1785

[1] 7/2040.

An Carl Ludwig von Knebel

Nochmals Glück zum neuen Jahr, das ich mit guten Vorbedeutungen angetreten habe, mögen sie auch meine Freunde gelten.

Die schöne Schlittenbahn hätte uns zu dir hinübergelockt, wenn nicht Frau von Stein Gäste von Rudolstadt gehabt hätte die hiehergekommen waren Frau v. Reck zu treffen. Diese sonderbare Frau ist auch wieder weg. Sie war hier nicht in ihrem Elemente, sie mag gern alle und iede geniesen und sich überall so gut aufgenommen sehn wie sie ieden aufnimmt. Man war ihr höflich mehr als herzlich. Mir ist's wenigstens nicht gegeben gegen die Menge und mit der Menge herzlich zu seyn.

Hier schicke ich deine Übersetzung zurück, sie ist sehr lesbar und schön, fahre ia fort daß du wenigstens den Catilina vollendest. Gegen das Original konnt' ich sie nicht halten.

Wie geht es sonst? du hast einige Besuche gehabt.

Schreibe mir doch manchmal und verzeihe wenn ich nicht antworte, wenigstens nicht gleich. Diese Tage war es mir unmöglich.

[2] Rückst du in der Mineralogie vor? ich habe in diesem edlen Studio seit meinem letzten Ilmenauer Aufenthalt nichts gethan, desto frischer soll es gehn wenn ich wieder dran komme.

In den andern Theilen der Naturlehre treibe ich mich mit Herdern durch disputiren immer weiter. Er ist fleisig an seinem zweyten Theile.

Der alte Semmler hat sich auch in dieses Fach gewendet, es hat mich auserordentlich gefreut. Bey der offenbaren Nichtigkeit sovieler andrer Dinge und der Wahrheit und Wichtigkeit der sich ewig immer gleichen Natur giebt mich's nicht wunder. Ich hoffe noch auf mehr Proselyten.

Er hat angefangen eine Nachlese zur Bonnetschen Insecktologie herauszugeben, und ist derselbe wie er sich in seinen ältern Schrifften gezeigt hat.

Lebe wohl. Da mich der Frost nicht zu dir gebracht hat bringt mich vielleicht das Thauwetter.

Eine Empfehlung an die Hausgenossen Hofrath Loder und Büttner.

Adieu. Der Herzog macht noch nicht Miene zu kommen.

Weimar, d. 6: Jan. 1785.

G.


Imhofs Brief war mir angenehm zu lesen. Da sind die Fische recht im Wasser, schade daß sie keine Englische Flosfedern haben.

Schicke mir doch Gerhardts Mineralogie zurück.


[3] 7/2041.

An Charlotte von Stein

Gestern Abend da ich nach Hause kam wünschte ich dich zu mir oder mich wieder zurück. Hier ein wenig Süsigkeit. Auf heut Abend will ich Herders laden. Wenn sie kommen laß ich dir's sagen du siehst ia wohl wo du dein Fräulein unterbringst. d. 6. Jan. 85.


7/2042.

An Charlotte von Stein

[6. Januar.]

Du musst ia kommen l. Lotte sonst ist unsre Freude nichts. Hier ist der Brief. Schade daß sie nicht Englisch Geld haben. Es scheint eine Gesellschafft zu seyn die sich mögte wohl werden lassen. Adieu. Komm ia!

G.


7/2043.

An Samuel Thomas von Sömmerring

Herr Kriegsrath Merck wird Ihnen einen kleinen osteologischen Versuch zugeschickt haben, worüber ich Ihr Urtheil zu hören wünsche, wenigstens werden Sie es als ein Zeugniß meiner Neigung zu einer Wissenschaft aufnehmen können, deren Reize Sie vor Andern empfinden. Der Elephantenschädel ist, hoffe ich, glücklich [4] in Cassel angelangt, obgleich etwas später. Er mußte durch Fuhrleute gehn, da man die große Kiste nicht auf der fahrenden Post annahm. Er ist von vier Seiten für Sie gezeichnet und zwar jede im Umriß und ausschattirt, ich hoffe, Sie werden damit zufrieden sein. Ich will nur die Zeichnungen mit wenig Worten commentiren, und alsdann sollen Sie solche gleich erhalten, meine Geschäfte erlauben mir selten einen Blick in dieses Reich. Zugleich nehme ich mir die Freiheit Sie an die versprochenen Schädel zu erinnern, ich werde sie mit Dank baldmöglichst zurückschicken, meine Mutter in Frankfurt wird gern den weitern Transport übernehmen, wenn Sie ihr solche zuschicken wollen. Allenfalls geschähe mir auch nur mit der Myrmekophaga ein besondrer Gefalle. Herr Blumenbach spricht ihr das os intermaxillare ab, und es ist gewiß an ihr zu entdecken. Ich werde meine Beobachtungen über diesen Knochen fortsetzen, und wenn meine Bemühungen Beifall finden, auch über die übrigen Knochen des Kopfes Vergleichungen anstellen und mittheilen. Das Feld ist so groß, daß man bei eingeschränkter Zeit und Kräften wohl thut, sich ein Winkelchen auszusuchen und es zu bearbeiten.

Wie geht es Ihnen in Ihrer neuen Lage? Lassen Sie bald etwas von sich hören. Haben Sie Nachricht von Forster?

Weimar den 7. Jan. 1785.


Goethe.


[5] 7/2044.

An Charlotte von Stein

[Jena, 9. Januar.]

Das Wetter ist so schön und die Berge so freundlich anzusehn daß ich nur meine Liebste zu mir herüber wünschte.

Morgen sehn wir uns. Grüse Herders. Heute nur diesen Grus. Wir sind fleisig und ich bringe wieder artige Sachen mit. Adieu. Knebel grüst, grüse Fritzen. Wenn du ihn in der Kutsche nach Rötschau nähmst könnte er auf meinem gedultigen Pferde mit Götzen nach Hause reiten. Frage Steinen ob es ihm recht ist. Dem Knaben wäre es Bewegung und grose Freude.

G.


7/2045.

An Johann Christian Kestner

Aus beyliegendem Blatte werdet Ihr mein lieber Kestner sehen, was mich in diesem Augenblicke veranlaßt Euch zu schreiben. Ich bitte mir auf das baldigste Nachrichten von der gedachten Person zu verschaffen. Sie sitzt in Mayland und kann Dienste haben wenn ihre Angaben wahr befunden werden, so daß man ihr auch wegen des übrigen Glauben beymessen kann.

Die Capuciner auf dem Gotthart die sich meiner erinnerten haben auf Bitte ihrer Mayländischen [6] Freunde an mich geschrieben, und da ich ihnen als ein berühmter Mann bekannt war; so glaubten sie ich könne nichts anders als ein Professor in Göttingen seyn, und müsste Relationen in Hannover haben. So ist der Brief nach Deutschland gekommen und hat mich endlich hier gefunden.

Dieses Jahr war ich nahe bey Euch und konnte nicht hinüber. Wann werden wir uns einmal wieder sehn. Fast Alle meine Freunde haben mich einmal besucht.

Grüset Frau und Kinder schreibt mir einmal wieder von Euch. Von mir ist nichts zu sagen wenn man nicht von Angesicht zu Angesicht steht.

Lebet wohl! Antwortet bald und behaltet mich lieb.

Weimar d. 11. Jan. 1785.

G.


7/2046.

An Charlotte von Stein

Ich frage nach wie sich meine Liebe befindet und schicke ihr hier einen Griechen von Stolbergischem Geschlecht. Ich bin so weit verdorben daß ich gar nicht begreifen kann was diesem guten Mann und Freunde Freyheit heist. Was es in Griechenland und Rom hies begreif ich eher.

Ieder sucht seinen Himmel ausserwärts, wie glücklich bin ich daß ich meinen so nah habe. Ich bin ganz wohl.

d. 11. Jan. 1785.

G.


[7] 7/2047.

An Friedrich Heinrich Jacobi

Den Wein habe ich mir wohl schmecken lassen und noch nicht gedanckt. Verzeih ich bin lahm zum Briefschreiben. Das Gegenwärtige drängt so auf mich zu daß ich nur sehen muß wie ich durchkomme. Wir haben neulich deine Gesundheit recht herzlich getruncken, mögte die Würckung unsrer Wünsche recht kräfftig zu dir gelangt seyn.

Ich übe mich an Spinoza, ich lese und lese ihn wieder, und erwarte mit Verlangen biß der Streit über seinen Leichnam losbrechen wird. Ich enthalte mich alles Urtheils doch bekenne ich, daß ich mit Herdern in diesen Materien sehr einverstanden bin. Theile ia alles mit was du von Haman empfängst. Gott erhalt ihn noch lange da uns Nathan entronnen ist. Die Crethi und Plethi sterben nicht aus, und der Kinder Zerujah sind soviel mit denen man nichts zu schaffen haben mag.

Dancke der Fürstinn für die Hemsterhuisischen Schrifften. Hier kommt Alexis. Eh ich eine Sylbe meta ta physica schreibe muß ich nothwendig die physica besser absolvirt haben. In diesen bin ich fleisig wie es die Zeit und der Zustand meines hin und her gezerrten Gemüthes leiden.

Mein Osteologischer Versuch, wodurch ich den berüchigten Zwischenknochen auch dem Menschen zueigne, [8] ist an Campern fort. Wünsche mir Glück zu dieser neu betretnen Laufbahn. Ehstens werde ich den Cassler Elephanten Schädel kürzlich kommentiren und was alles darauf folgen wird.

In meiner Stube keimt Arbor Dianae und andre metallische Vegetationen. Ein Mikroscop ist aufgestellt um die Versuche des v. Gleichen genannt Rußwurm mit Frühlings Eintritt nachzubeobachten und zu kontrolliren. Ich mag und kann dir nicht vorerzählen worauf ich in allen Naturreichen ausgehe. Des stillen Chaos gar nicht zu gedencken das sich immer schöner sondert und im Werden reinigt.

Wenn mir nicht manchmal eine rythmische Schnurre durch den Kopf führe ich kennte mich selbst nicht mehr.

Daß ich dir noch einmal für die Kobels dancke! sie sind ganz fürtrefflich und rechte Stärkung für den Künstler Sinn.

Herder soll deine Büste haben. Hätte uns Lehngen bey der Arbeit beygestanden, so wäre sie wohl besser. Es geht nichts über ein frisches liebendes Weiberauge. und hiermit noch einen Grus an die deinigen und gute Nacht.

Weimar d. 12. Jan. 1785.

G.

Frau von Stein grüsst dich.


[9] 7/2048.

An Charlotte von Stein

Eben dacht ich ob ich hier oder bey dir die Zeichnung aufziehen wollte. Das schöne Wetter lockt hinaus. Die R. Landschafft bring ich mit. Gestern Abend dachte ich du würdest mir noch durch Fritzen schreiben. Ich habe nicht recht Lust heute in die Commödie zu gehen. Ich sehe dich bald lebe wohl.

d. 20. Jan. 85.

G.


7/2049.

An Charlotte von Stein

Sage mir auch etwas freundliches zum freundlichen Tage! Ich bitte dich um einen von den kleinen grünen Blumen Äschen, ich will etwas säen. Lebe wohl. Ich lese Ackten und weis noch nicht welche Stunde des schönen Tages ich mit dir geniesen werde. Liebe mich.

d. 27. Jan. 1785.

G.


7/2050.

An Charlotte von Stein

Endlich kann ich meine Geliebte fragen wie sie sich befindet? Wie sie geschlafen hat. Ich wünsche daß du mir nicht mit Bleystifft antworten mögest.

Lebe wohl! Gehst du heute Abend mit zum Herzog. [10] Die kleine Schwägerinn mögte gerne bey der Vorlesung seyn. Ginge es wohl an. Könntest du die Herzoginn darüber fragen.

d. 1. Febr. 85.

G.


7/2051.

An Charlotte von Stein

Der gestrige Wein hat wieder seine wohltätigen Würckungen gezeigt, ich habe sehr gut geschlafen, und befinde mich wohl. Ich habe ein Mittagessen bey der Herzoginn ausgeschlagen um fleisig zu seyn, diesen Abend bin ich bey dir. Auf morgen war ich zu Tische bey meinem Collegen Schmidt gebeten ich habe es auch abgelehnt. Adieu liebe vielleicht sehen wir Herders morgen. Sage mir wie du dich heute befindest.

d. 2. Febr. 85.

G.


[11] 7/2458.

An Charlotte von Stein

[284] [Ende Februar 1785?.]

Je suis dans la necessité de copier un long discours francois qui ne m'interesse pas beaucoup. Cela me met en train d'ecrire et ma plume ne court jamais plus a son aise que quand il s'agit de te dire ce que tu aimes a entendre. Je te redis donc encore une fois ce soir que je t'aime exclusivement et que ta tendresse fait mon plus grand bonheur. Adieu. Je souhaite comme le Prophete de Zuric que l'encre avec le quel ces lignes sont tracees puisse se changer en feu pour rendre un faible temoignage de mon ardeur. Adieu. J'attens quelque mot de reponse par Friz.

G.


[10] 7/2052.

An Charlotte von Stein

Wie befindet sich meine liebe heut? Kann ich hoffen sie bey mir zu sehen? Ich will es Herders sagen lassen. Da es so gar bös Wetter ist könnte ja wohl dein Kutscher sie mitnehmen sie dich alsdenn abholen und ihr kämt zusammen. Wo nicht so seh ich dich voraus im kleinen Stübgen.

d. 9. Febr. 1785.

G.


[11] 7/2053.

An Charlotte von Stein

Ich bin eben wunderlich in der Welt dran L. L. ich dancke dir für dein Andencken, für deine Liebe. Hohle mich heut Abend in die Comödie ab.

Es wird mein bester Augenblick seyn wenn ich dich wieder sehe. Glaube mir ich habe immer den stillen Genuß deiner Liebe.

d. 10. Febr. 85.

G.


7/2054.

An Charlotte von Stein

Mit einem guten Morgen und Anfrage nach deiner Gesundheit schicke ich einen Brief mit dem ich Franckenberg für den Figaro dancke.

Wie sieht es mit dem heutigen Abend aus.

d. 13. Febr. 1785.

G.


7/2055.

An Johann Heinrich Merck

Das Skelet der Giraffe ist gestern angekommen, ich dancke dir, es ist ein sehr interessantes Stück, recht gut und ausführlich gezeichnet, schicke mir balde ein korrigirtes Exemplar.

Daß dir meine Abhandlung einige Freude gemacht hat, giebt mir wieder Freude ob du gleich von der[12] Wahrheit meines Asserti nicht durchdrungen zu seyn scheinest. Deswegen schicke ich dir hier eine gesprengte obere Kinlade vom Menschen und vom Trichechus da vergleiche und nimm deine andern Schädel zu Hülfe, und sieh am Affenschädel nach was denn das für eine Sutur ist die das Os intermaxillare von der Apophysis palatina maxillae superioris trennt, gieb nur auf die Lage der canalium incisivorum acht und ich brauche nichts zu sagen.

Von Sömmring habe ich einen sehr leichten Brief. Er will mir's gar ausreden. Ohe!

Schicke mir die Knöchlein ia bald wieder ich brauche sie nothwendig, und gehe säuberlich mit um sie gehören zu ganzen Köpfen. NB der Trichechus hat 4 Dentes incisores zwey auf ieder Seite.

In der Maxilla die ich dir schicke, sitzt einer noch im Osse Intermaxillare, vom andern siehst du die Lücke. Mit drey Backenzähnen machts auf ieder Seite fünfe den großen Caninum nicht gerechnet. Der vordere Schneidezahn ist an einem grosen Kopf den ich besitze auf einer Seite sehr klein an der andern fehlt er ganz. Vielleicht fehlen an deinem die zwey vordern ganz, da du nur zwey Dentes incisores überhaupt zugestehst.

Auf Campers Wort bin ich neugierig. Die untre Maxille vom Cassler Elephanten habe ich leider nicht zeichnen lassen ich hatte mit dem Oberkopfe genug zu thun, da ich voriges Jahr so zerstreut war und doch alles recht erklärt haben wollte.

[13] Nun noch eine Bitte.

Wir kommen endlich hier an die Zerschlagung der Güter, die bey Euch etwas gemeines ist. Könntest du mir einen Aufsatz verschaffen von den Grundsätzen und der Art die Sachen zu behandlen und was man nach mehrerer Erfahrung für das beste hält. Wir haben hier ziemlich vorgearbeitet nun mögt ich auch noch von erfahrnen etwas hören. Was ist der Kammerrath Martini für ein Mann? Ist er gefällig und würde er mittheilend seyn wenn ich durch den Assessor Büttner, der ihn kennen gelernt, an ihn schreiben liese. Du machtest ihm ia wohl von mir ein Compliment. Alles nach deiner Weisheit daß ich meinen Wunsch erlange.

Die Sache ist simpel, wir fangen aber mit einem sehr ansehnlichen Gute an und ich wollte daß der erste Versuch gleich zum besten ausfiele. Adieu. Schreibe bald. Verzeih mein Kritzeln.

d. 13. Febr. 1785.

G.


Daß mir an den ossibus turbinatis des Trichechus kein Schade geschehe. Packe es wieder wohl ein.


7/2056.

An Charlotte von Stein

Du bist eine liebe Verführerinn. Ich will mit dir fahren, und das erstemal seit acht Tagen einer [14] frischen Lufft in deiner Gesellschafft geniesen. Liebe mich Adieu.

d. 13. Febr. 1785.

G.


7/2057.

An Charlotte von Stein

Der Wind der mich diese Nacht öffters aufweckte hat mir das Bild meiner Geliebten das Andencken meiner Freundinn herbey geführt. Wie befindest du dich? Gehn wir in die Commödie? Hier schickt Fritz etwas. Liebe mich.

d. 17. Febr. 1785.

G


7/2058.

An Charlotte von Stein

Ich bin so fleisig und dabey so vergnügt, es geht mir so gut von statten daß ich meine ich sey gegen sonst im Himmel. In diesem Paradiese fehlt mir nichts als daß mein kleines Cabinet dich nicht beherbergt, und mein Windöfgen dich nicht wärmt. Hier sind Knebels Briefe. Lebe wohl. Was treibst du heute.

d. 19. Febr. 1785.

G.


7/2059.

An Johann Gottfried Herder

Dein Manuscript habe ich auf heute früh gespaart, um wenigstens die ersten Stunden des Sabaths zu feyern, und es mit reinen Augen zu lesen. Es ist [15] fürtrefflich und wird gar gut aufs Publikum würcken. Zu dem ganzen Innhalte sage ich ia und Amen und es lässt sich nichts bessers über den Text: Also hat Gott die Welt geliebt! sagen.

Es ist auch sehr schön geschrieben, und was du nicht sagen konntest, noch jetzo schon wolltest, ist schön vorbereitet und in glückliche Hüllen und Formen gebracht. Ich dancke dir! Lebe wohl. Grüse die Frau. Ich sehe dich bald.

Nur zwey Stellen habe ich angestrichen. Lebewohl.

Geben vom Rade Ixions

d. 20. Febr. 1785.

G.


7/2060.

An den Herzog Carl August

Unterthänigstes Promemoria.

Aus beiliegendem an Endesunterzeichneten gerichteten Promemoria werden Ew. Hochfürstl. Durchl. in Gnaden zu ersehen geruhen, was mir der Bergrath Bucholz von Ew. Hochfürstl. Durchl. Absichten auf dessen bisherigen Provisor Göttling, die mir schon zum Theil bekannt gewesen, neuerdings eröfnet hat. Wie ich nun nicht zweifle, daß gedachter Göttling Ew. Hochfürstl. Durchl. Absichten zu erfüllen, völlig im Stande seyn werde; so habe ich es für meine Schuldigkeit erachtet, gegenwärtiges einzureichen und Ew. Hochfürstl. Durchl. zu überlassen, was Höchst Dieselben etwa vorerst wegen der Summe, die er [16] während seines Aufenthaltes in Göttingen zu erhalten hätte, an die Behörde gnädigst zu rescribiren, geruhen wollen.

Was den zweyten Punckt die Anschaffung der nötigen Instrumente betrifft, so wird wohl selbiger am füglichsten bis dahin ausgesetzt werden können, bis Göttling sich mit den Wissenschaften noch bekannter gemacht, sich während seiner akademischen Laufbahn von dem, was zu einem Apparat am vorzüglichsten und nothwendigsten gehöret, unterrichtet und auf sei nen Reisen sich umgethan, woher man die Instrumente am besten und wohlfeilsten erhalten könne. Es möchte also wohl die Anschaffung derselben bis dahin aufgeschoben werden, um so mehr, als von Jahr zu Jahr neue Entdeckungen gemacht und solche Instrumente verfeinert und verbessert werden.

Indessen bietet sich doch gegenwärtig eine Gelegenheit an, wo man um einen leidlichen Preiß verschiedenes, was in der Folge sich nothwendig macht anschaffen kann.

Es hat nehmlich der Bergrath von Einsiedel während seines Aufenthaltes allhier ein chymisches Laboratorium eingerichtet und solches bei seiner Abreise hinterlassen. Es findet sich in demselben sowohl eine Anzahl guter und brauchbarer Werkzeuge und Geräthschaften, als auch solche Präparate, welche zu den mannigfaltigen Untersuchungen dieser Kunst erforderlich und nöthig sind, ingleichen einige gute Schriftsteller.

[17] Alles ist nach einem mäßigen Anschlage 122 Thlr. gewürdet und Göttling der selbiges in Augenschein genommen glaubt, daß man um den Preiß von 100 Thlr. eine sehr gute Acquisition machen werde.

Wollten Ew. Hochfürstl. Durchl. erlauben daß man dafür die erwehnten Stücke erkaufe; so würde ich mir es zur Pflicht machen, zu sorgen, daß sie in gehörige Verwahrung gebracht, für die Zukunft aufbewahrt und dereinst mit dem kleinen Laboratorio, welches Hofrath Büttner in Jena angelegt an Göttling übergeben und zum weiteren nützlichen Gebrauch überlassen würden, worüber ich mir unterthänigst Verhaltungs – Maase erbitte und mich mit lebenswieriger Verehrung und Treue unterzeichne

Ew. Hochfürstl. Durchl.

unterthänigster treugehorsamster

Johann Wolfgang Goethe.

Weimar

d. 24. Februar 1785.


7/2061.

An Carl Ludwig von Knebel

[27. Februar.]

Unsre Freude war von kurzer Dauer, und der Fall jedem unerwartet, es scheint als wenn das Schicksal alle Arten von Unheil mit diesem Hause durchgehen wolle.

Wenn es möglich ist, komme ich balde zu dir, ich habe einige Sachen zurückgelegt, die ich in Jena am[18] besten ausarbeiten kann und in einer Art von Abgeschiedenheit durchdencken muß.

Ich käme eines Sonnabends und zöge in ein Zimmer neben dem Concertsaale, wenn wir vorher die Geister dieser Lustbarkeit wieder vertrieben hätten, und so wohnten wir in brüderlicher Eintracht und Nachbarschaft beysammen. Ich hätte acht Tage vor mir, bis die Musick mich wieder vertriebe.

Es wird ein Mikroscop hier ausgespielt. Ich habe auch ein Loos für dich genommen, denn das Werck ist recht artig und wäre für einen Thaler wohl zu brauchen. Unter Vierzigen wird es Dienstag verloost.


Montags [28. Februar].

Ich habe Hoffnung, Sonnabends zu dir zu kommen.

Der Herzog von Gotha ist hier und geht wahrscheinlich bis dahin weg. Graf Morelli ist gesprengt, er hat seine Flucht im tiefen Schnee ergreifen müssen.

Meine nothwendigsten Geschäfte rücken zusammen.

Ich freue mich sehr, dich wieder zu sehen. Herder will uns besuchen, und wenn wir so kalt und eine rechte Schneebahn behalten, wird es uns wohl werden. Adieu bis dahin. Lasse ich nichts weiter wissen und sagen; so komme ich.

G.

Grüse Lodern und gieb ihm innliegendes Blättgen.


[19] 7/2062.

An Carl Ludwig von Knebel

Der Herzog von Gotha der hier ist geht morgen weg. Wenn du also kommen wolltest fändest du von der Seite keine Hinderniß. Doch wollte ich dir fast rathen diesmal nicht zu kommen. Die Ursachen mündlich. Du wirst meinen Brief haben, worinn ich mich auf den Sonnabend anmelde, noch sehe ich nicht daß mich etwas abhalten könnte als daß die Frau v. Stein seit einigen Tagen übler ist. Kommst du Donnerstag oder Freytag so bleibe ich hier und wir gehen nachher zusammen.

Seckendorf hat das Mikroskop gewonnen, ob er es bey seinen Negotiationen wird brauchen können weis ich nicht.

Von Imhofs ist auch Nachricht hier.

Lebe wohl ich sehe dich auf eine oder die andre Weise bald.

d. 2. März 1785.

G.


7/2063.

An Charlotte von Stein

Ich habe es offt gesagt und werde es noch offt wiederholen die Causa finalis der Welt und Menschenhändel ist die dramatische Dichtkunst. Denn das Zeug ist sonst absolut zu nichts zu brauchen. Die Conferenz von gestern Abend ist mir wieder eine der [20] besten Scenen werth. Wie befindest du dich Gute? Ich will meine Sachen wegmachen und diesen Abend bey dir seyn. Lebe wohl und sag mir ein Wort.

d. 3. März 1785.

G.


7/2064.

An Carl Ludwig von Knebel

[4. März.]

Den Sonntag Nachmittag will ich hier wegfahren und zur rechten Zeit einlangen. Laß doch Hofrath Webern innliegendes Zettelgen zuschicken.

Soulavie bring ich mit. Lebe wohl. Ich würde dich mit noch froherm Herzen besuchen wenn ich nicht Frau v. Stein mit ihrem Übel alleine lassen müsste.

G.


7/2065.

An Charlotte von Stein

Schicke mir den Gleichen damit ich den Auszug wegen des Mikroscops machen könne. Wie befindest du dich? Heute Abend bringt mich die leidige Probe des Clavigo um ein Paar gute Stunden mit dir.

d. 4. März 85.

G.


7/2066.

An Samuel Thomas von Sömmerring

Wohlgeborner

Hochgeehrtester Herr Hofgerichtsrath.

Ew. Wohlgeb. sende ich die verschiedenen Bücher und Schriften, welche Sie mir nach und nach mitgetheilt, [21] mit vielem Danke zurück. Aus dem Camperischen habe ich mancherlei Unterricht gezogen, und freue mich, so oft ich etwas von diesem außerordentlichen Manne lese und höre.

Ihre Abhandlung über die körperliche Verschiedenheit des Mohren vom Europäer, habe ich mit Vergnügen gelesen. Es kann nicht fehlen, daß nicht durch solche Beobachtungen die Naturlehre täglich mehr zunimmt. Geben Sie uns ja dergleichen mehr aus Ihrem Vorrathe und seien Sie des Dankes eines jeden Freundes dieser edlen Wissenschaft gewiß.

Des Herrn Professor Blumenbachs Briefe waren mir sehr willkommen. Sie werden leicht glauben, daß sie mich in meiner einmal gefaßten Idee noch mehr bestärkt haben. Es wundert mich, daß er sich von der Spur auf die er gekommen war so leicht abbringen lassen. Da meine kleine Abhandlung gar keinen Anspruch an Publicität hat und bloß als ein Concept an zusehen ist, so würde mir alles was Sie mir über diesen Gegenstand mittheilen wollen, sehr angenehm sein. Sie haben selbst darüber gearbeitet und gedacht, wie viel interessantes müssen Sie darüber unter Ihren Papieren besitzen. Sie sollen nun nicht lange mehr auf die Zeichnungen des Elephantenschädels warten. Es thut mir leid, daß Sie über diese Angelegenheit mit Ihrem Nachfolger einige Verdrießlichkeit gehabt haben. Ich wünsche nur, daß die Zeichnungen Sie völlig schadlos halten mögen, wie ich [22] denn meinen Dank für Ihre Gefälligkeit nochmals wiederhole.

Ich lege die Adresse meiner Mutter bei wenn Herr Merck solche noch nicht übersendet haben sollte, und bitte um baldige Übersendung der versprochenen Schädel.

Ew. Wohlgeb.

ergebenster Diener

Goethe.

Weimar.

den 6. März 1785.


7/2067.

An Jakob Friedrich von Fritsch

Da Serenissimus mir gestern zu eröffnen geruhten daß Sie eine Promotion vorzunehmen resolvirt hätten; so hielt ich es für Pflicht den Cammerassessor Büttner in Erinnerung zu bringen welchen es allzusehr niederschlagen würde, wenn er, da ihm die iüngern Assessoren Mandelsloh und Hellfeld vorgezogen worden, auch hinter Schwaben zurückbleiben sollte. Ich empfehle ihn deswegen auch meinen Hochgeehrtesten Herrn Collegen.

Sollte bey dieser Gelegenheit etwas für den Rath Götze (den ich iedoch Serenissimo nicht genannt habe) geschehen können; so würden auch die von ihm lange genährten Hoffnungen erfüllt.

Da ich auf einige Tage nach Jena gehe um die Zerschlagung des Gutes Burgau und einige andre Angelegenheiten vorzubereiten; so ergreife ich diese [23] Gelegenheit mich meinen Hochgeehrtesten Herren Collegen zu geneigtem Andencken gehorsamst zu empfehlen.

Weimar d. 6. März 1785.

Goethe.


7/2068.

An Charlotte von Stein

[Jena, 7. März.]

Ich erblicke einen dienstbaren Geist und muß dich durch ihn grüsen.

Mir geht es recht wohl, meine Arbeit geräth in der Stille, und der natürlichen Dinge betrachtung beschäfftigt uns die übrigen Stunden. Du fehlst allein sonst wäre ein Vorhof des Himmels hier.

Büttner ist gar gut und brauchbar. Knebel grüsst dich, er ist ein eifriger Schüler und es wird ihm Licht.

Grüse Fritzen. Schreibe mir wie du dich befindest mit dem Cammerwagen hörst du von mir. Adieu.

G.


7/2069.

An Charlotte von Stein

Bey Knebeln ist recht gut seyn. Ich habe ein artiges Stübgen das eine freye muntre Aussicht hat. Ausser meinen Geschäfften erkundige ich mich nach macherley Verhältnissen der natürlichen Dinge an denen mir gelegen ist. Das Cabinet, die Bibliotheck, [24] das alte lebendige Encyklopädische Dicktionair, alles wird genutzt wie es die Kälte und die Umstände erlauben. Wir haben Cocos Nüsse secirt und die Anfänge dieses merckwürdigen Baums untersucht. Ich freue mich immer so offt mir iede Erfahrung bestärckt daß ich auf dem rechten Weege bin, was ich dir davon erzählen kann wird dir Vergnügen machen noch mehr wenn du unsre Reihe von Präparaten sehn könntet. Du wirst sie im Cabinete finden wenn du einmal herüberkommst.

Die Kälte ist auserordentlich und die Gegend höchst schön bey dem Schnee und dem hohen Stand der Sonne. Knebel hat allerley neues von Journalen und sonst es ist ganz anmutig hier seyn. Wenn ich Hoffnung hätte dich hier zu sehen wäre alles trefflich und gut. Auch unterbricht meine Ruhe der Gedancke daß du leidest. Ich erwarte recht sehnlich das schöne Wetter das dich in's Carlsbad führen soll.

Lebe wohl. Schreibe mir bald. Grüse Fritzen. Er soll etwas von sich hören lassen. Grüse Herders und liebe mich.

d. 8. März 1785.

G.


7/2070.

An Charlotte von Stein

Nur mit wenig Worten kann ich dir für deinen Brief und dein Zettelgen dancken. Wie lieb ist mir's zu hören daß du besser wirst.

[25] Meiner Arbeit nach könnte ich noch lange hier bleiben, meinem Gefühl nach müsste ich balde wieder zu dir. Kaum sind einige Tage herum; so fehlst du mir schon sehr mercklich. Grüse Fritzen ich werde ihm antworten. Der Cammerwagen hat dir etwas von mir gebracht.

Lebe wohl. Geliebteste, unentbehrliche. Mich freut nichts als was ich mit dir theilen kann.

Jena d. 9ten März. 1785.

G.


7/2071.

An Friedrich Constantin von Stein

Wenn ich ein so fertiger Poet wäre, wie du es bist, so antwortete ich dir in Versen, mein ganzes Gemüth ist aber diesmal so prosaisch, daß du mit Prosa vorlieb nehmen mußt. Deine Fabel ist jetzt um Vieles besser, und dein Favorit-Sylbenmaß geht ohne Reim ganz gut. Lebe wohl, ich komme bald wieder.

Jena, d. 10. März 1785.

G.


7/2072.

An Charlotte von Stein

Ich kann dich versichern l. L. daß es mit mir hier nicht recht fort will, ich hätte zu Hause mehr gethan. Die Einsamkeit mercke ich wohl ist nicht das ruhigste. Da ich von dir entfernt bin, fühle ich [26] einen Mangel den ich mit nichts überwinden kann.

Lebe wohl, ich komme bald.

Jena. Donnerst. d. 10. März 1785.

G.


7/2073.

An Charlotte von Stein

Mit Freuden sage ich dir einen guten Morgen in der Nähe und schicke dir das Buch.

Der beste Theil meines Tags wird seyn den ich mit dir zubringe.

d. 13. März 1785.

G.


7/2074.

An Charlotte von Stein

Ich bin fleisig und bin es gern weil meine freye Stunden dein sind. Bey der Schlittenfahrt bin ich nicht. Der Bereuter wird bey dir gewesen seyn, und nähere Order verlangt haben.

Lebe wohl wir fahren heute Abend in den Wissenschafften fort.

d. 14. März 1785.

G.


7/2075.

An Friedrich Heinrich Jacobi

Da ich gegenwärtige Abschrifft anfangen lies glaubte ich reicher zu seyn als es sich gefunden hat, nimm also das wenige und verzeih daß es so spät kommt.

[27] Laß doch manchmal von dir hören. Herder ist fleisig und wird auf Ostern eine vielfache Erscheinung machen. Es ist unglaublich was er arbeiten kann.

Lebe wohl und grüse die deinigen.

d. 15. März 1785.

G.


7/2076.

An Charlotte von Stein

Ich habe nur zwey Götter dich und den Schlaf. Ihr heilet alles an mir was zu heilen ist und seyd die wechselsweisen Mittel gegen die böse Geister.

Ich gehe gern in die Commödie, und finde dich drinne.

Diesen Nachmittag geh ich zu Seckendorf. Vielleicht zu deinem Bruder. Lebe wohl du einzige. Mich verlangt recht mit dir zu reden, ich habe vieles.

d. 15. März 1785.

G.


7/2077.

An den Herzog Carl August

Iemehr ich mir das Geschäft der Zerschlagung des Gutes Burgau bekannt mache, von desto größerer Wichtigkeit finde ich es, sowohl an sich, als in Absicht auf den Einfluß, welchen es in manche andere Angelegenheiten haben wird. Es kommen dabey verschiedene politische, juristische und ökonomische Betrachtungen vor, welche wohl zu erwägen sind, damit man, wenn das Geschäft angefangen oder gar beendigt [28] worden, nicht alsdann erst Bedenklichkeiten zu heben und Hindernisse aus dem Wege zu räumen habe. Deswegen hat man um solches vorzubereiten allerlei gethan, und unter andern auch nach Darmstadt an den Kammerrath Martini geschrieben, welcher in dieser Art Geschäften sehr bewandert ist und solche seit dreyzehn Jahren in der dortigen Landgrafschaft betreibt.

Es hat auch derselbige vor einigen Tagen eine Antwort hierher erlassen, welche nichts weniger als genugthuend ist, vielmehr hat man Noth solche zu verstehen und muß den Zusammenhang nur errathen und die eigentliche Meinung herausklauben. Ein Brief den ich zu gleicher Zeit von einem guten Freund dorther erhielte, versichert mir, daß von gedachtem Kammerrath Martini nur auf der Stelle Nutzen zu ziehen seyn möchte, indem derselbe als bey der Feder nicht hergekommen, das Schreiben so viel als möglich vermeide und sich nicht glücklich ausdrücke.

Da nun ferner aus obgedachtem Martinischen Brief zu ersehen gewesen, daß dorten die herrschaftlichen Güter weder erb noch eigenthümlich an einzelne verlassen noch auf einen Erbbestand, das heißt Stammvätern und ihren Familien ausgegeben worden, sondern daß man die Art vorgezogen habe, die zu zerschlagende Güter auf lebenslängliche Lehen für Mann und Frau auszuthun, welche letztere Art in hiesigen Gegenden ganz unbekannt ist; so wird man es nur [29] um desto nöthiger finden, sich nach der dortigen Einrichtung auf das genaueste zu erkundigen.

Es wäre deswegen zu wünschen, daß man die ältere Art wie man dorten zerschlagen, zuerst genau in Erfahrung bringen könnte, alsdann die neuere und warum man diese jener vorgezogen, die Folgen die beyde gehabt und noch haben und was sonst noch bey diesem Gegenstande vorkommen möchte.

Es könnte diese Absicht wohl nicht besser erreicht werden, als wenn man jemand dorthin absendete, der sich die Akten vorlegen lasse, die nöthigen Extrakte daraus fertigte, sich mündlich nach allem befragte und die Gegenstände selber in der Natur kennen lernte; es würde dieses durch einen geschickten Mann gar leicht und in kurzer Zeit vollbracht werden können.

Man weiß iezo niemand besser als den Kammerkonsulent Schwabhäußer vorzuschlagen. Seine Sagacität und Leichtigkeit im Arbeiten sind bekannt und er möchte wohl derjenige seyn, der in der kürzesten Zeit die neuesten und sichersten Nachrichten einzusammeln fähig seyn möchte.

Nicht weniger würde er, da es seine Pflicht ist, in dergleichen Gelegenheiten fürstlicher Kammer mit Rath an Handen zu gehen, solches in der Folge desto sicherer und standhafter zu thun in den Stand gesetzt werden.

Da man mit Einleitung des Geschäftes keine Zeit zu verlieren hat, sondern sobald als möglich die Absicht [30] öffentlich bekannt zu machen wünscht, so würde derselbe auf das baldigste abzuschicken seyn.

Wegen seiner übrigen ihm aufliegenden Geschäfte würde er wohl solche Einrichtungen treffen können, daß ihn solche nicht hinderten eine kurze Zeit abwesend zu seyn. Was die Unkosten betrifft, welche auf diese Absendung zu verwenden seyn möchten, diese kommen bey einem so wichtigen und weit aussehenden Geschäft in wenigen Betracht.

Übrigens ist man überzeugt, daß gedachter Kammerkonsulent in mehr als einer Rücksicht dieses Geschäft mit der besten Sorgfalt auszuführen sich angelegen sein lassen werde. Ist es vollbracht, so wird man alsdann davon Gelegenheit nehmen ihn Serenissimo zu weiteren Gnaden zu empfehlen, indem er für seine viele Arbeit etwas mehreres als er bisher genossen auf alle Weise verdient und seine fleißigere Würkung bei fürstlicher Kammer sich immer nothwendiger macht.

So überzeugt man übrigens von der Nützlichkeit und Nothwendigkeit oberwähnter Absendung seyn mag; so hat man doch dazu keine Anstalten machen können, ohne von den Gesinnungen Serenissimi und Höchst Ihro geheimen Consilii vorher unterrichtet zu seyn.

Der ich mich in Erwartung gnädigster Befehle in unbegränzter Ehrerbietung unterzeichne

Ew. Hochfürstlichen Durchl.

unterthänigster treugehorsamster

J. W. Goethe

Weimar d. 15. März 1785.


[31] 7/2078.

An Charlotte von Stein

Ich dancke dir meine Geliebte für den Beystand den mir deine liebe Seele leistet. Es ist nicht gut daß der Mensch allein sey.

Hier das erste Cahier von Herder. Lebe wohl ich sehe dich.

d. 16. März 1785.

G.


7/2079.

An Charlotte von Stein

Hier m. l. die Fortsetzung von Herders Sachen. Gedenck an mich. Heute der Abend ist für uns verlohren. Ich sehe dich wenigstens einen Augenblick, ich bitte um ein Wort.

d. 17. März 1785.

G.


7/2080.

An Charlotte von Stein

Wenn meine Geliebte es will so lade ich heute Herders ein und sie kommt mich besuchen. Es ist nothwendig daß ich zu Hause bleibe, denn mein Übel vermehrt sich lebe wohl, laß mir ein Wort wissen.

d. März 1785.

G.


[32] 7/2081.

An Charlotte von Stein

Mein Übel ist eher besser als schlimmer, nur schlimmer dadurch daß ich es heute nicht in deiner Gegenwart tragen kann. Ich darf nicht wohl ausgehen, ich vermehre und verlängre es sonst. Dencke an mich. Hier das Mikroscop und ein einzeln Glas das ziemlich vergrösert und helle macht. Lebe wohl.

d. 21. März 1785.

G.


[32] 7/2083.

An Charlotte von Stein

Was ich ohne dich habe und geniese ist mir alles nur Verlust, ich hab es am gestrigen Tage gespürt. Herders will ich einladen lassen, und bitte daß du mir recht mögest fühlen lassen daß du mich liebst.

Du erhälst Antwort.

d. 22. März 85.

G.


[33] 7/2084.

An Charlotte von Stein

Meine Beyden Verse hab ich für heute gefertigt und bin nun biß Aschermittwochen gekommen. Diese Kinderey hilft mir, und die leeren Tage im Kalender geben mir ein unüberwindlich Verlangen das versäumte nachzuholen.

Nun will ich meinen Tag zum unpoetischen Wesen der Nothwendigkeit wiedmen und diesen Abend zeitig bey dir seyn.

d. 27. März als am ersten Osterfeste.

G.


7/2085.

An Carl Ludwig von Knebel

Hier schicke ich das Büchlein mit Danck zurück, ich habe es in einigen Tagen, da ein Weh an den Zähnen mich unthätig hielt, ganz durchgelesen und mich an der Willkühr eines Gemüths voll Grazie sehr ergötzt.

Auch bin ich wieder fleisig an meinem grosen Gedichte gewesen und bin bis zur 40sten Strophe gelangt. Das ist wohl noch sehr im Vorhofe. Das Unternehmen ist zu ungeheuer für meine Lage, indess will ich fortfahren und sehn wieweit ich komme.

Der Herzog ist nach Leipzig.

Und wir sind still.

[34] Lebe wohl und sey fein fleisig, damit das Frühjahr uns bereit finde.

d. 28. März 1785.

G.


7/2086.

An Charlotte von Stein

Diesen Morgen habe ich müssen dem Briefschreiben geben und stehn also die Stanzen noch bevor wenn das Glück will. Dancke für das Mikroscop. Ich sehe dich heute. Hier ein Fläschgen und das Politische Journal das Stein gehört.

Liebe mich.

d. 28. März 1785.

G.


7/2087.

An Charlotte von Stein

[März oder April.]

In die Comödie will ich dir folgen wie überall hin. Gestern Abend hab ich noch 3 Stanzen gemacht.

Das Korn erhälst du wenn du Wenden auf die Cammer schickst anzeigen lässest wie viel du auf's Jahr verlangst und um Abgabe von einem Theil davon einsweilen bittest. Liebe mich. Lebe wohl.

Herrn v. Holz will ich wenn der Herzog zurückkommt erinnern.

G.


[35] 7/2088.

An Charlotte von Stein

[März oder April.]

Zur Noth habe ich gestern noch eine Stanze hervorgebracht, und die übrigen gern deiner Liebe aufgeopfert die mich herzlich freut, und herzlicher iemehr sie sich zeigen mag. Diesen Abend seh ich dich. Adieu.

G.


7/2089.

An Charlotte von Stein

Ich bin dir noch Danck für dein Billet von gestern Abend schuldig es hat mich recht sehr gefreut.

Schicke mir doch das Mikroscop ich muß verschiednes ansehn. Ich bin fleisig und habe nun ein Tischgen mit Erde worinn allerley Saamens liegen. Ich habe recht schöne Offenbaarungen über dies Geschlecht. Lebe wohl. Liebe mich und schreibe wie du heute Abend bist und bleibst.

d. 1. Apr. 1785.

G.


7/2090.

An Charlotte von Stein

Hier meine gute schicke ich allerley zum Morgengrus. Sage mir ein freundlich Wort. Heute Abend[36] schreiben wir vielleicht an der kleinen Botanischen Abhandlung für Knebeln.

Ich bin wohl und gehe still meines Pfads.

d. 2. Apr. 85.

G.


7/2091.

An Carl Ludwig von Knebel

Hier einige Soulavie ich habe sie selbst noch nicht recht lesen können. Du wirst mir einen Gefallen erzeigen wenn du einiges notirst worüber wir sprechen könnten.

Gerne schickt ich dir eine kleine Botanische Lecktion wenn sie nur schon geschrieben wäre. Die Materie von Saamen habe ich durchgedacht, so weit meine Erfahrungen reichen wenn du mir nur den Joseph ab Aromatariis aus Büttners Bibliotheck verschaffen könntest. Auch mögte ich die Linnäische Dissertation de seminibus muscorum haben und was neueres über diese Materie da wäre.

Ich mag am liebsten meine freyen Augenblicke zu diesen Betrachtungen anwenden. Die Consequenz der Natur tröstet schön über die Iconsequenz der Menschen.

Hier das Portrait zurück. Es ist eine gute wackre Art von Menschen, der wohl in dem armseeligen Elemente unsrer kleinen Staaten schlecht fortkommen mögte. Neulich war ein ehemaliger katholischer Geistlicher bey mir der sich zur Protestantischen Kirche gewendet hatte und der nicht begreifen konnte daß alle [37] Fürsten des Reichs nicht im Stande seyn sollten ihm Brodt zu geben. Er war schon an mehreren Höfgen abgewiesen worden.

Die Kriegslust die wie eine Art von Krätze unsern Prinzen unter der Haut sitzt, fatigirt mich wie ein böser Traum, in dem man fort will und soll und einen die Füse versagen. Sie kommen mir wie solche Träumende vor und mir ists als wenn ich mit ihnen träumte.

Laß ihnen den glücklichen Selbstbetrug. Das kluge Betragen der Grosen wird hoffentlich den kleinen die Motion ersparen die sie sich gerne auf andrer Unkosten machen mögten.

Ich habe auf dies Capitel weder Barmherzigkeit, Anteil, noch Hoffnung und Schonung mehr. Befleisige dich dies Kreuz auch auf dich zu nehmen und mir nachzufolgen.

Herder ist ganz vergnügt.

Ich habe 48 Stanzen an meinem Gedichte.

Und muß nun schliesen.

Lebe wohl. Gedencke mein. Ich freue mich auf unsre Frühjahr und Sommer wanderungen.

d. 2. Apr. 1785.

G.


7/2092.

An Charlotte von Stein

Nachdem ich mich schon ausgezogen und in die beste Bequemlichkeit gesetzt habe, fühle ich erst wieder [38] recht daß ich zur Einsamkeit verurteilt bin und daß mir die Nähe des lieben Herzens fehlt dem ich mich so gern und so alleine mittheilen kann. Wie möcht ich mit dir über meinen heutigen Tag sprechen, der so unbedeutend er ist, doch Bedeutung und Lehre für mich genug hat. Gute Nacht meine Beste ich will sehn vor Schlafen gehn noch einige Stanzen vorzuarbeiten. Lebe wohl. Liebe mich und glaube daß ich immer mit ganzer Herzlichkeit dein gehöre.

d. 2. Apr. 1785.

G.


7/2093.

An Charlotte von Stein

Hier meine Beste ein frühes Wort. Der Schlaf heilt bey mir vieles ich bin zeitig und wohl erwacht. Herzlich leid that mir es daß ich dich nicht begleiten konnt.

Liebe mich, lebe wohl.

d. 3. Apr. 85.

G.


7/2094.

An Charlotte von Stein

Hier schicke ich wieder Blumen, heute hat uns der Hof. Ich sehe dich hier oder dort. Liebe mich. ich habe 3 Stanzen.

d. 3. Apr. 1785.

G.


[39] 7/2095.

An Charlotte von Stein

Hier meine gute einen Blumenstock zur Frühe. Wie ist heute dein Tag eingetheilt? Lebe wohl. Sage mir daß du mich liebst.

d. 4. Apr. 1785.

G.


7/2096.

An Charlotte von Stein

Hier schicke ich dir allerley.

Das liebe Zeichen mit dem du mich gestern Abend erfreut hast.

Den neuen Figaro.

Das Zeitungsblat.

Bist du wieder wohl. Wirst du in die Oper gehn können? Wirst du nach der Oper bey mir seyn.

Frage Steinen ob er auch kommen will.

Adieu geliebte wie verlangt mich zu hören daß du wieder wohl bist.

d. 4. Apr. 1785.

G.


7/2097.

An Charlotte von Stein

Ja meine beste, ich habe dich recht lieb und war sehr froh daß dirs gestern Abend bey mir wohl war. Daß ich dich heute sehe ist gewiß. Ob im Conzert, ob nachher weis ich noch nicht. Es wird auf allerley Zufälligkeiten des Tags ankommen. Eins aber muß [40] ich thun damit ich nicht zu weit von der wahren Gestalt eines L. H. zurückbleibe. Ich schicke dir noch etwas vor Tische. Adieu du gute.

Weimar d. 6. Apr. 1785.

G.


7/2098.

An Charlotte von Stein

Eben steh ich erst auf und fürchte der Tag wird nicht der besste seyn. Das Zahnweh ist nur ein Zeichen und nicht das Übel selbst. Der Kopf ist mir eingenommen und ich fürchte eine Art Flußfieber wie ich es manchmal in dieser Jahrszeit gehabt habe. Lebe wohl. Wie sehr fühle ich zu solchen Stunden daß wir gebannt sind. Adieu.

d. 7. Apr. 1785.

G.


7/2099.

An Johann Heinrich Merck

Weimar den 8ten Aprill 1785.

Ich danke dir für das überschikte Kupfer. So sieht freylich das Thier um ein gutes Theil leichter und feiner aus. Ich wünschte es einmal in Natur zu sehen, es ist ein höchst wunderbares Geschöpf, im Grunde so einfach gestaltet und so abenteuerlich wegen seiner Größe.

Ich bin recht neugierig auf deine Abhandlungen und habe nichts dagegen wenn du mich bey Gelegenheit des Wallrosses nennen und auf eine bescheidene[41] und ehrbare Art in euren Orden einführen willst. Wenn ich sonst etwas finde will ich dir es auch schreiben und es soll mir lieb seyn wenn du Gebrauch davon machen kannst. Bey mir liegt so etwas und wuchert nicht.

Ich habe noch in andern Wissenschaften z.E. in der Botanik, gar hübsche Entdeckungen und Combinationen gemacht, die manches berichtigen und aufklären, ich weiß aber auch nicht recht wo mit hin.

Ich bin recht neugierig zu hören was Sömmering gesagt hat, als du ihm die Knochen vorhieltest. Ich glaube noch nicht daß er sich ergiebt. Einem Gelehrten von Profession traue ich zu daß er seine fünf Sinnen abläugnet. Es ist ihnen selten um den lebendigen Begriff der Sache zu thun, sondern um das was man davon gesagt hat. Auf Campers Antwort verlangt mich auch höchlich. – Das Publikum, das so gerne Könige ein und absezt um nicht müssig zu seyn, hat auch Mosern uns zum Kanzler gegeben, wie ich solches auf dein Verlangen auch auf einem besondern Zettel attestiere. Sorge doch daß Sömmering mir die versprochene Schädel schike. Er wird dir die Zeichnungen nach dem Cassler Elephantenschädel zeigen die ich ihm geschikt habe. Ich wünschte daß Waiz eine zeitlang bey Campern studieren könnte um recht in den Sinn der Sache zu kommen. Er hat schöne Anlage und viel Fertigkeit.

Lebe wohl.

G.


[42] 7/2100.

An Charlotte von Stein

Es fehlte mir nichts am Tage als was du mir nun zusagst. Hier hast du das Büchlein, es giebt noch weit voluminösere über Carlsbad, die ich auch schaffen will. Lebe wohl. Du machst mich recht glücklich daß du kommst du einzige.

d. 13. Apr. 1785.

G.


7/2101.

An Charlotte von Stein

Ich dancke dir meine Liebe ich habe recht wohl geschlafen und soll mir viele Freude seyn dich zu sehn.

Es ist mir auch ganz wohl, nur fehlt mir eine gewisse Elastizität des Gemüths, die vielleicht der Frühling bringen wird.

d. 14. Apr. 85.

Adieu beste.

G.


7/2102.

An Jakob Friedrich von Fritsch

[15. April.]

Da nunmehr die beyden nach Gotha bestimmten Ingenieurs auch angekommen, und Wibeking, ehe er solche hinüber begleitet, eine gnädigste Resolution wünscht; so ersuche ich Ew. Exzell. gehorsamst einen Entschluß in dieser Angelegenheit bey der heutigen Session zu bewircken, welches auch wohl ohne mein[43] Ersuchen geschehen seyn würde. Die gefasste Resolution dürfte mir alsdenn nur unmasgeblich durch einen Extracktum Protokolli bekannt gemacht werden.

Ew. Exzell.

gehorsamster Diener

Goethe.


7/2103.

An Charlotte von Stein

Wir kommen von einem langen Spaziergange zurück den wir viel vergnügter gehabt hätten wenn meine Gute mit uns gewesen wäre. Wir haben botanisirt, und Fritz war sehr vergnügt, er lässt dich grüsen.

Heute Abend wollen wir zu Hause bleiben, die Ruhe thut mir doch noch noth.

Adieu. Dich soll dies Zettelgen statt deiner Freunde empfangen.

d. 17. Apr. 1785.

G.


7/2104.

An Charlotte von Stein

Dieser Rosenstock soll dir einen guten Morgen bieten wie der gestrige eine gute Nacht. Mögest du bey dem schönen Wetter und Himmel vergnügt seyn und fühlen wie ich dich liebe.

d. 19. Apr.

G.


[44] 7/2105.

An Charlotte von Stein

Ich befinde mich wohl mein lieber Schutzgeist und freue mich deines Wohlseyns. Wir wollen immer zusammen bleiben meine Liebe. Darüber sey ohne Sorge. Gegen Abend komm ich zu dir und wir schwäzen uns recht aus.

d. 20. Apr. 85.

G.


7/2106.

An Carl Ludwig von Knebel

Zu dem Frühlingswetter bin ich wieder recht wohl. Ich wäre nach Jena gekommen, da ich höre daß das Wasser wächst, wenn ich glaubte dort zu etwas nütze zu seyn. Castrop wird seine Sachen schon machen. Grüse ihn.

Keinen Zelthimmel habe ich der kleiner wäre als 16 Fus breit und 22 lang kannst du den brauchen so kannst du ihn haben mit den Wänden. Er muß nur vorsichtig befestigt werden wegen der Winde.

Lebe wohl. Sey fein fleisig. Liebe mich. Ich freue mich auf diesen Sommer mehr als iemals auf die gute Jahrszeit. Adieu.

d. 20. Apr. 85.

G.


Den Pack von Götzen wirst du durch Helmershausen erhalten haben.


[45] 7/2107.

An Charlotte von Stein

Nun mögt ich auch wissen wie sich m. L. befindet, ich hoffte immer auf ein Wort von ihr diesen Morgen.

Fritz ist durch sein Übel an Muthwillen nicht geringer. Er hat mir auch abgeschrieben. Lebe wohl ich sehe dich.

d. 21. Apr. 85.

G.


7/2108.

An Charlotte von Stein

Fritz ist sehr lustig und wohlgemuth, und ich bin auch ganz wohl, nur wieder von dem unseeligen Wetter in die Hülle hineingeschröckt. Wenn du heute Abend kommst, wirst du uns beyde erfreuen. Lebe recht wohl. Du sagst mir nicht wie du dich befindest.

d. 23. Apr. 1785.

G.


7/2109.

An Charlotte von Stein

Du hast mich recht durch dein Briefgen erfreut, ich sehnte mich darnach. Ich bin wohl aber nicht freudig, wir wollen stille den zaudernden Frühling abwarten. Fritz schickt hier auch ein Zettelgen. Er hat diese Nacht nicht gehustet. Wenn du mögtest liese ich Herders auf heute Abend einladen. Bey Hofe habe ich absagen lassen. Nur ein Wort darüber meine Geliebteste. Lebe wohl.

d. 24. Apr. 85.

G.


[46] 7/2110.

An Charlotte von Stein

[24. April.]

Ich war heut mit Briefschreiben beschäfftigt seit Anfang dieses Monats hatte ich alle Auswärtige vernachlässigt. Morgen will ich nach Jena gehen, wegen der Wasserbaue und andrer Dinge willen. Ich komm vor fünfen, vielleicht balde zu dir. Liebe mich auch abgesondert du einzige.

G.


7/2111.

An Johann Christian Kestner

Vielen Danck mein lieber Kestner für die doppelte Nachricht. Ich habe den Capuzinern geantwortet und sie mögen nun daraus nehmen was sie können.

Daß ihr und die eurigen wohl seyd und in einem glücklichen Häuflein zusammen lebt, erfreut mich von Herzen. Erhalte Euch der Himmel dabey.

Grüset Lotten und Malgen recht sehr, und den guten Georg. Er soll mir mehr schreiben. Es scheint ein wackrer Knabe zu seyn.

Das Mineralien Cabinet was unser Bergsecretair Voigt dem Publiko angeboten hat, ist eigentlich nicht für Kinder, sondern für Liebhaber, die sich einen anschaulichen Begriff von den verschiednen Gebürgsarten machen wollen, von denen ietzt immer soviel gesprochen wird.

[47] Wie beyliegendes Büchlein ausweiset. Das Cabinet enthält die in den Briefen beschriebne Steinarten und ist für iemanden den diese Wissenschafft interessirt und sich unterrichten will, das Geld wohl werth.

Wollt ihr aber für eure Kinder ein klein Naturalienkabinet haben; so kann ich Euch ein's zusammen machen lassen ich habe des Zeugs genug.

Adieu. Gedenckt mein.

Weimar d. 25. Apr. 1785.

G.


7/2112.

An Philipp Christoph Kayser

Ich freue mich daß Sie an dem kleinen Singspiel eine Art von italiänischer Gestalt gefunden haben, geben Sie ihr nun den Geist damit sie lebe und wandle.

Die litiganti habe ich leider noch nicht, sobald sie kommen sollen sie auch wieder an Sie fort. Vielleicht kann ich Ihnen auch die neuste Oper von Paesiello il Re Theodoro bald nachschicken.

Sie thun sehr wohl solche Muster sich vor die Seele zu stellen, ein anders ist nachahmen, ein anders nach Meistern, die gewisse Formen des Vortrags durchstudirt haben, sich bilden.

Ich erwarte nun Ihre Fragen um nichts überflüssig zu schreiben.

Auf Ihre erste und vorläufige folgendes.

Ich habe im Rezitativ weder den Reim gesucht noch gemieden. Deswegen ist es meist ohne Reim,[48] manchmal aber kommen gereimte Stellen in demselben vor, besonders wo der Dialog bedeutender wird, wo er zur Arie übergeht, da denn der Reimanklang dem Ohre schmeichelt. Weiter ist keine Absicht dabey und gedachte Stellen bleiben deswegen immer Rezitativ, der Componist mag sie nachher trocken oder begleitet ausführen. Eben so zeichnet sich, was nach meiner Absicht, melodischer Gesang seyn sollte, durch den Rhytmus aus, wobey dem Componisten freybleibt bey einigen Arien zu verweilen und sie völlig auszubilden, andre nur als Cavatinen pp vorübergehen zu lassen, wie es der Carackter der Worte und der Handlung erfordert. Sollten Sie aber da wo ich Rezitativ habe, eine Arie, und wo ich Arie habe, ein Rezitativ schicklicher finden; so müssten Sie mir es erst schreiben, damit die Stelle gehörig verändert würde.

Überhaupt wünschte ich daß Sie mir von Zeit zu Zeit schrieben, wie Sie das Stück zu behandlen gedächten, besonders wenn Sie es einmal im Ganzen überlegt und wegen kluger Vertheilung des musikalischen Interesse sich einen Plan gemacht haben.

So sind z.E. obgleich das Stück auf Handlung und Bewegung gerichtet ist, an schicklichen Orten dem Gesang die schuldigen Opfer gebracht. Wie die Arien:

Hinüber Hinüber pp

Sie im tiefen Schlaf zu stören p

O kannst du noch Erbarmen p

[49] Eben so steht der Gesang: Nacht o holde! zu Anfang des vierten Acktes als das, in den letzten Ackten der Italiänischen Stücke, beliebte und hergebrachte Haupt Duett da. u.s.w. und tausend solcher Absichten von Anfang bis zu Ende die Sie alle wohl ausstudiren werden.

Musse nehmen Sie Sich so viel Sie wollen. Könnte das Stück künftigen Januar aufgeführt werden; so wäre es artig, ist's nicht; so ist auch nichts verlohren. Von der Prosodie und anderm nächstens. Leben Sie recht wohl und schreiben bald.

Weimar d. 25. Apr. 1785.

G.


7/2113.

An Charlotte von Stein

[26. April.]

Meine Liebe, die Hoffnung dich Morgen hier zu sehn hält mich heute noch hier. Der frühe Tag war so gar schön daß wir euch herwünschten.

Thue was dich das Herz heist und was die Wittrung erlaubt, das Wetterglas ist ein wenig gefallen, doch sind ietzo Zeit und Stunde sehr veränderlich.

Lebe wohl mir geht es ganz gut. Grüse Fritzen.

Und laß dem Herzog sagen ich käme erst morgen wieder. Adieu.

G.


[50] 7/2114.

An Carl Ludwig von Knebel

Wie gut es ist vertraulich über seinen Zustand mit Freunden hin und wiederreden! ich ging mit viel freyerem Muthe von dir weg und habe meine Arbeiten wieder angegriffen als wenn es für ewig seyn sollte.

Ich dancke dir daß du mich hast fühlen lassen daß ich so nah in dein Daseyn verwebt bin, fern sey es von mir solche Bande vorsetzlich zu trennen.

Seckendorfs Todt wird dich unerwartet getroffen haben, wie uns alle. Es ist dieser Fall reich an nachdenklichem Stoff.

Voigt freut sich dich zu besuchen, er wird dir von Nutzen seyn.

Lebe wohl, und sorge daß Loder Voigten wohl aufnehme und daß dieser sein Wesen im Cabinete treiben könne.

Weimar d. 30. Apr. 1785.

G.


7/2115.

An Charlotte von Stein

Hier zum Frühstück das Theurgische Wesen. Sag mir wie du dich befindest und liebe mich.

d. 1. May.

G.


[51] 7/2116.

An Philipp Erasmus Reich

Ew. Wohlgeb.

empfangen den lebhafftesten Danck für die Fortsetzung der glänzenden Ausgabe eines glänzenden Werckes. Wenn ich etwas dabey vermisse; so ist es das Portrait des Oberreits, welches die Stirne des dritten Bandes hätte zieren sollen.

Ich höre wir haben balde Hoffnung Sie hier zu sehen.

Weimar d. 3. May 1785.

Goethe.


7/2117.

An Carl Ludwig von Knebel

Ich schicke dir nebst einigen Büchern, wenige Steine. Harzer Produckte die ich von meiner letzten Reise mitbrachte. Ehe wir nach dem Carlsbade gehen, kommst du noch einmal auf einige Tage herüber damit wir die Gebürgslehre durchsprechen und uns vorbereiten können. Der Todt des Prinzen Leopold wird dich gerührt haben. Lebe wohl. Die Gothische Herrschafft ist hier. Behalte mich lieb. Ich flicke an dem Bettlermantel der mir von den Schultern fallen will. d. 5. Maj. 85.

[52] Auf oder nach Pfingsten gehts nach Ilmenau du kommst doch mit?

G.


Laß mir doch die beygelegten drey Steine schleifen und schicke sie bald zurück. Der unscheinbarste ist der merkwürdigste.


7/2118.

An Carl Ludwig von Knebel

Die ersten warmen Tage habe ich angewendet meine Eroberungen vom Vorigen Jahre zu ordnen und schicke dir deinen Theil.

Es ist nicht alles gleich interessant. Einiges ilmenauische liegt dabey, damit du zum voraus etwas von dorther in Besiz habest und sich die Lust mehre das vollständige selbst zu hohlen.

Wenn du herüberkommst bringe doch deinen Catalogus mit ich kann dir manches noch abgeben.

Dasmal nicht weiter.

Nach Pfingsten wollten wir nach Ilmenau. Wenn du dich einrichtetest wäre es gut. Vielleicht hole ich dich ab und wir gehn den Saalgrund hinauf. Den Ilmgrund habe ich so satt daß ich nicht dran dencken mag. Auch über Ordruff habe ich den Weeg schon so offt gemacht.

d. 8. Maj. 85.

G.


[53] 7/2119.

An Charlotte von Stein

Du schreibst mir gar nicht mehr wenn ich dich nicht auffordre. Wie befindest du dich. Sage mir ein freundlich Wort. Liebe!

d. 10. May 85.

G.

Zwischen 4 und 5. steigt der Ballon.


7/2120.

An Charlotte von Stein

Lebe wohl meine beste, wie angenehm war mirs gestern dein Angesicht noch einmal zu sehen behalte mich in einem feinen Andencken, du süse Geliebte. Das Wetter scheint gut zu werden. Begleite mich mit deinen Gedancken.

d. 11. May früh 4 Uhr.

G.


7/2121.

An Charlotte von Stein

Ich freue mich deines Andenckens und kann dich recht herzlich meiner Liebe versichern. Wegen heut Abend sag ich's dir noch. Lebe wohl.

d. 14. May 85.

G.

Das Wetterglas fällt und giebt Hoffnung auf Regen.


[54] 7/2122.

An Charlotte von Stein

Ich dancke dir du meinigste für deinen Anteil und dein Andencken. Wir müssen noch eine Zeit zusehen und dann wird sich's geben. Ich bin heute bey dir, bey Herders lass ich anfragen.

d. 15. May 1785.

G.


7/2123.

An den Herzog Carl August

[Mitte May.]

Als Durchl. der Herzog im Jahre 1779 das Walchische Naturalien Cabinet acquirirten und sich ein Aufseher über selbiges nöthig machte, ward diese Stelle dem Magister Lenz konferirt und er erhielt von Ostern 80 an für seine Bemühung 50 Thlr. In der Folge ward die hiesige Kunstkammer dazu geschlagen, das Cabinet durchaus umrangirt und die Arbeit vermehrte sich, und Hofrath Loder, als Oberaufseher bat, daß Durchlaucht die Gnade haben mögten, den Lenzischen Gehalt zu erhöhen. Ich erinnere mich ganz eigentlich, daß Joh. 1783 davon die Rede war und daß Serenissimi Absicht dahin ging, das Quantum so auf das Cabinet verwendet werden sollte, bis auf 300 Thlr. zu erhöhen und von dieser Summe Magister Lenzen 50 Thlr. abzugeben. Wegen des ersten Punktes erging ein Rescript an die Cammer unter [55] dem 7. Januar 84, in welchem der Lenzischen Zulage nicht gedacht wurde. Sie ist ihm jedoch mit meinem Vorwissen seit Joh. 83 gereicht worden und ich stand in dem Wahne, als wenn in erst angeführtem Rescripte das nötige deßhalb an die Kammer ergangen wäre. Nur jetzo bey Justfication der Rechnungen kommt das Monitum zum Vorschein, daß zu dieser Abgabe kein ausdrücklicher Befehl vorhanden und Durchl. werden wohl die Gnade haben, etwa durch ein gnädigstes Rescript an die Cammer oder einen Extraktum Protokolli an Hofrath Lodern oder durch beydes zugleich das damals vergessene nachbringen und die Abgabe der 50 Thlr. von dem quanto der 300 Thlr. an Sekretair Lenz von Joh. 83 an gnädigst genehmigen zu lassen.

Goethe.


7/2124.

An Charlotte von Stein

Sag mir liebe wie du dich befindest? Mein Herz fragt schon seit meinem Erwachen darnach.

d. 18. May 1785.

G.


[34] 7/2124a.

An Jakob Friedrich von Fritsch

Es ist bey Überweisung der Cammerschulden an die Landschafften, die Absicht gewesen auch erstere von dem Capitale der 16000 rh. zu befreyen, welche sie nach und nach der Kriegskasse schuldig geworden.

Da gegenwärtig ein neues Status acktivus und passivus der Cammer meistens in's reine ist; so wünschte ich auch diese Post daraus auslöschen zu können. Wollten Ew. Exzell., etwa bey der heutigen Session, die Gnade haben und die desfalls nötigen Rescripte an die Kr. Komm. und Kammer zum Entschluß befördern.

[Weimar] d. 23 May 1785.

G.


[55] 7/2125.

An Charlotte von Stein

[24. Mai.]

Der Herzog der wie bekannt ein groser Freund von Gewissensreinigungen ist, hat mir vor seiner [56] Abreise noch eine Besoldungszulage von 200 rh gemacht und 40 Louisd. geschickt auf die Carlsbader Reise.

Ich sehe dich doch im Garten. Lebe wohl.

G.


7/2126.

An Jakob Friedrich von Fritsch

Die mir neuerdings ganz unerwartet zugesicherte Besoldungs Erhöhung, fühle ich mehr der Gnade Serenissimi und den gütigen Gesinnungen des Geheimden Consilii, als meinen Verdiensten schuldig zu seyn, Ew. Exzell. statte ich hiermit den verbindlichsten Danck ab, daß Sie zu einer Erweiterung meines häuslichen Zustandes haben mitwürcken wollen.

Ich empfehle mich und das meinige auch für die Zukunft angelegentlich und unterzeichne mich mit Ehrfurcht

Ew. Exzell.

gehorsamster Diener

Goethe.

vHß. d. 25. [Mai.]


7/2127.

An Johann Heinrich Merck

Überbringern dieses, den Cammerkonsulent Schwabhäuser, empfehle ich dir. Ich habe ihn abgeschickt, damit er euer Zerschlagungswesen in der Nähe besehe, sey ihm ja förderlich, damit er Akten und alles Nöthige zu Augen und Nasen kriege.

[57] Die Steine sind endlich angekommen, wofür du Herrn Cammer Rath Klippstein recht freundlich danken mußt. Nur waren sie leider von keinem zärtlichen Freunde eingepackt und sind jämmerlich zerschüttelt angekommen. Kaum hatte der Granit widerstehen können.

Sobald ich von Ilmenau wiederkehre, schicke ich von dortigen und überhaupt Thüringerwald Produkten für Herrn Klippstein eine Suite. Die Ähnlichkeit mit einigen mir überschickten wird auffallen.

Die Zeichnungen sind allerliebst, ich danke recht sehr.

Hierbey ein Osteologikum, was ich neulich vergaß. Lebe wohl. Behalte mich in gutem Andenken. Ich gehe bald nach Carlsbad.

W. d. 30 May 85.

G.


Euer Erbprinz, der sich beim Ilmenauer Bergwerck mit 10 Kuxen unterzeichnet hatte, und dem ich darauf auch die Gewährsscheine zuschickte, ist nicht allein zurückgetreten, sondern hat auch die Papiere verloren, nun müssen wir wenigstens eine legale Erklärung von ihm haben. Darum schicke ich dir beygehenden Mortificirungs Schein. Schaffe mir ihn oder ein Papier gleichen Inhaltes vom Erbprinzen unterschrieben. Ich bitte dich um Vergebung dieses Auftrags.


[35] 7/2127a.

An Elisabeth von der Recke

Hochgebohrne Gräfinn

gnädige Frau.

Erlauben Ew. Gnaden daß ich Sie schrifftlich im Carlsbad willkommen heisse, und mich nebst noch einigen Freunden anmelde, die zwar später, doch gewiß das Vergnügen haben werden Sie bey der heilsamen Quelle aufzusuchen. Mögten Sie doch indessen recht gutes Wetter haben und der besten Einflüsse zu Befestigung Ihrer Gesundheit geniessen.

Von dem Befinden Ihrer Heiligen Freunde werden die früher ankommenden Ew. Gnade gute Nachricht geben können, nur wird es Ihrem theilnehmenden Herzen wehe thun zu vernehmen, daß der braven Burgermeister Bohl in Lobeda, welche Sie in Jena kennen lernen, ein trauriger Fall begegnet ist, der die Umstände ihrer Familie gänzlich zu zerrütten droht. Ihr Schwiegersohn Loeber ist von kurzem gestorben und hinterlässt eine Witwe mit sieben Kindern, wovon das älteste neun Jahre das iüngste zwanzig Wochen alt ist. Tochter und Enckel fallen nun wieder, da er ohne Vermögen war, auf die Grosmutter zurück, und diese gute Frau die keinen Wunsch hatte als, bey einer sehr eingeschränckten Haushaltung, ihr Leben anständig und ehrbar zu endigen, sieht sich beynahe in die ängstliche Lage versetzt mit den ihrigen zu darben.

[36] Ich weis daß Ew. Gnaden, bey Ihrem Aufenthalte in Jena, Sich grosmütig erkundigt, ob dieser, würcklich in ihrer Art seltnen Frau irgend eine Hülfe nötig sey. Damals konnte sie mit einem ruhigen Vertrauen auf ihren Zustand sehn und mit danckbarer Beschämung Ew. Gnaden Grosmuth ablehnen.

Wie verschieden steht es ietzo mit ihr! Sie ist in Sorgen für denjenigen von denen sie im Alter selbst Hülfe erwarten konnte, und da sie bereit ist alles mit den ihrigen zu theilen, so kann sie leicht berechnen daß es ihnen bald allen zusammen an dem nothdürftigen fehlen werde.

Unsere gnädigste Herrschafften haben sogleich der wackern Frau einen Theil ihres Kummers weggenommen indem sie einige Kinder versorgt, nun bleibt für Freude auch noch etwas zu thun übrig und ich glaube Ew. Gnaden einen angenehmen Dienst zu erweisen daß Ihr edles Gemüth keine grössere Freude kennt, als würdigen Menschen, die das Glück verletzt, wohlzuthun, und Wunden, die das Schicksal schlägt, zu heilen.

In Hoffnung bald selbst aufzuwarten, unterzeichne ich mich Hochachtungsvoll

Ew. Gnaden

ganz gehorsamster

Diener

Weimar d. 30 May 1785.

Goethe.


[58] 7/2129.

An Charlotte von Stein

Lebe wohl geliebte das nächstemal scheide ich freudiger in der Hoffnung dich ienseit den Bergen wieder zu finden. Tausendmal Adieu. Liebe mich.

d. 2. Jun. 85.

G.


[59] 7/2130.

An Charlotte von Stein

Meiner Geliebten muß ich durch den zurückkehrenden Postillon einen guten Abend sagen, den sie zum guten Morgen erhalten wird. Wir sind im Regen angekommen und es trieft gewaltig. Fritz mit Voigts ist noch nicht da; sie haben in Stadt Ilm gefüttert. Wir werden mancherley zu thun finden und wollen erst die Stubengeschäffte abthun, bis dahin giebts gut Wetter.

Knebel freut sich auf die Berge und in den Bergen, er ist ein gar guter Gesellschaffter. Lebe wohl. Gedencke an mich. Ich liebe dich mit lebhaffter, innig bleibender Liebe und freue mich immer auf die Tage, da ich am Fuse der alten Granit Berge mit dir wohnen werde, wie auf eine himmlische Aussicht. Lebe wohl.

Ilmenau d. 2. Jun. 85.

G.


7/2131.

An Charlotte von Stein

[Ilmenau 4. Juni.]

Da ich eine Gelegenheit nach Weimar habe, sage ich dir nur meine beste daß ich recht wohl bin, und schicke dir eine Schachtel hiesiger Botanick. Unsre Sachen gehen gut. Wir haben schön Wetter. Fritz [60] ist wohl und du bist mir durch ihn immer nah, wie du mir auch ohne ihn bist. Du liebe meine durch Herz und Sinn. Lebe wohl. Ich erwarte auch ein Wort von dir. Hundertmal adieu.

G.


7/2132.

An Charlotte von Stein

Du wirst nun auch meinen zweiten eilfertigen Brief mit den Schwämmen erhalten haben, ich schreibe dir den dritten immer auf dein Papier. Wärest du mit mir du würdest dich meines Wohlseyns freuen, wenn ich nur auch des deinigen versichert seyn könnte. Ich habe wieder einige Capitel an Wilhelm dicktirt, und etwas an meiner Gebürgs Lehre geschrieben. Eine neue englische Mineralogie hat mich wieder aufgemuntert.

Der Todt der Werthern ist wohl unvermuthet. Der Bergsekretair brachte ihn voreilig Knebeln vor, der sehr frappirt war. Das ist das wunderlichste an dem Zusammenhang der Dinge daß eben die wichtigsten Ereignisse die dem Menschen begegnen können keinen Zusammenhang haben. Klinckowströms Gesellschafft im Karlsbad wird wohl entbehrlich seyn, wenn er nur ein wenig Lufft zu Hause kriegt. Ich denke er läufft auch nicht lange.

An Wilhelm habe ich fortgefahren vielleicht thut er diesmal einen guten Ruck. Ich dencke immer dabey [61] an die Freude die ich dir damit machen werde. Der Anfang dieses Buchs gefällt mir selbst. Sonst sind wir fleisig hinter den Steinen her und Knebel wird recht wacker.

Liebe mich du gute. Das nächstemal daß ich Felsen besteige bist du mir näher.

Staff hat wir die schönsten Morgeln geschenckt um mich zu bestechen. Ich bringe sie mit, um sie mit dir zu verzehren.

Fritz ist lustig und gut. Lebe wohl. Grüse Steinen und wünsche ihm Glückliche Reise wenn es noch Zeit ist.

Auch der Herzoginn empfiehl mich noch einmal.

[Ilmenau] Dienstag. d. 7. Jun. 1785.

G.


7/2133.

An Charlotte von Stein

Da ich eine Gelegenheit finde, schicke ich dir die Schwämme, hebe einen Theil davon auf, daß wir sie zusammen geniessen. Du kannst mir durch den Boten antworten, denn er wird drinne warten. Die Tage werden schön. Wir waren heute in Elgersburg. Wie wünschte ich daß es deine Wohnung seyn mögte. Unsre Expeditionen gehen gut und unsre Liebhabereyen laufen so gätlich nebenher, es wäre Menschen und Geschäfften geholfen, wenn es immer so werden könnte. Ich bin recht wohl, habe an Wilhelm weiter dicktirt, und habe Freude dazu.

[62] Lebe wohl. Liebe mich und sey meiner Liebe versichert. Täglich und stündlich freue ich mich auf unsre Carlsbader Reise.

Ilmenau d. 7. Jun. 1785.

G.


7/2134.

An Friedrich Heinrich Jacobi

Schon lange haben wir deine Schrifft erhalten und gelesen. Ich mache Herdern und mir Vorwürfe daß wir so lange mit unsrer Antwort zögern, du musst uns entschuldigen, ich wenigstens erkläre mich höchst ungern über eine solche Materie schrifftlich, ia es ist mir beynahe unmöglich.

Darüber sind wir einig und waren es beym ersten Anblicke, daß die Idee die du von der Lehre des Spinoza giebst derienigen die wir davon gefasst haben um vieles näher rückt als wir nach deinen mündlichen Äusserungen erwarten konnten, und ich glaube wir würden im Gespräch völlig zusammenkommen.

Du erkennst die höchste Realität an, welche der Grund des ganzen Spinozismus ist, worauf alles übrige ruht, woraus alles übrige fliest. Er beweist nicht das Daseyn Gottes, das Daseyn ist Gott. Und wenn ihn andre deshalb Atheum schelten, so mögte ich ihn theissimum ia christianissimum nennen und preisen.

Schon vor vierzehn Tagen hatte ich angefangen [63] dir zu schreiben, ich nahm eine Copie deiner Abhandlung mit nach Ilmenau, wo ich noch manchmal hineingesehen habe und immer wie beym Ermel gehalten wurde daß ich dir nichts drüber sagen konnte. Nun verfolgt mich dein Steckbrief hierher der mir schon durch Siegel und Innschrifft das Gewissen schärffte.

Vergieb mir daß ich so gerne schwiege wenn von einem göttlichen Wesen die Rede ist, das ich nur in und aus den rebus singularibus erkenne, zu deren nähern und tiefern Betrachtung niemand mehr aufmuntern kann als Spinoza selbst, obgleich vor seinem Blicke alle einzelne Dinge zu verschwinden scheinen.

Ich kann nicht sagen daß ich iemals die Schrifften dieses trefflichen Mannes in einer Folge gelesen habe, daß wir iemals das ganze Gebäude seiner Gedancken völlig überschaulich vor der Seele gestanden hätte. Meine Vorstellungs und Lebensart erlauben's nicht. Aber wenn ich hineinsehe glaub ich ihn zu verstehen, das heist: er ist mir nie mit sich selbst in Widerspruch und ich kann für meine Sinnes und Handelns Weise sehr heilsame Einflüsse daher nehmen.

Deswegen wird es mir schweer was du von ihm sagst mit ihm selbst zu vergleichen. Sprache und Gedancke sind bey ihm so innig verbunden daß es mir wenigstens scheint als sage man ganz was anders wenn man nicht seine eigensten Worte braucht. Wie offt hast du nicht ganze Stellen aus ihm untersetzen müssen. Du trägst in anderer Ordnung mit andern[64] Worten seine Lehre vor und mich dünckt die höchste Consequenz der allersubtilsten Ideen muß dadurch offt unterbrochen werden.

Verzeih mir der ich nie an Metaphysische Vorstellungsart Anspruch gemacht habe, daß ich nach solanger Zeit nicht mehr und nichts bessers schreibe. Heute mahne ich Herdern und hoffe der solls besser machen.

Hier bin ich auf und unter Bergen, suche das göttliche in herbis et lapidibus.

Knebel, Voigt und Fritz sind mit mir, es giebt genug zu thun und die Arbeit wird durch gemeinsame Freude an allem was vorkommt belebt.

Balde gehts in's Karlsbad. Ende August bin ich gewiß wieder zu Hause, wenn nur die Fürstinn Gallizin mit ihren Begleitern nicht zu früh kommt. Schreibe mir deswegen nach Karlsbad, in der Hälfte künftigen Monats trifft mich dein Brief dort gewiß, ich richte mich alsdann darnach, denn ich will vom Bade aus in's Erzgebürge gehn. Lebe wohl grüse die deinigen.

Ilmenau d. 9. Juni 85.

G.


7/2135.

An Johann Gottfried Herder

Hier lieber alter einen Brief der mir saurer geworden als lange einer! Auch das Mahneschreiben Jakobi das diesen Funcken aus meiner harten und [65] verstockten Natur herausgeschlagen. Thue nun das beste, sende, schreibe und befriedige.

Künftigen Donnerstag kommen wir wieder, es geht hier alles gut und wir leben vergnügt. Unser kleines Häuflein hält sich zusammen. Gleiches Interesse macht uns gute Stunden. Lebe wohl. An Wilhelm hab ich vier Capitel geschrieben die übrigen werden folgen. Grüse die Frau. Adieu.

[Ilmenau] Sonnab. d. 11. Jun. 85.

G.


7/2136.

An Charlotte von Stein

Nach dem Anschein unsrer Expeditionen kommen wir vor künftigen Donnerstag nicht zurück. Es wird der 16te seyn und alsdann brauchen wir noch acht Tage um uns einzurichten und nach dem Fichtelberge zu gehen. Ich wünsche also daß du vor dem 24ten nicht abgehn mögest. Wir sind recht wohl und vergnügt bewegen uns viel und schlafen gut wenn wir nicht zu viel essen.

Mein Verlangen dich wiederzusehen wächst mit iedem Tage und meine Hoffnungen den nächsten Monat ganz an deiner Seite zuzubringen werden wir mit iedem Augenblicke theurer.

Innliegenden Brief an Herdern lies mit den Einlagen dann schick ihn ihm. Du wirst allerley daraus sehen. Die Fürstin Gallizin kommt mit zwey guten[66] Freunden, du hast dir doch nur einen ausgesucht. Der kleinen Werthern wollt ich auch lieber eine Wohnung bey ihrem Geliebten in Afrika als im Grabe gönnen. Ich glaub es nicht. Zu unsrer Zeit ist ein solcher Entschluß seltner, wir würden es auch balde in den Zeitungen lesen. Knebel und Fritz grüsen.

Donnerstag Abend wenn nichts merckliches dazwischen kommt sind wir in Weimar. Adieu du Geliebteste. Ich dencke immer an dich.

Ilmenau Sonnab. d. 11. Jun. 1785.

G.


7/2137.

An Charlotte von Stein

[Ilmenau, 14. Juni.]

Mit Schmerzen erwart ich den Donnerstag der mich wieder zu dir bringen soll, ich habe nun keine Ruhe mehr hier. Der morgende Tag geht zum Schlusse mit mancherley Arbeiten schnell vorüber.

Ich habe mich deiner Briefe sehr gefreut und immer noch einen erwartet. Besser wird's seyn wenn wir zusammen sind und des Schreibens nicht bedürfen.

Fritz ist munter und brav, es interessirt ihn alles, und auf eine gute Weise, er wird in wenig Jahren unglaublich unterrichtet seyn.

Ich freue mich seiner um deinetwillen immer mehr.

Die Tage sind schön, ich beneide die jetzigen Carlsbad Gäste. Wir haben hier eine Art von Höherauch der sich an den Gebürgen schön zeigt.

[67] Hier schicke ich einen Brief von Kaysern der gute Hoffnung giebt.

Lebe wohl und liebe mich du einziges Wesen.

Dienstag.

G


7/2138.

An Charlotte von Stein

Wie sehr betrübt es mich daß ich schon Morgen um diese Zeit dir nicht werde einen guten Tag sagen können. Nur die Hoffnung tröstet mich dich in fremden Landen bald wieder zu finden. Heute will ich zum Abschiede mit dir essen. Lebe recht wohl.

d. 19. Jun. 85.

G.


7/2139.

An Charlotte von Stein

Dieses Blat soll dich in Carlsbad bewillkommen, wo du wohl keinen Brief von mir erwartest. Wenn du ihn erbrichst rücke ich dir schon näher und habe lange so keine freudige Aussicht gehabt als dich zwischen den Bergen zu finden. Sorge daß wir nicht weit auseinander wohnen und daß wir zusammen essen können.

Ich wünsche dir schönes Wetter und Gesundheit. Lebe wohl. Liebe mich ich bleibe dein.

Hierbey ein Liedgen von Mignon aus dem sechsten Buche. Ein Lied das nun auch mein ist.

Weimar d. 20. Jun. 1785.

G.


[68] 7/2140.

An Philipp Christoph Kayser

Wenn meine zutrauliche Hoffnung auf Sie hätte vermehrt werden können; so würde es durch Ihren letzten Brief geschehen seyn. Glück zu! daß Sie gleich an's Werck gehn und mir den ersten Ackt vorausschicken wollen. Immer ist es besser versuchen als viel reden, in den Grundsätzen sind wir einig, die Ausführung ist Sache des Genies und hängt noch überdies von Humor und Glück ab.

Da unsre kleine Theaterwelt sehr im Schwancken ist, kann ich nicht bestimmt sagen wie es mit der Aufführung werden wird und Ihre sorgfältige Nachfrage wegen der weiblichen Stimme, kann ich nicht beantworten. Nur so viel.

Als ich das Stück schrieb, hatte ich nicht allein den engen Weimarischen Horizont im Auge, sondern den ganzen Teutschen, der doch noch beschränckt genug ist.

Die drey Rollen wie sie stehen verlangen gute, nicht auserordentliche Schauspieler, eben so wollte ich daß Sie den Gesang bearbeiteten, für gute, nicht auserordentliche Sänger.

Diskant, Tenor und Baß, und was in dem natürlichen Umfang dieser Stimmen von einem Künstler zu erwarten ist, der ein glückliches Organ, einige Methode und Übung hat. Ich weis daß auch dies [69] bey uns schon rar ist und daß die Sangvögel sich nach reichlicherem Futter ins Ausland ziehen, das ich ihnen auch keinesweegs verdencke.

Folgen Sie übrigens Ihrem Herzen und Gemüthe. Gehen Sie der Poesie nach wie ein Waldwasser den Felsräumen, Ritzen, Vorsprüngen und Abfällen und machen die Caskade erst lebendig.

Dencken Sie Sich alles als Pantomime, als Handlung, eben als wenn Sie ohne Worte mehr thun müssten als Worte thun können.

Die Alten sagten: saltare comoediam. Hier soll eigentlich saltatio seyn. Eine anhaltend gefällige, melodische Bewegung von Schalckheit zu Leidenschafft von Leidenschafft zu Schalckheit.

Bange macht mir daß es für drey Personen beynahe zu viel Arbeit ist. Ich habe mich bemüht iedem Raum zum Ausruhen zu verschaffen, nehmen Sie darauf mit Bedacht.

Wenn Sie Sich bey ieder Scene die theatralische Handlung lebhafft dencken, werden Sie noch manches finden was mit Worten nicht ausgedruckt ist. So kann sich Scapine z.E. in der Scene wo sie für todt liegt ihre Stellung sehr erleichtern und zugleich die Situation komischer machen wenn sie sich manchmal hinter dem Rücken des Alten aufhebt, ihn ausspottet, ihrem Manne zuwinckt daß er ia den Handel nicht zu wohlfeil schliesen solle. Wie der Alte Mine macht umzukehren fällt sie zurück. Wenn dieses in die [70] Musick eingepasst wird und die Instrumente auch Scapinens Gebärden begleiten, so entsteht ein Terzett das viele Reitze haben kann.

Leben Sie wohl und erfreuen mich balde. Ich gehe ins Carlsbad. Bis Ende Juli bin ich dort zu finden, vor Ende August komme ich schweerlich nach Hause.

Die litiganti sind noch nicht da, es verdriest mich sehr. Den Re Theodoro haben wir, er ist über allen Ausdruck schön.

Weimar d. 20. Jun. 1785.

G.


7/2141.

An Charlotte von Stein

Neustadt an der Orla d. 27. Jun. 85.

Ich schreibe dir gleich um dich aus der Sorge zu bringen in der du meinetwegen seyn musst. Leider sind wir noch hier und verpassen die schönen Tage.

Du kannst dencken wie weh es uns anfangs that, die solang gespaarten und so glücklich herbeygekommenen Stunden so schlecht zu zu bringen.

Es war ein Übel ienem im Winter ähnlich, nur nicht so starck noch so schmerzhafft. Jetzt ist es meist vorbey der Backen nur noch geschwollen. NB. es ist die Gegenseite, die Rechte. Loder war heute hier und hat mir allerley zurückgelassen das weiter helfen soll. Bishierher habe ich selbst gepfuscht.

[71] Alles kommt darauf an sagt Hamlet daß man gefaßt ist. Es waren böse Tage, an sich selbst und durch den Gegensaz des was wir hofften.

Gestern war die Hendrich bey mir und Mingen.

Wenn ich dich nur wohl antreffe das ist meine nächste Sorge.

Wir wollen doch über Hof gehn um nur unsre solange sehnlich im Geist besuchten Gipfel wenigstens in der Ferne mit Augen zu sehen. Knebel hält gar treulich aus. Er sagte: Unsre Reise konnte nicht ganz gut ablaufen sie war zu vorsichtig und klug ausgedacht. Grüse Herders.

Diese Tage sind fast ganz für mich verlohren. Ausser daß ich Hamlet viel studirt habe. Heut ist das schönste Wetter von der Welt. Ich erlaube mir kein Murren. Wird die Sonne doch schön leuchten wenn wir im Grabe liegen, warum sollt es uns verdriesen daß sie ihre Schuldigkeit thut, wenn wir Stube und Bette hüten müssen.

Ich rechne künftigen Donnerstags von hier abzugehn, du erhältst auf alle Fälle noch einen Brief von mir eh ich dich sehe.

Knebel hat schon einen ganzen Kasten Steine zusammengebracht. Der alte Büttner war mit Lodern hier. Das ist all mein neues. Lebe wohl du liebes a und o du Inbegriff meiner Freuden und Schmerzen, da ich dich nicht habe was kann ich besitzen, da du mein bist was kann mir fehlen.

G.

[72] Mein Mikrosop bring ich mit, es ist die beste Zeit die Tänze der Infusionsthiergen zu sehen. Sie haben mir schon groses Vergnügen gemacht. Lebe wohl.

Ach wer die Sehnsucht kennt!


7/2142.

An Charlotte von Stein

Zwota Abends. 9 Uhr.

Montags [4. Juli ]

Nur noch sechs Stunden von dir entfernt wie freut es mich daß ein Postillon durchgeht der dir diesen Brief beym Aufstehn überliefern kann.

Wir kommen von Wunsiedel, haben die Fichtelberge bestiegen, es ist uns recht wohl gegangen, ich bin auch wieder ganz wohl. Wir wollen morgen zeitig abfahren und sind gegen Mittag bey dir. Mein Verlangen dich wieder zu sehen wächst mit iedem Augenblick. Lebe wohl. Knebel grüst. Grüse die Freunde. Ganz der Deine.

G.


7/2143.

An Friedrich Constantin von Stein

Man ist hier den ganzen Tag so sehr beschäftigt, ob man gleich eigentlich nichts thut, daß ich dir noch nicht habe schreiben können.

[73] Deinen Brief habe ich erhalten, und freue mich, daß dich die Herren Straube's mit nach Frankfurt nehmen wollen. Du mußt ihnen gleich dafür danken, und es auf die Weise, wie sie es angeboten, annehmen.

Wir haben viel Berge bestiegen, und bringen dir auch mancherlei Steine und Stufen mit. Herr v. Knebel grüßt dich, auch deine Mutter. Sie ist recht wohl.

Es sind sehr viele Menschen hier, auch einige Geschöpfe von deinem Alter, – ein Jeder kommt mit seinem Töpfchen früh Morgens an den Sprudel und genießt das heiße Wasser.

Ich befinde mich wohl und wünsche dir auch wohl zu leben. Theile viele Grüße von mir aus.

Carlsbad, den 13. Juli 85.

G.


7/2144.

An Charlotte von Stein

Carlsbad d. 7. August 1785.

Wie leer mir alles nach deiner Abreise war, kann ich dir nicht beschreiben und brauch es dir nicht zu sagen. Ich bin schon einigemal die Treppe in den 3 Rosen in Gedancken hinaufgegangen. Ich lebe so fort, trincke und bade über den andern Tag. Heute sind die Rheingräfinn und die Werthern fort, sie waren recht gut und freundlich. Sie grüsen dich. Beyde ob sie schon sich herzlich lieb haben, hatten [74] doch manches an einander auszusezen und machten wir wechselsweise die Confidenz. Morgen geht die Brühl, und ich will bleiben so lang die Fürstinn und ihr Gefolge da ist. Sie klagte mir gestern Besonders über die Hypochondrie des Grafen Stanislas und wie nötig er habe zerstreut zu werden, und daß nun alles weggehe und so weiter. Ich sagte ihr darauf daß wenn ich ihr und ihrer Gesellschafft nüzlich seyn könnte ich gerne bleiben wollte. So will ich aushalten und so wird aus der zerstückten Badewirthschafft für mich ein Ganzes. Lebe wohl. Grüse Fritzen und Herders. Ich habe dich innig und einzig lieb. Nirgends finde ich eine Übereinstimmung wie mit dir. Lebe wohl.

G.


7/2145.

An den Herzog Carl August

Eh ich von Carlsbad abreise muß ich Ihnen für Ihren lieben Brief dancken von dem ich eine Vorempfindung hatte und der mir viel Freude gemacht hat.

Möge Reise und Cur Ihnen und Ihrer Frau Gemahlinn recht wohl bekommen! Bringen Sie uns alsdann noch einen geschickten Arzt mit; so werden wir mancher Sorge überhoben seyn.

Ich bin während meines hiesigen Aufenthalts in eine solche Faineantise verfallen, die über alle Beschreibung ist. Die Wasser bekommen mir sehr wohl, und auch die Nothwendigkeit immer unter Menschen[75] zu seyn hat mir gut gethan. Manche Rostflecken die eine zu hartnäckige Einsamkeit über uns bringt schleifen sich da am besten ab.

Vom Granit, durch die ganze Schöpfung durch, bis zu den Weibern, Alles hat beygetragen mir den Aufenthalt angenehm und interessant zu machen.

Wie voll es hier war wird Ihre schöne Correspondentin schon gemeldet haben.

Von Menschen zu reden enthalt ich mich bis zu meiner Rückkunft. Ich schäme mich wenn ich Ihren Brief ansehe und mich so ungeschickt zum schreiben fühle.

Ich dancke für Ihren herzlichen Antheil an dem Übel das mich zu Neustadt 8 Tage hielt, es war eine Repetition meiner letzten Kranckheit, wir wollen hoffen daß es seltner kommen werde.

Herder war recht wohl hier und auch meist zufrieden. Er hat sehr gefallen und man hat ihn auserordentlich distinguirt, besonders Fürst Czartorisky.

Die Fürstinn Lubomirska, seine Schwester ist erst vorgestern weg. Weil sie zulezt fast ganz allein blieb, hab ich meinen Aufenthalt um 8 Tage verlängert, sie ist eine interessante Frau, wird auch nach Weimar kommen und sie und ihr Bruder haben, halb Scherz halb Ernst, versichert daß sie ein Haus dort haben wollten um eine Zeit des Jahrs daselbst zuzubringen. Es wird sich darüber reden lassen und ich habe die Sache eingeleitet wie ich erzählen werde.

[76] Viel Glück zur neuen Bekanntschafft der schönen Engländerinn, wenn anders Glück genannt werden kann, wieder auf ein gefährliches Meer gesetzt zu werden.

Auch ich habe von den Leiden des iungen Werthers manche Leiden und Freuden unter dieser Zeit gehabt. Ich freue mich nun noch zum Schlusse auf das Bildgen das Sie mir bringen.

Die liebe Stein war meist wohl hier, und iedermann wollte ihr wohl.

Knebel war sehr lieb, treu und gut, er ist zu Imhofs der würcklich sein Gut verkauft hat und der, wenn man ihm einiges Agrement machte wohl nach Jena zöge. Knebel lässt sich's recht angelegen seyn um Ihnen auch etwas nütze zu werden und ich glaube daß wenn nur einmal ein Anfang ist; sich in Jena bald ein artiger Kreis versammeln soll.

Edelsheim ist vorgestern angekommen, und ich muß ihn leider verlassen. Er hat mir von Ihnen erzählt, und wir sind sonst im politischen Felde weit herumspaziert.

Morgen gehe ich weg, über Joachimsthal und Schneeberg nach Hause.

Treffen Sie auch glücklich wieder ein, und lassen Sie uns iede Neigung, Freude und Hoffnung beym Wiedersehn erneut empfinden.

Leben Sie tausendmal wohl.

Carlsbald d. [15.] Aug. 1785.

G.


[77] 7/2146.

An Charlotte von Stein

Johanngeorgenstadt. d. 18. Aug. 1785.

Endlich hier sechs Stunden von Carlsbad, wieder auf dem Weege zu dir meine Geliebte, meine Freundinn einzige Sicherheit meines Lebens. Was ist alles andre, was iedes andre menschliche Geschöpf. Ie mehr ich ihrer kennen lerne, ie mehr seh ich daß mir in der Welt nichts mehr zu suchen übrig bleibt, daß ich in dir alles gefunden habe.

d. 13ten ist die Fürstinn abgereist, wir haben noch sehr angenehme Stunden gehabt. Brühls gingen den 14ten und ich vorgestern, und sah mich in Joachimsthal um. Darbes hat uns noch viel Spas gemacht.

Wenn ich dich in Weimar gewusst hätte, wäre mir wenig Freude in allem gewesen, meine Seele sucht dich in Kochberg und eilt offt zu dir hinüber.

Edelsheim kam die letzten Tage, fast hätte ich mich bereden lassen zu bleiben. Denn in Staats und Wirthschafftssachen ist er zu Hause und in der Einsamkeit wo er niemand hat gesprächig und ausführlich, in zwey Tagen haben wir schon was rechts durchgeschwäzt.

Morgen geh ich nach Schneeberg, sehe mich unter der Erde um, wie ich hier auch gethan habe, dann will ich eilig nach Hause. Wenn ich dich träfe welche Freude.


[78] 7/2147.

An Philipp Erasmus Reich

Ew. Wohlgeb.

ersuche um die Gefälligkeit die beste Ausgabe meiner Schrifften, in vier Bände, in schönen englischen Band, mit grünem Schnitt binden zu lassen und mir solche wohlgepackt zu übersenden.

Es that mir sehr leid Sie bey Ihrem letzten hiesigen Aufenthalte nicht sehen und diejenige Hochachtung mündlich versichern zu können mit der ich mich unterzeichne

Ew. Wohlgeb.

ergebenster Diener

Goethe.

Weimar

d. 22. Aug. 1785.


7/2148.

An Charlotte von Stein

Es ist immer der liebste Augenblick meines Morgens wenn ich dir einen Grus schicke, einen von dir erhalte. Um Zwölf Uhr will ich dich abhohlen sey aber auch hübsch bereit.

24. Aug. 85.

G.


7/2149.

An Gottlob Theodor Weber

Wohlgebohrner

Hochgeehrtester Herr Hofrath,

Unter Ew. Wohlgeb. Gerichtsbarkeit hat sich seit kurzem ein gewisser Krafft aufgehalten, der vor [79] einiger Zeit gestorben ist. Seine Umstände waren mir allein bekannt und ich habe, besonders gegen sein Ende, ihm Unterhalt verschafft und zuletzt sein Begräbniss besorgen lassen.

Ew. Wohlgeb. ersuche ich daher die geringe Verlassenschaft des Verstorbnen, Überbringern dieses, meinem Sekretair Philipp Seidel, wenn solche vorher nach einer ihm gegebnen Instrucktion berichtigt worden, verabfolgen zu lassen. Da ich sicher bin daß sich niemand finden werde der einige Ansprüche an ihn zu machen hat; so kann ich um so eher dem Fürstl. Amte Jena die Versicherung geben dasselbe iederzeit wegen Aushändigung der geringen Effeckte zu vertreten.

Ich unterzeichne mich mit besonderer Hochachtung

Ew. Wohlgeb.

ergebensten Diener

J. W. v. Goethe.

Weimar,

den 26. August 1785.


[129] 7/2149a.

An Christian Bernhard von Isenflamm

Hochwohlgebohrner

Insonders hochgeehrtester Herr,

Ew. Hochwohlgeb. gefälliges Schreiben nebst der Oper ist mir nach meiner Rückkunft aus dem Carlsbade behändigt worden, die Innlagen haben sogleich besorgt und dancke gehorsamst für die übernommene Bemühung. Die für die Partitur ausgelegten 27f sollen des nächsten übermacht werden.

Dürfte ich bitten mir eine sogenannte Juppe de crin, eine Art Damens Unterrock von Pferdehaaren welcher ietzo statt aller Poschen, Reifgen und Hintertheile getragen wird, und ein unentbehrliches Stück der Damens Garderoben ist, gelegentlich zu überschicken.

Es liegt zwar dieser Auftrag ganz ausser dem diplomatischen Kreise, allein ich bin von Ihrer freundschafftlichen Nachsicht zum Voraus versichert.

[130] Mit unwandelbaarer, vorzüglicher Hochachtung unterzeichne ich mich

Ew. Hochwohlgeb.

ganz gehorsamster

Diener

Weimar d. 30 Aug. 1785.

Goethe.


[37] 7/2149b.

An N.N.

Beykommendes Buch nehme Ew. Hochedelgeb. als ein Merckmal des Vergnügens auf welches mir Ihre lehrreiche Unterhaltung verschafft, und erfreuen mich, wenn es Ihre Geschäfte erlauben, bald mit den versprochenen Merckwürdigkeiten Ihrer Gegend. Ich werde suchen dagegen etwas angenehmes für Ihre Sammlung zu überschicken.

Weimar d. 30. Aug. 1785.

v. Goethe.


[79] 7/2150.

An Charlotte von Stein

Noch einen guten Morgen meine Beste und dann sind die guten Tage lange für mich hin. Wenn ich von dir bin fühl ich so recht daß die ganze Freude meines Lebens auf dir ruht. Ein braunes längliches Buch mit Kupfern, Krystallisationen vorstellend liegt in deinem Mahlstübgen, schicke mir es. Lebe wohl ich sehe dich.

d. 31. Aug. 1785.

G.


[37] 7/2150a.

An Sylvius Friedrich von Franckenberg

[Weimar, 8. September 1785]

Der Bote ist glücklich um 3 Uhr früh angekommen er getraut sich Mittag wieder in Gotha zu seyn und soll bald abgefertigt werden.

Hier zuförderst die Vollmacht.

H. v. B. war wie Ew. Exzellenz sehen nicht namentlich auf diesen Tracktat bevollmächtigt, den er mitbrachte, sondern es heist: Vereinigung und Bündnisse zu verabreden und zu schliesen nach Instrucktion. Welches am Ende da er den geschlossenen Tracktat producirte sich erklärte und auf eins hinauslauft.

[38] Ferner hatte er keine Vollmacht von den beyden andern Höfen aufzuweisen und lud doch in ihrem Nahmen ein, und verlangte und erhielt Acceßions Urkunden auch eine anomalie seyn möchte.

Da aber der von sämtlichen Bevollmächtigten unterzeichnete Tracktat § 10 enthält: daß wohlgesinnte zu dem Bündniss eingeladen werden sollten; so erklärt sich eins aus dem anderen und man konnte ihm dies, bey diesen Geschäffte, wo an der Sache selbst kein Zweifel war und der H. Gesandte mit den Treiben Iehu des Sohnes Nimsi durcheilte, nicht allzu genau seyn. Nun noch einen herzlichen guten Morgen und nun auch noch für meinen Theil herzlichen Danck für Ihre Erscheinung. Sie haben mir doch mein Verschwinden, meinen schrifftlichen Abschied verziehen.

Empfehlen mich Ew. Exzellenz der Frau Gemahlinn auf das beste, und bleiben mir mit allen freundschafftlichen gütigen Gesinnungen zugethan die mich so glücklich machen.

G.


[80] 7/2151.

An Charlotte von Stein

[31. August.]

Da es scheint als ob unsre mündliche Unterhaltung sich nicht wieder bilden wolle, so nehme ich schriftlich Abschied um dir nicht völlig fremd zu werden. Lebe wohl. Ich hoffe diese Reise soll Fritzen wohlthun.

G.


7/2152.

An Carl Ludwig von Knebel

Endlich bin ich zurück lieber Bruder nachdem ich länger als ich dachte in Carlsbad geblieben, es ist mir recht gut daselbst gegangen, die Fürstin blieb bis d. 13. und ich ging d. 16. weg. Die schöne Tina war auch von der Gesellschafft, und schien am Ende mehr Anteil an mir zu nehmen als ich um sie verdient habe. Dich grüsst sie und ist voller Danckbarkeit für deine Gutheit gegen sie.

Sonst war alles fort was zu unsrer Generation gehörte auch Frau v. Rochau habe ich noch begraben.

Edelsheim kam da ich wegging und machte mir den Abschied abermals schweer, mit ihm ist trefflich schwätzen und in Politicis Erbauung zu hohlen.

In Joachimsthal bin ich nicht eingefahren, hingegen habe ich mich viel in Joh. Georgenstadt umgesehn. In Schneeberg ist wieder verboten Fremde [81] unter die Erde zu lassen. Das Cabinet des Bergmeister Beyers ist dagegen höchst interessant. Speckstein, Hornstein, Feldspatkristallen in Menge du würdest nicht weggekonnt haben. Und er eine sehr redliche Seele, wie es scheint guter Beamter und wohl unterrichtet.

Für deine Sorgfalt mich vom Weege noch mit Ge bürgsarten zu versehen dancke ich dir du sollst auch von dem meinigen etwas erhalten.

Meine Hypothese freut mich immer mehr, es folgt gar leicht und gut alles daraus, und ich bin gewiss daß man auf diesem Weege zu schönen Entdeckungen kommen kann.

Der Herzog will gerne etwas thun um Imhofen herzuziehen. Ich glaube das beste wäre er gäbe ihm ein gewisses in der Stille um den Leuten nicht das Maul aufzusperren. Sage mir deine Meynung und was du etwa glaubst.

Hier gehts übrigens im Alten. schade für das schöne Gebäude das stehen könnte, erhöht und erweitert werden könnte und leider keinen Grund hat. Doch was hat Grund auf der beweglichen Erde.