1784

[233] 6/1850.

An Charlotte von Stein

Herzlichen Danck l. Lotte. Ja ich werde wie du mir es geweissagt hast immer glücklicher werden. Am glücklichsten durch dich. Ich sehe dich nach Tische. Heute früh zeichne ich ein wenig zum freundlichen Anfang des Jahrs. Lebe wohl. Du hast was du dir wünschest. Adieu. d. 1. Jan. 84.

G.


[30] 6/1850a.

An Carl Christian von Herda

Hochwohlgebohrner

Hochgeehrtester Herr,

Daß Ew. Hochwohlgeb. mich zu Anfange des neuen Jahres fortdaurenden Freundschafft und Gewogenheit versichern, gereicht mir zum besondern Vergnügen. Ich erwiedre ieden guten Wunsch mit Aufrichtigkeit, und erfreue mich im Voraus, Ew. Hochwohlg. noch dieses Frühjahr bey Gelegenheit des Landtages aufwarten zu können.

Der Frau Gemahlinn bitte ich mich bestens zu empfehlen und sich der freundschafftlichen Gesinnungen versichert zu halten mit denen ich mich unterzeichne

Ew. Hochwohlgeb.

ganz gehorsamster Diener

Weimar d. 2 Jan. 1784.

Goethe.


[233] 6/1851.

An Charlotte von Stein

Ist das Kopfweh aussen geblieben? Wie befindet sich meine L.?

Sind die französchen Blätter noch nicht gefunden?

Lebe wohl. Ich bin fleisig und liebe dich.

d. 3. Jan. 84.

G.


6/1852.

An Charlotte von Stein

Eh ich in's Conseil gehe Geliebte einen Morgengrus. Laß mich ein Wort von dir zu Mittage [234] empfangen. Halte dich wohl in der Stube. Heute Abend bin ich bey dir.

d. 6. Jan. 84.

G.


6/1853.

An Charlotte von Stein

Schon lange wünscht ich etwas von dir zu sehen und dancke. Noch kann ich mich nicht entschliesen auszugehen und habe grose Lust euch nach dem Conzert einzuladen. Du hörst Nachmittag meine Wünsche. Lebe wohl. Hier das Verlangte.

d. 7. Jan. 84.

G.


6/1854.

An Ernst August Anton von Göchhausen

Hochwohlgebohrner

insonders hochzuehrender Herr

Ew. Hochwohlgeb. geneigtes Andenken würde mir zu ieder Zeit willkommen gewesen seyn, wie es mir zu Anfange dieses Jahres die angenehme Versicherung giebt, daß ich in demselben auf die Theilnehmung eines wakern Mannes und rechtschaffenen Dieners unsers Herrn Rechnung machen darf. Ich danke herzlich dafür und wünsche daß Ihnen dieses Jahr in allem gesegnet seyn möge.

Ich füge zugleich die Nachricht bey daß Durchl. der Herzog Ew. Hochwohlgeb. seine Zufriedenheit durch Beylegung des Geheimen-Kammerrath-Titels öffentlich [235] zu bezeigen beschlossen hat. Auch hierzu wünsche ich Glück und empfehle mich Ihnen bestens in der Hofnung Sie bald in Eisenach persönlich derienigen Hochachtung zu versichern mit welcher ich mich unterzeichne

Ew. Hochwohlgeb.

gehorsamster Diener

Goethe

Weimar d. 8. Jan. 1784.


6/1855.

An Charlotte von Stein

Nun muß ich auch etwas von dir hören. Der Herzog wird bey mir essen nachher will ich zu Felgenbauers und zur Herzoginn Mutter gehn, und dich diesen Abend in der Comödie finden. Lebe recht wohl. Das trübliche Wetter bekommt mir nicht so gut als das ganz frische. Du wirst weniger frieren. Gedencke mein.

d. 15. Jan. 1784.

G.


6/1856.

An Charlotte von Stein

Gestern Abend war ich gar nicht artig und fürchte meine L. konnte mich nicht lieb haben. Sage mir ia gleich frühe das Gegentheil. Heute Abend bleiben wir doch beysammen. Ich bin ganz dein.

d. 16. Jan. 84.

G.


[236] 6/1857.

An Charlotte von Stein

Eben wollte ich meiner lieben schreiben und sie um ihren Tag fragen. Es war meine Hoffnung diesen Abend bey dir zu seyn, da sie mir aber nicht wird, will ich fleisig seyn so kommt mirs ein andermal zu gute. d. 16. Jan. 1784.

G.


6/1858.

An Charlotte von Stein

Von m. L. hätte ich gern einen guten Morgen und Nachricht wie sie geschlafen hat.

Wenn deine Theegäste noch kommen, so laß es mir bey Zeiten wissen daß ich mich darnach einrichten kann. Lebe wohl du süse und liebe mich.

d. 17. Jan. 84.

G.


6/1859.

An Charlotte von Stein

Ich habe heut früh an meiner Abhandlung über den Granit dicktirt, und dazwischen immer an meine Geliebte gedacht, und mich erinnert wie ich von allen Höhen dieser Felsen die ich bestiegen, zurück nach der Wohnung meiner besten mich gesehnt habe. Wahrscheinlich ziehst du mich auch diesen Abend nach Hofe. Mittags habe ich abgesagt. Lebe wohl. Fritz war gar geschickt und gut. d. 18. Jan. 84.

G.


[237] 6/1860.

An Charlotte von Stein

Ich bitte um den Brief an meine Mutter mit tausend Danck für das was du alles an mir thust. Werde nur nicht müde mit mir Geduld zu haben. Du bist mir einzig Lieb und werth. Heute muß ich viel schaffen. Lebe wohl und sag mir ein gutes altes Wort. d. 19. Jan. 1784.

G.


6/1861.

An Charlotte von Stein

Heute früh habe ich ein wenig länger geschlafen, und nun ist schon wieder der Hencker bey mir los. Ich sehe dich gewiß, ob ich zur Herzoginn Mutter gehe weis ich noch nicht. Ich dancke dir für alle Liebe und Güte und bin immer dein.

d. 21. Jan. 84.

G.


6/1862.

An Charlotte von Stein

Gestern Abend bin ich noch lange aufgeblieben und behielt mein Verlangen bey dir zu sein. Ich dancke dir daß du mich so lieb behältst. Es ist mein bestes Glück. Heute Abend kommst du doch ich weis nicht ob ich dich vorher sehe. d. 22. Jan. 1784.

G.


[238] 6/1863.

An Charlotte von Stein

Einen guten Morgen l. Lotte eh ich ins Conseil gehe. Heute Abend muß ich wohl zu Witzlebens. Seh ich dich auch da? Lebe wohl. Du liebe Begleiterinn aller meiner Gedancken.

d. 23. Jan. 84.

G.


6/1864.

An Charlotte von Stein

Zum frühen Morgen schick ich dir etwas süses und bitte dich um ein freundlich Wort. Du glaubst nicht wie lieb mir heute Fritzens Anblick war wie ich dir ewig neue Treue in ihm zugesagt habe als ich ihn zum Morgengrus an mich drückte. Lebe wohl. Ich bin ganz dein. Und hoffe sehnlich auf den Augenblick der mich zu dir führen wird.

d. 26. Jan. 84.

G.


6/1865.

An Jakob Friedrich von Fritsch

Ew. Exzell.

dancke ganz gehorsamst für die Bemühung und habe nichts hinzuzufügen als die Bitte mich Herrn v. Isenflamm gleichfalls zu empfehlen und für seine Gefälligkeit zu dancken.

Wenn die Stückgen recht schön zu haben sind, so[239] kommt es auch auf einen Dukaten mehr nicht an. Das Geld will ich, sobald von hier etwas nach Wien geht, übermachen.

Mit aufrichtiger Verehrung und Anhänglichkeit unterzeichne ich mich

Ew. Exzell.

ganz gehorsamsten

treuen Diener

Goethe.

Vhß.

d. 26. Jan. 1784.


6/1866.

An Charlotte von Stein

Mit Mühe enthalt ich mich dich nicht zu besuchen. Nach Tische komm ich bald. Wirst du in die Kommödie gehn oder den Thee mit uns nehmen? Lebe recht herzlich wohl und liebe den liebenden.

d. 27. Jan. 1784.

G.


6/1867.

An Charlotte von Stein

Ich höre meine Liebe ist gestern noch kräncker geworden. Könnt ich doch von dir hören daß dich der Schlaf erleichtert hat. Fritz grüsst. Ich fürchte du gehst nicht zu Werthers. d. 30. Jan. 84.

G.


6/1868.

An Charlotte von Stein

Möge mir doch meine Lotte nicht mit Bleystifft sondern mit Dinte einen guten Morgen sagen, und[240] mich versichern daß sie wohl ist. Ich bin recht in Sorge um dich. Gestern da du weg warst war mir auch alles fort. Es wollte gar nichts geben und ich bleib nur Fritzens wegen und weil ich keinen Wagen hatte. Lebe wohl. Ich muß ordnen und aufräumen, dann bin ich dein.

d. 31. Jan. 1784.

G.


6/1869.

An Charlotte von Stein

Hier schicke ich die Uhr und ein Stück Zuckerwerck mit dem besten Morgengrus. Es ist mir nicht ganz als ob ich heute in die Gesellschafft mögte, aber m. L. muß ich sehen. Schreibe mir wie du dich befindest und was du vorhast. d. 1. Febr. 1784.

G.


[20] 6/1869a.

An Christian Gottlob Voigt

Wollen Sie die Güte haben auf das Lobedaische Gut 5200 rh. zu bieten, wahrscheinlich wird es dabey nicht bleiben. Die Ackten behalte ich noch um mir die Anschläge abschreiben zu lassen.

Hierbey ein Schreiben des Herrn v. Franckenberg. Man wird hören müssen wen sie in Vorschlag bringen. Es scheint damit auf eine förmliche Revision angesehen zu seyn.

d. 1. Febr. 84.

G.


[240] 6/1870.

An Charlotte von Stein

Meiner l. Lotte sende ich einen treuen Mittags Grus. Wenn du heute zu Werthers gehst, so sehe ich dich erst um 8 Uhr denn ich habe böse Ackten von denen ich nicht abkommen kann. Bleibst du aber zu Hause, so komme ich wohl um 7 Uhr. Lebe wohl. Liebe mich, ich bin recht dein.

d. 2. Febr. 84.

G.


[241] 6/1871.

An Charlotte von Stein

Eh ich in's Conseil gehe mögt ich gute Nachrichten von meiner Geliebten haben. Kann sie heute in die Commödie gehn? Ist es ihr wieder so wohl als ich wünsche. Adieu beste.

d. 3. Febr. 1784.

G.


6/1872.

An Charlotte von Stein

Will m. l. Lotte heute Abend bey mir einen Thee nehmen und zum Essen bleiben, so will ich ihr einige Freunde einladen, und die Commödiengänger zu Tische Bitten. Sage mir wie du dich befindest, Lebe wohl und liebe mich.

d. 5. Febr. 84.

G.


6/1873.

An Charlotte von Stein

Wie befindet sich m. L. hat sich der gute Tag recht gut eingestellt? und was hat sie heute vor. In die Commödie wird wohl nicht gegangen. Vielleicht wäre es artig zu mir zu kommen. Lebe wohl. Wenn ich vor Tisch auslaufe komme ich einen Augenblick zu dir. d. 7. Febr. 84.

G.


[242] 6/1874.

An Charlotte von Stein

[Mitte Februar.]

Hier schick ich dir den Ring, es ist mir ganz unheimlich ihn zu entbehren. Auch ich habe seit dem frühsten nach dir verlangt und mich nach einem Worte von dir gelehnt. Diesen Abend bin ich bey dir. Ich will früher zu Herders gehn. Lebe wohl du mein immer bleibendes Glück. Fritz macht sich eben aus.

G.


6/1875.

An Charlotte von Stein

Ich mögte gern zum frühen Morgen hören daß m. l. Lotte recht heiter ist. Gestern Abend war es mir sehr leer bey vielen Gästen, sie waren munter, und wir lasen zuletzt ein Gespräch des Königs in Preußen mit einem Beamten das unglaubliche Ähnlichkeit mit der Audienz des Herrn Junge beym König Opokku hat. Ich war bey Hofe geladen und habe abgesagt. Bist du wohl? und werden wir heute zusammen seyn?

d. 15. Febr. 84.

G.


[243] 6/1876.

An Carl Ludwig von Knebel

Diese ganze Zeit her war ich nichts weniger als schreibseelig drum verzeih daß du so lange nichts von mir gehört hast.

Hier schicke ich Einladungen zum Ilmenauer Bergwerck. Die Nürnberger waren in vorigen Zeiten starck dabey interessiert vielleicht finden sich dort wenigstens einige Gewercken. Wir haben schon 500 und eröffnen den neuen Johannisschacht auf Faßnacht. Es macht mir viel Vergnügen daß nach überwundnen so manigfaltigen Hindernißen auch dieses Unternehmen endlich soweit ist.

Einige Exemplare der Gedichte zum Geburtstag der Herzoginn lege ich bey. und einen Fächer zu Ehren der November Geburtstäge für deine Frl. Schwester.

Ich bin fleisig und meine Sachen gehen gut und obgleich übrigens unsere Verhältnisse allerley Schwingungen unterworfen sind; so steht doch das Ökonomikum auf einem guten Grunde, und das ist die Hauptsache.

Persönlich bin ich glücklich. Die Geschäffte, die Wissenschafften ein paar Freunde, das ist der ganze Kreis meines daseyns in den ich mich klüglich verschanzt habe.

Schreibe mir doch balde. Noch habe ich auf die[244] Reise nach dem Fichtelberg nicht renuncirt, obgleich ein schöner Theil des Sommers dem Einfacher Ausschußtag gewiedmet werden muß.

Lebe wohl. Behalte mich lieb und gedencke mein fleisig. d. 16. Febr. 84.

G.


6/1877.

An Charlotte von Stein

Beyliegender Brief meldet mir das traurige Schicksal des guten Jakobi. Da ich das schwarze Siegel sah glaubt ich er sey selbst Todt und nun ists seine gesunde Frau. Es ist für ihn wenig guts mehr in der Welt.

Sage mir wie du geschlafen hast und ob du wohl bist, und bleibe mir.

d. 20. Febr. 84.

G.


6/1878.

An Charlotte von Stein

Noch einen guten Morgen zum Abschied Liebe Lotte. Mögtest du doch recht wohl seyn. Das Wetter wird kalt und scheint günstig zu werden. Wir wollen uns recht einpacken. Ich gehe mit den deinigen als der deinige. Lebe wohl. Ich hoffe wieder auf dich und dancke dir für deine Liebe.

d. 21. Febr. 84.

G.


[245] 6/1879.

An Charlotte von Stein

Durch den rückkehrenden Boten erhält meine Geliebte einen herzlichen Grus. Wir sind sehr glücklich angekommen, die Bahn war durchaus so schön daß ich wünschte eine Gesellschafft Weimarische Freunde hätte sich mit auf den Weeg gemacht. Wir blieben wohl zwey Stunden in Stadt Ilm und waren schon nach drey Uhr hier.

Fritz und Ernst machen sich sehr lustig, und wenn auch einmal selectae historiae auf eine viertelstunde vorgenommen werden, so kehrt doch die Torheit bald wieder zurück.

Deinen Ring vermiss ich recht sehr. Er war mir sonst so ein liebes Zeichen deines Bleibens bey mir.

Unsre Sachen werden gut gehen. Innliegendes Exemplar der Rede schicke Dienstags früh um 10 Uhr an Herdern und schreibe ihm dazu daß sie in diesem Augenblick sey gehalten worden, er soll sie aber niemanden sehn lassen bis ich wiederkomme.

Lebe wohl. Grüse den Herzog und sag ihm von unsrer glücklichen Ankunft.

Adieu ich bin dein. Die Ruhe dieses Orts ist für mich sehr anzüglich. Wärst du hier so wollte ich gleich den Rest des Winters hier zu bringen. Was sollte da studirt werden. Lebe wohl. d. 21. Febr. 84. Illmenau.

G.

Der Brief den ich auf den Ofen legte ihn zu trocknen wäre bald verbrannt.


[246] 6/1880.

An Charlotte von Stein

Wie sehr hat mich dein liebes Wort erfreut! Wenn es nur auch die Nachricht deines Wohlbefindens gebracht hätte. So sehr ich mich deines Daseyns und deiner Liebe freue; so sehr leid ich auch mit dir.

Die Knaben sind wohl und lustig, ich thue meine Sachen ab. Das Wetter ist stürmisch wir hoffen daß es morgen besser werden soll. Die Gegend ist im Schnee sehr schön, und es geht gar gut auf dem Schlitten.

Ernst ist heute nach Amt Gehren gefahren, und Fritz laufft herum.

Ich bin in der Stube wo du mir ehmals mit dem zahmen Vogelgen begegnetest. Wenn es einigermassen möglich wäre besuchte ich die Hermannsteiner Höle. Du bist mir überall gegenwärtig.

Lebe wohl, und halte dich ruhig, damit du mich fröhlich empfangen könnest.

[Ilmenau] d. 23. Febr. 84.

G.


6/1881.

An Charlotte von Stein

Schone doch liebe Lotte dich um meintwillen, so sehr mich dein erster Anblick erfreute weil ich dich wohl sah, so innerlich hat mich dein Übel gestern[247] Abend verstimmt daß ich keiner freudigen Empfindung mehr fähig war. Sag mir was deine Augen machen. Sag mir daß du mich liebst. Wenn du nicht wohl bist hab ich gar nichts auf der Welt. d. 29. Febr. 84.

G.


6/1882.

An Charlotte von Stein

Straube der die Nachricht von dem eingefrornen Schiffe bringt, soll dir einen Grus zum Morgen bringen. Es ist für den Moment nicht so übel als es der Ruf machte, freylich wenn das Wasser an die Kehle geht dem gehts weit genug.

Wenn es möglich ist komme ich morgen Abend, und finde meine Liebe zu Hause. Nicht wahr du bleibst aus der Gesellschafft? Meine schöne Hof und Societäts Vorsätze für diese Woche sind auch zu Wasser, wir sind zu alt um uns zu bessern und wollen unser Leben so hinausführen. Castrop hat mir eine köstliche Scene gegeben über die ich im innersten noch lache. Schade daß sie sich nicht wiedererzählen lässt das beste davon ist pantomimisch.

Lebe wohl damit ich wohl lebe denn ich lebe in dir. Gute Nacht beste. Ich komme nicht von deiner Seite. d. 29. Febr. 84. Jena.

G.


[248] 6/1883.

An Charlotte von Stein

Statt meiner kommt wieder ein Brief, verzeihe daß ich dich aus der Gesellschafft hielt. Ich bin nicht ganz unnütze hier drum will ich bleiben. Du bist meine Begleiterinn auf Wassern und Eise. An einigen Orten der Vorstadt ist das Übel gros, und in einer allgemeinen Noth auch ein gemeiner Verstand nütze, wenn er Gewalt hat.

Drum will ich bleiben und alles in deinem Nahmen thun. Alles rennt durch einander, die Vorgesetzten sind auf keine auserordentlichen Fälle gefasst, die Unglücklichen ohne Rath und die Verschonten unthätig. Wenige einzelne brave Menschen zeichnen sich aus. Lebe wohl. Liebe mich du einziges du fühlst doch wie ich dein bin.

Jena. d. 1. März 1784.

G.


6/1884.

An Charlotte von Stein

Ich komme in grose Versuchung, der Herzog fährt hinein und will Abends wieder hier seyn, ich könnte mit meiner Lotte zu Mittage essen, ihr allerley erzählen, und wieder fortfahren.

Allein ich will dem nothwendigen nachgeben es ist besser ich bleibe hier.

[249] Der guten Stadt Jena geht es wie dem römischen Reich man sieht nicht eher wie elend die Constitution ist als wenn die Noth an Mann geht.

Wenn Götze zurückkommt hoffe ich auf ein liebes Briefgen von dir.

Lebe wohl meine liebe! Laß uns zusammenhalten die weltlichen Dinge sind gar brüchig. Der Herzog führt mit dem Rittmeister einen militarischen Diskours am Ofen, und ich will schliesen dir eine gute Nacht sagen und mich deinem süsen Herzen empfehlen.

[Jena] d. 1. März 1784.

G.


6/1885.

An Charlotte von Stein

Meiner Lotte sag ich einen guten Morgen. Ich hoffe dich Morgen hier zu sehn. Der Herzog wird dir den Vorschlag thun und ich hoffe du schlägst es nicht ab.

Wie sehr ich es wünsche kannst du dencken da ich nicht wegkann. Man hat keine Idee wie die Menschen sind, und doch wenn ich's recht überlege müssen sie so seyn.

Lebe wohl ich muß dein seyn durch alle Zeiten.

Jena d. 2. März 1784.

G.


[250] 6/1886.

An Charlotte von Stein

Vor allen Dingen muß ich dir für deine immer gleiche Liebe den wärmsten Danck sagen, und dir eine gute Fahrt wünschen. Leider habt ihr böses Wetter. Laß mich auch noch ein Paar Worte von dir sehen damit ich den Tag über etwas zu zehren haben möge. Hier schicke ich von dem gestrigen Kuchen und käme gar zu gerne selbst. Lebe wohl du einziges. Heute Abend findest du mich um siebene.

d. 3. März 84.

G.


6/1887.

An Friedrich Heinrich Jacobi

Ich habe es noch nicht wagen können dir zu schreiben denn was darf man dir sagen! Jedes Wort es sey Anteil, Trost oder Betrachtung bleibt zurück. Der Gedancke an dich und deinen Zustand hat mich auf einer sonst frohen Reise, da ich das alte Ilmenauer Bergwerck wieder eröffnet, immer begleitet, und folgt mir auch hierher wo ich von Wassern, Eise und Noth, ich darf wohl sagen umgeben sitze, und Beruf und Gelegenheit habe menschliche Schicksale wieder zu käuen.

Herder wird dich bitten diesen Sommer eine Reise zu uns zu machen. Wenn ich nur auch gewiß wäre zu Hause zu seyn. Ich hoffe es soll sich thun lassen.

[251] Wir wollen auf die kurze Dauer unseres Daseyns näher zusammenrücken.

Sag mir ein Wort von deiner Gesundheit. Wie ich das schwarze Siegel sah und deines Schreibers Hand hielt ich dich selbst für Todt. Ach warum versäumt man soviele Augenblicke Freunden wohlzuthun.

Ich bin ein armer Sclave der Pflicht mit welcher mich das Schicksal vermählt hat, drum verzeihe wenn ich trocken und träge scheine.

Jena d. 3. März 1784.

G.


6/1888.

An Charlotte von Stein

Was ich auch zu thun habe was mir auch durch den Kopf geht bist du mir immer im Herzen mir immer gegenwärtig. Lebe wohl ich sehe dich heute Abend, vielleicht eher.

d. 4. März 1784.

G.


6/1889.

An den Herzog Carl August

Unterthänigstes Promemoria.

Nach Ew. Hochfürstl. Durchlaucht gnädigstem Befehle habe ich diejenigen Aufträge, welche mir Höchstdieselben an den Hofrath Büttner in Jena zu ertheilen geruthet, bey meiner Anwesenheit daselbst auszurichten, ohnermangelt. Es erkennt derselbe das gnädigste Anerbieten der 8000 Thaler als den höchsten auf [252] seine Bibliothek gesetzten Preiß mit unterthänigstem Dank und behält sich vor etwa in der Folge, wenn er es benöthigt seyn sollte, Ew. Durchlaucht um Erhöhung seines Pensionsquanti anzugehen. Und da ihm solches bisher nur in caffemäßigen Sorten bezahlt worden, im Contrakte aber ihm Louisd'or zu 5 Thaler zugesichert sind: so bittet er hierüber um gnädigsten Befehl an die hiesige Kammer.

Der ich mich mit tiefster Ehrfurcht unterzeichne

Ew. Hochfürstl. Durchl.

unterthänigster

Weimar d. 4. März 1784.

J. W. Goethe


6/1890.

An Charlotte von Stein

Wie viel lieber blieb ich in deiner Nähe als daß ich wieder wandre. Liebe Lotte wie machst dus nur daß ich dir alle Tage eigner werde.

Wie gern grüste ich dich noch zum Abschiede.

Lebe recht wohl. Diesen Abend seh ich dich wieder und will indes etwas guts thun und deinem Fritz nüzlich seyn und ihm einen fröhligen Tag machen.

d. 7. Mart. 84.

G.


6/1891.

An Charlotte von Stein

Du hast gewiss auch heute beym Erwachen an mich gedacht wie ich an dich denn solch eine Liebe kann nicht einseitig seyn.

[253] Heute zu Mittage esse ich beym alten Schnaus und sehe dich vorher.

Wenn du in die Gesellschafft gehst will ich auch hinein gehn.

Hier ist eine Schnalle zu dem Hute. Wenn er nur recht ist. Lebe wohl.

d. 8. März 1784.

G.


6/1892.

An Charlotte von Stein

Gleich am frühen Morgen möchte ich Nachricht von meiner Lotte haben, da ich ihres Anblicks entbehren muß. Ich stehe sehr im Zweifel ob ich heute Abend einige Gäste bitten soll. Am liebsten bin ich mit dir. Was sagt dir dein Herz? Lebe wohl ich bin dein.

d. 9. März 1784.

G.


6/1893.

An Charlotte von Stein

Hier liebe Lotte die Versichrung meiner Liebe, meiner Anhänglichkeit und Treue. Habe ich dir gestern vielleicht ein Buch oder sonst etwas zu schicken versprochen; so must du mir es ins Gedächtniß rufen, denn ich kan mich nicht drauf besinnen. Herders Fortsetzung ist ganz trefflich und ihm ist das Werck schon fast verleidet. Lebe wohl. d. 12. März 1784.

G.


[254] 6/1894.

An Charlotte von Stein

Ich habe heute wieder angefangen Quecken zu trincken um der ersten Einflüsse des Frühjahrs zu geniesen.

Der Spleen wird ia wohl meine Lotte nicht in das Theater locken und so bleiben wir wohl beysammen.

Könnt ich nur eh ich des Morgens an die Ackten gehe einen Blick in deine Augen thun! Lebe wohl du kennst mich.

d. 13. März 1784.

G.


6/1895.

An den Herzog Ernst II. von Sachsen-Gotha

Durchlauchtigster Herzog

Gnädigster Herr,

Ew. Durchl. übersende hierbey unterthänigst zehen Gewährscheine als auf soviel Kuxe Höchstdieselben unterzeichnet und empfehle das neue Werck zusammt der Gewerckschaft zu Gnaden.

Nicht leicht habe ich etwas mit soviel Hoffnung, Zuversicht und unter so glücklichen Aspeckten unternommen, als diese Anstalt eröffnet worden, und das allgemeine Zutrauen scheint mit einzustimmen. Schon sind die Kuxe fast zur Hälfte untergebracht und es melden sich täglich mehr Liebhaber.

Eine Nachricht der kleinen Feyerlichkeit bey Eröffnung [255] des neuen Schachtes lege ich bey, wie auch die von mir gehaltne Rede. Sehen Ew. Durchl. alles mit günstigen Augen an.

Ehestens übersende ich einen Transport der mir von Tischbein zugekommen ist, der Ew. Durchl. gewiss Vergnügen machen wird. Die Zeichnungen die gerollt waren, sollen erst gerade werden, und die zwey Ölgemälde habe ich auf Blendrahmen ziehen lassen. Dabey werde ich mit einer Bitte einkommen.

Der ich mich zu Gnaden empfehle und mich Ehrfurchtsvoll unterzeichne

Ew. Durchl.

unterthänigsten

Weimar d. 15. März 1784.

Goethe


6/1896.

An Charlotte von Stein

Eh ich das Angesicht der fürtrefflichen Stände erblicke wünsche ich ein Wort von dir zu haben meine beste, damit es mir wie ein Salzkörnlein den ganzen Ackten und Rechnungs Brey durchsalze und schmackhafft mache. Diesen Nachmittag sprech ich dich. Das Leiden in der Comödie sollst du mir auch versüsen.

d. 18. März 1784.

G.


6/1897.

An Charlotte von Stein

Ich will heute den geraden Weeg zum Conseil gehen, dir noch vorher einen guten Morgen sagen.[256] Wenn ich wiederkomme laß mich ein Zettelgen finden das mich aufs neue des einzigen Glücks versichre das ich zu geniessen fähig bin.

d. 19. März 1784.

G.


6/1898.

An Charlotte von Stein

Hier schicke ich Dir einige Blätter Journal de Paris es sind artige Sachen drinne, und zugleich sag ich dir einen guten Morgen und hoffe dich heute zu sehen. An Hof kan ich nicht gehn. Was sagst du zu der Kälte und dem Frühlings Schnee. Lebe wohl. Liebe mich. Ich muß fleisig seyn. d. 21. März 1784.

G.


6/1899.

An Charlotte von Stein

Zum guten Morgen schicke ich dir hier Aurora die ein Kind wegträgt, besser wäre es sie brächte es.

Gegen eilfe besuche ich dich und sage dir wie sehr ich mich des Tags freue der mir zu dir wieder erschienen ist. Adieu. Empfange mich wie immer.

d. 24. März 84.

G.


6/1900.

An Charlotte von Stein

Ja wohl ist mein Herz und Geist immer da wo mein Schatz ist, wenn mich gleich die bösen Weltlichen[257] Dinge trennen. Ich wünschte lange ein Wort von dir. Stein wird recht erschrocken seyn. Du gehst doch wohl heute Abend mit zur Herzoginn. Ich will die verlangten Bogen holen lassen. d. 25. März 1784.

G.


6/1901.

An Caroline Herder

[25. März.]

Bei der traurigen Lage unsrer guten Herzogin, habe ich ihr versprochen, heute Abend etwas zu lesen und bitte deswegen um die gedruckten Bogen von Herders Werk.

Es wird sie erheben, aufrichten und wenigstens Augenblicke über das Gefühl von Vergänglichkeit hinüber heben.

Ich bitte zugleich um das Gedicht auf des Herzogs Geburtstag.

G.


6/1902.

An Charlotte von Stein

Ungern wie immer entfern ich mich von dir, wie sehr wünscht ich du könntest die Spazierfahrt mit machen besonders das Wetter sich freundlich bezeigt. Lebe wohl behalte mich fein bey dir und sey gewiß daß ich dir immer nah bin. Adieu tausendmal.

d. 27. März 1784.

G.


[258] 6/1903.

An Johann Gottfried Herder

[Jena, 27. März.]

Nach Anleitung des Evangelii muß ich dich auf das eiligste mit einem Glücke bekannt machen, das mir zugestoßen ist. Ich habe gefunden – weder Gold noch Silber, aber was mir eine unsägliche Freude macht –

das os intermaxillare am Menschen!

Ich verglich mit Lodern Menschen- und Thierschädel, kam auf die Spur und siehe da ist es. Nur bitt' ich dich, laß dich nichts merken, denn es muß geheim behandelt werden. Es soll dich auch recht herzlich freuen, denn es ist wie der Schlußstein zum Menschen, fehlt nicht, ist auch da! Aber wie! Ich habe mirs auch in Verbindung mit deinem Ganzen gedacht, wie schön es da wird. Lebe wohl! Sonntag Abend bin ich bei dir. Antworte mir nicht hierauf, der Bote findet mich nicht mehr.

Sonnabend Nachts.

G.


6/1904.

An Charlotte von Stein

[Jena, 27. März.]

Zum guten Morgen meiner Lotte ein Paar Zeilen, da ich ihr leider nicht einmal werde guten Abend sagen können.

[259] Es ist mir ein köstliches Vergnügen geworden, ich habe eine anatomische Entdeckung gemacht die wichtig und schön ist. Du sollst auch dein Theil dran haben. Sage aber niemand ein Wort. Herdern kündigets auch ein Brief unter dem Siegel der Verschwiegenheit an. Ich habe eine solche Freude, daß sich mir alle Eingeweide bewegen.

Lebe wohl. Wie sehr lieb ich dich! Wie sehr fühl ichs in fröhlichen und traurigen Augenblicken. Antworte mir nicht, Aber laß mich in meinem Hause ein Wort von dir finden. Lebe wohl meine Lotte. Es geht mir nur so wohl weil du mich liebst. Sonnabend.

G.


6/1905.

An den Herzog Carl August

Durchlauchtigster Herzog

Gnädigster Fürst und Herr

Wie auf Ew. Hochfürstl. Durchl. gnädigsten Befehl Endesunterzeichneter mit einer aus den Mitteln der hiesigen Landschaft erwählten Deputation zusammen getreten und verschiedene auf die Verhandlungen des lezten Ausschußtages Bezug habende Geschäfte theils zu Stande gebracht, theils zu Höchst Ihro Genehmigung so viel es möglich gewesen vorbereitet, solches wird Ew. Hochfürstl. Durchl. aus beyliegender Copie des darüber gefertigten Protokolles unterthänigst vorgetragen werden können.

[260] Wie ich nun nichts mehr wünsche als dieses Geschäfte zu Höchst Ihro Zufriedenheit geführt zu haben; so erwarte ich unterthänigst was Höchstdenenselben weiteres darüber zu beschließen gefällig seyn möchte, der ich mich mit unbegränzter Ehrfurcht unterzeichne

Ew. Hochfürstl. Durchl.

unterthänigst treugehorsamster

Weimar den 28. März 1784.

Johann Wolfgang Goethe.


6/1906.

An Charlotte von Stein

Meiner Lotte muß ich einen frühen Morgengrus schicken mit der Bitte mein mit herzlicher Liebe eingedenck zu seyn. Ich freue mich auf die Stunde da ich dich sehen kann um eilf Uhr will ich kommen, daß ich dich nicht mit aufgelösten Haaren finde.

Der deine

d. 31. März. 1784.

G.


6/1907.

An Friedrich Heinrich Jacobi

Wie sehr danck ich dir daß du mich zum Genossen deiner Trauer gemacht hast! Die Abschrifften kamen eben an als uns der Todt unsrer kleinen Prinzess überraschte, eines Kindes von fünf Jahren das sechs Nachtstunden kranck und gegen Morgen Todt war.

Ich habe nur sehnlicher gewünscht dich wieder zu sehn. Leider bin ich den ganzen Juni abwesend zu[261] Anfang Juli aber kann ich's einrichten daß ich nach Hause komme. Siehe zu daß du es möglich machst. Das wunderliche Bild unsrer Existenz wird dir wenigstens wenn auch nicht wohlthun doch neue Ideen geben und ein Paar wahre an dir theilnehmende Freunde findst du gewiß.

Das Hefft erhältst du bald zurück ich habe es für mich behalten, nicht mitgetheilt, mein Herz hies mich es so.

Schreibe mir doch ein Wort von dem Kinde zu Münster und was ihr mit ihm habt. Ich weis nichts von ihm, kann es nicht beurtheilen und wenn ich nicht sehr irre behandelt ihr es falsch, die Fürstinn und du. Ich mische mich nicht gern in dergleichen Sachen denn die Vorstellungs Arten sind zu verschieden und mit Schreiben ist gar nichts ausgerichtet, aber das Kind dauert mich, es ist doch dein und Bättys Kind und gewiß nicht zum Bösewicht zum Nichtswürdigen gebohren.

Habt mit Schlossern Geduld! Kein Mensch kann eine Faser seines Wesens ändern, ob er gleich vieles an sich bilden kann. Schlosser stickt in seiner Haut und Verhältnissen so fest als ein andrer, wir sollten alle mit einander Mitleiden haben.

Lebe wohl! Wie freu ich mich mit dir recht ausführlich über tausend Dinge zu reden. Lebe wohl. Grüse die Deinigen.

Weimar d. 31. März 1784.

G.


[262] 6/1908.

An Charlotte von Stein

Ich begrüse meine Lotte mit der Freundlichkeit aller Gestirne und frage ob sie recht wohl ist und sich des schönen Tages freut. Heute darf ich nicht aus dem Hause als gegen Abend und da du zu deiner Schwägerinn gehst; so schreibe mir wann ich dich wieder bey dir finde. Schicke mir das Buch von den Zähnen und Lebe recht wohl.

d. 1. Apr. 84.

G.


6/1909.

An Charlotte von Stein

Von meiner Geliebten muß ich ein paar Zeilen haben damit mein Verlangen nach ihr einigermassen befriedigt werde.

Wenn du um zwölf Uhr frisirt bist komme ich einen Augenblick denn bis den Abend wird mir's viel zu lange.

Lebe wohl du stündlich Geliebteres. Wenn ich nur mein Wesen vermehren könnte daß dich immer etwas mehr an mir liebte.

d. 2. Apr. 1784.

G.


6/1910.

An Charlotte von Stein

Ich dancke dir l. Lotte daß du mich von Rechnungen und Papieren einen Augenblick auf den lieben[263] Gegenstand rufst der mir manchmal hinter den Zahlen erscheint. Behalte mich in einem recht feinen Herzen. Du Gute wie bist du mir so werth und wie ungern entlies ich dich gestern. Wann ich heute kommen kann weis ich nicht, doch bin ich dir gewiß.

d. 3. Apr. 84.

G.


6/1911.

An Charlotte von Stein

Du bist gar lieb immer mit dem zu seyn der immer mit dir ist. Diesen Abend um sechse will ich kommen, auch etwas früher, besuche also die G. vorher.

Lebe recht wohl und sey meines ewigen Bleibens versichert.

d. 6. Apr. 1784.

G.


6/1912.

An Charlotte von Stein

Noch einen Abschiedsgrus muß ich meiner besten schicken, ich habe soviel noch zu besorgen daß ich nicht ausgehen kann um ihr ihn mündlich zu bringen. Behalte mich in einem sehr lieben Herzen, laß mich Donnerstag dein Angesicht sehen. Ich erfreue mich immer deines daseyns und deiner Liebe.

d. 12. Apr. 1784.

G.


[264] 6/1913.

An Charlotte von Stein

[Jena, 13. April.]

Mir geht es gut und freudig in der weitern Ausarbeitung des Knöchleins. Wir haben Löwen und Wallroße gefunden und mehr interessantes. Es wird aber nicht so auf Einen Ruck gehn wie ich dachte und uns weiter führen. Donnerstag erwart ich das Geliebteste. Adieu der Husar reitet fort. Daß du nur ein Wort von mir habest.

G.


6/1914.

An Charlotte von Stein

Ich bin durch deine Vorsorge bald eingeschlafen doch die Nacht etlichmal durch den Schmerz aufgeweckt worden. Heute früh hat sich's in den Rücken gezogen, ich will sehen was der Tranck thut. Lebe wohl. Leider entbehr ich dich heute. d. 17. Apr. 1784.

G.

Sag mir auch wie du dich befindest?


[31] 6/1914a.

An Juliane Auguste Christinevon Bechtolsheim

Leider muß ich Sie meine beste gnädige Frau schrifftlich empfangen und Sie durch einen Abgeordneten bewillkommen lassen. Auf einer kleinen Reise habe ich mir einen solchen Rheumatismus zugezogen daß ich weder ausgehen kann noch zu Hause mich sehen lassen darf. Hoffentlich geht es bald vorüber und ich kann Ihnen noch aufwarten. Nehmen Sie indessen meinen Kindskopf gütig auf, empfehlen Sie mich dem Herrn Bruder aufs beste und bleiben mir in Freundlichkeit gewogen

[Weimar] d. 18 Apr. 84.

Goethe.


[264] 6/1915.

An den Herzog Ernst II. von Sachsen-Gotha

Durchlauchtigster Herzog

Gnädigster Herr

Ew. Durchl. gnädig vertrauliches Schreiben heißt mich mit einer Antwort doppelt eilen; glauben Sie,[265] daß ich den Werth einer solchen Behandlung in seinem ganzen Umfange fühlen kann.

Was Ew. Durchl. an den Werken des jungen Künstlers bemerken, tritt mit dem, was ich darüber gedacht habe, im Ganzen völlig überein, nur nehmen es Ew. Durchl. ein wenig schärfer und geben der Hoffnung weniger Raum als ich zu thun geneigt bin. Wenn wir das große Gemälde sehen werden, alsdann wird sich mehr sagen lassen.

Das Bild mit den beiden Figuren hat wirklich viel Gutes, ob ich gleich gerne gestehe, daß es auch für mich wenig Reiz hat. Darf ich aber Ew. Durchl. etwas in's Ohr sagen, so finde ich in diesen Gestalten die Unschuld der Sitten unsres Künstlers. Hatte er die Reize des weiblichen Körpers mit Leib und Seele genossen, würde er nach diesem schönen Theile der Schöpfung mit unwiderstehlichen Trieben hingerissen, gewiß seine Gemälde würden mehr Leben und Wollust athmen, und er würde keinen räthselhaften Zwitter produciren.

Warum ist ihm das Bild Conradin's so wohl gerathen, als weil er selbst ein guter, edler, freigesinnter Mensch ist, dessen Seele sich an der Betrachtung dieser Eigenschaften in einem andern nicht genug weiden kann? Auch darum habe ich eine gute Hoffnung zu dem großen Gemälde, weil es nur Männer vorstellen wird.

In dieser Erwartung stimme ich mit Ew. Durchl.[266] darin ganz ein, daß er ein fürtrefflicher Portraitmaler sein werde. Und welch' ein glückliches, in unsern Tagen so seltnes Talent ist auch dieses! Wie betrübt ist es, eine geliebte, geschätzte Person nach der andern von dieser Welt scheiden zu sehen, ohne wenigstens durch ein gutes Bild einen Schatten ihres Daseins erhalten zu können. Wie sehr freue ich mich auf seine Zurückkunft.

Der Wunsch, den ich Ew. Durchl. vorzutragen zauderte, ist, daß Sie die Gnade haben möchten, ihm eine kleine Summe Geldes zu bestimmen, die er blos dazu anwenden wollte, um nach lebenden Modellen zu malen und sich immer mehr zu vervollkommnen, auch auf gute Farben einen Theil zu verwenden. Alle Studien wird er dagegen einschicken, mitbringen und bei Ew. Durchl. niederlegen. Er wird sich dadurch in einen Vorrath schöner und bedeutender Gestalten setzen, die ihm wohl die nördlichere Gegend nicht hervorbringen möchte. Da ihn dieses der Natur immer näher bringt, ihm Bestimmtheit empfiehlt, so wäre ihm zu diesem guten Werke wohl Hülfe und Beistand zu gönnen, mit 20 Carolins glaubt er weit zu reichen.

Verzeihen Ew. Durchl. das anscheinende Mißtrauen in die mir so bekannten Gesinnungen, ich bin leider so gewohnt, eigne und fremde Wünsche in mich zu verschließen und nur der Nothwendigkeit nachzugeben, daß ich auch da, wo mir so viele Aufmunterung entgegen kommt, schüchtern und zauderhaft bin.

[267] Eifrig Ew. Durchl. Vertrauen immer mehr zu verdienen, unterzeichne ich mich

Ew. Durchl.

unterthänigster

Weimar den 19. April 1784.

Goethe.


6/1916.

An Charlotte von Stein

Hier schicke ich m. L. eine grose Masse von Gelehrsamkeit, in der Hoffnung daß sie der Liebe keinen Schaden thun werde. Ich bin heiter und besser nur schmerzen Rückgrad und Schultern. Adieu ich werde ein wenig spazieren gehn. d. 19. Apr. 1784.

G.


6/1917.

An Johann Heinrich Merck

Weimar, den 23. April 1784.

Für deinen langen Brief danke ich recht sehr und es erfreut mich, daß du in deinem Knochenwesen immer so frisch fort arbeitest. Ich habe die Zeit über auch verschiedenes in anatomicis, wie es die Zeit erlauben wollen, gepfuscht, wovon ich vielleicht ehstens Etwas werde produciren können. – Schreibe mir doch, wie sitzt eigentlich daß Horn des Rhinoceros auf dem Nasenknochen? Könntest du mir diesen Theil bis hervor an die Schnauze nicht von deinem Exemplar kopiren lassen, worüber du den Brief an Krusen geschrieben[268] hast? Ich möchte es aber gern ein bischen groß haben. Wie ich aus dem Kupfer bei dem Briefe schließe, sind die Nähte der zusammengefügten Knochen nicht sonderlich sichtbar. Auch wünschte ich, du ließest mir den vordern Gaumentheil des Kopfes, wie er von unten anzusehen ist, zeichnen. – Da ich einige junge Leute gegenwärtig auch nach Knochen zeichnen lasse, so bitte ich dich sehr, mir sobald als möglich nur einen deutlichen Begriff von der Camperischen Zeichenmethode zu machen. Ich habe zwar nach der Epistel an Albin überall hingeschrieben, kann sie aber nicht erhalten. Da er dich selbst einmal hierüber belehrt und dich zu seinem Glauben bekehrt hat, so könntest du mir ja nur eine Abschrift seines Briefes, wenn du ihn finden kannst, machen lassen. Doch wünschte ich, du thätest es sobald als möglich, weil ich bis dahin mit gewissen Dingen inne halten will. Ich bin sehr neugierig, wie es dir bei Campern gehen wird. Schreibe mir doch ja von Klein-Lankum einige Nachricht. Edelsteine zu kaufen, kann ich dir keinen Auftrag geben. Fändest du aber Etwas von Schädeln fremder interessanter Thiere, die nicht gar zu theuer wären, die würden mir sehr angenehm seyn. Z. Ex. eine myrmecophaga, Bradypus, Löwen, Tiger oder dergleichen.

Der alte Büttner ist sehr vergnügt in Jena. Die Bibliothek ist ganz angelangt und wird diesen Sommer rangirt. Sie steht ganz in einem großen Saal des [269] Jenaischen Schlosses. Es ist ein unglaublicher Schatz wegen ihrer Brauchbarkeit. Lebe wohl und antworte mir bald.


6/1918.

An Carl Ludwig von Knebel

Die schöne Versteinerung die du mir geschikt, ist schon lange glüklich angekommen. Verzeihe hab ich dich nicht eher davon benachrichtiget und dir dafür gedankt. Es ist in dem ganzen Jenaischen Kabinete kein vergleichen Stük. Es ist ein Nautilus und kein Ammonshorn, und deswegen merkwürdig weil es so breit und groß und nicht zusammengedrückt ist. Ich danke dir daß du dich vor unsere Ilmenauer neue Anstalt interessirst. Die Hälfte unserer Gewerkschaft ist schon beysammen und es finden sich noch täglich Liebhaber. Mit dem Baue selbst geht es sehr gut. Wir sind schon 16 Lachter nieder und haben nunmehro den Gips erschroten, in welchem wir bis fast aufs Flöz immer bleiben werden. Die sechzehn Lachter stehn in verlohrner Zimmerung und soll dieser Theil des Schachtes in der Folge ausgemauert werden. Wir so haben wenig aber gute Leute bey der Anstalt, und biß iezo betragen sie sich auf das beste. Man kann das Werk mit gutem Gewissen empfehlen. Die Kommission führt die Direktion umsonst und hat also die Gewerkschaft nur die Unterbediente und eigentliche Arbeit zu bezahlen.

[270] Der Tod des Prinzeßchens hat viele Hoffnungen zerstört und Sorgen vermehrt.

Aus einem Briefe von dir an die Fräulein Göchhaußen sehe ich daß du Lust hast uns auf den Sommer zu besuchen. Ich wünsche wenn du es ausführst daß es dir zur Freude gereichen möge, wie ich beinahe fürchte daß es nicht geschehen wird. Denn du findest zu viel verändert um dein altes Leben anzuknüpfen und zu wenig verändert um von vorne anfangen zu können. Ende Mays gehn wir nach Eisenach. Die große Karavane des Hofes fürchte ich wird bey dieser Gelegenheit mehr Beschweerde als Anmuth haben.

Lebe wohl. Verzeih daß ich diesen Brief dicktirt habe, ich verlerne das Schreiben.

d. 24. Apr. 1784.

G.


6/1919.

An Charlotte von Stein

Wenn ich mit meinen Sachen fertig bin, will ich in den Garten gehn, vorher bey dir einsprechen. Der Monat April des Politischen Journals ist noch nicht da.

Lebe wohl. Ich bin dein.

d. 25. Apr. 84.

G.


6/1920.

An die Marquise Branconi

Die Landstände die sonst Fürsten und Ministren auf mehr als eine Weise beschweerlich sind, kommen[271] auch mir immer in den Weeg wenn die Rede ist eine anmutige Reise zu machen, guten Freunden zu begegnen.

Anfang Juni ist Ausschußtag in Eisenach und ich habe bis dahin alle Hände hier voll zu thun, in der Hälfte May kann ich leider nicht abkommen. Gingen Sie später so wäre eher Hoffnung ob ich gleich die Mittel noch nicht recht sehe. Auf alle Fälle geben Sie mir von der Zeit wenn sie heranruckt bestimmtere Nachricht und welchen Weeg Sie allenfalls nehmen könnten um dem Kreise in den ich gebannt bin näher zu rucken.

Lavaters Gesundheit macht mir Sorge. Es wäre ein widerlich Schicksal wenn wir ihn sobald verlöhren. Wenn Sie dieser Brief bey ihm antrifft grüsen Sie ihn vielmals und veranlassen daß ich etwas von seinen Gesundheits Umständen erfahre.

Dem guten Mattei vielen Danck und Grüse. Ich seh ihn schon wieder Geld zählen, und im kurzen Schlafrocke häuslich thun.

Leben Sie wohl, und geniesen iedes guten Tages so sehr als ich Ihnen das Beste wünsche.

Tausendmal Adieu und bitte um nähere Nachricht Ihrer Reise.

Frau Schulthes viele Grüse.

Weimar d. 26. Apr. 1784.

Goethe.


[272] 6/1921.

An Charlotte von Stein

Mit immer neuen Banden fesselst du mich an dich Geliebte ich habe es recht witzig angefangen mich in dich zu kleiden und wollte nun fast ich hätte es nicht gethan. Es dringt etwas ganz neues durch mein Wesen und eine angenehme Unruhe zieht mich zu dir. Wenn ich dich doch noch einen Augenblick sehen könnte. Wahrscheinlich wachst du, gegen sieben komm ich. Ich muß dich sehn wenigstens deine Stimme hören. Noch nicht Adieu.

d. 29. Apr. 84.

G.


[366] 6/1921a.

An Johann Georg Lenz

[April 1784.]

Sollten an einigen fossilen Elephanten-Resten in dem Herzogl. Cabinette Überschriften seyn, die neue Örter anzeigten, wo sie in Deutschland gefunden worden, so erbitte ich mir die Nachricht davon aus: und, wenns möglich wäre, [367] aus der ehemaligen Walchischen Bibliothek ein paar Brochüren, die ich hier nicht auftreiben kann, zur Einsicht: Spleyssii Oedipus Osteologicus und Beyschlag de Ebore fossili, Commercium Nunningii et Cohausenii und Herrmann de Sceleto seu de Ossibus Maslae detectis wenn es auch von dem letzten nur die deutsche Ausgabe wäre.


Obige Nachrichten und Bücher die ein Freund wünscht bitte ich mir bald zu überschicken.

Goethe.


[272] 6/1922.

An Charlotte von Stein

Ich bitte dich um ein Wort und ein Zeichen ich kann nie genug von dir haben. Sag mir daß du wohl bist, daß du mich magst, daß ich dir willkommen seyn werde. Heute früh seh ich dich noch.

d. 4. May 84.

G.


6/1923.

An Charlotte von Stein

Meiner Lotte einen guten Morgen und Anfrage nach ihrem Befinden, und ob sie heute in der grosen[273] oder kleinen Welt seyn wird? Ich dancke dir für gestern und alle vergangne Tage und drücke dich an mein Herz.

Lebe wohl. Die Zeit wo ich dich verlassen soll ängstigt mich. Lebe wohl.

d. 5. May 84.

G.


6/1924.

An Charlotte von Stein

[6. oder 7. Mai.]

Recht feyerlich liebe Lotte mögt ich dich bitten vermehre nicht durch dein süses Betragen täglich meine Liebe zu dir. Ach meine Beste warum muß ich dir das sagen! Du weist doch wohl wie voll Dancks mein Herz für dich ist.

Seit Dejanirens Zeiten ist wohl kein gefährlicher Gewand einem Geliebten gegeben worden, ich habe es in meine Brieftasche geschlossen, es hätte mich aufgezehrt.

Liebe Lotte wenn ich nach Eisenach gehe so laß mich ruhiger scheiden. Wenn doch der May der Monat des Friedens für mich wäre.

Lebe wohl ich bin nah bey dir.

Lebe wohl und laß mich Sonntags nicht lange warten. Ich hoffe schönes Wetter. Adieu.

G.


[274] 6/1925.

An Charlotte von Stein

Freytag Abends [Jena, 7. Mai.]

Wie gerne wollte ich heute den ganzen Tag herumgelaufen seyn, wenn ich Abends mein Lottgen im Alten Schloß fände.

Ich habe mich in die Stille begeben um dir zu schreiben, nun wird bald Loder kommen und es werden Anatomica zur Erhohlung und Ergötzung der Seele vorgenommen.

Mein Geschäffte geht gut, ich habe soviel Geld, Gewalt, Verstand, Menschen und Geschick dazu als nötig ist, und da kanns wohl nicht fehlen.

Sey nur mit deinen Gedancken fleisig bey mir.

Denn ach Liebe Lotte wenn ich nicht die nächste Woche wieder herüber will muß ich den Sonntag noch zu geben, und erst Montag früh von hier abgehn, ich soll mich der schönen Tage nicht mit dir freuen.

Und es kommen balde die leidigen Tage des langen Scheidens, ich weis nicht wie ich sie überstehen werde.

Adieu Geliebte ich habe indessen die Zeit mit Lodern verschwätzt, der nun auch grose Freude an meinem Wercke hat das immer reifer wird.

Lebe wohl, Liebe!

G.


[275] 6/1926.

An Carl Ludwig von Knebel

Schreibe mir doch wenn du kommen wirst, den ganzen Juni bin ich nicht zu Hause, und mögte hoch gern einen Theil deiner Zeit hier mit dir seyn.

Ich biete dir eine artige Wohnung bey mir an wo du frey und ungestört seyn kannst. Wirst du auch manchmal in Tiefurt seyn so ist's doch besser du hast eine Burg im Rücken in die du dich Nothfalls werfen kannst.

Übrigens sage ich dir nichts und freue mich auf dich.

Wenn ich auch noch in Eisenach wäre könntest du recht bequem in meinem Hause seyn, richte dich also ia darauf, es wird dir doch nirgends besser.

Lebe wohl. Ich komme eben von Jena, wo wir Anstalt machen das Verschwemmte wiederherzustellen.

Lebe wohl. d. 9. May 84.

G.


6/1927.

An Caroline Herder

[11. Mai.]

Ich kann nicht verhindern, daß Döderlein geheimer Kirchenrath wird, so unangenehm mir es von mehr als einer Seite ist, für Herdern kann ich das Vergangne nicht wieder gut machen. Die Situation, in der Sie sind, kann ich fühlen, weil ich ähnliche [276] kenne. Nähme Herder den geheimen Kirchenrath an, betrachtete es weder als Ehre noch als Schande (denn welcher Fürst kann seinem Namen Ehre oder Schande anhängen!) so wäre er dadurch in der Klasse, in die er gehört, in der er lange sein sollte; wer vor ihm drinne ist, sei es, über alle Titularen rückt er ohnedies gleich über, es fragt sich, ob Ihr daß Unangenehme, das in der Sache liegen mag überwinden wollt und könnt. Nimmt Herder den Titel nicht, so gebe ich Euch für hier verloren; denn es wird sich alles so verbittern, daß Euch die Verhältnisse unerträglich werden.

Könnte man jetzt auch Döderlein zurückhalten, so käme vielleicht in kurzem ein andrer Fall, und es wäre wieder dasselbe. Der neulich vorgeschlagne Ausweg gefällt mir selbst nicht; man mag verdrüsliche Sachen wenden, wie man will, so werden sie nicht angenehm.

So viel sag ich als Freund, habt Ihr Lust, Aussicht, Hoffnung von hier wegzukommen, nun so laßt es dabei bewenden, laßt Titel haben, wer will, und wartet in der Stille bis Ihr erlöst werdet. Wollt Ihr aber, müßt Ihr aber bleiben, so überwindet das Unangenehme des Moments und Herder nehme das Decret, wie ich meinen Adelsbrief.

Im heutigen Conseil erwartet der Herzog Antwort. Nach Herders letztem Billet muß ich nochmals alles ausschlagen, wenn Sie mir nur vor zehn Uhr [277] ein Wort schreiben wollten. Ich kann nichts mehr sagen, in meinem Obigen liegt alles. Adieu.

Behalten Sie mich als Freund lieb, wenn ich Ihnen als Minister fatal werden muß.

G.


6/1928.

An Charlotte von Stein

Eben dacht ich wie ich gegen 12 Uhr zu dir kommen und dich zum Spaziergang abholen wollte. Du fühlst doch wie glücklich mich deine Bemühung macht mir wohlzutun. Lebe wohl! Wenn es heute gut Glück ist so bring ich diesen Abend mit dir zu.

d. 13. May 84.

G.


6/1929.

An Samuel Thomas von Sömmering

Wohlgeborner

Hochgeehrtester Herr Professor.

Schon seit einiger Zeit liegt ein Brief an Herrn Professor Forster bei mir, und ich weiß nicht, wohin ich ihn schicken soll. Bisher hoffte ich noch immer auf den Reisenden, jetzo aber bitte ich Ew. Wohlgeb. um Nachricht wo er sich aufhält und um die Adresse.

Für die mir communicirten Camperischen Zeichnungen danke ich auf das Beste, und mögte Sie um eine neue Gefälligkeit ersuchen. Die Zoologie macht mir manche angenehme Stunde und Sie könnten dieselben sehr vermehren, wenn Sie mir den Schädel[278] Ihres Elephanten-Skelettes nur auf vier Wochen borgen wollten, er sollte auf das gewissenhafteste verwahrt werden. Könnte ich dabei den Schädel des Nilpferdes erhalten, der, wenn ich nicht irre, im Museo liegt, so wäre mir es um desto angenehmer.

Anfang Juni gehe ich nach Eisenach, könnte ich diese Köpfe dort antreffen, so brauchten sie nicht den Weg hierher zu machen, sondern ich schickte sie Ihnen von Eisenach gleich wieder zurück.

Verzeihen Sie meine Freiheit, und haben Sie die Güte mir nur mit wenigen Worten Nachricht zu geben.

Ew. Wohlgeb.

ergebenster Diener

Weimar den 14. Mai 1784.

Goethe.


6/1930.

An Charlotte von Stein

Da ich mit allerley Kram meine Zeit hinbringe und meine liebe vor Tische nicht sehen kann, soll ihr dies Zettelgen einen Grus tragen und hören wie sie diesen Abendleben wird. Ich hoffe du bleibst meinem Garten wie mir getreu. Vielleicht versuchen wir den keinen Ballon mit einem Feuerkorbe. Sage aber niemanden etwas damit es nicht zu weit herumgreife.

Herders hatte ich eingeladen, sie sind leider bey der Herzoginn Mutter.

Adieu. Ganz dein.

d. 19. May 1784.

G.


[279] 6/1931.

An Charlotte von Stein

Ich bedarf gar sehr eines guten Wortes von meiner Lotte daß sie mich recht lieb hat, daß sie gerne mit mir ist und mein bleibt. Leider werde ich bald nicht mehr den Wunsch so leicht befriedigen können von dir ein Paar Zeilen zu haben. Mein Geist wird immer um dich seyn. Lebe wohl. Liebe mich, wenn's möglich komm ich vor zehn Uhr noch.

d. 21. May 1784.

G.


6/1932.

An Charlotte von Stein

Eben verlangt ich in der Stille recht nach einem Worte von dir. Dancke du beste. Heute früh hab ich mancherley zu thun, dann will ich nach Tiefurt reiten und vorher dich sehen lebe wohl und behalte mich dir immer nah.

d. 22. May 84.

G.


6/1933.

An die Marquise Branconi

Wenigstens empfängt Sie ein Brief unter den Felsen von Langenstein, denn es ist doch am sichersten daß ich dahin diese Zeilen anweise.

Sie haben Lavatern gesehen haben ihn besser verlassen dazu wünsche ich uns allen Glück.

[280] Wie gern hätte ich Ihnen auf irgend einem Weege aufgelauert, die Nothwendigkeit hielt mich zurück, ich bin zu ganz andern Dingen bestellt.

Lassen Sie mich hören wie lange Sie bleiben und in welche Plane Ihr Jahr getheilt ist.

Grüssen Sie die Ihrigen herzlich und den redlichen Matthäi der sehr glücklich ist daß man ihn, wie seinen Nominativum den Evangelisten, nicht anders als in Gesellschafft eines sichtlichen Engels dencken kann. Addio. Weimar d. 24. May 84.

Goethe.


6/1934.

An Philipp Erasmus Reich

Für die mir überschickten schönen Bücher dancke ich auf das beste, sie sollen mit mir nach Eisenach wandern, wo Landschaffts Versammlung seyn, und wohin der Hof sich begeben wird. Vielleicht findet sich doch eine einsame Stunde um der Einsamkeiten geniesen zu können.

Ich empfehle mich zu geneigtem Andencken. Weimar d. 24. May 84.

Goethe.


6/1935.

An Charlotte von Stein

Die Hitze hält mich ab meine Lotte zu besuchen, darum diesen schrifftlichen Grus.

[281] Gegen Abend dächte ich besuchten wir das Prinzgen in Belvedere und frühren über Oberweimar wo wir beym alten Docktor absteigen könnten um sein Wetterbeobachtungs Musäum zu besehn.

Lebe wohl. Liebe mich. Waitz hat mir auserordentlich schön gezeichnete Knochen gebracht die mir viel Freude machen.

d. 26. May 84.

G.


6/1936.

An Charlotte von Stein

Hier schicke ich die verlangten Sachen und noch allerley schönes dazu. Mein Herz ist bey dir mein Geist sehr zerstreut und hin und her gezerrt. Lebe wohl auf diesen Abend.

d. 27. May 84.

G.


6/1937.

An Friedrich Heinrich Jacobi

Nur mit wenig Worten begleit ich diese Hefte für deren Mittheilung ich herzlich dancke. Auch ich lebe ietzt im Scheiden und Entbehren, und wünsche dich noch zur schönen Jahrszeit hier zu sehen.

Übermorgen geh ich nach Eisenach ab und wünschte du schriebst mit dahin ob und wann du kommen kannst, denn ich habe diesen Sommer noch allerley auswärts zu thun.

Lebe wohl grüse die deinigen.

[282] Die Stolbergs mit ihren Frauen sind hier, sie gehn ins Carlsbad. Adieu.

d. 29. May 1784.

G.


6/1938.

An Charlotte von Stein

Sag mir l. L. ob die Stolbergs heute Abend in Tiefurt bleiben werden. Ich gehe nicht hinunter und hoffe dich in meinem Garten zu sehen. Wie freue ich mich der paar geschenckten Tage. Lebe wohl. Behalte immer das Gefühl wie sehr ich dein bin.

d. 29. May 84.

G.


6/1939.

An Johann Christoph Döderlein

Hochwürdiger,

insonders hochgeehrter Herr!

Es erfreut mich, Ew. Hochwürden zu einem neuen Zeichen höchster Zufriedenheit Serenissimi glückwünschen zu können, und ergreife begierig diese Gelegenheit, um Sie zu versichern, daß Ihnen nichts Angenehmes begegnen könne, woran ich nicht lebhaften Antheil nehme. Zugleich statte ich meinen Dank ab, daß Sie bei denen in Jena verschiedentlich zu treffenden nöthigen Anstalten geffäligen Beistand leisten und uns haben in den Stand setzen wollen, darin stärkere Vorschritte zu thun. Lassen Sie auch während der Zeit, daß ich genöthigt bin, mich in Eisenach aufzuhalten, [283] nicht nach, denen Hinterlassenen mit Rath und That an Handen zu gehen. Ich habe besorgt, daß Ew. Hochwürden das Nöthige wegen Berichtigung der Kabinetsrechnung zugestellt werde, und es wird sich auch diese Angelegenheit leicht berichtigen lassen.

Ich empfehle mich Ihnen bestens, und indem ich hoffe, bald nach meiner Zurückkunft in Jena einen Besuch abzustatten, unterzeichne ich mich mit aller Hochachtung

Ew. Hochwürden

gehorsamer Diener

Weimar, den 29. Mai 1784.

Goethe.


N.S. Noch habe ich einen Auftrag, mich bei Ew. Hochwürden nach etwas zu erkundigen. Man wünscht zu wissen, was ein gewisser Doktor Müller aus Halle für ein Mann ist. Serenissimus werden veranlaßt, selbigem einen Charakter zu geben, und da sie es niemals gerne thun, ohne die Person wenigstens etwas näher zu kennen, so habe ich geglaubt, Ew. Hochwürden würden darin am Besten eine unparteiische Auskunft geben können.


6/1940.

An Charlotte von Stein

Alles ist eingepackt und ich habe nur noch von dir Abschied zu nehmen, wie sehr fühle ich daß du der Ancker bist an dem mein Schifflein an dieser Rhede festhält! Du innig Geliebte! Möge dir in [284] deiner Ruhe recht wohl seyn, wo du recht zeit hast an den deinigen zu dencken.

Herdern verlaß ich ungern er ist gar gut lieb und herzlich.

Die Stolbergs haben uns noch einen fröhligen verjüngten Tag gemacht, es ist gar hübsch daß ich vor der Abreise noch einmal in ienen Seen der Jugend durch die Erinnerung gebadet worden. Lebe wohl.

Von Eisenach mehr. Ich lebe dir ganz.

d. 3. Jun. 84.

G.


6/1941.

An Charlotte von Stein

Gotha d. 5. Jun. 1784.

Diese Paar Tage her konnt ich nicht zu einer Ruhestunde kommen meiner Lotte zu schreiben, nun soll sie wenigstens mit diesem Posttage einige Zeilen haben. Seit ich von dir bin hab ich keinen Zweck des Lebens, ich weis nicht wozu mir ein Tag soll an dem ich dich nicht sehen werde, am meisten quält es mich wenn ich etwas gutes geniese ohne es mit dir theilen zu können.

Fritz ist sehr munter, ich habe ihn an alle Orte allein hingeschickt damit er sich betragen lerne und wie ich höre und mercke macht er es recht gut, es freut mich dir ihn immer besser wieder zu bringen.

Man begegnet mir hier sehr freundschafftlich und ich kann offen und zutraulich gegen die Menschen[285] seyn ohne mein Herz hinzugeben das in guter Verwahrung ist.

Ich habe die Schneidern besucht, die mich geiammert hat. Sie ist gewiß ein seltenes gutes Geschöpf, das menschlichem Ansehn nach kein halb Jahr mehr leben kann. Sie trägt ihre Übel mit einer Gelassenheit, ist so verständig beträgt sich so artig daß es mich nicht wundert wenn die beyden Prinzen sehr lebhafften Anteil an ihr nehmen.

Was aus dem Herzog werden soll wenn sie stirbt seh ich nicht, Gott bewahre ieden für so einer Lage. Er hofft noch, ich würde nicht hoffen können. Ich habe es recht lebhafft gefühlt daß ich im Stande wäre in gleichem Falle meiner Geliebten Gift an zu bieten und ihn mit ihr zu nehmen.

Man hat mir allerley schöne Sachen sehen lassen die mich unterhalten haben. Gestern Abend vertraute mir die Oberhofmeisterinn Memoires pour servir à l'Histoire de Mr. de Voltaire ecrits par lui meme unter den feyerlichsten Beteuerungen an. Man sagt das Büchlein solle gedruckt werden, es wird entsetzliches Aufsehn machen und ich freue mich nur darauf weil du es lesen wirst, es ist so vornehm und mit einem so köstlichen Humor geschrieben als irgend etwas von ihm, er schreibt vom König in Preusen wie Sueton die Scandala der Weltherrscher, und wenn der Welt über Könige und Fürsten die Augen aufgehen könnten und sollten so wären diese Blätter wieder eine köstliche[286] Salbe. Allein man wird sie lesen, wie eine Satyre auf die Weiber, sie bey Seite legen und ihnen wieder zu Füssen fallen.

Noch von Weimar her einige Worte. Die Herzoginn hat die ältste Gräfinn sehr zu distinguiren fortgefahren. Ich glaube den Vereinigungs Punckt beyder Seelen zu entdecken und wenn ich dir ihn mittheilen werde sollst du urtheilen ob ich recht habe.

Wie die kleine Agnes mir schöne that und bat ich solle noch einen Tag bleiben, warfen ihr die Brüder vor sie thue es nur weil sie dadurch hoffe den Herzog noch einen Tag zurück zu halten und setzten scherzend die Rangordnung fest, daß er der erste der Weimaraner in ihrem Herzen, ich der zweyte und die Göchhausen die dritte sey. Ich nahm es ohngeachtet ihrer Verteidigung als wahrscheinlich und wahr auf, versicherte daß ich mir fest vorgesetzt habe mit einem Fürsten weder um ein Herz zu streiten noch es mit ihm zu theilen und reiste ab.

Leopold hat mir von Stund zu Stunde besser gefallen und ich hätte wohl gewünscht mit ihm eine Zeitlang zu leben, in den ersten Tagen wenn man mit alten Bekannten wieder zusammen kommt sieht man doch nur das alte Verhältniß biß alsdenn ein weiterer Umgang entwickelt in wie fern sich Menschen verändert haben oder dieselben geblieben sind.

Wie freue ich mich auf einen Brief von dir die ich immer sich gleich und mir nur immer liebevoller [287] gefunden habe. Wie glücklich machst du mich! denn ich mag irgend ein Gut sehen, davon hören oder lesen; so fühle ich daß ich es in dir habe.

Lebe recht wohl und vergnügt in deiner Stille. Mir haben diese wenigen Tage schon sehr gut gethan ich bin wohl und munter und freue mich auf die Eisenacher Felsen wo ich dein gedencken und wo möglich dir etwas zeichnen werde. Die Nation selbst freut mich nicht und alles, sogar Madm. Ackermann wiederzufinden damit man ia glaube man sey zu hause ist nicht das anmutigste wenn man entfernt von der Beliebtesten fühlt daß man sehr weit von Hause ist.

Adieu heute werde ich deinen Ring anstecken, und mich im Stillen deiner Liebe bey dessen Anblick erfreuen. Morgen gehe ich nach Eisenach und du hörst bald wieder von mir.

Die Öttinger hab ich besucht.

Lebe wohl du einzige.

G.


6/1942.

An Charlotte von Stein

Eisenach d. 7. Jun. 84.

In Gotha ist es mir recht gut gegangen, und es hat mir sehr wohl gethan meine Seele auch nur auf einige Tage ausgespannt zu haben. Einigemal überfiel mich ein recht schmerzliches Verlangen nach dir, und nahm mir den Genuß des gegenwärtigen Guten.

[288] Hier habe ich's gefunden wie es zu erwarten war. Die Hofleute klagen über Langweile, über stehen, geben, fahren, Staub, Hitze, Berge u.s.w. Loben die Gegend auserordentlich und haben keinen Genuß davon. Die Herzoginn sieht munter und ist von den Menschen sekkirt. Der Herzog streicht in der Gegend herum pp.

Ich bin mit der grösten Gelassenheit angelangt und werde alles eben so gleichmütig abwarten. Wie unterschieden von dem Törigen dunckeln Streben und Suchen vor vier Jahren, ob ich gleich manche anmuthige Empfindung voriger Zeiten vermisse.

Die Berge und Klüffte versprechen mir viel Unterhaltung, sie sehen mir zwar nicht mehr so mahlerisch und poetisch aus, doch ist's eine andre Art Mahlerey und Poesie womit ich sie ietzt besteige.

Voigt ist hier und macht meinen Vorläufen damit ich nur interessante Stellen besuche.

Die Fürsten haben sich besprochen auf dem Inselsberg zusammen zu kommen, ich werde mich mit einer besondern kleinen Gesellschafft gleichfalls dort einfinden.

Zu meiner grosen Freude ist der Elephanten Schädel von Cassel hier angekommen und was ich suche ist über meine Erwartung daran sichtbar. Ich halte ihn im innersten Zimmergen versteckt damit man mich nicht für toll halte. Meine Hauswirthinn glaubt es sey Porzellan in der ungeheuren Kiste.

Wir sind sehr schön und bequem einquartirt. Fritz[289] ist sehr vergnügt und wohl. Die Prinzen haben ihm in Gotha einen grosen Drachen geschenckt den wir in dem Wagen mit nahmen.

Zum Schrecken aller wohlgesinnten geht die Rede als sollten die Memoires des Voltaire von denen ich schrieb gedruckt werden, mir macht es ein groses Vergnügen damit du sie lesen kannst. Ich soll eins der ersten Exemplare erhalten und ich schicke dir es gleich.

Du wirst finden, es ist als wenn ein Gott (etwa Momus) aber eine Canaille von einem Gotte, über einen König und über das Hohe der Welt schriebe. Dies ist überhaupt der Charackter aller Voltairischen Witz Produckte, der bey diesen Bogen recht auffällt. Kein menschlicher Blutstropfe, kein Funcke Mitgefühl, und Honettetät. Dagegen eine Leichtigkeit, Höhe des Geistes, Sicherheit die entzücken. Ich sage Höhe des Geistes nicht Hoheit. Man kan ihn einem Luftballon vergleichen der sich durch eine eigne Luftart über alles wegschwingt und da Flächen unter sich sieht, wo wir Berge sehn.

Lebe wohl liebe Lotte. einige Stunden werden nun aus Pflicht verdorben dann hoffe ich gegen Abend einen anmutigen Spaziergang, wo ich dein mehr gedencken werde als mir gut ist.

Du fühlst doch wie ich dich liebe.

Jeder Buchstabe dieses Briefs wird dir es sagen.


[290] Abends.

Ein Tag vorbey! Wie? das wirst du fühlen wenn du dich der letzten glücklichen Zeiten erinnerst, die wir nie so schön zusammen zubrachten. Gute Nacht.


d. 7. Jun. Nachts.

Eh ich zu Bette gehe muß ich mich noch einige Augenblicke mit dir unterhalten ob ich dir schon auf dem vorigen Blatte gute Nacht gesagt habe. Es thut mir so ungewohnt daß ich dir nicht alle meine Gedancken entdecken und mittheilen kann.

Einige Neuigkeiten.

Osann fordert nicht weniger als 800 rh., eine Pension für seine Frau auf den Fall seines Ablebens von 200 rh., für den iungen Hufland auch etwas pp. In so fern es wieder über die Caffe geht ärgerts mich, wenn ich's gleich im Grunde billigen muß, denn ein alter Leibmedikus wäre Streiche werth wenn er nicht wüßte daß man zur rechten Zeit keine Bedingungen machen, das Eisen schmieden muß wenn es warm ist. Bleiben sie auf ihren Forderungen; so werden sie ihnen wahrscheinlich zugestanden, überlassen sie es der Diskretion und gehn auf ein unbedingt Versprechen von künftiger Verbesserung ein; so findet sich nie, oder doch so leicht nicht der Terminus a quo da man glaubt es ihnen geben zu können.

Gegen Abend fing ich einen Spaziergang nach alter Art an, gerade zu über Zäune Hohlweege, [291] Thäler und Felsen, ein Regen hies mich abbrechen, ich that es gern da er der Erde so erwünscht kommt.

Ein schön Mineralienkabinet bey Appelius habe ich gesehn! Nur einen Teil. Es sind schöne Sachen darinne die ich noch nicht kannte. Es wird mich noch manchmal unterhalten.

Sodann habe ich den grosen Schädel zu studiren angefangen und finde mehr als mir lieb ist, wieder neues und neues, und doch studirt man darum die Natur. Nun im Ernste gute Nacht du beste einzige.


d. 8. Jun. Abends.

Deine lieben Briefe sind angekommen, und ach ich bin deiner Gegenwart so gewohnt daß sie mir kalt vorkamen, daß ich erst wieder mich gewöhnen musste deiner Handschrifft eben den Sinn zu geben den die Worte von deinen Lippen haben.

Schreibe mir ia recht fleisig und viel.

Wir haben einen Improvisatore hier gehabt, den ich nur kurz gehört habe, er macht seine Sachen recht gut, ich hätte gewünscht ihn länger und in seinem Glanze zu sehen.

Deinen Ring hatte ich in Gotha angesteckt, und die Leute konnten glauben ich freute mich darüber als Kleinod. Es war dein lieber Buchstabe meine Lotte der meine Lust und mein Stolz war. Hier muß ich ihn verborgen halten und mein alter gewohnter Gefährte fehlt mir auch.

[292] Wenn ich dich in Kochberg dencke wie sehr wünsche ich bey dir zu seyn! Wie sehr würde ich mich freuen dich zu unterhalten und dir tausend Gedancken mitzutheilen.

Sehr wohl habe ich auf unsern letzten Spaziergängen gefühlt wie schlecht ich deine Abwesenheit würde ertragen können. Schon heute hab ich Projeckte gemacht ob es nicht möglich sey dich auf einen Tag zu besuchen. Dann habe ich mich gescholten daß ich dich nicht beredet mit hierher zu gehn und finde daß es so schön angegangen wäre, daß es so natürlich gewesen wäre.

Tausendmal Adieu. Ich bin mehr als iemals dein.

Fritz streift herum. Dieser Aufenthalt wird ihn sehr bilden helfen, nochmals lebewohl, du weist wie ich nicht von dir kann. Mein Herz lässt keinen Augenblick von dir. Adieu


6/1943.

An Samuel Thomas von Sömmerring

Sie haben mir durch Übersendung des Elephanten-Schädels ein großes Vergnügen gemacht. Er ist glücklich angelangt, und ich verwahre ihn in einem kleinen Cabinete, wo ich ihm heimlich die Augenblicke widme, die ich mir abbrechen kann, denn ich darf mir nicht merken lassen, daß ein solches Ungeheuer sich in's Haus geschlichen hat.

Mein Wunsch wäre nur ihn mit nach Weimar [293] nehmen zu können, von da Sie ihn längstens Anfang September, wenn Sie ihn nicht eher brauchen, zurück haben sollen. Ich mögte ihn gar gerne mit einem großen Schädel, den wir besitzen, und mit andern Thierschädeln vergleichen, besonders da meine Hoffnung, die meisten Suturen und Harmonien unverwachsen zu finden, glücklich eingetroffen ist. Wie sehr mich diese Wissenschaft, der ich im eigentlichen Sinne nur Minuten widmen kann, anzieht, werden Sie leicht fühlen, da Sie sich ihr ganz gewidmet haben. Welch Vergnügen würde es mir sein, Ihnen bald einmal von meinen kleinen Bemühungen Rechenschaft geben zu können.

In Weimar haben wir einen Ballon auf Montgolfierische Art steigen lassen, 42 Fuß hoch und 20 im größten Durchschnitt. Es ist ein schöner Anblick, nur hält sich der Körper nicht lange in der Luft, weil wir nicht wagen wollen, ihm Feuer mitzugeben. Das erstemal legte er eine Viertelstunde Wegs in ungefähr 4 Minuten zurück, das zweitemal blieb er nicht so lange. Er wird ehstens hier steigen.

Auf den Schädel des Hippopotamus hatte ich gleich nicht so sicher gerechnet als auf Ihre Gütigkeit. Vielleicht glückt es in der Folge. Durch wen könnte man denn etwa dazu gelangen? Besonders da der Herr Landgraf abwesend ist. Ich kenne die Verhältnisse in Cassel wenig, und weiß nicht wer über Todte und Lebendige gebietet.

[294] Ich freue mich recht auf Mercken, wenn er von Klein Lanckum zurückkommt, er wird sich so vollpfropfen und es wacker wiederkäuen.

Ich komme noch einmal auf den Schädel zurück. Die ossa unguis waren mir ein erwünschter Anblick. Eh' ich von Weimar ging, zeichnete ich auf unsern großen Schädel die Suturen wo ich sie muthmaßte, um nachher zu sehen wo ich mich geirrt hätte. Von den ossibus unguis fand ich keine Spur.

Wenn Sie zu irgend einer Druckschrift etwa ein Präparat zu zeichnen oder zu stechen haben, so schicken Sie es mir, ich habe einem jungen Menschen Anleitung gegeben nach der Camperischen Manier zu arbeiten, er verspricht viel. Leben Sie recht wohl.

Ew. Wohlgeb.

ergebenster Diener

Eisenach den 9. Juni. 1784.

Goethe.


6/1944.

An Charlotte von Stein

[Eisenach] Mittwoch d. 9ten Jun. 84. Abends.

Werde es nur nicht müde zu hören daß mir deine Abwesenheit unerträglich ist und daß ich den Tag über tausend närrische Einfälle habe um dich zu sehen.

Heute habe ich bey den Felsen den ersten Besuch abgelegt und bin davon wohl zufrieden, es werden [295] mir auf dieser Reise allerley Lichter aufgehen, man muß nur suchen und immer wiederkommen.

Unsre Geschäffte gehn einen leidlichen Gang, nur leider aus nichts wird nichts. Ich weis wohl was man statt all des Rennens und Laufens und statt der Propositionen und Resolutionen thut sollte.

Indessen begiest man einen Garten da man dem Lande keinen Regen verschaffen kann.

Wie eingeschränckt ist der Mensch bald an Verstand, bald an Krafft, bald an Gewalt, bald an Willen.

Die Stunden die dein gehören bring ich alleine zu; so freundlich mir die Menschen sind kann ich doch nichts mit ihnen verkehren. Ich binn nun eingewöhnt und verwöhnt dir anzugehören und bin auf diesen Punckt abgeschnitten, das heist nach Lavaters Terminologie so gut wie wahnsinnig.

Heute habe ich ganz köstliche Weege durchwandelt nicht ohne Beschweerde, und habe wie immer bey iedem schönen Gegenstande dich mir herbeygewünscht.

Leider würdest du, wenn du auch hier wärest die meisten nicht sehen können.

Durch den italiänischen Improvisator belebt hab ich im Spazieren versucht auch aus dem Steegreife Verse in deutscher Sprache hinzugiesen, es hat ungleich mehr Schwierigkeiten, doch müsste es auch, mehr oder weniger gehn, wenn man sich drauf legte.

Kannst du dir denn nichts ersinnen uns hier zu besuchen.


[296] d. 10. Jun. 84.

Heute habe ich einen angenehmen Tag zugebracht. Die Herzoginn ist mit der Wedel allein nach Wilhelmsthal ich bin zu Mittage hinausgeritten und komme erst iezo halb eilfe zurück. Erst fand ich den Prinzen von Barchfeld und dann waren wir allein. Sie war anmutig und offen, und ich konnte mit ihr reden wie ich mit dir rede, einige Punckte ausgenommen die deine Regalien sind.

Unsre Geschäffte scheinen einen schnelleren Gang zu gehen als wir hofften, doch will ich mich nicht zu frühe erheben, ich habe es schon öffter erlebt daß sie sich wieder in's weite lenckten. Fritsch will gerne auf sein Gut und befördert also was er kann. Ich mag mir gar nicht dencken wie glücklich ich wäre. Gute Nacht.


d. 11. Jun.

Ich habe dir noch nicht gesagt daß die Bechtolsheim, die so gesund aussah als sie uns das letztemal verlies, sehr kranck niedergelegen. Sie bessert sich. Es thut mir leid um sie daß sie die ganze schöne Hofepoque auf dem Bette verpassen muß.

Man sagt mir ich könne in 31 Stunden in Franckfurt seyn, und ich kann nicht den flüchtigsten Gedancken haben dorthin zu gehn. So hast du meine Natur an dich gezogen daß mir für meine übrigen Herzenspflichten keine Nerve übrig bleibt.

Mit der fahrenden sende ich dir allerley Sachen, [297] besonders einen Traum von Fritz Stolberg in Hexametern. Ein recht himmlisch Familienstück. Man muß sie kennen, sie zusammen gesehen haben um es recht zu geniesen.

Mein Himmel ist einsamer, du machst den ganzen Kreis desselben aus.

Du glaubst nicht wie Schreibfaul ich bin, an dich allein mag ich schreiben wie ich allein mit dir reden mag. Wenn ich mit andern selbst vernünftigen Menschen spreche, wie viel Mittel Töne fehlen die bey dir alle anschlagen. Alles was die Menschen suchen habe ich in dir.

Major Niebecker dessen du dich von Alters vielleicht erinnerst, er wohnte hier, hatte drey Töchter die sich durch Sonderbarkeiten auszeichneten, erbt einen verwandten in Paris, der ihm im gewissen dreymalhunderttausend Thaler hinterlässt, andre sprechen gar von 2 Millionen Livres. Die Famielie hatte wenig Hoffnung zur Erbschafft dieses Mutterbruders, der ihnen im Leben wenig Guts erzeigte, und von dem man glaubte er habe von einer Maitresse Kinder die er zulezt für die seinigen erklären und ihnen das Vermögen zu wenden würde.


d. 12ten.

Heute haben wir eine mineralogische Spazierfahrt gemacht und uns auf gut bergmännisch wacker erlustigt. Der einfache Faden den ich mir gesponnen habe, führt mich durch alle diese unterirdische Labyrinthe gar [298] schön durch, und giebt mir Übersicht selbst in der Verwirrung.

Ich möchte dich nur immer von meiner Liebe unterhalten. Wie einsam ich bin lässt sich nicht mit Worten ausdrucken. Ich sehe niemand, und wenn ich iemand sehe ist nur eine Gestalt von mir in der Gesellschafft.

Ich ging in die Commödie nur um Menschen zu sehen, und konnte zuletzt nicht mehr bleiben, das Stück war unendlich, und mein Vorrath Communikabilität alle aufgezehrt.

Stein sagt mir er habe Briefe von dir, ich habe noch keine heut, noch hoff ich immer darauf, es wäre mir gar zu betrübt wenn ich leer ausgehn sollte, und du über deiner Wirthschafft und Häuslichkeit mich vergäsest.

Fritzen geht es sehr wohl. Er ist mit soviel neuen Gegenständen umgeben mit denen er spielen kann, mag und darf.

Lebe wohl meine Lotte, ich darf nicht weiter schreiben, denn der Brief muß auf die Post. Lebe wohl, Liebe mich, Sage mir's und mache mich in dir glücklich. Wie befindest du dich? Es fällt mir manchmal ein du könntest nicht wohl seyn. Adieu.

G.


[299] 6/1945.

An Charlotte von Stein

[Eisenach] Sonntags d. 13. früh.

Auch mit der Post die Heute Nacht angekommen habe ich nichts von meiner Lotte erhalten, so sehnlich ich es gewünscht.

Hier schicke ich die versprochnen Sachen und einen lustigen Brief von der Göchhausen dazu.

Behalte mich lieb.

Stein freut sich über deine Wirthschafftlichkeit und ist gar gut gegen mich.

Die Frau von Lengefeld ist hier durch, ich habe sie nicht gesehn.

Ich muß schliesen. Denn ein Bote nimmt dieses Packet mit.

Adieu l. Lotte. schreibe mir doch bald schreibe mir immer.

G.


6/1946.

An Charlotte von Stein

[Eisenach] Montags d. 14. Jun.

Ich fange wieder einen Brief an und was habe ich dir zu sagen als daß es mir immer schmerzlicher wird von dir entfernt zu seyn, daß ich vergebens meinen Geist der sich an diese Richtung so sehr gewöhnt hat nur auf Augenblicke wegzuwenden suche. [300] Noch habe ich keine fröhliche Empfindung gehabt seit ich hier bin und sie wird mir auch erst bey deinem Anblick wieder werden du lieber Innbegriff meines Schicksals.

Wenn ich mir auch vornehme dich nicht mit meiner monotonen Leidenschafft zu unterhalten; so fliest es mir widerwillen aus der Feder.


Abends.

Heute hat uns Frau v. Herda nach Creutzburg auf die Saline beordert, wäre es schön Wetter gewesen so hätten wir ihr dancken müssen, da aber starcker Regen einfiel; so ward der guten Frau die beste Mühe mit Undanck belohnt.

Gestern war der Herzog von Gotha und Prinz August hier. Letzter trug den Nahmen Charlotte von den Haaren seiner Schwägerinn in einer Nadel an der Krause, ich wollte du erlaubtest mir so auch den deinen zu tragen noch lieber in einem Ringe.

Ich habe den Prinzen in der Antichambre so laut lachen gemacht daß alles sich verwunderte. Es war nicht so wohl ein bon mot, als es ward ein's und es lässt sich nicht wieder erzählen. Mich freute es herzlich ihn so lachen zu sehn. Da es mir beynahe geht wie Carlin, der selbst traurig andern Freude machte.

Ich werde hier nicht froh. Berge und Felsen, Wälder und Wolcken vermögen nichts über mich da du mir fehlst. Wie beneid ich dich daß du mich [301] so sehr, und so viel ruhiger und glücklicher lieben kannst.

An Wilhelm habe ich hier und da eingeschaltet und am Style gekünstelt daß er recht natürlich werde und habe nun den Schluß des Buchs recht gegenwärtig. Wenn ich wieder zu dir komme wollen wir es schliesen. Ich habe Liebe zu dem Wercklein weil ich dencke es macht dir Freude.

Nun gute Nacht. Fritz hat an meine Mutter o geschrieben, und er räth mir gar sehr an sie zu besuchen er kann nicht begreifen daß ich so viel zu thun habe.


den 15. Jun.

Es geht ein Husar nach Weimar dem ich dieses Blat mitgebe und darum nichts hinzufüge. Lebe wohl. Du hörst bald wieder von mir.

G.


6/1947.

An Charlotte von Stein

[Eisenach] d. 17. Juni 84.

Gestern den 16ten erhielt ich erst deinen liebsten Brief der bis zum 13ten geht. Du wirst nun gewiß auch Briefe von mir haben. Auf einem beyliegenden Zettelgen schreibe ich dir was ich abgeschickt habe.

Da ich die Memoires de Voltaire eben erhalte muß ich dir sie gleich schicken, und es verlangt mich nach schnellerer Nachricht von dir. Ich will einen [302] Boten absenden damit ich gewiß weis daß mein Packt bald in deine Hände kommt.

Wie einsam ich bin werden dir meine Briefe gesagt haben. Ich esse nicht bey Hofe, sehe wenig Menschen, gehe allein spazieren und an iedem schönen Plaz wünsche ich mit dir zu seyn. Ich kann mir nun nicht helfen daß ich dich lieber habe als mir gut ist desto besser wird mir seyn wenn ich dich wiedersehe.

Meine Nähe zu dir fühl ich immer, deine Gegenwart verläßt mich nie. Durch dich habe ich einen Maasstab für alle Frauens ia für alle Menschen, durch deine Liebe einen Maasstab für alles Schicksal. Nicht daß sie mir die übrige Welt verdunckelt, sie macht mir vielmehr die übrige Welt recht klar, ich sehe recht deutlich wie die Menschen sind was sie sinnen wünschen, treiben und geniesen, ich gönne iedem das seinige und freue mich heimlich in der Vergleichung, einen so unzerstörlichen Schatz zu besitzen.

Dir geht es in der Wirthschafft, wie mir manchmal in Geschäfften, man sieht nur die Sachen nicht weil man die Augen nicht hinwenden mag und sobald man die Verhältnisse recht klar sieht haben die Dinge auch bald ein Interesse. Denn der Mensch mag immer gerne mitwürcken, und der Gute gern ordnen, zurechtlegen und die stille Herrschafft des rechten befördern.

Den Elephantenschädel nehm ich mit nach Weimar.

Meine Felsen Spekulationen gehen sehr gut. Ich sehe gar viel mehr als andere die mich manchmal begleiten [303] und auch auf diese Sachen aufmerksam sind, weil ich einige Grundgeseze der Bildung entdeckt habe, die ich als ein Geheimniß behalte und deswegen die Gegenstände leichter beurtheilen kan.

An Wilhelm habe ich nicht weiter geschrieben. Manchmal geh ich das geschriebne durch und arbeite es aus, manchmal bereit ich das folgende. Wenn ich wieder dicktiren kann soll dieses Buch bald fertig seyn.

Unendlich werden dich die Memoires unterhalten. Uns andern die zum Erbtheil keine politische Macht erhalten haben, die nicht geschaffen sind um Reichthümer zu erwerben, ist nichts willkommner als was die Gewalt des Geistes ausbreitet und befestigt. Nun schweig ich auch ganz stille von dem Büchlein um zu hören was andre drüber sagen.

Wenn du es gelesen schick es doch gleich an Herdern mit Bitte es noch geheim zu halten.

Fritz ist glücklich und gut. Er wird ohne es zu mercken in die Welt hineingeführt und wird damit bekannt seyn ohne es zu wissen. Er spielt noch mit allem, gestern lies ich ihn Suppliquen lesen und sie mir referiren. Er wollte sich zu Todte lachen, und gar nicht glauben daß Menschen so übel dran seyn könnten wie es die bittenden vorstellen.

Adieu du tausendmal Geliebte.


[304] 6/1948.

An Charlotte von Stein

[Eisenach] Freytags d. 18ten Jun. 84.

Ich bin stille und ruhig in Hoffnung daß ich Sonntags gewiß Nachricht von dir haben werde. Mein glücklicher Abgesannter ist in dem Augenblicke da ich dieses schreibe bey dir.

Unsre Angelegenheiten gehn noch leidlich und ich könnte bald Hoffnung fassen zu entwischen. Lieber will ich mich auf diesen Monat gar resigniren, denn gegen das Ende giebts doch allerley das man nicht mit Ungeduld und Übereilung thun muß.

Das Wetter das den Landwirthen angenehmer als uns Spaziergängern ist hält uns zu Hause und ich kan meinen Untersuchungen nicht folgen wie ich will. Jedermann berufst mich über meine Einsamkeit, sie ist iedermann ein Rätzel und niemand weis mit welcher köstlichen Unsichtbaren ich mich unterhalte.

Von der Niebeckerischen Erbschaft schrieb ich dir neulich es ist gewiß daß sie 1 Million Livres beträgt.

Das Tableau de Paris hat mein Verlangen diese Stadt zu sehen vermehrt und vermindert.


Sonnabends d. 19ten.

Mein Bote ist nun schon wieder von dir weg, und wieder auf dem Weege zu mir. Mit welchem Verlangen ich ihn erwarte!

[305] Merck hat einen Brief an die Herzoginn Mutter über Campern geschrieben davon ich dir einen Theil durch Fritzen habe kopiren lassen.

Gestern Abend habe ich auf der Wartburg einer Luft und Wolckenscene beygewohnt, wovon ich noch keinen Begriff hatte daß so etwas möglich sey. Mit Worten ist auch nicht der kleinste Theil davon zu beschreiben. Mein sehnlichster Wunsch wenn mir so etwas guts begegnet ist nur daß du gegenwärtig seyn mögest.

Für heute nimm hiermit vorlieb. Ich wollte diesen Posttag nicht vorüber gehen lassen.

Ich habe auch einen Brief von Merck früher als der Herzoginn hier schick ich ihn dir.

Lebe wohl du beste. Ich lebe für dich und mein beständiger fortdaurender Wunsch ist dir zu leben dir Freude zu machen, dir zu nützen, dein zu seyn.

G.


6/1949.

An Charlotte von Stein

[Eisenach] d. 20ten Juni 84.

Wieder ein Tag den ich in deinem Nahmen anfange. Ich habe heute Briefe von Tiefurt und von Herders erhalten, diese sind gar lieb und gut gegen mich. Sie stehen mit deinem Bruder übel, ich sehne mich auch um ihrentwillen sehr nach Hause.

In wenigen Stunden erwarte ich meinen Boten zurück, wie wird mich eine Zeile von dir erfreuen!

[306] Die Bechtolsheim ist wieder besser, und gleich wieder so munter und genüglich wie du sie kennst. Sie erzählt mir was die Leute von mir sagen. Frau von Lichtenstein in Gotha hat ihr versichert: Qu'elle m'avoit trouvé entierement changé, que ie n'etois pas seulement presentable partout, mais meme aimable.

Es ist mir als wenn ich dir diese Aneckdote schon einmal geschrieben hatte. Ich dencke so viel an dich und was ich dir schreiben will daß es in meinem Gedächtniß zusammen fliest. Du siehst wenigstens daraus wie angelegen mir ist dir zu sagen daß die Menschen deine Wahl in ihrer Sprache nicht misbilligen. Ach ich weis von alle dem nichts, fühle nichts als daß du mich liebst.

Mein Bote ist glücklich wieder zurück, und hat mir so viel von dir mitgebracht! Wie erfreut bin ich, wie sehr hast du mein Leben erneut.

Der Ring ist mir eine wahre Wohlthat und accurat recht. Ich lies mir viel erzählen wie er dich getroffen hatte. Ich weis es hat dir eine rechte Freude gemacht.


d. 21ten.

Mit wie viel Freude les ich deine Briefe wieder. Schon gewöhne ich mich auch den geschriebnen Worten deine Liebe anzusehn, verzeih mir wenn der Mangel deiner Gegenwart mir selbst die geliebte Handschrifft kalt machte.

[307] Ich habe mit Bätty einen Spazierritt gemacht und ein Cammergut besehen, nachher sind wir in der Gegend umhergeritten, sie ist so reich und schön als sich etwas dencken lässt.

Gerne wollt ich des Tags meine Schuldigkeit thun und was mir auferlegt ist treiben wenn ich nur Abends dich wieder erreichen könnte.

Es geht ein Husar nach Weimar der dieses Blat mitnehmen soll. Es reut mich daß ich einige Stunden in der Commödie und nicht mit dir zugebracht habe. Künftigen Winter wird das wieder unsre beste Zeit seyn wenn die andern im Schauspiele sind und wir für uns ein hergebrachtes liebes stilles Leben führen.

Leider wird mir der Sommer nicht zur schönen Jahrszeit da er mich gewöhnlich von dir entfernt.

Schreibe mir nur recht viel. Ohne dich ist mir eine Lücke in meinen Tagen die ich noch nicht ausfüllen lerne.

Lebe wohl du lieber Innbegriff aller meiner Freuden und Schmerzen, Lebe wohl.

G.


6/1950.

An Johann Gottfried und Caroline Herder

Schon so lange ich hier bin gehe ich mit einem Briefe an Euch um, nun kommt mir der Eurige zuvor. Tausend Danck.

[308] Mein Sutor wird Euch gegrüst haben, heute erwart ich ihn zurück.

Hier bin ich abgeschnitten. Einen guten Nachmittag habe ich bey der Herzoginn in Wilhelmsthal zugebracht, wo ich meist redete wie ich dachte, übrigens bleibt alles eng und verschlossen.

Daß Menschen hier sich nähren und rühren ist ein fröhliger Anblick, leider ist's auch nicht allgemein.

Sömmering hat mir den Elephanten Kopf, der von der grösten Merkwürdigkeit ist, hierhergeschickt, ich bringe ihn mit nach Weimar. Für meine Untersuchung besonders ist er unschätzbar. Ich finde den grösten Theil dessen was ich gesucht habe daran, und wie es zu gehn pflegt, mehr als ich gesucht habe. Er hat mir auch Campers unedirte Tafeln die einen solchen Schädel mit Muskeln vorstellen zugeschickt.

Auf den Felsen bin ich fleisig herumgestiegen, und habe viel gefunden das mir taugt. Auch glaube ich ein ganz einfach Principium entdeckt oder vielmehr so angewendet zu haben daß es die Bildung der gröseren Steinmassen völlig erklärt.

Bey unsern Geschäfften interessirt mich ein einziger Punckt und der ist abgethan. Übrigens ist da keine Freude zu pflücken. Das arme Volck muß immer den Sack tragen und es ist ziemlich einerley ob er ihm auf der rechten oder lincken Seite zu schweer wird.

[309] Fritz Jakobi wird nicht kommen, er hat mir einen Brief geschrieben woran ich sehe daß es ihm sehr übel zu Muthe ist.

Erhaltet mir Eure Liebe denn ich bedarf ihrer, Ich liebe Euch herzlich und freue mich aufs Wiedersehn. Ich gehe hier herum wie ein verlohren Schaaf und finde nicht was meine Seele sucht.

Das fünfte Buch Wilhelm Meisters ruckt auch sachte zu ich wünsche ihm wie den vorigen gute Aufnahme.

Hamans Grus erwiedre ich danckbar, ich dachte nicht daß er von mir wisse.

Frau v. Stein wird dir das Muster aller Schandschrifften, Voltaires Memoires die eigentlich nur sein Verhältniß mit dem König in Preusen betreffen, zuschicken. Die Zeitungen sagen der alte Löwe gebe sich alle Mühe das Mercklein in Paris unterdrucken zu lassen, und das ist die schlimmste Partie die er ergreifen kann.

Lebet wohl und liebet. [Eisenach] d. 20. Juni 1784.

G.


6/1951.

An Charlotte von Stein

[Eisenach] d. 23. Jun. 84.

Es ist noch immer im Alten und ich habe dir nichts neues zu sagen, dieser Monat und die ersten [310] Tage des folgenden gehn noch vorüber eh ich dich sehn werde. Ich warte wieder sehnlich auf Briefe und freue mich iedes Tags der vorüber ist. Sonst geht mir's wohl ich bin artig gegen die Menschen und altes ist freundlich, mein Geist ist immer heimlich nach dir gerichtet.

Die Seckendorf und Carolingen sind hier, die letzte geht mit der Gräfinn Backov wieder fort.

Habe ich dir schon gesagt daß Osann hier ist, daß die Herzoginn sich besser befindet, und iedermann an Hofe auch für seine eigne Person voll Trostes ist. Mir ist es um deinetwillen ein Geschenck, da er nun bey uns bleibt wird er dir von groser Hülfe seyn. Denn ich bin täglich mehr überzeugt der alte sah zuletzt für lauter Wissenschafft gar nichts.

Je älter man wird desto mehr verschwindet das einzelne, die Seele gewöhnt sich an Resultate und verliert darüber das Detail aus den Augen. So glaub ich auch der Alte sah zuletzt nur die Kranckheit nicht den Krancken. Auch ist das Glück und die Frauens für die Jugend, sie bedarf keiner Hülfe und ist Hülfe reich.

Das böse Wetter hindert mich an meinen Felsen Spekulationen, eh ich weg gehe will ich noch ein Paar Tage dran wenden und die Gebürge durchstreichen. Wenn ich mir nur ein Andencken für dich irgendwo aussinnen könnte. Ich hatte vor in irgend einen Felsen einhauen zu lassen:


[311] Was ich leugnend gestehe und offenbarend verberge

Ist mir das einzige Wohl, bleibt mir ein reichlicher Schatz

Ich vertrau es dem Felsen damit der Einsame rathe

Was in der Einsamkeit mich was in der Welt mich beglückt.


Eben da ich dieses schreibe kommt dein lieber Brief, und ein Brief von meiner Mutter den ich dir mitschicke.

Wie dancke ich dir für deine Liebe meine beste und daß du sie so ausdrücken magst. Wie eifrig hoffe ich auf's wiedersehn.


d. 24. Jun.

Gestern war ich bey Streibers zu Tische und ganz vergnügt. Du kannst meine treue Seele auch daran erkennen daß ich auch meiner hiesigen Inklination treu bin. Da Vicktorgen nicht koquett ist und doch artig, unterhaltend und nicht zärtlich so erlaubst du mir ia wohl daß ich ihr freundlich bin.

Ich sinne noch immer wie und wo ich die Innschrifft anbringen soll. Hier ist noch eine die ich der Hermannsteiner Höhle zugedacht habe.


Felsen sollten nicht Felsen und Wüsten Wüsten nicht bleiben

Drum stieg Amor herab sich und es lebte die Welt.

Auch belebt er mir die Höle mit himmlischem Lichte

Zwar der Hoffnung nur doch ward die Hoffnung erfüllt.


[312] Nur noch eh ich zu Bette gehe ein Wort für tausend. Es wird mir so ein unüberwindlich Bedürfniß dich zu sehen daß mir wieder einmal für meinen Kopf bange wird. Ich weis nicht was aus mir werden soll. Gute Nacht. Wie sehr fühle ich die Glückseeligkeit des Schlafs.


d. 25ten.

Heute hab ich recht im Ernste überlegt ob ich nicht auf einen Augenblick zu dir eilen soll. Es geht nicht und geht nicht, ich muß meine Geduld zusammen nehmen.

Ich schicke dir recht wunderbare Briefe die ich erhalten habe die dich erfreuen werden, hebe mir sie auf bis ich wieder zu dir komme. Heut Abend muß ich zu Herda wie wohl wäre es mir wenn ich mich ausziehen und zu Hause bleiben dürfte.

Merckens Glückseeligkeit freut mich herzlich. Ich lebe nur in dir und bin glücklich daß ich dir alles mittheilen kann.


Nachts.

Gute Nacht Liebste. Fritz tanzt im Hemde zu Bette, ich habe ihn herzlich an mich gedrückt und fühle daß ich nur gern um seinet und deinetwillen lebe.


[313] 6/1952.

An Christian Bernhard von Isenflamm

Hochwohlgeborner

Insonders Hochgeehrtester Herr,

Ew. Hochwohlgeb. dancke gehorsamst für die gütige Übersendung der beyden Steine; sie sind über meine Erwartung schön und wohlfeil. Das Geld werde ich nächstens übermachen lassen.

Sie verzeihen, daß ich schon zum zweyten Male beschwerlich geworden und mir einiges von Herrn v. Born zu verschaffen gebeten, ich mache Gebrauch von Ihrem gefälligen Anerbieten, und bin überzeugt, daß ich mich an niemand besser wenden könnte.

Vielleicht führt der Zufall einmal Ew. Hochwohlgeb. sonst etwas von ungrischen Erzstufen um einen leidlichen Preis in die Hände und alsdann bitte ich an mich zu dencken. Es ist eine Liebhaberey wozu mich die Aufsicht über unsern neuen Bergbau in Ilmenau berechtigt und der ich, da sie so unschädlich ist, gerne nachhänge.

Ich empfehle mich Ihnen bestens, und unterzeichne mich mit vollkommenster Hochachtung

Ew. Hochwohlgeb.

ganz gehorsamster Diener

Eisenach d. 24. Jun. 1784.

Goethe.


[314] 6/1953.

An Philipp Christoph Kayser

Ihre Briefe und Bemerckungen machen mir viel Vergnügen und ich finde Ursache Sie zu beneiden daß Sie das Land betreten und durchwandern das ich wie ein sündiger Prophete nur in dämmernder Ferne vor mir liegen sehe.

Da Sie die alte Musick suchen und nicht finden geht es Ihnen recht als käme man die alten Helden aufzusuchen und fände Pfaffen auf ihre Trümmer genistet. Die Kunst ist wie die Geschichte ein Complex davon wir den Effeckt auf einem kleinen Punckte der Würcklichkeit vergebens suchen.

Ihre Briefe habe ich alle erhalten, den letzten von Neapel. Fahren Sie fort mit ruhigem reinem Sinne sich an allen Gegenständen Ihres Faches zu üben, wie angenehm wäre es mir wenn Sie das Verlangen mitzurückbrächten, ein Werck, es sey von welcher Art es wolle zu unternehmen, wie gerne würde ich was ich könnte dazu beytragen. Es wird sich davon reden lassen und wenn ich gleich ietzt in unpoetischen Umständen bin so wird doch dieser schlafende Genius wieder zu wecken seyn.

Hierbey schicke ich Ihnen einen Wechsel auf Lyon. Ich wünsche daß Sie ihn gesund erheben mögen. Schreiben Sie mir von da wie es Ihnen weiter gegangen [315] ist. Leben Sie wohl und gedencken mein zur guten Stunde.

Eisenach d. 24. Jun. 1784

G.


6/1954.

An Johann Christian Kestner

Lange hätte ich Euch schon schreiben sollen, denn ich habe Euch noch nicht für die gute Aufnahme meiner Iphigenie gedanckt.

Besonders war mir sehr lieb daß Ihr ins Detail gegangen seyd und mir gesagt habt was Euch daran gefiel, denn ein allgemeines unbestimmtes Lob hat wenig tröstliches und belehrendes.

Das Exemplar habe ich lange wieder erhalten, und auch Euren Brief von Zelle.

Groote konnte Euch wenig von mir sa