn gut. Die Herzoge wenden [307] Erde und alte Mauern um, und machen Thorheiten die ich ihnen gern verzeihe weil ich mich meiner eignen erinnere. Sie fragen mich um Rath, und ich habe gelernt nicht mehr zu rathen als was ich sehe daß auszuführen ist.
Die Frau v. Hendrich leidet viel um ihren ältsten Sohn, ich habe ihr wenig Hoffnung für das Kind geben können, es ist aus seiner innersten Natur heraus ohnmächtig und schleppt ein Hülfloses Leben. Sie will mir seines Zustandes Geschichte aufsetzen und ich soll Huflanden konsultiren. Der Frau von Bibra verschreib ich eine Mamsell von Lausanne, und habe noch eine Menge eben so ungleicher Aufträge übernommen, du siehst daß ich Wort halte.
O liebe Lotte was sind die meisten Menschen so übel dran! Wie eng ist ihr Lebenskreis und wo lauft es hinaus! Wir beyde haben dagegen Schätze daß wir Könige auskaufen könnten, laß uns im Stillen des bescheerten geniessen.
Stein wird schweer geheilt werden, du dauerst mich. Wenn du noch von dieser Seite beruhigt wärest, so würden wir die Last der Welt wenig fühlen. Ich habe mich diese Tage her recht bemüht meine Gedancken auf die Erdschollen zu konzentriren, und bin nur überzeugter daß ein Mensch der seine Lebzeit am Spieltisch zugebracht hat, nicht ein Bauer werden kann. Man muß ganz nah an der Erde gebohren und erzogen seyn um ihr etwas abzugewinnen.
[308] Es ist ein erhabnes, wundervolles Schauspiel wenn ich nun über Berge und Felder reite, da mir die Entstehung und Bildung der Oberfläche unsrer Erde und die Nahrung welche Menschen draus ziehen zu gleicher Zeit deutlich und anschaulich wird; erlaube wenn ich zurückkomme daß ich dich nach meiner Art auf den Gipfel des Felsens führe und dir die Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit zeige.
Morgen geh ich auf Barchfeld und bleibe da biß Dienstag früh. Laß mich Dienstag Abend ia ein Wort in Illmenau finden und eine Hoffnung auf den Donnerstag. Er wird ia auch kommen, und mir wohlthätig seyn, es ist mir ia bisher alles so gut gegangen.
Die arme Herzoginn dauert mich von Grund aus. Auch diesem Übel seh ich keine Hülfe. Könnte sie einen Gegenstand finden der ihr Herz zu sich lenckte, so wäre, wenn das Glück wollte, vielleicht eine Aus sicht vor sie. Die Gräfinn ist gewiss liebenswürdig, und gemacht einen Mann anzuziehen und zu erhalten. Die Herzoginn ists auch, nur daß es bey ihr wenn ich so sagen darf immer in der Knospe bleibt. Der Zugeschlossne schliesst alle zu, und der offne öffnet, vorzüglich wenn Superiorität in beyden ist. Man kann nicht angenehmer seyn als die Herzoginn ist, wenn es ihr auch nur Augenblicke mit Menschen wohl wird; auch sogar wenn sie aus Raisonnement gefällig ist, das neuerdings mehrmals geschieht, ist ihre Gegenwart wohlthätig.
[309] Wenn ich komme sag ich dir noch viel hierüber, auch über die Gräfinn was ich weis.
O du beste! wer kann der Liebe vorschreiben? Dem einfachsten und dem grilligsten Dinge in der grillenhafften Zusammensetzung die man Mensch nennt. Dem Kinde das bald mit elendem Spielzeuge zu führen ist, bald mit allen Schätzen nicht angelockt werden kann. Dem Gestirn dessen Weeg man bald wie die Bahn der Sonne auf den Punckt auszurechnen im Stande ist, und das offt schlimmer als Comet und Irrlicht den Beobachter trügt.
Hier beste ein Epigramm, davon die Dichtung dein ist. Du wirst dich verwundern wie Herr Jourdain, qui faisoit de la prose sans le scavoir.
Königen sagt man hat die Natur vor andern Gebohrnen,
Zu des Reiches Heil längere Arme verliehn.
Doch auch mir geringen gab sie das fürstliche Vorrecht,
Denn ich fasse von fern und halte dich Psyche mir fest.
Nun hab ich noch ein Conzert und ein Souper auszustehn.
Mit den Prinzessinnen hoff ich soll es schon besser gehn, besonders da sie die kleine Thunger bey sich haben der ich gut bin. Nicht wahr du erlaubst mir freundlich und artig zu seyn, denn ich bringe dir doch immer den Ganzen wieder zurück. Tausendmal Adieu.
G.
[310] 5/1451.
Barchfeld d. 14ten Apr. 82.
Heut fängt sich die Woche an, vor deren Ablauf ich meine Lotte wiedersehen soll.
Ich habe dir recht artige Sachen zu schreiben und zu sagen. Hier ist es zu unruhig, und deswegen nur wenige Worte.
Die Prinzessinnen sind lustig und artig, die Oberhofmeistrinn gesezt wie du sie kennst, und die kleine Dunger ein recht kurioses Wesen das ich dir beschreiben will, ich hoffe das Bildgen soll dich unterhalten, ich bin ihr recht gut. Aber wie wundersam, und wie auffallend wenn ich so ein fremdes Völckgen wo gewissermassen kein Wort auf eine Saite in mir trifft beysammen sehe und mit ihm lebe. Ich will mich gut halten. Und hoffe auf den Donnerstag. Du wirst einen Brief von Ostheim und Meinungen von mir haben oder bald erhalten. Lebe wohl beste. Lass mich etwas von dir in Illmenau finden. Lebwohl du mein einziges, eingebohrnes, und angewöhntes Glück. Bibra hat mich hierher begleitet, ein gar rechtschaffner guter Mensch. Adieu.
G.
[311] 5/1452.
Illmenau d. 17ten Apr. 82.
Die Erinnerung der guten Zeiten die wir vermischt mit bösen Stunden zusammen hier genossen treibt mich an, dir zu schreiben, besonders da ich weis, wenn ich nach Weimar zurückkomme drängt sich gleich eine Menge Sachen auf mich zu.
Seit Charfreytags habe ich einen weiten, und offt beschweerlichen Weeg über Gotha, Eisenach, Creutzburg, Gerstungen, Tiefenort, Barchfeld, Kaltennordheim, Ostheim, Meiningen und über den Thüringer Wald hierher gemacht, und viel gesehen und erfahren was mir Freude macht.
Du erinnerst dich noch mit welcher Sorgfalt und Leidenschafft ich die Gebürge durchstrich, und ich die Abwechslungen der Landsarten zu erkennen mir angelegen seyn lies. Das hab ich nun, wie auf einer Einmal eins Tafel, und weis von iedem Berg und ieder Flur Rechenschafft zu geben. Dieses Fundament läßt mich nun gar sicher auftreten, ich gehe weiter und sehe nun, zu was die Natur ferner diesen Boden benutzt und was der Mensch sich zu eigen macht. Ich kan dir versichern daß wenn ich mit Bätty umherreite, der keine Theorie hat, meine Theorie mit seiner richtigen Praxis immer übereinstimmt, worüber ich denn wie du dencken kannst grose Freude habe. So steig [312] ich durch alle Stände aufwärts, sehe den Bauersman der Erde das Nothdürftige abfordern, das doch auch ein behäglich auskommen wäre, wenn er nur für sich schwizte. Du weißt aber wenn die Blattläuse auf den Rosenzweigen sitzen und sich hübsch dick und grün gesogen haben, dann kommen die Ameisen und saugen ihnen den filtrirten Safft aus den Leibern. Und so gehts weiter, und wir habens so weit gebracht, daß oben immer in einem Tage mehr verzehrt wird, als unten in einem organisirt [darüber: beygebracht] werden kann.
ad alia.
Hier hast du eine Innschrifft aus dem Alterthum die man einem komischen Schauspieler aufs Grab sezte.
Pro iocis quibus cunctos
oblectabat
Si quid oblectamenti apud
vos est
manes insontes reficite
animulam.
Ich finde sie eben in meiner Brieftasche wieder, sie hat mich sehr gefreut.
Einige Tage hab ich mit den Gothischen, einige mit den Meinungischen Herrschafften zugebracht, und fühle mich recht glücklich daß ich an iedem Orte ohne Vorurteil leben und in einem richtigen Verhätniß, zu meinem, und der andern Vergnügen existiren kan.
[313] Schreibe mir balde, und werde nicht federfaul, wie es in der Entfernung gar leicht geschieht.
Wenn du meinen Mieting noch nicht hast; so soll gleich ein Exemplar abgehn wenn ich nach Weimar komme. Ich bin mir noch keiner so schönen Sensation bewußt, als dieses Gedicht in unserm Kreis gemacht hat, und wünsche daß es bey dir auch so anschlagen möge.
Schicke mir von deinem Virgil, du sollst auch alle die kleinen Sachen haben mit denen ich mir das Leben würze, ich bin nun auch in den Geschmack der Innschrifften [darüber: Epigramms] gekommen, und es werden bald die Steine zu reden anfangen.
Von Weimar weis ich wenig. Der Graf und die Gräfinn Brühl werden dir schon empfohlen seyn. Es wird ein neu Stück von Einsiedeln gespielt. Lebe wohl. Grüse deine liebe Schwester.
5/1453.
Durchlauchtigster Herzog,
Gnädigster Herr.
Eben erhalte ich von dem iungen Tischbein einen Brief, den ich in Abschrift beilege, weil das Original nicht ganz orthographisch und leserlich geschrieben war. Mich rührt der Zustand des Menschen, und ich überlasse [314] mich denen Gedanken über ihn um so lieber, da die Gnade von Ew. Durchl. mich hoffen läßt, ihn künftig glücklich zu sehn. Ich bin völlig überzeugt, daß er jede Unterstützung verdient, und es war mir nie deutlicher, wie hohl und eitel der ganze caffelische Kunst- und Alterthumskram sei, als in dem Augenblicke, da ich den Werth dieses verschmähten Zöglings erkenne.
Die Portraits, deren der Brief erwähnt, stehen bei mir und sind das beste Zeugniß, was er ist und was er werden kann, wenn man das Bekenntniß, das er von sich ablegt, und den Gesichtspunkt, woraus er sich betrachtet, mit dazu nimmt. In wenigen Tagen werden diese Bilder nachfolgen und für sich selbst sprechen. Wollten mir nunmehr Ew. Durchl. einen Vorschlag erlauben, so hielte ich für das Rathsamste, wenn man ihn kommen ließe. Durchl. könnten alsdann verschiedene Portraits von ihm fertigen lassen und ihn gegenwärtig beurtheilen.
Sodann würde ich bitten, mir ihn auf einige Zeit herüber zu geben, ich wollte ihn in meinem Hause aufnehmen, ihn Verschiedenes zeichnen und malen lassen, und mit meinem besten Dichter- und Künstlersegen weiter befördern. Ich brenne für Verlangen, ihn über gewisse Sachen zu sprechen, um ihn auf diejenigen Theile der Kunst zu weisen, die ich, nach Anleitung der größten Meister, für die wesentlichen und höchsten zu halten genöthigt bin.
[315] Zu allem Vergnügen, das Ew. Durchl. durch diesen jungen Mann bevorsteht, der nach seiner Kunst und seinem Herzen ein wahrer Schatz ist, wünsche ich zum Voraus Glück, und ich bin versichert, daß auf diesen Eckstein, den die Bauleute verworfen haben, Ew. Durchl. eine wohlgegründete Schule aufrichten werden.
Die Liebe und Freundschaft, womit mein gnädigster Herr Ew. Durchl. zugethan ist, hält ganz allein den kleinen Neid zurück, der bei diesem Anlasse beinahe hervorsprießen möchte.
In Erwartung fernerer Befehle unterzeichne ich mich
Ew. Durchl.
Weimar,
unterthänigster
den 22. Apr. 1782.
Goethe.
5/1454.
Sag mir l. L. ein einzig Wort wie du geschlafen hast. Und schicke mir Coxens Reisen nach der Schweitz. Ich kann nicht wohl seyn, wenn dirs nicht ist. d. 23. Apr. 82.
G.
5/1455.
Ich dancke dir für dein Andencken und deine Liebe. Hättest du mir auch gesagt wie es mit deiner Gesundheit steht.
[316] Zu Mittag esse ich bei der Herzoginn, Morgen kommt der Abbé Raynal, und der Prinz August.
Es ist ein angenehmer Morgen, du musst bald kommen meine Hyazinthen zu sehn.
Nach Zwölfen seh ich dich, vielleicht eher.
d. 24. Apr. 82.
G.
5/1456.
[27 April.]
Hier liebe Lotte ein Paar Briefe die ich heut Abend verschicke.
Sie unterhalten dich wohl einen Augenblick.
Sende sie mir zurück.
G.
NB was der Herzog von Gotha Tischbeinen in Rom offerirt ist gar nicht acceptabel.
5/1457.
Sag mir l. Lotte wie es mit deiner Gesundheit ist. Das Wetter scheint nicht den May zu verkündigen. Heute bleib ich zu Hause, gegen Abend werd ich dich sehn. Sage mir daß du mich liebst, damit meine Seele festgehalten werde. Ich habe von deinem Geschenck gekostet, es schmeckt trefflich.
[317] Viele tausend Gedancken treiben sich in mir um. Lebe wohl, keine Zerstreuung entfernt mich von dir.
d. 29. Apr. 82.
G.
5/1458.
Mein Bote geht in die Stadt, und ich bitte dich um Iphigenien und deine Liebe.
Duklos ist fein und geistreich, doch fehlen ihm grose Blicke: Ich muß heute auch wieder im kleinen kramen, dafür wenn ich zu dir komme finde ich ein weites Feld des Guten und des Vergnügens. Adieu liebste. d. 30. Apr. 82.
G.
5/1459.
Ich dancke dir du gute für das schöne, leider vergängliche Westgen. Gestern Abend ging ich nach Hause und las Wielandens Horaz und im Düklos. Heute bin ich wieder bey Hofe, und schon im voraus müde.
Vor Sonnabends hab ich nun keinen guten Tag, dorthin verspaar ich alles und habe recht artige Sachen beyseite gelegt. Adieu beste. d. 1. May 82.
G.
[318] 5/1460.
Ich kan nicht ruhig schlafen gehn ohne dir noch gute Nacht zu sagen. Du mußt etwas von mir finden wenn du nach hause kommst. Die Spargel waren gut. Dazu hab ich in Schlözers Briefwechsel und Wielands Horaz gelesen, und zwischen inne immer an mein nächstes gedacht.
Schlafe wohl und mit dem Gefühl ein, daß ich deines ganzen Wesens eifriger Liebhaber bin, und zugleich dein treuer Freund wie du ihn wünschen magst.
Gute Nacht, Morgen ist ein Tag der Mühe, übermorgen Abend wird's uns wohl, wenn es uns geht wie ich hoffe.
d. 2. May 82.
G.
5/1461.
Hier das gewonnene das du wieder verschencken willst. Es mag seyn denn du hast etwas anders gewonnen das du wohl nicht weggeben wirst.
Dein Hut war mir ein angenehmer Anblick als ich erwachte.
Lebe wohl ich sehe dich heute.
d. 5. May 82.
G.
[319] 5/1462.
Die Zeichnungen sind glücklich angelangt und ich danke dir dafür. Der Weidenbaum ist vortreflich von der Hand des Waterloo; die Kirche ist gar leicht und geistreich gewiß auf dem Plaz entworfen. Wann du manchmal so etwas erhaschest so schike mir es zu.
Von dem Abbé Raynal, der uns einige Tage sehr angenehm unterhalten hat, werden dir deine Correspondentinnen wohl manches schreiben. Er stikt voll der angenehmsten Anekdoten die er mit dem französisch-philosophischen Weltgeiste unter einander verbindet. Er sagt den Königen die Wahrheit und schmeichelt den Frauen, läßt sich aus Paris verbannen, und weiß sich sehr gut in ieden kleinen Hof zu schiken. Ich habe, wie du dir leicht vorstellen kannst, sehr viele Ideen durch ihn komplettiret. Hier lege ich ein Antwortsschreiben des Kaisers an den Churfürsten von Trier bey, das du vielleicht noch nicht gesehen hast. Wenn es autentisch ist, wie mich ein und anderer Umstand vermuthen läßt, so ist es meiner Meinung nach doch ein wenig zu schnakisch. Zwar läßt sich es einem Kayser schweer vorschreiben, wie er die Sache behandeln soll.
Die Inschriften die du auf beyliegenden Blättern findest, werden ehestens, in steinerne Tafeln eingegraben, erscheinen.
[320] Wir haben auf des Abbé Raynal histoire philosophique des Indes eine Gesellschaft gegründet, die wöchentlich dreymal zusammenkommt und es durchlesen will. Wir nehmen die Karten dazu und ein ieder trägt zu Erklärung für die Damen das seinige bey. Es ist wenigstens ein Band auf eine Weile und wir wollen sehen wie es hält. Hast du Wielands Übersezung der Horazischen Episteln gesehen? Ich bin neugierig ob das Publikum ihm den verdienten Dank davor abtragen wird. Wenn man sie laut in Gesellschaft liest, fühlt man, wie glücklich er mit dem einen Fuß auf dem alten Rom und mit dem andern in unsrem deutschen Reiche stehet, und sich angenehm hin und herschaukelt. Ich fürchte man wird sich, wie gewöhnlich an einige Stellen hängen, wo ihn der gute Geist verlaßen hat, und ich gestehe selbst wenn man das lateinische dazu nimmt so erhält dieses so ein Übergewicht, daß man den Werth der Übersezung fast zu gering angeben mögte.
Herders Geist der hebräischen Poesie habe ich noch nicht gesehen.
Lebe wohl und laß mich bald wieder von dir hören.
Weimar den 5. May 1782.
Goethe.
Könntest du mir ohne deine Beschweerde eine Schilderung des Anspacher Hofes machen, vornehmlich auch derer die in Geschäfften gelten. Vielleicht brauchen wir das Haus balde. Lass dich aber nichts mercken.
[321] 5/1463.
Sie erhalten hier einen Versuch, den ich vor einigen Jahren gemacht habe, ohne daß ich seit der Zeit so viel Muße gefunden hätte, um das Stück so zu bearbeiten wie es wohl seyn sollte. Legen Sie es wie es ist Ihrem Herrn Vater vor, und dann bitte ich Sie recht aufrichtig und ausführlich zu seyn und mir umständlich zu melden, was er darüber sagt. Mir ist eben so wohl um sein Lob als um seinen Tadel zu thun. Ich wünsch zu wissen, von welcher Seite er es ansieht.
Ich füge nur eine Bitte hinzu, daß Sie die Abschrift nicht aus den Händen geben mögen, und erwarte sie bald wieder zurück. Ich lege noch eine Kleinigkeit bey und hoffe zu hören, daß sich Ihr Herr Vater wieder recht wohl befinde. Möchte das versprochene Portrait doch recht balde ankommen, damit ich ihm sogleich in dem neuen Quartier, das ich so eben beziehe, seinen Plaz anweisen könne.
Weimar, d. 5. May 1782.
Goethe.
5/1464.
Guten Morgen Beste.
Ich habe schon lange auf deine alte Theemaschine ein Auge gehabt deswegen schick ich dir diese neue,[322] und bitte um iene dagegen. Sie soll in meinen Garten gestifftet werden. Lebe wohl an dich zu dencken, und deiner Liebe gewiss zu seyn ersetzt mir die Sonne.
d. 6. May 82.
G.
5/1465.
[7. oder 8. Mai.]
Ja liebe ich komme so bald als möglich, doch wohl vor 12 Uhr nicht, denn ich will diesen Morgen noch alles bey Seite bringen.
Den kleinen Bernsdorf schick ich dir zum essen. Ich dencke gar nichts über unser Scheiden. Noch nie waren wir vor unsrer Trennung so glücklich. Lebe wohl. Bleibe mein.
Ich bin nach Tiefurth geladen werde aber wohlt nicht hinunter gehn. Habe auch weder Pferd noch Wagen.
G.
5/1466.
Gotha. Himmelfahrts Tag [9. Mai] 82.
Ich bin unter Vorwande von Müdigkeit aus der Gesellschafft bey der alten Mama heraufgeschlichen, dir noch zu sagen was ich gerne sage und du gerne hörst.
Heute hatt' ich einen schönen Tag, den ersten Sonnenschein seit lange. Genisse doch ia des ersten[323] Grüns und der Nachtigallen in meinem Garten. Im Herreiten hab ich den Plan des Gedichts erfunden das ich meinen bald verlassnen Hausgöttern wiedmen wollte, und habe ausserdem noch viele gute und artige Gedancken gehabt.
Den armen Herzog finde ich in einer traurigen Lage. Seine Frau ist sehr kranck, und seine Geliebte sterbend. Die Diede ist auch von der allgemeinen Seuche angesteckt, die ganze Stadt voll Klagens und Schupfens.
Mama hat mir die neue schöne Genfer Edition von Rousseau geschenckt, die Confessions sind dabey. Nur ein paar Blätter die ich drinne gesehen habe, sind wie leuchtende Sterne, dencke dir so einige Bände! Welch ein Himmel voll! Welch ein Geschenck für die Menschheit ist ein edler Mensch.
Der Prinz ist mir immer sehr geneigt, und eine gar liebe Seele.
Es steht hier alles wunderbar gegen einander, ich hielt es nicht acht Tage aus. Als Einheimischer versteht sich, ein Fremder kommt immer wie Israel durchs rothe Meer, ein Zauberstaat macht die feuchten Wände stehen, wehe dem über dem sie zusammenschlagen.
O meine Lotte! Wie freu ich mich auf meine neue Einrichtung! Auf alles was mir deine Liebe wird ordnen und erhalten helfen. Mögest du so viel Freude haben als du mich glücklich machst.
Ich bin herzlich müde. Gute Nacht. Das Wetter[324] wird morgen mir einen sehr angenehmen oder sehr beschweerlichen Tag geben denn ich muß gerade über den Wald.
d. 10ten früh.
Das Wetter ist schön, die Berge die ich übersteigen soll liegen klar vor mir, und nun ein fröhliges Adieu.
Meine Lotte denck an mich, verlangt nach mir, wird mir schreiben, und weis wie sehr und wie allein ich sie Liebe.
G.
Grüsen Sie den Herzog vielmal und die Herzoginn, Steinen und die philosophische Gesellschafft.
5/1467.
Meinungen d. 10ten May. 82.
Ein schöner und glücklicher Tag! Ich ritt um 7 von Gotha nach dem Gebürg. in Friedrichrode fing mich der Bergrath Baum auf, ich mußte zu Tisch bleiben, und kroch mit ihm vorher in den Eingeweiden der Erde herum, und that mir was rechts zu gute. Er ist eine glückliche Art Menschen, hat mit der Krumhälser Arbeit angefangen, (wenn du das Wort nicht kennst lass dir's vom Herzog erklären der weis es sehr gut) und ist nun das fac totum in einem zwar kleinen aber doch sehr manigfaltigen Kreise, [325] wo einer vielerley wissen, vielerley thun und ein Geschick haben muß sich in allerley Menschen und Umstände zu richten. Er versicherte es ginge nichts über das Vergnügen ein Bergmann zu seyn, und wenn er auch die Gaben hätte und er könnte Minister seyn, würde er es ausschlagen, meynte er, und ich glaub es gerne. (besonders wenn er recht wüsste was das hiese Minister seyn).
Auch muß ich dir mein Glück wieder preisen, ich hatte den ganzen Tag das schönste Wetter und wie ich vom Pferde steige fängts an zu regnen. Du hast mich wohl heute besonders lieb.
Um ein weniges grüner find ich hier die Bäume als bey uns.
Gute Nacht beste ich sage dir nicht wie du in ieden Meiner Gedancken verwebt bist, du weisst es.
d. 11ten. Die Post geht ab und ich habe nicht Zeit etwas hinzuzufügen. Sonnabend vor Pfingsten geh ich durch Kochberg es liegt mir wenig ausser dem Weeg. O wenn ich dich da fände. Vielleicht komm ich auch einen Tag früher vielleicht einen später durch. Liebste wenns möglich ist so sey da. Tausendmal Adieu.
G.
[326] 5/1468.
Meiningen d. 12ten May 82.
Meine Sachen gehen ordentlich und gut, es ist freylich nichts wichtiges noch schweeres indessen da ich, wie du weisst, alles als Übung behandle; so hat auch dies Reiz genug für mich. Ich habe als Gesandter eine förmliche Audienz bey beyden Herzogen gehabt, die Livree auf dem Saal, der Hof im Vorzimmer, an den Thürflügeln zwey Pagen und die gnädigsten Herrn im Audienz Gemach, Morgen geh ich nach Coburg dieselbe Comödie zu spielen, will in Hildburghausen mich auch an Hof stellen, und gegen Ende der Woche nach Rudolstadt gehn da ich einmal auf dem Weege bin und hiermit alle Thüringische Höfe absolviren. Von Rudolstadt schick ich einen Boten auf Kochberg zu hören ob du da bist.
Da ich einmal im Gewinnst sitze; so fällt mir alles zu, da ich aufmercksam bin des Glücks zu gebrauchen; so vermehrt sichs täglich, und ich verschleudre nichts. Wäre das was ich gewinne Geld; so wollt ich bald eine Million beysammen haben. Verschiedne sind auf verschiednes in der Welt angewiesen. Goldreich werd ich nie, desto reicher an Vertrauen gutem Nahmen und Einfluss auf die Gemüther.
Und was ich erlange bring ich zu deinen Füssen. Es ist gewiss meine Liebste, meine Sinne gehören dir [327] so zu eigen, daß nichts bey mir ein kann ohne dir Zoll und Akzise zu bezahlen.
Du hast in meinen Augen und meinen Ohren kleine Geister angestellt, die von allem was ich sehe und höre den Tribut der Verehrung für dich fodern.
Ich wohne gegen der Kirche über, das ist eine schröckliche Situation für einen der weder auf diesem noch auf ienem Berge betet, noch vorgeschriebne Stunden hat Gott zu ehren. Sie läuten schon seit früh um viere und orgeln daß ich aufhören muß denn ich kann keinen Gedancken zusammenbringen. Adieu liebe liebe Lotte.
Coburg d. 13. May 82 Abends.
So weit wäre mein Feldzug vorgerückt und ganz glücklich und püncktlich. Wenn der Kopf weis was er will und das Herz nicht nötig hat ausheimisch zu seyn daß es ihm wohl werde so gehts ia wohl. Das danck ich dir Liebste alle Tage daß ich dein geworden bin und daß du mich aufs rechte gebracht hast. Ich verlange nicht mehr von den Menschen als sie geben können, und ich bringe ihnen wenigstens nicht mehr auf als sie haben wollen, wenn ich ihnen gleich nicht alles geben kann was sie gerne mögten.
In Meiningen hat man mich auf das allerartigste behandelt, es ist ohnmöglich, mehr Attention Freundschafft und Gefälligkeit zu haben. Ich trete demohngeachtet sehr leise auf und nehme nichts an als was sie mir, iedes einzeln und alle zusammen gewiß nicht [328] zurücknehmen. Die Seele aber wird immer tiefer in sich selbst zurückgeführt iemehr man die Menschen nach ihrer und nicht nach seiner Art behandelt, man verhält sich zu ihnen wie der Musikus zum Instrument, und ich könnte es nicht Acht Tage treiben wenn mein Geist nicht in der glückseeligen Gemeinschafft mit dem deinigen lebte.
Dürckheim ist noch gar nicht wohl. Die famose Kranckheit überfällt auch unversehens in diesen Gegenden viele Menschen. Wenn ich nur hören könnte daß du wohl bist. In Meinungen hat mich kein Brief getroffen ich habe deswegen Bibra Commission gegeben.
Heut Mittage hab ich in Hildburghausen bey dem Alten gegessen. Er war sehr munter und freundlich, gab mir Audienz im Bette, und war nachher gleich angekleidet zu Tafel.
Coburg d. 14. früh.
Eben erhalte ich deinen lieben Brief vom 9ten und 10ten, du hast mir damit eine unbeschreibliche Freude gemacht. Ich wünschte recht sehnlich von dir etwas zu sehen als er ankam.
Nun rücke ich nicht weiter, und übermorgen näher zu dir. Ich lasse mich nirgends halten und gehe zur gesetzten Stunde weg. Es ist gar artig eine Reihe Phisiognomien von Städten und Höfen zu sehn, ieder Hof hat einen dezidirten eignen Charackter der sich von oben herein bildet. Ich verspreche dir eine Reihe Schilderungen die dir gefallen sollen.
[329] Coburg d. 15ten früh.
Nun wäre ich auch hier so weit fertig, will mich heute nach Gegenden und Menschen umsehen und m