1784

[233] 6/1850.


An Charlotte von Stein

Herzlichen Danck l. Lotte. Ja ich werde wie du mir es geweissagt hast immer glücklicher werden. Am glücklichsten durch dich. Ich sehe dich nach Tische. Heute früh zeichne ich ein wenig zum freundlichen Anfang des Jahrs. Lebe wohl. Du hast was du dir wünschest. Adieu. d. 1. Jan. 84.

G.[233]


6/1850a.


An Carl Christian von Herda

Hochwohlgebohrner

Hochgeehrtester Herr,

Daß Ew. Hochwohlgeb. mich zu Anfange des neuen Jahres fortdaurenden Freundschafft und Gewogenheit versichern, gereicht mir zum besondern Vergnügen. Ich erwiedre ieden guten Wunsch mit Aufrichtigkeit, und erfreue mich im Voraus, Ew. Hochwohlg. noch dieses Frühjahr bey Gelegenheit des Landtages aufwarten zu können.

Der Frau Gemahlinn bitte ich mich bestens zu empfehlen und sich der freundschafftlichen Gesinnungen versichert zu halten mit denen ich mich unterzeichne

Ew. Hochwohlgeb.

ganz gehorsamster Diener

Weimar d. 2 Jan. 1784.

Goethe.[30]


6/1851.


An Charlotte von Stein

Ist das Kopfweh aussen geblieben? Wie befindet sich meine L.?

Sind die französchen Blätter noch nicht gefunden?

Lebe wohl. Ich bin fleisig und liebe dich.

d. 3. Jan. 84.

G.


6/1852.


An Charlotte von Stein

Eh ich in's Conseil gehe Geliebte einen Morgengrus. Laß mich ein Wort von dir zu Mittage[233] empfangen. Halte dich wohl in der Stube. Heute Abend bin ich bey dir.

d. 6. Jan. 84.

G.


6/1853.


An Charlotte von Stein

Schon lange wünscht ich etwas von dir zu sehen und dancke. Noch kann ich mich nicht entschliesen auszugehen und habe grose Lust euch nach dem Conzert einzuladen. Du hörst Nachmittag meine Wünsche. Lebe wohl. Hier das Verlangte.

d. 7. Jan. 84.

G.


6/1854.


An Ernst August Anton von Göchhausen

Hochwohlgebohrner

insonders hochzuehrender Herr

Ew. Hochwohlgeb. geneigtes Andenken würde mir zu ieder Zeit willkommen gewesen seyn, wie es mir zu Anfange dieses Jahres die angenehme Versicherung giebt, daß ich in demselben auf die Theilnehmung eines wakern Mannes und rechtschaffenen Dieners unsers Herrn Rechnung machen darf. Ich danke herzlich dafür und wünsche daß Ihnen dieses Jahr in allem gesegnet seyn möge.

Ich füge zugleich die Nachricht bey daß Durchl. der Herzog Ew. Hochwohlgeb. seine Zufriedenheit durch Beylegung des Geheimen-Kammerrath-Titels öffentlich[234] zu bezeigen beschlossen hat. Auch hierzu wünsche ich Glück und empfehle mich Ihnen bestens in der Hofnung Sie bald in Eisenach persönlich derienigen Hochachtung zu versichern mit welcher ich mich unterzeichne

Ew. Hochwohlgeb.

gehorsamster Diener

Goethe

Weimar d. 8. Jan. 1784.


6/1855.


An Charlotte von Stein

Nun muß ich auch etwas von dir hören. Der Herzog wird bey mir essen nachher will ich zu Felgenbauers und zur Herzoginn Mutter gehn, und dich diesen Abend in der Comödie finden. Lebe recht wohl. Das trübliche Wetter bekommt mir nicht so gut als das ganz frische. Du wirst weniger frieren. Gedencke mein.

d. 15. Jan. 1784.

G.


6/1856.


An Charlotte von Stein

Gestern Abend war ich gar nicht artig und fürchte meine L. konnte mich nicht lieb haben. Sage mir ia gleich frühe das Gegentheil. Heute Abend bleiben wir doch beysammen. Ich bin ganz dein.

d. 16. Jan. 84.

G.[235]


6/1857.


An Charlotte von Stein

Eben wollte ich meiner lieben schreiben und sie um ihren Tag fragen. Es war meine Hoffnung diesen Abend bey dir zu seyn, da sie mir aber nicht wird, will ich fleisig seyn so kommt mirs ein andermal zu gute. d. 16. Jan. 1784.

G.


6/1858.


An Charlotte von Stein

Von m. L. hätte ich gern einen guten Morgen und Nachricht wie sie geschlafen hat.

Wenn deine Theegäste noch kommen, so laß es mir bey Zeiten wissen daß ich mich darnach einrichten kann. Lebe wohl du süse und liebe mich.

d. 17. Jan. 84.

G.


6/1859.


An Charlotte von Stein

Ich habe heut früh an meiner Abhandlung über den Granit dicktirt, und dazwischen immer an meine Geliebte gedacht, und mich erinnert wie ich von allen Höhen dieser Felsen die ich bestiegen, zurück nach der Wohnung meiner besten mich gesehnt habe. Wahrscheinlich ziehst du mich auch diesen Abend nach Hofe. Mittags habe ich abgesagt. Lebe wohl. Fritz war gar geschickt und gut. d. 18. Jan. 84.

G.[236]


6/1860.


An Charlotte von Stein

Ich bitte um den Brief an meine Mutter mit tausend Danck für das was du alles an mir thust. Werde nur nicht müde mit mir Geduld zu haben. Du bist mir einzig Lieb und werth. Heute muß ich viel schaffen. Lebe wohl und sag mir ein gutes altes Wort. d. 19. Jan. 1784.

G.


6/1861.


An Charlotte von Stein

Heute früh habe ich ein wenig länger geschlafen, und nun ist schon wieder der Hencker bey mir los. Ich sehe dich gewiß, ob ich zur Herzoginn Mutter gehe weis ich noch nicht. Ich dancke dir für alle Liebe und Güte und bin immer dein.

d. 21. Jan. 84.

G.


6/1862.


An Charlotte von Stein

Gestern Abend bin ich noch lange aufgeblieben und behielt mein Verlangen bey dir zu sein. Ich dancke dir daß du mich so lieb behältst. Es ist mein bestes Glück. Heute Abend kommst du doch ich weis nicht ob ich dich vorher sehe. d. 22. Jan. 1784.

G.[237]


6/1863.


An Charlotte von Stein

Einen guten Morgen l. Lotte eh ich ins Conseil gehe. Heute Abend muß ich wohl zu Witzlebens. Seh ich dich auch da? Lebe wohl. Du liebe Begleiterinn aller meiner Gedancken.

d. 23. Jan. 84.

G.


6/1864.


An Charlotte von Stein

Zum frühen Morgen schick ich dir etwas süses und bitte dich um ein freundlich Wort. Du glaubst nicht wie lieb mir heute Fritzens Anblick war wie ich dir ewig neue Treue in ihm zugesagt habe als ich ihn zum Morgengrus an mich drückte. Lebe wohl. Ich bin ganz dein. Und hoffe sehnlich auf den Augenblick der mich zu dir führen wird.

d. 26. Jan. 84.

G.


6/1865.


An Jakob Friedrich von Fritsch

Ew. Exzell.

dancke ganz gehorsamst für die Bemühung und habe nichts hinzuzufügen als die Bitte mich Herrn v. Isenflamm gleichfalls zu empfehlen und für seine Gefälligkeit zu dancken.

Wenn die Stückgen recht schön zu haben sind, so[238] kommt es auch auf einen Dukaten mehr nicht an. Das Geld will ich, sobald von hier etwas nach Wien geht, übermachen.

Mit aufrichtiger Verehrung und Anhänglichkeit unterzeichne ich mich

Ew. Exzell.

ganz gehorsamsten

treuen Diener

Goethe.

Vhß.

d. 26. Jan. 1784.


6/1866.


An Charlotte von Stein

Mit Mühe enthalt ich mich dich nicht zu besuchen. Nach Tische komm ich bald. Wirst du in die Kommödie gehn oder den Thee mit uns nehmen? Lebe recht herzlich wohl und liebe den liebenden.

d. 27. Jan. 1784.

G.


6/1867.


An Charlotte von Stein

Ich höre meine Liebe ist gestern noch kräncker geworden. Könnt ich doch von dir hören daß dich der Schlaf erleichtert hat. Fritz grüsst. Ich fürchte du gehst nicht zu Werthers. d. 30. Jan. 84.

G.


6/1868.


An Charlotte von Stein

Möge mir doch meine Lotte nicht mit Bleystifft sondern mit Dinte einen guten Morgen sagen, und[239] mich versichern daß sie wohl ist. Ich bin recht in Sorge um dich. Gestern da du weg warst war mir auch alles fort. Es wollte gar nichts geben und ich bleib nur Fritzens wegen und weil ich keinen Wagen hatte. Lebe wohl. Ich muß ordnen und aufräumen, dann bin ich dein.

d. 31. Jan. 1784.

G.


6/1869.


An Charlotte von Stein

Hier schicke ich die Uhr und ein Stück Zuckerwerck mit dem besten Morgengrus. Es ist mir nicht ganz als ob ich heute in die Gesellschafft mögte, aber m. L. muß ich sehen. Schreibe mir wie du dich befindest und was du vorhast. d. 1. Febr. 1784.

G.[240]


6/1869a.


An Christian Gottlob Voigt

Wollen Sie die Güte haben auf das Lobedaische Gut 5200 rh. zu bieten, wahrscheinlich wird es dabey nicht bleiben. Die Ackten behalte ich noch um mir die Anschläge abschreiben zu lassen.

Hierbey ein Schreiben des Herrn v. Franckenberg. Man wird hören müssen wen sie in Vorschlag bringen. Es scheint damit auf eine förmliche Revision angesehen zu seyn.

d. 1. Febr. 84.

G.[20]


6/1870.


An Charlotte von Stein

Meiner l. Lotte sende ich einen treuen Mittags Grus. Wenn du heute zu Werthers gehst, so sehe ich dich erst um 8 Uhr denn ich habe böse Ackten von denen ich nicht abkommen kann. Bleibst du aber zu Hause, so komme ich wohl um 7 Uhr. Lebe wohl. Liebe mich, ich bin recht dein.

d. 2. Febr. 84.

G.[240]


6/1871.


An Charlotte von Stein

Eh ich in's Conseil gehe mögt ich gute Nachrichten von meiner Geliebten haben. Kann sie heute in die Commödie gehn? Ist es ihr wieder so wohl als ich wünsche. Adieu beste.

d. 3. Febr. 1784.

G.


6/1872.


An Charlotte von Stein

Will m. l. Lotte heute Abend bey mir einen Thee nehmen und zum Essen bleiben, so will ich ihr einige Freunde einladen, und die Commödiengänger zu Tische Bitten. Sage mir wie du dich befindest, Lebe wohl und liebe mich.

d. 5. Febr. 84.

G.


6/1873.


An Charlotte von Stein

Wie befindet sich m. L. hat sich der gute Tag recht gut eingestellt? und was hat sie heute vor. In die Commödie wird wohl nicht gegangen. Vielleicht wäre es artig zu mir zu kommen. Lebe wohl. Wenn ich vor Tisch auslaufe komme ich einen Augenblick zu dir. d. 7. Febr. 84.

G.[241]


6/1874.


An Charlotte von Stein

[Mitte Februar.]

Hier schick ich dir den Ring, es ist mir ganz unheimlich ihn zu entbehren. Auch ich habe seit dem frühsten nach dir verlangt und mich nach einem Worte von dir gelehnt. Diesen Abend bin ich bey dir. Ich will früher zu Herders gehn. Lebe wohl du mein immer bleibendes Glück. Fritz macht sich eben aus.

G.


6/1875.


An Charlotte von Stein

Ich mögte gern zum frühen Morgen hören daß m. l. Lotte recht heiter ist. Gestern Abend war es mir sehr leer bey vielen Gästen, sie waren munter, und wir lasen zuletzt ein Gespräch des Königs in Preußen mit einem Beamten das unglaubliche Ähnlichkeit mit der Audienz des Herrn Junge beym König Opokku hat. Ich war bey Hofe geladen und habe abgesagt. Bist du wohl? und werden wir heute zusammen seyn?

d. 15. Febr. 84.

G.[242]


6/1876.


An Carl Ludwig von Knebel

Diese ganze Zeit her war ich nichts weniger als schreibseelig drum verzeih daß du so lange nichts von mir gehört hast.

Hier schicke ich Einladungen zum Ilmenauer Bergwerck. Die Nürnberger waren in vorigen Zeiten starck dabey interessiert vielleicht finden sich dort wenigstens einige Gewercken. Wir haben schon 500 und eröffnen den neuen Johannisschacht auf Faßnacht. Es macht mir viel Vergnügen daß nach überwundnen so manigfaltigen Hindernißen auch dieses Unternehmen endlich soweit ist.

Einige Exemplare der Gedichte zum Geburtstag der Herzoginn lege ich bey. und einen Fächer zu Ehren der November Geburtstäge für deine Frl. Schwester.

Ich bin fleisig und meine Sachen gehen gut und obgleich übrigens unsere Verhältnisse allerley Schwingungen unterworfen sind; so steht doch das Ökonomikum auf einem guten Grunde, und das ist die Hauptsache.

Persönlich bin ich glücklich. Die Geschäffte, die Wissenschafften ein paar Freunde, das ist der ganze Kreis meines daseyns in den ich mich klüglich verschanzt habe.

Schreibe mir doch balde. Noch habe ich auf die[243] Reise nach dem Fichtelberg nicht renuncirt, obgleich ein schöner Theil des Sommers dem Einfacher Ausschußtag gewiedmet werden muß.

Lebe wohl. Behalte mich lieb und gedencke mein fleisig. d. 16. Febr. 84.

G.


6/1877.


An Charlotte von Stein

Beyliegender Brief meldet mir das traurige Schicksal des guten Jakobi. Da ich das schwarze Siegel sah glaubt ich er sey selbst Todt und nun ists seine gesunde Frau. Es ist für ihn wenig guts mehr in der Welt.

Sage mir wie du geschlafen hast und ob du wohl bist, und bleibe mir.

d. 20. Febr. 84.

G.


6/1878.


An Charlotte von Stein

Noch einen guten Morgen zum Abschied Liebe Lotte. Mögtest du doch recht wohl seyn. Das Wetter wird kalt und scheint günstig zu werden. Wir wollen uns recht einpacken. Ich gehe mit den deinigen als der deinige. Lebe wohl. Ich hoffe wieder auf dich und dancke dir für deine Liebe.

d. 21. Febr. 84.

G.[244]


6/1879.


An Charlotte von Stein

Durch den rückkehrenden Boten erhält meine Geliebte einen herzlichen Grus. Wir sind sehr glücklich angekommen, die Bahn war durchaus so schön daß ich wünschte eine Gesellschafft Weimarische Freunde hätte sich mit auf den Weeg gemacht. Wir blieben wohl zwey Stunden in Stadt Ilm und waren schon nach drey Uhr hier.

Fritz und Ernst machen sich sehr lustig, und wenn auch einmal selectae historiae auf eine viertelstunde vorgenommen werden, so kehrt doch die Torheit bald wieder zurück.

Deinen Ring vermiss ich recht sehr. Er war mir sonst so ein liebes Zeichen deines Bleibens bey mir.

Unsre Sachen werden gut gehen. Innliegendes Exemplar der Rede schicke Dienstags früh um 10 Uhr an Herdern und schreibe ihm dazu daß sie in diesem Augenblick sey gehalten worden, er soll sie aber niemanden sehn lassen bis ich wiederkomme.

Lebe wohl. Grüse den Herzog und sag ihm von unsrer glücklichen Ankunft.

Adieu ich bin dein. Die Ruhe dieses Orts ist für mich sehr anzüglich. Wärst du hier so wollte ich gleich den Rest des Winters hier zu bringen. Was sollte da studirt werden. Lebe wohl. d. 21. Febr. 84. Illmenau.

G.

Der Brief den ich auf den Ofen legte ihn zu trocknen wäre bald verbrannt.[245]


6/1880.


An Charlotte von Stein

Wie sehr hat mich dein liebes Wort erfreut! Wenn es nur auch die Nachricht deines Wohlbefindens gebracht hätte. So sehr ich mich deines Daseyns und deiner Liebe freue; so sehr leid ich auch mit dir.

Die Knaben sind wohl und lustig, ich thue meine Sachen ab. Das Wetter ist stürmisch wir hoffen daß es morgen besser werden soll. Die Gegend ist im Schnee sehr schön, und es geht gar gut auf dem Schlitten.

Ernst ist heute nach Amt Gehren gefahren, und Fritz laufft herum.

Ich bin in der Stube wo du mir ehmals mit dem zahmen Vogelgen begegnetest. Wenn es einigermassen möglich wäre besuchte ich die Hermannsteiner Höle. Du bist mir überall gegenwärtig.

Lebe wohl, und halte dich ruhig, damit du mich fröhlich empfangen könnest.

[Ilmenau] d. 23. Febr. 84.

G.


6/1881.


An Charlotte von Stein

Schone doch liebe Lotte dich um meintwillen, so sehr mich dein erster Anblick erfreute weil ich dich wohl sah, so innerlich hat mich dein Übel gestern[246] Abend verstimmt daß ich keiner freudigen Empfindung mehr fähig war. Sag mir was deine Augen machen. Sag mir daß du mich liebst. Wenn du nicht wohl bist hab ich gar nichts auf der Welt. d. 29. Febr. 84.

G.


6/1882.


An Charlotte von Stein

Straube der die Nachricht von dem eingefrornen Schiffe bringt, soll dir einen Grus zum Morgen bringen. Es ist für den Moment nicht so übel als es der Ruf machte, freylich wenn das Wasser an die Kehle geht dem gehts weit genug.

Wenn es möglich ist komme ich morgen Abend, und finde meine Liebe zu Hause. Nicht wahr du bleibst aus der Gesellschafft? Meine schöne Hof und Societäts Vorsätze für diese Woche sind auch zu Wasser, wir sind zu alt um uns zu bessern und wollen unser Leben so hinausführen. Castrop hat mir eine köstliche Scene gegeben über die ich im innersten noch lache. Schade daß sie sich nicht wiedererzählen lässt das beste davon ist pantomimisch.

Lebe wohl damit ich wohl lebe denn ich lebe in dir. Gute Nacht beste. Ich komme nicht von deiner Seite. d. 29. Febr. 84. Jena.

G.[247]


6/1883.


An Charlotte von Stein

Statt meiner kommt wieder ein Brief, verzeihe daß ich dich aus der Gesellschafft hielt. Ich bin nicht ganz unnütze hier drum will ich bleiben. Du bist meine Begleiterinn auf Wassern und Eise. An einigen Orten der Vorstadt ist das Übel gros, und in einer allgemeinen Noth auch ein gemeiner Verstand nütze, wenn er Gewalt hat.

Drum will ich bleiben und alles in deinem Nahmen thun. Alles rennt durch einander, die Vorgesetzten sind auf keine auserordentlichen Fälle gefasst, die Unglücklichen ohne Rath und die Verschonten unthätig. Wenige einzelne brave Menschen zeichnen sich aus. Lebe wohl. Liebe mich du einziges du fühlst doch wie ich dein bin.

Jena. d. 1. März 1784.

G.


6/1884.


An Charlotte von Stein

Ich komme in grose Versuchung, der Herzog fährt hinein und will Abends wieder hier seyn, ich könnte mit meiner Lotte zu Mittage essen, ihr allerley erzählen, und wieder fortfahren.

Allein ich will dem nothwendigen nachgeben es ist besser ich bleibe hier.

[248] Der guten Stadt Jena geht es wie dem römischen Reich man sieht nicht eher wie elend die Constitution ist als wenn die Noth an Mann geht.

Wenn Götze zurückkommt hoffe ich auf ein liebes Briefgen von dir.

Lebe wohl meine liebe! Laß uns zusammenhalten die weltlichen Dinge sind gar brüchig. Der Herzog führt mit dem Rittmeister einen militarischen Diskours am Ofen, und ich will schliesen dir eine gute Nacht sagen und mich deinem süsen Herzen empfehlen.

[Jena] d. 1. März 1784.

G.


6/1885.


An Charlotte von Stein

Meiner Lotte sag ich einen guten Morgen. Ich hoffe dich Morgen hier zu sehn. Der Herzog wird dir den Vorschlag thun und ich hoffe du schlägst es nicht ab.

Wie sehr ich es wünsche kannst du dencken da ich nicht wegkann. Man hat keine Idee wie die Menschen sind, und doch wenn ich's recht überlege müssen sie so seyn.

Lebe wohl ich muß dein seyn durch alle Zeiten.

Jena d. 2. März 1784.

G.[249]


6/1886.


An Charlotte von Stein

Vor allen Dingen muß ich dir für deine immer gleiche Liebe den wärmsten Danck sagen, und dir eine gute Fahrt wünschen. Leider habt ihr böses Wetter. Laß mich auch noch ein Paar Worte von dir sehen damit ich den Tag über etwas zu zehren haben möge. Hier schicke ich von dem gestrigen Kuchen und käme gar zu gerne selbst. Lebe wohl du einziges. Heute Abend findest du mich um siebene.

d. 3. März 84.

G.


6/1887.


An Friedrich Heinrich Jacobi

Ich habe es noch nicht wagen können dir zu schreiben denn was darf man dir sagen! Jedes Wort es sey Anteil, Trost oder Betrachtung bleibt zurück. Der Gedancke an dich und deinen Zustand hat mich auf einer sonst frohen Reise, da ich das alte Ilmenauer Bergwerck wieder eröffnet, immer begleitet, und folgt mir auch hierher wo ich von Wassern, Eise und Noth, ich darf wohl sagen umgeben sitze, und Beruf und Gelegenheit habe menschliche Schicksale wieder zu käuen.

Herder wird dich bitten diesen Sommer eine Reise zu uns zu machen. Wenn ich nur auch gewiß wäre zu Hause zu seyn. Ich hoffe es soll sich thun lassen.

[250] Wir wollen auf die kurze Dauer unseres Daseyns näher zusammenrücken.

Sag mir ein Wort von deiner Gesundheit. Wie ich das schwarze Siegel sah und deines Schreibers Hand hielt ich dich selbst für Todt. Ach warum versäumt man soviele Augenblicke Freunden wohlzuthun.

Ich bin ein armer Sclave der Pflicht mit welcher mich das Schicksal vermählt hat, drum verzeihe wenn ich trocken und träge scheine.

Jena d. 3. März 1784.

G.


6/1888.


An Charlotte von Stein

Was ich auch zu thun habe was mir auch durch den Kopf geht bist du mir immer im Herzen mir immer gegenwärtig. Lebe wohl ich sehe dich heute Abend, vielleicht eher.

d. 4. März 1784.

G.


6/1889.


An den Herzog Carl August

Unterthänigstes Promemoria.

Nach Ew. Hochfürstl. Durchlaucht gnädigstem Befehle habe ich diejenigen Aufträge, welche mir Höchstdieselben an den Hofrath Büttner in Jena zu ertheilen geruthet, bey meiner Anwesenheit daselbst auszurichten, ohnermangelt. Es erkennt derselbe das gnädigste Anerbieten der 8000 Thaler als den höchsten auf[251] seine Bibliothek gesetzten Preiß mit unterthänigstem Dank und behält sich vor etwa in der Folge, wenn er es benöthigt seyn sollte, Ew. Durchlaucht um Erhöhung seines Pensionsquanti anzugehen. Und da ihm solches bisher nur in caffemäßigen Sorten bezahlt worden, im Contrakte aber ihm Louisd'or zu 5 Thaler zugesichert sind: so bittet er hierüber um gnädigsten Befehl an die hiesige Kammer.

Der ich mich mit tiefster Ehrfurcht unterzeichne

Ew. Hochfürstl. Durchl.

unterthänigster

Weimar d. 4. März 1784.

J. W. Goethe


6/1890.


An Charlotte von Stein

Wie viel lieber blieb ich in deiner Nähe als daß ich wieder wandre. Liebe Lotte wie machst dus nur daß ich dir alle Tage eigner werde.


Wie gern grüste ich dich noch zum Abschiede.

Lebe recht wohl. Diesen Abend seh ich dich wieder und will indes etwas guts thun und deinem Fritz nüzlich seyn und ihm einen fröhligen Tag machen.

d. 7. Mart. 84.

G.


6/1891.


An Charlotte von Stein

Du hast gewiss auch heute beym Erwachen an mich gedacht wie ich an dich denn solch eine Liebe kann nicht einseitig seyn.

[252] Heute zu Mittage esse ich beym alten Schnaus und sehe dich vorher.

Wenn du in die Gesellschafft gehst will ich auch hinein gehn.

Hier ist eine Schnalle zu dem Hute. Wenn er nur recht ist. Lebe wohl.

d. 8. März 1784.

G.


6/1892.


An Charlotte von Stein

Gleich am frühen Morgen möchte ich Nachricht von meiner Lotte haben, da ich ihres Anblicks entbehren muß. Ich stehe sehr im Zweifel ob ich heute Abend einige Gäste bitten soll. Am liebsten bin ich mit dir. Was sagt dir dein Herz? Lebe wohl ich bin dein.

d. 9. März 1784.

G.


6/1893.


An Charlotte von Stein

Hier liebe Lotte die Versichrung meiner Liebe, meiner Anhänglichkeit und Treue. Habe ich dir gestern vielleicht ein Buch oder sonst etwas zu schicken versprochen; so must du mir es ins Gedächtniß rufen, denn ich kan mich nicht drauf besinnen. Herders Fortsetzung ist ganz trefflich und ihm ist das Werck schon fast verleidet. Lebe wohl. d. 12. März 1784.

G.[253]


6/1894.


An Charlotte von Stein

Ich habe heute wieder angefangen Quecken zu trincken um der ersten Einflüsse des Frühjahrs zu geniesen.

Der Spleen wird ia wohl meine Lotte nicht in das Theater locken und so bleiben wir wohl beysammen.

Könnt ich nur eh ich des Morgens an die Ackten gehe einen Blick in deine Augen thun! Lebe wohl du kennst mich.

d. 13. März 1784.

G.


6/1895.


An den Herzog Ernst II. von Sachsen-Gotha

Durchlauchtigster Herzog

Gnädigster Herr,

Ew. Durchl. übersende hierbey unterthänigst zehen Gewährscheine als auf soviel Kuxe Höchstdieselben unterzeichnet und empfehle das neue Werck zusammt der Gewerckschaft zu Gnaden.

Nicht leicht habe ich etwas mit soviel Hoffnung, Zuversicht und unter so glücklichen Aspeckten unternommen, als diese Anstalt eröffnet worden, und das allgemeine Zutrauen scheint mit einzustimmen. Schon sind die Kuxe fast zur Hälfte untergebracht und es melden sich täglich mehr Liebhaber.

Eine Nachricht der kleinen Feyerlichkeit bey Eröffnung[254] des neuen Schachtes lege ich bey, wie auch die von mir gehaltne Rede. Sehen Ew. Durchl. alles mit günstigen Augen an.

Ehestens übersende ich einen Transport der mir von Tischbein zugekommen ist, der Ew. Durchl. gewiss Vergnügen machen wird. Die Zeichnungen die gerollt waren, sollen erst gerade werden, und die zwey Ölgemälde habe ich auf Blendrahmen ziehen lassen. Dabey werde ich mit einer Bitte einkommen.

Der ich mich zu Gnaden empfehle und mich Ehrfurchtsvoll unterzeichne

Ew. Durchl.

unterthänigsten

Weimar d. 15. März 1784.

Goethe


6/1896.


An Charlotte von Stein

Eh ich das Angesicht der fürtrefflichen Stände erblicke wünsche ich ein Wort von dir zu haben meine beste, damit es mir wie ein Salzkörnlein den ganzen Ackten und Rechnungs Brey durchsalze und schmackhafft mache. Diesen Nachmittag sprech ich dich. Das Leiden in der Comödie sollst du mir auch versüsen.

d. 18. März 1784.

G.


6/1897.


An Charlotte von Stein

Ich will heute den geraden Weeg zum Conseil gehen, dir noch vorher einen guten Morgen sagen.[255] Wenn ich wiederkomme laß mich ein Zettelgen finden das mich aufs neue des einzigen Glücks versichre das ich zu geniessen fähig bin.

d. 19. März 1784.

G.


6/1898.


An Charlotte von Stein

Hier schicke ich Dir einige Blätter Journal de Paris es sind artige Sachen drinne, und zugleich sag ich dir einen guten Morgen und hoffe dich heute zu sehen. An Hof kan ich nicht gehn. Was sagst du zu der Kälte und dem Frühlings Schnee. Lebe wohl. Liebe mich. Ich muß fleisig seyn. d. 21. März 1784.

G.


6/1899.


An Charlotte von Stein

Zum guten Morgen schicke ich dir hier Aurora die ein Kind wegträgt, besser wäre es sie brächte es.

Gegen eilfe besuche ich dich und sage dir wie sehr ich mich des Tags freue der mir zu dir wieder erschienen ist. Adieu. Empfange mich wie immer.

d. 24. März 84.

G.


6/1900.


An Charlotte von Stein

Ja wohl ist mein Herz und Geist immer da wo mein Schatz ist, wenn mich gleich die bösen Weltlichen[256] Dinge trennen. Ich wünschte lange ein Wort von dir. Stein wird recht erschrocken seyn. Du gehst doch wohl heute Abend mit zur Herzoginn. Ich will die verlangten Bogen holen lassen. d. 25. März 1784.

G.


6/1901.


An Caroline Herder

[25. März.]

Bei der traurigen Lage unsrer guten Herzogin, habe ich ihr versprochen, heute Abend etwas zu lesen und bitte deswegen um die gedruckten Bogen von Herders Werk.

Es wird sie erheben, aufrichten und wenigstens Augenblicke über das Gefühl von Vergänglichkeit hinüber heben.

Ich bitte zugleich um das Gedicht auf des Herzogs Geburtstag.

G.


6/1902.


An Charlotte von Stein

Ungern wie immer entfern ich mich von dir, wie sehr wünscht ich du könntest die Spazierfahrt mit machen besonders das Wetter sich freundlich bezeigt. Lebe wohl behalte mich fein bey dir und sey gewiß daß ich dir immer nah bin. Adieu tausendmal.

d. 27. März 1784.

G.[257]


6/1903.


An Johann Gottfried Herder

[Jena, 27. März.]

Nach Anleitung des Evangelii muß ich dich auf das eiligste mit einem Glücke bekannt machen, das mir zugestoßen ist. Ich habe gefunden – weder Gold noch Silber, aber was mir eine unsägliche Freude macht –

das os intermaxillare am Menschen!

Ich verglich mit Lodern Menschen- und Thierschädel, kam auf die Spur und siehe da ist es. Nur bitt' ich dich, laß dich nichts merken, denn es muß geheim behandelt werden. Es soll dich auch recht herzlich freuen, denn es ist wie der Schlußstein zum Menschen, fehlt nicht, ist auch da! Aber wie! Ich habe mirs auch in Verbindung mit deinem Ganzen gedacht, wie schön es da wird. Lebe wohl! Sonntag Abend bin ich bei dir. Antworte mir nicht hierauf, der Bote findet mich nicht mehr.

Sonnabend Nachts.

G.


6/1904.


An Charlotte von Stein

[Jena, 27. März.]

Zum guten Morgen meiner Lotte ein Paar Zeilen, da ich ihr leider nicht einmal werde guten Abend sagen können.

[258] Es ist mir ein köstliches Vergnügen geworden, ich habe eine anatomische Entdeckung gemacht die wichtig und schön ist. Du sollst auch dein Theil dran haben. Sage aber niemand ein Wort. Herdern kündigets auch ein Brief unter dem Siegel der Verschwiegenheit an. Ich habe eine solche Freude, daß sich mir alle Eingeweide bewegen.

Lebe wohl. Wie sehr lieb ich dich! Wie sehr fühl ichs in fröhlichen und traurigen Augenblicken. Antworte mir nicht, Aber laß mich in meinem Hause ein Wort von dir finden. Lebe wohl meine Lotte. Es geht mir nur so wohl weil du mich liebst. Sonnabend.

G.


6/1905.


An den Herzog Carl August

Durchlauchtigster Herzog

Gnädigster Fürst und Herr

Wie auf Ew. Hochfürstl. Durchl. gnädigsten Befehl Endesunterzeichneter mit einer aus den Mitteln der hiesigen Landschaft erwählten Deputation zusammen getreten und verschiedene auf die Verhandlungen des lezten Ausschußtages Bezug habende Geschäfte theils zu Stande gebracht, theils zu Höchst Ihro Genehmigung so viel es möglich gewesen vorbereitet, solches wird Ew. Hochfürstl. Durchl. aus beyliegender Copie des darüber gefertigten Protokolles unterthänigst vorgetragen werden können.

[259] Wie ich nun nichts mehr wünsche als dieses Geschäfte zu Höchst Ihro Zufriedenheit geführt zu haben; so erwarte ich unterthänigst was Höchstdenenselben weiteres darüber zu beschließen gefällig seyn möchte, der ich mich mit unbegränzter Ehrfurcht unterzeichne

Ew. Hochfürstl. Durchl.

unterthänigst treugehorsamster

Weimar den 28. März 1784.

Johann Wolfgang Goethe.


6/1906.


An Charlotte von Stein

Meiner Lotte muß ich einen frühen Morgengrus schicken mit der Bitte mein mit herzlicher Liebe eingedenck zu seyn. Ich freue mich auf die Stunde da ich dich sehen kann um eilf Uhr will ich kommen, daß ich dich nicht mit aufgelösten Haaren finde.

Der deine

d. 31. März. 1784.

G.


6/1907.


An Friedrich Heinrich Jacobi

Wie sehr danck ich dir daß du mich zum Genossen deiner Trauer gemacht hast! Die Abschrifften kamen eben an als uns der Todt unsrer kleinen Prinzess überraschte, eines Kindes von fünf Jahren das sechs Nachtstunden kranck und gegen Morgen Todt war.

Ich habe nur sehnlicher gewünscht dich wieder zu sehn. Leider bin ich den ganzen Juni abwesend zu[260] Anfang Juli aber kann ich's einrichten daß ich nach Hause komme. Siehe zu daß du es möglich machst. Das wunderliche Bild unsrer Existenz wird dir wenigstens wenn auch nicht wohlthun doch neue Ideen geben und ein Paar wahre an dir theilnehmende Freunde findst du gewiß.

Das Hefft erhältst du bald zurück ich habe es für mich behalten, nicht mitgetheilt, mein Herz hies mich es so.

Schreibe mir doch ein Wort von dem Kinde zu Münster und was ihr mit ihm habt. Ich weis nichts von ihm, kann es nicht beurtheilen und wenn ich nicht sehr irre behandelt ihr es falsch, die Fürstinn und du. Ich mische mich nicht gern in dergleichen Sachen denn die Vorstellungs Arten sind zu verschieden und mit Schreiben ist gar nichts ausgerichtet, aber das Kind dauert mich, es ist doch dein und Bättys Kind und gewiß nicht zum Bösewicht zum Nichtswürdigen gebohren.

Habt mit Schlossern Geduld! Kein Mensch kann eine Faser seines Wesens ändern, ob er gleich vieles an sich bilden kann. Schlosser stickt in seiner Haut und Verhältnissen so fest als ein andrer, wir sollten alle mit einander Mitleiden haben.

Lebe wohl! Wie freu ich mich mit dir recht ausführlich über tausend Dinge zu reden. Lebe wohl. Grüse die Deinigen.

Weimar d. 31. März 1784.

G.[261]


6/1908.


An Charlotte von Stein

Ich begrüse meine Lotte mit der Freundlichkeit aller Gestirne und frage ob sie recht wohl ist und sich des schönen Tages freut. Heute darf ich nicht aus dem Hause als gegen Abend und da du zu deiner Schwägerinn gehst; so schreibe mir wann ich dich wieder bey dir finde. Schicke mir das Buch von den Zähnen und Lebe recht wohl.

d. 1. Apr. 84.

G.


6/1909.


An Charlotte von Stein

Von meiner Geliebten muß ich ein paar Zeilen haben damit mein Verlangen nach ihr einigermassen befriedigt werde.

Wenn du um zwölf Uhr frisirt bist komme ich einen Augenblick denn bis den Abend wird mir's viel zu lange.

Lebe wohl du stündlich Geliebteres. Wenn ich nur mein Wesen vermehren könnte daß dich immer etwas mehr an mir liebte.

d. 2. Apr. 1784.

G.


6/1910.


An Charlotte von Stein

Ich dancke dir l. Lotte daß du mich von Rechnungen und Papieren einen Augenblick auf den lieben[262] Gegenstand rufst der mir manchmal hinter den Zahlen erscheint. Behalte mich in einem recht feinen Herzen. Du Gute wie bist du mir so werth und wie ungern entlies ich dich gestern. Wann ich heute kommen kann weis ich nicht, doch bin ich dir gewiß.

d. 3. Apr. 84.

G.


6/1911.


An Charlotte von Stein

Du bist gar lieb immer mit dem zu seyn der immer mit dir ist. Diesen Abend um sechse will ich kommen, auch etwas früher, besuche also die G. vorher.

Lebe recht wohl und sey meines ewigen Bleibens versichert.

d. 6. Apr. 1784.

G.


6/1912.


An Charlotte von Stein

Noch einen Abschiedsgrus muß ich meiner besten schicken, ich habe soviel noch zu besorgen daß ich nicht ausgehen kann um ihr ihn mündlich zu bringen. Behalte mich in einem sehr lieben Herzen, laß mich Donnerstag dein Angesicht sehen. Ich erfreue mich immer deines daseyns und deiner Liebe.

d. 12. Apr. 1784.

G.[263]


6/1913.


An Charlotte von Stein

[Jena, 13. April.]

Mir geht es gut und freudig in der weitern Ausarbeitung des Knöchleins. Wir haben Löwen und Wallroße gefunden und mehr interessantes. Es wird aber nicht so auf Einen Ruck gehn wie ich dachte und uns weiter führen. Donnerstag erwart ich das Geliebteste. Adieu der Husar reitet fort. Daß du nur ein Wort von mir habest.

G.


6/1914.


An Charlotte von Stein

Ich bin durch deine Vorsorge bald eingeschlafen doch die Nacht etlichmal durch den Schmerz aufgeweckt worden. Heute früh hat sich's in den Rücken gezogen, ich will sehen was der Tranck thut. Lebe wohl. Leider entbehr ich dich heute. d. 17. Apr. 1784.

G.

Sag mir auch wie du dich befindest?[264]


6/1914a.


An Juliane Auguste Christinevon Bechtolsheim

Leider muß ich Sie meine beste gnädige Frau schrifftlich empfangen und Sie durch einen Abgeordneten bewillkommen lassen. Auf einer kleinen Reise habe ich mir einen solchen Rheumatismus zugezogen daß ich weder ausgehen kann noch zu Hause mich sehen lassen darf. Hoffentlich geht es bald vorüber und ich kann Ihnen noch aufwarten. Nehmen Sie indessen meinen Kindskopf gütig auf, empfehlen Sie mich dem Herrn Bruder aufs beste und bleiben mir in Freundlichkeit gewogen

[Weimar] d. 18 Apr. 84.

Goethe.[31]


6/1915.


An den Herzog Ernst II. von Sachsen-Gotha

Durchlauchtigster Herzog

Gnädigster Herr

Ew. Durchl. gnädig vertrauliches Schreiben heißt mich mit einer Antwort doppelt eilen; glauben Sie,[264] daß ich den Werth einer solchen Behandlung in seinem ganzen Umfange fühlen kann.

Was Ew. Durchl. an den Werken des jungen Künstlers bemerken, tritt mit dem, was ich darüber gedacht habe, im Ganzen völlig überein, nur nehmen es Ew. Durchl. ein wenig schärfer und geben der Hoffnung weniger Raum als ich zu thun geneigt bin. Wenn wir das große Gemälde sehen werden, alsdann wird sich mehr sagen lassen.

Das Bild mit den beiden Figuren hat wirklich viel Gutes, ob ich gleich gerne gestehe, daß es auch für mich wenig Reiz hat. Darf ich aber Ew. Durchl. etwas in's Ohr sagen, so finde ich in diesen Gestalten die Unschuld der Sitten unsres Künstlers. Hatte er die Reize des weiblichen Körpers mit Leib und Seele genossen, würde er nach diesem schönen Theile der Schöpfung mit unwiderstehlichen Trieben hingerissen, gewiß seine Gemälde würden mehr Leben und Wollust athmen, und er würde keinen räthselhaften Zwitter produciren.

Warum ist ihm das Bild Conradin's so wohl gerathen, als weil er selbst ein guter, edler, freigesinnter Mensch ist, dessen Seele sich an der Betrachtung dieser Eigenschaften in einem andern nicht genug weiden kann? Auch darum habe ich eine gute Hoffnung zu dem großen Gemälde, weil es nur Männer vorstellen wird.

In dieser Erwartung stimme ich mit Ew. Durchl.[265] darin ganz ein, daß er ein fürtrefflicher Portraitmaler sein werde. Und welch' ein glückliches, in unsern Tagen so seltnes Talent ist auch dieses! Wie betrübt ist es, eine geliebte, geschätzte Person nach der andern von dieser Welt scheiden zu sehen, ohne wenigstens durch ein gutes Bild einen Schatten ihres Daseins erhalten zu können. Wie sehr freue ich mich auf seine Zurückkunft.

Der Wunsch, den ich Ew. Durchl. vorzutragen zauderte, ist, daß Sie die Gnade haben möchten, ihm eine kleine Summe Geldes zu bestimmen, die er blos dazu anwenden wollte, um nach lebenden Modellen zu malen und sich immer mehr zu vervollkommnen, auch auf gute Farben einen Theil zu verwenden. Alle Studien wird er dagegen einschicken, mitbringen und bei Ew. Durchl. niederlegen. Er wird sich dadurch in einen Vorrath schöner und bedeutender Gestalten setzen, die ihm wohl die nördlichere Gegend nicht hervorbringen möchte. Da ihn dieses der Natur immer näher bringt, ihm Bestimmtheit empfiehlt, so wäre ihm zu diesem guten Werke wohl Hülfe und Beistand zu gönnen, mit 20 Carolins glaubt er weit zu reichen.

Verzeihen Ew. Durchl. das anscheinende Mißtrauen in die mir so bekannten Gesinnungen, ich bin leider so gewohnt, eigne und fremde Wünsche in mich zu verschließen und nur der Nothwendigkeit nachzugeben, daß ich auch da, wo mir so viele Aufmunterung entgegen kommt, schüchtern und zauderhaft bin.

[266] Eifrig Ew. Durchl. Vertrauen immer mehr zu verdienen, unterzeichne ich mich

Ew. Durchl.

unterthänigster

Weimar den 19. April 1784.

Goethe.


6/1916.


An Charlotte von Stein

Hier schicke ich m. L. eine grose Masse von Gelehrsamkeit, in der Hoffnung daß sie der Liebe keinen Schaden thun werde. Ich bin heiter und besser nur schmerzen Rückgrad und Schultern. Adieu ich werde ein wenig spazieren gehn. d. 19. Apr. 1784.

G.


6/1917.


An Johann Heinrich Merck

Weimar, den 23. April 1784.

Für deinen langen Brief danke ich recht sehr und es erfreut mich, daß du in deinem Knochenwesen immer so frisch fort arbeitest. Ich habe die Zeit über auch verschiedenes in anatomicis, wie es die Zeit erlauben wollen, gepfuscht, wovon ich vielleicht ehstens Etwas werde produciren können. – Schreibe mir doch, wie sitzt eigentlich daß Horn des Rhinoceros auf dem Nasenknochen? Könntest du mir diesen Theil bis hervor an die Schnauze nicht von deinem Exemplar kopiren lassen, worüber du den Brief an Krusen geschrieben[267] hast? Ich möchte es aber gern ein bischen groß haben. Wie ich aus dem Kupfer bei dem Briefe schließe, sind die Nähte der zusammengefügten Knochen nicht sonderlich sichtbar. Auch wünschte ich, du ließest mir den vordern Gaumentheil des Kopfes, wie er von unten anzusehen ist, zeichnen. – Da ich einige junge Leute gegenwärtig auch nach Knochen zeichnen lasse, so bitte ich dich sehr, mir sobald als möglich nur einen deutlichen Begriff von der Camperischen Zeichenmethode zu machen. Ich habe zwar nach der Epistel an Albin überall hingeschrieben, kann sie aber nicht erhalten. Da er dich selbst einmal hierüber belehrt und dich zu seinem Glauben bekehrt hat, so könntest du mir ja nur eine Abschrift seines Briefes, wenn du ihn finden kannst, machen lassen. Doch wünschte ich, du thätest es sobald als möglich, weil ich bis dahin mit gewissen Dingen inne halten will. Ich bin sehr neugierig, wie es dir bei Campern gehen wird. Schreibe mir doch ja von Klein-Lankum einige Nachricht. Edelsteine zu kaufen, kann ich dir keinen Auftrag geben. Fändest du aber Etwas von Schädeln fremder interessanter Thiere, die nicht gar zu theuer wären, die würden mir sehr angenehm seyn. Z. Ex. eine myrmecophaga, Bradypus, Löwen, Tiger oder dergleichen.

Der alte Büttner ist sehr vergnügt in Jena. Die Bibliothek ist ganz angelangt und wird diesen Sommer rangirt. Sie steht ganz in einem großen Saal des[268] Jenaischen Schlosses. Es ist ein unglaublicher Schatz wegen ihrer Brauchbarkeit. Lebe wohl und antworte mir bald.


6/1918.


An Carl Ludwig von Knebel

Die schöne Versteinerung die du mir geschikt, ist schon lange glüklich angekommen. Verzeihe hab ich dich nicht eher davon benachrichtiget und dir dafür gedankt. Es ist in dem ganzen Jenaischen Kabinete kein vergleichen Stük. Es ist ein Nautilus und kein Ammonshorn, und deswegen merkwürdig weil es so breit und groß und nicht zusammengedrückt ist. Ich danke dir daß du dich vor unsere Ilmenauer neue Anstalt interessirst. Die Hälfte unserer Gewerkschaft ist schon beysammen und es finden sich noch täglich Liebhaber. Mit dem Baue selbst geht es sehr gut. Wir sind schon 16 Lachter nieder und haben nunmehro den Gips erschroten, in welchem wir bis fast aufs Flöz immer bleiben werden. Die sechzehn Lachter stehn in verlohrner Zimmerung und soll dieser Theil des Schachtes in der Folge ausgemauert werden. Wir so haben wenig aber gute Leute bey der Anstalt, und biß iezo betragen sie sich auf das beste. Man kann das Werk mit gutem Gewissen empfehlen. Die Kommission führt die Direktion umsonst und hat also die Gewerkschaft nur die Unterbediente und eigentliche Arbeit zu bezahlen.[269]

Der Tod des Prinzeßchens hat viele Hoffnungen zerstört und Sorgen vermehrt.

Aus einem Briefe von dir an die Fräulein Göchhaußen sehe ich daß du Lust hast uns auf den Sommer zu besuchen. Ich wünsche wenn du es ausführst daß es dir zur Freude gereichen möge, wie ich beinahe fürchte daß es nicht geschehen wird. Denn du findest zu viel verändert um dein altes Leben anzuknüpfen und zu wenig verändert um von vorne anfangen zu können. Ende Mays gehn wir nach Eisenach. Die große Karavane des Hofes fürchte ich wird bey dieser Gelegenheit mehr Beschweerde als Anmuth haben.

Lebe wohl. Verzeih daß ich diesen Brief dicktirt habe, ich verlerne das Schreiben.

d. 24. Apr. 1784.

G.


6/1919.


An Charlotte von Stein

Wenn ich mit meinen Sachen fertig bin, will ich in den Garten gehn, vorher bey dir einsprechen. Der Monat April des Politischen Journals ist noch nicht da.

Lebe wohl. Ich bin dein.

d. 25. Apr. 84.

G.


6/1920.


An die Marquise Branconi

Die Landstände die sonst Fürsten und Ministren auf mehr als eine Weise beschweerlich sind, kommen[270] auch mir immer in den Weeg wenn die Rede ist eine anmutige Reise zu machen, guten Freunden zu begegnen.

Anfang Juni ist Ausschußtag in Eisenach und ich habe bis dahin alle Hände hier voll zu thun, in der Hälfte May kann ich leider nicht abkommen. Gingen Sie später so wäre eher Hoffnung ob ich gleich die Mittel noch nicht recht sehe. Auf alle Fälle geben Sie mir von der Zeit wenn sie heranruckt bestimmtere Nachricht und welchen Weeg Sie allenfalls nehmen könnten um dem Kreise in den ich gebannt bin näher zu rucken.

Lavaters Gesundheit macht mir Sorge. Es wäre ein widerlich Schicksal wenn wir ihn sobald verlöhren. Wenn Sie dieser Brief bey ihm antrifft grüsen Sie ihn vielmals und veranlassen daß ich etwas von seinen Gesundheits Umständen erfahre.

Dem guten Mattei vielen Danck und Grüse. Ich seh ihn schon wieder Geld zählen, und im kurzen Schlafrocke häuslich thun.

Leben Sie wohl, und geniesen iedes guten Tages so sehr als ich Ihnen das Beste wünsche.

Tausendmal Adieu und bitte um nähere Nachricht Ihrer Reise.

Frau Schulthes viele Grüse.

Weimar d. 26. Apr. 1784.

Goethe.[271]


6/1921.


An Charlotte von Stein

Mit immer neuen Banden fesselst du mich an dich Geliebte ich habe es recht witzig angefangen mich in dich zu kleiden und wollte nun fast ich hätte es nicht gethan. Es dringt etwas ganz neues durch mein Wesen und eine angenehme Unruhe zieht mich zu dir. Wenn ich dich doch noch einen Augenblick sehen könnte. Wahrscheinlich wachst du, gegen sieben komm ich. Ich muß dich sehn wenigstens deine Stimme hören. Noch nicht Adieu.

d. 29. Apr. 84.

G.[272]


6/1921a.


An Johann Georg Lenz

[April 1784.]


Sollten an einigen fossilen Elephanten-Resten in dem Herzogl. Cabinette Überschriften seyn, die neue Örter anzeigten, wo sie in Deutschland gefunden worden, so erbitte ich mir die Nachricht davon aus: und, wenns möglich wäre,[366] aus der ehemaligen Walchischen Bibliothek ein paar Brochüren, die ich hier nicht auftreiben kann, zur Einsicht: Spleyssii Oedipus Osteologicus und Beyschlag de Ebore fossili, Commercium Nunningii et Cohausenii und Herrmann de Sceleto seu de Ossibus Maslae detectis wenn es auch von dem letzten nur die deutsche Ausgabe wäre.


Obige Nachrichten und Bücher die ein Freund wünscht bitte ich mir bald zu überschicken.

Goethe.[367]


6/1922.


An Charlotte von Stein

Ich bitte dich um ein Wort und ein Zeichen ich kann nie genug von dir haben. Sag mir daß du wohl bist, daß du mich magst, daß ich dir willkommen seyn werde. Heute früh seh ich dich noch.

d. 4. May 84.

G.


6/1923.


An Charlotte von Stein

Meiner Lotte einen guten Morgen und Anfrage nach ihrem Befinden, und ob sie heute in der grosen[272] oder kleinen Welt seyn wird? Ich dancke dir für gestern und alle vergangne Tage und drücke dich an mein Herz.

Lebe wohl. Die Zeit wo ich dich verlassen soll ängstigt mich. Lebe wohl.

d. 5. May 84.

G.


6/1924.


An Charlotte von Stein

[6. oder 7. Mai.]

Recht feyerlich liebe Lotte mögt ich dich bitten vermehre nicht durch dein süses Betragen täglich meine Liebe zu dir. Ach meine Beste warum muß ich dir das sagen! Du weist doch wohl wie voll Dancks mein Herz für dich ist.

Seit Dejanirens Zeiten ist wohl kein gefährlicher Gewand einem Geliebten gegeben worden, ich habe es in meine Brieftasche geschlossen, es hätte mich aufgezehrt.

Liebe Lotte wenn ich nach Eisenach gehe so laß mich ruhiger scheiden. Wenn doch der May der Monat des Friedens für mich wäre.

Lebe wohl ich bin nah bey dir.

Lebe wohl und laß mich Sonntags nicht lange warten. Ich hoffe schönes Wetter. Adieu.

G.[273]


6/1925.


An Charlotte von Stein

Freytag Abends [Jena, 7. Mai.]

Wie gerne wollte ich heute den ganzen Tag herumgelaufen seyn, wenn ich Abends mein Lottgen im Alten Schloß fände.

Ich habe mich in die Stille begeben um dir zu schreiben, nun wird bald Loder kommen und es werden Anatomica zur Erhohlung und Ergötzung der Seele vorgenommen.

Mein Geschäffte geht gut, ich habe soviel Geld, Gewalt, Verstand, Menschen und Geschick dazu als nötig ist, und da kanns wohl nicht fehlen.

Sey nur mit deinen Gedancken fleisig bey mir.

Denn ach Liebe Lotte wenn ich nicht die nächste Woche wieder herüber will muß ich den Sonntag noch zu geben, und erst Montag früh von hier abgehn, ich soll mich der schönen Tage nicht mit dir freuen.

Und es kommen balde die leidigen Tage des langen Scheidens, ich weis nicht wie ich sie überstehen werde.

Adieu Geliebte ich habe indessen die Zeit mit Lodern verschwätzt, der nun auch grose Freude an meinem Wercke hat das immer reifer wird.

Lebe wohl, Liebe!

G.[274]


6/1926.


An Carl Ludwig von Knebel

Schreibe mir doch wenn du kommen wirst, den ganzen Juni bin ich nicht zu Hause, und mögte hoch gern einen Theil deiner Zeit hier mit dir seyn.

Ich biete dir eine artige Wohnung bey mir an wo du frey und ungestört seyn kannst. Wirst du auch manchmal in Tiefurt seyn so ist's doch besser du hast eine Burg im Rücken in die du dich Nothfalls werfen kannst.

Übrigens sage ich dir nichts und freue mich auf dich.

Wenn ich auch noch in Eisenach wäre könntest du recht bequem in meinem Hause seyn, richte dich also ia darauf, es wird dir doch nirgends besser.

Lebe wohl. Ich komme eben von Jena, wo wir Anstalt machen das Verschwemmte wiederherzustellen.

Lebe wohl. d. 9. May 84.

G.


6/1927.


An Caroline Herder

[11. Mai.]

Ich kann nicht verhindern, daß Döderlein geheimer Kirchenrath wird, so unangenehm mir es von mehr als einer Seite ist, für Herdern kann ich das Vergangne nicht wieder gut machen. Die Situation, in der Sie sind, kann ich fühlen, weil ich ähnliche[275] kenne. Nähme Herder den geheimen Kirchenrath an, betrachtete es weder als Ehre noch als Schande (denn welcher Fürst kann seinem Namen Ehre oder Schande anhängen!) so wäre er dadurch in der Klasse, in die er gehört, in der er lange sein sollte; wer vor ihm drinne ist, sei es, über alle Titularen rückt er ohnedies gleich über, es fragt sich, ob Ihr daß Unangenehme, das in der Sache liegen mag überwinden wollt und könnt. Nimmt Herder den Titel nicht, so gebe ich Euch für hier verloren; denn es wird sich alles so verbittern, daß Euch die Verhältnisse unerträglich werden.

Könnte man jetzt auch Döderlein zurückhalten, so käme vielleicht in kurzem ein andrer Fall, und es wäre wieder dasselbe. Der neulich vorgeschlagne Ausweg gefällt mir selbst nicht; man mag verdrüsliche Sachen wenden, wie man will, so werden sie nicht angenehm.

So viel sag ich als Freund, habt Ihr Lust, Aussicht, Hoffnung von hier wegzukommen, nun so laßt es dabei bewenden, laßt Titel haben, wer will, und wartet in der Stille bis Ihr erlöst werdet. Wollt Ihr aber, müßt Ihr aber bleiben, so überwindet das Unangenehme des Moments und Herder nehme das Decret, wie ich meinen Adelsbrief.

Im heutigen Conseil erwartet der Herzog Antwort. Nach Herders letztem Billet muß ich nochmals alles ausschlagen, wenn Sie mir nur vor zehn Uhr[276] ein Wort schreiben wollten. Ich kann nichts mehr sagen, in meinem Obigen liegt alles. Adieu.

Behalten Sie mich als Freund lieb, wenn ich Ihnen als Minister fatal werden muß.

G.


6/1928.


An Charlotte von Stein

Eben dacht ich wie ich gegen 12 Uhr zu dir kommen und dich zum Spaziergang abholen wollte. Du fühlst doch wie glücklich mich deine Bemühung macht mir wohlzutun. Lebe wohl! Wenn es heute gut Glück ist so bring ich diesen Abend mit dir zu.

d. 13. May 84.

G.


6/1929.


An Samuel Thomas von Sömmering

Wohlgeborner

Hochgeehrtester Herr Professor.

Schon seit einiger Zeit liegt ein Brief an Herrn Professor Forster bei mir, und ich weiß nicht, wohin ich ihn schicken soll. Bisher hoffte ich noch immer auf den Reisenden, jetzo aber bitte ich Ew. Wohlgeb. um Nachricht wo er sich aufhält und um die Adresse.

Für die mir communicirten Camperischen Zeichnungen danke ich auf das Beste, und mögte Sie um eine neue Gefälligkeit ersuchen. Die Zoologie macht mir manche angenehme Stunde und Sie könnten dieselben sehr vermehren, wenn Sie mir den Schädel[277] Ihres Elephanten-Skelettes nur auf vier Wochen borgen wollten, er sollte auf das gewissenhafteste verwahrt werden. Könnte ich dabei den Schädel des Nilpferdes erhalten, der, wenn ich nicht irre, im Museo liegt, so wäre mir es um desto angenehmer.

Anfang Juni gehe ich nach Eisenach, könnte ich diese Köpfe dort antreffen, so brauchten sie nicht den Weg hierher zu machen, sondern ich schickte sie Ihnen von Eisenach gleich wieder zurück.

Verzeihen Sie meine Freiheit, und haben Sie die Güte mir nur mit wenigen Worten Nachricht zu geben.

Ew. Wohlgeb.

ergebenster Diener

Weimar den 14. Mai 1784.

Goethe.


6/1930.


An Charlotte von Stein

Da ich mit allerley Kram meine Zeit hinbringe und meine liebe vor Tische nicht sehen kann, soll ihr dies Zettelgen einen Grus tragen und hören wie sie diesen Abendleben wird. Ich hoffe du bleibst meinem Garten wie mir getreu. Vielleicht versuchen wir den keinen Ballon mit einem Feuerkorbe. Sage aber niemanden etwas damit es nicht zu weit herumgreife.

Herders hatte ich eingeladen, sie sind leider bey der Herzoginn Mutter.

Adieu. Ganz dein.

d. 19. May 1784.

G.[278]


6/1931.


An Charlotte von Stein

Ich bedarf gar sehr eines guten Wortes von meiner Lotte daß sie mich recht lieb hat, daß sie gerne mit mir ist und mein bleibt. Leider werde ich bald nicht mehr den Wunsch so leicht befriedigen können von dir ein Paar Zeilen zu haben. Mein Geist wird immer um dich seyn. Lebe wohl. Liebe mich, wenn's möglich komm ich vor zehn Uhr noch.

d. 21. May 1784.

G.


6/1932.


An Charlotte von Stein

Eben verlangt ich in der Stille recht nach einem Worte von dir. Dancke du beste. Heute früh hab ich mancherley zu thun, dann will ich nach Tiefurt reiten und vorher dich sehen lebe wohl und behalte mich dir immer nah.

d. 22. May 84.

G.


6/1933.


An die Marquise Branconi

Wenigstens empfängt Sie ein Brief unter den Felsen von Langenstein, denn es ist doch am sichersten daß ich dahin diese Zeilen anweise.

Sie haben Lavatern gesehen haben ihn besser verlassen dazu wünsche ich uns allen Glück.

[279] Wie gern hätte ich Ihnen auf irgend einem Weege aufgelauert, die Nothwendigkeit hielt mich zurück, ich bin zu ganz andern Dingen bestellt.

Lassen Sie mich hören wie lange Sie bleiben und in welche Plane Ihr Jahr getheilt ist.

Grüssen Sie die Ihrigen herzlich und den redlichen Matthäi der sehr glücklich ist daß man ihn, wie seinen Nominativum den Evangelisten, nicht anders als in Gesellschafft eines sichtlichen Engels dencken kann. Addio. Weimar d. 24. May 84.

Goethe.


6/1934.


An Philipp Erasmus Reich

Für die mir überschickten schönen Bücher dancke ich auf das beste, sie sollen mit mir nach Eisenach wandern, wo Landschaffts Versammlung seyn, und wohin der Hof sich begeben wird. Vielleicht findet sich doch eine einsame Stunde um der Einsamkeiten geniesen zu können.

Ich empfehle mich zu geneigtem Andencken. Weimar d. 24. May 84.

Goethe.


6/1935.


An Charlotte von Stein

Die Hitze hält mich ab meine Lotte zu besuchen, darum diesen schrifftlichen Grus.

[280] Gegen Abend dächte ich besuchten wir das Prinzgen in Belvedere und frühren über Oberweimar wo wir beym alten Docktor absteigen könnten um sein Wetterbeobachtungs Musäum zu besehn.

Lebe wohl. Liebe mich. Waitz hat mir auserordentlich schön gezeichnete Knochen gebracht die mir viel Freude machen.

d. 26. May 84.

G.


6/1936.


An Charlotte von Stein

Hier schicke ich die verlangten Sachen und noch allerley schönes dazu. Mein Herz ist bey dir mein Geist sehr zerstreut und hin und her gezerrt. Lebe wohl auf diesen Abend.

d. 27. May 84.

G.


6/1937.


An Friedrich Heinrich Jacobi

Nur mit wenig Worten begleit ich diese Hefte für deren Mittheilung ich herzlich dancke. Auch ich lebe ietzt im Scheiden und Entbehren, und wünsche dich noch zur schönen Jahrszeit hier zu sehen.

Übermorgen geh ich nach Eisenach ab und wünschte du schriebst mit dahin ob und wann du kommen kannst, denn ich habe diesen Sommer noch allerley auswärts zu thun.

Lebe wohl grüse die deinigen.

[281] Die Stolbergs mit ihren Frauen sind hier, sie gehn ins Carlsbad. Adieu.

d. 29. May 1784.

G.


6/1938.


An Charlotte von Stein

Sag mir l. L. ob die Stolbergs heute Abend in Tiefurt bleiben werden. Ich gehe nicht hinunter und hoffe dich in meinem Garten zu sehen. Wie freue ich mich der paar geschenckten Tage. Lebe wohl. Behalte immer das Gefühl wie sehr ich dein bin.

d. 29. May 84.

G.


6/1939.


An Johann Christoph Döderlein

Hochwürdiger,

insonders hochgeehrter Herr!

Es erfreut mich, Ew. Hochwürden zu einem neuen Zeichen höchster Zufriedenheit Serenissimi glückwünschen zu können, und ergreife begierig diese Gelegenheit, um Sie zu versichern, daß Ihnen nichts Angenehmes begegnen könne, woran ich nicht lebhaften Antheil nehme. Zugleich statte ich meinen Dank ab, daß Sie bei denen in Jena verschiedentlich zu treffenden nöthigen Anstalten geffäligen Beistand leisten und uns haben in den Stand setzen wollen, darin stärkere Vorschritte zu thun. Lassen Sie auch während der Zeit, daß ich genöthigt bin, mich in Eisenach aufzuhalten,[282] nicht nach, denen Hinterlassenen mit Rath und That an Handen zu gehen. Ich habe besorgt, daß Ew. Hochwürden das Nöthige wegen Berichtigung der Kabinetsrechnung zugestellt werde, und es wird sich auch diese Angelegenheit leicht berichtigen lassen.

Ich empfehle mich Ihnen bestens, und indem ich hoffe, bald nach meiner Zurückkunft in Jena einen Besuch abzustatten, unterzeichne ich mich mit aller Hochachtung

Ew. Hochwürden

gehorsamer Diener

Weimar, den 29. Mai 1784.

Goethe.


N.S. Noch habe ich einen Auftrag, mich bei Ew. Hochwürden nach etwas zu erkundigen. Man wünscht zu wissen, was ein gewisser Doktor Müller aus Halle für ein Mann ist. Serenissimus werden veranlaßt, selbigem einen Charakter zu geben, und da sie es niemals gerne thun, ohne die Person wenigstens etwas näher zu kennen, so habe ich geglaubt, Ew. Hochwürden würden darin am Besten eine unparteiische Auskunft geben können.


6/1940.


An Charlotte von Stein

Alles ist eingepackt und ich habe nur noch von dir Abschied zu nehmen, wie sehr fühle ich daß du der Ancker bist an dem mein Schifflein an dieser Rhede festhält! Du innig Geliebte! Möge dir in[283] deiner Ruhe recht wohl seyn, wo du recht zeit hast an den deinigen zu dencken.

Herdern verlaß ich ungern er ist gar gut lieb und herzlich.

Die Stolbergs haben uns noch einen fröhligen verjüngten Tag gemacht, es ist gar hübsch daß ich vor der Abreise noch einmal in ienen Seen der Jugend durch die Erinnerung gebadet worden. Lebe wohl.

Von Eisenach mehr. Ich lebe dir ganz.

d. 3. Jun. 84.

G.


6/1941.


An Charlotte von Stein

Gotha d. 5. Jun. 1784.

Diese Paar Tage her konnt ich nicht zu einer Ruhestunde kommen meiner Lotte zu schreiben, nun soll sie wenigstens mit diesem Posttage einige Zeilen haben. Seit ich von dir bin hab ich keinen Zweck des Lebens, ich weis nicht wozu mir ein Tag soll an dem ich dich nicht sehen werde, am meisten quält es mich wenn ich etwas gutes geniese ohne es mit dir theilen zu können.

Fritz ist sehr munter, ich habe ihn an alle Orte allein hingeschickt damit er sich betragen lerne und wie ich höre und mercke macht er es recht gut, es freut mich dir ihn immer besser wieder zu bringen.

Man begegnet mir hier sehr freundschafftlich und ich kann offen und zutraulich gegen die Menschen[284] seyn ohne mein Herz hinzugeben das in guter Verwahrung ist.

Ich habe die Schneidern besucht, die mich geiammert hat. Sie ist gewiß ein seltenes gutes Geschöpf, das menschlichem Ansehn nach kein halb Jahr mehr leben kann. Sie trägt ihre Übel mit einer Gelassenheit, ist so verständig beträgt sich so artig daß es mich nicht wundert wenn die beyden Prinzen sehr lebhafften Anteil an ihr nehmen.

Was aus dem Herzog werden soll wenn sie stirbt seh ich nicht, Gott bewahre ieden für so einer Lage. Er hofft noch, ich würde nicht hoffen können. Ich habe es recht lebhafft gefühlt daß ich im Stande wäre in gleichem Falle meiner Geliebten Gift an zu bieten und ihn mit ihr zu nehmen.

Man hat mir allerley schöne Sachen sehen lassen die mich unterhalten haben. Gestern Abend vertraute mir die Oberhofmeisterinn Memoires pour servir à l'Histoire de Mr. de Voltaire ecrits par lui meme unter den feyerlichsten Beteuerungen an. Man sagt das Büchlein solle gedruckt werden, es wird entsetzliches Aufsehn machen und ich freue mich nur darauf weil du es lesen wirst, es ist so vornehm und mit einem so köstlichen Humor geschrieben als irgend etwas von ihm, er schreibt vom König in Preusen wie Sueton die Scandala der Weltherrscher, und wenn der Welt über Könige und Fürsten die Augen aufgehen könnten und sollten so wären diese Blätter wieder eine köstliche[285] Salbe. Allein man wird sie lesen, wie eine Satyre auf die Weiber, sie bey Seite legen und ihnen wieder zu Füssen fallen.

Noch von Weimar her einige Worte. Die Herzoginn hat die ältste Gräfinn sehr zu distinguiren fortgefahren. Ich glaube den Vereinigungs Punckt beyder Seelen zu entdecken und wenn ich dir ihn mittheilen werde sollst du urtheilen ob ich recht habe.

Wie die kleine Agnes mir schöne that und bat ich solle noch einen Tag bleiben, warfen ihr die Brüder vor sie thue es nur weil sie dadurch hoffe den Herzog noch einen Tag zurück zu halten und setzten scherzend die Rangordnung fest, daß er der erste der Weimaraner in ihrem Herzen, ich der zweyte und die Göchhausen die dritte sey. Ich nahm es ohngeachtet ihrer Verteidigung als wahrscheinlich und wahr auf, versicherte daß ich mir fest vorgesetzt habe mit einem Fürsten weder um ein Herz zu streiten noch es mit ihm zu theilen und reiste ab.

Leopold hat mir von Stund zu Stunde besser gefallen und ich hätte wohl gewünscht mit ihm eine Zeitlang zu leben, in den ersten Tagen wenn man mit alten Bekannten wieder zusammen kommt sieht man doch nur das alte Verhältniß biß alsdenn ein weiterer Umgang entwickelt in wie fern sich Menschen verändert haben oder dieselben geblieben sind.

Wie freue ich mich auf einen Brief von dir die ich immer sich gleich und mir nur immer liebevoller[286] gefunden habe. Wie glücklich machst du mich! denn ich mag irgend ein Gut sehen, davon hören oder lesen; so fühle ich daß ich es in dir habe.

Lebe recht wohl und vergnügt in deiner Stille. Mir haben diese wenigen Tage schon sehr gut gethan ich bin wohl und munter und freue mich auf die Eisenacher Felsen wo ich dein gedencken und wo möglich dir etwas zeichnen werde. Die Nation selbst freut mich nicht und alles, sogar Madm. Ackermann wiederzufinden damit man ia glaube man sey zu hause ist nicht das anmutigste wenn man entfernt von der Beliebtesten fühlt daß man sehr weit von Hause ist.

Adieu heute werde ich deinen Ring anstecken, und mich im Stillen deiner Liebe bey dessen Anblick erfreuen. Morgen gehe ich nach Eisenach und du hörst bald wieder von mir.

Die Öttinger hab ich besucht.

Lebe wohl du einzige.

G.


6/1942.


An Charlotte von Stein

Eisenach d. 7. Jun. 84.

In Gotha ist es mir recht gut gegangen, und es hat mir sehr wohl gethan meine Seele auch nur auf einige Tage ausgespannt zu haben. Einigemal überfiel mich ein recht schmerzliches Verlangen nach dir, und nahm mir den Genuß des gegenwärtigen Guten.

[287] Hier habe ich's gefunden wie es zu erwarten war. Die Hofleute klagen über Langweile, über stehen, geben, fahren, Staub, Hitze, Berge u.s.w. Loben die Gegend auserordentlich und haben keinen Genuß davon. Die Herzoginn sieht munter und ist von den Menschen sekkirt. Der Herzog streicht in der Gegend herum pp.

Ich bin mit der grösten Gelassenheit angelangt und werde alles eben so gleichmütig abwarten. Wie unterschieden von dem Törigen dunckeln Streben und Suchen vor vier Jahren, ob ich gleich manche anmuthige Empfindung voriger Zeiten vermisse.

Die Berge und Klüffte versprechen mir viel Unterhaltung, sie sehen mir zwar nicht mehr so mahlerisch und poetisch aus, doch ist's eine andre Art Mahlerey und Poesie womit ich sie ietzt besteige.

Voigt ist hier und macht meinen Vorläufen damit ich nur interessante Stellen besuche.

Die Fürsten haben sich besprochen auf dem Inselsberg zusammen zu kommen, ich werde mich mit einer besondern kleinen Gesellschafft gleichfalls dort einfinden.

Zu meiner grosen Freude ist der Elephanten Schädel von Cassel hier angekommen und was ich suche ist über meine Erwartung daran sichtbar. Ich halte ihn im innersten Zimmergen versteckt damit man mich nicht für toll halte. Meine Hauswirthinn glaubt es sey Porzellan in der ungeheuren Kiste.

Wir sind sehr schön und bequem einquartirt. Fritz[288] ist sehr vergnügt und wohl. Die Prinzen haben ihm in Gotha einen grosen Drachen geschenckt den wir in dem Wagen mit nahmen.

Zum Schrecken aller wohlgesinnten geht die Rede als sollten die Memoires des Voltaire von denen ich schrieb gedruckt werden, mir macht es ein groses Vergnügen damit du sie lesen kannst. Ich soll eins der ersten Exemplare erhalten und ich schicke dir es gleich.

Du wirst finden, es ist als wenn ein Gott (etwa Momus) aber eine Canaille von einem Gotte, über einen König und über das Hohe der Welt schriebe. Dies ist überhaupt der Charackter aller Voltairischen Witz Produckte, der bey diesen Bogen recht auffällt. Kein menschlicher Blutstropfe, kein Funcke Mitgefühl, und Honettetät. Dagegen eine Leichtigkeit, Höhe des Geistes, Sicherheit die entzücken. Ich sage Höhe des Geistes nicht Hoheit. Man kan ihn einem Luftballon vergleichen der sich durch eine eigne Luftart über alles wegschwingt und da Flächen unter sich sieht, wo wir Berge sehn.

Lebe wohl liebe Lotte. einige Stunden werden nun aus Pflicht verdorben dann hoffe ich gegen Abend einen anmutigen Spaziergang, wo ich dein mehr gedencken werde als mir gut ist.

Du fühlst doch wie ich dich liebe.

Jeder Buchstabe dieses Briefs wird dir es sagen.[289]


Abends.

Ein Tag vorbey! Wie? das wirst du fühlen wenn du dich der letzten glücklichen Zeiten erinnerst, die wir nie so schön zusammen zubrachten. Gute Nacht.


d. 7. Jun. Nachts.

Eh ich zu Bette gehe muß ich mich noch einige Augenblicke mit dir unterhalten ob ich dir schon auf dem vorigen Blatte gute Nacht gesagt habe. Es thut mir so ungewohnt daß ich dir nicht alle meine Gedancken entdecken und mittheilen kann.

Einige Neuigkeiten.

Osann fordert nicht weniger als 800 rh., eine Pension für seine Frau auf den Fall seines Ablebens von 200 rh., für den iungen Hufland auch etwas pp. In so fern es wieder über die Caffe geht ärgerts mich, wenn ich's gleich im Grunde billigen muß, denn ein alter Leibmedikus wäre Streiche werth wenn er nicht wüßte daß man zur rechten Zeit keine Bedingungen machen, das Eisen schmieden muß wenn es warm ist. Bleiben sie auf ihren Forderungen; so werden sie ihnen wahrscheinlich zugestanden, überlassen sie es der Diskretion und gehn auf ein unbedingt Versprechen von künftiger Verbesserung ein; so findet sich nie, oder doch so leicht nicht der Terminus a quo da man glaubt es ihnen geben zu können.

Gegen Abend fing ich einen Spaziergang nach alter Art an, gerade zu über Zäune Hohlweege,[290] Thäler und Felsen, ein Regen hies mich abbrechen, ich that es gern da er der Erde so erwünscht kommt.

Ein schön Mineralienkabinet bey Appelius habe ich gesehn! Nur einen Teil. Es sind schöne Sachen darinne die ich noch nicht kannte. Es wird mich noch manchmal unterhalten.

Sodann habe ich den grosen Schädel zu studiren angefangen und finde mehr als mir lieb ist, wieder neues und neues, und doch studirt man darum die Natur. Nun im Ernste gute Nacht du beste einzige.


d. 8. Jun. Abends.

Deine lieben Briefe sind angekommen, und ach ich bin deiner Gegenwart so gewohnt daß sie mir kalt vorkamen, daß ich erst wieder mich gewöhnen musste deiner Handschrifft eben den Sinn zu geben den die Worte von deinen Lippen haben.

Schreibe mir ia recht fleisig und viel.

Wir haben einen Improvisatore hier gehabt, den ich nur kurz gehört habe, er macht seine Sachen recht gut, ich hätte gewünscht ihn länger und in seinem Glanze zu sehen.

Deinen Ring hatte ich in Gotha angesteckt, und die Leute konnten glauben ich freute mich darüber als Kleinod. Es war dein lieber Buchstabe meine Lotte der meine Lust und mein Stolz war. Hier muß ich ihn verborgen halten und mein alter gewohnter Gefährte fehlt mir auch.

[291] Wenn ich dich in Kochberg dencke wie sehr wünsche ich bey dir zu seyn! Wie sehr würde ich mich freuen dich zu unterhalten und dir tausend Gedancken mitzutheilen.

Sehr wohl habe ich auf unsern letzten Spaziergängen gefühlt wie schlecht ich deine Abwesenheit würde ertragen können. Schon heute hab ich Projeckte gemacht ob es nicht möglich sey dich auf einen Tag zu besuchen. Dann habe ich mich gescholten daß ich dich nicht beredet mit hierher zu gehn und finde daß es so schön angegangen wäre, daß es so natürlich gewesen wäre.

Tausendmal Adieu. Ich bin mehr als iemals dein.

Fritz streift herum. Dieser Aufenthalt wird ihn sehr bilden helfen, nochmals lebewohl, du weist wie ich nicht von dir kann. Mein Herz lässt keinen Augenblick von dir. Adieu


6/1943.


An Samuel Thomas von Sömmerring

Sie haben mir durch Übersendung des Elephanten-Schädels ein großes Vergnügen gemacht. Er ist glücklich angelangt, und ich verwahre ihn in einem kleinen Cabinete, wo ich ihm heimlich die Augenblicke widme, die ich mir abbrechen kann, denn ich darf mir nicht merken lassen, daß ein solches Ungeheuer sich in's Haus geschlichen hat.

Mein Wunsch wäre nur ihn mit nach Weimar[292] nehmen zu können, von da Sie ihn längstens Anfang September, wenn Sie ihn nicht eher brauchen, zurück haben sollen. Ich mögte ihn gar gerne mit einem großen Schädel, den wir besitzen, und mit andern Thierschädeln vergleichen, besonders da meine Hoffnung, die meisten Suturen und Harmonien unverwachsen zu finden, glücklich eingetroffen ist. Wie sehr mich diese Wissenschaft, der ich im eigentlichen Sinne nur Minuten widmen kann, anzieht, werden Sie leicht fühlen, da Sie sich ihr ganz gewidmet haben. Welch Vergnügen würde es mir sein, Ihnen bald einmal von meinen kleinen Bemühungen Rechenschaft geben zu können.

In Weimar haben wir einen Ballon auf Montgolfierische Art steigen lassen, 42 Fuß hoch und 20 im größten Durchschnitt. Es ist ein schöner Anblick, nur hält sich der Körper nicht lange in der Luft, weil wir nicht wagen wollen, ihm Feuer mitzugeben. Das erstemal legte er eine Viertelstunde Wegs in ungefähr 4 Minuten zurück, das zweitemal blieb er nicht so lange. Er wird ehstens hier steigen.

Auf den Schädel des Hippopotamus hatte ich gleich nicht so sicher gerechnet als auf Ihre Gütigkeit. Vielleicht glückt es in der Folge. Durch wen könnte man denn etwa dazu gelangen? Besonders da der Herr Landgraf abwesend ist. Ich kenne die Verhältnisse in Cassel wenig, und weiß nicht wer über Todte und Lebendige gebietet.

[293] Ich freue mich recht auf Mercken, wenn er von Klein Lanckum zurückkommt, er wird sich so vollpfropfen und es wacker wiederkäuen.

Ich komme noch einmal auf den Schädel zurück. Die ossa unguis waren mir ein erwünschter Anblick. Eh' ich von Weimar ging, zeichnete ich auf unsern großen Schädel die Suturen wo ich sie muthmaßte, um nachher zu sehen wo ich mich geirrt hätte. Von den ossibus unguis fand ich keine Spur.

Wenn Sie zu irgend einer Druckschrift etwa ein Präparat zu zeichnen oder zu stechen haben, so schicken Sie es mir, ich habe einem jungen Menschen Anleitung gegeben nach der Camperischen Manier zu arbeiten, er verspricht viel. Leben Sie recht wohl.

Ew. Wohlgeb.

ergebenster Diener

Eisenach den 9. Juni. 1784.

Goethe.


6/1944.


An Charlotte von Stein

[Eisenach] Mittwoch d. 9ten Jun. 84. Abends.

Werde es nur nicht müde zu hören daß mir deine Abwesenheit unerträglich ist und daß ich den Tag über tausend närrische Einfälle habe um dich zu sehen.

Heute habe ich bey den Felsen den ersten Besuch abgelegt und bin davon wohl zufrieden, es werden[294] mir auf dieser Reise allerley Lichter aufgehen, man muß nur suchen und immer wiederkommen.

Unsre Geschäffte gehn einen leidlichen Gang, nur leider aus nichts wird nichts. Ich weis wohl was man statt all des Rennens und Laufens und statt der Propositionen und Resolutionen thut sollte.

Indessen begiest man einen Garten da man dem Lande keinen Regen verschaffen kann.

Wie eingeschränckt ist der Mensch bald an Verstand, bald an Krafft, bald an Gewalt, bald an Willen.

Die Stunden die dein gehören bring ich alleine zu; so freundlich mir die Menschen sind kann ich doch nichts mit ihnen verkehren. Ich binn nun eingewöhnt und verwöhnt dir anzugehören und bin auf diesen Punckt abgeschnitten, das heist nach Lavaters Terminologie so gut wie wahnsinnig.

Heute habe ich ganz köstliche Weege durchwandelt nicht ohne Beschweerde, und habe wie immer bey iedem schönen Gegenstande dich mir herbeygewünscht.

Leider würdest du, wenn du auch hier wärest die meisten nicht sehen können.

Durch den italiänischen Improvisator belebt hab ich im Spazieren versucht auch aus dem Steegreife Verse in deutscher Sprache hinzugiesen, es hat ungleich mehr Schwierigkeiten, doch müsste es auch, mehr oder weniger gehn, wenn man sich drauf legte.

Kannst du dir denn nichts ersinnen uns hier zu besuchen.[295]


d. 10. Jun. 84.

Heute habe ich einen angenehmen Tag zugebracht. Die Herzoginn ist mit der Wedel allein nach Wilhelmsthal ich bin zu Mittage hinausgeritten und komme erst iezo halb eilfe zurück. Erst fand ich den Prinzen von Barchfeld und dann waren wir allein. Sie war anmutig und offen, und ich konnte mit ihr reden wie ich mit dir rede, einige Punckte ausgenommen die deine Regalien sind.

Unsre Geschäffte scheinen einen schnelleren Gang zu gehen als wir hofften, doch will ich mich nicht zu frühe erheben, ich habe es schon öffter erlebt daß sie sich wieder in's weite lenckten. Fritsch will gerne auf sein Gut und befördert also was er kann. Ich mag mir gar nicht dencken wie glücklich ich wäre. Gute Nacht.


d. 11. Jun.

Ich habe dir noch nicht gesagt daß die Bechtolsheim, die so gesund aussah als sie uns das letztemal verlies, sehr kranck niedergelegen. Sie bessert sich. Es thut mir leid um sie daß sie die ganze schöne Hofepoque auf dem Bette verpassen muß.

Man sagt mir ich könne in 31 Stunden in Franckfurt seyn, und ich kann nicht den flüchtigsten Gedancken haben dorthin zu gehn. So hast du meine Natur an dich gezogen daß mir für meine übrigen Herzenspflichten keine Nerve übrig bleibt.

Mit der fahrenden sende ich dir allerley Sachen,[296] besonders einen Traum von Fritz Stolberg in Hexametern. Ein recht himmlisch Familienstück. Man muß sie kennen, sie zusammen gesehen haben um es recht zu geniesen.

Mein Himmel ist einsamer, du machst den ganzen Kreis desselben aus.

Du glaubst nicht wie Schreibfaul ich bin, an dich allein mag ich schreiben wie ich allein mit dir reden mag. Wenn ich mit andern selbst vernünftigen Menschen spreche, wie viel Mittel Töne fehlen die bey dir alle anschlagen. Alles was die Menschen suchen habe ich in dir.

Major Niebecker dessen du dich von Alters vielleicht erinnerst, er wohnte hier, hatte drey Töchter die sich durch Sonderbarkeiten auszeichneten, erbt einen verwandten in Paris, der ihm im gewissen dreymalhunderttausend Thaler hinterlässt, andre sprechen gar von 2 Millionen Livres. Die Famielie hatte wenig Hoffnung zur Erbschafft dieses Mutterbruders, der ihnen im Leben wenig Guts erzeigte, und von dem man glaubte er habe von einer Maitresse Kinder die er zulezt für die seinigen erklären und ihnen das Vermögen zu wenden würde.


d. 12ten.

Heute haben wir eine mineralogische Spazierfahrt gemacht und uns auf gut bergmännisch wacker erlustigt. Der einfache Faden den ich mir gesponnen habe, führt mich durch alle diese unterirdische Labyrinthe gar[297] schön durch, und giebt mir Übersicht selbst in der Verwirrung.

Ich möchte dich nur immer von meiner Liebe unterhalten. Wie einsam ich bin lässt sich nicht mit Worten ausdrucken. Ich sehe niemand, und wenn ich iemand sehe ist nur eine Gestalt von mir in der Gesellschafft.

Ich ging in die Commödie nur um Menschen zu sehen, und konnte zuletzt nicht mehr bleiben, das Stück war unendlich, und mein Vorrath Communikabilität alle aufgezehrt.

Stein sagt mir er habe Briefe von dir, ich habe noch keine heut, noch hoff ich immer darauf, es wäre mir gar zu betrübt wenn ich leer ausgehn sollte, und du über deiner Wirthschafft und Häuslichkeit mich vergäsest.

Fritzen geht es sehr wohl. Er ist mit soviel neuen Gegenständen umgeben mit denen er spielen kann, mag und darf.

Lebe wohl meine Lotte, ich darf nicht weiter schreiben, denn der Brief muß auf die Post. Lebe wohl, Liebe mich, Sage mir's und mache mich in dir glücklich. Wie befindest du dich? Es fällt mir manchmal ein du könntest nicht wohl seyn. Adieu.

G.[298]


6/1945.


An Charlotte von Stein

[Eisenach] Sonntags d. 13. früh.

Auch mit der Post die Heute Nacht angekommen habe ich nichts von meiner Lotte erhalten, so sehnlich ich es gewünscht.

Hier schicke ich die versprochnen Sachen und einen lustigen Brief von der Göchhausen dazu.

Behalte mich lieb.

Stein freut sich über deine Wirthschafftlichkeit und ist gar gut gegen mich.

Die Frau von Lengefeld ist hier durch, ich habe sie nicht gesehn.

Ich muß schliesen. Denn ein Bote nimmt dieses Packet mit.

Adieu l. Lotte. schreibe mir doch bald schreibe mir immer.

G.


6/1946.


An Charlotte von Stein

[Eisenach] Montags d. 14. Jun.

Ich fange wieder einen Brief an und was habe ich dir zu sagen als daß es mir immer schmerzlicher wird von dir entfernt zu seyn, daß ich vergebens meinen Geist der sich an diese Richtung so sehr gewöhnt hat nur auf Augenblicke wegzuwenden suche.[299] Noch habe ich keine fröhliche Empfindung gehabt seit ich hier bin und sie wird mir auch erst bey deinem Anblick wieder werden du lieber Innbegriff meines Schicksals.

Wenn ich mir auch vornehme dich nicht mit meiner monotonen Leidenschafft zu unterhalten; so fliest es mir widerwillen aus der Feder.


Abends.

Heute hat uns Frau v. Herda nach Creutzburg auf die Saline beordert, wäre es schön Wetter gewesen so hätten wir ihr dancken müssen, da aber starcker Regen einfiel; so ward der guten Frau die beste Mühe mit Undanck belohnt.

Gestern war der Herzog von Gotha und Prinz August hier. Letzter trug den Nahmen Charlotte von den Haaren seiner Schwägerinn in einer Nadel an der Krause, ich wollte du erlaubtest mir so auch den deinen zu tragen noch lieber in einem Ringe.

Ich habe den Prinzen in der Antichambre so laut lachen gemacht daß alles sich verwunderte. Es war nicht so wohl ein bon mot, als es ward ein's und es lässt sich nicht wieder erzählen. Mich freute es herzlich ihn so lachen zu sehn. Da es mir beynahe geht wie Carlin, der selbst traurig andern Freude machte.

Ich werde hier nicht froh. Berge und Felsen, Wälder und Wolcken vermögen nichts über mich da du mir fehlst. Wie beneid ich dich daß du mich[300] so sehr, und so viel ruhiger und glücklicher lieben kannst.

An Wilhelm habe ich hier und da eingeschaltet und am Style gekünstelt daß er recht natürlich werde und habe nun den Schluß des Buchs recht gegenwärtig. Wenn ich wieder zu dir komme wollen wir es schliesen. Ich habe Liebe zu dem Wercklein weil ich dencke es macht dir Freude.

Nun gute Nacht. Fritz hat an meine Mutter o geschrieben, und er räth mir gar sehr an sie zu besuchen er kann nicht begreifen daß ich so viel zu thun habe.


den 15. Jun.

Es geht ein Husar nach Weimar dem ich dieses Blat mitgebe und darum nichts hinzufüge. Lebe wohl. Du hörst bald wieder von mir.

G.


6/1947.


An Charlotte von Stein

[Eisenach] d. 17. Juni 84.

Gestern den 16ten erhielt ich erst deinen liebsten Brief der bis zum 13ten geht. Du wirst nun gewiß auch Briefe von mir haben. Auf einem beyliegenden Zettelgen schreibe ich dir was ich abgeschickt habe.

Da ich die Memoires de Voltaire eben erhalte muß ich dir sie gleich schicken, und es verlangt mich nach schnellerer Nachricht von dir. Ich will einen[301] Boten absenden damit ich gewiß weis daß mein Packt bald in deine Hände kommt.

Wie einsam ich bin werden dir meine Briefe gesagt haben. Ich esse nicht bey Hofe, sehe wenig Menschen, gehe allein spazieren und an iedem schönen Plaz wünsche ich mit dir zu seyn. Ich kann mir nun nicht helfen daß ich dich lieber habe als mir gut ist desto besser wird mir seyn wenn ich dich wiedersehe.

Meine Nähe zu dir fühl ich immer, deine Gegenwart verläßt mich nie. Durch dich habe ich einen Maasstab für alle Frauens ia für alle Menschen, durch deine Liebe einen Maasstab für alles Schicksal. Nicht daß sie mir die übrige Welt verdunckelt, sie macht mir vielmehr die übrige Welt recht klar, ich sehe recht deutlich wie die Menschen sind was sie sinnen wünschen, treiben und geniesen, ich gönne iedem das seinige und freue mich heimlich in der Vergleichung, einen so unzerstörlichen Schatz zu besitzen.

Dir geht es in der Wirthschafft, wie mir manchmal in Geschäfften, man sieht nur die Sachen nicht weil man die Augen nicht hinwenden mag und sobald man die Verhältnisse recht klar sieht haben die Dinge auch bald ein Interesse. Denn der Mensch mag immer gerne mitwürcken, und der Gute gern ordnen, zurechtlegen und die stille Herrschafft des rechten befördern.

Den Elephantenschädel nehm ich mit nach Weimar.

Meine Felsen Spekulationen gehen sehr gut. Ich sehe gar viel mehr als andere die mich manchmal begleiten[302] und auch auf diese Sachen aufmerksam sind, weil ich einige Grundgeseze der Bildung entdeckt habe, die ich als ein Geheimniß behalte und deswegen die Gegenstände leichter beurtheilen kan.

An Wilhelm habe ich nicht weiter geschrieben. Manchmal geh ich das geschriebne durch und arbeite es aus, manchmal bereit ich das folgende. Wenn ich wieder dicktiren kann soll dieses Buch bald fertig seyn.

Unendlich werden dich die Memoires unterhalten. Uns andern die zum Erbtheil keine politische Macht erhalten haben, die nicht geschaffen sind um Reichthümer zu erwerben, ist nichts willkommner als was die Gewalt des Geistes ausbreitet und befestigt. Nun schweig ich auch ganz stille von dem Büchlein um zu hören was andre drüber sagen.

Wenn du es gelesen schick es doch gleich an Herdern mit Bitte es noch geheim zu halten.

Fritz ist glücklich und gut. Er wird ohne es zu mercken in die Welt hineingeführt und wird damit bekannt seyn ohne es zu wissen. Er spielt noch mit allem, gestern lies ich ihn Suppliquen lesen und sie mir referiren. Er wollte sich zu Todte lachen, und gar nicht glauben daß Menschen so übel dran seyn könnten wie es die bittenden vorstellen.

Adieu du tausendmal Geliebte.[303]


6/1948.


An Charlotte von Stein

[Eisenach] Freytags d. 18ten Jun. 84.

Ich bin stille und ruhig in Hoffnung daß ich Sonntags gewiß Nachricht von dir haben werde. Mein glücklicher Abgesannter ist in dem Augenblicke da ich dieses schreibe bey dir.

Unsre Angelegenheiten gehn noch leidlich und ich könnte bald Hoffnung fassen zu entwischen. Lieber will ich mich auf diesen Monat gar resigniren, denn gegen das Ende giebts doch allerley das man nicht mit Ungeduld und Übereilung thun muß.

Das Wetter das den Landwirthen angenehmer als uns Spaziergängern ist hält uns zu Hause und ich kan meinen Untersuchungen nicht folgen wie ich will. Jedermann berufst mich über meine Einsamkeit, sie ist iedermann ein Rätzel und niemand weis mit welcher köstlichen Unsichtbaren ich mich unterhalte.

Von der Niebeckerischen Erbschaft schrieb ich dir neulich es ist gewiß daß sie 1 Million Livres beträgt.

Das Tableau de Paris hat mein Verlangen diese Stadt zu sehen vermehrt und vermindert.


Sonnabends d. 19ten.

Mein Bote ist nun schon wieder von dir weg, und wieder auf dem Weege zu mir. Mit welchem Verlangen ich ihn erwarte!

[304] Merck hat einen Brief an die Herzoginn Mutter über Campern geschrieben davon ich dir einen Theil durch Fritzen habe kopiren lassen.

Gestern Abend habe ich auf der Wartburg einer Luft und Wolckenscene beygewohnt, wovon ich noch keinen Begriff hatte daß so etwas möglich sey. Mit Worten ist auch nicht der kleinste Theil davon zu beschreiben. Mein sehnlichster Wunsch wenn mir so etwas guts begegnet ist nur daß du gegenwärtig seyn mögest.

Für heute nimm hiermit vorlieb. Ich wollte diesen Posttag nicht vorüber gehen lassen.

Ich habe auch einen Brief von Merck früher als der Herzoginn hier schick ich ihn dir.

Lebe wohl du beste. Ich lebe für dich und mein beständiger fortdaurender Wunsch ist dir zu leben dir Freude zu machen, dir zu nützen, dein zu seyn.

G.


6/1949.


An Charlotte von Stein

[Eisenach] d. 20ten Juni 84.

Wieder ein Tag den ich in deinem Nahmen anfange. Ich habe heute Briefe von Tiefurt und von Herders erhalten, diese sind gar lieb und gut gegen mich. Sie stehen mit deinem Bruder übel, ich sehne mich auch um ihrentwillen sehr nach Hause.

In wenigen Stunden erwarte ich meinen Boten zurück, wie wird mich eine Zeile von dir erfreuen!

[305] Die Bechtolsheim ist wieder besser, und gleich wieder so munter und genüglich wie du sie kennst. Sie erzählt mir was die Leute von mir sagen. Frau von Lichtenstein in Gotha hat ihr versichert: Qu'elle m'avoit trouvé entierement changé, que ie n'etois pas seulement presentable partout, mais meme aimable.

Es ist mir als wenn ich dir diese Aneckdote schon einmal geschrieben hatte. Ich dencke so viel an dich und was ich dir schreiben will daß es in meinem Gedächtniß zusammen fliest. Du siehst wenigstens daraus wie angelegen mir ist dir zu sagen daß die Menschen deine Wahl in ihrer Sprache nicht misbilligen. Ach ich weis von alle dem nichts, fühle nichts als daß du mich liebst.

Mein Bote ist glücklich wieder zurück, und hat mir so viel von dir mitgebracht! Wie erfreut bin ich, wie sehr hast du mein Leben erneut.

Der Ring ist mir eine wahre Wohlthat und accurat recht. Ich lies mir viel erzählen wie er dich getroffen hatte. Ich weis es hat dir eine rechte Freude gemacht.


d. 21ten.

Mit wie viel Freude les ich deine Briefe wieder. Schon gewöhne ich mich auch den geschriebnen Worten deine Liebe anzusehn, verzeih mir wenn der Mangel deiner Gegenwart mir selbst die geliebte Handschrifft kalt machte.

[306] Ich habe mit Bätty einen Spazierritt gemacht und ein Cammergut besehen, nachher sind wir in der Gegend umhergeritten, sie ist so reich und schön als sich etwas dencken lässt.

Gerne wollt ich des Tags meine Schuldigkeit thun und was mir auferlegt ist treiben wenn ich nur Abends dich wieder erreichen könnte.

Es geht ein Husar nach Weimar der dieses Blat mitnehmen soll. Es reut mich daß ich einige Stunden in der Commödie und nicht mit dir zugebracht habe. Künftigen Winter wird das wieder unsre beste Zeit seyn wenn die andern im Schauspiele sind und wir für uns ein hergebrachtes liebes stilles Leben führen.

Leider wird mir der Sommer nicht zur schönen Jahrszeit da er mich gewöhnlich von dir entfernt.

Schreibe mir nur recht viel. Ohne dich ist mir eine Lücke in meinen Tagen die ich noch nicht ausfüllen lerne.

Lebe wohl du lieber Innbegriff aller meiner Freuden und Schmerzen, Lebe wohl.

G.


6/1950.


An Johann Gottfried und Caroline Herder

Schon so lange ich hier bin gehe ich mit einem Briefe an Euch um, nun kommt mir der Eurige zuvor. Tausend Danck.

[307] Mein Sutor wird Euch gegrüst haben, heute erwart ich ihn zurück.

Hier bin ich abgeschnitten. Einen guten Nachmittag habe ich bey der Herzoginn in Wilhelmsthal zugebracht, wo ich meist redete wie ich dachte, übrigens bleibt alles eng und verschlossen.

Daß Menschen hier sich nähren und rühren ist ein fröhliger Anblick, leider ist's auch nicht allgemein.

Sömmering hat mir den Elephanten Kopf, der von der grösten Merkwürdigkeit ist, hierhergeschickt, ich bringe ihn mit nach Weimar. Für meine Untersuchung besonders ist er unschätzbar. Ich finde den grösten Theil dessen was ich gesucht habe daran, und wie es zu gehn pflegt, mehr als ich gesucht habe. Er hat mir auch Campers unedirte Tafeln die einen solchen Schädel mit Muskeln vorstellen zugeschickt.

Auf den Felsen bin ich fleisig herumgestiegen, und habe viel gefunden das mir taugt. Auch glaube ich ein ganz einfach Principium entdeckt oder vielmehr so angewendet zu haben daß es die Bildung der gröseren Steinmassen völlig erklärt.

Bey unsern Geschäfften interessirt mich ein einziger Punckt und der ist abgethan. Übrigens ist da keine Freude zu pflücken. Das arme Volck muß immer den Sack tragen und es ist ziemlich einerley ob er ihm auf der rechten oder lincken Seite zu schweer wird.

[308] Fritz Jakobi wird nicht kommen, er hat mir einen Brief geschrieben woran ich sehe daß es ihm sehr übel zu Muthe ist.

Erhaltet mir Eure Liebe denn ich bedarf ihrer, Ich liebe Euch herzlich und freue mich aufs Wiedersehn. Ich gehe hier herum wie ein verlohren Schaaf und finde nicht was meine Seele sucht.

Das fünfte Buch Wilhelm Meisters ruckt auch sachte zu ich wünsche ihm wie den vorigen gute Aufnahme.

Hamans Grus erwiedre ich danckbar, ich dachte nicht daß er von mir wisse.

Frau v. Stein wird dir das Muster aller Schandschrifften, Voltaires Memoires die eigentlich nur sein Verhältniß mit dem König in Preusen betreffen, zuschicken. Die Zeitungen sagen der alte Löwe gebe sich alle Mühe das Mercklein in Paris unterdrucken zu lassen, und das ist die schlimmste Partie die er ergreifen kann.

Lebet wohl und liebet. [Eisenach] d. 20. Juni 1784.

G.


6/1951.


An Charlotte von Stein

[Eisenach] d. 23. Jun. 84.

Es ist noch immer im Alten und ich habe dir nichts neues zu sagen, dieser Monat und die ersten[309] Tage des folgenden gehn noch vorüber eh ich dich sehn werde. Ich warte wieder sehnlich auf Briefe und freue mich iedes Tags der vorüber ist. Sonst geht mir's wohl ich bin artig gegen die Menschen und altes ist freundlich, mein Geist ist immer heimlich nach dir gerichtet.

Die Seckendorf und Carolingen sind hier, die letzte geht mit der Gräfinn Backov wieder fort.

Habe ich dir schon gesagt daß Osann hier ist, daß die Herzoginn sich besser befindet, und iedermann an Hofe auch für seine eigne Person voll Trostes ist. Mir ist es um deinetwillen ein Geschenck, da er nun bey uns bleibt wird er dir von groser Hülfe seyn. Denn ich bin täglich mehr überzeugt der alte sah zuletzt für lauter Wissenschafft gar nichts.

Je älter man wird desto mehr verschwindet das einzelne, die Seele gewöhnt sich an Resultate und verliert darüber das Detail aus den Augen. So glaub ich auch der Alte sah zuletzt nur die Kranckheit nicht den Krancken. Auch ist das Glück und die Frauens für die Jugend, sie bedarf keiner Hülfe und ist Hülfe reich.

Das böse Wetter hindert mich an meinen Felsen Spekulationen, eh ich weg gehe will ich noch ein Paar Tage dran wenden und die Gebürge durchstreichen. Wenn ich mir nur ein Andencken für dich irgendwo aussinnen könnte. Ich hatte vor in irgend einen Felsen einhauen zu lassen:


[310] Was ich leugnend gestehe und offenbarend verberge

Ist mir das einzige Wohl, bleibt mir ein reichlicher Schatz

Ich vertrau es dem Felsen damit der Einsame rathe

Was in der Einsamkeit mich was in der Welt mich beglückt.


Eben da ich dieses schreibe kommt dein lieber Brief, und ein Brief von meiner Mutter den ich dir mitschicke.

Wie dancke ich dir für deine Liebe meine beste und daß du sie so ausdrücken magst. Wie eifrig hoffe ich auf's wiedersehn.


d. 24. Jun.

Gestern war ich bey Streibers zu Tische und ganz vergnügt. Du kannst meine treue Seele auch daran erkennen daß ich auch meiner hiesigen Inklination treu bin. Da Vicktorgen nicht koquett ist und doch artig, unterhaltend und nicht zärtlich so erlaubst du mir ia wohl daß ich ihr freundlich bin.

Ich sinne noch immer wie und wo ich die Innschrifft anbringen soll. Hier ist noch eine die ich der Hermannsteiner Höhle zugedacht habe.


Felsen sollten nicht Felsen und Wüsten Wüsten nicht bleiben

Drum stieg Amor herab sich und es lebte die Welt.

Auch belebt er mir die Höle mit himmlischem Lichte

Zwar der Hoffnung nur doch ward die Hoffnung erfüllt.[311]


Nur noch eh ich zu Bette gehe ein Wort für tausend. Es wird mir so ein unüberwindlich Bedürfniß dich zu sehen daß mir wieder einmal für meinen Kopf bange wird. Ich weis nicht was aus mir werden soll. Gute Nacht. Wie sehr fühle ich die Glückseeligkeit des Schlafs.


d. 25ten.

Heute hab ich recht im Ernste überlegt ob ich nicht auf einen Augenblick zu dir eilen soll. Es geht nicht und geht nicht, ich muß meine Geduld zusammen nehmen.

Ich schicke dir recht wunderbare Briefe die ich erhalten habe die dich erfreuen werden, hebe mir sie auf bis ich wieder zu dir komme. Heut Abend muß ich zu Herda wie wohl wäre es mir wenn ich mich ausziehen und zu Hause bleiben dürfte.

Merckens Glückseeligkeit freut mich herzlich. Ich lebe nur in dir und bin glücklich daß ich dir alles mittheilen kann.


Nachts.

Gute Nacht Liebste. Fritz tanzt im Hemde zu Bette, ich habe ihn herzlich an mich gedrückt und fühle daß ich nur gern um seinet und deinetwillen lebe.[312]


6/1952.


An Christian Bernhard von Isenflamm

Hochwohlgeborner

Insonders Hochgeehrtester Herr,

Ew. Hochwohlgeb. dancke gehorsamst für die gütige Übersendung der beyden Steine; sie sind über meine Erwartung schön und wohlfeil. Das Geld werde ich nächstens übermachen lassen.

Sie verzeihen, daß ich schon zum zweyten Male beschwerlich geworden und mir einiges von Herrn v. Born zu verschaffen gebeten, ich mache Gebrauch von Ihrem gefälligen Anerbieten, und bin überzeugt, daß ich mich an niemand besser wenden könnte.

Vielleicht führt der Zufall einmal Ew. Hochwohlgeb. sonst etwas von ungrischen Erzstufen um einen leidlichen Preis in die Hände und alsdann bitte ich an mich zu dencken. Es ist eine Liebhaberey wozu mich die Aufsicht über unsern neuen Bergbau in Ilmenau berechtigt und der ich, da sie so unschädlich ist, gerne nachhänge.

Ich empfehle mich Ihnen bestens, und unterzeichne mich mit vollkommenster Hochachtung

Ew. Hochwohlgeb.

ganz gehorsamster Diener

Eisenach d. 24. Jun. 1784.

Goethe.[313]


6/1953.


An Philipp Christoph Kayser

Ihre Briefe und Bemerckungen machen mir viel Vergnügen und ich finde Ursache Sie zu beneiden daß Sie das Land betreten und durchwandern das ich wie ein sündiger Prophete nur in dämmernder Ferne vor mir liegen sehe.

Da Sie die alte Musick suchen und nicht finden geht es Ihnen recht als käme man die alten Helden aufzusuchen und fände Pfaffen auf ihre Trümmer genistet. Die Kunst ist wie die Geschichte ein Complex davon wir den Effeckt auf einem kleinen Punckte der Würcklichkeit vergebens suchen.

Ihre Briefe habe ich alle erhalten, den letzten von Neapel. Fahren Sie fort mit ruhigem reinem Sinne sich an allen Gegenständen Ihres Faches zu üben, wie angenehm wäre es mir wenn Sie das Verlangen mitzurückbrächten, ein Werck, es sey von welcher Art es wolle zu unternehmen, wie gerne würde ich was ich könnte dazu beytragen. Es wird sich davon reden lassen und wenn ich gleich ietzt in unpoetischen Umständen bin so wird doch dieser schlafende Genius wieder zu wecken seyn.

Hierbey schicke ich Ihnen einen Wechsel auf Lyon. Ich wünsche daß Sie ihn gesund erheben mögen. Schreiben Sie mir von da wie es Ihnen weiter gegangen[314] ist. Leben Sie wohl und gedencken mein zur guten Stunde.

Eisenach d. 24. Jun. 1784

G.


6/1954.


An Johann Christian Kestner

Lange hätte ich Euch schon schreiben sollen, denn ich habe Euch noch nicht für die gute Aufnahme meiner Iphigenie gedanckt.

Besonders war mir sehr lieb daß Ihr ins Detail gegangen seyd und mir gesagt habt was Euch daran gefiel, denn ein allgemeines unbestimmtes Lob hat wenig tröstliches und belehrendes.

Das Exemplar habe ich lange wieder erhalten, und auch Euren Brief von Zelle.

Groote konnte Euch wenig von mir sagen ich habe nichts gemeines mit ihm. Es ist ein töriger Mensch der sich zu Grunde richtet.

Was Ihr mir von Euren Kindern schreibt höre ich gern, glückseelig der dessen Welt innerhalb des Hauses ist. Erkennts nur auch recht wie glücklich Ihr seyd und wie wenig beneidenswerth glänzendere Zustände sind.

Die Grafen Stollberg haben uns besucht, es war eine sehr angenehme Erinnerung voriger Zeiten und eine neue Befestigung der alten Freundschafft.

Wann werd ich Euch einmal wiedersehen!

[315] Grüset Lotten, und lebt wohl, gesund und vergnügt mit den eurigen, laßt manchmal von Euch hören und behaltet mich lieb.

Eisenach d. 24. Jun. 1784.

G.


Grüset mir Georgen noch besonders und schreibt balde wieder.


6/1955.


An Charlotte von Stein

[Eisenach] d. 27. Jun. 1784.

Ja du wirst mich wiedersehen und balde, unsere Bande lösen sich auf und sobald ich mich loswickeln kann thu ich es gewiß. Leider hat mich das üble Wetter verhindert die Gebürge so fleisig als ich gewünscht zu besuchen, ich habe nur im Fluge einiges beobachten können, das wird mir vielleicht am Ende einige schöne Tage wegnehmen wenn ich nachholen will.

Ich dancke dir! oder vielmehr mein Danck ist über allen Ausdruck für daß neue Zeichen deiner Liebe. Ich habe es zu deinen Haaren gethan und trage es nun bey mir. Wenn ich mir das Glück bey dir zu seyn recht lebhafft dencke; so wird mir die Ferne ganz und gar unerträglich. Drum will ich dir lieber sagen daß ich heute zwey Basaltfelsen besucht habe. Daß gestern die Buona figlioula gespielt worden, daß ich mit viel Vergnügen mein Favorit Duett La baronessa[316] amabile gehört habe und der Hoffnung lebe es an deiner Seite zu hören.

O Lotte wie ganz und wie gern bin ich dein.

Wedel geht nach Weimar und soll das Briefgen mitnehmen, ich muß schliesen, von dir eilen, und bleibe immer bey dir.

G.


6/1956.


An Philipp Christoph Kayser

d. 24. Jun. ist ein Brief an Sie abgegangen in dem ein Wechselbrief auf Lyon lag, wo ......... können. Sie werden ihn vor diesem erhalten haben.

Daß Sie die muntre Oper lieben und sich nach Arbeit sehnen freut mich beydes recht sehr.

Ich bin immer für die Opera buffa der Italiäner und wünschte wohl einmal mit Ihnen ein Werckgen dieser Art zu Stande zu bringen.

Sobald ich nach Hause komme werde ich Ihnen meine Gedancken weitläufiger schreiben. Geben Sie mir die Ihrigen dagegen. Ich habe seit letztem Winter ein Duzzend der Besten Producktionen dieser Gattung, von einer zwar mittelmäsigen Truppe gehört. Ich habe mir mancherley dabey gedacht und recht gewünscht daß Sie in dieses Fach einzugehen Lust und Muth hätten. Leben Bewegung mit Empfindung gewürzt, alle Arten Leidenschafften finden da ihren Schauplatz.[317] Besonders erfreut mich die Delikatesse und Grazie womit der Componist gleichsam als ein himmlisches Wesen über der irrdischen Natur des Dichters schwebt.

Leben Sie wohl. Ich kann nicht weiter fortfahren, doch will ich gern wenn Sie es hören mögen meine Meynung auskramen und dagegen vernehmen vor welcher Seite Sie es gefasst haben.

Leben Sie wohl und bringen von dieser schönen Reise recht viel Nutzen und Freudigkeit zurück.

Eisenach d. 28. Jun. 84.

G.


6/1957.


An Charlotte von Stein

[Eisenach] d. 28. Jun. 84.

Nun wird es balde Zeit liebe Lotte daß ich wieder in deine Nähe komme denn mein Wesen hält nicht mehr zusammen, ich fühle recht deutlich daß ich nicht ohne dich bestehen kann. Der Ausschußstags Abschied ist signirt nun kan es nicht lange mehr währen ich rechne noch eine Woche, dann werde ich loskommen können. Das Wetter ist höchst elend man kann nicht vor's Thor, und was innerhalb der Mauern von Schönheiten und Artigkeiten lebt, hat allenfalls nur einen augenblicklichen Reitz für mich und kann kaum das Regenwetter balanciren geschweige einen so wesentlichen Mangel als der ist den ich von Morgen bis zu Abend empfinde.

[318] Ja liebe Lotte ietzt wird es mir erst deutlich wie du meine eigne Hälfte bist und bleibst. Ich bin kein einzelnes kein selbstständiges Wesen. Alle meine Schwächen habe ich an dich angelehnt, meine weichen Seiten durch dich beschützt, meine Lücken durch dich ausgefüllt. Wenn ich nun entfernt von dir bin so wird mein Zustand höchst seltsam. Auf einer Seite bin ich gewaffnet und gestählt, auf der andern wie ein rohes Ey, weil ich da versäumt habe mich zu Harnischen wo du mir Schild und Schirm bist. Wie freue ich mich dir ganz anzugehören. Und dich nächstens wieder zu sehen.

Alles lieb' ich an dir und alles macht mich dich mehr lieben.

Der Eifer wie du in Kochberg deine Haushaltung angreiffst von dem mir Stein mit Vergnügen erzählt, vermehrt meine Neigung zu dir, läßt mich deine innerlich thätige und köstliche Seele sehn. Lotte bleibe mir und was dich auch interessiren mag, liebe mich über alles.


d. 1. Jul.

Der verlohrne Monat ist nun herum und der neue lässt mir Hoffnung dich balde zu sehen.

Fritz sagt mir er habe eine solche Sehnsucht nach Weimar daß es ihn in den Knieen ziehe, ich habe mit ihm drüber gescherzt, ihn ausgelacht und heimlich noch grösere Sehnsucht empfunden.

Heute erhalten die Stände den Abschied und ich[319] will eilen was ich kann um was noch nöthig ist zu besorgen, damit ich bald fortkomme.

Der Schmäuse drängt einer den andern, und man kann nicht alle ausweichen, ich finde es eine böse Art. Adieu L. Lotte ich habe viel zu thun, und bin ganz dein.

G.


6/1958.


An Charlotte von Stein

[Eisenach] d. 4. Jul. 84.

Schon vier Tage war ich genötigt meist Mittag und Nachts zu Tische zu seyn ein verdorbner Magen, und weniger heitre Sinne sind alles was ich davon habe, es geht zum Ende und ich will herzlich froh seyn wenn noch einige Sachen abgethan sind daß ich in die Gebürge gehn und alsdenn zu dir eilen kann.

Dein Nahme deine Briefe, iede Erinnerung lockt mich zu dir. Ich habe wenig gesellschafftlichen Sinn und du hast mich noch über dies von allem abgezogen, und wenn ich mit Frauens bin leb ich immer in Vergleichung. Jedes kleine Intresse wird verschlungen sobald ich meine Augen nach dir wende.


Abends.

Meine Feder versagt mir dir zu schreiben daß Osann so kranck ist, ich habe dirs in keinem Briefe sagen können du wirst es wissen. Ich kan in kein[320] Detail gehn. Heute Abend sieht es mißlicher aus als iemals. Es ist eine Verknüpfung von Umständen die fataler ist als ich einen Fall kenne.


d. 7. Jul.

Osann ist todt, du kannst dencken wie lahm uns dieser Fall macht. Die glücklichen Veränderungen seines Zustandes folgten zu schnell auf einander, sie haben ihn erdrückt. Seine übermäsige Praxis in Göttingen, seine Heurath, sein Ruf in unsre Dienste, sein Abschied von seinen Krancken, seine schnelle Forderung hierher! Er brachte eine kranke Anlage mit, genierte sich hier so lang es möglich war, wollte es zwingen und unternahm eine heftige Cur, das Hofleben, Hofessen hat ihm völlig den Garaus gemacht und so sind die Blüten unserer heilsamen Hoffnungen gepflückt und der alte verwaiste dürre Stock steht noch. Der arme Alte iammert mich. Wie sehr es mich auch um deintwillen schmerzt, er wollte noch an dich schreiben. Wir haben alle für uns und die unsrigen verlohren, die Herzoginn am meisten.

Ich erhalte deinen letzten Brief, er macht mich betrübt. Glaubst du daß meine Sehnsucht nach dir in der Ferne sich verlieren oder vermindern könnte. Wo ist irgend etwas zu finden, das deiner Liebe gleicht.

Die Artigkeit, Anmuth, Gefälligkeit der Frauen die ich hier sehe, selbst ihre anscheinende Neigungen, sie tragen alle die Zeichen der Vergänglichkeit an der[321] Stirne, nur du bist auf der beweglichen Erde bleibend und ich bleibe dir.

Wenn du diesen Brief erhältst; so schicke keine mehr an mich ab, allenfalls nur nach Weimar. Ich habe grose Lust gleich von Erfurt reitend zu dir zu kommen. weis aber noch nicht wie es am besten seyn wird.

Auch in der Art wie du die Hochberger Wirthschafft angreiffst lieb ich dich aufs neue. Was kannst du thun worinne nicht dein köstliches Wesen erscheine.

Der Geh. Leg. Rath Schmidt hat eine Stimme im geheimen Conseil bekommen wodurch ich auch sehr erleichtert werde, indessen ist das Leben für den der etwas vernünftiges und planmäsiges drinne sucht immer eine wunderliche Aufgabe.

Ich wünsche dir herzlich wohl zu leben. Erfreue mich des Wiedersehns, und wenn ich gleich diesen Sommer noch viel schwärmen muß; so wird uns doch der Winter wieder zusammenbringen und uns gute Tage bereiten.

Lebe wohl ich rede manchmal mit Stein von seiner Wirthschafft, und bin neugierig zu hören was du mir erzählen wirst.

Fritz ist sehr vergnügt sein Vater hat ihm wieder einmal die Haare abschneiden lassen das ihm ein albern Aussehn giebt.

Lebe wohl, balde balde erscheint mir der glückliche Tag da ich dich wiedersehe.

[322] Man hält mich hier und wird mich nicht halten.

Noch einmal Adieu, wie freu ich mich daß ich so bin daß du mich lieben kannst.

G.


6/1959.


An Charlotte von Stein

[Eisenach] d. 9. Jul.

Ich schreibe dir noch einmal durch unsre abgehende Canzleyleute denen ich nun bald nachfolge. Morgen geh ich in die Berge und nehme Fritzen mit wo ich dein mit aller Herzlichkeit gedencken werde.

Heute sind erst meine Geschäffte alle geworden, es war gut daß ich mich in Geduld gefasst hatte.

Nach und nach fängt sich unser hiesiger Aufenthalt an in gesellschafftliche Zerstreuung aufzulösen. Die Frauens die, wie billig, zuerst, ich darf wohl sagen sammt und sonders, es auf den Herzog angelegt hatten, nehmen nun nach und nach mit einem von der Suite vorlieb und befinden sich dabey nicht schlimmer.

Wie sehn ich mich nach dem Augenblicke dich wieder zu sehn! welche Freude sind mir deine Briefe! Jedes Zeichen, iedes Wort deines Liebevollen Herzens.

Man thut mir sehr artig, man gefällt sich sogar mich zu lieben, nur schade daß ich dieses Glücks sehr unvollkommen geniesen kann. Alle Versuche und Proben laufen dahinaus daß ich nur für dich bin,[323] und daß wer dich kennt, wer dein gehört hat, keiner andern auch nicht auf eine Zeitlang angehören kann.

Die Berge und Felsen geben mir eine anmutige Aussicht, zwar glaub ich nicht daß ich sie in diesem Sommerfeldzug ganz überwinden werde, doch tief komm ich ihnen ins Eingeweide.

Einige stille Augenblicke habe ich angewendet im Rosseau zu lesen, der mir durch einen Zufall in die Hände kam. Wie wunderbar ist es und angenehm die Seele eines Abgeschiednen und seine innerlichsten Herzlichkeiten offen auf diesem oder ienem Tische liegen zu finden.

Im dritten Theile des Pontius Pilatus stehen ganz treffliche Sachen. Es ist weit weniger Capuzinade als in den ersten, man sieht wie Lavatern die Menschheit nach und nach immer offenbarer wird. Daß er von den albernsten Mährgen mit Anbetung spricht, daß er sich mit veralteten barbarischen Terminologien herumschlägt und sie in und mit dem Menschenverstande verkörpern will gehört so nothwendig zu seinem eignen als zu des Buches daseyn. Es wird dich gewiß vergnügen und auferbauen es durchzugehn.

Vor einigen Tagen las ich wie Voltaire iene Schrifften behandelt und nun Lavater. Das Buch bleibt was es ist und wird nicht dazu wozu es dieser oder iener machen möchte. Die arme beschränckte Gewalt der kräfftigsten Menschen mögte gern Himmel[324] und Erde nach ihren Lieblings Ideen umschaffen, und Herr über unbezwingbare Wesen werden.

Noch eine Aneckdote. Die Italiäner haben auf den König in Schweden der keine königliche Trinckgelder ausgetheilt haben mag, das ich ihm sehr verzeihe das Versgen gemacht

Tutto vede il Conte Haga

Poco intende e nulla paga.

Der Prinz Heinrich war sehr gnädig hier. Ich habe einige Beyträge zu meinem 5ten Teil im Fluge geschossen, davon mündlich ein mehreres.

Lebe wohl. Vielleicht erhälst du nun keinen Brief weiter, und ich werde zu dir wahrscheinlich gleich von Erfurt aus ohne Fritzen kommen. Er hat eine unsägliche Freude daß er morgen mit ins Gebürge reiten darf. Adieu. Adieu.

G.


6/1960.


An Charlotte von Stein

d. 21. Jul. 84.

Zur guten Nacht eines sehr unruhigen Tages. Von allen Seiten seh ich mich von Papieren belagert, sie erst nach und nach zu überwinden sind. Ich musste Besuche machen und mich nur erst wieder finden. O wärst du nur hier, daß mir irgend etwas erquickliches begegnete. Knebel wird heut Nacht zum erstenmale bey mir schlafen, sein Umgang ist gar angenehm,[325] wenn ich dir ihn schicke vergiß nicht deines Freundes, deines Geliebten der sich dir auf ewig übergeben hat. Warum konnt ich dir beym Abschiede nicht ausdrucken mit welchem Herzen ich ging. Liebe Lotte behalte mich immer so gern als ich dein bin.

Ich muß den Brief schliesen Schicke dir allerley und bitte dich mein zu gedencken.

Grüse die Kleine und Fritzen.

G.


6/1961.


An Charlotte von Stein

[23. Juli.]

Ich widme dir die letzte Stunde des Tags, dir der mein ganzes Leben gehört. Morgen geh ich nach Jena von da komme ich schwerlich zu dir denn ich gehe noch nicht auf Ilmenau.

Sehr verlangt mich von der Kleinen und was sie dir vertraut zu hören. Nimm dich vor ihr in Acht laß sie ia keinen meiner Briefe sehen, sie ist im Falle alles zu misbrauchen. Verschliese sorgfältig meine Blätter ich bin aus mehr als Einer Ursache sorgsam.

Es ist wunderbar daß die meisten Menschen nicht biß auf einen gewissen Grad klug werden können ohne daß sich eine Art Verkehrtheit bey ihnen einschleicht. Wie verlangt mich mit dir zu reden.

Ich habe fast mit deinem Bruder heute über zwey Stunden gesprochen, er hat Schritte gethan die seine Sache schweerlich verbessern. Laß dich nichts mercken.

[326] Der Herzog geht nach Braunschweig. Er hat mich schon zu Eisenach zu dieser Reise eingeladen, ich lies es so hingehn, nun besteht er drauf und ich werde wohl mit müssen. Wenn ich dich nicht verliese wäre es mir ein doppelt angenehmer Weeg und Aufenhalt. Ich bringe dir viel mit zurück. Du gewinnst auch auf den Winter wenn dein Geliebter mit neu ausstaffiertem Kopfe und altem beständigen Herzen zurückkehrt.


d. 24.

Ich lasse dir dieses Blat zurück da ich nach Jena gehe, es wird sich eine Gelegenheit finden. Lebe wohl. Liebe mich wie ich dein bin.

G.


Übersieh nicht in der Zeitung, die Stelle von der Hästings.


6/1962.


An Charlotte von Stein

[31. Juli.]

Ich kann dir nur sagen: komme! komme bald. Noch zu guter letzte werde ich recht herum getrieben. Ich war mit dem Fürst von Dessau in Auerstät heute Nacht. Morgen geh ich nach Jena. Montag Abends bin ich wieder hier. O daß ich dich fände. Der Herzog, will Donnerstags oder Freytags nach Braunschweig.

[327] Lebe wohl. Ich gehöre dir. Komm balde wenns möglich ist.

Sonnabends.[328]


6/1962a.


An Juliane Auguste Christinevon Bechtolsheim

[Weimar, Anfang August 1784?]

Auf den nächsten Sonntag gehen wir von hier ab. Mit der Freytags Post erhalten Sie noch einen Brief von mir der nur Danck und Danck enthalten wird. Sie sind gar lieb und gut gegen mich. Jetzo nur diese Blumen in den Füllhörner über den blauen Kanapee.

Leben Sie wohl.

G.[32]


6/1963.


An Charlotte von Stein

Wie anders ich aufstehe da du wieder in der Nähe bist, da ich Hoffnung habe dich balde zu sehen, kann ich dir mit keinen Worten ausdrücken. Ach daß ich dieses Glückes so kurz geniesen soll.

Ich frage an ob du bey mir essen willst. Es ist conseil und wird wohl lange werden, doch soll mir es grose Freude seyn wenn du dein Mittagmahl bey mir nehmen willst. Leb' wohl süseste.

d. 3. Aug. 84.

G.


6/1964.


An Samuel Thomas von Sömmerring

Daß ich Ew. Wohlgeb. so lange nicht geantwortet, daran sind die überhäuften Geschäfte Schuld, in die ich, nach meiner Rückkunft von Eisenach, versenkt gewesen. In einigen Tagen werde ich mit Durchl. dem Herzoge nach Braunschweig verreisen, und will vorher nur noch mit wenigem mich bei Ihnen in Erinnerung bringen.

Die Camperischen Tafeln haben mir viel Vergnügen gemacht, und haben mir gedient, den Elephantenschädel bei dem Abzeichnen, besonders im Profil[328] recht zu richten. Doch muß ich sagen, daß der Schädel (ich meine, der ganz von allen Muskeln und Fleisch entblößt ist), wie ihn Camper gezeichnet, wenig instructives hat; denn man bleibt über die Suturen, welche doch die Grenzen der Knochen bestimmen, in völliger Ungewißheit, und also kann man sich auch keine richtige Idee von dem einzelnen Knochen machen. Da seine Hauptabsicht die Muskeln und einige Nerven gewesen, so brauchte er freilich in dem Knochenbau nicht ganz ausführlich zu sein. Der größte Elephantenkopf, den das Museum zu Jena besitzt, ist nun schon von zwei Seiten gezeichnet, der Ihrige ist nun auch gehörig aufgestellt, und wir haben das abgesägte obere Stück so gut als möglich gewesen wieder darauf befestigt. Der junge Künstler, von dem ich Ihnen geschrieben, ist nun drüber und wird ihn in meiner Abwesenheit von vorne und von der Seite zeichnen. Ich hoffe, daß ich ihn noch einige Zeit behalten darf, um nichts zu übereilen und nach meiner Rückkunft die Vergleichung der beiden Schädel mit Muse anstellen zu können. Von den Suturen, die am äußerlichen Schädel erscheinen, fehlen mir nur noch wenige, die übrigen habe ich schon ausgekundschaftet. Wenn ich ihn, von so viel Seiten als nöthig sein will, gezeichnet besitzen werde, wird es alsdann darauf ankommen, welche zu Ihrer Absicht am meisten taugt. Gegenwärtig lasse ich ihn zu einem Viertel verkleinert zeichnen, eine Größe, in welcher sich noch[329] alles recht deutlich erkennen läßt. Die Zeichnungen werden nach der Camperischen Methode gemacht, deren Vortheile in wissenschaftlichen Nachbildungen ganz besonders sind, wenn man sich nur erst darin zu schicken weiß.

Soll ich von denen mir mitgetheilten Sachen einen öffentlichen Gebrauch machen, so werde ich es gewiß auf die Weise thun, welche Sie wünschen und ich für gerecht und billig halte. Wollten Sie mir ein Verzeichniß der Schädel schicken, die Sie mir zum Vergleichen könnten zukommen lassen so geschähe mir ein großer Gefallen. Ich habe selbst schon eine ganz hübsche Sammlung woran denn doch noch freilich manches abgeht. An dem Schädel einer Myrmekophaga, Manis, eines Dasypus wäre mir viel gelegen. Den letzten habe ich besessen, er ist mir aber verlegt worden, und ich weiß nicht wohin er gekommen. Merck muß nun wohl wieder zu Hause sein. Ich habe zwei Briefe von ihm, die er unterwegs geschrieben hat und die voll von Verehrung gegen Campern sind. Er hat nicht Worte genug sein Entzücken über diesen vortrefflichen Mann auszusprechen. Leben Sie wohl, behalten mich in gutem Andenken und geben mir ja Nachricht, wenn eine Veränderung mit Ihrem Schicksale vorgehen sollte.

Weimar den 5. Aug. 1784.

Goethe.[330]


6/1965.


An Charlotte von Stein

Die sehr unterhaltenden physikalischen Experimente haben mich gestern Abend recht geängstigt, weil ich mein Wort nicht halten und zur rechten Zeit bey meiner besten seyn konnte. Ich Zähle drauf daß du heute mit mir essen und diesen Nachmittag bey mir bleiben wirst. Gegen Abend lad ich Herders ein damit wir noch zusammen leben. Adieu beste. Nur deine Stimme zu hören war mir schon Freude. Lebe wohl.

d. 6. Aug. 1784.

G.


6/1966.


An Johann Heinrich Merck

Ich habe nur Zeit dir wenig Worte zu schreiben denn kaum habe ich mich aus den Resten in die ich durch die Eisenacher Reise gefallen war, herausgearbeitet, als wieder eine Reise nach Braunschweig vor ist welche den 8ten angetreten werden soll. Deine Briefe habe ich erhalten, sie haben mir recht viel Freude gemacht und in mir den sehnlichen Wunsch erregt den vortrefflichen Mann kennen zu lernen. Sömmering hat mir schon einen Auszug aus einem Camperischen Briefe geschikt, wo er von eurer Entdekung über Elephantenzähne spricht. Ich habe nichts dagegen einzuwenden, vielmehr stimmt sie mit dem[331] was ich bißher beobachten können vollkommen überein. Eine Erinnerung die ich dabey zu machen habe würde mich iezt zu weit führen da ich alle Ursache habe mich kurz zu fassen. Schicke mir den Schädel deiner Myrmecophaga so bald als möglich, du erzeigst mir dadurch einen auserordentlichen Gefallen. Ich brauche ihn zu meiner Inauguraldisputation durch welche ich mich bey eurem docto corpore zu legitimiren gesonnen bin. Das eigentliche Thema halte ich noch geheim um euch eine angenehme Überraschung vorzubereiten. Ich komme nunmehr wieder auf den Harz und werde meine Mineralogische und Oryktologische Beobachtungen in denen ich bißher unermüdet fortgefahren immer weiter treiben. Ich fange an auf Resultate zu kommen, die ich auch biß iezt noch für mich behalte, damit sie mir nicht weggeschnapt werden.

Du aber eröfne nun deinen Mund und lass bald von dir vernehmen was dir auf der Reise Gutes begegnet ist und theile deinem Freunde der sich indessen zu Hausse hat plakken müssen auch etwas davon mit. Ich will auch dagegen in Braunschweig dem ungebohrnen Elephanten in das Maul sehen und mit Zimmermannen ein wakeres Gespräch führen. Ich wollte wir hätten den Fötus den sie in Braunschweig haben in unserm Kabinette, er sollte in kurzer Zeit, sezirt, skeletirt und preparirt seyn. Ich weiß nicht wozu ein solches Monstrum in Spiritus[332] taugt wenn man es nicht zergliedert und den innern Bau aufklärt. Lebe wohl und schreibe mir daß ich deinen Brief bey meiner Rükkunft die etwa in drey Wochen seyn wird gewiß finde.

Weimar d. 6. Aug. 1784.

G.


Auch laß mich die Myrmekophaga finden.

Ich war auch auf dem Inselsberg eine Tour Sie mir vieles aufgeklärt hat.


6/1967.


An Johann Gottfried und Caroline Herder

Dingelstädt Sonntag d. 8. Aug. 84

Abends halb 10 Uhr.

Zwischen Mühlhausen und hier brach uns heute die Axe des schwerbepackten Wagens, da wir hier liegen bleiben mussten machte ich gleich einen Besuch wie es mit ienem versprochnen Gedichte gehn mögte, was ich hier schicke ist zum Eingang bestimmt, statt der hergebrachten Anrufung und was dazu gehört.

Es ist noch nicht alles wie es seyn soll ich hatte kaum Zeit die Verse abzuschreiben. Lebet wohl gedenckt mein wie ich eurer gedencke und schickt die Verse mit diesem Brief an Frau v. Stein aufs baldigste. Lebet wohl. Um 1 Uhr gehts weiter nach Duderstadt.

G.[333]


6/1968.


An Charlotte von Stein

Anstatt dir so offt zu wiederholen daß ich dich liebe schicke ich dir durch Herders etwas das ich heute für euch gearbeitet habe Zwischen Mühlhausen und hier ist und eine Axe gebrochen und wir haben müssen liegen bleiben. Um mich zu beschäfftigen und meine unruhigen Gedancken von dir abzuwenden habe ich den Anfang des versprochnen Gedichtes gemacht, ich schicke es an Herders von denen erhältst du es. lebe wohl ich werde nur einige Stunden schlafen können. Alles schläft schon um mich. Adieu. Dingelstädt d. 8. Aug. 1784 Abends 10 Uhr.

G.


6/1969.


An Charlotte von Stein

Zellerfeld d. 11. Aug. 84.

Wäre ich weiter von dir, nur auf einer sicherern Postroute, entfernt, so hätte ich Hoffnung daß dieser Brief schneller als ietzo geschehen wird zu dir kommen könnte. Wir sind hier glücklich angelangt und haben das schönste Wetter, besteigen die Berge und sehen uns in der weiten Welt um, du hast ausser den Steinen keine Nebenbuhlerinn und ich wünschte dich zu denen schönen Tagen hierher.

Du hast nun ich hoffe den Anfang des Gedichtes[334] den ich dir durch Herders schickte, du wirst dir daraus nehmen was für dich ist, es war mir gar angenehm dir auf diese Weise zu sagen wie lieb ich dich habe.


d. 13ten früh.

Gestern sind wir von Morgens fünfe in Bewegung gewesen und haben noch Abends mit einem Soupee beym Berghauptmann v. Reden geendigt ich schreibe dir dieses unterm Frisiren, denn heute giebts wieder Bewegung genug. Es wird in die Gruben eingefahren ein beschwerlicher Weeg der mir sehr lehrreich seyn wird. Auf Höhen und in Tiefen schicke ich dir meine Gedancken zu und freue mich die Berge wieder zu sehen die ich schon vor Jahren mit Sehnsucht zu dir im Herzen bestiegen habe. Meine Gedancken gehen immer darauf dir was ich gesehen zu erzählen oder dir etwas zu dichten das dich erfreuen könnte. Ich dencke fleisig an den Plan des Gedichtes und habe ihn schon um vieles reiner, wenn uns Regenwetter oder sonst ein Unfall begegnet, so fahre ich gewiß weiter fort. Ich kann dir versichern daß ausser dir Herders und Knebeln ich ietzt gar kein Publikum habe. Krause zeichnet ganz fürtrefflich und ich bin recht glücklich daß ich dir die schönen Gegenstände so schön gezeichnet mitbringen kann, mit meinen Spekulationen gehts immer vorwärts und ich komme gewiß und balde auf den rechten Punckt. Das Wetter ist ganz köstlich, und es fehlt mir nichts als Briefe von dir.

[335] Mögtest du diesem Blat recht anfühlen wie lieb du mir bist und wie meine einzige Aussicht ich mag eine Höhe ersteigen welche ich will, dein süser Umgang bleibt.


d. 13. Nachts.

Heute Abend hoffte ich mich recht mit dir zu unterhalten ich hoffte um 3 Uhr zu Hause zu seyn, und verschiednes zu arbeiten. Jezt ists eilfe und ich kann dir nur eine gute Nacht sagen. Gute Nacht Lotte erinnre dich wie offt ich dir eine herzliche gute Nacht geboten habe.


d. 14. früh.

Ich muß dir wieder unter dem Frisiren schreiben und es wird wohl ziemlich das lezte seyn. Heute geht es nach einem hohen Berge wo eine schöne Klippe zu sehn ist und morgen nach Goslar hinunter.

Es ist hier so viel interessantes daß ich wohl eine Zeit hier bleiben und mich unterrichten mögte, mein Lottgen müsste aber auch in Zellerfeld wohnen daß ich sie Abends fände wenn ich müde nach Hause käme.

In meinen Spekulationen bin ich auch glücklich, ich finde überall was ich suche und hoffe den Ariadneischen Faden balde zu besitzen mit dem man sich aus diesen anscheinenden Verworrenheiten herauswinden kann.


Abends.

Nur noch eine gute Nacht! Liebste Lotte. Morgen früh gehts zeitig von hier ab nach Goslar. Krause[336] hat heute wieder sehr schön gezeichnet und wenn ich die Gegenstände die wir sehen auf seinem Papiere wachsen sehe freu ich mich nur immer daß ich dir sie werde zeigen daß ich dir ein Theil an unsern schönen Stunden geben kann.

Ich habe keine Sorge als dich zu verlieren, und wenn ich dencke daß du mir bleibst, scheint mir alles in der Welt auszuhalten, habe ich auch Muth zu allem.

An dem Gedichte habe ich bin und her gesonnen, geschrieben nichts wieder.

Die Operette ist auch bald fertig, daran manche ich eine Arie oder ein Stück Dialog wenn ich sonst gar zu nichts tauge.

Adieu liebste Lotte nun fangen mir an deine Briefe zu fehlen, vielleicht finde ich etwas in Braunschweig.

Du erhälst von daher auch bald Briefe von mir. Lebe wohl, liebe mich.

G.


6/1970.


An Charlotte von Stein

[Brunswic, ce 18. d'Août.]

Voiant ces caracteres barbares etrangers a mon coeur ce fut un tout nouveau sentiment pour moi, ces Vous me faisoit trembler et ie tournai vite la feuille pour Voir s'il ny avoit pas un mot de la langue cherie qui m'est devenue tous les jours plus[337] chere par les expressions du veritable sentiment d'ont tu l'enrichis. O ma chere il m'est presque impossible de poursuivre ce jeu, ma plume n'obeit qu'a regret, et ce n'est qu'avec peine que je traduis, que je travestis les sentiments originaux de mon coeur. Je ne sens mon existence que par toi, tu m'as appris a aimer moimeme, tu m'as donné une patrie, une langue, un stile, et je finirois par t'ecrire des phrases. Mon amie cela ne se peut pas. Cependant ie poursuivrai car si jamais ie pourrai apprendre cette langue que tout le monde croit scavoir ce sera par toi et ie serai bien aise de te devoir aussi ce talent comme ie te dois tant de choses qui valent beaucoup mieux.

Apres avoir gravi les montagnes nous voila descendus sur le parquet de la cour. Je m'y trouve tres bien, je m'amuse meme parceque j'y existe sans pretentions sans desirs et parceque tant de nouveaux objets me font faire mille reflexions.

De son coté notre bon Duc s'ennuie terriblement, il cherche un interet, il n'y voudroit pas etre pour rien, la marche tres bien mesurée de tout ce qu'on fait ici le gene, il faut qu'il renonce a sa chere pipe et une fee ne pourroit lui rendre un service plus agreable qu'en changeant ce palais dans une cabanne de charbonnier.

En verité je le plains. Dans la foule des courtisans et des etrangers nous autres nous trouvons[338] toujours quelqun avec qui parler de choses interessantes, pour lui il faut qu'il soit toujours avec les Altesses royales qui lui font des demandes aux qu'elles il ne sait que repondre il s'en tire tant bien que mal, il se boutonne et finit par etre mal a son aise. De l'autre coté le Duc de Brunswic se communique tres peu il a les meilleures façons du monde mais aussi ce ne sont que des façons, et je suis tres curieux comme cela finira.

Que je suis heureux ma chere Lotte de voir toutes ces choses avec l'idee de pouvoir te racconter tout a mon retour, qu'il est aisé de vivre dans le monde quand on ne pretend rien.

Adieu pour cette fois. Nous avons vu un Opera, la Cour rassemblee, et nous aurons aujourdhuj redoute. Adien jusqu'a demain.


ce 19. [et 20.] d'Aout.

Je suis resteé longtemps a la redoute, sans danser plus que deux contredanses avec les Dames d'honneur le reste du tems s'est ecoulé a causer et a dire des riens sur rien. La decoration de la salle etoit asses brillante c'etoit la vielle salle d'opera bien eclairee. On voit partout que le Duc est un homme sage qui scait profiter de tout, meme des folies de ses ancetres ce qui n'est pas toujours bien faisable. J'admire sa prudence et sa conduite en tout ce que je puis voir et penetrer. Surement il a de grandes choses en[339] tete et il est homme a parvenir a son but. On ne voit rien de superflu ni d'arbitraire, ni d'inutile, quand je serai de retour je te peindrai tout le detail que j'ai pu voir. Quelquefois il me prend la fantaisie de t'ecrire une relation dans le gout du Johannes Eremita, mais je n'ai pas le tems, et il n'est pas bon que certaines choses soit ecrites.

Pour moi je puis etre tres content de la façon dont on me traite. J'ai appris a etre sur mes gardes, a observer les gens sans faire semblant de rien, un talent que je tache de perfectionner tous les jours.

Charles est ici, il a grandi. C'est un garçon tres bien fait, il parle bien et paroit tres sensé. Il resemblera a son pere, i'ai en beaucoup de joie a le voir.

Il faut que je te communique encore un reflexion que j'ai fait depuis longtems mais que je vois se confirmer touts les jours, c'est qu'il est tres aisé d'exister incognito dans le monde. Chaq'un se fait une idee de Vous sans se soucier beaucoup si elle est vraie ou fausse. Chaqun est occupé de soi meme et si Vous alles nn peu doucement Vons pouves faire ce que Vous voules sans etre beaucoup remarqué. Et c'est la cause pourquoi les fourbes parviennent plustot que les honnetes gens. J'ecris ces dernieres lignes ce 20. d'Aout. Hier le jour etoit un peu long et je crains encore quelques uns de la meme façon. J'ai acheté de beaux modeles d'ecriture gravés en taille douce pour former mes caracteres[340] qui ne sont pas encore trop bien. Ce ne sera que pour t'ecrire et pour te dire en lettres bien peintes ce que je t'ai dit tant de fois et que je te dirai toujours. Adieu ma chere souviens toi de ton ami dans ta retraite comme il existe pour toi dans le monde. Je suis bien sur que je te pourrai amuser par mes recits quand ie reviendrai.

Adieu. Je n'espere plus de tes nouvelles mais tu auras des miennes. Je te prie de saluer notre cher Fritz ie lui ecrirai par le courier prochain. Adieu. Adieu.

G.


6/1971.


An Charlotte von Stein

ce 21. d'Aout.

Je me suis sauvé ce soir de la cour pour t'ecrire quelques lignes. Nous avons vu ici de choses interessantes, nous avons fait connoissance de bien de personnes, mais en revanche nous avons eu des seances fort longues a l'Opera, a la table et ce sont surtout ces dernieres qui m'ennuyent terriblement.

Ce soir on a fait entrer des Soldats revenus de l'Amerique deguisés en sauvages, tatoués et peints c'etoit un aspect tout a fait singulier. Je ne saurois dire qu'ils avoit l'air terrible et degoutant comme ils paroissoit aux personnes du beau monde, ils me faisoit plustot voir les efforts de l'espece humaine[341] pour rentrer dans la Classe des animaux. Ils n'ont aucune idée qui les eleve au dessus d'eux memes, apres avoir satisfait aux besoins les plus pressants ils regardent autour d'eux ils appercoivent les oiseaux bien peints, les quadrupedes a belle fourrure, ils se voient nuds et leur peau unie ne fait que les ennuyer. Les voila donc a imiter cette varieté dont la nature scut habiller ses enfans. Quand a leur dance et leurs manieres cela approche tres pres a celles des singes, ie vous en racconte rai tout ce que jai pu saisir.

Tu sais chere Lotte que je n'aime pas a parler des hommes dans mes lettres, tu sauras a mon retour tout ce que je pense de ceux que j'ai vu, j'ai le sentiment de ne vojager que pour toi les choses ne m'interessoit pas si je n'esperois pas de pouvoir t'en faire enfin le recit.

En attendant je puis t'annoncer que j'ai vu a la foire un beau Zebra ou ane rayé qui m'a fait un grand plaisir. Sa forme est celle d'un veritable ane, rien moins que leste et belle, mais le dessein dont il tient le nom, est charmant au point qu'il est impossible de le décrire ou de se l'immaginer.

Mecredi le 25. nous partirons d'ici, et je pourrai celebrer mon jour de naissance au Brocken. D'apres que je puis calculer je serai de retour a Weimar le 8. ou le 10. du mois prochain. Que je serois heureux de t'y trouver.

Adieu ma chere. Apresant que je suis loin de[342] toi je me chagrine de ne pas avoir fait de meilleurs arrangements pour avoir de tes lettres. C'est comme si l'air commencoit a me manquer. Adieu je ne trouve rien dans le monde qui te resemble ou qui puisse te remplacer ne fut ce que pour un moment. Mille Adieux.

Brunswic ce 22. d'Aout 84.

G.


Il me reste encore quelques moments, je reprends la plume car il ne paroit pas convenir a la richesse de mon amour de t'envoier une feuille toute blanche. Ah mon unique amie, chere confidente de touts mes sentiments que je me sens un besoin de te parler de te communiquer mes reflexions. Tu m'as isolé dans le monde je n'ai absolument rien a dire a qui que ce soit, je parle pour ne pas me taire et c'est tout.

Je ne sai si je t'ai deja dit que j'ai eté asses heureux en decouvertes au Harz, si j'avois plus de loisir, je ferois surement quelque chose pour l'histoire Naturelle. Krause a fait des Desseins charmants, il en aura fait d'autres pendant que nous sommes ici, car il est resté dans les montagnes, je suis bien curieux de voir ce qu'il a travaillé.

Les caracteres de la Nature sont grands et beaux et je pretends qu'ils sont tous lisibles. Mais les Idees mesquines conviennent plus a l'homme parcequ'il est petit luimeme et qu'il n'aime pas a comparer son existence retrecie a des etres immenses.[343]


Ce 23.

Ah ma chere quel contretemps! Le Duc a changé de plan et nous ne partirons qu'en 8 jours.

J'en serois asses content, car il y a encore toutes sortes de choses a voir ici et nous connoitrons mieux notre monde en partant, si ce n'etoit pas ces terribles six heures qu'il faut passer tous les jours a table.

Aujourdhui nous avons fait un tour forcé pour voir la galerie de Saltsdalen il y a de tres belles choses que je souhaitterois de contempler avec toi, surtout un Everdingen de la plus grande perfection, et quelques autres dont je te ferai un jour la description.

Je finis par un vers allemand qui sera placé dans le Poeme que je cheris tant, parceque j'y pourrai parler de toi, de mon amour pour toi sous mille formes sans que personne l'entende que toi seule.


Gewiss ich waere schon so ferne ferne

Soweit die Welt nur offen liegt gegangen

Bezwaengen mich nicht uebermaecht'ge Sterne

Die mein Geschik an deines angehangen

Dass ich in dir nun erst mich kennen lerne

Mein Dichten, Trachten, Hoffen und Verlangen

Allein nach dir und deinem Wesen draengt

Mein Leben nur an deinem Leben haengt.


Ce 24. d'Aout 1784.

G.[344]


6/1972.


An Charlotte von Stein

Je ne scaurois laisser partir le courier sans t'ecrire quelques lignes. Nous menons le train de vie comme nous l'avons commencé, cepandant je trouve que nous avons bien fait de rester plus longtems. En partant nous connoitrons un peu mieux notre monde, et peut etre on nous connoitra mieux, c'est ce que notre amour propre nous fait croire nous etre avantageux. Notre Duc a fait tres bien ses affaires, ils est allé tout doucement, et le public qui comme Vous scaves demande toujours des miracles sans jamais en faire, l'a declaré un Prince borné. Peu a peu il lui ont trouvé du bon sens, des connoissances, de l'esprit, et s'il danse encore quelques contredanses, s'il continue de faire la cour aux Dames comme il l'a fait au dernier bal ils finiront par le trouver adorable.

La grand maman surtout est enchantée de lui elle me l'a dit cent fois. Il se fait peindre pour elle, le portrait sera asses resemblant.

Si ce peindre travailloit un peu plus vite je t'aurois apporté mon portrait, mais le temps est trop court, et comme l'original t'appartient tout entier tu n'as que faire de la copie.

Krause est arrivé du Harz, il m'a apporté le dessein d'une roche granitique qui est superieurement beau. Je me rejouis deja d'avance de pouvoir te montrer toutes ces belles choses, de te communiquer[345] toutes les observations que j'ai faites sur la formation des montagnes. Que je suis heureux que tout cela t'interesse, et que je trouve en toi une chere compagne en tout ce que j'entreprends. Les idees que j'avois concues sur la formation de notre globe ont eté bien confirmees, et rectifiees, et je puis dire que j'ai vu des objets qui en confirmant mon systeme me surprenoit par leur nouveauté et par leur grandeur. Je n'ai pas asses de presomption de croire d'avoir trouvé le principe par lequel ces phenomenes existent, mais je mettrai au jour une harmonie d'effets qui laissent soupçonner une cause commune, et ce sera allors a des tetes plus fortes que la mienne de la faire connoitre de plus pres.

Krause m'est d'une grande ressource parcequ'il me fixe ces objets qui s'evanouiroit bientot de ma memoire, car ici ma tete est occupée de tout autre chose. Ce sont les hommes qui attirent mon attention, je ne voudrois pas partir d'ici sans avoir des idees justes de chacun que j'ai pu voir un peu a mon aise.

Adieu ma chere Lotte il faut finir. Je joins quelques feuilles du Journal de Paris, tu y trouveras un recit du voyage aerien de Mr. Blanchard.

Conserve moi ton amour. Adieu adieu.

Brunswic, ce 27. d'Aoust 1784.

G.


Demain sera mon jour de naissance, j'avois esperé de le celebrer au Brocken mais il n'en sera rien.

[346] Je suis sur que tu penseras a moi dans ta retraite que tu t'occuperas de ton ami, qui ne voudroit avoir existé que pour toi. Tous les momens de ma vie que j'ai passé sans te connoitre, sans posseder ton amour me paroissent perdus, je ne puis vivre et respirer que pour toi.

Adieu encore une fois.


6/1973.


An Charlotte von Stein

[Brunswic] ce 28. d'Aout. 1784.

J'ai commencé mon jour de naissance au bal, ou j'ai dansé beaucoup sans le moindre interet. Ce matin j'ai dormi longtems, et a mon reveil mon coeur fut attristé de se trouver si loin de tout ce qui lui est le plus cher. Ce ne sera pas un jour de fete comme l'annee passee, je le passerai a la cour, a la table de jeu, que j'aurois souhaitté de le celebrer parmi les prés, les rochers et les bois.

Bientot il sera tems que nous nous en allons, j'attends ce mecredi avec impatience, les objets perdent tous les jours de leur nouveauté et mon ame commence a s'appesantir. Je ne suis pas asses habile pour cacher a la societé ce manque d'interet quoique je fasse mon possible, et les femmes surtout sont asses clairvoyantes pour sentir qu'elles ne me sont rien et que je ne veux ne leur rien etre. Avec les hommes il va un peu mieux mais cela ne pourra durer. J'ai[347] vu ce qu'il y a a voir, I'opera meme me fait peu de plaisir, la composition est tres belle mais il manque a l'execution un certain ensemble qui seul peut fair du plaisir.


ce 29. d'Aout.

Hier je n'avois q'un seul souhait et c'etoit de recevoir une lettre de toi, j'en avois deja perdu toute esperance lorsque retournaut du soupé je trouvai un paquet qui en renfermoit une. Je ne pouvois finir mon jour plus heureusement. Si tu m'avois envoyé ton iournal mon bonheur auroit eté au comble. Ces douces expressions des sentiments de ton coeur me faisoit revivre, car peu a peu mon existence se glace entierement. Cependant je voudrois rester plus longtems, pour voir les choses de plus pres, pour connoitre un peu plus les ressorts de cette machine.

Si l'originalité est bonne a tout elle est plus necessaire pour la condouite de l'oeconomie politique que pour toute autre chose. Nous pouvons apprendre des autres des details, nous pouvons imiter des formes, mais il faut que nous sachions par nous meme former un ensemble.

L'Opera d'hier etoit charmant, et bien executé, c'etoit la Scuola de Gelosi, Musique de Salieri, opera favori du public, et le public a raison. Il y a une richesse, une varieté etonnantes, et le tout est traité avec un gout tres delicat. Mon coeur t'appelloit a chaque air, surtout au finales et au quintets qui sont[348] admirables. Je t'enverrai le Texte, il t'amusera peutetre, quoique ce ne soit que le scelete d'un tres beau corps.

Comme je destine cette lettre a etre portee par Stein je puis parler un peu plus ouvertement car j'usqu'ici j'ai toujours evité de dire trop dans mes lettres, de crainte qu'on ne les ouvrit, car on peut attendre tout d'un Prince qui est politique comme le Duc de Brunswic.

Il a tres bien traité notre Duc, ils ont eu plusieurs conferences, ou il a eté asses ouvert, il paroit estimer son neveu, et vraiment un grand Seigneur qui a la tete bien placée et qui communement voit ses semblables etre plus que betes, doit etre tres surpris de trouver un parent qui a plus que le sens commun. Les courtisans parlent asses librement de leur maitre et d'apres ce qu'ils disent je puis me former une idée asses claire de cet etre singulier; mais ils conviennent tous que son but est grande et beau, qu'il ne se trompe pas dans les moyens et qu'il est ferme et consequent dans l'execution voila tout ce qu'on peut dire pour definir un grand homme, s'il on ose nommer graud un etre si borné en tout sens.

La Hartfeld est assurement la personne du sexe la plus interessante qui soit ici. Il seroit difficile de faire une description de sa figure ou de definir ce qui la rend aimable, et c'est justement pour cela que je crois qu'elle a pu fixer un Prince inconstant.

[349] Du reste la conduite du Duc envers tout le monde surtout envers les gens riches qu'il attire a sa cour est incomparable, il connoit parfaitement combien il est aisé de satisfaire la petite vanité des hommes, il sait flatter chacun a sa façon, il employe les maris, il amuse les femmes, et les personnes les plus petries d'amour propre lui paroissent etre les plus desirables, enfin c'est un oiseleur qui connoit ses oiseaux et qui avec peu de peine et de frais est sur d'en prendre tous les jours.

Je te parlerai au long de sa conduite envers moi, dont il faut que je te racconte l'histoire suivie.


ce 30.

Apresdemain matin on partira surement et cette lettre ira te chercher dans ta retraite. Il faut que tu sentes combien je suis a toi, combien je desire de te revoir. Non mon amour pour toi n'est plus une passion c'est une maladie, une maladie qui m'est plus chere que la santé la plus parfaite, et dont je ne veux pas guerir.

J'ai ecrit de nouveau quelques versets du poeme qui m'est une grande ressource quand je suis loin de toi, que j'aurai du plaisir si tu en es contente, car c'est pour toi que je le compose, le peu de mots que tu m'en dis dans ta derniere lettre m'ont fait une joie infinie.

Dailleurs tout va bien ici, ce qui etoit le but[350] serieux de notre voyage a parfaitement bien reussi. C'est un secret que je te confie car tout le monde croit surement que nous ne sommes venus que pour nous amuser.

Nous retournerons d'ici a Goslar pour voir les mines, de la nous monterons peut etre le Brocken pour descendre de l'autre coté par un detour vers Halberstadt. Le Duc ira a Dessau ie resterai encore quelques jours avec Krause entre les rochers du Rosstrapp, de la j'irai voir la fee de Langenstein dont tu ne seras pas jalouse et je retournerai bien vite a tes pieds. Oui ma chere quand je sens bien vivement le bonheur de vivre avec toi, l'eloignement me devient tout a fait insupportable.

Je n'ai d'autre souhait que de te plaire, de te rendre heureuse autant qu'il est en mon pouvoir, d'etre tous les jours plus digne de ta tendresse, car pour le reste de mon existence la fortune me veut tant de bien que je ne puis pas meme profiter de tout ce qu'elle m'offre.

J'ai fait beaucoup de reflections sur moi et sur les autres peutetre en ai je fait trop. Quoiqu'il en soit tu sauras tout a mon retour, et j'ai le plus grand besoin de te revoir car depuis que je suis parti, ie ne me souviens presque pas d'un moment d'entiere confiance avec qui que ce soit.

Stein te raccontera nos avantures a sa façon et si je te les racconte a la mienne tu pourras mieux juger.

[351] Si apres avoir recu cette lettre tu veux d'abord m'envoyer un expres a Alstaedt tu me feras un grand bien. Il faudroit joindre a une lettre plus longue que celles que j'ai eu j'usqu'ici, le journal, qui apres une si longue absence me fera revivre en me rapprochant de toi. Je te prie de le faire, ie te supplie par tout ce que l'amour a le plus cher. Je crains de ne pas pouvoir arriver a Weimar avant le 15. de ce mois, l'esperance de t'y trouver me soutient dans mon exil.


ce 31.

Enfin il faut que je finisse de te parler en lettres lisibles, mon coeur qui te parle nuit et jour ne se taira pas, je suis persuadé que le tien fera dememe et cela addoucit les peines de l'absence. Je serais encore plus heureux si j'etois bien sur que tu te portes bien, que tu ne sens plus les maux de dents. Adieu! J'ai eté tres bien tout ce tems la, excepté que l'irregularité de la diète m'a quelques fois mis mal a mon aise. Graces au ciel nous n'avons que deux repas encore a surmonter, et demain les plus beau rochers nous dedomageront de toute la gene que nous avons senti jusqu'a present. Adieu. Si mes recherches le permettent je tacherai d'ecrire encore a mon poeme, je voudrois pouvoir tout pour te faire du plaisir et je ne pourrois jamais cesser d'etre ton debiteur.

Adieu encore une fois ma douce mon adorable amie.

G.[352]


6/1974.


An Charlotte von Stein

Elbingerode d. 6. Sept. 84.

Von den Fesseln des Hofs entbunden in der Freyheit der Berge, bey dem schönsten Wetter noch ein Wort zu dir.

Der Herzog hatte einen unüberwindlichen Trieb nach Dessau, ging und lies mich mit Krausen von Goslar aus allein auf den Harz zurückziehen. Wir beyde haben dann, uns selbst überlassen der herrlichsten Tage recht genossen, sind auf dem Brocken gewesen, haben alle Felsen der Gegend angeklopft, immer begleitet von dem hellsten Himmel.

Wie deine Liebe mir nah ist mag ich nicht sagen. Vor sieben Jahren schrieb ich dir auch von hier. Nach und nachkomm ich immer wieder dahin wo ich schon deiner gedacht mich mit dir unterhalten hatte.

Ich hoffe den 15ten in Weimar zu seyn wäre es möglich dich da zu sehen.

Lebe wohl Lotte. Morgen geht es nach dem Rosstrapp. Krause hat ganz köstliche Dinge gezeichnet. Lebe tausendmahl wohl.

G.


6/1975.


An Johann Gottfried Herder

Elbingerode d. 6. Sept. 84.

Eh ich die Berge verlasse muß ich dir noch einen Grus zuschicken, es geht heute Abend eine Post von[353] hier und die soll dir ihn bringen. Nachdem ich bey Hofe meine Person auf Unkosten meines Magens ganz leidlich durchgebracht, bin ich wieder in die Freyheit der Wälder versetzt worden wo ich mich nun schon seit dem ersten ergehe. Der Herzog ist nicht mit herauf sondern nach Dessau. Krause ist also mit mir alleine und wir sind den ganzen Tag unter freyem Himmel, hämmern und zeichnen. Ihr werdet Freude haben an dem was ich mitbringe, wir haben gewiß die grösten und bedeutendsten Gegenstände ausgesucht, die Tage sind herrlich. Eine grose Last Steine bringe ich geschleppt. Die kleinsten Abweichungen, und Schattirungen die eine Gesteinart der andern näher bringen und die das Kreuz der Systematiker und Sammler sind weil sie nicht wissen wohin sie sie legen sollen, habe ich sorgfältig aufgesucht und habe sie durch Glück gefunden. Es wird dir gewiss angenehm seyn sie zu sehen und ich habe alsdenn wenig darüber zu sagen.

Manchmal wird mir es ein wenig sauer auf diese einzige Idee auszugehn, man wird zuletzt stumpf und weis kaum mehr was man sieht, und eh ich mich's versehe vergesse ich bey einem Gegenstand das nothwendigste. Indessen da mich diese Materie fast zu ennuiren anfängt thu ich mein mögliches, denn stecken kann ich's nicht lassen. Deswegen schreib ich auch soviel möglich auf.

Morgen und übermorgen gehts an der Bude hinunter,[354] wir werden an den Fall gelangen wo dieses Flüssgen hinter dem Roßtrapp hinabstürzt. Zwischen diesen Felsen tot ich noch viel für meine Spekulation, es ist ein Durchschnitt der sehr lehrreich ist.

Ich gedencke eurer Liebe offt ............ und wollte ich könnte euch nur viel Freude bringen.

Lebet wohl, ich seh euch nun balde.

G.


6/1976.


An Charlotte von Stein

Ich kann meiner lieben Lotte nur mit wenig Worten sagen daß ich wieder da bin, daß mir ihre lieben Worte die mich in Alstädt empfangen haben, rechte Nahrung waren deren ich sehr bedurfte. In Langenstein war ich zwey Tage, länger konnt ich nicht bleiben. Von meiner Reise habe ich dir viel zu erzählen, Viel zu zeigen. Ich will dich nicht bitten herein zu kommen weil ich doch nach Jena muß und sonst vielerley zu thun habe. Ehe der Herzog zurückkommt kann ich auch nicht zu dir. Ich möchte gar zu gerne die Reise nach Zweybrücken ablehnen und hoffe es soll gehn. Dann wollen wir glückliche Tage zusammen zubringen. Daß dir mein Gedicht so lieb ist wird mich anfeuern es fortzusetzen wie mir es möglich ist.

Dein Zahnweh betrübt mich und macht mich mit dir leiden, es ist gewiß die feuchte Lufft von Hochberg[355] die es verursacht. Richte aus was du auszurichten hast und mache daß du wieder herein kommst. Es ist dir gewiß besser.

Lebe wohl ich habe eine recht herzliche Sehnsucht nach dir, und dancke dir tausendmal für deine Liebe. Lebe wohl.

Ich habe viel zu thun gefunden und bin schon zerstreut. Vielleicht kommt Fritz Jakobi noch. Lebe tausendmal wohl.

d. 16. Sept. 84.

G.


6/1977.


An Samuel Thomas von Sömmering

Ew. Wohlgeb. Brief vom 31. August finde ich erst gegenwärtig bei meiner Rückkunft von einer kleinen Reise und verfehle nicht sogleich darauf zu antworten.


Ich wünsche Ihnen zu der Veränderung Ihres Aufenthaltes Glück, ob ich Sie gleich ungern aus der Nachbarschaft verliere, und also noch weniger hoffen kann Sie manchmal wieder zu sehen. Doch in einer jeden Entfernung bleiben diejenigen verbunden, welche für die Wissenschaften eine wahre Anhänglichkeit haben, und ich kann hoffen, daß Sie auch an den schönen Ufern des Rheins gern meiner gedenken werden.

Der Elephantenschädel ist von vorn und von der Seite gezeichnet; die untere und hintere Seiten sollen nach Ihrem Verlangen sogleich vorgenommen werden,[356] und ich will ihn sodann nicht weiter aufhalten.

Finde ich einen Durchschnitt noch sehr unterrichtend und ich habe Zeit mich damit zu beschäftigen, so bediene ich mich der mir gegebenen Freiheit. Haben Sie nur die Güte mir zu schreiben, um welche Zeit Sie von Cassel abgehn.

Wollten Sie mir von denen verzeichneten Köpfen die Güte haben folgende zu schicken, so würden Sie mir viel Vergnügen machen.

Wilde Katze, Löwe, junger Bär, Incognitum, Ameisenbär, Kameel, Dromedar, Seelöwe.

Von Mercken habe ich nach seiner Wiedergenesung einen langen Brief, wo er mir alle holländische Cabinete recensirt, über alles aber sein Glück preist mit Campern bekannt geworden zu sein. Wenn es mir einigermaßen möglich ist, eine Excursion nach Klein Lanckum zu machen, so werde ich es gewiß thun. Um den Coiter zu haben hatte ich Herrn Hofrat Loder als er in England war schon Commission gegeben, so ich konnte ihn aber nicht erhalten. Ich wünschte das holländische Werkchen von Campern zu sehen, ich wollte mich allenfalls durch die wunderliche Sprache durchfinden. Sobald die Zeichnungen fertig sind und ich einigermaßen Zeit habe, werden Sie mehr von mir hören. Ich wünsche indessen wohl und vergnügt zu leben.

Weimar den 16. Sept. 1784.

Goethe.[357]


6/1978.


An Charlotte von Stein

Voila ma chere Lotte des fruits que je t'envoye pour Symbole de ma tendresse, j'espere qu'ils seront doux autant qu'ils peuvent l'etre sous ce Ciel peu favorable.

J'ai reçu ta lettre qui m'exprime si bien tes sentiments pour moi, ils me ravissent, meme ceux que je ne scaurois meriter.

Fritz est bien gai je lui ai fait sentirla beauté des characteres Anglois que j'ai apporté de Brunswic, hier au soir avant d'aller au lit nous avons fait l'essai de les imiter. J'espere que cette nouveauté le reveillera du moins pour quelque tems car il a negligé beaucoup cette partie la, je lui donne un bon exemple en m'exercant avec lui.

J'ai tant de choses a te dire, et tant de choses a faire que je ne sai comment m'y prendre. Je ferai mon possible pour aller bientot a Ilmenau et je passerai par Kochberg.

Adieu ma chere Lotte il faut bien que je finisse, les affaires m'appellent. Le duc n'est pas encore arrivé. Je te serre a mon coeur.

ce 17. du Sept. 1784.

G.[358]


6/1979.


An Charlotte von Stein

[ce 17. du Septembre.]

Apres avoir fini ma journée, apres avoir preparé mon dejeuné pour demain matin il faut que je m'entretienne encore quelques moments avec toi, et ce sera pour te dire quelques nouvelles.

Tu sauras deja que le viel Oeser est ici pour peindre les petits apartemens de Mdme la Duchesse Mere, mais personne t'aura dit combien son ouvrage est beau. C'est comme si cet homme ne devroit pas mourrir tant ses talents paroissent toujours aller en s'augmentant. Les idees des Platfonds sont charmantes, elles sont executees avec un gout que l'age et le travail seuls peuvent epurer a un si haut degré, et en meme tems avec une vivacité que la jeunesse croit etre exclusivement son partage.

Haman de Koenigsberg a ecrit une petite brochure contre le traité de Mendelsohn qui a pour titre Jerusalem. J'ai toujours aimé beaucoup les feuilles Sybillines de ce mage moderne et cette nouvelle production m'a fait un plaisir bien grand que je voudrois pouvoir partager avec toi, ce qui sera difficile a cause de la matiere et de la façon dont il la traite.

Il y a des bon mots impaiables, et des tournures tres serieuses qui m'ont fait rire presque a chaque[359] page. Apresant il faut que je relise le livre de Mendelsohn pour mieux entendre son adversaire, car il m'a eté impossible la premiere fois de le suivre toujours. Je me trouve tres heureux d'avoir le sens qu'il faut pour entendre jusqu'a un certain point les idees de cette tete unique, car on peut bien affirmer le paradoxe qu'on ne l'entend pas par l'entendement.

Bon soir ma chere Lotte. Je me rejouis beaucoup de ce que tu ne t'endormiras pas sans avoir eu ma lettre de ce matin et sans avoir gouté de mes fruits. Quelle douce consolation que ce ne sont plus des semaines entieres qu'il faut a mes lettres pour parvenir a toi.


ce 19. du Sept.

Jacobi est arrivé avec sa Soeur il me fait un grand plaisir par sa presence. S'il t'étoit possible ma chere Lotte de te derober a ta solitude, de venir ici pour quelques jours. C'est surement un homme tres interessant et il a gagné. Tu le verrois et je te verrois. Car ma chere le desir d'etre avec toi, le besoin de te communiquer toutes mes idees existe encore dans mon coeur avec la meme vivacité.

Aujourdhui j'ai eté a Jena, j'avois mon Fritz avec moi. Je le sens bien que tu veux qu'il soit le mien. Il a eté si bon, si agreable et je l'aime tant. Adieu je suis tout a toi. J'attends avec impatience une reponse qui me dise que mes voeux sont exaucés.

G.[360]


6/1980.


An Charlotte von Stein

[ce 20. du Septembre.]

Nous faisons si bien notre devoir ma chere Lotte qu'a la fin on pourroit douter de notre amour. Les affaires et l'amitié me fixent, l'oeconomie te retient, il m'est impossible d'aller te voir, je trouve tes raisons asses valables qui t'empechent de venir, et cependant je suis mecontent de toi et de moi que nous sommes si raisonnables.

La presence de Jacobi me seroit doublement chere si tu etois avec nous. Il m'est impossible de parler de toi a qui que ce soit, je sais que je dirois toujours trop peu, et je crains en meme tems de trop dire. Je voudrois que tout le monde te connut pour sentir mon bonheur que je n'ose prononcer. Vraiment c'est un crime de lese amitié que j'existe avec un homme comme Jacobi avec un ami si vrai si tendre sans lui faire voir le fond de mon ame, sans lui faire connoitre le tresor dont je me nourris. J'espere que la Herder lui parlera de toi et lui dira ce que je n'ose lui dire.


ce 20. du Sept.

Le sort veut nous recompenser pour les privations que nous avons essuyé depuis tout ce tems. Je ne suivrai pas le Duc a son vojage qu'il veut entreprendre, ie ne ferai q'un petit sejour a Ilmenau,[361] je retournerai et nous serons ensemble tout cet hyver sans que rien nous puisse desunir. Je ferai mes affaires et le reste du tems je n'existerai que pour toi, et la saison la plus rude me sera la plus agreable parceque je la passe a ton coté.

Jacobi restera ici jusqua la St. Michel, je viendrai te voir d'abord qu'il sera parti peut etre le dernier de ce mois ou le premier d'Octobre. Dela j'irai a Ilmenau tu mettras fin a tes soins oeconomiques pour retourner a la ville et pour revivre pour ton ami. Voila mon plan dont les dispositions paroissent etre favorisees par le sort, il ne me faut plus rien q'un beau tems pendant mon sejour dans les montagnes; et si tu te portes bien je n'ai plus rien a desirer.


ce 21.

Jacobi m'a parlé de toi je n'ai pu lui dire que tres peu, il souhaitteroit de te connoitre parcequ'il sent bien que sans cela il n'a q'une idee incomplete de l'existence de ses amis. Je suis bien faché que nous ne pouvons pas arranger cela, et si je ne me retenois pas par toutes les raisons possibles j'irai demain te surprendre.

Claudius le fameux Wandsbecker Bote arrivera aujourdhui, nous verrons donc aussi ce personnage singulier ce qui nous interessera beaucoup, mais nous le verrons sans toi ce qui diminuera beaucoup notre plaisir. Adieu ma chere Lotte je te prie de[362] m'ecrire bientot. J'aurois bien voulu t'envoyer quelques fruits, et je me plains amerement du climat si tristement pauvre. Que de raisins ne t'enverrois je pas si nous etions sur le bord du Mein, et je n'ai d'autre Heimweh que pour pouvoir te faire part de tout ce que notre sol natal a de bon et d'agreable.

Adieu encore une fois. Je t'envoie une lettre de Fritz et un essai de sa plume.

Weimar, ce 25. du 7br. 1784.

Goethe.


6/1981.


An Carl Ludwig von Knebel

[26. September.]

Wir kommen dir lieber Bruder morgen Montags den 27. mit hellem Heer auf den Hals. Es werden 7 Personen seyn die wunderlichste Societät, die ie an einem Tische gesessen. Mache ia keine Umstände sondern alles hübsch ordentlich. Ich freue mich dich wieder zu sehen.

G.[363]


3/379.


An Johanna Fahlmer

[Weimar, 26. September 1784.]

Liebe Tante, ich sollt an meine Mutter schreiben, drum schreib ich an Sie dass ihr zusammen meinen Brief geniesst und verdaut. Ich bin immer fort in der wünschenswerthsten Lage der Welt. Schwebe über all den ersten größten Verhältnissen, habe glücklichen Einfluss, und geniesse und lerne und so weiter. Jezt nun aber brauch ich Geld – denn niemand lebt vom Winde – so wollt ich nur sagen Täntgen überleg sie's mit der Mutter, ob der Vater Sinn und Gefühl, ob all der abglänzenden Herrlichkeit seines Sohnes hat, mir 200 f zu geben oder einen Theil davon.

[14] Mag das nicht gehn so soll die Mutter Mercken schreiben dass der mir's schickt. Das schicklichste wär, in Golde mit dem Postwagen, unter andern Sachen – Nimm Sie liebe Tante das auf die Schultern. Und macht mir's richtig. Denn ich muss seyn in dem was meines Vaters ist. Ich kann nichts einzeln schreiben. Die Zeit mags lehren. Schreiben Sie mir manch mal was, ich bitte, denn so wohl mir's geht, ists doch manchmal noth. Addio. Grus an Frizzen.

Eben krieg ich die Schachtel mit dem Vorrath. Mama soll mir mit Gelegenheit die Schriften Hamanns schicken die von Reich gekommen sind.[15]


6/1982.


An Charlotte von Stein

[28. September.]

Und nun auch kein Wort Französch mehr. Du must von mir einen Brief vor einigen Tagen erhalten haben, der dir sagt wie es mit mir steht.

[363] Jakobi geht Mittwoch Abends fort, Donnerstags und Freytags will ich meine Geschäffte beyseyte bringen, Sonnabend früh bey dir seyn und Montags nach Ilmenau gehn.

Deine Abwesenheit lässt mich alles gute im Umgang der Freunde nur halb geniessen. Ich bin jezt im Conseil und kann nicht mehr sagen. Mein innerstes will nicht mehr zusammenhalten, ich sehne mich nach dir wie noch nie. Adieu.

G.


6/1983.


An Jakob Friedrich von Fritsch

Hochwohlgebohrner

Insonders Hochzuehrender

Herr Geheimderath

Nach einem so langen Stillschweigen würde ich um Entschuldigungen verlegen seyn, wenn ich Ew. Exzell. Gesinnungen nicht kennte und gewiss wäre daß Sie auch von den meinigen überzeugt sind.

Der Aufenthalt Durchl. des Herzogs in Braunschweig war sehr angenehm, man hat ihm daselbst auf das freundschafftlichste begegnet und er scheint sich durch ein gesetztes Betragen vollkommnen Beyfall erworben zu haben. Die Grosmama konnte sich über einen solchen Enckel nicht genug freuen, ich habe bey einer alten Person lange nicht ein so lebhafftes Vergnügen gesehen, sie verlangte sein Portrait und rechnete[364] ihm die Geduld sehr hoch an womit er dem Mahler mehrere Stunden sas. Die Prinzess Äbtissin wusste den Herrn Neveu durch mancherley Scherz und glückliche Einfälle zu unterhalten, über alles aber war unserm gnädigsten Herren das Vertrauen angenehm womit der durchlauchtige Onckel ihn ausgezeichnet beehrte. Man ist also wie Ew. Exzell. leicht dencken können mit wechselseitiger Zufriedenheit auseinander geschieden, und die Briefe welche von Braunschweig aus nach unserer Abreise hierher an die Herzoginn Mutter kamen, vollendeten dieses wohlgelungene Familien Stück, so daß nichts übrig blieb als Plaudite zu rufen.

Ich habe meine subalterne Rolle mit groser Mäsigung gespielt und auch ich kann nicht genug toben welche gute Aufnahme ich erfahren.

Auf dem Harze habe ich, indem ich meiner Liebhaberey nachging, sehr angenehme Tage gehabt, und meine Kenntnisse in diesem Fache um vieles erweitert. Es wird Ew. Exzell. schon bekannt seyn daß Durchl. der Herzog nicht wie er sich vorgesetzt seinen Rückweeg über den Harz genommen, sondern gleich von Goslar aus nach Befahrung des Rammelsberges ganz allein, nur vom Hofjäger begleitet, nach Dessau gefahren, und von da erst etwa seit acht Tagen zurück ist.

Von hier erwähne ich nichts theils weil nichts das etwa merckwürdig wäre vorgekommen theils weil Ew. Exzell. Sich nun balde selbst davon gegenwärtig[365] werden unterrichten können. Ich werde in einigen Tagen nach Ilmenau gehen und bey meiner Rückkunft vielleicht schon das Glück haben Ew. Exzell. mündlich zu bezeugen wie sehr ich sey

Ew. Exzell.

ganz gehorsamster Diener

Weimar d. 29. Sept. 1784.

Goethe[366]


6/1983a.


An Juliane Auguste Christinevon Bechtolsheim

Ich bin von Braunschweig wieder zurück und muß Sie fragen, wie sich die stummberedten Freude aufgeführt haben, die ich Ihnen zurückließ und ob die stillen Tage auf Juliensluft nichts für den Abwesenden hervorgebracht haben. Die Lebhaftigkeit des Br. Hofes während der Messe hat mich sehr unterhalten, noch mehr aber der einsame Harz, dem ich recht mit voller Erlaubnis habe vierzehn ganze Tage widmen können. Und die Menschen behaupten ich sey[32] nun ganz und gar versteinert zurückgekehrt. Beynahe hätten Sie sich im Falle gesehen es beurtheilen zu können, nunmehr sind Sie aber vor einem Überfall sicher. Leben Sie wohl und genießen eines fröhlichen Winters. Viktorchen hör' ich hat sich in Frankfurt fangen lassen. Viel Glück! Leben Sie recht wohl.

Weimar d. 2. Oktbr. 84.

G.[33]


6/1984.


An Charlotte von Stein

[Ilmenau, 5. October.]

Ich weis daß es meine liebe Lotte freut auch nur wenig Worte von mir in ihrer Einsamkeit zu hören. Dieser Brief wird über Weimar gehn, denn zwischen hier und Hochberg ist alle Communikation abgeschnitten.

Wir sind gestern sehr lange gefahren und haben uns sehr nach der Ente gesehnt die du uns bestimmt hattest, wir wurden für unsre Nachlässigkeit mit Hunger bestraft. Fritz war gar artig, ich erklärte ihm die zwey ersten Bildungsepoquen der Welt nach meinem neuen System er begriff alles recht wohl und ich freute mich über den Versuch durch den selbst bey mir die Materie mehr Klarheit und Bestimmtheit gewonnen hatte. Die Kinder sind ein rechter Probierstein auf Lüge und Wahrheit es ist ihnen noch gar nicht so sehr wie den Alten um den Selbstbetrug Noth.

[366] Ich hoffe du hast dich auch des schönen Tages gefreut und des deinigen gedacht. Wie hätt' ich dich an meiner Seite gewünscht. Gleich wie wir ankamen eilte ich nach dem neuen Schachte, dem Gegenstande so mancher Hoffnungen und Wünsche. Es steht alles recht gut und das ganze Werck nimmt einen rechten Weeg. Es sind nicht stärckre Hindernisse als die zu überwinden sind die noch dabey vorkommen, und ich hoffe auf mein gutes Glück.

Heute haben wir einen weiten Spaziergang gemacht der sehr schön war um die alten Teiche und Gräben zu sehen, davon ein Theil hergestellt werden muß. Ich wünschte dabey und vertraute daß ich einmal mit dir den schönsten Teil des Weegs machen könnte.

Ich werde unsre Expedition nicht übereilen da ich dich nicht zu Hause antreffe besonders wenn wir schön Wetter behalten sollten, da will ich meine Freunde die Berge noch recht durchsinnen und durch suchen damit ich im Glauben gestärckt werde.

Nun sage ich dir gute Nacht, damit ich noch einige Augenblicke meinem Wilhelm widmen kann der auch dein ist. Lebe wohl du theure Hausfrau, du süse Liebhaberinn, du treue Freundinn du Inbegriff alles Guten und du Meine.

G.[367]


6/1985.


An Charlotte von Stein

Wie süs ist mir's bey Lesung deiner Briefe dich in der Nähe zu wissen! Wie danck ich dir für iedes Wort. Sobald als möglich komme ich zu dir. Wenn ich nur nicht wieder deine Abreise vor mir sähe!

Wilhelms fünftes Buch ist fertig. Schreibe Knebeln nur einfach daß ich die Sache nicht redressiren könnte, sag ihm aber nicht daß ich einen Augenblick böse war. Wie befindest du dich sage mir das und sage mir was ich so gern höre. Lange habe ich so vergnügte Stunden nicht gehabt als gestern auf dem Weege von Kochberg hierher. Es freute mich recht bey iedem Schritte meine Liebe lebhafft zu fühlen. Adieu du beste.

d. 16. Oktbr. 1784.

G.


6/1986.


An Charlotte von Stein

Wie befindet sich meine Lotte auf den gestrigen Tag. Heute werde ich dafür von dir ferne seyn müssen. Bey Seckendorfs finde ich dich. Diesen Abend konnte ich dem geh. Ass. Rath Schmidt nicht abschlagen bey ihm zu seyn. Lebe wohl. und liebe.

d. 18. Oktbr. 84.

G.[368]


6/1987.


An Friedrich Heinrich Jacobi

Dein Brief lieber Fritz hat mich herzlich gefreut. Diese Reise wird dir sehr heilsam seyn. Du bist uns verbundner und dein Zuhause wird dir nun auch wieder wohl thun. Die Aussicht uns wieder zu besuchen giebt auch Leben und Bewegung der Zukunft. Denn gewiss man darf sich nur vom Stuhle erheben oder zur Hausthüre hinaus gehen, irgend etwas unternehmen; so sieht man daß ein gutes Schicksal ist das sich des Menschen annimmt. Wenn man sich nur bewegt, andre in Bewegung bringt; so fügt sich gar manches schön und gut, wie dir auf der Reise mit dem Bruder begegnet ist.

Ich wollte du wärest ietzo hier, ich habe einigermasen ruhigere Zeit. Knebel wird heute deine Stube beziehen und er soll mit dem Mineralgeist getauft werden.

In Ilmenau wo ich lange geblieben bin, habe ich gar gute Tage gehabt meine Sachen gehen sehr gut und viel leichter als ich mir es vorgestellt habe.

Nun richte ich mich auf den Winter ein, und werde wie die Schnecke eine Kruste über meine Thüre ziehen, und fleisig seyn.

Balde schicke ich dir etwas. Die nächsten ruhigen Stunden wende ich an, die Manuscripte die du mir zurückgelassen durchzulesen.

[369] Grüse Lottgen! Verzeiht nur meine ungraziose Bewirthung. Grüse Lengen! Und Lebe wohl. Für diesmal nichts mehr.

Weimar, d. 18ten Oktbr. 1784.

G.


6/1988.


An den Herzog Carl August

Erst Freytag d. 15ten bin ich von Ilmenau zurückgekommen. Wir haben dort mancherley zu thun gefunden und da es uns angelegen war aufs innre zu dringen, so konnten wir unsere Behandlungen nicht übereilen, wie es bey mechanischer Papier Expedition wohl angeht. Ich hoffe es soll Ihnen dieses Werck zur Freude wachsen, wo schon für wenig Geld und in kurzer Zeit viel geschehen ist. In einigen Wochen werden sie auf dem nassen Orte durchschlägig, und noch vor Ostern auf dem Stollen seyn.

Wir haben das Inventarium berichtigen lassen, den neuen Schacht, und tiefen Stollen vom 10ten Lichtloche an befahren, die Gräben bis zu den Freybächer Teichen begangen, einen heimlichen Handel angelegt um die fatale Schneidemühle, auf gothischem Grund und Boden, durch Kauf an die Gewerckschafft zu bringen, wegen Führung der Gräben und Erbauung des Treibewercks die nötigen Voranstalten gemacht, die Haushaltung, das Personale, Materiale pp fleisig untersucht, und durch eine scharfe Aufmerksamkeit[370] auf die geringsten Dinge, der Thätigkeit der Unterbeamten, hoffe ich, eine gute Richtung gegeben. Denn der Zwischenraum vom 24. Februar bis zum Oktbr war zu gros als daß die Impulsion die man dem Wercke damals gab hätte ihre Würckung so gar lange zeigen sollen. Der Geschworne ist ein fürtrefflicher Subaltern, und solange er Vorschrifft und Gesetz hat unverbesserlich, wie das abgeht und er aus eignem Sinne handeln soll weis er sich nicht zu helfen. Anfangs kamen einige Dinge vor die Verdacht gegen ihn erregten, es hat sich aber alles nach und nach zu seinem moralischen Vorteile aus seiner unglaublichen Unfähigkeit die Dinge ohne Norm zu beurtheilen aufgeklärt. Die Abgabe der Frucht an die Bergleute ist hoffentlich Martini in Ordnung.

Man will in Ilmenau von keiner Abfuhr nach Francken etwas wissen, auch steht der Preis schon diese 14 Tage, wie die Aussichten hier sind kan ich nicht sagen da ich noch niemanden der davon unterrichtet wäre gesprochen.

Die Wollenfabrikationen Hetzers und Schnepps gehen recht artig, ich habe Muster und Tabellen mitgebracht darnach sich ihre Industrie leicht übersehen lässt. Mit der Zeit kann dieser Nahrungszweig sehr wachsen. Hofrath Voigt behandelt die Sache sehr geschickt.

Staff wird wegen des Holzes einen Aufsatz einreichen, er verspricht und dreht sich, macht Vorschläge[371] und wendet sich. Das herrschafftliche Interesse ist sein drittes Wort, und doch nur ein sehr kurzer Mantel, unter dem die Röcke, die ihm und seinen Forstbedienten und übrigen Günstlingen besser anpassen, sehr mercklich hervorstosen. Ich will indessen mit Wedeln alles präpariren, und man wird sehn wie man zum Zwecke gelangt.

Docktor Schwabens Gesundbrunnen soll heute Nachmittag bey Buchholz probirt werden, ich fürchte sehr es ist gemeines Wasser und von keinem Mineralgeiste belebt.

Die Einsiedels die nun abgegangen sind um sich Afrika zu nähern, haben in Oberweimar ein gar wohl eingerichtetes Laboratorium zurückgelassen. Gefäse und Werckzeuge, Säuren, Salze, feste und flüssige Körper was zu den vorzüglichsten Chemischen Arbeiten nötig ist, findet sich darinne neu, wohl zubereitet und in dem besten Stande. Unser Einsiedel hat es angenommen und will es verkaufen. Er hat mir von 170 rh. gesprochen, und er giebt es noch wohlfeiler. Nun wäre mein Vorschlag Sie kauften es als Fond zur künftigen Ausstattung Götlings; Büttner hat auch ein klein Hauslaboratorium das man in der Folge dazu schlagen könnte, was noch abgeht schaffte man nach und nach an und es wäre zuletzt unmercklich beysammen. Ich würde es diesen Winter auch gebrauchen können, Theils um die letzten Bewegungen der Sievertischen Thätigkeit die für sich nie zu einem[372] Ziel kommt, zu nutzen, Theils meine mineralogischen Ideen aufzuklären und mich zum Hüttenwesen vorzubereiten. Wenn es Göttling gesehen und geschätzt hat will ich einstweilen, bis auf Ihre Ratifikation in Handel treten.

Auch habe ich ein Baro- und Thermometer bey dem Nordhäuser Wetterpropheten bestellen lassen ich will es zu mir in's Haus hängen und die Beobachtungen theilen.

Gleich heute will ich mich erkundigen wie weit die Sache mit den Armenanstalten gelangt ist und gerne alles beytragen um sie weiter zu führen.

Der alte Büttner hat eine Proposition gethan. Wenn Sie 100 rh. iährlich für die Bibliotheck aussetzen wollten so wollte er 100-150 dazulegen. Man müsste ohne dies etwas thun um die rohen Bücher binden zu lassen damit sie nicht gar zu Grunde gehn. Sie sind schon dreymal hin und wieder geschleppt worden.

Schlözer ist hier und bedauert sehr Ihnen nicht aufwarten zu können. Buchholz hat ihm den Luftballon steigen lassen, ich hoffe der deutsche Aretin wird von dieser Ätherischen Ehrenbezeugung sehr geschmeichelt seyn. Knebel ist seinetwegen aus Jena gewichen und befindet sich in Tiefurt.

Wir haben eine kleine Session gehalten und die Daasdorfer Sache in Ordnung gebracht. Es wird sogar über unsre Deliberation ein Extracktus Protokolli[373] zu den Ackten gebracht damit man sehe wie wohl alles durchdacht, durch disputirt und wie reiflich ponderirt worden.

Nachher kam Schmidt in einen patriotischen Eifer und sprach viel wie unsren Finanzen sollten die Reisen stärcker angetrieben werden, daß es recht schade ist daß Sie nicht wenigstens hinter dem Schirm zugehört haben. Es ist würcklich ein Mensch dem es Ernst ums Gute ist.

Viel Glück auf Ihren Weegen und Steegen, ich bin auf Ihre Rückkunft sehr neugierig.

Weimar, d. 18. Oktbr. 1784.

G.


6/1989.


An Charlotte von Stein

Wie theuer ist mir meine Gefälligkeit zu stehen kommen, wie viel glücklicher war ich als ich neulich in der Finsternis zu dir eilte, ieder beschweerliche Schritt brachte mich dir näher, anstatt daß die lange Tischsitzung mich aller Hoffnung beraubte dich noch zu sehn. Morgen soll es uns besser werden. Gute Nacht. l. Lotte.

Nun auch einen guten Morgen daß ich bey Zeiten mein Glück vernehme. Ich lade dich zum Essen ein. Knebel wird mit uns bleiben. Das übrige folgt. Lebe wohl geliebteste.

d. 19. Oktbr. 1784.

G.[374]


6/1990.


An Charlotte von Stein

Lebe noch tausendmal wohl liebe Lotte. Wie glücklich wäre ich gestern gewesen, wenn du dich ganz wohl befunden hättest. Sage mir ob das Übel vorbey ist. Alle meine Freuden verreisen mit dir. Lebe wohl und komme ia bald zurück.

d. 20. Oktbr. 1784.

G.


6/1991.


An Charlotte von Stein

Ich kan dir nichts sagen als L. Lotte komm wieder. Es will mit mir in keinem Sinne fort.

Hier schick ich Obst, und bitte dich nicht freygebig damit zu seyn sondern es selbst zu essen, denn ich gebe dir's und sonst niemand. Lebe wohl. Schreibe mir ein Wort. Und wann du ohngefähr wiederkommst.

d. 22. Oktbr. 84.

G.[375]


6/1991a.


An Juliane Auguste Christinevon Bechtolsheim

Sie werden wohl das Paket erhalten haben, wovon ich neulich schrieb.

Bisher ist's in meinem Kopfe tumultuarisch zugegangen und meine Expeditionen sind nicht alle richtig notiert worden. Ich lege deswegen einen Extrakt des Postbuches bey, wonach sich wohl alles aufklären wird. Das letzte Paket enthielt Iphigenia und Tasso, und ist wahrscheinlich das unter No. 3 als Schachtel steht.

Ich wünsche zu hören, daß es angekommen ist und Ihnen Freude gemacht hat.

Wie geht es in der neuen Zeichenakademie? Krause hat mir viel von dem Eifer der schönen Damen erzählt. Wenn er von Dauer ist.

Kann ich Reisenden und Schreibenden trauen, so habe ich kurzer Zeit viele Grüsse von Ihnen empfangen, ich hoffe man wird sie erwidert haben.

[33] Das fünfte Buch von Wilh. Meister wird ehestens anlangen, ich wünsche, daß es den Eindruck der ersten nicht zerstören möge. Diese vier ersten bitte ich mir so bald als möglich zurück. Wissen Sie schon, daß mir der wackre Kanzler in Eisenach Quartier bey sich angeboten hat, wenn ich wieder hinüber käme, ich werde mich aber wohl hüten es anzunehmen, eh' ich der Zustimmung seiner Gemahlin versichert bin. Leben Sie recht wohl und vergnügt.

W. den 23. Oktbr. 1784.

Goethe.[34]


6/1992.


An Charlotte von Stein

[25. October.]

Erst Freytag kommt meine Lotte wieder, sie denckt es sey balde, und bedenckt wohl nicht daß heute Montag ist. Ich will recht fleisig seyn und vieles bey Seite schaffen, daß ich mich recht ihrer Gegenwart[375] erfreuen kann. Freytag Abends sollst du Freunde bey mir finden.

Mir fehlt alles da du mir fehlst. Lebe wohl. Ich habe dir viel zu erzählen.

G.


6/1993.


An Charlotte von Stein

Wir schweer werden mir die Tage zu überstehen da ich Abends auf dich nicht hoffen kann. Ich bin nicht fähig dir etwas zu schreiben, denn ohne dich habe ich selbst an meinen Lieblings Ideen keine Freude. Knebel geht morgen wieder weg, er hat nur einmal sich etwas von mir vorsagen lassen, das Steinreich lockt ihn nicht, er ist ein Freund des Menschlichen Wesens, und ich kan es ihm nicht verdencken.

Gestern Nacht ging ich nach der Comödie spazieren und wäre gern immer so fort nach dir hin gegangen, um dich mit Anbruch des Tags zu begrüsen. Ich zähle iede Stunde auf deine Rückkunft und bin wider willen fleisig um die Augenblicke zu tödten die mir ohne dich keine Freude bringen.

Vom Herzog ist Nachricht da daß er sich wohl befindet und noch einen weiten Umweeg nehmen wird um seiner Reise, von deren Absicht öffentlich gesprochen wird, einen Schein zu geben.

Fritz kam diesen Abend und bewog mich nach Oberweimar ins Laboratorium zu gehn, ich wäre[376] sonst zu Hause geblieben, wir handelten allerley mit dem alten Docktor ab und kamen etwas feucht doch sehr vergnügt zu Hause an. Bey dieser Gelegenheit haben wir die chymischen Zeichen durchgegangen und Fritz hat sich eine Abschrifft davon gemacht. Er leistet mir Gesellschafft und so giebst du mir durch ihn auch abwesend Leben und Unterhaltung.

d. 26. Oktbr. 84.

G.


6/1994.


An Charlotte von Stein

Es geht ein Bote und ich kann dir einen Morgengrus schicken. Es ist nicht gut daß du so lange aussenbleibst, ich habe Mutter und Vaterland um deintwillen zurückgesetzt und nun muß ich diese Tage allein zu bringen. Daraus kann nichts guts entstehen. Ohne dich ist mir das Leben nur eine Träumerey, und wenn ich dich missen sollte müsste ich eine völlige Umkehrung meines Haushaltes machen. Komm ia bald Geliebteste. Und Lebe recht wohl.

d. 28. Oktbr. 1784.

G.


6/1995.


An den Herzog Carl August

Durch Ihre Frau Gemahlinn habe ich einen Grus, und durch die Staffete einen Brief von Ihnen erhalten, ich dancke für beydes und eile Ihnen aus dem stillen Kreise meines Lebens einige Nachrichten zu geben die für Sie interessant seyn könnten.

[377] Zuerst muß ich sagen, daß mich der Inhalt Ihres Briefs nicht befremdet hat. Denn obgleich das Schachspiel dieser Erde nicht genau zu kalkuliren ist, und ein fehlerhaffter Zug manchmal Vortheil bringt, so schien es mir doch beynahe unmöglich daß die Schritte es F. v. D. zu etwas gutem und zweckmäsigen führen sollten, besonders war seine letzte Reise ein hors d'oeuvre, wie die Unterredung des Prinzen mit Emilie Galotti im Kreutzgange, worüber sich Marinelli mit Recht zu beschweeren hatte. Ihre Verwunderung beym Anblick des K. R. M. konnte ich mir vorausdencken. Es ist mir dann aber doch ietzo sehr lieb daß Sie die Reise machen, Menschen und Verhältnisse selbst sehn und in der Folge entweder sich zurückeziehn, oder aus eigner Erfahrung, Trieb und Überzeugung handlen.

Nun zu dem Haushalte. In Daasdorf wird ein Anfang mit Umreisen eines Theils des Angers gemacht, ob wir gleich noch nicht mit des Guts Übergabe zu Stande kommen können. Dem Pastor will die Einrichtung noch nicht in den Sinn, seiner alten Frau, die eigentlich Herr ist, noch weniger. Wir gehen sehr gelinde und sachte zu Wercke, um unsern Zweck zu erreichen, und ihnen die Weege zu allen Entschädigungs Gesuchen abzuschneiden. Ich habe dem Cammerassessor Büttner und Cammer Calkulator Treuter die Sache besonders aufgetragen, um auch diese in's Intresse zu ziehen, die Ausführung zu erleichtern,[378] und sie in ihren Handelsweisen näher kennen zu lernen.

Im Grimmenstein ist alles in voller Arbeit, und ich hoffe bey Ihrer Wiederkunft sollen Sie das Raub und Rattennest wenigstens so umgeformt finden daß die Wohlthätigkeit ein Absteigequartier daselbst nehmen kann. Den von Bertuch eingegeben Riß, den der Zimmermeister Curt gefertigt hatte, fand Castrop unausführbar, weil zu vieles in dem alten Wercke hätte müssen umgeändert werden, und würcklich bey näherer Untersuchung war der Vorschlag sehr kostspielig und mit Gefahr verknüpft. Er that deswegen einen andern, ich berief Bertuchen, dem er auf dem Platze vorgelegt wurde; man überlegte, maß und fand daß derselbe Entzweck erreicht werden würde und daß die neue Einrichtung gegen die erste vielleicht einige Mängel, dagegen aber auch wieder Vortheile haben werde. Es wird also darnach die Abtheilung gemacht. Verschlossne Bäncke, Räder pp werden auch gleich besorgt, und der Körper bis zur Belebung geformt werden.

Der Gesundbrunnen in Ilmenau worauf der arme Docktor Schwabe seine ganze Hoffnung gesezt hat und schon völlig überzeugt ist daß die schwachen Nerven seines Beutels dadurch auf das dauerhaffteste gestärckt werden würden, ist von Göttlingen sehr verständig und ausführlich untersucht worden, und es findet sich daß das Wasser Gyps und Kalchtheile und[379] sonst weiters nichts, also eher schädliche als heilsame Ingredienzien enthält. Ich will ihm den darüber gefertigten Aufsatz zuschicken lassen, und er wird hoffentlich erkennen daß es ein Irrlicht war das ihn auf das sumpfig quellige Fleck geführt hat.

In Jena ist auch alles in Ordnung, das Hospital abgetragen, und kan der Plaz nun den Winter über liegen bleiben, der Brücken Bogen ist frey, und wäre dadurch die letzte Hinderniß die sich dem Ablaufe des Wassers entgegen stellte gehoben. Der abgestochne Rand der Mühllache wird auch beflochten, wir haben diese Arbeit die ieder Besitzer unter Aufsicht verrichten muß dadurch erleichtert daß wir ihnen die benötigten Pfäle dazu verwilligt haben. Es macht dieses gegen den Vortheil der für das Publikum erreicht wird eine kleine Summe.

Übrigens gehe ich das Cammerrechnungs Wesen durch und werde überhaupt wenn Sie wiederkommen einige Vorschläge wegen dieses Departements thun.

Was sonst vorgefallen ist werden Sie durch andre vernommen haben. Ausser dem Brand von Hammerstädt weis ich nichts schlimmes. Ihre Frau Mutter war am 24. Oktbr. vergnügt und munter. Alle dichterische Federkiele hatten sich geregt und allerley kleine harmlose Gaben waren dargebracht worden. Prinz Constantin verherrlichte das Fest durch seine Gegenwart und Tags drauf sahen wir einen Prinzen als Irrwisch gleichfalls zu Ehren der Geburtsfeier[380] auf dem Theater. Knebel wohnte acht Tage bey mir und ist wieder nach Jena. Die Stein hat mich auch wieder verlassen, sie schleppt an dem Kochberger Wirthschaffts Kreuze, sie theilt blos das Übel ohne es heben zu können.

Das fünfte Buch von Wilhelm Meister habe ich indessen geendigt und muß nun abwarten wie es aufgenommen wird.

Einen Brief an Sömmring über den famosen Knochen, dessen Mangel dem Menschen einen Vorzug vor dem Affen geben soll, habe ich auch geschrieben und werde ihn ehstens mit einigen Zeichnungen abgehen lassen. Waiz wird fast täglich besser, er hat den Cassler Elephantenschädel ganz trefflich gezeichnet.

Wenn Sie nach Darmstadt kommen, haben Sie doch die Güte den Herrn Schwager höflichst auf die 20 Louisdor zu exequiren die er auf seine Kuxe zurücksteht. Er hat mir nicht einmal geantwortet, oder den Empfang melden lassen. Wenn er ia mit unsern unterirdischen Operationen nichts zu thun haben will, und die Erinnerung an das Ilmenauer Leben ihm das Geld nicht aus der Tasche locken kann; so wünschte ich nur daß er die Gewährscheine zurückschickte und sich lossagte.

Das Vertrauen des auswärtigen Publici wächst immer, indessen unser innländisches sich gutmütig mit Fatalitäten beschäftigt die uns zustosen sollen. Neulich[381] haben sie zugleich das Werck ersäuft, und die Arbeiter durch Schwefel Dünste umgebracht.

Grüsen sie Lavatern recht sehr, denn ich nehme als bekannt an daß Sie ihn sehen werden, auch Schlossern und wen Sie gutes begegnen.

Wie sich auch ihr Geschäffte wendet, betragen Sie Sich mäsig, und ziehn Sich wenn es nicht anders ist heraus, ohne Sich mit denen zu überwerfen die Sie hineingeführt und kompromittirt haben. Die Reise des B. fiel mir gleich auf.

Noch hat mir Bode einen Auftrag gegeben, auf den er sich balde Antwort erbittet. Sie haben ihm gewiß vor einiger Zeit gesagt daß man Ihnen ein groses Capital angeboten, das wahrscheinlich Jesuiten Geld seye. Er habe für einen guten Freund die Summe von 40/m Thalern nötig, ob Sie ihm nicht näher den Canal angeben könnten und wollten durch den zu diesem Anlehn zu gelangen seye.

Einer Pariser Loge fällt es ein, einen neuen Congress zusammen zu berufen, der das Schicksaal der vorigen haben wird. Vielleicht hören Sie etwas in Strasburg davon. Bode ist auch eingeladen, es fehlt nur am feurigen Wagen zu dieser Propheten Reise.

Leben Sie recht wohl, und gedencken der Ihrigen in fremden Landen. Ich schreibe bald wieder. Wenn ich mich repetire; so verzeihen Sie.

[382] Hier ein Probedruck von einer Radirung Fritzens nach einer Kobelischen Zeichnung. Leben Sie recht wohl. Weimar d. 28. Oktbr. 1784.

Goethe.


6/1996.


An Charlotte von Stein

Da ich höre daß meine Geliebte früh kommt habe ich mein Essen zu ihr bestellt.

Ich muß in's Conseil, sobald es vorbey ist bin ich bey dir. Wie freu ich mich deines Anblicks!

d. 29. Oktbr. 84.

G.


6/1997.


An Charlotte von Stein

Einen guten Morgen durch Fritzen. Ich hoffe auch etwas von dir zu hören, und werde mir wohl noch heute früh ein Geschäffte machen um auszugehen und dich zu sehn.

Möge doch unser ganzer Winter dem gestrigen Abend gleichen. Lebe recht wohl du innigst Geliebte.

d. 30. Oktbr. 84.

G.[383]


6/1997a.


An Carl Ludwig von Knebel

Ich freue mich mein Guter daß du wohl angekommen bist und unsrer in Liebe gedenckst, möge dir dein Hin und Herwandern zwischen Freunden und Einsamkeit recht heilsam werden.

Bald sind es zehen Jahre daß du in mein Zimmer tratst und mich zum erstenmal begrüstest, wie viele wunderbare Verhältnisse haben sich an iene Stunde geknüpft. Du bist mir wie der Morgenstern des Tags den ich hier verlebt habe. Wir rufen keine Stunde[20] davon zurück, laß uns zusammennehmen, was geblieben was geworden ist und es nutzen und geniesen eh der Abend kommt.

Mein Bote bringt einen osteologischen Aufsatz an Lodern, wenn er besser gearbeitet ist sollst du ihn auch sehen. Ich muß mir die Idee mit der ich mich schon zu lang getragen habe einmal wegschaffen.

Mögte dich doch auch die Liebe zu den natürlichen Wissenschafften auf eine oder die andre Weise ergreifen! Wie schön könntest du ihr nachhängen!

Mich haben die Geister hinein wie in eine Falle geführt eine Methode die sie mit mir öffters beliebt haben.

Ich konnte den Effeckt voraussehenden die Erscheinung des neuen Charackters in Jena machen würde und in diesem Sinne fand ich es auch gut. Wenn du keinen Werth und Unwerth drein legst wirds auch gewiß gut seyn.

Der Herzog laßt dich grüßen, er wird ietz in Strasburg seyn. Desgl. Frau von Stein und Friz. Lebe recht wohl.

d. 30. Oktbr. 1784.

G.[21]


6/1998.


An Charlotte von Stein

Wie wird es heute werden? Hat meine Liebe sich bestimmt? Auf dein Wort wird meine Einrichtung gemacht werden. Ich habe noch gestern Abend und[383] heute früh an Wilhelm gedacht und geschrieben. Das liebe Phantom hilft mir sehr freundlich fort.

d. 31. Oktbr. 84.

G.


6/1999.


An Charlotte von Stein

Meine Lotte wird hoffe ich gesund und froh erwacht seyn und meiner gedencken.

Um Zwölfe komme ich und will von deiner Thüre wegfahren, erinnre Steinen daß er mir einen Wagen dahin bestellt.

Gestern habe ich auf dem Tische an dem ich radirte ein langes Zettelgen mit Zahlen liegen lassen, schicke es mir.

Adieu du Geliebteste d. 1. Nov. 1784.

G.


6/2000.


An Charlotte von Stein

Schon seit ich wach bin geh ich mit einem Briefgen an dich um. Du kommst mir zuvor. Hier ist Hemsterhuys. Erzähle mir daraus und finde ia auch darinne Ursache mich zu lieben. Diesen Abend bin ich bey dir. Vielleicht sehn wir uns auch noch eher.

d. 4. Nov. 84.

G.[384]


6/2001.


An Charlotte von Stein

Sehr willkommen ist mir der Strahl des Lichtes den du mir sendest. Der Tag ist nichts weniger als elecktrisch und meine Beschäftigungen dazu, die alle Säffte stocken machen, und alle natürliche Wärme einsperren. Liebe mich, so wird mir's wohl werden und bleiben. Gegen Abend seh ich dich.

d. 6. Nov. 84.

G.


6/2002.


An Carl Ludwig von Knebel

Den 6. November 1784.

Die Angelegenheit, von der du mir schreibst, ist zu wichtig als daß ich dir aus dem Stegreife antworten könnte. Ich will, wenn möglich ist, morgen zu dir hinüber kommen. Vielleicht bring ich einige Freunde mit.

Kommen wir mehrere, so erfährst du es bey Zeiten. Manche nur ja wenig, damit wir nicht überfüttert werden.

Lebe wohl.

G.


6/2003.


An Charlotte von Stein

Ich dancke meiner Besten für das Frühstück. Es schmeckt fürtrefflich. Der Tag ist schön und ich gehe vielleicht nach Tiefurt zu Tische. Diesen Abend bin[385] ich bey dir und wir lesen in denen Geheimnissen fort, die mit deinem Gemüth so viele Verwandschafft haben.

Lebe wohl du liebe Seelenführerinn. Das ist ein Beynahme den ich von Hemsterhuys gelernt habe.

d. 9. Nov. 1784.

G.


6/2004.


An Johann Gottfried Herder

[11. November.]

Wolltet ihr morgen Abend zu mir kommen, so wäre mir es sehr angenehm. Ich habe eine neuentdeckte Harmoniam naturae vorzutragen.

Könntest du mir den Theil deines Wercks, wo du die Naturreiche durchgehst, schicken, ich möchte wieder sehen, wie du gewisse Punckte behandelt hast.

Wäre es morgen schön Wetter kamen mir früher zusammen und spazirten. Lebe wohl.

G.


6/2005.


An Carl Ludwig von Knebel

Ich bitte dich lieber Knebel um die Regensburger Correspondenz, ich kann sie nicht langer entbehren. Es ist Nachfrage darnach.

Habe Danck für die schönen Äpfel, müsse dir dagegen ieder ungeschlachte Stein zum Marcepan werden.

Ehstens schick ich mein Knöchlein und was dem anhängig, wenn du es angesehn giebst du's an Lodern und sorgst daß ich es gleich wieder erhalte. Ich mögt es nun los seyn.

[386] Wir haben heute eine neue Operette. Die Geister der Musick werden wenigstens in der Ferne erscheinen.

Lebe wohl. Und sag mir balde wie dir es geht.

Jakobi hat mir alle Wercke des Hemsterhuis geschickt Sie freuen mich sehr.

Ich lese mit der Frau v. Stein die Ethick des Spinoza. Ich fühle mich ihm sehr nahe obgleich sein Geist viel tiefer und reiner ist als der meinige. Lebe wohl. d. 11. Nov. 1784.

G.


6/2006.


An Friedrich Heinrich Jacobi

Vor einigen Tagen erhielt ich ein Packet das mich deines Andenckens versicherte, denn es brachte mir die Hemsterhuisischen Schrifften. Sie waren mir eine gar angenehme Erscheinung. Der Alexis hatte uns sehr in diesen Geschmack versetzt und deine kleine Schrifft über Spinoza, bezieht sich auf den Aristee. Sehr willkommen war also die ganze Sammlung wofür ich herzlich dancke.

Dein Andencken ist unter uns auch lebendig und wir haben uns neulich mit deiner Büste unterhalten die recht gut gerathen ist, und wovon ich nun einen Abguß besitze. Du wirst deinen Freunden ein angenehm Geschenck damit machen.

So ein Kunstwerck wenn auch die Gegenwart und der ganz delikate Kunstsinn manches daran vermisst, bleibt doch für den Abwesenden sehr viel werth.

[387] Nun habe ich gedacht der Gyps ist sehr vergänglich in einigen Jahren sind die ersten und besten Ausgüsse mehr oder weniger verdorben, deswegen soll Klauer nun einen Kopf aus sächsischem Marmor hauen und wenn er geräth werde ich mich sehr freuen.

Noch mehr aber wenn ich dir einige Güsse in Bronze liefern kann, es ist das dauerhaffteste und für deine Kinder ein schönes Andencken. Diesen Winter soll eine Probe im kleinen gemacht werden und wenn diese glückt, soll ein metallner Fritz zu iedermanns Freude dastehn. Ich studiere nun die edle Kunst des Giesers selbst, damit es ja noch bunter in meinem Kopfe werde.

Die Gyps Büsten die für dich und nach Münster bestellt sind, wird Klauer wohl eingepackt an meine Mutter schicken schreibe ihr nur gleich wohin sie den Kasten weiter spediren soll.

Heute abend kommen Herders zu mir und Frau v. Stein. Wir werden dein gedencken. Herder liest uns was du nun bald gedruckt lesen wirst.

Lebe wohl du Lieber. Ich bin immer zerstreut und hin und her geschleppt daß ich kaum der Gegenwärtigen geschweige der Abwesenden geniesen kann.

Lebe wohl. Grüse die deinen.

d. 12. Nov. 1784.

G.[388]


6/2007.


An Charlotte von Stein

Endlich komme ich dazu meiner Lotte ein Wort zu sagen, es geht heute sehr bunt bey deinem Freunde. Ich erwarte dich sehnlich! Herders kommen.

Laß nur das weise Papier aufziehen wir wollen es auf dem Rahmen färben lassen.

Lebe wohl. Komme bald. Ich bin wohl.

d. 12. Nov. 1784.

G.


6/2008.


An Charlotte von Stein

Heute Abend muß ich wieder Leute haben doch nur nach der Comödie. Den Graf Morelli will ich einladen was ich balde thue thu ich doppelt. Meine Lotte kommt doch auch, vorher seh ich dich Adieu. sage mir ia bald daß du mich liebst.

d. 13. Nov. 1784.

G.


6/2009.


An Carl Ludwig von Knebel

[17. November.]

Hier schicke ich dir endlich die Abhandlung aus dem Knochenreiche, und bitte um deine Gedancken drüber. Ich habe mich enthalten das Resultat, worauf schon Herder in seinen Ideen deutet, schon ietzo mercken zu lassen, daß man nähmlich den Unterschied des Menschen vom Thier in nichts einzelnem finden könne. Vielmehr[389] ist der Mensch aufs nächste mit den Thieren verwadt. Die Übereinstimung des Ganzen macht ein iedes Geschöpf zu dem was es ist, und der Mensch ist Mensch sogut durch die Gestalt und Natur seiner obern Kinlade, als durch Gestalt und Natur des letzten Gliedes seiner kleinen Zehe Mensch. Und so ist wieder iede Creatur nur ein Ton eine Schattirung einer grosen Harmonie, die man auch im ganzen und grosen studiren muß sonst ist iedes Einzelne ein todter Buchstabe. Aus diesem Geschichtspunckte ist diese kleine Schrifft geschrieben, und das ist eigentlich das Interesse das darinne verborgen liegt.

Könnte ich mehr für die vergleichende Anatomie und Naturlehre thun so würde das noch lebendiger werden. Leider kann ich nur einen Blick auf die Natur thun, und ohne Studium der Schriftsteller die in diesen Fächern gearbeitet haben lässt sich auch nichts thun ich werde mir es aufheben bis mich das Schicksaal quiescirt oder iubilirt.

Lebe wohl. Gieb das Portefeuille an Lodern und schaffe daß ich es bald wieder habe. Schreibe mir von deinen Studien.

Lebe wohl. Lieber.


Es wäre gut wenn wir uns in Holland einen verständigen freundlichen Correspondenten verschaffen könnten.

[390] Eben erhalte ich deinen Brief und dancke dir für deine Vorsorge und Liebe.

Es freut mich daß von fremden Orten her etwas menschliches gekommen ist, und wünsche dir immer mehr Lust und Liebe zur Erkenntniß natürlicher Dinge.

Wie es vor alten Zeiten, da die Menschen an der Erde lagen, eine Wohlthat war, ihnen auf den Himmel zu deuten, und sie auf's geistige aufmercksam zu machen, so ist's iezt eine grösere sie nach der Erde zurückzuführen und die Elastizität ihrer angefesselten Ballons ein wenig zu vermindern. Lebe wohl und liebe.

Herder ist über der Anthologie und ist im Übersetzen sehr glücklich und übersetzt glücklich.

G.


Vom Herzog hört man nichts. Ich muthmase er ist in Zürch.


6/2010.


An Charlotte von Stein

Eh ich weggehe muß ich noch meine liebste Pflicht erfüllen und meiner liebsten Lotte schreiben. Jetzt da ich fort soll bliebe ich gerne und finde daß ich so nötig drüben nicht bin. Der Geh. Rath Fritsch kommt Sonnabends hinüber und mit ihm kehr ich zurück, Abends bin ich also wieder da. Lebe recht wohl. Gedencke mein. Hier wieder ein Epigramm das unter die mittelmäsigen gehört. Grüse Herders.

d. 18. Nov. 1784.

G.[391]


6/2011.


An Charlotte von Stein

Man hat mir Allen herüber geschickt mit Briefen worunter einer vom Herzog war, und nichts von dir, daraus schliese ich daß du nichts von seinem Weege wusstest.

Hier ist des Herzogs Brief, du wirst sehen daß ihm wohl ist, möge diese Reise zu Berichtigung seines Wesens beytragen.

Mir geht es recht wohl hier. Mögte ich doch in dieser Ruhe einige Zeit hinbringen können, vorausgesetzt daß du daran Theil nehmen könntest.

Ich bringe den Spinoza lateinisch mit wo altes viel deutlicher und schöner ist, ein Leben Antonins, und eine Astronomie die sich gut lesen lässt.

Von des Toaldo neuem Wetter Cyklus habe ich dir gesagt. Ich bin auf meine neuen Baro und Thermometers verlangender als iemals.

Morgen Abend komme ich wieder und wir setzen unser Leben fort. Meine Hoffnungen ruhen nur auf dir und werden reichlicher ieden Tag erfüllt.

Lass mich dich zu Hause treffen, und lebe recht wohl. Jena d. 19. Nov. 1784.

G.[392]


6/2012.


An Charlotte von Stein

Voll verlangen dich balde zu sehen schick ich dir den gewöhnlichen Tribut, sage mir daß du auch nach mir verlangst und daß ich bald kommen soll. Ich will zu Mittage bey dir essen, und die Bücher mitbringen und hoffe meinen Sabbath in dir.

d. 21. Nov. 1784.

G.


6/2013.


An Charlotte von Stein

Ich bitte um den Blechkasten und schicke dir das versprochne. Eine Aneckdote liegt zum Grunde. Ich glaube es war Königinn Christina der ein Bettler die Antwort soll gegeben haben.

Herder hat mir seine Abhandlung über das griechische Epigramm geschickt die recht schön ist, und seine Mythologische Fabeln die ich mit dir lesen will und soll. Lebe wohl und wenn Eine Bitte bey dir statt findet so wecke den Amor nicht wenn der unruhige Knabe ein Küssen gefunden hat und schlummert. Lebe wohl. Der deine.

d. 22. Nov. 1784.


6/2014.


An Charlotte von Stein

Ich mögte von meiner L. etwas freundliches hören. Gehn wir etwa spazieren. Wenn dir's wohl ist, dich[393] der Hof nicht fordert, solltest du Herders auf heut Abend einladen, daß wir die Fabeln lesen könnten. Hier etwas das du ihnen mit der Einladung schicken kannst. d. 23. Nov. 84.


6/2015.


An Charlotte von Stein

Hier Lotte zum Morgengrus! Ich habe viel zu thun. Wie ist dein Tag eingetheilt. Gönnst du mir den Abend. Sollten wir nicht Herders einladen. Sie kommen um sechse gewöhnlich wir müssen noch vorher die griechischen Fabeln lesen. d. 24. Nov. 1784.

G.


6/2016.


An Charlotte von Stein

Heute hab ich dir zum trüben Tage nichts anmuthiges zu schicken, du must auch die Mittelgattungen annehmen. Sag mir ein Wort. Diesen Abend sind wir wohl zusammen. Wenn ich mich nicht schämte brächt ich meine Ackten zu dir und brächte den ganzen Tag bey dir zu d. 25. Nov. 1784.

G.


6/2017.


An Charlotte von Stein

Ich wäre schon gekommen wenn ich nicht so viel zu schreiben und zu thun hätte daß ich nicht vom[394] Platze kann. Meine Gedancken waren schon vielmals bey meinem geliebtesten Wesen. Zu Tafel bin ich nicht eingeladen nach zwölfe will ich einen Augenblick kommen. Lebe recht wohl und liebe. Auf heut Abend ist alles bestellt. Hast du mir etwa abzurathen und abzusagen so thue bald.

d. 25. Nov. 1784.

G.


6/2018.


An den Herzog Carl August

Dieser Brief soll Ihnen hoffe ich noch in meinem väterlichen Hause begegnen und Sie auf Ihrer Rückreise willkommen heisen. Den Brief aus Zürch habe ich erhalten und mich Ihrer glücklichen Reise gefreut, Sie haben die Jahresfeyer von 79 in Zürch feyern können. Ich bin sehr neugierig wie Sie Lavatern gefunden haben, und in welchen veränderten Gesichtspunckten Ihnen Menschen und Land erschienen sind.

Bey uns wohnt Friede wenigstens äussere Ruh. Die Holländer haben durch einen wunderbaren Gesandten Subsidien anbieten lassen. Einsiedel der Afrikaner ist als Holländischer Hauptmann und Substituirter bevollmächtigte des Rheingrafen von Salm aufgetreten. Die Bedingungen klingen ganz gut ich lege sie bey. Indessen war er schon selbst überzeugt daß es eigentlich nur ein Compliment sey das er anbringe, und ist über Dresden nach Berlin wo er seinen Substituenten finden wird. Noch weis niemand mit einiger Wahrscheinlichkeit[395] zu folgern was kommen werde. Die Zweydeutigkeit Franckreichs macht ieden verrwirrt.

Wir fahren indess mit unsern Ameisenbemühungen fort als wenn es gar keine Erdbeben gebe.

Vom Steigen und Fallen der Furcht, von zu befürchtendem Mangel und nothwendiger Sperre ist viel Fragens und Redens, vielerley Meynung, Rath und kein Schluß. Auch ist es leider eine Angelegenheit in der ein kleiner Staat fast nichts beschliesen kann. Gotha hat einen sehr eigennützigen Vorschlag unter dem Schein einstimmenden Wohlmeynens gethan.

Der Preis ist gefallen der Scheffel 1 rh. 15 gr. gegen Weynachten steigt er gewiss und weiter hinaus noch mehr. Bey der Kammer wird mit Verkaufen tauglichen Korns schon eine Zeit lang innegehalten. Wenn die diesjährige Kollecktion eingebracht ist, und man alles abzieht was an Bedürfnissen für Hof, Dienerschafft, Militar pp zurückzulegen ist bleibt etwa 9 bis 10 tausend Scheffel zum Verkauf.

Der Grimmenstein ist fertig und wird hoffentlich Ihren Beyfall haben, das Wetter hat uns sehr sekundirt.

Ich weis nicht ob ich schon gemeldet habe daß ein Theil des Angers bey Daasdorf umgerissen ist, und daß wir den trefflichsten Boden gefunden haben. Es wird sich an dem kleinen Gütgen recht viel artiges thun und zeigen lassen.

Schubartens Ausfall auf unser Reglement habe[396] ich gelesen, und mußte schon vorher daß es nichts taugte. Es ist aber nicht eigentlich der Fehler daß man ein schlechtes Reglement gemacht hat sondern daß man eins gemacht hat unter solchen Umständen. Der ganze Grundsatz desselben ist: ihr sollet zween Herren dienen. Und das ist auch der Text zu Schubarts Tadel. Man muß Hindernisse wegnehmen, Begriffe aufklären, Beyspiele geben, alle Theilhaber zu interessieren suchen, das ist freylich beschweerlicher als befehlen, indessen die einzige Art in einer so wichtigen Sache zum Zwecke zu gelangen, und nicht verändern wollen sondern verändern. Ich habe zu dieser Handlung ein besonder Concilium bestellt welches sich lustig genug ausnimmt. Der Assessor Büttner, der Cammer-Calculator Treuter, der Heichelheimer Pachter, der Postmeister Lüttich der selbst schon in der Stille diese Proben durchgemacht hat. In der Buttelstädter Ziegelhütte wird eine Gypsmühle angelegt. u.s.w. Der Schmidtische Pachter in Obringen macht auch Versuche und so dencke ich soll sichs nach und nach ausbreiten.

Von andern Dingen werden Ihnen andre geschrieben haben.

Unsere Gesellschafft wird gegenwärtig sehr durch einen Grafen Morelli unterhaltender von Braunschweig mit starcken Empfehlungen hierher gekommen ist. Er scheint mir ein ziemlich kluger Abentheurer der die Schwächen der Menschen leicht aufzufinden[397] und sich in sie zu finden weis, seine musikalischen Talente sind gros, er hat eine Leichte und gefällige Art zu seyn. Genug der leidenschafftliche Anteil den Tante Guftgen an ihm genommen hat, wird durch das Betragen unsrer Damen entschuldigt die sehr gesinnt zu seyn scheinen ihn für seinen Braunschweiger Verlust zu entschädigen. Was für Hoffnungen er auf Ihre Gnade hegt werden Sie wohl schon wissen, auch von dem übrigen Detail unterricht seyn. Sie haben soviel Correspondenten daß man fürchten muß Ihnen nur bekannte Dinge zu schreiben.

Bey Knebeln bin ich einigemale gewesen, er findet sich nach und nach in die Einsamkeit und in die Naturlehre. Diese Wissenschafft hoffe ich soll ihm von grosem Nutzen seyn sie ist sicher, wahr, manichfaltig, lebendig; man mag viel oder wenig in ihr thun, sich an einen Theil halten oder auf's ganze ausgehen, leicht oder tief, zum Scherz oder Ernst sie treiben, immer ist sie befriedigend und bleibt doch immer unendlich, der Beobachter und Dencker, der ruhige und strebende ieder findet seine Nahrung. Im Anfange kam sie ihm fremd vor da er nur an Dichtkunst und Geisteswesen gewöhnt war, ietzt aber wird ihm nach und nach der Sinn aufgeschlossen mit dem man die alte Mutter verehren muß.

Der ganze Aufwand in Jena wird auf 4000 rh. hinaufsteigen. Es ist nunmehr alles berichtigt und fast geendigt. Die Befestigung der Mühllache ist das[398] Letzte. Das academische Hospital muß bis aufs Jahr liegen, indessen ist doch der Brückenbogen frey.

Übrigens lebe ich insofern es die Umstände erlauben nach Vorschrifft meines Genius und befinde mich wohl, besser als mir sonst dieser Monat erlaubte. Möge Ihnen auch die Bewegung und Veränderung der Gegenstände recht wohlthätig seyn, und Sie zu rechter Zeit gesund zurücke kommen. Weimar d. 26. Nov. 1784.

G.


6/2019.


An Charlotte von Stein

Zum guten Morgen sage ich meiner Lotte, daß ihre gestrige Abwesenheit mich zum Fleise gezwungen hat. Ich habe gelesen und geschrieben was ich lange hätte thun sollen.

Du wirst gestern Abend noch ein Andencken gefunden haben, heute schick ich eine Betrachtung aus der Fürstenlehre zum guten Morgen.

Ich bin betrübt in dem Gedancken daß du vielleicht heute die Waldnern einladen und morgen bey Hofe gehen musst.

Lebe wohl. Liebe und sage mir ein Wort.

d. 27. Nov. 1784.

G.[399]


6/2020.


An Johann Gottfried Herder

[ Ende November.]

Hier schicke ich die trefflichen Gedichte mit vielem Dancke zurück. Der große Verstand, die weite Übersicht der Welt die reizende Manigfaltigkeit der Erfindung, der Ernst und die Lieblichkeit finden sich nicht leicht zusammen. Man ist ganz befriedigt wenn man sie ließt.

Ich wünschte daher nicht daß auch nur Eines wegbliebe. Auch die welche geringer scheinen heben die übrigen, wie gelinder Schatten ein zartes Licht. Lebe recht wohl. Im dritten und vierten Buche habe ich einige Unordnung angerichtet.

G.


6/2021.


An Johann Heinrich Merck

Aus deinem letzten Briefe an die Herzoginn vernehme ich sehr ungerne, daß du krank warst und noch dich kaum erholt hast. Ich habe bisher so lange nichts von dir gehört, auch nicht an dich geschrieben, weil ich mit einer kleinen Abhandlung, die ich dir zuschicken wollte, und mit einigen Versuchen osteologischer Zeichnungen, die dazu gehören, bisher aufgehalten worden bin und nunmehr, da ich sehe, daß[400] doch vor Ende des Jahres nicht viel draus werden wird, will ich diesen Brief vorlaufen lassen.

Für den Kopf der Giraffe danke ich. Er giebt mir einsweilen eine Idee bis ich das ganze Skelet, das du in Kupfer stechen lässest, zu sehen kriege. Besonders bin ich auf das Verhältnis der Vorder- und Hinterfüße begierig. Die Zartheit und Schwäche des Thieres läßt sich schon an der flüchtigen Zeichnung des Schädels sehen.

Meine Mutter schreibt mir, daß Camper's Büste unterwegs sey. Es macht mir große Freude wenigstens einen Vorschmack dadurch von seinem Daseyn zu haben. Schreibe mir doch, wie ferne es wahrscheinlich ist, daß er hierher kommt und wann? Denn ich wollte bey meinen Planen auf das nächste Jahr, die ich von weitem anlegen muß, vorzüglich darauf rechnen.

Könntest du nicht die kleinen Schriften dieses Mannes, die in den Harlemer Akten stecken, übersetzen und bekannt machen; oder wird es vielleicht Herbell thun, wenigstens läßt es der Anfang, den er gemacht hat, hoffen.

In Mineralogicis habe ich diesmal wieder auf dem Harze und Thüringer Wald viel gesammelt. Vom Harze werde ich nun balde die wichtigste Suite beisammen haben, die existiren kann. Von Gebürgsarten versteht sich; denn nach reichen und kostbaren Stufen lasse ich mich nicht gelüsten, es ist mir auch[401] zu dem, was ich vorhabe, wenig an Kostbarkeiten gelegen. Kannst du mir nicht einmal von deiner Gegend eine Folge, die du mir so lange versprochen hast, überschiken? Es ist so lange, daß ich dir nicht geschrieben habe, daß ich nicht einmal weiß, ob ich dir für die ausführliche Recension der holländischen Cabinette Dank gesagt habe.

Ich habe diesmal Krausen mit auf dem Harze gehabt und er hat mir alle Felsarten nicht mahlerisch, sondern wie sie dem Mineralogen interessant sind, gezeichnet. Es kann diese Sammlung, wenn wir sie in der Folge fortsetzen, sehr schön und vollständig werden. – Schreibe mir doch bald, wie es mit dir steht und was du etwa merkwürdiges neues aufgetrieben hast. – Der Herzog wird, wenn du dieses erhälst, wahrscheinlich von euch weg seyn. Schreibe mir doch, wie du ihn gefunden hast. Ich mag gar gerne einmal wieder Fremde von Menschen urtheilen hören, die mir so nahe sind, daß ich bald nicht mehr über sie urtheilen kann. Lebe wohl. Grüße die Deinigen. Schreibe bald. Grüse. W. d. 2. Dez. 84.

G.


6/2022.


An Friedrich Heinrich Jacobi

Deine Packete lieber Bruder gleichen immer den Schiffen aus Ophir besonders diesmal da du mir meine eignen Affen zurücksendest. Es freut mich wenn sie dich durch ihre Gauckelpossen ergötzt haben.

[402] Für Gold bey dem gegenwärtigen Transport lassen sich die Zeichnungen Kobels gar wohl erklären, ich dancke dir aufs herzlichste dafür. Die eine die dem Geiste nach geringer ist, lässt doch an Hand und Talent nichts zu wünschen übrig und man würde es immer für ein Glück schätzen sie zu besitzen.

Herders grüsen und werden selbst schreiben.

Bisher ist viel im Geschmacke der Griechen epigrammatisirt worden. Herders Übersetzungen aus der Anthologie werden nun gedruckt.

Du scheinst uns auch Lust und Liebe zur Metaphysik zurückgelassen zu haben. Zwar werde ich für meine Person wohl balde zur Dichtkunst zurückkehren. Lebe wohl. Ich schreibe nicht mehr damit dieses Blat noch abgehe.

Weimar d. 3. Dez. 1784.

G.


6/2023.


An Caroline Herder

[3. December.]

Hier schicke ich die Überreste der Lustbarkeiten voriger Tage. Mögen sie Ihnen zur rechten Stunde kommen. Bußtagsmäßiger ist das Knochenwerk das ich dem Manne überschicke und bitte die Übersetzung durchzusehen. Ich schäme mich ihn mit dieser Kleinigkeit so oft zu plagen. Wenn die Hennen so lang über den Eyern säßen als ich mich mit diesen Dingen[403] beschäftige, ohne daß es ein Ende wird, die jungen Hühner müßten theuer seyn. Adieu.

G.


6/2024.


An Charlotte von Stein

Mich verlangt ein Wort von dir zu hören, ich will heute einiges thun und gegen Abend zu dir kommen. Sage mir daß du wohl bist, und daß du mich liebst.

d. 4. Dez. 84.

G.


6/2025.


An Charlotte von Stein

Der Herzog schreibt mir von Franckfurt er ist erst den 3. Dez. von da nach Darmstadt und verlangt ich soll nach Franckfurt kommen und mit ihm zurückreisen. Ich bin würcklich in Verlegenheit. Was sagst du dazu liebe Lotte. Das Wetter die Jahrszeit, mein Befinden und die bösen Erinnerungen von 79 Homburg, Darmstadt, Hanau, Ziegenberg machen mir Reisen in den Gliedern. Lebe wohl du beste, die mich doch alleine hält.

d. 5. Dez. 1784.

G.


6/2026.


An den Herzog Carl August

Ungern schreibe ich diesen Brief anstatt selbst zu kommen, da ich sehe daß es Ihnen ein Vergnügen[404] machen würde mich in Frankfurt zu finden. Soviele innre sowie äußere Ursachen halten mich ab, daß ich Ihrem Rufe nicht folgen kann. Möge es Ihnen recht wohl gehn und diese Reise der es nun bald an sauern Unbequemlichkeiten nicht fehlen kann Ihnen von recht großem Nutzen werden.

Mich heist das Herz das Ende des Jahres in Sammlung zubringen, ich vollende mancherley im Thun und Lernen und bereite mir die Folge einer stillen Thätigkeit aufs nächste Jahr vor, und fürchte mich vor neuen Ideen die ausser dem Kreise meiner Bestimmung liegen. Ich habe deren so genug und zu viel, der Haushalt ist eng und die Seele ist unersättlich.

Ich habe so oft bemerckt daß wenn man wieder nach Hause kommt die Seele statt sich nach dem Zustand den man findet einzuengen, lieber den Zustand zu der Weite aus der man kömmt ausdehnen möchte, und wenn das nicht geht so sucht man doch so viel als möglich von neuen Ideen hereinzubringen und zu pfropfen, ohne gleich zu bemercken ob sie auch hereingehen und passen oder nicht. Selbst in den letzten Zeiten, da ich doch jetzt selbst in der Fremde nur zu Hause bin, hab ich mich vor diesem Übel, oder wenn Sie wollen vor dieser natürlichen Folge nicht ganz sichern können.

Es kostet mich mehr mich zusammen zu halten als es scheint, und nur die Überzeugung der Nothwendigkeit[405] und des unfehlbaren Nutzens hat mich zu der passiven Diät bringen können an der ich jetzo so fest hange.

Leben Sie recht wohl und kommen glücklich wieder zu uns. Diesmal kann ich nicht mehr schreiben.

Die erwartete Frau von Reck ist angekommen, eingehohlt von Bode. Es hat sie noch Niemand gesehn.

Leben Sie wohl, ich bin recht neugierig, auf das was Sie uns mitbringen; denn Sie haben doch manches wunderbare erfahren.

Weimar d. 6. Dez. 1784.

Goethe.


6/2027.


An Charlotte von Stein

Liebe Lotte es scheint doch als wenn der Monat sein Recht behaupten wollte ich will nur hübsch still seyn und des heiligen Christs harren. Das schlimmste dabey ist daß mir auch in solchen Stunden das Gefühl deiner Liebe verdunckelt wird. Lebe wohl und liebe. Ich habe heute mit der Arzney das holländische vorgenommen. Eine schoene Gesellschafft. Adieu.

d. 12. Dez. 1784.

G.


Soviel hatte ich geschrieben als dein allerbestes liebstes Zettelgen kommt. Wie danck ich dir süse Lotte für deine Liebe und für ihre Gewissheit. Es wird[406] mir besser seyn wenn ich zu Hause bleibe. Diesen Abend aber mag ich gerne ausgehn und zu dir kommen. Nach sieben will ich mich einfinden.

Adieu.


6/2028.


An Carl Ludwig von Knebel

Ich habe schon längst verlangt von dir zu hören, und dancke dir daß du mir Nachricht giebst. Ich dencke offt an dich, und wünschte zu Zeiten deine Abgeschiedenheit theilen zu können, ob ich gleich ausser Geschäfften fast eben so einsam lebe.

Die Stein und Herder sind mir vom grösten Werth und sind beynahe meine einzigen hiesigen Capitale von denen ich Zinsen ziehe.

Es freut mich sehr daß Waiz sich gut hält. Grüse Lodern und danck ihm für die Sorgfalt an der lateinischen Übersetzung. Frage ihn was ich etwa Übersetzer und Abschreiber zu geben habe. Es ist nunmehr davon ein prächtig Exemplar abgeschrieben, wird gebunden und soll vor Weynachten seine Reise antreten.

Seidler wünsche ich Geschick und Glück zum Anfange, es kommt viel auf den Eintritt an.

Wie der Herzog unterweegs vom Geiste der Naturlehre überfallen worden wundert mich es schienen seine Organen am wenigsten vorbereitet dieses Wehen zu vernehmen.

[407] Du hast recht gegen das Encyklopädische Gastmal zu eifern was Herr Schlettwein auftischt. Indessen bleiben die meisten dieser Materien, man spreche öffentlich davon so viel man will scientia occulta. Wenigstens gewiß in der Anwendung und das haben sie mit mehreren gemein.

Du wirst vielleicht Frau v. Reck gesehn haben. Ich bin neugierig wie sie dir einsamen erschienen ist.

Herder ist fleisig, es ist unglaublich was er arbeiten kann.

Mich hat der Dezember diesmal weniger als sonst geplagt Doch hab ich nichts als Geschäffte bey Seite gebracht. Eine Operette in Zwischenstunden das ist alles.

Lebe wohl. Ich lade dich nicht zum Besuch. Dein Zimmer steht bereit.

Wenn Oeser auf die Feyertage nicht kommt besuch ich dich vielleicht.

d. 15. Dez. 1784.

G.


6/2029.


An Charlotte von Stein

Meine Lotte erhält hier die Journals die ich gestern abzugeben vergessen, wenn sie etwas artiges drinne findet so theilt sie mirs mit. Diesen Abend erwarte ich dich mit viel Vergnügen. Stein kommt doch auch nach der Comödie. Lebe wohl. Liebe!

d. 16. Dez. 84.

G.[408]


6/2030.


An Charlotte von Stein

Sage mir beste Lotte wie du dich befindest und ob du heute Abend noch zu mir kommen wirst. Schicke mir die Iphigenia und die Epigramme daß ich sie abschreiben lasse.

Lebe wohl. Liebe. d. 17. Dez. 1784.

G.


6/2031.


An Charlotte von Stein

Guten Morgen meine immer neu Geliebte. Wie befindest du dich. Der Tag ist so schön und es ist mir lange in einem Dezember nicht so wohl gewesen. Meine neue Vorstellungs Art trägt nicht wenig dazu bey. Schicke mir das kleine Portefeuille worinn meine angefangne Zeichnungen sind. Lebe wohl. Nach Tische komm ich balde. d. 19. Dez. 1784.

G.


6/2032.


An Johann Heinrich Merck

Endlich kann ich dir das Spezimen schicken, worauf ich dich so lange vorbereitet habe. So wenig es ist, hat es mir viel Plage gemacht, bis ich es habe so zusammen bringen können. Der junge Mensch, der[409] die Zeichnungen gemacht hat, heißt Waiz und ist ein Zögling unserer Akademie. Du siehst, wie gut er sich anläßt und was man von ihm hoffen kann.

Da ich Euch diese Blätter nur zum Versuch schicke, so habe ich die besten Zeichnungen, die nach der Camperischen Methode gemacht sind und jedesmal das os intermaxillare von drey Seiten entweder in natürlicher Größe, oder nach einem gewissen Maasstabe verkleinert vorstellen, zurückbehalten, und mache mir nun, wenn ich meine Abhandlung weiter ausführe und ich nicht etwa veranlaßt werde, einen Theil davon in Kupfer stechen zu lassen, ein Exemplar davon und lege es bey.

Die lateinische Übersetzung ist in der Absicht gemacht worden, daß Camper das Werkchen sehen soll. Du wirst am besten beurtheilen, in wiefern er eine Rektifikation seiner Meinung von einem Layen gut aufnehmen möchte, wenn du es ihm überschickst, so gebe ich dir Carte blanche, ihm von mir an Artigem und Verbindlichem zu sagen, was du Lust hast, und ihm zugleich für seine Büste zu danken. Sie ist unzerbrochen, aber fleckicht angekommen, denn die Eichenspäne worin sie gepackt war, waren naß geworden. Sie macht mich nur neugieriger, diesen Mann kennen zu lernen.

Noch wünschte ich, daß mein Opus auf der Reise zu Campern bey Sömmeringen durchginge. Schicke es ihm also so bald als möglich zu, daß er es weiter[410] spediere. Ich habe ihm geschrieben, daß er etwas von dir zu erwarten hat. Das Eigenthum des Manuskriptes selbst überlaß ich dir. Du magst es nun für dich behalten, oder Campern abtreten wollen.

Nun sey aber auch thätig und hülfreich, daß ich bald einen Beytrag von Schädeln erhalte, wenn es auch nur zum Abzeichnen ist. Denn ich möchte gar zu gerne eine vollständige Suite von Zeichnungen dieses Knochens beysammen haben.

Ich füge ein Verzeichniß bey von denen Schädeln, die schon in dieser Absicht gezeichnet sind.1 Hauptsächlich bitte ich dich auf das inständigste um die Myrmekophaga und um den Rhinozeros, es soll dir nichts daran versehrt werden.

Wie artig sich von diesem einzelnen Knöchlein wird auf die übrige vergleichende Knochenlehre ausgehen lassen, kannst du wohl einsehn und wird sich in der Folge mehr zeigen.

Auch bitte ich dich, wenn du etwas Tüchtiges über den Elephantenschädel unter deinen Papieren hast, mir es nicht vorzuenthalten, besonders eine deutliche Auslegung eurer neuesten Meinung über die Backzähne. Ich habe einen Casselschen Elephantenschädel hier gehabt, an dem fast alle Suturen noch[411] sichtbar sind. Ich habe ihn von vier Seiten zeichnen lassen, werde ihn kürzlich kommentiren und Sömmering eine ihm versprochene Kopie schiken, die du dann auch sehen sollst.

Es liegen auch ein Paar von meinen Kritzeleyen für dich bey. Vielleicht kann ich dir bald etwas Besseres schicken. Wenigstens hab ich neuerdings einige Zeichnungen gemacht, die besser sind. Die Blätter, worauf hinten meiner Mutter Nahme steht, schicke ihr doch zu.

Schreibe mir etwas vom Herzog. Ich möchte von dir ein aufrichtig Wort über ihn hören und überhaupt, was er für Sensation bey euch gemacht hat.

Lebe wohl. Grüße Frau und Kinder. Mir geht es gut. Adieu.

G.


NB. Ich habe in meiner Abhandlung zu sagen unterlassen, daß schon bey Affen sich Fälle finden, wo die äußere Sutur des ossis intermaxillaris kaum sicht bar ist. So ist der Schädel einer Meerkatze, von dem ich dir schrieb, und den ich vor mir habe; man muß ihn gegen das Licht halten, wenn man die Sutur sehen will. Wahrscheinlich war es auch mit dem Affen so, den Tyson zergliedert hat.

Weimar d. 19. Dez. 1784.


1 Reh, Ochse, Trichechus rosmarus, Pferd, Babirussa, Fuchs, Löwe, weißer nordischer Bär; Affe, vom Elephanten der ganze Schädel.[411]


6/2033.


An Charlotte von Stein

Es war mir eben so liebe Lotte, es war auch bey mir ein bewegter Morgen, und ich dancke dir daß[412] du mir zuerst ein Zeichen des Lebens und der Liebe giebst. Ich will noch fleisig seyn daß ich dich bald frey und ruhig aufsuchen kann. Lebe indessen wohl du einzige. d. 20. Dez. 1784.

G.


6/2034.


An den Herzog Ernst II. von Sachsen-Gotha

Durchlauchtigster Herzog

gnädigster Herr,

Endlich bin ich im Stande Ew. Hochfürstl. Durchl. die kleine Abhandlung zu überschicken deren ich neulich erwähnte. Ich würde es kaum wagen wenn ich nicht so sehr überzeugt wäre daß Ew. Durchl. auch einen geringen Versuch schätzen der dazu dienen kann eine nützliche Kenntniß mehr aufzuklären.

Ich werde nur erst abwarten wie es die Herren vom Handwercke aufnehmen daß ein Laye in einem so bekannten Lande eine neue Entdeckung gemacht haben will. Ich habe deswegen von allen weiteren Aussichten zu denen man auf diesem Weege gelangen könnte stille geschwiegen um nicht zu früh durch hypothetische Behauptungen verdächtig zu werden.

Sollte diese kleine Probe Ew. Durchl. auf einen Augenblick unterhalten, so würde ich nicht verfehlen was ich etwa weiter in diesem Fache wagen sollte gleichfalls vorzulegen.

[413] Es kommt mir zwar selbst wunderbar vor wie ich nach und nach ohne es gleichsam selbst zu bemercken in dem Stein und Gebeinreiche ansässig geworden bin. Es hängt in natürlichen Dingen alles so nah zusammen daß wenn man sich einmal eingelassen hat man vom Strome immer weiter und weiter geführt wird.

Der junge Künstler von dem die, Zeichnungen gearbeitet sind heist Waitz er ist ein Zögling unsrer Akademie und verspricht viel gutes.

Wollten Ew. Durchl. die Gnade haben mir auf einige Zeit den Wolfschädel von dem Scelet das in Ihro Kunstkammer steht zukommen lassen; so würde ich es mit unterthänigstem Dancke erkennen und die Zeichnung desselben so bald als möglich für meine Sammlung besorgen und das Original zurücksenden.

Danck sey es der Aufklärung unsrer Zeiten daß diese Tiere in unsern Wäldern seltner geworden sind. Man hat mir Hoffnung gemacht daß ich einen solchen Knochenmann aus Lothringen erhalten soll bis ietzt aber ist er noch nicht angelangt.

Wollten Ew. Durchl. die Gnade haben wenn Sie das Werckgen durchgesehn es dero Herrn Bruder zuzustellen, nebst der Innlage, welche den Weeg in das Reich bey dieser Gelegenheit zu machen bestimmt ist. Ich zweifle nicht daß Durchl. der Prinz sich an dieser Materie auserordentlich erbauen werde.

[414] Der ich mich zu fortdaurenden Gnaden empfehle und mich mit lebenswäriger Verehrung unterzeichne

Ew. Hochfürstl. Durchl.

unterthänigsten

Weimar d. 20. Dez. 1784.

Goethe.


6/2035.


An Charlotte von Stein

Eben wollte ich dir noch Glück auf den Weeg wünschen und dich um ein Abschieds Wort bitten. Lebe wohl du liebste und behalte mich im Herzen. Du bist mir unentbehrlich und iede leichte Wolcke macht schon Finsterniß auf meinem Erdboden.

d. 22. Dez. 1784.

G.


6/2036.


An den Herzog Carl August

Ihr gütiger Brief hat mich ausser Sorgen gesetzt und ich freue mich sehr daß Sie meine Weigerung nicht übel aufgenommen haben, denn ich konnte nach meiner Überzeugung aus mehr als einer Ursache den Ort nicht verlassen. Ich wünsche daß alles was Sie auf der Reise thun und was Ihnen begegnet zu Nutzen und Frommen gereichen möge.

Auch die Jagdlust gönn ich Ihnen von Herzen und nähre die Hoffnung daß Sie dagegen nach Ihrer Rückkunft die Ihrigen von der Sorge eines drohenden Übels befreyen werden. Ich meine die wühlenden[415] Bewohner des Ettersbergs. Ungern erwähn ich dieser Thiere weil ich gleich Anfangs gegen deren Einquartirung protestirt und es einer Rechthaberey ähnlich seyn könnte daß ich nun wieder gegen sie zu Felde ziehe. Nur die allgemeine Aufforderung kann mich bewegen ein fast gelobtes Stillschweigen zu brechen und ich schreibe lieber, denn es wird eine der ersten Sachen seyn die Ihnen bey Ihrer Rückkunft vorgebracht werden. Von dem Schaden selbst und dem Verhältniß einer solchen Heerde zu unsrer Gegend sag ich nichts, ich rede nur von dem Eindrucke den es auf die Menschen macht. Noch habe ich nichts so allgemein mißbilligen sehn, es ist darüber nur Eine Stimme. Gutsbesitzer, Pächter, Unterthanen, Dienerschafft, die Jägerey selbst alles vereinigt sich in dem Wunsche diese Gäste vertilgt zu sehn. Von der Regierung zu Erfurt ist ein Communicat deswegen an die unsrige ergangen.

Was mir dabey aufgefallen ist und was ich Ihnen gern sage, sind die Gesinnungen der Menschen gegen Sie die sich dabey offenbaaren. Die meisten sind nur wie erstaunt als wenn die Thiere wie Hagel vom Himmel fielen, die Menge schreibt Ihnen nicht das Übel zu, andre gleichsam nur ungern und Alle vereinigen sich darinne daß die Schuld an denen liege die statt Vorstellungen dagegen zu machen, Sie durch gefälliges Vorspiegeln verhinderten das Unheil das dadurch angerichtet werde einzusehn. Niemand kann[416] sich dencken daß Sie durch eine Leidenschafft in einen solchen Irrthum geführt werden könnten um etwas zu beschliesen und vorzunehmen was Ihrer übrigen Denckens und Handlens Art, Ihren bekannten Absichten und Wünschen geradezu widerspricht.

Der Landkommissair hat mir gerade in's Gesicht gesagt daß es unmöglich sey, und ich glaube er hätte mir die Existenz dieser Creaturen völlig geläugnet wenn sie ihm nicht bey Lützendorf eine Reihe frisch gesetzter Bäume gleich die Nacht drauf zusammt den Pfälen ausgehoben und umgelegt hätten.

Könnten meine Wünsche erfüllt werden; so würden diese Erbfeinde der Cultur, ohne Jagdgeräusch, in der Stille nach und nach der Tafel aufgeopfert, daß mit der zurückkehrenden Frühlingssonne die Umwohner des Ettersbergs wieder mit frohem Gemüth ihre Felder ansehen könnten.

Man beschreibt den Zustand des Landmanns kläglich und er ist's gewiß, mit welchen Übeln hat er zu kämpfen – Ich mag nichts hinzusetzen was Sie selbst wissen. Ich habe Sie so manchem entsagen sehn und hoffe Sie werden mit dieser Leidenschafft den Ihrigen ein Neujahrsgeschenck machen, und halte mir für die Beunruhigung des Gemüths, die mir die Colonie seit ihrer Entstehung verursacht, nur den Schädel der gemeinsamen Mutter des verhassten Geschlechtes aus, um ihn in meinem Cabinete mit doppelter Freude aufzustellen.

[417] Möge das Blat was ich eben endige Ihnen zur guten Stunde in die Hand kommen.

Vor vier Wochen hätte ich es nicht geschrieben, es ist nur die Folge einer Gemüthslage in die ich mich durch einen im Anfange scherzhafften Einfall versetzt habe.

Ich überdachte die neun Jahre Zeit die ich hier zugebracht habe und die mancherley Epochen meiner Gedenckensart, ich suchte mir das Vergangne recht deutlich zu machen, um einen klaren Begriff vom gegenwärtigen zu fassen und nach allerley Betrachtungen nahm ich mir vor mir einzubilden als wenn ich erst ietzt an diesen Ort käme, erst ietzt in einen Dienst träte wo mir Personen und Sachen zwar bekannt, die Krafft aber und der Wunsch zu würcken noch neu seyen. Ich betrachtete nun alles aus diesem Gesichtspunckte, die Idee heiterte mich auf unterhielt mich und war nicht ohne Nutzen, und ich konnte es um so eher da ich von keinem widrigen Verhältniß etwas leide, und würcklich in eine reine Zukunft trete.

Die Aufmercksamkeit unsers Publici wird ietzo durch grau von Reck beschäfftigt, die Urtheile sind verschieden nach Verschiedenheit der Standpunckte woraus dieser schöne Gegenstand der auch verschiedene Seiten haben mag betrachtet wird. Ich kann gar nichts von ihr sagen denn ich habe sie nur ein einzigmal gesehn. Jederman behauptet aber Sie würden nach Ihrer Zurückkunft der Dame die Cour machen[418] (um mich dieses trivialen Ausdrucks zu bedienen) und die Dame würde nicht abgeneigt seyn galantfürstliche Gesinnungen zu erwiedern. Denn ob sie gleich ein Muster der Tugend und (ohngeachtet einer manchmal seltsam scheinenden Bekleidung, durch welche selbst Wieland zu viel vom Nackten gewahr wird) ein Muster der Erbarkeit ist; so hat sie doch gestanden daß ihr Herz ihr schon einigemal Streiche geispielt habe, und daß sie eine besondere Freundinn und Verehrerinn von Fürsten sey die ihre Menschheit nicht ausgezogen haben.

An einer Schlittenfahrt wird mit grosem Eifer gearbeitet, bis ietzo haben sich die verschiednen Meynungen nicht vereinigen können.

Die Commödie schleicht in einem Torpore hin der nur bey unserer Nation möglich ist. Die Ackermann liegt kranck und die übrigen behelfen sich wie sie können.

Seckendors geht morgen ab, nach dem was er mir gesagt hat sind seine Berliner Aussichten noch sehr entfernt. Er hinterlässt ein Singspiel das Wolf komponirt und das der Frau Gemahlinn Geburtstag verherrlichen soll.

Wichtiges ist nichts vorgekommen. Die Staffete die man an Sie wegen einiger Unterschrifften hat abschicken müssen, wird Sie hoffentlich nicht erschröckt haben.

Ihre Frau Gemahlinn befindet sich nach den Umständen[419] wohl und das Prinzgen hab ich gestern munter im grosen Saale herumrutschen sehn.

Ein Herr v. Schauroth aus Dresden mit seiner Frauen ist hier.

Graf Morelli sucht noch immer eifrig sich gefällig zu machen, und das ist für einen leichten Menschen was leichtes.

Ich schicke diesen Brief nach Eisenach, weil er Sie sonst verfehlen mögte.

Seyn Sie uns also bey Sich willkommen, und langen bald wohl und vergnügt in dem Kreise an der Ihnen doch der nächste ist und bleibt.

Weimar, d. 26. Dec. 1784.

G.


Zur Acquisition Niebeckers gratulire ich.


6/2037.


An Charlotte von Stein

Guten Morgen liebe Lotte. Gestern Abend war ich nur wider Willen fleisig und las noch zuletzt in unserm Heiligen und dachte an dich. Schicke mir die Zeichnungs Sachen. Ich fahre gern iede die du mir zu weist, wenn du es nicht selbst bist, ist mir iede gleich. Hat diese doch den Nahmen. Lebe wohl. Liebe.

d. 28. Dec. 1784.

G.[420]


6/2038.


An Charlotte von Stein

[28. December.]

Wie hätte ich mir dencken können daß du so zeitig nach hause kommen würdest du hättest mich sonst gewiß gefunden.

Ich preise mich glücklich daß ich nicht zu Bernsdorffs gegangen bin wohin mich deine Schwägerinn einlud.

Adieu du beste es ist wohl ein verlorner Tag, morgen wirds nicht besser werden. ich komme vielleicht einen Augenblick, ich habe so viel zu thun daß ich nicht weis wo anfangen und wo endigen. Adieu lieber Anfang! liebes Ende!

G.


6/2039.


An Charlotte von Stein

Guten Morgen Liebste laß mich bald von dir hören. Ob dein Schnupfen wieder besser ist. Kaum werde ich dich heute sehen.

Schicke mir die Englischen Vorschrifften, ingleichen das Stück Salust von Knebel. Lebe wohl! Liebe mich. Ich muß fleisig seyn. d. 29. Dez. 1784.

G.[421]


6/2039b.


An Philipp Christoph Kayser

[Ende 1784.]

Ihren Brief wodurch Sie mir Nachricht von Ihrer Rückkunft nach Zürich geben, hätte ich lange beantwortet[21] und Ihnen zur vollendeten Reise Glück gewünscht, wenn ich nicht gehoft hätte Ihnen zugleich einen Versuch einer kleinen Operette mit zu schicken die ich angefangen habe um einen deutschen Komponisten der italienischen Manier näher zu bringen. Man kann durch ein Beyspiel immer viel mehr sagen als im Allgemeinen; Noch habe ich aber gegenwärtig mit dem Werkchen, so klein es ist nicht fertig werden können, denn ich bin seit Anfang July wenig zu Hause gewesen und es hat sich mancherley übereinander gehäuft.

In Braunschweig habe ich einige sehr schöne Operetten gehört und hoffe auch Partituren derselben zu erhalten. So bald sie ankommen, will ich sie Ihnen zuschicken und vielleicht kann ich die Oper Fra due littigantti verschaffen. Ich wünsche gar sehr daß wir einmal etwas zusammen arbeiten könnten und eben deswegen werde ich mich eilen wo möglich die kleine Oper fertig zu machen, nicht daß Sie gerade diese komponiren sollen; sondern nur damit wir sehen in wie fern wir in Geschmack und Grundsätzen überein stimmen. Schreiben Sie mir bald wieder ob Sie sonst etwas vorhaben und bleiben überzeugt daß ich an allem was Sie angeht einen aufrichtigen Antheil nehme.

Goethe.[22]


6/2039c.


An Johann Heinrich Merck

[Concept.]

[Anfang 1785.]

Ich habe dir neulich vergeßen die Frage wegen der zweydeutigen Sutur am Elephanten Schädel zu beantworten.

Ich vermuthe, daß du die Zeichnungen noch bey dir hast, deswegen will ich mich darauf beziehen, und erlaube die zum voraus von allem was du daran merkwürdiges finden magst, nach belieben Gebrauch zu machen.

Mit dem zweifelhaften Flecke verhält es sich also:

Nimm das Blatt vor dich, welches den Schädel von vorne vorstellt, und du wirst auf deiner linken Hand an der rechten Seite des Kopfes gleich neben dem Foramine infraorbitali, einen kleinen besondern Knochen sehen, welcher zu der obern Kinnlade gerechnet werden muß. Es zeigte sich derselbe, völlig so wie er im Profil gezeichnet ist, nur mit dem Unterschiede, daß meine Profilzeichnung die linke Seite des Kopfes vorstellt, wo in der Natur diese Theile schon zusammengewachsen waren. Ich ließ also der Bequemlichkeit wegen die Abweichung der rechten Seite hier her überzeichnen. Eben so verhielt es sich mit der Sutur, über die du dich mit Recht verwunderst. Leider habe ich, da der Kopf noch gegenwärtig war, nicht Zeit gehabt eine Beschreibung selbst zu entwerfen und[23] das Gedächtniß ist in solchen Dingen nie ganz zuverläßig. Du wirst also, wenn du in Cassel jemanden hast, durch den du etwas zeichnen lassen kannst, am besten thun, wenn du dir die rechte Profil Seite noch einmal zeichnen läßt; es ist auf alle Fälle der Mühe werth.

Folgendes aus meiner Erinnerung.

Beyliegendes Blättchen zeigt die Stelle von unten und von der Seite.

a) ist das Os intermaxillare

b) das merkwürdige einzelne Knöchelchen

c) eine Sutur die ein Stück der Kinnlade von den übrigen absonderte

d) das abgesonderte Stück

e) der Ausgang des Foraminis infraorbitalis.

f) vermuthlich noch ein aparter Knochen der obern Kinnlade,

welcher durch eine Sutur ohngefähr in der Linie der rothen Puncte von dem Knochen d) getrennt ist. Ich beziehe mich hier wieder auf das was ich von der Theilbarkeit der Knochen in meinem vorigen gesagt habe und würde, wenn ich so glücklich wäre den Schädel eines Elephanten foetus zu besitzen, noch weit mehr darüber sagen können. So viel unterdessen vorläufig; wenn du dein Manuscript über den Elephanten Schädel mir zu schicken willst, so kann ich alsdann meine unvorgreiflichen Meynungen darüber gleichfalls und gerne eröffnen.[24]


Wenn ich erst weiß was du über die Backenzähne denkst, so kann ich dir auch mit einigen Ideen aufwarten, die dir vielleicht brauchbar sind.

Quelle:
Goethes Werke. Weimarer Ausgabe, IV. Abteilung, Bd. 7.
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