1795

[226] 10/3117.

An Friedrich Schiller

Viel Glück zum neuen Jahre. Lassen Sie uns dieses zubringen, wie wir das vorige geendigt haben, mit wechselseitiger Theilnahme an dem was wir lieben und treiben. Wenn sich die gleichgesinnten nicht anfassen was soll aus der Gesellschaft und der Geselligkeit werden. Ich freue mich in der Hoffnung daß Einwirckung und Vertrauen sich zwischen uns immer vermehren werden.

Hier der erste Band des Romans. Das zweyte Exemplar für Humboldts. Möge das zweyte Buch Ihnen wie das erste Freude machen. Das dritte bringe ich im Manuscript mit.

Die Gespenstergeschichten dencke ich zur rechten Zeit zu liefern.

Auf Ihre Arbeit bin ich voller Verlangen. Meyer grüßt. Wir kommen wahrscheinlich Sontags d. 11ten. In der Zwischenzeit hören Sie noch von mir. Leben Sie recht wohl.

W. d. 3. Jan. 1795.

G.


[227] 10/3118.

An Friedrich Schiller

Hier erscheint auch das dritte Buch, dem ich eine gute Aufnahme wünsche.

Sonnabends erhalten Sie meine Mährchen für die Horen, ich wünsche daß ich meines großen Vorfahren in Beschreibung der Ahndungen und Visionen nicht ganz unwürdig möge geblieben seyn.

Sonntags Nachmittage sehe ich Sie. Abends habe ich mich mit Hofr. Loder in den Clubb engagirt.

Meyer kommt mit und grüßt Sie bestens. Ich freue mich sehr auf Ihre neue Arbeit und habe mir schon manchmal gedacht welchen Weg Sie wohl möchten genommen haben? werde mirs aber wohl nicht erdencken.

Leben Sie recht wohl und empfehlen mich den Ihrigen. W. d. 7. Jan. 1795.

G.


10/3119.

An August Johann Georg Carl Batsch

[Concept.]

Ew. Wohlgeb. erhalten hierbey die wenigen Monita über die eingesandte Quartals Rechnung.

Wegen der Mistbeete soll nächstens das nöthige besorgt werden.

Die übersandte Druckschrift hat unsern völligen[228] Beyfall; so wie alles was Ew. Wohlgeb. sonst veranstaltet haben. Die Pflanzen Kupfer habe zu rechter Zeit erhalten, und werde bald das Vergnügen haben Sie in Jena zu besuchen, unter dessen ich wohl zu leben wünsche.

Weimar d. 7. Jenner 95.


[17] 10/3119a.

An Christian Gottlob von Voigt?

Da ich zu Ende dieser Woche auf einige Zeit nach Jena gehe, wünschte ich Sie vorher noch über einige Angelegenheiten zu sprechen. Wollten Sie mir die Zeit anzeigen wenn es Ihnen am gelegensten wäre? und ob es mit Ihren mehreren Bequemlichkeit bey mir oder bey Ihnen geschehen könnte?

W. d. 7. Jan. 1795.

Goethe.


[228] 10/3120.

An Friedrich Schiller

Dem Vorsatze Sie Morgen zu sehen und einige Zeit in Ihrer Nähe zu bleiben hat sich nichts entgegen gestellt, ich wünsche Sie wohl und munter anzutreffen.

Beykommendes Manuscript habe ich nach der Abschrift nicht wieder durchsehen können. Es sollte mir lieb seyn wenn Ihnen meine Bemühung mit dem großen Hennings zu wetteifern nicht mißfiele.

Leben Sie recht wohl und grüßen Frau und Freunde.

W. d. 10. Jan. 1795.

G.


10/3121.

An Jakob Stock

[Concept.]

[12. Januar.]

Ew. Wohlgeb. erhalten die Fächergemählde, die ich vor geraumer Zeit mitgenommen, in ihrem ersten [229] Zustande hierbey wieder zurück, und ich muß mich entschuldigen, daß ich solche so lange bey mir behalten, allein eben dadurch, daß ich sie erst einem Freunde übergeben, der sie nach unsrer Abrede auftragen und verzieren sollte, sind sie, indem er eine lange Zeit abwesend war, bey ihm liegen geblieben und ich befolge die Contraordre meiner Mutter erst jetzt mit einiger Beschämung. Sie erlauben mir, daß ich gelegentlich etwas von unsern hiesigen Arbeiten übersende und dadurch für die lange Nachsicht mich einigermaßen dankbar erzeige. Haben Sie die Güte mich den werthen Ihrigen bestens zu empfehlen und mir ein freundschaftliches Andenken zu erhalten. Möge doch die peinliche Lage, in der sich gegenwärtig meine liebe Landsleute befinden nach unser aller Wünschen bald verändert werden.


10/3122.

An Samuel Thomas von Sömmerring

Geben Sie mir doch, mein Bester, wieder ein Lebenszeichen, wenn Sie nach Deutschland zurückgekehrt sind. Möge Ihnen Beikommendes einiges Vergnügen machen.

Weimar den 12. Jan. 1795.

Goethe.


[230] 10/3123.

An Christian Gottlob Voigt

Viel Dank, daß Sie mir Nachricht von Ihrem Befinden und Ihren Arbeiten geben wollen. Das Kalbische oder vielmehr v. K. Scriptum werde mit Vergnügen lesen und gewiß mit meinen Meinungen und Gesinnungen übereinstimmend finden.

Fichten habe ich noch nicht gesehen, die Kommissionsgeschäfte sind wenigstens richtig abgelaufen. Die Disposition der Studierenden scheint sich überhaupt nach Ruhe zu neigen.

Unsere Herrn Ilmenauer sind wieder voreilig. Man muß sie wohl gehen lassen, doch dächt . . .

Ohngeachtet der Kälte geht es mir hier ganz wohl. Da man doch einmal nicht in seiner Mutter Leib zurückkehren kann, so ist es wenigstens manchmal vergnügend, in den Uterus der Alma mater sich wieder zurückzubegeben. Selbst die Kälte fühle ich weniger, da ich täglich mehrmal ausgehen muß.

Freitag d. 23sten hoffe ich, Sie in unserer Societät zu sehen; wahrscheinlich bringe ich etwas interessantes Akademisches mit.

Leben Sie recht wohl, gedenken Sie mein und empfehlen mich gelegentlich Serenissimo zu Gnaden.

Jena, den 16. Jan. 95.

G.


[231] 10/3124.

An Friedrich Schiller

Für die übersendeten Exemplare Horen dancke ich, sie nehmen sich noch ganz artig aus. Eins der kleinen Exemplare hab ich in Ihrem Nahmen dem Herzog überreicht und wünschte daß Sie ihm bey dieser Gelegenheit ein Wort schrieben.

Ich zweifle nicht daß das Journal gut gehen wird.

Mein drittes Buch ist fort, ich habe es nochmals durchgesehen und Ihre Bemerckungen dabey vor Augen gehabt.

Diese Woche vergeht unter anhaltender Theaterquaal, dann soll es wieder frisch an die vorgesetzten Arbeiten gehen. Ich wünsche Gesundheit und Lust zu den Ihrigen.

Meyer grüßt. Nehmen Sie wiederhohlten Danck für alles Gute das Sie uns in Jena gegönnt.

W. d. 27. Jan. 1795.

G.


Noch etwas: da ich wünschte daß der Aufsatz des Herrn v. Humbold, wie alle andern, im Zweifel wegen des Verfassers ließe; so wäre vielleicht gut das Citat wo der Bruder angeführt ist wegzulassen, besonders da es fast das einzige ist und Muthmaßungen erregen und bestärcken könnte. Zwar weiß ich wohl daß wir sehr offenbar Versteckens spielen, doch halte ich es für sehr ersprießlich: daß der Leser wenigstens erst urtheilen muß eh er erfährt wer sein Autor sey.

[232] Bitte um das Packet an Jakobi das ich sogleich absenden werde.

G.


10/3125.

An Friedrich Heinrich Jacobi

Welches Gefühl von Unglauben oder Aberglauben mich abgehalten dir ein Exemplar des Romans zu schicken, warum ich es erst jetzt thue auf Maxens Erinnerung und auf Schillers Veranlaßung? weiß ich nicht zu sagen. Hier kommt er, mit den Horen. Mögen sie beyde zur guten Stunde anlangen.

Mit Max habe ich fast 14 Tage in Jena mein anatomisches Wesen erneuert. Er kam morgens sieben Uhr vor mein Bette, ich dicktirte ihm bis achte und in den letzten Tagen nahmen wir um 10 die Materie wieder vor, wobey sich auch Humbold einfand, und ich habe in der Zeit meine Ideen fast alle aphoristisch von mir gegeben, und werde wahrscheinlich noch dieses Jahr ans Ausarbeiten gehen. Max wird uns immer werther, und wir bedauern daß er uns Ostern verlassen will. Kann ich mit ihm dich besuchen, so wird mirs die größte Freude seyn. Biß jetzt sehe ich kein Hinderniß als die Autorschaft, die freylich dieß Jahr sehr lebhaft gehen muß, wenn ich alles wegarbeiten will, was mich schon lange lastet und was mich hindern könnte nochmals eine italiänische Reise zu unternehmen.

[233] Daß dir Reinhold nicht behagt giebt mich nicht Wunder, er konnte nie aus sich herausgehen und mußte um etwas zu seyn sich in einem sehr engen Kreise halten. Ein Gespräch war nicht mit ihm zu führen, ich habe nie etwas durch ihn, oder von ihm lernen können.

Dagegen ist Fichte, obgleich auch ein wunderlicher Kauz, ein ganz andrer Mensch für Gespräch und Mittheilung. Er hat bey einem sehr rigiden Sinne, doch viel Behendigkeit des Geistes und mag sich gern in alles einlassen. Leider geht er auch nur meist mit jungen Leuten um, die zu sehr unter ihm sind, daher entsprang auch Reinholds Unglück.

Mit Schiller und Humbold setze ich ein ganz vergnügliches Leben fort, die Kreise unsers Denckens und Wirckens laufen in einander und wir begegnen uns oft. Mein häusliches Wesen dreht sich auch still auf seiner Axe und so bleibt mir nichts zu wünschen übrig.

Grüße Clärchen und die Tanten. Laß mich unter den deinigen fortleben und lebe recht wohl.

W. d. 2. Febr. 1795.

Laß doch Schillern nicht zu lange auf einen Aufsatz von dir warten. Nur durch Manigfaltigkeit können uns die Stunden ergötzen.

G.


[234] 10/3126.

An Friedrich Schiller

Wie sehr wünsche ich daß Sie mein viertes Buch bey guter Gesundheit und Stimmung antreffen und Sie einige Stunden unterhalten möge. Darf ich bitten anzustreichen was Ihnen bedencklich vorkommt. Herrn v. Humbold und den Damen empfehle ich gleichfalls meinen Helden und seine Gesellschaft.

Komme ich Sonnabend nicht, wie ich doch hoffen kann, so hören Sie mehr von mir. Meyer grüßt vielmals. W. d. 11. Febr. 1795.

G.


10/3127.

An Friedrich Schiller

Sie sagten mir neulich daß Sie bald zu uns herüber zu kommen gedächten. Ob nun schon, wie ich fürchte, das abermals eingefallne kalte Wetter Sie abhalten wird, so wollte ich doch auf jeden Fall einen Vorschlag thun.

Sie könnten beyde bey mir einkehren, oder wenn auch das Frauchen sich lieber wo anders einquartierte, so wünschte ich doch daß Sie wieder das alte Quartier bezögen. Machen Sie es ganz nach Ihrem Sinne, Sie sind mir beyde herzlich willkommen.

Durch den guten Muth, den mir die neuliche Unterredung eingeflößt, belebt, habe ich schon das [235] Schema zum 5ten und 6ten Buche ausgearbeitet. Wie viel vortheihafter ist es sich in andern als in sich selbst zu bespiegeln.

Kennen Sie die Kantischen Beobachtungen über das Gefühl des Schönen und Erhabenen von 1771? Es wäre eine recht artige Schrift wenn die Worte schön und erhaben auf dem Titel gar nicht stünden und im Büchelchen selbst seltner vorkämen. Es ist voll allerliebster Bemerckungen über die Menschen und man sieht seine Grundsätze schon keimen. Gewiß kennen Sie es schon.

Ist denn von dem abwesenden Herrn v. Humbold noch keine Nachricht eingegangen? Empfehlen Sie mich in Ihrem Kreise und fahren Sie fort mich durch Ihre Liebe und Ihr Vertrauen zu erquicken und zu erheben. W. d. 18. Febr. 1795.

G.


10/3128.

An August Johann Georg Carl Batsch

[Concept.]

Ew. Wohlgeb.

erhalten hierbey die resolvirten Monita.

Zu den acht Mistbeetskasten haben wir den Anschlag machen lassen, und dieselben würden 67 rh. kosten. Da nun unsere Casse gegenwärtig nicht im Stande ist eine solche Ausgabe zu tragen, so würden wir von Seiten der Commission nur allenfalls vier[236] Stück herstellen können, und es fragte sich in diesem Falle ob die größern oder kleinern nothwendiger wären.

Sollten aber Ew. Wohlgeb. nach Ihrer vorjährigen Erfahrung Ihren Etat aufs gegenwärtige Jahr formiren und würde sich daraus ergeben, daß Sie die andere Hälfte des Aufwandes aus Ihrer Casse tragen könnten, so würde kein Hinderniß seyn, daß die sämmtlichen verlangten Kasten gefertigt würden.

Da nun die Zeit wo solche nöthig werden, herannaht, so werden Ew. Wohlgeb. mir aufs baldigste Ihr Gutachten darüber zu erkennen geben.

Der ich die Ehre habe mich zu unterzeichnen

Weimar

Ew. Wohlgeb.

den 18. Febr.

1795.


10/3129.

An Friedrich Schiller

Wie sehr freue ich mich daß Sie in Jena bleiben mögen und daß Ihr Vaterland Sie nicht hat wieder anziehen können. Ich hoffe wir wollen noch manches zusammen treiben und ausarbeiten.

Ich bitte um das Manuscript des vierten Buches und werde die Synonymen balde zurückschicken. So wird ja der Stundentanz immer reger werden.

Leben Sie recht wohl. Nächstens mehr.

W. d. 21. Febr. 95.

G.


[57] 10/3129a.

An Johann Isaak von Gerning

Hierbey ein Brief von Unger, ein anderer von Cobres an mich. Letzterem schreiben Sie ja wohl selbst. Wenn der Wein ankommt werde ich es anzeigen. Leben Sie wohl und fleißig.

W. d. 21 Febr. 95.

G.


[237] 10/3130.

An Friedrich Schiller

Ihre gütige kritische Sorgfalt für mein Merck hat mir aufs neue Lust und Muth gemacht das vierte Buch nochmals durchzugehen. Ihre Obelos habe ich wohl verstanden und die Wincke benutzt, auch den übrigen desideriis hoffe ich abhelfen zu können und bey dieser Gelegenheit noch manches Gute im Ganzen zu wircken. Da ich aber gleich daran gehen muß; so werden Sie mich vom dritten Stück entschuldigen dagegen soll der Procurator, in völliger Zierlichkeit, zum vierten aufwarten.

Die Synonymen die hier zurückkommen haben sehr meinen Beyfall, die Ausarbeitung ist sehr geistreich und an manchen Stellen überraschend artig. Der Eingang dagegen scheint mir weniger lesbar, obgleich gut gedacht und zweckmäßig.

Des Verfassers Grille nicht unter der Academie stehen zu wollen ist nun mit Bericht herüber gekommen. Die Acad. verlangt Satisfaction weil er den Prorector unverschämt gescholten hat u.s.w. – Da Sie Sich seiner annehmen; so sagen Sie mir nur: was man einigermassen plausibles für ihn anführen kann.

Denn ein Forum privilegiatum gegen ein gemeines zu vertauschen ist doch gar zu transcendent. Der Stadtrath kann ihn nicht einmal aufnehmen ohne daß er sich den gewöhnlichen Conditionen unterwirft. Man kann [238] von ihm Beweiß verlangen: daß er 200 rh einbringt, er muß Bürger werden und was des Zeugs mehr ist. Wäre es möglich ihn zu disponiren daß er mit der Academie Friede machte, so ließ sich durch Voigt der jetzt Prorecktor ist wohl altes in Güte abthun.

Ich hoffe Sie bald wieder und wär es nur auf einige Stunden zu besuchen. Lassen Sie mich auch abwesend nicht ferne sehr.

Körnern versichern Sie daß mich seine Theilnahme unendlich freut. Die Romanze dencke ich bald auf dem Theater zu hören.

Leben Sie recht wohl. W. d. 25. Febr. 95.

G.


10/3131.

An Friedrich Heinrich Jacobi

Vor einigen Wochen traf ein Kasten glücklich bey mir ein, dessen Inhalt von dem wohlnährenden Zustande jener Gegend in der du dich befindest das beste Zeugniß ablegte und mein Haus auf einige Zeit zum pais de Cocagne machte.

Maxens Fleis hat ihn abgehalten sogleich mit von diesen Wohlthaten zu genießen, heute Abend wird er zum erstenmal vor der Redoute sich daran mit uns erlaben.

Schon das beygelegte Verzeichniß des fürtrefflichen Spediteurs ist ein Gastmal an sich, und da er so klug war weder etwas moralisches noch ästethisches mit [239] beyzupacken; so ist unsre reine Sinnlichkeit im ungestörten harmonischen Genuß der unvergleichlichen Gaben.

Maxens Abreise auf Ostern thut mir leid, ich darf sagen: weh. Wir sind beyde nicht zu schnellen Freundschaften geneigt und mir fingen eben erst an einander etwas zu werden.

Zu den freundschaftlichen, Herz und Geist erhebenden Geburtstagsfeyern wünsche ich dir Glück und dancke dir daß du mich mit dem Detail bekannt ma chen wolltest. Grüße deine Freunde und die deinigen von mir und dancke dem lieben Clärchen für die Abschrift.

Auf Ostern wird der zweyte Band des Romans seine Aufwartung machen. Jeder Antheil freut mich, er äussre sich in Lob oder Tadel. Vielleicht erheitern sich die Stirnen der Damen nach und nach. Den Herrn Grafen bitte ich in der Folge mir beyzustehen. Ich darf nicht mehr rückwärts sehen. Es bleibt mir noch eine wunderliche Bahn zu durchlaufen. Wenn ich mit allem was ich mir auf dieses Jahr vorgesetzt durchkomme; will ich ein fröhliches Neujahr feyern. Biß jetzt ist es gut und zweckmäßig gegangen.

Auf dem Wege zu dir sehe ich mich noch nicht.

Wir wollen auch das den Stunden überlassen.

Schillern wird viel Freude machen daß du ihm beyfällst und daß etwas von dir zu hoffen ist. Sende ja bald und lebe recht wohl.

W. d. 27. Febr. 1795.

G.

Zur Nachschrift muß nicht vergessen werden, daß[240] das französche Gedicht so artig und zierlich mir erscheint als man was machen kann.


10/3132.

An Friedrich Schiller

Hierbey die vergessnen Synonymen. Ich laß ein Stückchen davon in meiner gestrigen Gesellschaft vor, ohne zu sagen woher es komme noch wohin es gehe. Man gab ihm vielen Beyfall.

Überhaupt wird es nicht übel seyn wenn ich manchmal etwas von unsern Manuscripten voraus lese. Es sind doch immer wieder ein duzzend Menschen die dem Produckt dadurch geneigter und aufs nächste Stück aufmercksam werden.

Die Weißhuhnische Sache will ich aufhalten biß ich von Ihnen Nachricht einer amicalen Beendigung habe.

Zu der glücklichen Annährung an Ihren Zweck geb ich meinen Segen. Wir können nichts thun als den Holzstos erbauen und recht trocknen, er fängt alsdann Feuer zur rechten Zeit und wir verwundern uns selbst darüber.

Hierbey auch ein Brief von, Jacobi. Sie werden sehen daß es ihm ganz gut geht. Sein Antheil an Ihren Briefen ist mir sehr lieb. Sein Urtheil über meinen ersten Band sey Ihnen zur Revision übergeben.

Leben Sie recht wohl, ich sehe Sie bald möglichst.

W. d. 28. Febr. 95.

G.


[241] 10/3133.

An Friedrich Schiller

Ohngeachtet einer lebhaften Sehnsucht Sie wiederzusehen und zu sprechen konnte ich diese Woche doch nicht vom Platze kommen. Einige Schauspieler die ich in Gastrollen beurtheilen wollte, das üble Wetter und ein Rheumatism, den ich mir durch Verkältung zugezogen hatte, haben mich stufenweise gehindert und noch seh ich nicht wann und wie ich abkommen werde.

Lassen Sie mich indessen sagen daß ich fleißig war, daß der größte Theil des vierten Buchs abgegangen ist und daß der Procurator auch durchgearbeitet ist. Ich wünsche daß die Art wie ich die Geschichte gefaßt und ausgeführt Ihnen nicht mißfallen möge.

Wenn mein Roman in seinen bestimmten Epochen erscheinen kann will ich zufrieden seyn, an eine Beschleunigung ist nicht zu dencken. An den Horen den Theil zu nehmen den Sie wünschen wird mich nichts abhalten. Wenn ich Zeit und Stunde zusammennehme und abtheile; so kann ich dies Jahr vieles bey Seite bringen.

Vom zweyten Stücke der Horen habe noch nichts gehört, das erste spuckt aber schon genug in Deutsch land.

Meyer danckt für die Redacktion seiner Ideen, es ist nur weniges was anders gestellt seyn könnte, doch das wird uns niemand herausfinden. Er arbeitet jetzt an einer Darstellung Perugins, Bellins und Mantegnas.

[242] Aus der Beylage sehen Sie welche Monatsschriften künftig in unser Haus kommen. Ich lasse die Inhalts Tafel jedes Stücks abschreiben und füge eine kleine Recension dazu. Wenn mirs nur einmal ein halb Jahr haben, so können wir unsre Collegen schon übersehen.

Wenn wir uns streng und manigfaltig erhalten, so stehen wir bald oben an, denn alle übrigen Journale tragen mehr Ballast als Waare; und da uns daran gelegen ist unsre Arbeit zu weiterer eigner Ausbildung zu benutzen; so kann nur gutes dadurch entstehen und gewirckt werden.

Für die übersendeten Horen Exemplare dancke ich vielmals. Die zweyte Sendung ist mit der ersten übereinstimmend. Hier auf Schreib- und ebensoviel Postpapier.

Jakobi entschuldigt sich daß er noch nichts geschickt hat.

Ich wünsche daß gutes Wetter mir einen schneller Ritt zu Ihnen erlauben möge, denn ich verlange sehr nach einer Unterredung und nach Ihren bisherigen Arbeiten. Empfehlen Sie mich den Ihrigen.

W. d. 11. März 1795.

G.


10/3134.

An Friedrich Heinrich Jacobi

Deinen Brief vom 1sten März den ich gestern erhielt kann ich nicht nach Wunsch beantworten. Vor[243] einigen Tagen sprach ich die Angelegenheit mit Max weitläufig durch und da ergab sich denn daß ich zu Hause bleiben müsse. Ich will dir keine Ursachen sagen, denn wenn man sich in solchem Falle nicht rasch entschließt; so findet man Ursachen genug um in seinem Zustande zu verharren. Verzeih mir also wenn Max allein kommt. Er wird wohl über die Zeit selbst schreiben. Ich bin sehr gesammelt und fleißig und fürchte mich vor der hundertfachen Zerstreuung der Reise.

Gieb dir doch gelegentlich einmal die Mühe mir deutlich zu machen: worin du von unsern neuen Philosophen differirst? und wo der Punckt ist auf dem ihr euch scheidet und setze mich in den Stand in deinem Nahmen mit ihnen zu streiten.

Lebe wohl behalte mich lieb und grüße die Deinen.

W. d. 11. März 1795.

G.


10/3135.

An August Johann Georg Carl Batsch

[Concept.]

Ew. Wohlgeb.

erhalten hierbey die Ein Hundert Thaler welche Ostern für das Institut fällig sind. Die Treibekasten werden nun auch besorgt seyn.

Was den Gärtner Diezel betrifft, so hat Fürstl. Commission kein Bedenken, demselben, da Ew. Wohlgeb. [244] mit ihm zufrieden sind, auf unbestimmte Zeit, die Sorge des neuen botanischen Gartens unter Ihrer Aufsicht wie bißher zu überlassen; doch möchte derselbe, was seine Verbesserung betrifft, vorerst zur Ruhe zu verweisen seyn, indem nur eine Reihe von Jahren uns überzeugen kann, daß wir mit dem sehr mäßigen ausgesetzten Quanto den vorgesteckten Zweck zu erreichen im Stande seyen.

Ich wünsche Ew. Wohlgeb. bald eine recht gute Jahrszeit um in Ihrem Geschäft die erwünschten Fortschritte machen zu können.

Weimar den 15. März 1795.


10/3136.

An Friedrich Schiller

Vorige Woche bin ich von einem sonderbaren Instinckte befallen worden, der glücklicherweise noch fortdauert. Ich bekam Lust das religiose Buch meines Romans auszuarbeiten und da das Ganze auf den edelsten Täuschungen und auf der zartesten Verwechslung des subjecktiven und objecktiven beruht; so gehörte mehr Stimmung und Sammlung dazu als vielleicht zu einem andern Theile. Und doch wäre, wie Sie seiner Zeit sehen werden, eine solche Darstellung unmöglich gewesen wenn ich nicht früher die Studien nach der Natur dazu gesammelt hätte. Durch dieses Buch das ich vor Palmarum zu endigen dencke bin [245] ich ganz unvermuthet in meiner Arbeit sehr gefördert, indem es vor und rückwärts weißt und indem es begränzt zugleich leitet und führt. Der Prokurator ist auch geschrieben und darf nur durchgesehen werden. Sie können ihn also zur rechten Zeit haben.

Ich hoffe es soll mich nichts abhalten Palmarum zu Ihnen zu kommen und einige Wochen bey Ihnen zu bleiben, da wollen wir uns einmal wieder etwas zu Gute thun.

Mich verlangt nach Ihnen letzten Arbeiten, Ihre er sten haben wir gedruckt mit Vergnügen wiedergelesen.

Im Weimarischen Publico rumoren die Horen gewaltig, mir ist aber weder ein reines pro noch contra vorgekommen, man ist eigentlich nur dahinter her, man reißt sich die Stücke aus den Händen, und mehr wollen wir nicht für den Anfang.

Herr v. Humbold wird recht fleißig gewesen seyn, ich hoffe auch mit ihm mich über anatomica wieder zu unterhalten. Ich habe ihm einige, zwar sehr natürliche, doch interessante Präparate zurecht gelegt. Grüßen Sie ihn herzlich und die Damen. Der Procurator ist vor der Thüre. Leben Sie wohl und lieben mich, es ist nicht einseitig. W. d. 18. März 1795.

G.


[246] 10/3137.

An Friedrich Schiller

Dem Procurator, der hier erscheint, wünsche ich gute Aufnahme.

Haben Sie die Güte mir ihn bald zurückzuschicken, weil ich ihn des Styls wegen gern noch einigemal durchgehen möchte.

Ich arbeite alles weg was mich hindern könnte mich bald in Ihrer Nähe zu freuen und zu erbauen.

W. d. 19 März 1795.

G.


10/3138.

An Friedrich Schiller

Das Manuscript schicke ich morgen Abend mit der reitenden Post an Sie ab.

Montags geht der Schluß des vierten Buches an Unger.

Nächste Woche hoffe ich alles was mir noch obliegt abzuthun und recht frey zu Ihnen zu kommen.

Zur Eroberung von Antwerpen wünsche ich Glück, sie wird in den Horen guten Effeckt machen.

Empfehlen Sie mich Ihren nächsten. Meyer grüßt, er ist auf alle Weise fleißig. Ich wünsche Ihnen die beste Wirckung des langsam eintretenden Frühjahrs und hoffe daß wir biß zur Jahresfeyer unsrer Bekanntschaft noch manches zusammen werden gearbeitet haben. W. d. 21. März 1795.

G.


[247] 10/3139.

An Christiane Vulpius

Es geht mir, mein liebes Kind, hier recht gut, ich bin fleißig und mache meine Sachen weg. Beym schönen Wetter gehe ich spazieren, beym unfreundlichen bleibe ich zu Hause. Der Biskuit Kuchen wird Sonnabends anlangen und ich wünsche daß du ihn vergnügt verzehren mögest. Ich habe dich recht lieb und werde dir etwas mitbringen. Grüße den Kleinen. Wenn ich länger aussenbleibe; so komm einmal herüber und bring ihn mit. Lebe recht wohl.

[Jena] Freytag d. 3. April 1795.

G.


Schicke mir doch sechs Bouteillen Wein und eine gute Salvelatwurst, denn was das Essen betrifft lebe ich schlecht und theuer.


10/3140.

An Christiane Vulpius

Da ich an Geh. R. Voigt einen Boten schicke so muß ich dir sagen: daß es mir wohl geht und daß ich beym übeln und schönen Wetter spaziere und arbeite. Was machst denn du und der Kleine? Wie ist euer Osterfest abgelaufen?

Ich bleibe noch einige Zeit hier, wenn du einmal auf einige Tage herüber kommen willst; so soll es [248] mir lieb seyn. Dem Kleinen wird es viel Freude machen. Besser wäre es ihr wartetet noch eine Woche weil es alsdann schon grüner und anmuthiger ist. Lebe recht wohl und liebe mich.

Die Schokolade fangt an zu fehlen. Schicke mir doch welche auch Sonnabend wieder Wein.

Jena d. 9. Apr. 1795.

Goethe.


10/3141.

An Christian Gottlob Voigt

Hier, mein bester Geh. Rath, die beyden Briefe, es wird nicht nöthig seyn sie zu kopiren, ich habe unter die Nota angemerckt: daß ihnen gemäß die Briefe erlassen sind. Die Ilmenauer Briefe sowohl als die Nota haben Sie die Güte zu den Acten zu legen.

Steinert wird das Modell mitnehmen es kann bey mir abgefordert werden, es steht in der Bibliotheck.

Bey dem kleinen Geschäfte das ich hier treibe habe ich bedauerlich zu bemercken: daß es im Kleinen wie im Großen geht. Folge! das einzige wodurch alles gemacht wird, und ohne das nichts gemacht werden kann, warum läßt sie sich so selten halten! Warum so wenig durch sich selbst und andre hervorbringen.

Ihre Bemühungen, werther Freund, sind mir daher immer so schätzbar, weil Sie auch ins einzelne eine Verbindung zu bringen und eine lange Reihe von [249] Geschäften mit Geduld auszuführen wissen. Recht herzlich freu ich mich daß Ihr Sohn so gut einschlägt und Ihrer Sorge so antwortet.

Leben Sie recht wohl. Wir wollen den innern Frieden der höher ist als alles Kriegs und Friedens Gewäsche zu erhalten suchen und uns der Gesinnungen die uns verbinden freuen.

Jena d. 9. Apr. 1795.

G.


10/3142.

An Christiane Vulpius

Hiermit, mein Liebchen, schicke ich dir fünf leere Bouteillen und sogar die Stöpsel dazu, damit du siehst daß ich ein gut Beyspiel in der Haushaltung nachzuahmen weiß. Es freut mich wenn ihr euch lustig gemacht habt, ich dachte schon das Wetter hätte euch den Spas verdorben.

Sonntag Abends kommt Meyer hinüber und bleibt die Nacht. Er wird dich an den Mangold erinnern. Das Säckchen liegt in meiner Bibliotheck und du wirst wohl thun wenn du ihn bald in die Erde schaffst.

Richte dich ein wenn du herüberkommst daß du einige Tage bleiben kannst. Grüße mir das Bübchen. Ich wünsche zu hören daß deine Übel leidlich sind, wenn sie nicht sich bald gar entfernen. Lebe recht wohl.

Jena d. 10. Apr. 1795.

G.


[250] 10/3143.

An Christian Gottlob Voigt

Es ist mir eingefallen: ob Sie nicht Bertuch und Osann, wenn der Baumeister, wie wahrscheinlich noch nicht weg ist, von der Sache etwas sagten, oder, wenn er weg wäre, notificatorie. Da wir mit unserm Schmelzwesen noch so sehr im Dunckeln sind, so kann es der Gewerckschaft angenehm sehn, wenn wir ohne ihre Kosten, Versuche in ähnlichen Arbeiten anstellen lassen.

Sie haben also das absolute Ich in großer Verlegenheit gesehen und freylich ist es von den Nicht Ichs, die man doch gesetzt hat, sehr unhöflich durch die Scheiben zu fliegen. Es geht ihm aber wie dem Schöpfer und Erhalten aller Dinge der, wie uns die Theologen sagen, auch mit seinen Creaturen nicht fertig werden kann. Ich wünsche wohl zu leben.

Jena, d. 10. Apr. 1795.

Goethe.


10/3144.

An Christian Gottlob Voigt

Vent wird sich die Freyheit nehmen die Spritzensache bey Ihnen in Erinnerung zu bringen und umständlich die Verlegenheit vorlegen in der er sich befindet. Haben Sie die Güte diesen braven Mann, der gern so grad geht, auf den graden und sichern Weg zu helfen.

[251] Auch wird er wegen eines Druckwerks Vortrag thun das ich in den botanischen Garten wünsche. Das Wasser ist nun darin, aber es herum und besonders auf die Höhe zu schleppen ist höchst mühsam und kostspielig. Ein wohlfeil Druckwerk ist zu haben und wir können es nach und nach bezahlen. Die ganze Einrichtung kann etwa 100 Thlr. kommen. Wenn Sie beystimmen, so schafft er es gleich herüber und ich lasse in meiner Gegenwart noch alles einrichten.

Leben Sie recht wohl, und ist es möglich; so besuchen Sie mich.

Jena den 11. April 1795, G.


10/3145.

An Johann Daniel Binder

[Concept.]

Da man bey dem, dieses Jahr nothwendig vorzunehmenden Wasserbau die auf den herrschaftlichen Wiesen schon geschlagenen Weiden nicht entbehren kann, so wird der Herr Rentkommissair Binder hierdurch ersucht gegen eine billige Taxe solche zu überlassen, und die Deputate wozu sie, wie man hört, bestimmt sind, anderwärts abreichen zu lassen.

Jena d. 12. Apr. 1795.

G.


[252] 10/3146.

An Johann Gottlob Vent

[Concept.]

Ich vernehme, daß der Rentsekretair Binder zu Dornburg die nahe an der Saale geschlagenen Weiden, ungeachtet meiner an ihn erlassenen Verordnung abfahren lassen. Sie erhalten daher den Auftrag ihn zu befragen: ob er gedachte Verordnung Sonntags den 12. d. M. erhalten, und warum er ohngeachtet derselben die Weiden abfahren lassen? Woraus Sie mir seine Erklärung sogleich berichten und dabey Nachricht geben werden, wie es gegenwärtig mit dem Wasserbau bey Dornburg steht.

Jena den 17. April 1795.

G.


10/3147.

An Christian Gottlob Voigt

Wollten Sie die Güte haben auf beykommende Quittung zweyhundert Thaler an mich herüberzahlen zu lassen. Das Geschäft geht ganz gut, und da ich täglich zweymal die Arbeit besehe; so komme ich auch immer zu mehrerer Klarheit was zu machen ist und hoffe immer mehr mit wenigerm Aufwand zu leisten.

Leben Sie recht wohl und lieben mich.

Jena d. 22. Apr. 1795.

G.


[253] 10/3148.

An Friedrich Constantin von Stein

Jena, den 24. April 1795.

Mit wahrer Freude vernehme ich, daß du wieder nach Hause gekommen bist, und hoffe dich bald zu sehen und mich mit dir über deine Reise zu unterhalten. Deine Erklärung wegen des schlesischen Aufenthalts werde ich an Durchlaucht den Herzog gelangen lassen. Ich wünsche, daß er sie billig finde und dir seine gnädigen Gesinnungen continuire.

Behalte mich lieb, und erfreue dich des hellen geraden Weges, auf dem du wandelst.

G.


10/3149.

An Friedrich Constantin von Stein

Jena, den 27. April 1795.

Hier schicke ich dir, mein Lieber, Durchlaucht des Herzogs Brief. Da er blos zu deiner Beruhigung dienen soll, so laß ihn Niemand sehen und gieb mir ihn gelegentlich wieder. Ich freue mich, daß auch diese neue Aussicht zu deiner Zufriedenheit eröffnet wird. Ich wünsche dich bald zu sehen und von dir zu vernehmen, in welcher Epoche sich dein ganzes Wesen, und auf welcher Stufe sich deine Kenntniß befindet, nach welcher Seite du dein Wissen zu erweitern und wohin du eigentlich deine Thätigkeit zu [254] richten Lust hast. Es soll mich freuen, dir dabei auf irgend eine Weise nützlich zu seyn.

Lebe wohl, und behalte mich lieb.

G.


10/3150.

An Christian Gottlob Voigt

[2. oder 3. Mai]

Ich dächte man gäbe dem Grobian sein Papier wieder, ich weiß nicht einmal wo es ist. Wahrscheinlich hat es der Bauverwalter.

G.


10/3151.

An Friedrich Schiller

Gestern konnte ich mich, ohngeachtet einiger sehr leeren Stunden, nicht überwinden nochmals zu Ihnen zu gehen und förmlich Abschied zu nehmen, ich verließ Jena sehr ungern und dancke Ihnen nochmals herzlich für Ihre Theilnehmung und Mittheilung. Hier vor allen Dingen die Elegien, die ich mir bald möglichst zurück erbitte, sie sollen dann, auf die gehörige Seitenzahl eingetheilt, abgeschrieben erscheinen.

Für den Kalender habe ich einiges, besonders für die Herrn X. Y. Z. gefunden, das nächstens mit dem übrigen folgt. Erinnern Sie mich manchmal an die Desiderata, damit mein guter Wille zur That werde.

Leben Sie recht wohl und grüßen die Ihrigen und die Freunde. W. d. 3. May 1795.

G.


[255] 10/3152.

An August Johann Georg Carl Batsch

[Concept.]

Ew. Wohlgebohrn

erhalten gegenwärtiges durch den Hofgärtner Dietrich, welcher zugleich 41 Pflanzen überbringt, mit welchen Serenissimus dem botanischen Garten ein Geschenk machen.

Sie werden sich gewiß mit uns erfreuen, daß Durchlaucht der Herzog einen so lebhaften Antheil an dem Fortgange des Instituts nehmen, und besonders Sorge tragen, daß die Juniperus– und Pinus-Arten beym Verpflanzen auf das Beste besorgt werden.

Ich habe das Vergnügen Sie bald wieder zu sehen.

Weimar den 5. May 1795.


10/3153.

An Friedrich Schiller

Weimar, den 12. May 1795.

Die Sendung der Elegien hat mich in elegischen Umständen nach dem gewöhnlichen Sinne, das heißt in erbärmlichen angetroffen. Nach dem guten Leben in Jena, wo ich nebst so mancher Seelenspeise auch der warmen freyen Luft genoß, hat mich hier die kalte Witterung sehr unfreundlich empfangen und einige Stunden, in denen ich dem Zug ausgesetzt war, [256] brachten mir ein Flußfieber zuwege, das mir die rechte Hälfte des Kopfs sehr schmerzlich angriff und zugleich die linke unbrauchbar machte. Nun bin ich so weit wieder hergestellt, daß ich ohne Schmerzen ziemlich zufrieden in meiner Stube an die rückständigen Arbeiten gehen kann.

Mit den Elegien wird nicht viel zu thun seyn, als daß man die 2te und die 16te wegläßt: denn ihr zerstümmeltes Ansehn wird auffallend seyn, wenn man statt der anstößigen Stellen nicht etwas currenteres hinein restaurirte, wozu ich mich aber ganz und gar ungeschickt fühle. Auch wird man sie hinter einander wegdrucken müssen, wie es eben trifft: denn jede auf einer andern Seite anzufangen scheint, ich mag auch zählen und rechnen wie ich will, nicht thunlich. Bey der Menge Zeilen unsrer Seite würden mehr als einmal unschickliche Räume übrig bleiben. Doch überlasse ich Ihnen das, und schicke nächstens das Manuscript. Der zweyte Band des Romans stockt irgend bey einem Spediteur; ich sollte ihn schon lange haben, und wünschte ihn mitschicken zu können. Ich bin nun am fünften Buche und hoffe vor Pfingsten nicht viel mehr übrig zu lassen.

Meyer ist sehr fleißig. Er hat bisher vortreffliche Sachen gemacht; mir ist, als wenn ihm mit jedem Tage Gedanke und Ausführung besser gelängen.

Haben Sie die Güte mir bald Nachricht von Ihrem Befinden zu geben, und ob nichts Neues eingelaufen[257] ist. Jacobi hat abermals durch Fritz von Stein sein Versprechen prorogiert.


den 14. May 1795.

Dieses Blatt, das einige Tage liegen geblieben, will ich wenigstens der heutigen Post nicht vorenthalten.

Haben Sie die Abhandlung über den Styl in den bildenden Künsten im Aprilmonat des Merkurs gesehen? Das worüber wir alle einig sind ist recht gut und brav gesagt; aber daß doch der Genius, der dem Philosophen vor aller Erfahrung beywohnt, ihn nicht auch zupft und warnt, wenn er sich bey unvollständiger Erfahrung zu prostituiren Anstalt macht. Wahrlich in diesem Aufsatz sind Stellen, die des Herrn von Rochow's nicht unwürdig wären.

Lassen Sie mich bald hören, wie Sie sich befinden.

G.


10/3154.

An Christian Gottlob Voigt

[etwa 13. Mai.]

Für die gefällige Besorgung der Bücher Commission dancke recht sehr.

Hierbey zwey Stück Horen. Das vierte folgt.

Eine Registratur wegen Moriz setze auf.

Sollte ich nicht gestern mit dem Briefe des Bergraths Ew. Hochw. das Vollmachtsconcept wieder zurück gegeben haben. Ich habe meine Garderobe und mein [258] Zimmer umgekehrt und kann sie nicht finden. Da meine Mutter pressirt; bin ich in Verlegenheit Sie nochmals um diese Gefälligkeit zu bitten. Ich begreife nicht wo es hin seyn kann, da ich den Anzeiger und was ich sonst in der Tasche hatte alles gefunden habe.

Steinerts Baubericht, Schmidts Votum und ein Bericht Concept ad Sereniss. von uns liegt bey mir. Ich will vorher nochmals den Baumeister vornehmen. Es sieht sonst so unförmlich aus.

G.


10/3155.

An Friedrich Schiller

Ehe mein Paquet abgeht erhalt ich das Ihrige, und nun noch einige Worte.

Von den Elegien soll morgen Abend mit der reitenden Post etwas abgehen; ich wünsche daß ja kein Unfall Ihren Aufsatz unterbrechen möge. Zum siebenten Stück kann ich Ihnen nahe an zwey Bogen versprechen.

Lassen Sie uns nur unsern Gang unverrückt fortgehen; wir wissen was wir geben können und wen wir vor uns haben. Ich kenne das Possenspiel des deutschen Autowesens schon zwanzig Jahre in und auswendig; es muß nur fortgespielt werden, weiter ist dabey nichts zu sagen.

Reichardt ist nicht abzuweisen, aber seine Zudringlichkeit werden Sie sehr in Schranken halten müssen.

[259] Luise habe ich noch nicht gesehen; Sie werden mir eine Gefälligkeit erzeigen sie zu schicken. Ich lege Ihnen einen Band von Herders Terpsichore bey, den ich mir bald zurück erbitte und der Ihnen viel Freude machen wird.

Mein Übel ist wieder ziemlich vorüber. Ich hatte mich schon eingerichtet, Sie wenigstens auf einen halben Tag zu besuchen, nun muß ich es bis auf Trinitatis anstehen lassen. Die nächsten vierzehn Tage halten mich die Proben von Claudine fest.

Leben Sie recht wohl, und grüßen Sie unsre Freunde.

Im Moniteur steht, daß Deutschland hauptsächlich wegen der Philosophie berühmt sey, und daß ein Mr. Kant und sein Schüler Mr. Fichte den Deutschen eigentlich die Lichter aufsteckten.

Weimar d. 16. May 1795.

G.


Mit den Exemplaren der Horen sind wir nicht ganz in Ordnung. Es hat indeß so viel nicht zu sagen; Herr Cotta ist ja wohl so artig, am Ende des halben Jahres zu complettiren.


10/3156.

An Friedrich Schiller

Hier erhalten Sie, mein Werthester, endlich den zweyten Band Wilhelms. Ich wünsche ihm auch bey[260] seiner öffentlichen Erscheinung die Fortdauer Ihrer Neigung. Ich suche nun das fünfte Buch in Ordnung zu bringen, und da das sechste schon fertig ist; so hoffe ich vor Ende dieses Monats mich für diesen Sommer frey gearbeitet zu haben. Ich wünsche bald zu hören, wie es Ihnen gelingt.

Beyliegende Exemplare bitte ich nach der Aufschrift völlig zu vertheilen.

Leben Sie recht wohl.

Weimar den 16. May 1795.

G.


10/3157.

An Friedrich Schiller

Hier, mein werthester die Elegien. Die zwey sind ausgelaßen. Die angezeichnete Stelle in der sechsten habe ich stehen lassen. Man versteht sie nicht das ist wohl wahr; aber man braucht ja auch Noten, zu einem alten nicht allein, sondern auch zu einem benachbarten Schriftsteller.

Wolfs Vorrede zur Ilias habe ich gelesen, sie ist interessant genug, hat mich aber schlecht erbaut. Die Idee mag gut seyn und die Bemühung ist respecktabel, wenn nur nicht diese Herrn, um ihre schwachen Flancken zu decken, gelegentlich die fruchbarsten Gärten des ästethischen Reichs verwüsten und in leidige Verschanzungen verwandeln müsten. Und am Ende [261] ist mehr subjecktives als man denckt in diesem ganzen Krame. Ich freue mich bald mit Ihnen darüber zu sprechen. Eine tüchtige Epistel hab ich diesen Freunden dereinst zugedacht.

Herr v. Humbold hat uns durch seinen Besuch gestern aufs angenehmste überrascht. Grüßen Sie ihn aufs beste.

Leben Sie recht wohl. Die übrigen Elegien folgen, und ich, wills Gott, bald auch.

W. d. 17. May 1795.

G.


Die Einrichtung des Drucks überlaße ich Ihnen ganz. Vielleicht lassen sie sich noch schicklich rücken


10/3158.

An Friedrich Schiller

Die letzten Elegien folgen denn auch und mögen mit gutem Omen abgehen.

Nun sollen Liedchen folgen und was dem Almanach frommen könnte.

Ich bin fleißig und nachdencklich und möchte Sie über vieles sprechen. Vielleicht komm ich bald.

Leben Sie recht wohl und grüßen die liebe Frau.

W. d. 18. May 1795.

G.


[262] 10/3159.

An Johann Friedrich Unger

[Concept.]

[18. Mai.]

Die gedruckten Exemplare des zweyten Bandes sind, jedoch ziemlich spät angekommen; früher das Geld, worüber ich hiermit dankbar quittire.

Das fünfte Buch wird wohl vor Johanni nicht abgehen können; dagegen wird aber auch um jene Zeit das sechste zugleich völlig in Ordnung seyn und der Druck ununterbrochen fortgehen können.

Was die Herausgabe meiner Beobachtungen und Betrachtungen aus der Naturlehre und Naturgeschichte betrifft, so wünschte ich vor allen Dingen zu wissen, was für ein Format Sie für eine solche Schrift am räthlichsten halten? Da verschiedene Kupfer zur Erläuterung nöthig sind, so wünschte ich es nicht gar zu klein. Ein groß Oktav mit lateinischen Lettern wäre vielleicht das Schicklichste. Die Kupfer würde ich hier am wohlfeilsten stechen, aber . . . . . drucken und illuminiren lassen, worüber sich alsdann mehr sprechen ließe.


10/3160.

An Carl Friedrich von Woser

[Concept.]

[22. Mai.]

Welche Freude würde ich in früherer ruhiger Zeit bey dem Empfang von Ew. Excellenz Briefe empfunden [263] haben, da man zwar nicht im Überfluß, doch bequem lebte und im Stande war zur Zufriedenheit würdiger deutscher Männer manchmal dasjenige im Kleinen zu thun, was sie von der Nation im Großen hätten erwarten können. Leider traf mich Ew. Excellenz vertrauliches Schreiben in der ganz entgegen gesetzten Lage, die drohende allgemeine Noth führte jeden auf einen unnatürlichen Egoismus und die Feder versagte mir mehr als einmal den Dienst, wenn ich antworten und mein Unvermögen bekennen wollte.

Nun da die Hoffnung des Friedens uns wenigstens scheinbar näher . . . . . läßt daß wir vielleicht bald wieder in einen Zustand gerathen können, in welchem wir auch angenehme Pflichte zu erfüllen im Stande sind; so versäume ich nicht Ew. Excellenz für das mir bezeigte Vertrauen zu danken und zu versichern, daß ich es für eine der schönsten Früchte der wiederhergestellten Ruhe halten würde, wenn ich mich im Stand sähe, wenigstens einen Theil Ihrer Wünsche zu erfüllen, und durch den guten Willen zu zeigen, wie sehr ich wünschte für die frühere Bildung, die ich Ihrem Einfluß schuldig bin, dankbar zu seyn.

Der ich mich


[264] 10/3161.

An Samuel Thomas von Sömmerring

Der zweite Band des Roman's empfiehlt sich hiermit Ihnen und Ihrer lieben Frauen. Dabei liegt die Abhandlung über die farbigen Schatten, von der ich nur die Versuche empfehle, die Meinung muß, wo nicht ganz anders, doch viel anders bestimmt, ausgedrückt werden. Ich wollte das noch nachtragen und kam nicht dazu, darum blieb diese Schrift so lange liegen.

Wenn Sie von Ihren Bemühungen über's Auge nicht bald etwas öffentlich geben, so lassen Sie mir es im Manuscripte sehen. In einigen Monaten hoffe ich Verschiednes, das Sie interessiren wird, mitzutheilen.

Leben Sie recht wohl. Sagen mir manchmal etwas und behalten mich lieb.

Weimar den 25. Mai 1795.

Goethe.


10/3162.

An Jakob Stock

Wohlgeborener

Hochgeehrtester Herr Senator,

Ew. Wohlgeboren werden den zweiten Theil meines Romans so freundschaftlich als den ersten aufnehmen, und nach wichtigen und beschwerlichen Geschäften, Sich vielleicht durch einen Blick in diese phantastische [265] Welt erheitern. Darf ich bitten mich den werthen Ihrigen zu empfehlen. Wie sehr freue ich mich, daß meine liebe Vaterstadt sich die nächsten Hoffnungen auf Ruhe und Sicherheit machen darf.

Ew. Wohlgeboren

W. d. 25. Mai

ergebenster

1795.

Goethe.


10/3163.

An Friedrich Schiller

Ich dancke Ihnen recht sehr daß Sie mir die Sorge über Ihren Fieber Anfall durch die liebe Frau, die ich bestens grüße so bald benommen haben, möge doch Karl auch die Masern glücklich überstehen.

Mir ist es gleich bey meiner Rückkunft übel ergangen, ein Recitiv des Backengeschwulstes überfiel mich und da ich die Sache leicht nahm ward sie Stufenweise so arg daß ich von Humbold nicht einmal Abschied nehmen konnte. Jetzt ist das Übel im Fallen. Ich habe indessen am Roman abschreiben lassen und schicke vielleicht die erste Hälfte des fünften Buches, die auch Epoche macht, nächsten Sonnabend.

Die Horen habe erhalten.

Hierbey ein Tragelaph von der ersten Sorte.

Meyer grüßt und ist sehr fleißig.

Leben Sie wohl und laßen mich bald wissen wie es Ihnen und den Ihrigen geht und was Sie arbeiten.

W. d. 10. Jun. 1795.

G.


[266] 10/3164.

An Friedrich Schiller

Hier die Hälfte des fünften Buches, sie macht Epoche drum durft ich sie senden. Ich wünsche ihr gute Aufnahme Mein Übel hat meine Plane geändert so mußt ich mit dieser Arbeit vorrucken. Verzeichen Sie die Schreibfehler und vergessen des Bleystifts nicht. Wenn Sie und Humbold es gelesen haben bitte ich es bald zurück. Da ich ungeduldig bin körperlich zu leiden, werde ich wohl nach Carlsbad gehen, das mich ehmals auf lange Zeit von gleichen Übeln befreyte. Leben Sie wohl. Für den Calender nächstens etwas, auch für die Horen. Ich bin erwartend wie Ihnen ein Einfall gefällt den ich habe die Jurisdicktion der Horen und der Journale überhaupt zu erweitern. Sie erhalten einen Brief eines Mitarbeiters.

Mögen Sie doch recht wohl seyn und in Ihren Arbeiten nicht gehindert. W. d. 11. Jun. 1795. Was macht Carl?

G.


10/3165.

An Johann Daniel Binder

[Concept.]

Dem Rentbeamten Binder zu Dornburg wird sein Betragen, daß er dieses Frühjahr, ungeachtet einer an ihn geschehenen Weisung die in der Nähe des [267] Wasserbaues abgeköpften Weiden abfahren lassen und dadurch Zeitverlust und Kosten verursacht, hierdurch ernstlich verwiesen und demselben aufgegeben, keine Weiden auf herrschaftlichen Wiesen, ohne Erlaubniß Fürstl. Wasserbau-Commission, oder deren Untergeordnete, fernerhin hauen und abfahren zu lassen.

Weimar, den 11. Juny 1795.


10/3166.

An Friedrich Schiller

Hierbey die Concepte von den bewußten Briefen, an denen sich noch manches wird retouchiren lassen, wenn Sie mit den Hauptideen zufrieden sind. Dergleichen Aufsätze sind wie Würfel im Bretspiele; es entsteht meist etwas daraus was man nicht denkt, aber es muß doch etwas daraus entstehen. Vor Ende dieses Monats geh ich von hier nicht weg, und lasse Ihnen noch für das siebente Stück eine gewöhnliche Portion Unterhaltungen zurück. Bis dahin ist auch die 2te Hälfte des fünften Buchs abgeschrieben, und so hätten wir uns der Widerwärtigkeit so gut als möglich zu unsern Arbeiten bedient. Leben Sie recht wohl, thun Sie desgleichen; möge Ihnen die Epistel recht gut gerathen.

Weimar den 13. 1795.

Goethe.


[268] 10/3167.

An Friedrich Schiller

Ihre Zufriedenheit mit dem fünften Buche des Romans war mir höchst erfreulich und hat mich zur Arbeit, die mir noch bevor steht, gestärkt. Es ist mir sehr angenehmen, daß die wunderlichen und spaßhaften Geheimnisse ihre Wirkung thun und daß mir, nach Ihrem Zeugnisse, die Ausführung der angelegten Situationen geglückt ist. Um so lieber habe ich Ihre Erinnerungen, wegen des theoretisch-praktischen Gewäsches genutzt und bey einigen Stellen die Schere wirken lassen. Dergleichen Reste der frühern Behandlung wird man nie ganz los, ob ich gleich das erste Manuscript fast um ein Drittel verkürzt habe.

Über das was mit dem Briefe an den Herausgeber, oder bey Gelegenheit desselben anzufangen ist, werden wir bey einer Unterredung leicht einig werden. Ich werde etwa zu Ende der andern Woche bey Ihnen seyn und wo möglich die versprochene Erzählung mitbringen.

Auf den Sonnabend schicke ich Meyers Aufsatz über Johann Bellin; er ist sehr schön, nur leider zu kurz. Haben Sie die Güte uns die Einleitung, die Sie schon in Händen haben, wieder zurück zu schicken, weil noch einiges darin zu suppliren ist. Wenn er den Mantegna noch dazu fügen könnte, so wär' es ein Gewinn für das siebente Stück.

[269] Es ist mir angenehm, daß Ihnen der neue Tragelaph nicht ganz zuwider ist; es ist wirklich schade für den Menschen, er scheint sehr isolirt zu leben und kann deswegen bey manchen guten Parthieen seiner Individualität nicht zu Reinigung seines Geschmacks kommen. Es scheint leider, daß er selbst die beste Gesselschaft ist, mit der er umgeht. Sie erhalten noch zwey Bände dieses wunderlichen Werks.

Die vier Wochen in Carlsbad denke ich einer Revision meiner naturwissenschaftlichen Bemühungen zu widmen; ich will sehen, daß ich ein Schema dessen, was ich schon gethan habe und wohin ich mich zunächst wenden muß, aufsetze, um nur erst ein Fachwerk für die vielen zerstreuten Erfahrungen und Betrachtungen bereit zu haben.

Was sagen Sie zu einer Schrift, aus der ich Ihnen beyliegende Stelle abschreiben lasse?

Leben Sie recht wohl mit den Ihrigen und grüßen Humbolds.

W. d. 18. Jun. 1795.

Goethe.


10/3168.

An Carl Morgenstern

Die Schrift, die Sie mir gefällig mittheilten erhielt ich zu eben der Zeit, als Herr Professor Wolf sich bey uns befand und lernte also zu gleicher Zeit diesen trefflichen Mann und seinen würdigen Schüler [270] kennen. Ich danke Ihnen recht sehr für das übersandte Buch, das mir eine angenehme und belehrende Unterhaltung gegeben und zugleich eine weite Aussicht auf das was wir von Ihnen zu erwarten haben eröffnet hat.

Ich wünsche Ihnen eine dauerhafte Gesundheit um dasjenige ausführen zu können, wozu Sie uns Hoffnung machen.

Weimar, den 18. Juny 1795.

Goethe.


10/3169.

An Alexander von Humboldt

[18. Juni.]

Ein Übel, das ich mir wahrscheinlich durch Verkältung zugezogen habe, und das mich seit einiger Zeit an meinen Kinnladen plagt, konnte mich nur über Ihr Außenbleiben trösten, denn wenn Sie wirklich gekommen wären, und ich hätte die Reise nach Ilmenau nicht mit Ihnen machen können, so würde ich äußerst verdrießlich geworden sein.

Für die überschickten Schriften danke ich aufs beste. Ich habe sie gleich gelesen, studirt und mir manches daraus zugeeignet, wie Sie in der Folge bemerken werden. Ihre neuern Versuche über das galvanische Fluidum, die mir Ihr Herr Bruder mitgetheilt hat, sind sehr interessant. Wie merkwürdig ist, was ein bloßer Hauch und Druck, eine Bewegung [271] thun kann! So kennen Sie das Phänomen, da durch den Druck zweier Glasplatten die schönen Farben entstehen. Nun fange ich an, mich zu überzeugen, daß der Druck der atmosphärischen Luft und das Reiben derselben Ursache der Farben der Seifenblasen ist. Geben Sie uns ja Ihre Versuche sobald als möglich gedruckt und im Zusammenhange. In wissenschaftlichen Dingen kann man sich nie übereilen. Was man richtig beobachtet hat, wirkt tausendfältig auf andere und von ihnen wieder auf uns zurück. Wenn man etwas übersieht oder aus gewissen Datis zu geschwinde folgert, das braucht man sich nicht reuen zu lassen.

Sagen Sie mir ja von Zeit zu Zeit etwas von Ihren Erfahrungen und seien Sie meiner lebhaften Theilnahme gewiß. Da Ihre Beobachtungen vom Element, die meinigen von der Gestalt ausgehen, so können wir nicht genug eilen, uns in der Mitte zu begegnen. Dankbar erkenne ich den Antheil, den Sie mir auch öffentlich an Ihren Arbeiten geben wollen, dieser Beweis Ihrer freundschaftlichen Gesinnung ist mir sehr schmeichelhaft.

Ich gebe die Hoffnung noch nicht auf, Ilmenau einmal mit Ihnen zu besuchen. Da Ihre Thätigkeit, Ihre Liebhaberei und Bestimmung Sie in Bewegung erhalten, so habe ich Hoffnung, Sie von Zeit zu Zeit in unsern Gegend zu sehen, und mit dem, was Sie denken und thun, immer bekannter zu werden. Ich nehme gewiß an Ihren Fortschritten lebhaften Antheil, [272] und daß Sie mir ein öffentliches freundschaftliches Zeugniß unserer wissenschaftlichen Verbindung geben wollen, erkenne ich mit aufrichtigem Danke und erwarte Ihre Schrift mit vielem Verlangen. Leben Sie recht wohl, damit Ihre Thätigkeit ungestört fortwirke; gedenken Sie mein und lassen Sie mich von Zeit zu Zeit etwas von sich hören.


10/3170.

An Friedrich Schiller

Eine Erzählung für die Horen und ein Blätchen für den Almanach mögen meine Vorläufer seyn. Montags bin ich bey Ihnen und es wird sich manches bereden lassen. Voß grüßt und bietet eine antiquarische Abhandlung über die Hähne der Götter und allenfalls ein Stück alte Geographie an.

Herder verspricht baldigst etwas über den Homer. Wenn noch was von Jakobi käme; so wäre es recht gut.

Ich verlange zu sehen was Sie gearbeitet haben.

Empfehlen Sie mich Ihrer lieben Frauen und Humbolds, ich freue mich Sie wieder zu sehen.

W. d. 27. Jun. 1795.

Goethe.


10/3171.

An Christian Gottlob Voigt

[Ende Juni.]

Dürfte ich um Mittheilung der Krusischen Anmerkungen bitten, die er in den Sessionen ausgezeichnet[273] hat; ich wollte alsdann sogleich das Schema zu den Protokollen machen und solches wäre nach vorhergegangener Besprechung auszuführen, wie denn nun auch das Fernere nach und nach besorgt werden kann.

G.


10/3172.

An August Johann Georg Carl Batsch

Da in dem Kontrakte sowohl uns als Diezeln die Aufkündigung vorbehalten ist, so werden E. W. ihn auf die daselbst bestimmte Frist verweisen, sich indessen nach einem anderen tauglichen Subjekte umsehen und selbiges bei Fürstlicher Kommission in Vorschlag bringen. In einer Zeit von vier Wochen werde ich sowohl als Herr Geh. R. Voigt wieder zurück sein.

Jena, d. 1. Jul 95.

J. W. v. Goethe.


10/3173.

An Johann Heinrich Voß

[Jena, 1. Juli.]

Mit dem besten Danke für die übersendeten Bücher schicke ich hier einige Kleinigkeiten zum Musenalmanach. Ich bin arm an Gedichten, die in eine solche Sammlung passen, doch hoffe ich, es soll künftig besser werden. Nehmen Sie diese einstweilen freundlich an.

Für das, was Sie an Luisen aufs neue gethan haben, danke ich Ihnen, als wenn Sie eine meiner ältesten Freundinnen ausgestattet und versorgt hätten.

[274] Ich habe besonders die dritte Idylle, seitdem sie im Merkur stand, so oft vorgelesen und recitirt, daß ich mir sie ganz zu eigen gemacht habe und, so wie das Werk jetzt zusammen steht, ist es eben so national als eigen reizend. Das deutsche Wesen nimmt sich darin zu seinem größten Vortheil aus.

Ihre Sammlung Gedichte soll mir eine angenehme Gesellschaft im Carlsbade sein, wohin ich jetzt gehe.

Ich wünsche, daß Ihr Abschied an Heyne wirklich ein Abschied sei. Es scheint mir, als wenn Sie eigentlich gar nicht hassen sollten. Ich würde mir diese Leidenschaft nie erlauben, wenn ich mich nicht dabei lustig machen könnte.

Schiller ersucht Sie, ihm Ihre Abhandlung zu schicken; er ist geneigt, sie in die Horen aufzunehmen, und wünscht, sie und ihren Inhalt näher kennen zu lernen.

Wenn Sie sich wieder zu einer Reise entschließen, so lassen Sie mich's doch voraus wissen, damit wir uns nicht verfehlen.

Meinen Roman schicke ich, wenn die vier Bände beisammen sind. Fahren Sie ja fort mich mit dem bekannt zu machen, was Sie thun und treiben.

Mit Herrn Prof. Wolf aus Halle habe ich auch vor kurzem Bekanntschaft gemacht, und freue mich auf eine nähere Verbindung mit demselben. Sie sollten nur auch noch in unserer Gegend sein, dann wollten wir noch von allen Seiten etwas zusammen arbeiten.[275] Leben Sie recht wohl, gedenken mein und sein überzeugt, daß ich an allem, was Ihnen begegnet, den lebhaftesten Antheil nehme.


10/3174.

An Christiane Vulpius

Eh ich weggehe muß ich dir noch, mein Liebchen, ein Wort sagen daß ich dich liebe und an dich dencke. Donnerstag früh gehe ich weg und küsse dich und den kleinen in Gedancken. Hier geht mirs wohl. Lebe wohl und dencke mein. Aus dem Carlsbad schreib ich dir gleich. Jena d. 2. Jul. 1795.

G.


10/3175.

An Christiane Vulpius

Nachdem ich leidliche und böse Wege zurückgelegt bin ich glücklich in Carlsbad angekommen. Die ersten Tage waren sehr regnicht jetzt fängst an besser zu werden. Ich habe angefangen den Brunnen zu trincken und habe viel Bekanntschaft gemacht. Äugelchen setzts auch genug, dabey wünsche ich mir daß ich dir die Felsen und Gegenden zeigen könnte. Einige Spaziergänge sind sehr schön. Hier schicke ich euch eine Schachtel getrocknetes Obst. Grüße den Kleinen. Ich freue mich schon das Haus wieder recht ordentlich zu finden. Lebe wohl und behalte mich lieb.

Carlsbad d. 7. Jul. 1795.

G.


[276] 10/3176.

An Friedrich Schiller

Die Gelegenheit Ihnen durch Frl. von Göchhausen diesen Brief zu übersenden versäume ich nicht. Nach überstandnen leidlichen und bösen Wegen bin ich am 4ten Abends angelangt, das Wetter war biß heute äusserst schlecht und der erste Sonnenblick scheint nur vorübergehend zu seyn. Die Gesselschaft ist zahlreich und gut, man beklagt sich, wie immer, über den Mangel an Harmonie und jeder lebt auf seine Weise. Ich habe nur gesehen und geschwätzt, was sonst werden und gedeihen wird muß abgewartet werden. Auf alle Fälle habe ich gleich einen kleinen Roman aus dem Stegreife angeknüpft, der höchst nöthig ist um einen Morgens um 5 Uhr aus dem Bette zu locken. Hoffentlich werden wir die Gesinnungen dergestalt mäßigen und die Begebenheiten so zu leiten wissen daß er vierzehn Tage aushalten kann.

Als berühmter Schriftsteller bin ich übrigens recht gut aufgenommen worden, wobey es doch nicht an Demüthigungen gefehlt hat. Z.B. sagte mir ein allerliebstes Weibchen: sie habe meine letzten Schriften mit dem größten Vergnügen gelesen, besonders habe sie Giaffar der Barmecide über alle Massen interessirt. Sie können dencken daß ich mit der größten Bescheidenheit mich in Freud Klingers hinterlaßne arabische Garderobe einhüllte und so meiner Gönnerinn[277] in dem vortheilhaftester Lichte erschien. Und ich darf nicht fürchten daß sie in diesen drey Wochen aus ihrem Irrthume gerissen wird.

Die vielen Menschen, unter denen sehr interessante sind, lerne ich nach und nach kennen und werde Ihnen manches zu erzählen haben.

Indem ich auf meiner Herreise einige alte Mährchen durchdachte ist mir verschiednes über die Behandlungs Art derselben durch den Kopf gegangen. Ich will ehstens eins schreiben damit wir einen Text vor uns haben. Leben Sie recht wohl mit den Ihrigen und dencken mein.

Carlsbad d. 8. Jul. 1795.

G.


10/3177.

An Christiane Vulpius

Dem Fuhrmann der Herrn v. Oppels Küch und Keller hergebracht hat gebe ich dieß Blat an dich mit. Es ist mir bisher recht wohl gegangen, der Brunnen bekommt mir gut und fegt alles böse aus, ich hoffe recht ausgespült zu dir zu kommen. Die Gesellschaft ist sehr zahlreich und angenehm, es giebt manchen Spas und Äugelchen die Menge, wobey ich mich immer mehr überzeuge:

Von Osten nach Westen

Zu Hause am besten.


[278] Ein schöner Taft wird meinen kleinen Schatz erfreuen, sie sind so schön hier daß einem die Wahl weh thut. Und noch was das du gerne hast.

Lebe wohl, grüße und küße Gusteln. Adieu. Liebe mich, wie ich am Ende aller Dinge nichts bessers sehe als dich zu lieben und mit dir zu leben.

Hier kommt gleich etwas zum Vorschmack.

Carlsbad d. 15. Jul. 95.

G.

Grüße Meyern.


10/3178.

An Christiane Vulpius

Nun bin ich vierzehn Tage hier und sehne mich herzlich wieder nach Hause. Die Cur schlägt sehr gut ein obgleich das Wetter ganz abscheulich ist. Ich lebe sehr zerstreut, den ganzen Tag unter Menschen es werden viel Äugelchen gemacht die dir aber keinen Abbruch thun, denn man sieht erst recht wie sehr man Ursache hat seinen treuen Hausschatz zu lieben und zu bewahren.

Alle Hofnung auf Arbeit und was ich hier vornehmen wollte muß ich aufgeben und bringe meine Papiere zurück wie ich sie mitgenommen habe. Dagegen will ich im August in deiner Nähe desto fleißiger sehn. Lebe wohl. Ich freue mich auf dich, aufs Bübchen und auf unser Haus und Hauswesen und damit der Brief nicht ganz leer geht lege ich dir etwas bey. Adieu liebe mich. Carlsbad d. 19. Jul. 95.

G.


[279] 10/3179.

An Friedrich Schiller

Carlsbad d. 19. Jul. 1795.

Ihren lieben Brief vom 6ten habe ich erst den 17ten erhalten; wie dancke ich Ihnen daß Sie mir in den Strudel einer ganz fremden Welt eine freundliche Stimme erschallen lassen. Gegenwärtiges nimmt Frl. v. Beulwiz mit, ich hoffe es soll balde bey Ihnen anlangen.

Die Cur schlägt sehr gut an, ich halte mich aber auch wie ein ächter Curgast und bringe meine Tage in einem absoluten Nichtsthun zu, bin beständig unter den Menschen, da es denn nicht an Unterhaltung und an kleinen Abentheuern fehlt. Ich werde mancherley zu erzählen haben.

Dagegen ist aber auch weder das fünfte Buch des Romans abgeschrieben, noch irgend ein Epigramm gelungen, und wenn die andre Hälfte meines hiesigen Aufenthaltes der ersten gleich ist; so werde ich an guten Wercken arm zurückkehren.

Mir war sehr lieb zu hören daß das Osmanstedter Ich sich zusammengenommen hat, und daß auf Ihre Erklärung kein Bruch erfolgt ist, vielleicht lernt er nach und nach Widerspruch ertragen.

Auch mir ist durch Mad. Brun die sublime Abhandlung Fernows im Merkur angepriesen und also der Nahme des Autors entdeckt worden. Leider spuckt [280] also dieser Geist anmaßlicher Halbheit auch in Rom, und unsre Freundinn wird wahrscheinlicher Weise dort mit den drey Stylen näher bekannt werden. Welch eine sonderbare Mischung von Selbstbetrug und Klarheit diese Frau zu ihrer Existenz braucht ist kaum denckbar, und was sie und ihr Circkel sich für eine Terminologie gemacht haben um das zu beseitigen was ihnen nicht ansteht und das was sie besitzen als die Schlange Mosis aufzustellen, ist höchst merckwürdig.

Doch ausführlich von allem diesem und anderm wenn ich zurückkomme. Die Finger erstarren mir für Kälte, das Wetter ist entsetzlich und die Unbehaglichkeit allgemein.

Leben Sie desto wohler und wärmer und gedencken mein.

G.


10/3180.

An Christiane Vulpius

Nun fängt, mein liebes Herz, die Sehnsucht nach dir und dem Kleinen mich wieder an zu beunruhigen und ich zähle die Tage nach denen ich euch wiedersehen werde. Das Wasser bekommt mir sehr wohl und ich hoffe alles hinwegzuspülen was mich künftigen Winter quälen könnte. Ich habe auch keinen Augenblick hier gehabt in dem ich die mindeste Unpäßlichkeit gespürt hätte. Die nothwendigen Sachen find hier sehr wohlfeil, am meisten gebe ich aus weil ich wegen der Gesellschaft nicht von Conzerten, Bällen und dergleichen [281] mich ausschließe. Ich sehe viel Menschen und das macht mir viel Vergnügen. Dafür wollen wir dann auch wieder recht allein seyn. Der Taffent ist gekauft, ich hoffe er soll dir gefallen. Die Äugelchen nehmen sehr ab, denn es kann von beyden seiten kein Ernst werden. Behalte mich nur recht ernstlich lieb. Wenn ich nach Jena komme schicke ich dir einen Boten und frage wie es zu Hause aussieht? ob ich kommen kann oder ob du mich in Jena besuchen willst? Lebe wohl, küsse den Kleinen, grüße Meyern und behalte mich recht lieb.

Carlsbad d. 25. Jul. 95.

G.


10/3181.

An Charlotte von Schiller

Ihr Brief meine Liebe, traf mich zur guten sonnigen Stunde, deren wir uns nicht oft zu rühmen haben und machte mir sie noch erfreulicher, hätte nur nicht zugleich die Nachricht von Schillers Übel wieder eine Wolcke davor gezogen. Da wir geistiger Weise so froh zusammen vorschreiten, warum können wir es nicht auch dem Körper nach? Selbst diesmal wenn wir zusammen hier gewesen wären, hätte es uns gewiß doppelte Zufriedenheit gegeben. Es sind manche gute und liebenswürdige Menschen hier, und da ich doch gewöhnlich sehr einsam lebe, so thut es wohl auch einmal in eine größere, besonders so sehr zusammengesetzte [282] Masse zu schauen. Von allen Gegenden Deutschlands sind Menschen da, die in ihrer Denckart sehr kontrastiren. Anfangs habe ich viel Bekanntschaft gemacht, zu Ende wird man lässiger. Gearbeitet hab ich dagegen nichts, die Zerstreuung hat ihre völligen Rechte behauptet. Heute über acht Tage bin ich wahrscheinlich schon auf dem Wege, und Ihnen um so viel näher. Möchte ich Sie doch Beyde recht wohl und munter finden!

Carlsbad d. 25. Jul. 95.

Goethe.


10/3182.

An Christiane Vulpius

Dieser Brief kann noch vor mir bey dir ankommen, ich werde ihm aber bald folgen. Es geht mir sehr wohl und das Wasser ist mir ohngeachtet des abscheulichen Wetters gut bekommen. Ich habe nun zu trincken aufgehört und bereite mich zur Abreise. Die Gesellschaft ist sehr angenehm und ich gebe vielleicht noch einige Tage zu. Ich freue mich herzlich dich wieder zu sehen und dir zu sagen: daß zu Hause, bey seinem Liebchen das beste in der Welt ist, denn am Ende wers nicht hat sucht ein Zuhause und ein Liebchen. Grüße das Kind, ich weiß noch nicht was ich ihm mitbringe, fürs Mutterchen war schon eher gesorgt. Ich hoffe Ihr werdet wohl seyn, im Hause [283] wird die Arbeit zurucken und ich werde euch vergnügt antreffen. Lebe recht wohl grüße Herrn Meyer und behalte mich lieb. Carlsbad d. 29. Jul. 95.

G.


10/3183.

An Friedrich Schiller

Ein Brief kann doch noch früher als ich selbst ankommen, darum will ich Ihnen für Ihr letztes dancken. Ihr erster Brief war 11 Tage unterwegs, der zweyte 5 und der letzte 7. So ungleich gehen die Posten hierher.

Es thut mir leid daß Sie inzwischen aus Noth gefeyert haben, indeß meine Tagedieberey willkührlich genug war. Ich habe mein einmal angefangnes Leben fort gesetzt, nur mit der Gesselschaft existirt und mich dabey ganz wohl gefunden. Man könnte 100 Meilen reisen und würde nicht so viel Menschen und so nah sehn. Niemand ist zu Hause deßwegen ist jeder zugänglicher, und zeigt sich doch auch eher von seiner günstigen Seite. Das fünfte Buch ist abgeschrieben, und das sechste kann in einigen Tagen fertig seyn. An den Epigrammen ist wenig geschehen und sonst gar nichts.

Ich wünsche Glück zu den neuen Beyträgen und bin neugierig sie zu lesen.

Nach Ihnen ist viel Nachfrage und ich antworte jenachdem die Menschen sind. Überhaupt hat das [284] Publicum nur den dunckelsten Begriff vom Schriftsteller. Man hört nur uralte Reminiszenzen; von seinem Gange und Fortschritte nehmen die wenigsten Notiz. Doch muß ich billig seyn und sagen daß ich einige gefunden habe die hierin eine merckwürdige Ausnahme machen.

Das sechste Stück der Horen ist noch nicht in diese Gebirge gedrungen ich habe bey Kalve von Prag schon Beschlag darauf gelegt.

Leben Sie wohl grüßen Sie die liebe Frau.

Carlsbad d. 29. Jul. 95.

G.


[68] 10/3183a.

An Christian Gottlob Voigt

[Anfang August 1795.]

Nächtsverzeichnete Bücher bitte gefällig für mich erstehen zu lassen

p. 342.


Nr. 86.Vite de Pittori pp. di Bellori4 bis 6 rh.

89 - 90.Felsina pittrice da Malvasia6 - 8 rh.

92.Vita di Michelangelo per Condivi2 - 3 rh.

94.Vita di Benv. Cellini4 - 6 rh.


[69] Es ist zwar keineswegs wahrscheinlich daß die obenstehenden Bücher auf die angesetzten Preise hinaufgetrieben werden, doch ist mir soviel an ihnen gelegen, daß allenfalls was bey einem erspaart wird dem andern zugelegt werden könnte.

Nr. 92 interessirt mich am wenigsten.

G.


[284] 10/3184.

An Friedrich Schiller

Hier schicke ich Ihnen endlich die Sammlung Epigrammen, auf einzelnen Blättern, nummerirt, und der bessern Ordnung willen noch ein Register dabey, meinen Nahmen wünschte ich aus mehreren Ursachen nicht auf den Titel. Mit den Motto's halte ich vor rathsam auf die Antiquität hinzudeuten.

Bey der Zusammenstellung habe ich zwar die zusammengehörigen hintereinander rangiert, auch eine gewisse Gradation und Mannigfaltigkeit zu bewürken gesucht, dabey aber um alle Steifheit zu vermeiden vorn herein, unter das venetianische Lokal, Vorläufer der übrigen Arten gemischt. Einige die Sie durchstrichen hatten habe ich durch Modification annehmlich[285] zu machen gesucht. Nro. 78 wünsche ich, so unbedeutend es ist, an diesem Platze, um die Schule zu reizen und zu ärgern, die, wie ich höre, über mein Stillschweigen triumphiert und ausstreut: ich würde die Sache fallen lassen. Haben Sie sonst noch ein Bedenken, so theilen Sie mir es mit, wenn es die Zeit erlaubt, wo nicht; so helfen Sie ihm selbst ohne Anstand ab.

Ich wünschte einige Exemplare von diesem Büchlein besonders zu erhalten, um sie zum Gebrauch bey einer künftigen neuen Ausgabe bey Seite zu legen.

Wollten Sie wegen der Druckfehler noch besondere Warnung ergehen lassen; in den Elegien sind einige sehr unangenehme eingeschlichen.

Sobald der Almanach heraus ist könnte man zu den Elegien und Epigrammen kurze Noten machen, dabey der Druckfehler erwähnen und den Aufsatz in die Horen einrucken, welches von mancherley Nutzen seyn würde, wie leicht könnte man dieser wirklich unentbehrlichen Noten am Ende des Büchleins mit einigen Worten gedenken.

Ich schicke dieses Paquet durch einen Boten damit es Ihnen so früh als möglich zukomme und damit ich den Roman wieder zurück erhalte, mit welchem ich auch nicht länger zaudern darf.

Ich sehe voraus, daß ich Anfangs September nach Ilmenau muß und daß ich unter zehn bis vierzehn Tagen dort nicht loskomme, bis dahin liegt noch [286] vielerley auf mir und ich wünschte noch von Ihnen zu wissen, was Sie zu den Horen bedürfen. Soviel ich übersehe könnte ich folgendes leisten:


August. Unterhaltungen, Schluß der letzten Geschichte.

Hymnus, den ich mir zu diesem Ende zurück erbitte.


Septbr. Drama und Roman.

Das Mährchen. Ich würde die Unterhaltungen damit schließen, und es würde vielleicht nicht übel seyn, wenn sie durch ein Product der Einbildungskraft gleichsam ins Unendliche ausliefen.


Octbr. Fortsetzung des Märchens.

Noten zu den Elegien und Epigrammen.


Nov. u. Dec. Ankündigung von Cellini, und wenn es möglich wäre etwas von Faust.


Mit diesem letzten geht mirs wie mit einem Pulver, das sich aus seiner Auflösung nun einmal niedergesetzt hat; so lange Sie dran rütteln, scheint es sich wieder zu vereinigen, sobald ich wieder für mich bin setzt es sich nach und nach zu Boden.

Schreiben Sie mir vor allen wie Sie sich befinden und wie Ihre Arbeiten gehn, und leben recht wohl.

Weimar d. 17. Aug. 95.

G.


[287] 10/3185.

An Friedrich Schiller

Hierbey schicke ich einige Stücke Horen, die ich überflüssig habe. Können Sie mir dagegen gelegentlich Nro. I und II auf Schreibpapier und Nro. IV auf holländisch Papier verschaffen, so wären meine übrigen Exemplare complett.

Da Meyer nun sich zur Abreise anschickt, werden wir Sie bald möglichst besuchen um uns Ihren Rath und Segen zu erbitten.

Grüßen Sie die liebe Frau und leben recht wohl.

d. 17. Aug. 95.

G.


10/3186.

An Samuel Thomas von Sömmerring

Recht vielen Dank für die Abhandlung über das foramen centrale, sie kam mir sehr zur gelegenen Zeit, denn ich bin eben beschäftigt, die Farbenerscheinungen, die man blos physiologisch nennen kann, zusammen zu stellen. Das foramen und der limbus luteus werden dabei eine große Rolle spielen, sobald ich nur einigermaßen in Ordnung bin, schicke ich Ihnen das Ganze zur Prüfung, eher kann ich nichts sagen, denn jede Hypothese hat nur dann einigen Werth, wenn sie viele Phänomene unter Einen Begriff versammelt.

[288] Für die Recension von Darwin habe ich Ihnen auch zu danken, sie hat mir mit einemmale klar gemacht, warum mir das Buch nicht behagen wollte.

Da ich diese Tage Ihre Nervenlehre wieder vornahm, fiel mir wieder ein, daß ich Ihre Splanchnologie nicht besitze. Sie haben ja wohl noch ein Exemplar dieses Theils einzeln. Sollten Sie aber ein ganzes Exemplar zerreißen müssen, so laß ich mir es lieber verschreiben.

Leben Sie recht wohl, theilen Sie mir bald wieder etwas mit. Ich werde mit mehr Lust arbeiten in Hoffnung Ihrer Theilnahme.

Weimar den 17. Aug. 1795.

Goethe.

Inzwischen daß der Brief liegt habe ich die Abhandlung nochmals gelesen, und kann nicht unterlassen hier zu wiederholen, wie sehr mich der Inhalt und die Art der Darstellung freut.


10/3187.

An Friedrich Schiller

An dem Hymnus, der hierbey folgt, habe ich soviel gethan als die Kürze der Zeit und die Zerstreuung in der ich mich befinde, erlauben wollen. Den Beschluß der Geschichte und den Übergang zum Märchen übersende ich bald möglichst, ich glaube aber nicht daß es einen gedruckten Bogen ausfüllen wird. [289] Zu dem Mährchen selbst habe ich guten Muth, es unterhält mich und wird also doch wohl auch einigermaßen für andere unterhaltend seyn.

Ihr Zeugniß, daß ich mit meinem sechsten Buche wenigstens glücklich vor der Klippe vorbeygeschifft bin, ist mir von großem Werthe, und Ihre weitere Bemerkungen über diese Materie haben mich sehr erfreut und ermuntert. Da die Freundin des sechsten Buchs aus der Erscheinung des Oheims sich nur so viel zueignet, als in ihren Kram taugt, und ich die christliche Religion in ihrem reinsten Sinne erst im achten Buche in einer folgenden Generation erscheinen lasse, auch ganz mit dem was Sie darüber schreiben einverstanden bin, so werden Sie wohl am Ende nichts Wesentliches verwissen, besonders wenn wir die Materie noch einmal durchsprechen.

Freylich bin ich sehr leise aufgetreten und habe vielleicht dadurch, daß ich jede Art von Dogmatisiren vermeiden und meine Absichten völlig verbergen wollte, den Effect aufs große Publikum etwas geschwächt; es ist schwer in solchen Fällen den Mittelweg zu halten.

Leben Sie recht wohl; Meyer grüßt vielmals. Sagen Sie der lieben Frau, daß sie meine symbolischen Nadeln gesund brauchen und verlieren möge.

Nächstens mehr.

Weimar den 18. August 1795.

G.


[290] 10/3188.

An Friedrich Schiller

Mehr ein Übersprung als ein Übergang vom bürgerlichen Leben zum Mährchen, ist mein diesmaliger Beytrag geworden. Nehmen Sie damit vorlieb.

Herders Homer, den ich so eben mit Meyern gelesen, ist fürtrefflich gerathen und wird den Horen zu großem Schmucke gereichen, ich will treiben daß Sie den Aufsatz morgen mit den Botenweibern erhalten. Die erste Portion des Mährchens erhalten Sie vor Ende des Monats. Leben Sie recht wohl.

W. d. 21. Aug. 1795.

G.


10/3189.

An Johann Gottfried Herder

[21. August.]

Dein Aufsatz folgt hier mit dem besten Danke. Es ist dir fürtefflich gerathen. Es umfaßt die Materie, ist ohne Strenge genau und mit Lieblichkeit befriedigend. Ich wußte nichts dabei zu erinnern. Nur bitte ich ihn, wenn es möglich ist, morgen mit den Botenweibern an Schiller zu schicken. Vale.

G.


10/3190.

An Friedrich Schiller

Es freut mich daß meine kleine Gabe zur rechten Zeit kam. Die erste Hälfte des Mährchens sollte [291] nach meiner Rechnung auch ins neunte Stück kommen, inwiefern es nöthig oder thulich sey wollen wir Montags bereden, da ich Sie mit Meyern zu besuchen gedencke. Abends gehe ich zurück, denn Mittwochs muß ich endlich nach Ilmenau, von da ich etwa in acht Tagen zurückkomme.

Nur soviel zur Nachricht. Die Botenweiber packen ein. W. d. 22. Aug. 1795.

G.


10/3191.

An Friedrich Schiller

Morgen frühe gehe ich mit Geh. R. Voigt nach Ilmenau und würde bey meinen Streifereyen noch heitrer seyn wenn ich Sie zu Hause wohl und nicht so oft durch Kranckheit an so manchem Guten gehindert wüßte. Meyer grüßt. Ich wünsche zu vernehmen daß der gute Effeckt des Mährchens nachgekommen ist und die Folge den anfänglichen bösen Eindruck wieder ausgelöscht hat. Wenn ich Ihnen lebe wohl sage, so heist das immer: gebrauchen Sie wie bisher der guten Stunden zu unsrer Freude.

W. d. 24. Aug. 1795.

G.


10/3192.

An August Johann Georg Carl Batsch

[Concept.]

So wenig sich der Gärtner Diezel durch den unleidlichen Schmutz, in welchem man zu Ende Juny [292] das Gewächshaus gefunden, durch die Vernachlässigung des Untersetzens der Näpfchen, welche schon seit der Hälfte des Mays vorräthig gewesen, durch den dadurch dem Gebäude selbst zugezogenen Schaden und durch die, auf den ihm gegebene, verdienten Verweis, unzeitig geforderte Entlassung, bey Fürstl. Commission empfohlen hat; so will man doch, weil Ew. Wohlgeb. im Ganzen genommen mit ihm zufrieden sind, und in der Hoffnung daß er auch die einzelnen Anordnungen und Befehle künftig genauer befolgen wird, denselben allenfalls noch fernerhin beybehalten.

Ew. Wohlgeb. sehen aber wohl ein, daß hiebey weder von Unterhandlung noch von einer Verbesserung die Rede seyn kann, welche nur durch ein vermehrtes verdienst von Fürstl. Commission zu erhalten seyn wird. Sollte daher der Gärtner Diezel, ohne Weigerung seiner Pflicht in Wartung des Gartens bis auf künftige Ostern Genüge leisten; so wird man alsdann seine Bemühungen zu würdern, sein Verhältnis zu bestimmen und zu verbessern Gelegenheit nehmen, wobey ich jedoch nochmals Ew. Wohlgeb. ersuchen muß: strenge Aufsicht zu führen, daß das Gewächshaus als die vorzügliche Zierde unserer neuen Anlage, rein gehalten, die Töpfe durchaus mit Untersetznäpfchen versehen und alles verhütet werde, was die Fäulniß der Schwellen und Zapfen, die ohnehin schon genug leiden, beschleunigen könne, wie ich denn [293] bey meinem nächsten Besuch alles in der gewünschten Ordnung zu finden hoffe.

Der ich übrigens recht wohl zu leben wünsche.

Weimar den 24. August 1795.


10/3193.

An Christiane Vulpius

Wir kommen, meine liebe, nicht zurück wie du uns erwartest. Es finden sich der Geschäfte soviele daß ich wohl noch acht Tage hier bleiben muß. Ich behalte den Kleinen bey mir, er ist so artig als sich nur dencken läßt. Er hat schon vieles gesehen: den Schacht, das Pochwerck, die Porzellanfabrick, die Glashütte, die Mühle worauf die Marmorkugeln zum Spiele der Kinder gemacht werden und überall hat er etwas mitgenommen und spricht gar artig von den Sachen. Dann hält er sich zu allen Leuten und ist schon überall bekannt. Hier schickt er dir einen weisen Pfefferkuchen, den er selbst gern gegessen hätte. Grüße Herrn Meyer und sage ihm: er möchte das Wasser recht fleißig trincken. Wenn etwas an mich angekommen ist; so schicke es mir durch Venten der Dienstag herausfährt. Gustel grüßt dich recht schön, er sitzt eben auf dem Canapee ich habe ihn ausgezogen und wir sind die besten Freude. Lebe wohl behalte uns lieb. Ilmenau d. 29. Aug. 1795.


[294] 10/3194.

An Friedrich Schiller

Aus dem gesellig müsigen Carlsbad hätte ich in keine entgegengesetztere Existenz kommen können als in das einsam thätige Ilmenau, die wenigen Tage die ich hier bin sind mir sehr schnell verstrichen und ich muß noch acht Tage hier bleiben, wenn ich in den Geschäften nach Wunsch klar werden will. Ich war immer gerne hier und bin es noch, ich glaube es kommt von der Harmonie in der hier alles steht. Gegend, Menschen, Clima, Thun und Lassen. Ein stilles, mäßiges ökonomisches Streben, und überall den Übergang vom Handwerck zum Maschinenwerck und bey der Abgeschnittenheit einen größern Verkehr mit der Welt als manches Städtchen im flachen zugänglichen Lande. Noch habe ich auch keine Idee gehabt als die hierher passte, es war aber sehr nothwendig daß ich das Pensum vor Winters absolvirte. Leben Sie recht wohl in andern Regionen und gedencken mein mit der Ihrigen.

Ilmenau d. 29. Aug. 1795.

G.


10/3195.

An Christiane Vulpius

Nun, mein Liebchen, werde ich bald wieder bey dir seyn, Sonntag früh gehe ich hier ab. Es ist mir [295] und dem Kleinen recht wohl gegangen. Wir haben gutes Wetter und mit unter recht schönes gehabt heut ist ein herrlicher Tag. Der Kleine ist gar zu artig und freut sich über die vielen Sachen und Arbeiten die er sieht, er behält alles recht gut und fragt gar vernünftig. Er hält sich mit allen Leuten. Ich hab ihm einen Berghabit machen lassen und morgen da die Bergleute einen Aufzug haben soll er mit gehen. Das macht ihm großen Spas aber in die Kirche will er nicht mit hinein. Er bringt dir eine Tasse mit, die man ihm geschenckt hat und füttert sich überhaupt aufs beste. Des Morgens um 5 Uhr sind wir wach, abends aber gehts auch bald zu Bette. Lebe wohl ich hoffe dich wohl und das Haus in guter Ordnung zu finden. Ich bringe einen Wildpretsbraten mit und will nächste Woche Gäste darauf bitten. Lebe wohl und liebe uns. Ilmenau d. 2. Sept. 1795.

G.


10/3196.

An Christian Gottlob Voigt

Die Gesellschaft Rathgeber ist gestern angekommen, ich habe noch keinen gesehen. Vent werde ich gleich mit nach den Freybächen nehmen, es ist heute ein herrlicher Tag, und die Graben Sache berichtigen. Daß Seidel mitkommt ist mir sehr angenehm, er kann meine Vorarbeiten durchgehen und noch einiges nachtragen, indeß ich die Zeit anders anwende. Ich habe[296] Sie in diesen Tagen sehr vermißt, es ist ein böses Geschäft diese Danaiden Familie zu kontrolliren, doch bin ich ziemlich aufs Klare und wie die Wahrheit für uns Menschen selten tröstlich ist, so trifft es auch hier. Vielleicht nehmen unsre Entschließungen eine andere Richtung. Es ist schon vorauszusehen daß unsere Poch und Wasch Anstalt so wie unser nächstes Schmelzen betrübte Resultate geben wird, und daß sowohl Wäschen als Schmelzen nicht Proben des Ertrags, sondern nur Proben der Behandlung seyn werden. Alles ja alles kommt auf ansehnliche Verbesserung der Anbrüche an, man hat das lange gesagt, aber ich möchte sagen: man hat sichs noch nicht genug gesagt. Daß Bertuch und Seidel das C. A. Ort wollen fortgetrieben haben ist sehr gut und wir wollen unsre Plane darnach richten.

Hierbey ein Brief von Serenissimo; in dem an mich gerichteten schien unser Fürst sehr guten und heitern und milden Sinns, die fremden Einflüsse sind also vorerst von guter Wirkung.

Der Kleine empfiehlt sich und dankt für die Bemühung wegen des Hutes; er befindet sich recht wohl und war gestern mit auf dem Löfterischen Hammer wo ihm das glühende Eisen sehr in die Augen fiel. Morgen zieht er mit den Bergleuten auf, will aber nicht mit in die Kirche. Es scheint das entschiedne Heidenthum erbt auf ihn fort.

Leben Sie recht wohl. Ich freue mich Sie bald [297] wieder zu sehen. Mit Freunden werden auch unangenehme Geschäfte zu einer tröstlichen Unterhaltung. Ich wünsche Sie in öffentlichen und privat Angelegenheiten immer zur Seite zu haben. Möge ich Ihnen doch auch was seyn können. Empfehlen Sie mich Ihrer Frau Gemahlinn.

Wenn es thulich ist; so gehe ich in 3 Wochen nochmals auf einige Tage hierher. Wir können und müssen diesmal alles was von uns abhängt, wo nicht organisiren doch mechanisiren und ich hoffe es soll thulich seyn.

Ilmenau d. 2. Sept. 1795.

G.


10/3197.

An Friedrich Schiller

Eben da ich Ihren Brief erhalte geht eine Gelegenheit nach Weimar. Also einen schönen Grus aus diesen stillen Gebürgen, in denen ich das schönste Wetter erlebt habe.

Das Epigramm kommt zurück und ter ist in be verwandelt, so mags wohl noch hingehen.

Der letzte Pentameter des 101. Epigrams mag heisen:


Daß die liebliche Frucht schwellend im Herbste gedeiht.


Das Mährchen wünscht ich getrennt, weil eben bey so einer Producktion eine Haupt Absicht ist die Neugierde [298] zu erregen. Es wird zwar immer auch am Ende noch Räzel genug bleiben.

Zu dem Zug der Horen wünsche ich Glück, möge sich die Lust und Liebe des Publikums verdoppeln.

Frau von Kalb und Ihrer lieben Frauen empfehlen Sie mich.

Sonntag Abend bin ich in Weimar und hoffe Sie bald zu sehen. Leben Sie recht wohl.

Ilmenau d. 3. Sept 1795.

G.


10/3196.

An Friedrich Schiller

Das Packet der Horen mit Ihrem und Herrn v. Humbolds Brief hat mich freundlich empfangen, als ich von Ilmenau zurückkam und ich schreibe zum ersten Gruße nur einige Worte.

Hier das Epigramm, weil Sie wohl keine Abschrift davon haben.

Jakobis Aufsatz ist wunderlich genug. Seinem Ludwig, Lear und Oedipus habe ich, als ein Profaner, nichts abgewinnen können; das zweyte aber hat sehr viel Gutes und wenn man von seiner Erklärung über Vorstellungsarten nun auch seine Vorstellungsart abzieht; so wird man sie sich leicht übersetzen können.

Die gute Aufnahme meines Märchens erfreut mich und muntert mich auf. Wenn nur Einer von [299] den hundert Kobolden des Alten von Ferney drinne spuckt; so bin ich schon zufrieden. Wenn es zusammen ist wünsche ich über die Intention und das Gelingen Ihre Gedancken zu hören.

Die zweyte Hälfte des Mährchens und der Schluß des sechsten Buches des Romans sind nun meine nächsten Arbeiten. Wann müssen Sie das Mährchen haben?

Möchte Ihnen doch Ihr erster Ausritt ins Gebiet der Dichtkunst nach einer so langen Pause besser bekommen seyn. Können Sie doch einige Zeit sich Ruhe lassen!

Grüßen Sie die liebe Frau und behalten mich lieb.

W. d. 7. Sept. 1795.

G.


10/3199.

An Friedrich Schiller

Diese Tage habe ich Ihnen nicht geschrieben, weil ich einen Besuch zu Ihnen vorhatte, der mir aber nicht gelungen ist. Meyer bereitet sich zur Abreise und arbeitet noch eine kolorirte Zeichnung von den drey Parzen aus, die Sie sehen sollen. Ich wünsche ihm nur Gesundheit, sonst geht er ausgestattet mit allen guten Gaben. Es ist ein herrlicher Mensch. Was mich betrift so habe ich, wie Sie wohl fühlen, auch nur diese Zeit auf Einem Fuß gestanden und mit dem andern mich schon nach den Alpen bewegt. [300] Die Mineralogie und Geologische Base, die anfängliche fortschreitende und gestörte Cultur des Landes habe ich von unten herauf theils zu gründen, theils zu überblicken gesucht und mich auch von oben herein, von der Kunstseite noch mit Meyern auf alle Weise verständiget. Und doch sind das alles nur Schul Vorübungen. Ein guter Geist helfe uns zum Schauen, zum rechten Begriff und zum fröhligen Wiedersehen.

An die Horen dencke ich täglich und hoffe auch noch etwas zu leisten. Möchten Sie doch des schönen Wetters unter freyem Himmel genossen haben!

Der gezüchtigte Tersit krümmt sich, wie ich höre, erbärmlich, bittet ab und fleht nur daß man ihn leben lasse. Noch hab ich das Stück nicht gesehen.

Leben Sie recht wohl und glauben Sie meiner Weissagung daß mit dem neuen Jahre die Subscribenten der Horen eher vermehren als vermindern werden. W. d. 14. Sept. 1795.

G.


10/3200.

An Charlotte von Kalb

[Mitte September.]

Sie können glauben daß ich auch oft an Sie denke, wenn ich gleich nicht erscheine und das ist freylich ein unfruchtbarer Antheil. Meine Existenz neigte sich immer zur Einsamkeit und ich denke es wird [301] endlich auch dabey bewenden. Heute Abend werde ich mit Vergnügen aufwarten und wünsche Sie mit Ihrem Herrn Gemahl allein zu finden.

G.


10/3201.

An Friedrich Schiller

Über Ihre Anfrage wegen der Brücke habe ich etwas zu sagen unterlassen, das ich jetzt nachhohle. Bey Vicenz ist keine merckwürdige einbogigte Brücke. Die zwey daselbst, von Palladio erbaut, sind dreybogigt. Auch ist mir ausser dem Rialto zu Venedig keine der Art in ienen Gegenden erinnerlich.

Ausser dem Pater peccavi des litterarischen Sanskulotten ist noch für die Horen ein günstiger Stern erschienen, indem Gentsch vor den Briefen über ästhetische Erziehung große Reverenzen in seiner Monatschrift macht. Das kommt alles zur rechten Zeit und zu überlegen wäre es ob man nicht vor Ende des Jahrs sich über einiges erklärte und unter die Autoren und Recensenten Hoffnung und Furcht verbreitete.

Nächstens besuchen wir Sie. Haben Sie die Güte mir das Mährchen zurück zu schicken es soll vollendet zurück kehren. Leben Sie recht wohl.

W. d. 16. Sept. 1795.

G.


[302] 10/3202.

An August Johann Georg Carl Batsch

Ew. Wohlgeb.

erhalten hierbey die Monita über die von Ostern bis Johanni 1795 geführte Quartal-Rechnung. Commissio erwartet deren Beantwortung und wird wegen des Gärtners seiner Zeit eine solche Einrichtung zu treffen suchen, daß Ew. Wohlgeb. bey Ihren mannigfaltigen Arbeiten aufs möglichste soulagirt werden.

Weimar den 16. Sept. 1795.

Goethe.


10/3203.

An Caroline Herder

[22. September.]

Wie leid mir die Eröffnung Ihres Zustandes gethan kann ich Ihnen nicht ausdrücken, ich werde nichts versäumen auf die Art wie Sie wünschen zu wircken. Könnte ich Ihnen doch bald eine gute Nachricht geben!

G.


10/3204.

An Friedrich Schiller

Das Mährchen ist fertig und wird in neuer Abschrift Sonnabend aufwarten. Es war recht gut daß Sie es zurückhielten, theils weil noch manches [303] zurecht geruckt werden konnte, theils weil es doch nicht übermäßig groß geworden ist. Ich bitte besonders die liebe Frau es nochmals von vorne zu lesen.

In der Mitte der andern Woche hoffe ich zu kommen mit Meyern, seine Abwesenheit wird mir sehr fühlbar werden. Wenn ich nur im Winter einige Zeit bey Ihnen seyn kann!

Ich habe viel zu sagen und zu fragen und hoffe Sie wohl zu finden und manches gearbeitete. Grüßen Sie doch Humboldts vielmals W. d. 23. Sept. 1795.

Goethe.


10/3205.

An Friedrich Schiller

Wie ich in dieser letzten unruhigen Zeit meine Tonne gewälzt habe wird Ihnen, werther Mann, aus beyliegenden bekannt werden. Selig sind die da Mährchen schreiben, denn Mährchen sind a l'ordre du jour. Der Landgraf von Darmstadt ist mit 200 Pferden in Eisenach angelangt und die dortigen Emigrirten drohen sich auf uns zu repliiren, der Churfürst von Aschaffenburg wird in Erfurt erwartet.

Ach! warum steht der Tempel nicht am Flusse!

Ach! warum ist die Brücke nicht gebaut!

Ich wünsche indeßen, weil wir doch immer Menschen und Autoren bleiben, daß Ihnen meine Producktion nicht mißfallen möge, wie ernsthaft jede Kleinigkeit wird sobald man sie kunstmäßig behandelt [304] hab ich auch diesmal wieder erfahren. Ich hoffe die 18 Figuren dieses Dramatis sollen, als soviel Räzel, dem Räzelliebenden willkommen seyn.

Meyer packt und wir erscheinen bald, hoffentlich haben Sie uns mit mancherley zu regaliren. Leben Sie recht wohl. W. d. 26. Sept. 95.

G.


[69] 10/3205a.

An Christian Gottlob Voigt

[Ende September 1795.]


Göze kommt mit den Botanicis. Zugleich wollte ich bemerken, daß die Ilmenauer noch keine Verordnung haben mit Michael den Grubenbau zu sistiren. Ich hoffte auf einen Boten und auf die Argantische Lampe, jener kommt nicht, diese ist noch nicht fertig. Es möchte daher wohl Morgen ein Expresser mit einer solchen Verordnung abzusenden seyn, den Mittwoch ist Quartal Schluß.

Einen Aufsatz, der den Deputirten communicirt auch vorgetragen werden kann, liefere ich morgen. Das übrige mündlich. Etwa in acht Tagen denke ich wieder hinaus zu gehen.

Göze ist bereit zu mundiren und was sonst nöthig seyn sollte.

G.


[304] 10/3207.

An Christian Gottlob Voigt

[Ende September oder Anfang October.]

Sollte, wie in der Stadt gesprochen wird, eine besondere Nachricht von der Lahn und unserm kleinen[305] Corps hier seyn, so bitte um gefällige Mittheilung.

Wollten Sie wohl Morgen Mittag Theil an einem kleinen freundschaftlichen Mahle nehmen?

G.


[70] 10/3207a.

An N.N.

[Concept.]

[vor dem October 1795.]

Ew. Hochwohlgeboren

Erzeigen mir eine Ehre, die ich zu verdienen wünsche, indem Sie mich auf eine Weise vor unserm Vaterlande nennen, welche zugleich Zutrauen in meine Talente und meinen Charakter zeigt. Nicht ohne schmerzliche Theilnehmung habe ich bisher dem Laufe der Sache zugesehen, als Schriftsteller wenig und als Privatmann das Mögliche gethan, um durch Klarheit und Mäßigung den Parteygeist wenigstens in einem kleinen Zirkel zu mindern und ins Gleichgewicht zu bringen.

Nichts wünschenswerther wäre für einen Schriftsteller, der sich schmeicheln darf ein geneigtes Gehör bey seiner Nation zu finden, [als] als Organ des thätigen, anführenden, rettenden Theils der Nation aufzutreten, da so viele ihr Talent mißbrauchen, gefährliche Schwingungen zu vermehren und den kleinen widerstrebenden hindernden Partheysinn zu begünstigen.

Nur der aufgeopfert, oder der aufzuopfern hat, sollte eine Stimme haben, die alsdenn, wie nunmehr die Ihrige, mit Ernst und Würde sich hören läßt. Sollten wir auch die unmittelbare Wirkung solcher Aufforderungen nicht sehen, so wird doch dadurch die

[71] Nothwendigkeit eines thätigen Angriffs jedermann immer deutlicher; die Menschen werden zu demjenigen nach und nach vorbereitet, dem sie doch nicht ausweichen können.

Soll ich aufrichtig seyn, so muß ich bekennen, daß es noch eher möglich seyn möchte die gebietende Classe Deutschlands zu einem übereinstimmend wirkenden Vertheidigungsplan zu bewegen, als ihnen Zutrauen gegen ihre Schriftsteller einzuflößen. Die Ursachen, die von beyden Seiten diesem Vertrauen entgegen stehen, sind Ew. hinreichend bekannt und meine wenige Erfahrungen können nur einige traurige Wahrheiten bestätigen. Übrigens darf ich versichern, daß in meine Meynungen und Absichten sich diese Zeit her nichts eingemischt habe, dessen sich ein biederer Deutscher schämen dürfe. Leider muß man nur meistentheils verstummen, um nicht, wie Cassandra, für wahnsinnig gehalten zu werden, wenn man das weissagt, was schon vor der Thür ist. Ich empfehle mich Ew. p. fernern geneigten Andenken.


[305] 10/3208.

An Charlotte von Kalb

[Anfang October.]

Gern will ich Ihnen glauben, daß Ihnen unser kaltes Schattenreich wunderbar vorkommt. Fast noch nie haben sich die Verhältnisse so zersprengt und isolirt als diesmal. Mit viel Freude erwarte ich Sie heute Nachmittag. Nur wünsche ich Sie, so lange die Sonne noch scheint, in meinem freundlichen Garten Zimmer zu sehen.

G.

Hier einsweilen ein alter Freund.


10/3209.

An Friedrich Schiller

Der Wunsch Sie wieder zu sehen ist mir diese Zeit her immer vereitelt worden, Morgen hoffe ich bey Ihnen zu seyn und zu vernehmen was Sie in dem Zwischenraume gearbeitet haben.

Daß mir, nach Ihrem Urteil, das Mährchen geglückt ist macht mir viel Freude und ich wünsche[306] über das ganze Genre nunmehr mit Ihnen zu sprechen und noch einige Versuche zu machen.

Der Schluß des 6ten Buches meines Romans geht Montags ab und dieser Band wird gedruckt bald aufwarten. Im folgenden rollt der Stein den Berg hinab und das meiste ist schon geschrieben und fertig.

Die verlangten Monatschriften lasse ich aufsuchen, sie wo möglich mitzubringen.

Die Knebelischen Elegien sind recht gesunden und in mehr als Einem Sinne gut und heilsam. Vielleicht bringe ich einige mit. Vielmals Adieu.

d. 3. Octbr. 9.

G.


10/3210.

An Friedrich von Schuckmann

Weimar, d. 3. Octbr. 95.

Ihren wehrten Brief vom 25. Sept. habe ich erst gestern erhalten und da ich erst morgen erfahre ob Hufeland in der Mitte dieses Monats zu Hause seyn wird, kann ich erst diesen Brief von Jena, wohin ich eben gehe, absenden. Äusserst unangenehmen ist mirs daß ich eben eine Reise vorhabe, von der ich unter sechs Wochen nicht wieder nach Hause komme.

Seitdem ich Sie mir soviel näher weiß, beschäftigt mich der Gedancke sehr oft daß ich Sie wiedersehen könnte. Denn so manches auch diese Zeit her bey mir vorübergegangen und in mir vorgegangen ist, so [307] sind mir die würdigen Menschen, die ich kannte, nur immer werther geworden. Wieviel wurde mir nicht eine Unterhaltung einiger Tage mit Ihnen gewähren.

Daß Sie an der Metamorphose Theil genommen hatten wußte ich durch Reichart und ich freute mich um so mehr darüber, da sich meine lieben Landsleute in diesem Falle, wie in mehreren sehr stumm bezeigten. Wie angenehm würde mir es daher seyn, Ihnen die Sammlung die ich gemacht habe, in der Absicht die Idee immer deutlicher zu machen, und meine Fortgesetzten Erfahrungen vorzulegen, nicht weniger die Vermuthung ähnlicher Gesetze, wornach die vollkommeren Naturen organisirt seyn mögen, Ihnen vorzutragen.

Wie gern möchte ich von Ihnen hören wie es Ihnen bisher ergangen und was Sie Sich von Ihrem neuen Zustande versprechen. Ich würde Sie nach einer solchen Erneuerung unsres Verhältnißes bitten daß künftig kein so langer Zwischenraum unserer Correspondenz seyn möge.

Leider sehe ich aus Ihrem Briefe daß Ihr Knabe nicht ganz wohl ist das ich herzlich bedaure.

Wenn Sie in unsre Gegenden kommen, so schreiben Sie mir doch ein Wort wann Sie wieder zu Hause sind, kann ichs möglich machen, so besuche ich Sie bald.

Die folgenden Bände des Romans empfehle ich Ihrem stillen Antheil. Was würde aus einem Autor[308]